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Full text of "Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst"

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Sieorl des Stiftes Möxstadt. 



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ARCHIV 

flir 



FRANKFURTS GESCHICHTE 

und 

KUNST. 



T" 1 

Neue Folge. / 



3-f 

Herausgegeben 

von dem 

Vereine für Geschiebte und Alterthumskunde 

zu Frankfurt am Main. 



Dritter Band. 



Mit Abbildungen. 



rKANKH KT a. M. 

1 Di Selbst-Verlage des Vereins. 
In Commission bei Heinrich Keller. 

1865. 



Druck von Augutt OtterrUth In Frankfurt n. M. 



ZentralMhüothek 



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Inhalt 



Seit« 



Zur Urgeschichte des Rhein- und Mainlandea. Von Professor Dr. J. Becker 1 

Des Kanonicus Job Rohrbach am Bartholomäusstifte Frankfurter Chronik 
vom Jahr 1494—1502. Zum erstenmale herausgegeben von Georg Eduard 
8teitz, Doctor der Theologie 47 

Die Strassen der Frankenfurt Von Dr. Friedrich Schärft Mit einer Karte. 206 

Das Recht der hohen Mark, mit besonderer Berücksichtigung der angren- 
zenden Seulberg-Erlenbacher Hark. Von Dr. Friedrich Scharff . . . 255 

Beiträge zur Geschichte des Collegiatstifts Mörstadt aus dem Frankfurter 
Stadtarchive von Dr. L. H. Euler 483 

Angelegenheiten der reformirten Gemeinden nach den Protocollen des lutheri- 
schen Predigerministeriums. Mitgetheilt von Pfarrer Basse 504 

Die Auflösung des Grossherzogthums Frankfurt. Ein geschichtlicher Rück- 
blick auf die beiden letzten Monate des Jahres 1813. Von Dr. W. F. 
C. Stricker 512 

Lorenz Heister geb. im Jahr 1683 zu Frankfurt, gest. 1758 zu Helmstädt 

Von Dr. Eduard Heyden 522 

Johann Michael von Loen, Goethes Grossoheim. Von Dr. Eduard Heyden . 534 



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Der Verein für Geschichte and AlterthumBktmde hat bis jetsst folgende 

Schriften veröffentlicht: 

1) Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst Neue Folge. Band I. IL Mit 
Abbildungen. Frankfurt 1860. 1862. (Schliesst sich an das gleichnamige von 
der Gesellschaft für Frankfurts Geschichte und Kunst in 8 Heften 1839—1858 
herausgegebene Archiv an.) 

2) Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins Band 1 II. Frankfurt 1860-1864. 
Dritter Band Nummer 1, ausgegeben April 1865. Frankfurt 

3) Des Canonicus Baldemar von Peterweil Beschreibung der kaiscrl Stadt 
Frankfurt am Main aus dem 14. Jahrhundert Urschrift mit Cebers. und 
Er). Herausgegeben von Dr. L H. Euler. Frankfurt 1858. (Ist besonderer 
Abdruck aus Nr. 1 der Mittheilungen.) 

4} Das steinerne Haus und die Familie von Meiern in Frankfurt. Frankfurt 1869. 
'Besonderer Abdruck aus Bd. L Nr. 3 der Mittheilungen.) 

5) Nenjahrsblatt für 1859. - Dorf und Schloss Rödelheim. Beitrage zu der 
Geschichte derselben von Dr. L. H. Euler. Frankfurt 1859. 4". 

6) Desgl. für 1860. — Der Frankfurter Chronist A. A. von Lersner, von Dr. 
E. Heyden. Frankfurt 1860. 4». 

7) Desgl. für 1861. — Die Melanchthons- und Lutherherbergen zu Frankfurt 
am Main : Clans Brommen Haus, Lisa's von Rückingen Haus, Wolf Parente's 
Haus. Eine Untersuchung zur topograph. Geschichte der alten Reichsstadt 
von G. E. Steitz, Doctor der Theologie. Frankfurt 1861. 4°. 

8) Desgl. für 1862. — Samuel Thomas von Soemmering, der Heilkunde Doctor, 
k. baier. Geheimerath, nach seinem Leben und Wirken geschildert von Dr. med. 
W. Stricker. Frankfurt 1862. 4«. 

9) Desgl. für 1863. - Drei römische Votivhände aus den Rheinlanden, von Dr. 
J. Becker. Frankfurt 186a 4». 

10; Desgl. für 1864 und für 1865. Johann David Passavant Ein Lebensbild von 
Dr. A. Cornill. Abth. I. II. Frankfurt 1864. 1865. 4«. 

H) Die Heddernheimer Votivhand. Eine römische Bronze ans der Dr. Romer 
Büchner'schen Sammlung der XX. Versammlung deutscher Philologen, Schul- 
männer und Orientslisten zu ehrerb. Begriissung vorgelegt von dem Verein 
für Geschichte und Alterthumskunde. Frankfurt 1861. 4°. (Mit dem innern 



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Titel: Die Heddernheimer Bronzehand. Ein Vothrdenkmal des Juppiter Doli- 
chenoß mit den übrigen Dolichenus- Denkmälern ans Heddernheim zusammen- 
gestellt von Prof. Dr. J. Becker.) 

12) Aerzte, Heilanstalten, Geisteskranke im mittelalterlichen Frankfurt a. M. Zwei 
Abhandlungen von Dr. 0. L. Kriegk. Der Dr. Senkenberg. Stiftung sur Feier 
ihres lOOjähr. Bestehens dargebracht von dem Verein für Geschichte und 
Alterthumskunde. Frankfurt 1863. 4». 

18) Oertüche Beschreibung der Stadt Frankfurt am Main von Johann Georg 
Battonn, gew. geistl. Rath, Custos und Canonicus des St. Bartholomäusstifts. 
Aus dessen Nachlass herausgegeben von dem Vereine für Geschichte und 
Alterthumskunde durch den zeitigen Director desselben Dr. jur. L. H. Euler. 
Heft I. D. III. Frankfurt 1861-1864. 



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Zur Urgeschichte des Rhein- und Nainlandes. 



Von Professor Dr. J. Becker. 

(vgl. Archir. N.S. I. 8. 1— «&) 



Mythologische Namen römisch-keltischer Badeorte 

in Gallien. 

i Zur Gründung von grösseren und kleineren Städten und Ansied- 
hingen gaben bekanntlich schon in uralter Zeit die ihrer wohlthätigen 
Wirkungen wegen bei Römern wie Kelten gleich hoch verehrten 
und v ergöttlichten Mineralquellen und Heilbäder einen so natürlichen 
Anlass *, dass es nicht auffallen kann insbesondere auch in den Reise- 
handbüchern des Alterthums, den ltinerarien, einer grossen Menge 
von Oertlichkeiten zu begegnen, welche entweder einfach und 
schlechthin mit der Bezeichnung Aquae belegt sind, oder letztere 
noch durch einen näher erklärenden Beisatz erweitern, der sich 
(meist in der Form des Adjektivums) bald auf die Natur der 
Heilquellen als calidae, frigidae, amarae oder sonstige Verhältnisse 
(vivae, regiae u. a. m.) bezieht, bald auch nur das Volk (Aquae 
Allobrogum, Convenarum, Jasae — Jasorum Orelli 508, Plin. N. H. 
III, 28) oder den Namen der Stadt nennt, wo sie sich befinden, 
wie Statiellac, Lesitanae, Selinuntiae u. a. m. Eine dritte Classe 



» Vgl. Plin. N. H. XXXI, 2: urbesque condunt aquae, sicut Pnteolos in 
Campania, Statiellas in Liguria, Sextias in Narboncnsi provincia. Ebenso 
wurde im Mittelalter eine Reibe von Abteien und Klostern z. B. in Frankreich 
an ehedem heiligen Quellen begründet und darnach benannt: vgl. B. M. Lorsch 
Geschichte der Balneologie, Hydroposie und Pegologie (Wttrzburg 1863) S. 17, 
der S. 68 mit Recht darauf hinweisend sagt: „Wie viele Ortschaften wurden 
noch unter römischer Herrschaft nach ihren Heilwässern benannt! Wie viele 
tragen noch immer im Namen die Anzeige, dass sie durch Quellen ausgezeich- 
net sind! Man denke nur an die Orte, welche Aix, Baden, Bath heissen. 
Selbst Grafschaften und ein Königreich sind so benannt. In deutschen Orts- 
namen deutet die Endung „ach" auf die Gegenwart von Wasser. 4 ' 

1 



dieser erklärenden Beisätze zu Aquae erhält weiter durch das nomen 
gentilicium, wie Sextiae, Aureliae, Flaviae, Domitianae, eine Beziehung 
auf die Namen der ersten Gründer und Stifter von Niederlassungen 
bei denselben. Eine vierte Classe dieser Beisätze endlich deutet 
entweder auf my thologische Bezüge, wie bei den italischen Aquae 
Apollinares, oder ist ihrer Bedeutung nach mehr oder weniger dunkel 
und uns unverständlich, wie Aquae Balissae, Labanae, Labodes, 
Aravenae, Tatelae, Albulae, Voconac. Die Mehrzahl dieser letztem 
nennt das unter dem Namen der Tabula Peutingcriana überkommene 
Jtincrarium fast allein nur, und es wird sich weiterhin zeigen, dass 
auch grade sie noch einige andere als Aquae bezeichnete Orts- 
namen allein überliefert hat, welche in mythologischer Hinsicht- 
die bedeutsamsten Einblicke in den Cultus der Heilquellen und Mi- 
neralbädcr, namentlich bei den Kelten, gestatten: eine Ueberliefe- 
rung, welche die hohe Wichtigkeit der Tab. Peuting. auch von die- 
sem bis jetzt noch gar nicht gewürdigten mythologischen Standpunkte 
aus aufs Neue darthut. Es findet sich auf dieser Tafel nämlich 
ausser jenen adjektivischen Beisätzen zu Aquae eine wenn auch 
kleine Anzahl solcher, welche in dem Genitiv eines Substanti vums 
bestehen: es sind die Aquae Originis, A. Passeris (Martial VI, 
42, 6 = A. Passerianac bei Orelli-Henzen 6634), A. Tauri (Tab. 
Peuting. segm. IV. F. ed.Scheyb) und A. Casaris (d. h. wol Caesaris 
ebendort segiu. III. F.), deren Beinamen auf verschiedene mehr oder 
weniger bekannte Anlässe und Ausgangspunkte zurückweisen, die 
hier nicht näher betrachtet werden können. Wichtig und bedeutsam 
ist nun aber , dass ausser diesen unzweifelhaft römischen Benen- 
nungen eine weitere Anzahl ebenso unzweifelhaft keltischer Bei- 
namen von Aquae in den Itinerarien, insbesondere wieder in der 
Tab. Peuting., überliefert ist, welche sich als Genetive der Namen 
von Gottheiten herausstellen, denen die Heilquellen selbst gewid- 
met und heilig waren. Wiewohl nämlich bei einer grossen Anzahl 
dieser heilkräftigen Quellen zahlreiche Votivinschriften bezeugen, 
dass die Römer bei der dauernden Besitznahme der Keltenländer 
ihre Quell- und lleilgottheiteu, wie die Nymphae, Apollo, Aescula- 
pius, Hygia und Hercules, an die Stelle der einheimischen setzten, 
so haben sich doch letztere — sowohl männliche als weibliche — 
vielfach neben und trotz jenen erhalten und in dem Cultus der Sieger 
und der Besiegten fortgelebt 2 . 



2 Vgl. Cic. nat. 1). III. 20: ergo et flunrina et fontes sunt (Iii; Plin. H. N. 
XXXI, 2: aquae augent nomerum deoruio nominibus variis. 



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- 3 



A. Männliche Quell-' und Badegottlielten. 

Was zunächst die männlichen Quell- und Badegottheiten aul 
keltischem Gebiete angeht, bo lassen sich unter ihnen einesteils 
solche unterscheiden, wclehe durch eine weitere Verbreitung mehr 
oder weniger den Charakter allgemeiner und gemeinsamer 
Götter annehmen, anderntheils solche, die, wie es scheint, fast nur 
mehr 1 o c a 1 einzelnen bestimmten Quellen und Bädern zukommen. 
Zahlreiche inschriftliche Zeugnisse nennen uns diese Gottheiten 
entweder immer allein oder abwechselnd theils mit einer homogenen 
römischen identifizirt, theils auch ohne diese Zusammenstellung. 
Die römische Gottheit aber, welche solchergestalt mit den sowohl 
mehr allgemeinen, als auch den besondern localen keltischen Bade- 
gottheiten identifizirt zu werden pflegt, ist immer nur eine und die- 
selbe, nämlich Apollo. Der Grund dieser Erscheinung liegt nahe. 
Schon Caesar (b. g. VI, 17) fand unter den Hauptgottheiten der 
Gallier einen vor, welchen er als den vorzugsweisen Heilgott der- 
selben charakterisirt uud geradezu so mit dem römischen Apollo 
identifizirt, wie er den gallischen Teutates durch Mercurius, den 
Esus oder wahrscheinlicher den Camulus durch Mars, den Taranis 
durch Juppiter, die Belisaina durch Minerva wiedergibt: in gleicher 
Weise entsprach sein Apollo dem keltischen Belenus. Wiewohl 
dieser nämlich sowohl als Sonnengott wie als Orakelspender dem 
römischen Apollo vergleichbar war und daher auch nach ausdrück- 
lichen Zeugnissen der Alten von seinen Verehrern mit diesem iden- 
tificirt wurde, so trifft doch auch das bei Caesar vom Apollo bemerkte 
(Apollincm morbos depellere) auf ihn genau zu, da auch er, wie alle 
übrigen mit Apollo zusammengestellten gallischen Götter, besonders 
als ileilgott verehrt erscheint Zwei Inschriften (Grut. p. 73, 3; 
44,4) bezeugen nämlich den Belenus als Hcilquellengott (Fons) 
und es sind solche ihm geweihte Heilquellen und Tempel ebenso 
nachgewiesen, wie es ausgemacht ist, dass man die göttliche Heil- 
thätigkeit der mit Apollo identifizirten allgemeinen und localen Gott- 
heiten ganz besonders in der mit dem wohlthätigen Einflüsse der 
Sonnenwürme verbunden gedachten Einwirkung der heissen und 
mineralischen Quellen sich äussern und hervortreten zu sehen glaubte 3 . 
Es ist daher auch nur dem Zufalle zuzuschreiben, dass einige unter 
den localen Badegottheiten der Kelten auf ihren Votivaltären nicht 

3 Vgl. Annalen des Vereins fiir Nassauische Alterthumakundo und Geschichts- 
forschung IV. S. 365—381 u. Lerach S. 29. 33. 

1« 



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I 



_ 4 - 

mit Apollo zusammengestellt werden: diejenigen unter ihnen, welche 
bald ohne, bald mit ihm in den Votivinschriften identifizirt erscheinen, 
beweisen vielmehr, dass auch jene vorerwähnten ohne Zweifel gleich- 
falls als Apollin es bezeichnet werden konnten und wurden. Hier- 
her gehört 

1. Der Schutz- und Badegott des alten Lux o vi um, des noch 
heute, wie im Alterthume und Mittelalter durch seine warmen Mine- 
ralquellen bekannten Luxeuil in der Frauche-Comte, welcher auf den 
ihm gewidmeten Votivinschriften Luxovius, Lixovius oder 
Li s so vi us genannt, theilweise auf denselben Denkmälern mit einer 
Brixia, Briciazu gemeinsamer Verehrung verbunden ist, welche 
Göttin man theils zu dem nahen Bache B reue hin, theils zu dem 
Dorfe Saint-Br es so n bei Luxeuil in Bezug brachte *. Noch die ersten 
christlichen Missionäre fanden dort unter den Trümmern der in den * 
Stürmen der Völkerwanderung untergegangenen Badestadt eine 
„densitas imaginum lapidcarum" d. h. doch wol eine Menge 
noch nicht umgestürzter Götterbilder und Votivaltäre aus der römischen 
Zeit vor 5 . Weiter gehört hierher 

2. der Deus Lixo, der Schutz- und Badegott des gleichfalls 
auch heute noch als Badeort bekannten Bagneres-de-Luchon 
im südwestlichen Frankreich. Vier dortselbst oder in der Umgegend 
gefundene Inschriften bezeugen seine Verehrimg 6 

3. Von demselben sprachlichen Stamme wie Lixo scheint auch 
des Deus Lexis Namen abgeleitet zu sein: er war der Schützer 
und Vorsteher der am Eingange des Thaies von Aran in den Pyre- 
näen gelegenen „eaux de Lez, a über welche Ed. Barry unter Zu- 
sammenstellung der bezüglichen Funde ausführlich gehandelt hat 7 : 
ausser mehreren den Nymphae dieser Quellen geweihten Votivaltären 
hat sich auch einer mit der Widmung 

LEXI 
DEO 
C.SABI 
HORT. F. 
gefunden. Ebendahin gehört ferner 

♦ Vgl. Orelil 2024. Rainguel description de Luxeuil p. 28. Greppo 
Etudes sur les eaux minerales et thermales de ia Qaule (Paris 1846) p 123 
not. 2 u. p. 126. 

& Vit. SS. Columbani et Agili in den Act. SS. Benedict. II., 12, 13, 317. 
vgl. Grimm Myth. I. S. 73. 99. 

« Vgl. Greppo a. a. 0. p. 69) n. 12. Du Mege Archeologie pyreneenne 
p. 212. Orelli-Hen2en 5897. 

* Rev. archeol. 1857 XIII, 2 p. 677- 688. 



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5 - 



4. als Hauptschutzgott der Stadt wie ihrer berühmten Quelle 
der auch auf Münzen verewigte Deus Nemausus der gallo -römi- 
schen Colonia Augusta Nemausus Neptunia Volcamm Arecomicorum, 
welche in der Tab. Peuting. segm. I. F. noch mit dem alten, später, 
wie es scheint, wieder aufgetauchten Namen Nenniso belegt ist, 
heut zu Tage Nim es im südöstlichen Frankreich. Schon Ausonius 8 
stellt diese Quelle neben die unten zu erwähnende Di von a und den 
Patavinischen Aponus, während eine nicht geringe Anzahl grie- 
chischer und römischer Votivwidmungen die andauernde Verehrung 
ihres Gottes bezeugt 9 . 

5. Schliesslich lässt sich hier noch eine Gottheit Ussubius an- 
reihen, welche in einer Votivinschrift aus Mas d'Agenais (Ddp. de 
Lot-et-Garonne) tiberliefert ist. Sowohl die Tab. Peuting. segm. I. A. 
nennt einen Ort Vesubio, als auch das Itin. Antonini p. 220 ein 
Ussubium auf der Strasse von Burdigala nach Argantomagus : 
die zulet/t genannte Namensform stimmt genau mit der Inschrift 
selbst : 

TVTELAE AVG 
VSSVBIO.LABRVM 
SILVINVS SCI 
PIONIS.F.AN 
TISTES. D 

wobei die Widmung eines labrum durch einen antistes auf einen 
Tempel des Gottes und Badgebäude mit Sicherheit schliessen 
lässt 

Wiewohl alle vorgenannten Badegottheiten, wie schon bemerkt, 
nirgends mit Apollo identtäzirt oder zusammengestellt werden, so 
kann doch kaum bezweifelt werden, dasB dieses bei der so offen- 
kundig vorliegenden Vermischung gallischer und römischer Glaubens- 
anschauungen geschehen konnte und sicherlich auch geschehen ist. 
Es beweiset dieses die zweite Classe dieser gallischen Badegott- 
heiten, welche entweder gleichfalls nur an und für sich mit blossem 
Namen genannt oder zur Bezeichnung ihrer göttlichen Vorstandsehaft 
mit ihren Heilquellen (Aquae) so verbunden werden, dass letztere 
ihnen gradezu zugeschrieben und nach ihnen benannt sind. Es sind 



o Nob. urb. XIV. Bordigal. 33 ff. 

» Vgl Orelli 1345. 2032. 4220. Reines. 8ynt. inscript. p. 848, 107. 
Maffei Mus. Veron. p. CGCCXIII, 8. E. Gerhard'» Archaeolog. Anzeiger 1853. 
Nr. 50. 8. 297. 

«• Vgl. Memoire» de la societe archeoL du midi de la France I. p. 253-267. 



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dieses Aponus, Neras, Nisineius und Bormo oder Borvo, 
nach Welchen die ihnen zugehörigen heilkräftigen Quellen: Aquae 
Aponi, Aquae Neri, Aquae Nisineii und Aquae Bormonis genannt 
werden. Die zuletzt erwähnte Gottheit Bormo oder Borvo kommt 
aber auch ausserdem auf einem ihrer Denkmäler noch als Apollo 
Borvo vor, so dass demnach auch ein Rücksckluss auf die übrigen 
vorhergenannten Quellgötter bezüglich einer gleichen Identifizirung 
mit dem römischen Gotte wol verstattet ist, zumal auch ein bri- 
tannischer Deus Maponus gleichfalls weiter als Apollo Maponus 
inschriftlich beglaubigt ist, wie sich unten näher zeigen wird. 

6. Aponus — Aquae Aponi. Die heissc Schwefelquelle zu 
Abano bei Padua (Pataviumr daher Aquae Patavinae, Patavinorura 
aquae calidae Plin. N. H. II, 103) war sowohl wegen ihrer heil- 
wirkenden, als auch ihrer Weissager isc hen Kraft bis in die 
spätesten Zeiten berühmt und wird theils einfach Aponus, thcils 
numen Aponi, theils fons oder fontes Aponi, theils endlich 
auf sieben Inschriften Aquae Aponi genannt 11 . 

7. Nerus — Aquae Neri. Auch diesen Badeort nennt nur 
allein die Tab. Peuting. segm. I. E., jedoch ohne Beisetzung des sonst 
bei den Aquae sich findenden viereckigen Gebäudes, auf der Strasse 
von Avaricum (Bourges) nach Augustoncmetum (Clermont) zwischen 
Mcdiolanum (Chäteau-Mcillant) und Cantilia (Sidon. Apollin. epist. 
IV, 13, wol Chantelle-la-Vielle). Sein Namen findet sich zunächst auf 
folgendem Bruchstücke eines zu Alichamps gefundenen Meilensteins 12 : 



FELICI . A VG . TRIB .P. COS. III 
P.P. PROCOS . A V AR . L.X11I 
MEDI .XII. NERI . XX V 
Demnach hat man diesen Namen auf das noch jetzt durch seine 
Quellen, sowie die i. J. 1820 erfolgte Aufdeckung römischer Bade- 
substruktionen (Dampfbäder, ähnlich deu zu Aix in Savoyen blosge- 
legten), Statuen, Säulen, Kapitelle und anderer architektonischen 
Ornamente bekannt gewordene Neris-les Bains im Departement 
de l'Allier bezogen, woselbst aueh wie in vielen andern Badeorten 
eine Bronzestatuette der Diana 13 gefunden wurde, über welche 



" Salotifer Aponus Cassiod. Varr. leett. 2, 39. Suet. Tib. 14. Auson. a.a.O. 
Lucan. Phars. VII, 202. Claudian. Idyll. VI. Orelli 1880. Martial. VI. 42, 6. 
Orelli 1643. 1644. 2620.3011. MaffeiMus. Veron. p. LXXXIX, l. Murat. p.87,8; 12. 

«2 Caylas Recueil d'Antiq. III. p. 371 ff. 

13 Vgl. Greppo a. a. 0. p. 45—51. Walckenaer Gcogr. des Gaules I. p. 372. 
III. p. 66. d'Anville Notice de Tancienne Gaule p. 77. 



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— 7 - 



Gottheit als Vorsteherin von Bfcdcrn unten noch Näheres erwähnt 
ist. Mit Unrecht und ohne allen Grund wollte d'Anville in der 
Tab. Peuting. Aquae N e r a e lesen, was wenigsten», wie schon G r e p p o 
bemerkt, Äqnae Neriae heissen müsste: aber auch andere theil weise 
erat in der neueren Zeit ebendort aufgefundene Steinschriften beweisen, 
das» der Quellgott Nerus und danach seine Wasser Aquae Neri 
Wessen. Ein von Greppo " angeführtes Fragment hat NENNERIO 
-OVH— VISSV; eine andere ebendort i. J. 1796 gefundene, jetzt 
„dans une petite villa apelle*c les Billoux", einige Minuten von Neris 
aufbewahrte Inschrift lautet nach Greppo p. 47: 

NVMINIBVS 
AVGVSTORVM 
ET IVNONIBVS 
VICANI 
NERIOMAGIENSE8 
während de Caumont Bulletin monumental vol. XXI (1855) p. 00 
in der letzten Zeile NERIONACENSES bietet, welche adjektivische 
Form offenbar auch in dem obenerwähnten Fragmente NENNERIO— 
vorliegt: es hat sich also gewiss schon in uralter Zeit bei den dem 
Nerus geweihten Mineralquellen eine kleine Ansiedlung (vicus) ge- 
bildet, deren einheimische Local Vorsteherinnen, die bekannten galli- 
schen Muttergottheiten, Deac Matres oder Matronae, in obiger In- 
schrift als Junones romanisirt sind. Weit wichtiger als dieses 
Denkmal ist die folgende leider fragmentirte Aufschrift einer Tafel 
aus weissem Marmor bei Greppo p. 58: 

. . . IINIB . AVG ET NERI_ 

Sn . EQVES . ER . IIVIR . II 

LVCII . IVIIIEQ . ESTRIS . FILII 

AS . PORTIO VS . QVIBVS . FONTES 

OMNIBVS . SVIS . ORNAMENTIS 

weil sie neben den NVMTNA AVGVSTORVM ausdrücklich wiederum 
auch das NVMEN NERI, sowie seine fontes, die Säulenhallen des 
Badegebäudes und dessen architektonische und statuarische Aus- 
schmückungen (ornamenta) erwähnt. Vier Inschriften hegen dem- 
nach als sprechende Urkunden des Quell- und Badegottes Nerus 
vor und bestätigen evident die Richtigkeit der Ortsbezeichnung 
Aquae Neri in der Tab. Peuting. 

«♦ Greppo p. 50 nach Barailon Recherche» sur Pancienne ville rotnaine de 
Neris (Paris 1806, 8) p. 142 o. 58. NERVS hat sich als Töpfernamen auf Stem- 
peln zu London, Paris und Erna gefunden: vgl* Fröhner Insc. terr. coct. 
ras. n. 1683—85. 



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8 - 



8. Nisineius — Aquae Nisineii. Wie die Aquae Neri, 
60 sind auch diese Aquae einzig und allein nur durch die Tab. 
Peutiug. segm. I. C. überliefert, woselbst sich, auf der Strasse von 
Avaricum (Bourges) nach Augustodunum (Autun), neben dem Namen 
auch wieder das mehr erwähnte viereckige Gebäude eingezeichnet 
findet: übereinstimmend 15 nimmt man daher Bourbon-Laucy 
(Sadne et Loire) als die Aquae Nisineii an; diese können aber 
nach Analogie der übrigen Aquae nur von einem Quellgotte NiBi- 
neius, nicht von „quelque personnage distingue*" dieses Namens, wie 
Greppo meint, ihre Namensbezeichnung empfangen haben. Mit 
gleicher Evidenz bezieht man aber« auch darauf die an Constantin 
gerichteten Worte des Eumenius panegyr. VI, 22 bezüglich der 
„aquae calentes a bei den Aeduern: „miraberis profecto illam quoque 
numinis tui sedem et calcntes aqua» sine ullo solis ardontis in- 
dicio, quarum nulla tristitia est saporis aut halitus, sed talis haustu 
et odore sinceritas, qualis fontium frigidorum." Das numen tu um 
ist natürlich Apollo, wie auB Vergleichung von cap. 21 erhellt. 
Es lag nahe auch den heutigen Namen der Stadt auf den Namen 
des Gottes Niaineius zurückzuführen: d'Anville leitet das l'Anci 
von dem Namen Ancellus, Anceau ab, wie er auch bei dem unten 
zu erwähnenden Bourbou-l'Archambault auf einen Erchembaldus zu- 
rückgelit. Miliin dagegen legt dem Lancy sofort den Namen des 
Nisineius zu Grunde, zumal der Namen der Stadt bei älteren 
französischen Autoren theils Bourbon nensy, theils Bourbon — Nansy 
lautet; auch Greppo will Nansy aus Nisineius entstanden wissen. 
Doch dieses Alles bleibt umsomehr blosse Vermuthung, als sicherlich 
auch der erste Theil des modernen Namens von dem gleich zu er- 
wähnenden Gotte Bonno oder Borvo abgeleitet ist. 

'J. Bormo (Borvo) — Apollo Borvo — Aquae Bormonis. 
Nicht weniger als 4 Badeorte sind es, au welche sich Namen und 
Denkmäler des Gottes Bormo oder Borvo knüpfen. Schon darum 
allein müsste seine mythologische Bedeutung als eine allgemeinere, 
auf Wasser und Bäder überhaupt bezügliche vermuthet werden, wenn 
auch andere diese Vermuthung evident bestätigende Momente nicht 
vorlägen. Es begegnet aber der dem Worte zu Grunde liegende 
Stamm nicht blos in Ortsnamen vieler zum Theil weit von einander 
liegenden Gegenden, sondern es liegt dabei auch in vielen Fällen 
eine Beziehung auf W'asser oder wasserreiches Land nahe oder ist 



•* Vgl. Valesius Notitia Galliarum p. 104. d'Anville p. 78 Walckenaer I. 
p. 372. III. p. 68. Greppo p. 51—59. 



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- 9 - 



leicht nachzuweisen. Ganz abgesehen von ßoqßoQos ist den Fran- 
zosen noch jetzt la bourbc eine sumpfig- morastische Niederung: 
eine Beschaffenheit des Terrains, auf welche sich ohne Zweifel auch 
die bei anderer Gelegenheit 16 näher erörterten Localnamcn Borma, 
Bormanum, Bormani, Lueus Bormani oder Bormanae, Bor- 
mana, Borbitoraagus (Worms in einer wasserreichen Niederung am 
Rhein), das heutige Bormcs an der Kflste von Südfrankreich, 
sämmtlich im Gebiete des alten Gallien ebenso beziehen, wie die 
Aquae Bormiae», das heutige Bormio 18 am Wormser Joch im 
Veltlin und das makedonische Worms Bormissus mit dem Grabe 
des Euripides in der Umgebung zweier Quellen, endlich vielleicht 
auch der von den Nymphen in die Fluthen gezogene und alljährlich 
durch feierliches Todtenfest beklagte Mariandynische Wasserheros 
Bufftog. Zu allen diesen offenbar von demselben Stamme ausgegan- 
genen Local- und Personennamen gesellt sich jetzt auch weiter noch 
ein hispanischer Deus Bor man i c us 19 , um insbesondere die Zahl 
derjenigen Ableitungen zu vervollständigen, welche dem reinkeltischen 
Sprachgebiete angehören und zur Genüge bezeugen, dass, wie oben 
bemerkt, die Bedeutung auch des Bormo oder Borvo die mehr 
allgemeine eines Wassergottes war, die dann wol ihre besondere 
Beziehuug auf Mineralquellen und Heilbäder erhielt und den in den 
Votivinschriften begegnenden Gott namentlich in seiner Identifizirung 
mit Apollo als Badeheilgott erkennen lässt. Die vorerwähnten 
vier Badeorte, deren moderne Namen noch auf diese Gottheit zu- 
rückweisen, sind nun aber folgende ; 

Bourbon l'Archarabault (Allier): wiewohl an diesem Orte 
bis jetzt gar keine Votivaltäre des Bormo (Borvo) zu Tage getreten 
sind, so hat man doch dort die Ueberreste eines römischen Amphi- 
theaters, einer Wasserleitung, Bäder, Ziegeln von der Badeheizung unter 
einer, wie es scheint, verschwenderischen Anwendung von Marmor und 
Porphyr gefunden. So sicher es aber nur dem Zufalle zuzuschreiben 
ist, dass bis jetzt keine Denkmäler jener Gottheit daselbst aufgefun- 
den wurden, so sicher hat dennoch dieselbe dem Orte seinen Namen 
gegeben. Dafür zeugt der heutige Namen dieses Badeorts nicht 
weniger als der mittelalterliche und antike. Sirmond* 0 fuhrt aus 

•* Vgl. Bonner Jahrb. XXXIII. XXXIV. S. 15 ff. 
17 Caaeiodor. Varr. leett. X. 29. 

Lersch a. a. 0. S. 166. 
•» Vgl. Hübner in den Monatsberichten der K. Akad. der Wiss. zu Berlin 
1861 S. 801 f. 

*° Sirmond ad Sidon. not. p. 48. 



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— 10 



einem alten Chronisten folgende Stelle an: „Aquitamam ingressu» 
quacdam oppida et castella manu cepit, in quibus praeeipua fuere 
Burbonium, Cantillia, Clarus mons": hier kann sich das Bur- 
bonium nur auf unsern Badeort beziehen. Dazu kommt endlich 
das wichtige ZeugnisB der Tab. Peuting. segm. I. C. mit ihren 
„Aquae Borraonis", eingeschrieben wiederum neben einem vier- 
eckigen Gebäude auf der Strasse von Augustodunum (Autun) nach 
Avaricum (Bourges) zwischen Suillia oder Sitillia (Thiel) und 
Degena (De*eise): einstimmig haben die französischen Archäologen 21 
darin Bourbon - l'Archambault erkannt und angenommen. Weiter 
gehört hierher 

Bourbon-Lancy: in diesem schon oben bei den Aquae 
Nisineii besprochenen Badeorte fanden sich drei Votivinschriften, 
deren zwei unzweifelhaft Borvoni et Damonae, eine Bormoni 
etDamonae gewidmet ist 28 . Desselben Badegottes Verehrimg 
beurkundet ferner auch jetzt noch der N amen von 

Bourbonne - les - Bains (Haute Marne), sowie zwei dort- 
selbst zu Tage geförderte Votivaltäre, welche Borvoni et Damo- 
nae und Dco Apolliui Borvoni et Damonae, demnach also 
demselben Götterpaare gewidmet sind 23 . Auch diesen Ort wollte 
d'Anville 2 * in einem der mehrerwälmten viereckigen Badegebäude 
der Tab. Peuting. segm. II. A. auf der Strasse von Andomatunura 
(Langres) nach Tullum (Toul) erkennen , bei welchen kein Na- 
men beigeschrieben ist: er vermuthete demnach, dass auch hier 
ein Ort Aquae Bormonis d. h. eben das heutige Bourbonne-les- 
Bains gewesen sei. Dass zwei Badeorte nach einer Gottheit be- 
nannt worden seien, hat bei der allgemeinen Bedeutung des Deua 
Bormo nicht allein Nichts auffallendes, sondern wird sich weiter 
auch durch ein analoges Beispiel evident bestätigen lassen. Kndlich 
ist die Verehrung des Bormo auch durch zwei Inschriften beglaubigt, 
welche sich 

zu Aix-les-Bains in Savoyen gefunden haben. Die erste 
dieser Inschriften ist ungenau zuerst von Albanis de Beaumont 2s 
also mitgetheilt worden: 



" Vgl. Valesius Notit. Gali. p. 104. a. d'Anvillo noticc p. 74. Walckenaer I. 
p. 372. III. p. 67. Greppo p. 25—27. L. Renicr anauaire de la soci^tc* des An- 
tiquaire« de France, 1850, p. 247. 

" Greppo p. 56 u. 57. 

" Greppo p. 28 u. 29. Orclli-Hoxizen 5880. 

*• Notice p. 75. 

« Description des Alpes Grecqaea et Cottienaoe pl. XIX, 9. 



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QVRMIVS 

CVIICVS 

BONVS.M 
etwa» besser von Greppo 26 : 

GVLILIVS 

CVRICVS 
BOMV.V.S.L.M 
zuletzt endlich genauer von Allmer 27 : 

CVLIIIVS 

CVTICVS 
BORVVSLM 

d. h. wol: Gaius Vettiua Cuticus Bormoni uti voverat solvit luben« 
merito. Ebenderselbe theilt dann weiter a. u. a. O. p. 7 auch die 
zweite dieser Inschriften folgendermassen mit: 

M LIC1N RVSO BORM VVSLM 

Wiewohl unter diesen sieben Votivinschriften des Bormo oder 
Borvo nur eine ist, in welcher, wie oben schon bemerkt, dieser 
Gutt mit Apollo identitizirt erscheint, so kann dieses doch ebenso- 
wenig auffallen, wie die danebenstehende Thatsache, dass vier die- 
ser C^uell- und Badegottheiten immer nur in der Zusammenstellung 
mit Apollo begegnen. Dass dieses nur dem Zufalle beizumessen ist, 
welcher bis jetzt noch kein inschriftliches Zeugniss an 's Tageslicht 
gefördert hat, das diese Götter nur mit ihrem einheimischen Namen 
allein aufwiese: daftir zeugen zwei Votivinschriften eines Deus 
Maponus, welcher, obgleich Britannien angehörig, doch füglich 
hier eingereiht werden darf. 

10. Maponus — Apollo Maponus — Aquae Maponi. 
Die eine dieser Votivinschriften , zu Armthwaitc in Gumbcrland ge- 
funden, ist, neben den Numina Augustorum, in erster Stelle Deo 
Mapono, die andere aus Ribchester aber Deo saneto Apollini 
Mapono gewidmet: letztere zeigt auf der einen Seite den Apollo 
mit der Leier, auf den beiden andern weibliche Gestalten mit Blumen- 
körbchen ». Dass aber auch dieser locale Apollo Maponus ein 
^uell- und Badegott gewesen, darauf weiset, wenn nicht Alles trügt, 



^ Greppo p. 156. 

» Sur deux inscriptions votives en Phon neun de la deesse (!!) Bormo, pro- 
tectrice, ä l'epoque romaine, des eaux thermales d'Aix en Savoio ot sur l'ety 
mologic du mot BOVKBON. Lyon 1859. 8. p. 6. 

26 Vgl. Colüngwood Bruce im Archaeological Journal 1855 p. 47. p. 226. 
Briunnia liomana ed. Camden-Gough III p. 378. ed. Camden-Öibson II. p.974. 
Th. Wrigbt the Celt, the Roman, tbe Saxon p. 263. OrelU-Hensen 5900. 



- 12 - 



eine in diesem Bezüge unschätzbare Notiz des Geographus Ravennaa 2 9 , 
welcher unter andern britannischen Oertern auch ein jetzt nicht leicht 
mehr näher bestimmbares Maponi auffuhrt, dessen eigenthümliche 
Form einen Genitiv vermuthen lässt, bei welchem ein zugehöriger 
Nominativ, wie öfter, ausgefallen ist: dieser Nominativ dürfte aber 
kaum ein anderes Wort als eben „Aquae* gewesen sein: es wären 
demnach auch für Apollo Maponus die nach ihm benannten 
Aquac Maponi nachgewiesen. 

Was nun aber jene vorerwähnten vier Badegottheiten angeht, 
welche auf Inschriften immer nur mit Apollo identifizirt werden, 
so sind es Apollo Cobledulitavus, Apollo Grannus, Apollo 
Livius und Apollo Toutiorix, von denen der erste dem südwest- 
lichen Frankreich, die übrigen den Rheiu- und Mainlanden angehören. 

11. Apollo Cobledulitavus: seine Heimath ist das alte Pe- 
trueorii, jetzt Perigueux in Südfrankreich; wiewohl man dort 
selbst nämlich erst in neuerer Zeit die Substruktionen römischer 
Badeanlagen aufdeckte, so war doch deren einstige Existenz be- 
reits durch folgende, schon seit längerer Zeit aufgefundene, jetzt „dans 
les ruines du chateau de Barriere" aufbewahrte Inschrift beurkundet 30 : 



ET DEO APOLLINI 
COBLEDVLITAVO 
M . POMPEIVS . C . POMP 
SANCTI SACERDOT 
ARENSIS . FIL . QVIR . LIB 
SACERDOS . ARENSIS 
QV1 TEMPLVM DEA . 
TVTELAE ET THERMA 
PVBL1C . VTRAQ . Ol 
VETVSTAE COLLAB 
SVA PEOVNIA REST 
V.S.L.M 

Diese leider fragmentirte Inschrift ist nach Anleitung von Zeile 
7. 8. im Anfange DEAE TVTELAE zu ergänzen: eine Gottheit, 
deren Verehrung durch zahlreiche Votivinschriften aus dem südwest- 
lichen Frankreich dokumentirt ist; ebenso ist Zeile 9 VTRAQ . Ol 
wol einfach in VTRAQVE zu verbessern, mit welchem Worte das 
templum der Dea Tutela und die thermae publicae zusammen bezeich- 



» p. 436, 20 ed. Pinder u. Parthey. 

30 Vgl. Revue dea sodetes eavantes 1866. IV. p. 106. 



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- 13 — 



net werden; gleicherweise ist in dem angeblichen VETVSTAE von 
Zeile 10 die Verbindung von A und T übersehen, da es VETVSTATK 
heissen muss. Unerklärlich bleibt der SACERDOS ARENSIS, des- 
»en Würde die beiden in der Inschrift genannten Pompejer, Vater 
and Sohn, bekleideten; mit Abbe Audi er ne einen sacerdos Marlis 
zu verstehen, ist mehr als zweifelhaft. Die thermae publicae aber 
beziehen sich offenbar auf Apollo Cobledulitavus, welcher ohne 
Zweifel als der Quell- und Badegott deren Schutzgottheit und Vor- 
steher war. 

12. Apollo Grannus — Aquae Granni. Die Bedeutung die- 
ses weitverehrten Heilgottes erhellt zunächst aus einer Nachricht des 
CassiusDio 31 über die Krankheit des Caracalla, welcher während der- 
selben verschiedene Heilgötter ohne Erfolg anrief, darunter auch den 

Apollo Grannus: „yaQ 6 AnoUxav 6 rqavvoq ov& 6 Aonlymos ov&' b 
läqantq xaintq nolka ftiv ixmioani avxv wpüt}aiv a . Zu diesem Zeug- 
nisse kommen noch siebzahn meist in Süddeutschland und den Rhein- 
landen, einzeln auch in Rom, Siebenbürgen und dem Grabe eines 
normannischen Häuptlings am Mälarsee in Schweden aufgefundene 
Voü\Whriften«, welche APOLLINI GRANNO gewidmet sind : auf 
einigen derselben ist er zugleich mit den NYMPHAE, der HYGIA und 
einer gleichfalls keltischen DEA SIRONA zusammengestellt, wodurch 
einerseits für ihn selbst auch die Bedeutung als Heilgott und zwar 
insbesondere durch Heilquellen bestätigt, andererseits auch das Wesen 
»einer zuletzterwähnten göttlichen Begleiterin vermuthungsweise näher 
festgestellt werden kann. Schon die bemerkenswerthe Thatsache, 
dass die bei weitem grössere Anzahl dieser Votivinschriften das Rhein- 
land zum Fundgebiete hat, weiset darauf hin, dass die „Aquac 
Granni a ebendort gesucht werden müssen, und man hat daher 
längst schon dieselben in den Heilquellen von Aachen mit um so 
grösserem Rechte wiedergefunden, als ihr Namen fast unverändert 
in derselben Form durch das ganze Mittelalter fortgelebt hat 33 . Die 
reiche Urkundensammlung des Niederrheins von Lacomblet ent- 
hält im ersten Bande eine zahlreiche Menge von Dokumenten aus 
dem IX. bis XII. Jahrhunderte, unter welchen nur drei in der 
Subscription als Ort der Ausstellung „Aquis" schlechthin aufweisen; 
eine hat „apud Aquis granum", eine andere „in aquis gra- 

3i Lib. LXXVII, 15 vol. II. p. 413 ed. I. Bekker. 
" Vgl. Orelli-Henzen Ind. s. v. p. 23. 

" Vgl. Vftlesius Notit. Gall. p.28. Eckhart de Apolline Granno in Euchen- 
beekeri Analect. Hassiac. Marburg 1728. collect. III. n. XI. p. 220-244. Bimard 
diatrib. ad Murat coL 59. Greppo p. 159—161. 



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u _ 



n ensi palatio", die weitaus grössere Anzahl (16) bietet „Aquis 
Grani", theils in einem, theils in zwei Wörtern geschrieben; 
ebenso hat auch Einhard in seiner Vita Caroli M., während 
eine von F röhner 3 * mitgetheilte mittelalterliche Hofdichtung 
„ad Aqua s Grani" anführt Man ersieht aus allen diesen 
Erwähnungen, dass, wenn irgendwo, grade dort sich der römische 
Namen „Aquae Granni" lange erhalten hat, wenn auch die Form 
Aquis granum (eine an sich ungeheuerliche Wortbildung!) da- 
rauf hinweiset, dass die ursprüngliche mythologische Bedeutung uud 
Beziehung des „Gran nus" völlig verloren ging, wie auch die Schrei- 
bung des „Grani" mit einem N bezeugt. Wie in vielen analogen 
Fällen 35 schon im Alterthume geschah, Hess man allroählig den Zu- 
satz „Granni" ganz fallen, wonach sodann aus dem übrig bleibenden 
„Aquae" das deutsche Aachen und das französische Aix wurde, 
welchem letztern sodann theils wol zur Unterscheidung von dem pro- 
vencalischen und savoyschen Aix, theils vielleicht auch zur Bezeich- 
nung der religiös-kirchlichen Bedeutung der Stadt — und wie zum 
Gegensatz gegen den heidnischen „Grannus" — noch das charak- 
teristische „la Chapellc" hinzugefügt wurde. 

13. Apollo Livius. Demselben Rheingebiete gehört weiter 
auch der auf einer Votivinschrift aus Dietkirchen bei Bonn zu Tage 
getretene Apollo Livius an 36 . Der anscheinend römische Beinamen 
Livius darf* hier nicht befremden: auch Zeuss 37 weiset nach, dass 
dieser angeblich römische Namen keltischer Abstammung sei : Plinius 
H. N. III, 4 erwähnt eine Stadt Glanum Li vi, ein pagus Livius 
findet sich auf einer Inschrift aus Brescia, eine Frau Cracca Livo- 
nis filia ist gleichfalls inschriftlich beglaubigt 36 : lauter unzweifelhaft 
keltische Personen- und Ortsnamen. Eckhart 39 bezieht den Apollo 
Livius auf den zwischen Kaisers werder und Ordingen auf dem 
linken Rheinufer liegenden Ort Linne: wiewohl dieses nur Vercnu- 
tliung ist, so liegt doch die Annahme sehr nahe, dass Apollo Livius 
der göttliche Vorsteher einer der zahlreichen kleineren Mineral- und 
Heilquellen Rheinpreussens gewesen ist, welche schon den Römern 
bekannt waren. 



■** Vgl. Haupt* Zeitschrift f. deutsches Altertlunu. XI. S. IG. 
35 Vgl. AnnaJcn des Nassau'schcn Verein» VII, 1. S. 122. 
'« Vgl. Hüpsch Epigr. p. 6 n. 12. Orelli 2021. 
>» Gram. Celt p. 24. 

* Octavio Rossi Le Memoric Bresciane od. Vinaccesi p. 233 n. 16. Murat. 
77, 16. Orelli 4901. 

39 de Apolline Oranuo a. a. 0. p. 225. 



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- 15 

14. Apollo Toutiorix. Wie die „Aquac Granni" haben 
sicherlich auch die heissen Quellen des heutigen Wiesbaden eine 
der ersten Stellen unter den von den Römern benutzten Heilquellen 
der beiden Germanien eingenommen, und es wäre auffallend, wenn 
uns nicht auch über die Localgottheit derselben irgend ein Zeug- 
niss überkommen wäre. Bekanntlich erwähnt zuerst Plinius N. H. 
XXX 1, 2, 17 die „fontes calidi trans Rhenum" zu „M attiacumin Ger- 
mania", welcher Ort 'offenbar mit dem Mama*6v des Ptolcmaeus II, 
11,29 und dem heutigen Wiesbaden identisch ist 40 . Wenn nun auch 
Ammianus Marcellinus XXIX, 4 dieselben Quellen „Aquae Mat- 
tiacac" nennt, so haben beide Zeugnisse zunächst nur die Benen- 
nung der Quellen nach der sie umwohnenden Völkerschaft der Mat- 
tiaci im Auge: sowie aber z. B. die Aquae Patavinae als identisch 
erkannt wurden mit „ Aquae Aponi a , so darf auch wol auf eine 
analoge Schutzgottheit fUr die heissen Quellen des alten Mattiacum 
geschlossen werden. Und in der That wurde schon i. J. 1784 bei 
der Fundamentirung des Gasthauses zum Schützeuhof in Wiesbaden 
selbst eine grosse i. J. 1852 von da ins Museum verbrachte Votivinschrift 
aufgefunden, welche die Gelübdeerfüllung eines Centurionen der VII. 
Legion verewigt, der offenbar in den Heilquellen seine Genesung ge- 
funden hatte. Dieser höchst wahrscheinlich zwischen den Jahren 222 
bis 235 n. Chr. gestiftete Votivaltar aber ist APOLLINI TOVT10RIG1 
geweiht, dem einzigen Apollo, welcher, unseres Wissens, auf den In- 
schriften des römischen Nassau begegnet 41 . Es kann wohl kaum 
einem Zweifel unterliegen, dass dieser einzig dastehende Apollo 
Toutiorix als Hcilgott und sicherlich als Vorsteher der heilkräfti- 
gen Quellen des alten Mattiacum anzusehen ist, welche demnach 
auch wol als „Aquae Toutiorigis" bezeichnet worden sein moch- 
ten, wiewol ein ausdrückliches Zeugniss darUber nicht vorliegt. 

B. Weibliche Quell- um] Badegotlheiten. 

Neben diese männlichen Quell- und Badegottheiten der Kelten 
stellen sich nun aber auch eine Anzahl weiblicher, ohne dass je- 
doch bei diesen eine römische Gottheit nachgewiesen werden kann, 
welche mit ihnen so identifizirt worden wäre, wie Apollo mit jenen. 
Der Grund dieser Erscheinung liegt ganz nahe: es finden sich näm- 
lich fast an allen durch Mineral- und Heilquellen ausgezeichneten 



40 Vgl. Annalen a. a. 0. S. 76, 133 f. 

« Orelli 2069. Aanalen IV. S. 375 u. 518 n. 48. 



16 - 



Orten der ehemaligen Nordprovinzen des römischen Reiches vom 
Fugse der Pyrenäen bis an den Rhein und die Donau zahlreiche Vo- 
tivaltäre der Nyraphae: diese aber waren bei den Römern bekannt- 
lich die eigentlichen Vorsteherinnen der Quellen, in welchen sie ver- 
ehrt wurden; eine besondere weibliche Gottheit gab es daher bei 
ihnen nicht, welche in analoger Weise, wie Apollo mit den männ- 
lichen, also mit den weiblichen Quell- und Badegottheiten bei der 
Amalgamirung keltischen und römischen Glaubens hätte identifizirt 
werden können. Dazu kommt, dass überhaupt auch die nachweis- 
liche und mutlimassliche Zahl der weiblichen Gottheiten dieser Art 
nur klein ist und sich im Ganzen auf sechs bis sieben beläuft. Voran- 
zustellen ist 

1. Segesta — Aquae Segestae. Zwei an verschiedenen 
Stellen der Tab. Peuting. neben das mehrerwähnte viereckige Ge- 
bäude eingezeichnete Namen von Badeorten sind offenbar von einer 
und derselben Gottheit abgeleitet, welche gleich dem Bormo und 
der unten näher zu besprechenden Sir o na eine allgemeinere 
Bedeutung gehabt haben muss. Einerseits nämlich führt die Tab. 
Peuting. segm. f. F. einen Ort „Aquae Segete" im Gebiete der 
Segusiavi auf, welchen man jetzt gemeinlich in Moind bei Mont- 
brison sucht 42 ; andererseits findet sich ebendort segm. I. C. im Ge- 
biete der Senones gleichfalls ein Bad „Aquae Segestae u einge- 
zeichnet, welches man in Montbouis zwischen Chanllon-sur-Loing 
und Montargis wiederzufinden meint 49 . Es kann keinem Zweifel 
unterliegen, dass diese Badegottheit Segesta (denn also ist an 
beiden Stellen der Tab. Peuting. zu lesen) gar Nichts mit der römi- 
schen Segetia 44 oder Seia oder Segesta 46 als die zufallige Na- 
mensidentität gemein hat, sondern vielmehr als eine einheimische 
gallische Göttin anzusehen ist Plinius N. H. III, 5 und 19 erwähnt 
Städte des Namens Segesta aus dem Gebiete der Ligurischen Ti- 
gulli und der keltischen Carni: in letzterer Stelle ist nämlich Se- 
gesta statt der Vulgate Segeste aus dem trefflichen Parisinus A (6796) 
ohne Bedenken in den Text aufzunehmen. Dazu kann noch Se- 
gestica als Namen einer durch den Zusammenfluss des Savus und 
der Colapis gebildeten Insel aus demselben Schriftsteller III, 25, 28 



*» Vgl. Forbiger Hdbch. d. a. Geogr. III S. 210. Aug. Beruard description 
du pays des Segusiaves, Lyon 1858, p. 94. 
43 Greppo p. 71-86. 

Vgl. Augustin. Civ. Dei. IV, 8, 26 vol. I. p. 145 ed. Strange. 
4 * Vgl. Plin. N. H. XVIII, 2. 



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- 17 - 



gefügt werden. Der Segeeta reiht Bich zunächst eine britannische 
Quell- und Badgottheit an, da bei ihr genau dasselbe Verhältniss ob- 
waltet, wie bei dem oben mit aufgeführten britannischen Apollo Ma- 
ponus: diese Gottheit ist 

2. Sulis — Sulis Minerva — Aquae Sulis. Das Itine- 
rarium Antonini 46 fuhrt nämlich einen Ort auf, welcher in der ge- 
wöhnlichen Lesung mit „Aquis So Iis" bezeichnet wird. Während 
Ptolemaeös 47 ihn einfach vdnta d^ü, aquae calidae, nennt, und man 
denselben längst in dem heutigen durch seine heissen Quellen, wie 
durch seine zahlreichen römischen Alterthümer bekannten Badeort 
Bath erkannt hat, stand die unverfälschte Schreibung seines Namens 
noch nicht fest. Da unter den Handschriften des Irin. Anton, die 
zweite Hand des dem VIII Jahrhunderte angehörigen codex Vindo- 
bonensis (L) und der mit ihm eng verwandte Reroensis (I: praefat. 
p. XVII), sowie der mit ihm meist Übereinstimmende Vaticanus 1883 
(N: praefat p. XX) jedoch „Aquis Sulis" bieten, so ist bereite 
von E. Hubner 48 auf diese Leseart als die allein richtige hingewie- 
sen worden, zumal nun auch die inschriftlichen Zeugnisse die- 
selbe evident und Uberraschend bestätigen. Ganz abgesehen davon, 
dass, wie Hübner bemerkt, „Aquae Soüs" schon mythologisch ganz 
unwahrscheinlich ist (denn die „Aquae Apollinares" bei Vicarello in 
Italien können bei der ganz verschiedenen Beziehung des Apollini- 
schen bei ihx er Benennung gar nicht verglichen werden) : liegen näm- 
lich sechs inschriftliche Votivwidmungen aus Bath vor, von denen 
drei einer DEA SVLIS (denn also lautet der Nominativ zu dem 
gleichlautenden Genitiv und dem Dativ SVLI dieser Inschriften) 
schlechthin, drei andere aber einer DEA SVLIS MINERVA ge- 
weiht sind 49 : der englische Alterthumsforscher Ly sons 50 hat daher, wie 
Hübner bemerkt, den Namen der Göttin mit den „Aquae Sulis" 
zusammengestellt und allerlei etymologische Versuche daran geknüpft. 
Dass es dieser nicht bedarf, erhellt aus unserer ganzen Erörterung, 
wonach einerseits bei der evidenten Uebereinstimmung der besten 
handschriftlichen und inschriftlichen Urkunden über den Namen der 
„Aquae Sulis 8 ebensowenig Zweifel mehr sein kann, wie anderer- 



4S p. 486, 3 ed. Wesseling; p. 233 ed. Pinder u. Parthey. 
4 » p. 73, 16 ed. Tauchnitz. 

Rhein. Mus. f. Philol. N. F. XIV S. 349. 
*» Lysons Reüqniae Britannico-Romanae (London 1813. fol.) vol. I. Tab. X, 
1, 2, 3, 4; Tab. VI, 6; XIII, 2. Orelli 2052. Orelli-Henaen 5914. 
*• Lysons vol. I. p. 9. not. c. 

2 



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- 18 - 

seita darüber, dass jene ,Aquae" ganz und gar nach Analogie der 
meisten vorerwähnten Badeorte ebendiesen ihren Namen von ihrer 
einheimischen keltischen Schlitzgottheit erhalten haben. Ganz beson- 
ders bemerkenswerth ist nun aber die Identinzirung derselben mit 
der römischen Minerva, wie sie in drei Inschriften klar vorliegt 
Es würde hier zu weit führen, das Wesen der keltischen Bei isama, 
welche die Römer wol zunächst mit ihrer Minerva identifizirten, 
sowie anderweitige Identifizirungen keltischer Göttinnen mit ebender- 
selben, insbesondere mit Rücksicht auf Caesar b. g. VI, 17, näher 
zu erörtern; eine bemerkenswerthe Thatsache dagegen darf nicht 
Ubersehen werden, das unzweideutige Zeugniss nämlich, welches da- 
rüber vorliegt, dass, bei dem allmähligen Untergange der alten kel- 
tischen Götterwelt und dem vollständigen Siege der Götter Roms, 
auch in Bath die einheimische Öulis zuletzt ganz und gar der rö- 
mischen Minerva gewichen ist, unter deren Schutz sodann alle jene 
Heilquellen kamen. Es berichtet nämlich C. Julius Solinus 51 bei sei- 
ner Beschreibung Britanniens: „Circuitus Britanniae quadragies oc- 
ties septuaginta quinque milia (passuum) sunt In quo spatio magna 
et multa flumina, fontes calidi opiparo exculti apparatu ad usus 
mortalium: quibus fontibus praesul est Minervae numen, 
in cuhis aedc perpetui ignes numquam canescunt in favillas, sed ubi 
ignis tabuit, vertit in globos saxeos. a Die zuletzt erwähnte Thatsache 
von einem ewigen Feuer scheint auch einem Chronisten des 14. Jahr- 
hunderts bekannt gewesen zu sein, welcher dasselbe in einen dem 
Apollo und der Minerva geheiligten Tempel versetzt 5 *. Ueberhaupt 
dauerte die Bedeutung und Frequenz des Badeorts Bath sicherlich 
unter lebendiger Bewahrung der lokalen Traditionen durch das ganze 
Mittelalter fort, wie ausser den mannigfachen Restaurationen der dor- 
tigen Thermen von geistlicher und weltlicher Seite, sowie den Bad- 
besuchen selbst der königlichen Familie 68 insbesondere noch ein Be- 
richt aus dem Jahre 1671 mit den Worten meldet: „Illuc omnis ge- 
neris omnisque conditionis viri foeminaeque, sanitatis, imo delitiarum 
causa tota ex Britannia confluunt" 64 

Auf dieselbe britannische Dea Sulis bezieht sich vielleicht auch 
ein auf der Tab. Peuting. segm. 1. A in dem Gebiete der Britannien 



» C. Julii Solini polyhistor ed. Salmas. (Plinianae Excrcitt.), Utrecht 1689, 
fol. cap. XXII. p. 31.p. 114 f. ed. Tb. Mommsen. 
" Lerscb a. a. 0. S. 29. 
" Lorsch a. a. 0. S. 161 u. 165. 
w Lorsch a. a. 0. S. 204. 



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- 19 - 



gegenüber auf der Westküste Frankreich wohnenden Veneti einge- 
«eichneter Ort S u 1 i m, welchen d'A n v i 1 1 e « Su 1 i s nennt und Wa 1 c k e- 
uaer w nach Hennebon in Morbihau verlegt: ein Ort, der nach Pa- 
tiasier 57 Mineralquellen enthält ; ob aber auch römische Alterthümer, 
ist nicht bekannt Diesen beiden Göttinnen reihen sich am besten 
zwei schon genannte göttliche Begleiterinnen des Apollo an. 

3. Damona: sowohl auf den beiden zu Bourbonne-les-Bains als 
den drei zu Bourbon-Lancy gefundenen Votivaltären des Bormo oder 
Borvo ist diese Göttin mit Apollo zu einem Götterpaare verbunden, 
so dass wol aus der Natur und dem Wesen ihres (Begleiters auf ihr 
eigenes Wesen ein Schluss erlaubt ist, wie dieses auch bei andern 
ähnlichen Götterpaaren aus der römisch-keltischen Mythologie nahe- 
gelegt ist. Bemerkenswerth ist bei diesen Votivinschriften noch, dass 
eine derselben einen C. Damin ius Ferox, civis Lingonus, zum 
Stifter hat, dessen Namen so sehr an den der Damona anklingt, 
dasa eine Art besonderen Namenspatronatsverhältnisses vorzuliegen 
«hebt 58 . Derselbe Wortstamm liegt übrigens offenbar auch den 
keltischen Personennamen Dama, Damo und Damio zu Grunde 89 . 

4. Sirona. Wie Damona mit (Apollo) Bormo oder Borvo, so 
ist auch Sirona auf vier der obenerwähnten Votivaltäre des 
Apollo Grannus mit diesem zu einem Götterpaare verbunden und 
darf desshalb wol ebenfalls als eine wohlthätige Heil- und Quellgott- 
heit angesehen werden. Bestätigt wird dieses ganz besonders durch 
eine vor nicht langer Zeit in dem obenerwähnten Badeort Luxeuil 
(Luxovium) aufgefundene Votivinschrift, welche ebenso wie eine an- 
dere von der unten zu erwähnenden Quelle bei Nierst ein, vielleicht 
auch eine dritte aus G raube bei Soulosse in Frankreich, nur dem 
Apollo allein ohne weitere Beinamen und der Sirona gewidmet ist: 
auch diese beiden Fundstätten und diese Zusammenstellung der Si- 
rona mit dem römischen Heilgotte kann nur die jener Göttin beige- 
legte Bedeutuug bekräftigen. Dass aber, wie auch wol bei der 
Damona, diese Bedeutung weniger eine locale, an eine bestimmte 
Heilquelle vorzugsweise geknüpfte, sondern vielmehr, wie bei Bormo, 



» Notice p. 622. 

* Geogr. III. p. 58. 

" Manuel dea eaux niinerales de la France p. 557 

* Vgl. Orelli-Henzen 5880. Zeitschrift f. d. Alter'thumsw. 1845 S. 56 und 
1*1 8. 119 ff. 

* Vgt. Wiener Jhrb. 1846. GXV1. Anzbl. S. 59. Stuart Caledonia Romana 
t»b V. 5 p. 192. Overbeck Katalog des Bonn. Mus. S. 73 n. 146. Fabrett. 
P 465, 96. Bullet, dell' inst. arch. 1848 p. 110. Orelli 1658. 

2* 



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- 20 - 

eine allgemeinere war; dafür zeugen überdies« noch sieben 
weitere Votivinschriften, welche nicht nur der Dea Sirona allein 
gewidmet sind, sondern auch durch ihre Auffindung in dem weiten 
Gebiete von Bretten in Siebenbürgen bis tief nach Frankreich hinein 
zugleich genugsam die weite Verbreitung ihres Cultus und damit 
sicherlich auch die allgemeinere Bedeutung ihres Wesens beurkun- 
den 60 . Der Damona und Sirona schliesst sich zunächst an die 

5. Divona, jene berühmte Quelle zu Burdigala (Bordeaux), 
welche man jetzt in der Quelle von Fondaudege zu sehen glaubt: 
bekannt ist das hohe Lob, welches ihr Ausonius gegen Ende des 
vierten Jahrhunderts spendet 61 : 

Salve fons ignote ortu, sacer, ahne, perennis, 
Vitree, glauce, profunde, sonore, illinis, opace; 
Salve urbis genius, medico potabilis haustu, 
Divona Celtarum lingua fons addite Divis, 
und an Güte Uber die Wasser des Aponus und Nemausus stellt 
Burdigala gehörte bekanntlich zu dem Gebiete der Bituriges Vivisci, 
während auch die Hauptstadt der Cadurci, das jetzige Cahors, gleich- 
falls Divona hiess 62 . Ausser den vorgenannten Quell- und Badegott- 
heiten lassen sich noch einige andere Göttinnen mit fast gleicher 
Sicherheit demselben mythologischen Kreise einreihen. Zuvörderst 
ist aus diesen 



" Vgl. Bonner Jahrb. XX. S. 108 f. XXVII. S. 80-82. Orelli-Henzen Ind. 
b. v. p. 38. 

«» Clar. nrb. XIV, 29 ff. 

81 Vgl. Forbiger a. a. 0. III. S. 165. Chaudruc de Crazannes in Rev ar- 
cheol. 1841 p. 165—170. Greppo p. 113 f. Mit Unrecht verlegt Lersch a.a.O. 
S. 15 f. die Quelle Divona nach Bagneres-de-Luchon, dessen Badegottheit Lixo 
oben von uns nachgewiesen wurde. Zur Divona fons mag hier noch die Ura 
fons verglichen werden, welcher ein auf dem rechten Ufer der Vidourle bei 
der alten Stadt Ambrusaium im Gardiiepartement gefundener Votivaltar geweiht 
ist, der sich jetzt im Museum der Stadt Nimes befindet und in der Mitte der 
Vorderseite einen mit der patera libirenden verschleierten Priester zeigt, ober- 
und unterhalb dessen die Inschrift 

AVGVST 
LARIBVS 
CVLTORES VRAE 
FONTIS 

vertheilt ist. Diese Ura fons ist bald auf die Vidourle selbst, bald auf den 
Bach Eure, dessen Wasser ehemals mit der Quelle Airan nach Nimes geleitet 
waren, bald auf die fontaine d'Urre bei Uzes unweit Nimes gedeutet worden: 
vgl. Annales encyclopediques tom. III. (1818) p. 271. Greppo p. 213. Boissieu 
Insc. de Lyon p.49 n. XXX11. Comarmond descript. du museelapidaire de Lyon p.351 
n.587 pl.lXn.587. Cataloguedumus.d.Nimesp.71.Annal.dell'inst.arch.l853.p.58. 



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- 21 



6. Acionna hervorzuheben, welcher die nachfolgende Votivin- 
schrift einer quadratischen Platte gewidmet ist, die bei den Ausgra- 
bungen der Fontaine de l'Etuve*e zu Fleury unweit Orleans zu Tage 
gefördert wurde 63 : 

AVG . ACIONNA E 
SACRVM 

CAPILLVS ILLIO 
MARI.F.PORTICM 

CVM SVIS ORNA 
MENTIS.V.S.L.M 

Uebcreinstiinracnd sehen alle Erklärer dieser Inschrift in der ACI- 
ONNA die Göttin der Quelle de l'Etuvtfe selbst : eine Ansicht, welche 
insbesondere durch die Vergleichung der einen zu Neris-les-Bains ge- 
fundenen und dem NERVS gewidmeten Inschrift eine grosse Stütze 
erhält. Beide Inschriften beurkunden die Errichtung einer Säulen- 
halle d. h. einer eleganten (cum suis ornamentis) Trink- und Spa- 
zierhalle für die Kurgäste um die betreffenden Heilquellen von Sei- 
ten genesener und daher gegen die Quellgottheit dankbarer Bade- 
gäste; wie zu Neris-les-Bains, so wird demnach also auch hier die 
darüber sprechende Votivurkunde der wohlthätigen Gottheit selber 
gelten. Wie Acionna darf dann auch wol 

7. BlandafÜr die Mineralquellen des auch durch anderwei- 
tige Inschriftenfunde 64 bemerkenswerthen Belley (Belicensis vicus) 
im Departement de l'Ain als Schutzgöttin und Vorsteherin mit gutem 
Grunde vermuthet werden. Es liegt für diese Vermuthung bis jetzt 
freilich nur eine einzige im dortigen Präfekturgebäude aufbewahrte 
inschriftliche Urkunde vor, welche Greppo p. 182 also mittheilt: 

D . BLANDE 
CAESIA . RV 
FINA . PRO . SA 
LVTE . BELLI 
RVFIANI . FIL 
EX.V 



a Vgl. B. Stark Städteleben , Kunst und Altertbum in Frankreich, Jena 
1865, 8. S. 613. Mem. et dissert d. 1. soe. d. Antiq. d. France, VII praef. 
p. 69 uod XI (1835) p. 291. de Wal Myth. sept. mon. epigr p. 8 n. X. Musee 
d'Orleans: explication des tableaux , antiquites etc. Orleans 1851 p. 186. 
Greppo p. 267 f. 

" Reines. Synt p. 209. CCXVI. CCXVIL Orelli 1898. 



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- 22 — 



Zu dem Namen der Göttin, der vielleicht eine Zusammenziehung 
aus Belanda ist und damit an den oben erwähnten Belcnus, den 
Namen des Belicensis vicus selbst, die gallische Völkerschaft der 
Belind i und andere Bildungen ähnlicher Art erinnern würde, lassen 
sich aber zunächst der Namen der hispanischen Stadt Blandae bei 
Plin. N. H III, 3, sowie ein Helvetier Bland us Vindaluconis filius 
bei Mo mm Ben Insc. Helv. 290 vergleichen. Wie Blanda, so dürfte 
weiter auch 

8. Düna als Quellgöttin in einer von zwei Votivinschriften auf- 
zufassen sein, welche, zu Bouhy zwischen St. Amand und Entrains 
gefunden, dem MARS BOLVINNVS gewidmet sind 65 . Während 
nämlich dieser Gott einer der zahlreichen gallischen mit dem römi- 
schen Mars identifizirten 66 Kriegsgötter, zugleich aber als die Local- 
gottheit des dem Fundorte Bouhy benachbarten Dorfe Bonlin nicht 
zu verkennen ist, wird die mit ihm gepaarte Du na sicherlich als 
Vorsteherin der, wie LeBlant hervorhebt, den Römern wohlbekann- 
ten Mineralquellen von Bouhy mit allem Rechte anzunehmen 
sein Der Düna schliesst sich endlich an 

0. Mcduna und 10. Devercana, beide durch einen kleinen 
in dem rheinpreussischen Badeort Bertrich gefundenen Votivaltar 
beurkundet 67 und vielleicht als Vorsteherinnen dortiger Quellen ver- 
ehrt : 

DEVERCANE 
ET MEDVNE 
L.TACCITVS 
V.S.L.M 

Zur Vervollständigung dessen, was bereits oben über diejenigen 
römischen und griechischen Gottheiten angedeutet worden ist, welche 
noch ausser und neben dem ersten und vorzüglichsten Heilgotte 
Apollo bei der im Laufe der Zeiten immer gewaltigem Ueberwucht 
des Glaubens der siegreichen Eroberer über die Götterwelt der be- 
siegten Kelten an die Stelle der einheimischen Quell- und Badegott- 
heiten getreten sind, erscheint es nicht unangemessen, einige Bemer- 
kungen über Hercules, Aesculapius und Hygia, sowie ins- 
besondere über Diana als Badevorstcherin beizufügen. Mit Recht 



« Vgl. de Caumont Ballet, monum. vol. XX (1854) p. 252. Lc Blant In- 
sertptions ebrettennes de la Gaule, Paris 1856, 4. I. p.28. Bonner Jahrb. XXIX 
XXX. p. 171 f. 

« Rhein. Mus. f. Piniol. N. F. XVII. S. 18. A. 7. 

«' Bonner Jahrb. XXVIII. 8.109. XXIX XXX. S. 78 -82. n. 170. 



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wird unter diesen Hercules als die personifizirte gewaltige Natur- 
kraft sei sie neptunischer oder vulkanischer Art vorangestellt, zumal 
sich diese doppelte Art der Naturwirkung grade in der Mineral- und 
Heilquelle so offenkundig dokumentirt. Aus diesem Grunde waren 
vorzugsweise alle hei äsen Quellen ihm geweiht und nach ihm be- 
nannt: seine Tempel erhoben sich allenthalben bei denselben und er 
selbst wurde als Hercules salutiier Heilgott wie Apollo 6S . Nicht 
minder grade bei den Heilquellen und wiederum insbesondere bei den 
warmen verehrt erscheint Aesculapius mit seiner göttlichen Be- 
gleiterin Hygia: auch ihre Tempel und Bilder, sowie die ihnen zur 
glücklichen Genesung (pro salute) Krkrankter geweihten Votivaltäre 
fanden sich bei vielen J I eilquellen durch das Kömerreich 69 , so insbe- 
sondere auch in unseren Rhein- und Mainlanden, in welchen der 
Sauerbrunnen bei Godesberg unweit Bonn gleichfalls als Fundort 
einer beiden Gottheiten geweihten Yotivinschrift bekannt ist 70 . An 
Hygia schliessen sich zunächst die in zahlreichen inschriftlichen Ur- 
kunden überlieferten Nymphae, Uber welche bereits oben ebenso 
wie über die an die Stelle der Dea Sulis getretene britannische 
Minerva gesprochen worden ist Ks erübrigt sonach noch Diana 
in ihrer besonder!) Beziehung zu Heilwassern einer kurzen Betrach- 
tung zu unterziehen und namentlich die wenigen Spuren zusammen- 
zustellen, welche auf ihre Verehrung an Mineralquellen Galliens und 
vor allem der Rhein- und Mainlande hindeuten. Wie Artemis, so 
wurde auch Diana, die göttliche Vorsteherin der Waldgebirge und 
der Jagd, bei den Quellen verehrt; gleich dem Sonnen- und Quellen- 
heilgott Apollo, wurde wol auch sie als Göttin der Nacht, des in 
den Quellen sich spiegelnden Mondes, als Schützerin der dieselben 
umgebenden Waldungen in enge religiöse Beziehung zu jenen ge- 
bracht 71 . Schon oben ist der Fund einer Statuette der Diana zu 
Neris-les-Bains erwähnt worden: ein ebenso unverkennbares 
Zeugnis» ihres nahen Verhältnisses zu den dortigen Quellen, wie zu 
L <? o m o n t im Departement de la Meurthe, woselbst sich bei einem 
Gehölze eine Quelle findet, welche der localen Tradition nach der 
Diana geheiligt gewesen sein soll: eine Ueberlieferung , die sich 
evident durch die Auffindung einer Anzahl Medaillen von Blei 



tt Vgl. Lersch a. a. 0. 8. 16 u. 230. 
«9 Vgl. Lersch 8. 27—29. 

70 Steiner cod. inao. Rom. Danub. et Rhen. n. 1006. 
" Vgl. Lersch 8. 22. 230. 



- 24 - 

mit dem Bilde dieser Göttin bestätigt hat 7 »; es bilden diese 
Medaillen eine der zahlreichen Sorten von Heilgaben ex voto, die 
man nach erlangter Genesung zum Danke in die Quellen zu werfen 
pflegte 73 . — In gleicher Weise wie in dem innern so treten aber 
auch die Spuren dieser Dianenenverehrung bei den Mineralquellen 
auch in dem rhein- und mainländischen Gallien hervor. Zunächst ist 
hier das römische Bad zu Badenweiler im Schwarzwalde als 
Fundstätte von zwei theilweise leider bruchstUcklichen Votiv- 
in Schriften zu bezeichnen 7 *, deren eine einem wohlerhaltenen Votiv- 
altare angehört, welcher sich vor der geöffneten Vorderseite der 
Mittelhallc (vestibulum), die von den Höfen aus in das einst gross- 
artige Badegebäude fuhrt, noch jetzt befindet, ganz charakteristisch 
demnach den Eintretenden sogleich die Schutzgöttin und Vorsteherin 
der Heilbäder vor Augen stellte: es war dieses Diana Abnoba. 
Die Dea Abnoba 75 war bekanntlich die göttliche Personification 
des Schwarzwaldes *(mons Abnoba), worauB sich einerseits ihre Iden- 
tiflzirung mit Diana, andererseits deren Verehrung im römischen 
Badenweiler leicht erklärt Die Ausdehnung des Schwarzwaldes 
durch das ganze heutige Baden lässt es weiter sehr natürlich finden, 
dass dieselbe Diana Abnoba auch in der Hauptstadt desselben, bei 
den berühmten Quellen von Baden-Baden, gleichfalls ihre Ver- 
ehrung gefunden habe, wie eine im Sommer d. J. 1845 dort zu Tage 
geförderte 2" hohe Statuette von Erz genugsam beurkundet, welche 
eine Diana und ohne Zweifel eine Diana Abnoba vorstellt, wie 
sie eben den Bogen spannt 7 *. Dieselbe Verdrängung der einheimi- 
schen Localgottheit durch Diana liegt ferner auch bei dem rhein- 
preussischen Bade Bertrich vor, dessen vermuthliche Vorsteherinnen 
Devercana und Meduna oben besprochen worden sind. Ebendort 
in der Bonbeuerner Flur, einem Abhänge, an welchem sieh in etwa 
30* Länge die Grundmauern eines Gebäudes hinziehen, wurde näm- 
lich i. J. 1860 eine V/t' hohe Figur der Diana aus feinem alabaster- 



» Vgl Alfred Maury in Rcv. nrcheolog. N. S. I (1860) p. 59 not. 7 nach 
Lepage le departement de la Meurthe II. p. 291 f. 

» Vgl. über diese Heilgaben (stipes) in Quellen, Flüssen, Seen ausser Lcrsch 
S. 43-49. Becker-Marquardt Rom. Alterth. IV S. 157 A. 920. 

» Vgl. H. Leibnitz Die römischen Bäder bei Badenweiler im Schwarzwald 
Loipzig 1855 S. 11 und Taf. II 6g. 1. Steiner a. a. 0. 845 u 846. 

T& Vgl. Orelli 4974. Fickler Die Donauquellen und das Abnobagebirge der 
Alten, Carlsruhe 1840, S. 86. A. 58. Fröhner Die groasherzogl. Sammlung 
vaterländischer Altcrthümer zu Carlsruhe (1860) S. 16 n 39. 

« Vgl. Ph. Kappencgger Aurelia Aqueusis, die Stadt Baden als römische 
Niederlassung, Mannheim 1853, S. 21. n. 10, 2. 



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- 25 - 

ähnlichem Marmor gefunden, neben welcher die Hindin herlauft, 
die von dem an ihr aufspringenden Hunde so eben ereilt wird: die 
Göttin, mit dem Köcher auf dem Rücken (der rechte Arm, welcher 
den Bogen hielt, fehlt), in dem ärmellosen dorischen Chiton, ist als 
rasch dahin eilende Jagd^öttin dargestellt 11 . Da diese Figur der 
Göttin, ohne sonderlich feine Ausführung fabrikmässig gearbeitet, 
ohne eigentlich künstlerischen Werth ist, in den rheinischen Römer- 
ansiedlungen aber Darstellungen der Diana Uberhaupt als selten 
bezeichnet werden müssen; so ist ihr Vorkommen in dem kleinen 
Römerbad offenbar daher zu erklären, dass die fragliche Figur ohne 
Zweifel als Bild der Badevorsteherin auf öffentliche Kosten in irgend 
einer gallischen Fabrik bestellt und in der Nähe des Hauptbadege- 
bäudes errichtet worden ist. — Eine vierte unzweideutige Spur der 
Verehrung der Diana als Badevorstehorin findet sich endlich in 
der Vita S. Remacli c. 12, woselbst von einer Wanderung des Hei- 
ligen in dieArdennen also berichtet wird: „Warchinnam rivulum 
accedit, invenit illic certa indicia loca illa quondam idolatriae misse 
maneipata. Erant illic lapides Dianae et id genus portentosis no- 
minibus inscripti vel effigies eorum habentes; fontes etiam homi- 
num quidem usibus apti, sed gentilismi erroribus polluti atque ob id 
etiamnum daemonum infestationi obnoxii." Die „lapides Dianae por- 
tentosis nominibus inscripti 8 und die „effigies" beziehen sich sowohl 
auf Bilder der Diana und anderer römischen Götter, als auch auf 
Votivaltäre mit und ohne solche Bilder. Die Diana aber, welche 
hier bei den Heilquellen verehrt wurde, war ohne Zweifel die Diana 
des Ardennenwaldes (Arduenna) selbst Wie nämlich der oben er- 
wähnte Schwarzwald bei den Anwohnern als Dea Abnoba vergött- 
licht wurde, so der Ardennerwald als Dea Arduinna, deren Denk- 
mäler zum Theil gerade am Rande desselben gefunden wurden 78 . 
Gleich der Abnoba aber wurde auch Arduinna gradezu mit Diana 
identifizirt als Dian a Ar du in na und sie ist es, welche in der oben- 
erwähnten Stelle der Vita S. Remacli gemeint wird. — Aus dieser 
göttlichen Funktion der Diana als Quell- und Badevorsteherin, wie 
sie in den vorerwähnten wenigen, aber unzweideutigen Spuren vor- 
liegt, erklärt sich denn auch zur Genüge, wie sie nicht blos als eine 
Waldgöttin „Diana nemorensis a , sondern gradezu auch als eine 
„reg i na audarum" bezeichnet werden konnte, wie es auf einer 
Inschrift aus den „Aquae Jasae", dem heutigen Warasdin in 
Siebenbürgen, bei Gruter p. XXXIX, 8 geschieht 

" Vgl. Bonner Jahrb. XXVIII. S.106 f. XXIX. XXX. S. 78 f. 
» Vgl. Bonner Jahrb. XXIX XXX. S. 64— 77. 



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- 26 - 
IV. 

Rheinlandische Heilbäder und Mineralquellen in 

Römerzeiten. 

Wiewohl in der voraufgehenden Zusammenstellung der vorzugs- 
weise in Gallien und seinen rheinischen Vorlanden verehrten Quell- 
und Badegottheiten sowohl keltischen als römischen Glaubens bereits 
mehrfache Veranlassung gegeben war, die vornehmsten theilweise 
offenbar schon vor der römischen Occupation von den Ureinwohnern 
benutzten Heil- und Mineralquellen , sowie die dabei entstandenen 
Ansiedlungen zu erwähnen : so dürfte es doch zur allseitigen Vervoll- 
ständigung dieses kleinen Beitrages zur Urgeschichte der rheinischen 
Bäder nicht unerwünscht sein, auch diejenigen Heilbäder in Kürze 
aufzuführen, welche oben keine Erwähnung gefunden haben. Zuvör- 
derst — um bei dem Oberrheine zu beginnen — sind hier die bei- 
den Baden, sowie das schon berührte Badenweiler nebst dem 
elsässischcn Niederbronn voranzustellen. 

1. Baden im schweizerischen Canton Aargau war, wie man aus 
Tacitus 79 ersieht, ein bei den dortigen ohne Zweifel schon von den 
Ureinwohnern viel benutzten Quellen, erwachsener Ort der Helvc- 
tier, bei welchen die Römer ein Standlager errichtet hatten, dessen 
obligater Tross (canabenses) mit den Einwohnern allmählig (longa 
pace) zu einem Städtchen erblühte, das bereits die Formen eines 
römischen Municipiums angenommen hatte, als das in den Militärun- 
ruhen nach Neroa Tod eingetretene Missverhältniss zwischen den 
Helvetiern und dem in Obergermanien command ir enden Caecina letz- 
teren veranlasste das Städtchen im J. 72 n. Chr. zu zerstören. Spä- 
ter wieder hengeatellt und durch eine der Isis gewidmete Votivin- 
schrift aus Wettingen bei Baden als v i c u s A q u e n s i u m beurkundet 80 , 
erlag es ohne Zweifel in den Zeiten des sinkenden Reiches den das 
Zehntland überschwemmenden Alamannen und findet sieh selbst 1110 
noch in diesem Zustande. In den Jahren 1344 und 1388 wurde es 



" Caecina belli avidus proximam quamque oulpam anteqaam poeniteret. 
ultum ibat: mota propere castra, vastati agri (Helvetiorum), diroptus longa 
pace in modum munieipii exstruetus locus, amoeno salnbriuin 
aquarum osa freqaens. Tacit Hist I. c. 67. 

* Vgl. Orelli 457. Mominsen Insc. Uelv. 241. 



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- 27 - 

wiederholt verwüstet, erhob sich aber dann, wie es acheint, rasch zu 
einem Badeorte, in welchem man i. J. 1480 an 3000 Kurgaste zählte. 
Ausser obigen und andern Inschriften wurde der längere Aufenthalt 
der Römer dortselbst schon ums Jahr 1420 durch bemerkenswerthe 
Funde von Erz- und Goldmünzen, Hausgeräthe, Statuetten, Ringen 
und Würfeln bezeugt, welche Fundstücke zum grossen Theile als 
Heilgaben in den Quellen selbst gefunden wurden 81 . Würfel be- 
ziehen sich dabei bekanntlich auf die den Quellen zugeschriebene 
weissagerische Kraft. 

2. Badenwoilerim badischen Oberrheinkreis ist schon oben be- 
rührt worden. Seine noch jetzt grossartigen Badesubstruktionen ge- 
hören zu den besterhaltencn von allen römischen Bädern in Germa- 
nien, nehmen eine Fläche von 126 Quadratruthen ein und waren 
seit langem ergiebig an verschiedenartigen Fundstücken, wie Löflei- 
chen, Glöckchen, Haften, Schnallen, Ohrgehängen, Larapen, Gläsern, 
Thonwaaren, die nur zum Theil als Heilgaben (stipes) angesehen 
werden können; viele dieser Gegenstände gehörten auch dem Bad- 
gebrauche selbst an. Ausser den beiden obenerwähnten Votivaltären 
der Diana Abnoba ist weitaus der interessanteste Fund ein silber- 
nes Amulottäfolchen mit mystischen Formeln, dergleichen auch 
anderwärts in Quellen gefunden wurden und in dieselben unter aber- 
gläubischer Anrufung von Dämonen zur Abwehr von Ucbeln, Erhaltung 
der Gesundheit oder ähnlichen Zwecken hineingeworfen worden wa- 
ren 8> . Dieses Täfelchen gehört der Zeit des sinkenden Reiches an 
und dürfte somit die fortdauernde Benutzung dieser Bäder bis ins 
4. Jahrhundert bezeugen, womit auch die Reihenfolge der dort zu 
Tage geforderten 64 Bronze-, 21 Kupfermünzen nebst mehreren sil- 
bernen und einer goldenen Philipps des Macedonicrs zusammentrifft, 



Mommsen a. a. 0. 240-244. Lersch S. 26. 47. 129. 148. 107. 172. 
82 Schon langst vor der A. 74 erwähnten Schrift von Leibnitz sind dio 
Badesubstructionen von Badenwoiler von A. G. Preuschen Denkmäler von alten 
phisischen und politischen Rovoluzionen in Deutschland, besonders in Rhein - 
Kegenden (Prankf. a.M. 1787. 8) S. 97— 238 und ihre Fundausbeute ausführlich 
besprochen worden. Zu dem dort S. 209 ff. eingehend behandelten zehnzciligen 
Inhalt des Silberplattchena sind die in den Bädern von Amölie-les-Bains (liev. 
archöolog. IV. anneo I. part. 1847. p. 409 — 414. pl. 71. n. 1—8) gefundenen 
Bleiblättchen, weiter das Silborpl&ttchcn von Poitiers (Beiträge sur vergleichen- 
den Sprachforschung von Kuhn und Schleicher III, 2. S. 170 n. 14- S. 175 u. 
212. IV, 1. S. 160 f., sowio die gnostiseben Amuletsteine (Monatsberichte der 
Berliner Akademie 1855. Nov. 8.701 f. Rev. archeolog. III. annee. I. part. 1846. 
p. 200. H. Monin Monuments des anciens idiomes gaulois, Paris et Besangon 
1861, 8. p. 25. 27 f. 182 f.) zu vergleichen. 



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- 28 - 



indem sie mit Claudius in der Mitte des ersten Jahrhunderts be- 
ginnen und mit Oonstantin dem Qrossen aufhören 83 . Welchen Na- 
men die Ansiedlung bei den wol mehr von den Umwohnern und zu- 
gereisten Kurgästen, als von dem römischen Militär benutzten Quellen 
gehabt, ist in tiefes Dunkel gehüllt, da nur spärliche inschrifüiche 
Urkunden bis jetzt dort zu Tage getreten sind 84 . 

3. B a d e n im badischen Mittelrheinkreise war von uralten Zeiten bis 
in unsere Tage der bevorzugte Badeort der eleganten und vornehmen 
Welt Wie die Quellen bei Badenweiler, so sind ohne Zweifel auch 
die von Baden den Römern bei der Occupation des sog. Zehntlandes 
(agri decumates) d. h. des Gebietes zwischen Oberrhein und Ober- 
donau 85 bekannt und sodann alsbald ebenfalls Anlass zu einer An- 
siedlung geworden, deren Anfange sicherlich unter Trajan fallen, 
auf den die älteste Steinschrift von Baden zurückweiset 86 . Diese 
Ansiedlung erhielt wie überall in analogen Fällen den Namen 
„Aquac" und ist sodann der Mittelpunkt eines jener grössern 
Gemeinwesen (respublica, civitas) geworden, welche die Römer durch 
ganz Gallien organisirt haben. Besonderer Gönner und Beförderer 
scheint dann auch Hadrian gewesen zu sein und unter ihm wol 
bildete sich die Badestadt „Aquae" als Hauptort einer auf einer 
Inschrift vom Jahre 197 n. Chr. 87 genannten „Respublica Aquen- 
sium" heraus, die ihre Blüthe aber, wenn nicht Alles trügt, 
unter M. Aurelius Antoninus Caracalla (um 213 n. Chr.) erreichte, 
welcher auf seiner Rheinreise offenbar auch dort verweilte und das 
von ihm allwärts geförderte Badeleben in neuen Aufschwung brachte. 
Von ihm nahm jetzt die ganze Civität, deren Mittelpunkt die Stadt 
„Aquae" war, den Beinamen Aurelia an und erscheint demnach 
aufsog. Meilenzeigern der vou „Aquae" ausgehenden Hauptstrassc 
vom J. 213 — 222 als „Civitas Aurelia Aque nsium" 88 . Dass 



*» Die bezüglichen Münzen von Claudius, Veapasian, Trajan, Hadrian und 
den Antoninen s. bei Preuachen S. 187 ff. 

" Das C1V1T. VV auf einem Gefässdeckel bei Preuachen S. 183, 14 u. 193 
(Steiner 848) kann bei seiner Räthselhaftigkeit nicht in Betracht kommen. 

w Vgl. Tacit. Germ c. 29. 

«* Vgl. Fröhner a. a. 0. n. 60. 

m Fröhner n. 61. 

«* Vgl. Fröhner a. a. 0. n. 72. 73. 74. 75. 76. Lersch S. 130. Wie diese 
civitaa Aquensinm, ao nahmen sicherlich damals noch andere Orte des Zehnt- 
landea den gleichen ehrenden Beinamen von Caracalla an: dahin gehört offen- 
bar auch der vicua Aurelina, das römische Oeh ringen in Würtemberg, 
wie eine i. J. 1861 dort aufgefundene Steinschrift auad. J.232 n. Chr. dargethan hat: 
vgl. Th. Mommsen in E. Gerhards Archäoiog. Anz. 1861. N. 154. 155. S. 230* 



Digiti. -^glp 



- 29 - 



die locale Tradition von dem an die Namen der Kaiser Hadrian 
und Caracalla sich knüpfenden Aufschwung der dortigen Bäder 
selbst durch das ganze Mittelalter sich erhielt, bezeugt eine Schen- 
kungsurkunde aus dem Kloster Weissenburg im Elsass aus dem 
Jahre 676, in welcher der König Dagobert II. vergabt: „balnea 
illa trans Rhenum in pago Aucicensi sita, quae Antho- 
uius et Adrianus quondam imperatores suo opere aedi- 
fi caverunt" 89 . Die meisten Forscher haben hier ohne Zweifel 
richtig in dem „Anthonius" den Antoninus Caracalla erkannt 90 . 
Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass seit langer Zeit eine 
bis in die jüngsten Tage herab fortgehende Aufdeckung zahlreicher 
Reste aus dem römischen Baden ein lebendiges Bild der einstigen 
Blttthe dieses Badeorts vor Augen stellen. Umfangreiche Mauerreste 
und Substruktionen von Bädern und Gebäuden, Grabsteine von 
Militär- und Civilpersonen, Legionsziegelstempel, Reliefs, Votivaltäre 
und Münzen zeugen noch jetzt von der bürgerlichen und militäri- 
schen Bedeutsamkeit des Orts: insbesondere weiset ein dem Gotte 
Neptun von einer Schiffergilde (contubernium nautarum) gewidmeter 
Altar auf eine Lebhaftigkeit des Handels und Verkehrs auf der Oos, 
Murg, Alb und dem Rheine hin, wie sie nur ein blühendes reiches 
Leben und seine mannigfachen Bedürfnisse hervorzurufen vermögen 
Wie Badenweiler erlag sicherlich auch die in Baden Jahrhunderte 
lang blühende Cultur der alles zerstörenden Wuth der anstürmenden 
Alamannen, wahrscheinlich schon gegen die Mitte des 3. Jahrhunderts 92 , 
bis die vereinten Bemühungen christlicher Mönche und eines fränki- 
schen Königes auch dort die Jahrhunderte hindurch in Trümmern 
liegenden Culturstätten einer untergegangenen Welt wieder zu neue- 
rer Lebensentfaltung beriefen. Davon zeugt die obenerwähnte Weis- 
senburger Schenkungsurkunde, welcher ein weiteres Zeugnis« 98 Uber 
die Existenz Badens erst für das 11. Jahrhundert beigefügt werden 
kann, wiewohl nicht zu bezweifeln steht, dass auch dieser Badeort, 
wie das schweizerische Baden, sich eines grossen Zulaufs während 
de» Mittelalters zu erfreuen hatte. Der Namen „Bad derKüngen" 



►9 Hon. Boic 31 p. 1. Lerech p. 141. 160. Rappenegger a. a. 0. S. 8 f. IL 
90 Vgl. Rappenegger 8. 4. 

S1 Rappenegger 8. 12— 26, woselbst die einzelnen Kategorien der Fundstücke 
behandelt sind: 8.26-35 sind insbesondere die Inschriften zusammengestellt, 
womit Fröbner n. 2-5. 6. 8. 9. 11. 12. 14. 15. 37. 38 41. 42. 48. 60-63. 65. 66 
7G. 77. 78. 86-91 zu vergleichen ist 

« Lorsch 8- 132 nimmt die Zerstörung gegen 234 n. Chr. an. 

93 Vgl. Rappenegger 8. 11. 



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and später im 13. Jahrhundert, unter österreichischer Herrschaft, 
„Herzogenbad"* 4 wenigstens weiset um so überzeugender darauf 
hin, als auch Kaiser Friedrich III. auf einor Reise nach Strasburg 
i. J. 1473, sowie sein Sohn Maximilian I. i. J. 1517 dortselbst die 
Heilquellen benutzten 95 . — Zum Oberrhein gehört endlich noch 

4. der Salzbrunnen zu Niederbronn im Elsas», dessen Be- 
nützung durch die Römer dreihundert in denselben als Heilgabeu 
geworfene römische Münzen bezeugen, welche i. J. 1592 aufgefunden 
wurden *. 

Weit zahlreicher, wenn auch im Ganzen wohl nicht bedeutender 
als die Heilbäder am Oberrhein erweisen sich diejenigen Mineral- und 
Heilquellen, welche den Römern am Mittel - und Niederrhein bekannt 
und in Benutzung genommen wurden. Voranzustellen ist unter diesen 

5. die im April 1803 wiederentdeckte Schwefelquelle zu Nier- 
stein unweit Oppenheim oberhalb Mainz, bei deren Aufraumung die 
römische Fassung derselben, Trümmer von Bauwerken, darunter eine 
kleine Säule, ein Becken ron Stein, Statuetten von gebrannter Erde, 
nebst 14 Kupfermünzen aus den Jahren 86 bis 267 n. Chr. in der 
Quelle selbst gefunden wurden. Üass die meisten dieser letzteren ein 
frisches Gepräge aufzeigten und von runden Gypskugeln umgeben 
waren, weiset darauf hin, das» sie als U eilgaben (stipes) von Gene- 
senen in die Quelle gelegt worden waren. Zugleich bekundet die 
Reihenfolge, dass die Quelle wenigstens seit Domitian bis zu der 
für das ganze Rheinland so bedeutsamen Wiederherstellung der rö- 
mischen Macht am Rhein durch Postumus im Gebrauche war. Zu 
allen diesen Urkunden kommt nun aber noch die schon oben er- 
wähnte Votivwidmung einer Julia Frontina an Apollo den Quellen- 
hcilgutt und seine keltische Begleiterin Sirona, welche Inschrift 
dem rheinischen Alterthumsforscher Fr. Lehne Veranlassung gab, 
die Quelle selbst als „Sirona bad" zu benennen 97 . Der in einer 
Urkunde Carlomanns v. J. 742 als Neris te in zum erstenmale vor- 
kommende Namen des nahen Nierstein gab ihm dabei zugleich 
einen Anhalt zu der im Hinblick auf die obenerwähnten doppelten 
„Aquae Bormonis" und „Aquae Segestae" ansprechenden 



* Vgl. Lerech S. 165, wenn anders Lorsch hierbei nicht Baden-Baden 
mit Baden bei Wien verwechselt. 

» Vgl. Lorsch 8. 172 u 186. 

* Lersch S. 47. 

** Vgl. Das Sironabad bei Nierstein n. seine Mineralquelle. Mainz 1827. 8., 
besonders S. 1-13 (Lehne Ges. Sehr. III. 8. 51-68). Lersch 8 48. 



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31 - 



Vermuthung, dass der Ort selbst wegen seiner Quelle „Aqua« 
Neri*, wie das römische Neris-les- Hains geheissen habe 98 . Zur Be- 
gründung dieser Ansicht bedarf es vor Allem einer genauen sprach- 
lichen Untersuchung der Bedeutung des ersten Theils des Namens 
„Nierstein". Dieser Mineralquelle reihen sich nun weiter die 
Heilquellen und Mineralwasser des Taunus und der angrenzenden 
Lande an. Dahin gehört vor allem 

6. Wiesbaden, Mattiacum, Aquae Mattiacae, dessen bereits 
oben besprochene Quellgotth eit Apollo Toutiorix zur I lin Wei- 
sung" auf die Entstehungsgeschichte der Badestadt, des bei ihr von 
den Römern errichteten Castells und die Ausbeute der Funde beider 
Oertlichkeiten Veranlassung gegeben hat Weit geringer noch als 
zu Wiesbaden sind die Ergebnisse der Funde aus der Römerzeit in 
der Badestadt 

7. Ems, wiewohl die Nähe des vorüberziehenden Pfahlgrabens 
(Ihnes imperü transrhenanus), eine an demselben errichtete Wacht- 
atation, sowie sonstige antiquarische Funde 100 hinter dem Pfarrgar- 
ten am Spiess, bei sämmtlichen Neubauten von Dorf-Ems und bei 
den 1853 vorgenommenen Kanal - Anlagen der Hauptstrasse die 
dauernde Occupation des Orts in Römerzeiten ausser Zweifel stellen. 
Zahlreiche Gräber mit ihren gewöhnlichen Beigaben an Thon- und 
Glasgefassen, Lampen u. a. m. sind dabei aufgedeckt worden, wozu 
endlich im Herbste 1858 auch die erste, leider bruchstückliohe, in- 
schriftliche Urkunde über die wahrscheinlich durch eine dort statio- 
nirte Militärabtheilung bewirkte Erbauung eines grössern Gebäudes 
hinzukam, an welchem letztern der Stein wohl zugleich als Votiv- 
tafel zu Ehren des kaiserlichen Hauses, insbesondere für das Wohl 
des regierenden Kaisers Septimius Severus und seiner Söhne Cara- 
calla und Geta, demnach also im Anfange des dritten Jalirhunderts, 
angebracht worden war, welche Zeit überhaupt wol als der Höhe- 
punkt der ungestörten Blüthe der rheinischen Bäder in Römerzeiten 
angesehen werden kann. Dass es meist nur dem Zufalle oder andern 
jetzt unbekannten Ursachen zuzuschreiben ist, wenn die Spuren des 

* Vgl. Eckhart comment. de rebus Franciae orientalis. Wirceburgi 1729. 
foL Tom. I. lib. XXIH. c. V. p. 891. Dr. Ph. A. F. Walther Das Groaaherzog- 
tbum Hessen. Darmatadt 1854. 8. 8. 513. Förstemann Altdeutsches Namenbuch IL 
S. 1072 u. Deutsche Ortsnamen. Nordhausen 1863. 8. S. 129, welcher jedoch 
Naristagne a. d. J. 823 als die älteste Form des Namens anführt nnd 
Neris fein erst a. d. J. 882 beibringt. 

* Vgl. A. 40. 

t«> Vgl. Annalen VI, 2. 8.343-347. Archiv f. Frankfurts Geschichte u Kunst. 
N. F. I (1860). 8. 30-84. 



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32 - 



Aufenthaltes der Römer an dem einen Orte bis jetzt zahlreicher und 
bedeutsamer zu Tage getreten sind, als an dem andern, dafür legt 
weiter unter den Nassau'schen Bädern auch 

8. Schlangenbad vollgiltiges Zeugniss ab: obwohl nämlich an 
diesem Badeorte unseres Wissens bis jetzt kein antiquarischer Fund 
als Urkunde einer Benutzung seiner Quellen durch die Römer ge- 
macht worden ist, so hat dennoch die N a tu r forsc h un g im er- 
freulichen Bunde mit der Alterthumskunde dort eine in ihrer Art 
eben so überraschende wie untrügliche Spur des Gebrauchs der dor- 
tigen Heilquellen im Alterthume nachgewiesen. Das Verdienst dieser 
schätzbaren Entdeckung gebührt dem Scharfblicke des gelehrten En- 
tomologen Hrn. Senator C.II. G. von Heyden zu Frankfurt a. M., 
welcher in den „Jahrbüchern des Vereins für Naturkunde im 
Herzogthum Nassau" 101 folgende Beobachtungen niedergelegt hat: 

„So viel mir bekannt ist, werden die milchwarmen Quellen von 
Schlangenbad zuerst 1640 von Merian und 1650 von Winkel- 
mann erwähnt, jedoch noch nicht als Badeort. Die drei Mühlen, 
welche hier standen, hiessen die warmen Mühlen, der Bach der warme 
Bach. Tabernämontanus, der 1581 in seinem Wasserschatz die 
Mineralquellen der Niedergrafschaft Katzenelnbogen beschrieb, 
scheint sie noch nicht gekannt zu haben. Als der Ort zuerst als 
Bad benützt wurde, nannte man ihn das Karlsthaler oder Bärstädter 
Bad. Niesen, in seinein Bericht über Schwalbach, nennt schon 1687 
Schlangenbad. Die Quellen sollen 1657 einem Dr. Gloxin aus Worms 
gehört haben. Landgraf Moritz von Hessen liess hier 1694 die ersten 
Gebäude auffuhren. Im Jahre 1817 besuchte ich Schlangenbad, be- 
sonders um die daselbst vorkommende Schlange näher kennen zu 
lernen, die damals und auch noch später ziemlich allgemein als die 
gemeine Natter (Tropidonotus Natrix L.) angenommen wurde. Ich 
fand, dass es die gelbliche Natter (Calopeltis flavescens Scop.) ist. 
Nau, der die Amphibien der Umgegend von Mainz fleissig beob- 
achtete, hat sie trotz der Nähe von Schlangenbad nicht gekannt. 
In seinen 1791 erschienenen „Neuen Entdeckungen und Beobachtun- 
gen 8 beschreibt und bildet er eine angeblich neue Schlange ab, die 
er aus Oesterreich erhalten hatte. Es ist dieses ebenfalls Trop. fla- 
vescens und er würde sie sicher erwähnt haben, wenn sie ihm auch von 
Schlangenbad bekannt gewesen wäre. — Dieselbe Schlange wurde 
von einigen Naturforschern als Coluber Aesculapii (verschieden von 
der indischen Col. Aesculapii Lin.) beschrieben und ist solche nicht ver- 



«o» H. XVI. S. 963-265. 



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- 33 - 



schieden von der berühmten Aesculaps- oder Epidaurus Schlange, 
welche ab Symbol der wohltätigen Gottheit betrachtet und ab 
Attribut des Aesculaps um seinen Stab gewunden ist Zur Zeit, als 
Q. Fabius und C. Brutus Consuln waren, herrschte in Korn die Pest, 
und wurden, um solche zum Aufhören zu bringen, damals viele 
Schlangen von Epidaurus geholt, auf der Tiberinsel ausgesetzt und 
daselbst verehrt. Noch jetzt soll daselbst in den Gärten des heiligen 
Bartholomäus ihr Bild in Marmor ausgehaueu zu sehen sein. Gegen- 
wärtig ist diese Schlange um Rom noch sehr häufig, was wohl in 
früheren Zeiten nicht war, da man sonst nicht nöthig gehabt hätte, 
sie von Epidaurus zu holen. Die Schlangenbader Schlange gehört 
dem südlichen Europa an und war sie in Deutschland nur aus dem 
südlichen Tyrol bekannt Ihr ganz vereinzeltes Vorkommen bei 
Sclilangcnbad macht es sehr wahrscheinlich, dass die Quellen daselbst 
schon von den Römern als Heilquellen benutzt wurden und desshalb 
diese Schlange von ihnen dahin gebracht worden ist Begünstigt 
durch die steinige Umgebung Schlangeubads hat sich dieselbe so 
isolirt von ihrem eigentlichen Vaterlando hier erhalten können. Es 
ist nicht unwahrscheinlich, dass die Römer an die ihnen bekannten 
Quellen von Wiesbaden ebenfallt) Schlangen eingeführt hatten, 
die aber im Laufe der Zeiten daselbst wieder verschwunden sind. 
Einige Jahre später habe ich dieselbe Schlange bei Baden-Baden 
gefunden, dessen Mineralquellen ebenfalls schon den Römern bekannt 
waren. 

Sicher interessant ist es, dass ich (1819) bei dem ebenso den 
Römern schon bekannten Bade Ems eine Schlange — Tropidonotus 
tessellatus Laur. — entdeckte, die sonst auch nur dem südlicheren 
Europa angehört Ich zweifele nicht, dass sich dieselbe hier auf ge- 
eignetem Terrain auch aus den Zeiten der Römer erhalten hat. Bei 
ihr ist noch zu bemerken, dass sie vor andern verwandten Arten die 
besondere Lebensweise hat, sich gerne längere Zeit im Wasser auf- 
zuhalten. Noch jetzt entspringen bei Ems mehrere warme Quellen 
im Flussbette der Lahn und findet man hier und in den Abzugs- 
gräben der Bäder die Schlange nicht selten. Es wäre hiernach mög- 
lich , dass den Römern diese Eigentümlichkeit der Schlange schon 
bekannt war, auch dass sie in Rücksicht der verschiedenen Wirkungen 
auf die Gesundheit dieser Quellen auch •verschiedene Schlangenarten 
an dieselben ausgesetzt haben. 

Um das Römerbad Baden weiter im Schwarzwalde, das ich 
mehrmals besuchte, konnte ich keine der Gegend eigentümliche 
Schlangenart auffinden." 

3 



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Vorstehende werthvollen Beobachtungen des Hrn. v. Heyden 
constatiren zuvörderst die gewichtige Thatsache, dass Bich bei den 
von den Römern benutzten Quellen von Baden-Baden sowohl, 
als auch bei Schlangenbad eine Schlangenart findet, welche nur 
dem sudlichen Europa angehört und in Deutschland nur aus Sttd- 
tyrol bekannt war: es ist dies die sog. Aesculaps- oder Epidaurus- 
schlange; weiter sodann, dass anch bei dem den Römern ebenso be- 
kannten Bade E m s gleichfalls eine Schlangenart vorkommt, die sonst 
auch nur dem südlichen Europa angehört. Es wird an diese That- 
sache mit gutem Grunde die Vermuthung geknüpft, dass diese Schlan- 
gen von Italien her durch die Römer an diese Quellen eingeführt 
worden, demnach sich ehemals auch wol zu Wiesbaden vorgefun- 
den haben, daselbst aber im Laufe der Zeit wieder verschwunden 
seien. Die Schlange als Symbol dep Acsculap ist zu bekannt, als 
dass nicht sofort deren Einführung an die, wie oben bemerkt, auch 
unter dem Schutze dieses Heilgottes stehenden Quellen als ein reli- 
giöses Moment erkannt werden sollte. Erklärlich ist demnach, 
wenn auch seine Begleiterin Hygia 1M gleichfalls mit diesem Symhol 
ausgestattet erscheint und in der That zeigt auch eine zu Tiberias 
in Palästina gefundene Münze Hygia mit der Schlange, auf 
einer Anhöhe sitzend, aus welcher mehrere Quellen entspringen 103 . 
Auch der Isis, welche, wie schon oben bemerkt, an Heilbädern ihre 
besondern Verehrer fand, war die Schlange heilig 104 . Nach allem 
diesem darf der oben ausgesprochenen Vermuthung, dass dereinst 
auch zu Wiesbaden (und wol auch zu Badenweiler und 
Aachen) solche südländische Schlangen von den Römern einge- 
führt waren, volle Berechtigung zugestanden werden. — Nicht 
unerwähnt mag hierbei bleiben, dass auch das germanische 
Heidenthum die Schlange mit den Heilquellen in Verbindung 
bringt. Grimm D. M. S. 554 sagt darüber: „Das schwedische Volk 
schreibt die Kraft einiger Heilquellen weissen Schlangen zu. 
1809 strömten Tausende aus llalland und Vestergötland zu dem 
wunderthätigeu Helsjö (einem kleinen See unweit Rampegärde) ; 
mau erzählte sich, Kinder am Strande das Vieh hütend hätten dieses 



101 Vgl. M aerob. Saturn»! . I, 24 : siuwlacria ctAesculapii etSalutis Droco 
subiungitur; humana Corpora velut innrmitatia pelJe deposita ail pristinuou re- 
virescunt virorem, ut vir esc mit draconcs per annos siuguloa pelle nenectuli» 
exuta. 

Vgl. Kersch S. 29 
«»♦ Vgl. Lerech S. lä u. 20. 



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- 35 

Jahr Ober oft eine schöne Jungfrau am Ufer sitzen sehen, sie hielt 
in ihrer Hand eine Schlange und wies sie ihnen. Nur alle hundert 
Jahre erscheint diese Wasserjungfrau mit der Schlange. Bcxells 
Mailand 2, 320. 3, 303." Wie bei den Römern Aesculapius und 
Hygia als Vorsteher der Heilquellen mit dem symbolischen Attribute 
der Schlange ausgestattet sind, so hier die in der Sage zur Fee 
gewordene ursprüngliche altheidnische Quellgottheit. — Den Tau- 
nusbädern ist noch anzuschliessen der Mineralbrunnen von: 

9. »Schwalheim im kurhessischen Amte Dorheim, eine halbe 
Stunde von Bad Nauheim, in dessen Bereiche 1862 ein ansehn- 
licher Fund keltischer Münzen gemacht wurde <° 5 . Dicht an die- 
sem Sauerbrunnen ziehen die Spuren des alten Steindannnes , d. h. 
der Römerstrasse vorbei und die ungefähr alle IT) .fahre vorgenom- 
menen Ausfegungen des Brunnens selber haben jedesmal eine klei- 
nere oder grössere Anzahl von römischenMünzen, darunter auch 
eine goldene, zu Tage gefördert, welche ohne Zweifel nach und 
nach im Laufe der Zeit als Heilgaben (stipes) hineingeworfen wor- 
den waren. Im Jahre 1811 fand man fast 30, i. J. 1827 etwa 35, 
im September 1831 noch weitere 5 mit den Bildnissen des Vespasian, 
Titus, Domitian, Nerva, Trajan , Hadrian und Antoninus Pius' 06 . 
Schon in uralter Zeit suchte und schöpfte man also auch hier, unter 
dem wohltlmtigcn Einflüsse der dankbar bedachten Quellgottheit, Ge- 
nesung und neues Wohlsein aus dieser „Lebensquelle" der Natur, 
wie sie in goldenen Lettern auf schwarzer Marmortafel über dem 
Eingänge zum dasigen Kurhause in folgendem Distichon: 

Kons vitae saliens gemmas effundit in herbam : 
Mergc, puer, pateram, sub pede vita fluit. 
genannt wird, welches der bekannte Genosse Barthe*lmy's, der poetische 
Panegyriker der napoleonischen Glorie, Mery, bei Gelegenheit einer 
Badekur verfasst haben soll. Nicht unerwähnt darf hier auch die 
einige Stunden südlich von Nauheim und Schwalheim auf grossher- 
zoglich hessischem Gebiete entspringende mineralische Quelle von 

10. Vilbel bleiben, an welchem Orte ausser nicht unbeträcht- 
lichen Substruktionen von Gebäuden und Badeanlagen auch der 



*•» Vgl. Mittheil uugen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte 
und Landeskunde 1862. Nr. 7 S. 8. 

Vgl. Hanauisches Magazin 1.(1778) St. 17. S. WO. Ph. Dieftenbach Ueher 
Alterthümer in und um Friedberg, Glessen 1829, S. 8 u. 9. A.** Ders. im Ar- 
<hi? für Hess. Gesch. u. Alterth. IV S. 248, 258. Periodische Blätter der 
uiittelrheinischen Geschichts- u. Alterthumsvercine ia r »f>. Nr. 7. S. 238 f. II. 
Lersrh S 47. 

3* 



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36 - 



prachtvolle, jetzt im Museum zu Darmstadt bewahrte, MoBaikboden zu 
Tage gefördert wurde, welcher ohne Zweifel zur Villa eines reichen 
Provinzialen gehörte und einen sprechenden Beweis von dem Coni- 
fort der Bewohner jener äussersten Gegenden des Romcrreiches ab- 
gibt Es berechtigt dieses zu der Annahme 107 , dass auch der Ge- 
sundbrunnen und eine warme Quelle dortselbst schon in den ältesten 
Zeiten den Anlass zu einer Absiedlung gaben, welcher sicherlich um 
so mehr die den Alten an sich schon unentbehrlichen Bäder nicht 
gefehlt haben werden. 

Wie am Mittelrheine, so kannten und benutzten die Römer auch 
am Niederrheine alle diejenigen Heilquellen und Mineralwasser, 
welche die Neuzeit theilweise erst wieder auffand und dem Hcilge- 
brauche zugänglich machte. Es gehören dahin zunächst : 

11. Die Säuerlinge am Laacher See, wie verschiedene Bau- 
überreste von Quellcinfassungen aus römischer Zeit beurkunden, 
welche unter andern bei Burgbrohl gefunden wurden«' 8 , wie denn 
Uberhaupt das in naturwissenschaftlicher wie antiquarischer Hinsicht 
gleicher Weise interessante Brohlthal auch bezüglich seiner 
Quellen für die römische Zeit bedeutsam ist. Noch i. J. 1862 
hat man bei Aushebung der römischen Fundameute des in einein 
Seitenthalchcn jenes Thaies gelegenen Heilbrunuens in dcrQuell- 
spälte des Felsens, die etwa auf V/t' zugänglich war, gegen 100 
meist Kupfer- theilweise auch Bronze- und Silber- Münzen mit 
zum Theil noch sehr wohl erhaltenen Umschriften uud Köpfen ge- 
funden: diese offenbar als Heilgaben in die Quelle geworfenen Mün- 
zen erstrecken sich von den letzten Zeiten der römischen Republik 
bis auf Constantin den Grossen 1M . Nicht weit von da entfernt liegt 

12. Der Siedinger (Riedinger) Dreis, eine Sauerquelle bei 
Gerolstein (Kreis Daun, Regierungsbezirk Trier) in der Eifel, bei 
deren Wiederherstellung i. J. 1778 man als sprechende Urkunden 
ihrer Benutzung in römischer Zeit 143 römische Münzen grössten- 
theils von Maximinus auffand 41 °. Eine almliche kleine Mineralquelle 
scheint 

l0T Vgl. Dr. Bosslor Die Römers tätte bei Vilbel in dem vorgenannten 
Archiv. X, 1 Nr. I besonders S. 5 u. 35. 
»<* Vgl. Lersch S. 129. 

,os Vgl. Job. Freudenberg Das Denkmal des Hercules Saxanua im Krohl 
thale, Bonn 1862, S. 3. A. 1. Lersch S. 47. 

110 Vgl. J. S. Schannat Eiflia illustrata oder geographische und historische 
Beschreibung der Eifel. Aus dem lateinischen Mauuscript übersetzt und mit 
Anmerkungen und Zusätzen bereichert von Georg Biirsch. Leipzig 1850 ff. 8 
III, 2, 1 S. 40 f. Lerach S 47. 



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37 



13. Der Birresborn in der Bürgermeisterei Mürlenbach (Kreis 
Prüm, Regierungsbezirk Trier) in geringer Entfernung vom rechten 
Ufer der Kyll am Fusse eines Grauwacken-Platcaus zu sein: auch 
dort haben die in der Nähe dcB Brunnens aufgefundenen Münzen 
bezeugt, dass dieser Born gleichfalls den Römern wol bekannt war 
Zu den bedeutenderen Heilbädern der Rhcinlandc aber in römischer, 
mittelalterlicher und neuerer Zeit gehört weiter auch 

14. Bertlich, gewöhnlich Bertrich, in den 100 Fuss tiefen 
Thälern des Uesbaches in der Bürgermeisterei Lützerath (Kreis 
Cochem, Regierungsbezirk Trier), an dessen warmen Quellen zu ver- 
schiedenen Zeiten die unzweideutigen Spuren der dauernden Be- 
nutzung in Römerzeiten zu Tage getreten sind. Bereits i. J. 1843 
fand man 20* unter dem jetzigen Boden den alten Römerbru nnen, 
welcher 5* breit und V lang in den Felsen gehauen und wenigstens 
27' tief ist. Auch entdeckte man in der Nähe dieses Brunnenschachtes 
ein altes mit römischen Ziegeln gemauertes, gemeinschaftliches 
Bad von etwa 12' im Gevierte, in welchem eine grosse Amphora 
lag. Mehrcrcmals hat man überdies» bei Bertrich römische Mün- 
zen gefunden, unter andern eine Goldmünze des Vcspasian und eine 
Münze ConBtantins des Grossen. Der wiederaufgefundene alte Römer- 
brunnen wurde neu gefasst und durch eine wohlgelungene Leitung 
der Quellen die Mächtigkeit der Thermen bedeutend verstärkt m . 
Weitere Aufdeckungen folgten i. J. 1860 bei Anlage des neuen Bades, 
wobei, ausser dem oben besprochenen Votivaltärchen der Devcr- 
cana und Meduna und der Marmorfigur der Diana, die 30* lange 
Grundmauer eines Gebäudes biosgelegt wurde, auf dessen Mörtelestrich, 
ausser Hirschgeweihen (die sich vielleicht auf den Cult der Diana 
beziehen), Statuetten von Thon u. a. m., wiederum Münzen von 
Hadrian, Commodus, den Antoninen und Valentinian vorgefunden 
wurden tl3 . Welche Bedeutung diese Thermae ad S. Bertricum oder 
Aquac Bertlichianac, wie sie in Urkunden genannt werden, im Mittel- 
alter gewannen, davon zeugen die wiederholten Restaurationen des 
Erzbischofs Johann von Trier in den Jahren 14f)6 und 1471, sodass 
sich dort selbst während des 16. Jahrhunderts ein reges Badeleben 
entfaltete. Später kam das Bad in V T ergessenhei t, bis es um 1 741 zu neuem 
Rufe gelangte, aber erst 28 Jahre später durch die Fürsorge des 
letzten Kurfürsten von Trier wiederum so aufblühte, dass sich dar- 

"i Vgl. Schaunat III, 2, 1 S. 279 f. 
«'» Vgl. Schamiat III. 1, 2 S. 288-291. 
Vgl. Bonner Jahrb. XXVIII S. 109. 



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- 38 

nach unter französischer , später unter prcussischcr Herrschaft die 
Frequenz immer mohr hob Ausser dem schon oben erwähnten 
Säuerling bei Godesberg, welcher ebenfalls den Römern bekannt 
war, erübrigt schliesslich noch der Thermen von 

15. Aachen zu gedenken, dessen Namen „Aquae Granni" 
bereits oben auf die Bedeutung seiner Heilquellen in römischer Zeit 
hinzuweisen veranlasste. Schon längst hat man dort bei der Kaiser- 
quelle die Substruktionen von Bädern mit Hohlziegeln, sowie Mün- 
zen aufgefunden 116 , neuerdings auch bei den im dortigen Münster 
nach dem Grabe Karls des Grossen angestellten Nachgrabungen 116 . 
Paas auch die uahlicgenden Quellen von Burtscheid gleichfalls schon 
von den Römern benützt wurden, ist um so wahrscheinlicher, weil 
auch eine Leitung für kaltes Wasser dortselbst als ein Römer werk 
erkannt wurde 117 . 



V. 

Mythologisches zu den Itinerarien. 

Ausser den oben erörterten mit „Aquae" gebildeten Ortsnamen 
machen sich unter der grossen Menge der in den Itinerarien über- 
lieferten Localbezeichnungen verschiedener Art neben der zahlreichen 
Classc blosser Eigennamen weiter auch noch andere von ähnlicher 
Bildung bemerkbar, welche gleichfalls aus einem lateinischen 
Appell ativum nebst zugehörigem Adjektive oder Nominativ oder 
Genitiv eines Eigenname nB zusammengesetzt sind. Ganz analog 
unsern zahllosen Ortsnamen auf heim, dorf, berg, bürg, markt, 
brücken, hafen, gau u. a. m. haben die Appellativa theils eine auf 
natürliche Verhältnisse der mannigfachsten Art bezügliche Be- 
deutung, wie mons, pons und portus, theils weisen sie auf militä- 
rische (castra, eastellum, praetorium, turris) oder bürgerliche 
(pagus, vicus, forum) Ansiedlungen hin, theils endlich geben sie sich 
als ursprünglich religiöse Mittelpunkte zu erkennen, um welche sich 
meistens wol ein bürgerliches Gemeinwesen kleineren oder grösseren 

Vgl. Lorsch S. 168. 
"* Vgl. Lorsch S. 47 128 A. 129. 141. 

Vgl. Bonner Jahrb. XXXIII. XXXIV. 8. 223. 
Vgl. Lersch S. 141. 



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I anfangs bildete , dag von ihnen seinen Namen erhielt: hierher ge- 
hören die Bezeichnungen als compitum, templum, fanura, lucus. 
Für compitum liegt unseres Wissens nur die eine Stelle im It. 
Ant. p. 145 der Berliner Ausgabe vor, woselbst ein Ort Compi- 
tum aufgeführt ist, welcher ebendort p. 143 mit sub Anagniao 
und in der Tab. Peuting. segm. V. E. mit Conpito Anagnino 
bezeichnet wird : die Schreibung Conpito lässt vielleicht auch in 
der mutatio Conpetu des It Hierosol p. 289 eine ähnliche auf 
ein compitum zurückzuführende Ortsbezeichnung vermutheiL Gleiche 
Bewandtniss scheint es auch mit den als templum charakterisirten 
Namen der Tab. Peuting. zu haben (vgl. Index bei Schcyb p. XI), 
bei welchen auf der Tafel selbst überall ein einzelnes Haus, offen- 
bar als Andeutung des Tempels eingezeichnet ist: es findet sich so 
templum Jovis, Minervac, Veneris, Heren Iis (zweimal) und Augusti. 
Von grösserer Bedeutung aber in mythologischer Hinsicht sind die 
durch fanum und lucus als heilige Stätten gekennzeichneten Oert- 
lichkeiten, insoferne sie zugleich auf ein anderes uichtrömisches 
Glaubensgebiet hinüberführen, welches ausserdem hauptsächlich nur 
durch inschri f 1 1 i c h e Zeugnisse beurkundet ist. Beide vorerwähnte 
Wörter werden bemerkenswerther Weise bei diesen Ortsbezeichnun- 
gen entweder in üblicher Art vor ihren zugehörigen Genetiv gesetzt 
oder aber sie folgen demselben nach und werden bisweilen sogar 
mit demselben zu oinom Worte verbunden. 

■ 

Fanum. 

1. Fanum Cocidi. 2. Haevacfanum. 

Sowol der Geograph us Raven nas p. 258, 11 und 326, 6 als auch 
Guido p. 462, 11 und 505, 4 erwähnen das jetzige Fano in Umbrien, 
die Colonia Julia Fanestris, mit der blossen Bezeichnung Fanum, 
während die Tab. Peuting. segm. IV. B mit ihrem fano Furtunae (sie) 
und die It. Ant. p. 126 und Hierosol. p. 615 mit fano Fortunae 
deutlich noch auf die erste Tempelanlage, das uqov tijc Tvjpj<;, hin- 
weisen (vgl. F orbiger Hdb. d Geogr. I, 618), deren Namen durch 
die analogen Ortsnamen eines fanum Martis (Tab. Peuting. segm. I. 
It. Ant p. 387) und ebenso eines fanum Minervac (It Ant. p. 364) 
in Gallien bestätigt wird. Es darf daher gewiss auch bei dem von 
dem It Ant. p. 80 angeführten fanum Carisi auf der Insel Sar- 
dinien in dem zweiten Worte gleichfalls der Namen einer einheimischen 
sardiseben Gottheit vermuthet werden, zumal auch die von Forbiger 
S. 825 dazu verglichenen Ka^vatoi des Ptolemaeus den nichtrömischen 



40 - 



Ursprung des Wortes weiter zu beurkunden scheinen Schwieriger 
ist die Entscheidung über ein fünftes fanura, das fanum fugitivum in 
Umbricn bei Guido p. 419,17, welches das It. Hierosol. p. 613 mu- 
tatio fani fugitivi und die Tab. Peuting. segm. IV. F. fano fugitivi 
• nennt. Ks scheint demnach der Namen fanum fugitivi gewesen, seinem 
Ursprünge nach aber dunkel zu sein, da fugitivi wol nichts mit dem 
Namen einer Gottheit zu schaffen hat, wie in den vorhergehenden 
Fällen und offenbar auch in den beiden folgenden, welche gleichfalls 
wieder nichtrömisdhc d. h. keltische Götternamen als Ausgangs- 
punkte von Ortsnamen aufzeigen und damit zugleich auf die alten 
Quellen zurückführen , die den bekanntlich oft bis zur Ungeheuer- 
lichkeit entstellten Ortsbezeichnungen des Geographus Ravcnnas ganz 
unzweideutig zu Grunde liegen. Dieser erwähnt nämlich unter den 
zahlreichen theilweise auch von Ptolemaeus aufgeführten Ortsnamen 
Britanniens, welche in grader Richtung von Meer zu Meer liegen 
sollen, p. 433,4 einen Ort, welchen die Ausgabon Fanoecd i, der 
treffliche cod. Parisinus allein (und daher die Berliner Ausgabe) 
Fano codi, der Vaticanus und Basiliensis dagegen übereinstimmend 
Fanococidi nennen und dieses ist die allein richtige Leseart. Es haben 
nämlich schon die beiden englischen Archäologen Roach Smith Col- 
lect, antiq. II. p. 201 und Collingwood Bruce the Roman Wall p. 381 
edit. II. auf etwa 10 zu ßankshead und Howgill, in deren Nähe man 
den besagten Ort des Ravennaten sucht und setzt, wie auch zu Bir- 
doswald, Netherby und Blcatarn, meist Orte- an der Britannien quer 
durchschneidenden Linie des Antoninischen Wallos, aufgefundene 
Votivaltärc hingewiesen, welche einem DEVS OOCIPIVS gewid- 
met sind, der auf denselben auch, wie zahlreiche andere keltische 
Götter, mit dem römischen Mars identifizirt wird. Fanum Cocidi 
(Cocidii) ist also dem obenerwähnten fanum Martis ganz analog und 
damit in jenem bisher ganz rätltselhaften Ortsnamen bei dem Raven- 
naten ein neues gewichtiges Zeugniss für den Cult dieser britanni- 
schen Gottheit gewonnen. Von ähnlicher j\rt ist der zweite Fall. 
Unter den auch hier wieder grösstenteils bis zur Unkenntlichkeit 
entstellten Locainamen am Niederrhein nennt derRavennatc p. 228,4 
einen schon vielfach der historischen Interpretation unterstellten Ort 
Coadulfa veris, an dessen Stelle die Tab. Peuting. segm. I. B.u.C. 
die beiden Ortsnamen Carvone und Oastra Herculis bietet. 
Unmittelbar hinter demselben bringt der Geographus Ravennas weiter 
einen Ort Evitano (mit der Variante evitario in dem Basiliensis), 
statt dessen die Tab. Peuting. segm. I. B. hinwieder Lev efano auf- 
fuhrt. Aus der Vergleichung dieser beiden Namen ersieht man deut- 



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- 41 

lieh, dass in dem Texte de» Gcographus bisweilen die Anfangs- 
buchstaben der Namen weggefallen sind, andererseits liegt ebenso 
klar vor, dass Lcvcfano aus Lcve d. h. Levac oder Laevae und 
fano zusammengesetzt ist Die Erwähnung des Orte« Castro Herculis 
aber und die Auffindung einer Anzahl einem kelto-römisehcn HER- 
OVLES MAGVSANVS gewidmeter Votivaltärc an verschiedenen 
Orten Hollands hat daher Alfred Maury (Rev. archcol. 1849. p. 237: 
vgl. Beucker de orig. iur. frisic. p. 294) zu der ansprechenden Ver- 
muthung Anlass gegeben, dass in beiden Ttinerarien Haevaefano 
zu verbessern sei, da ein zu Malburgen in IIolländisch-Geldern zu 
Tage geförderter Votivaltar HERCVLI MAOVSANO ET HAEVAK 
(Orelli 2005) geweiht ist: eine Textesveränderung der Itinerarien, 
welcher in paläographischer Hinsicht kaum ein erhebliches Bedenken 
entgegengestellt werden kann. Es wäre demnach nahe bei den Castra 
Herculis, welcher Gott dort gewiss leicht zu einer Idcntifizirung mit 
dem einheimischen Dcus MAGVSANVS kommen konnte, ein t an um 
liaevac d. h. ein seiner göttlichen Begleiterin, der gleichfalls ein- 
heimischen, nicht-römischen HAK VA geweihtes Heiligthum nachge- 
wiesen, um welches sieh als Mittelpunkt auch eine gleichnamige An- 
»icdlung gebildet haben mag. 

Lucus. 

1. Lucus Bormanae. 2. Poenilucus. 3. Stailueus. 4. Sage- 
luc u s. 

Denselben mythologischen Ausgangspunkt und Anlass, wie die 
mit fanum gebildeten Ortsnamen, haben auch die mit lueiis zusam- 
mengesetzten, deren zweiter Thcil meistens der Genitiv cinea Götter- 
namens ist; wie dort ein heiliges Gebäude, so gab hier ein heiliger 
Hain wol öfter die natürliche Veranlassung zu einer Ansicdlung, 
welche sich im Laufe der Zeit zu einem grössern Gemeinwesen er- 
weitern mochte. Heilige Haine aber waren dem römischen wie kel- 
tischen Cultus gemeinsam und es kann daher auch hier nicht auf- 
fallen, lucus mit Namen von Gottheiten aus beiden Mythologiecn zu- 
sammengestellt zu sehen. Italien selbst gehören der lucus Feroniae 
(Plin. N. II. IUI, 5, 8) und der locus Angitiae an, dessen gleich- 
namiger Ort noch in dem heutigen Luco fortlebt (Forbiger S. 642); 
auch das süd-italische Lucos der Tab. Peuting. segm. VI. B. gründet 
sich sicherlich auf eine gleiche heilige Waldstätto, wenn auch die 
Gottheit, welcher dieselbe ursprünglich geweiht war, grade so nicht 



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- 42 



mit überliefert ist, wie oben bei dem Ravennaten das blosse Fanum, 
statt Fanum Fortunae steht, wie weiter schlechthin Lucus im lt. 
Ant. p. 170, It. HierosoL p. 263, Tab. Peuting. segm. II. D. und bei 
dem Geogr. Rav. p. 241 (mit den Varianten tueo undtueo) statt lucua 
Augusti (Luc en Die in Frankreich: Plin. N. H. III, 4, 5) und eben 
«o im It HierosoL p. 203. 204 statt Lucus Augusti (Lugo in Spanien) 
gesetzt ist, wobei beiläufig bemerkt sei, dass Lucus Asturum (Asto- 
rum: Geogr. Rav. p. 320, 16), jiov*^ 'Aoiovq*'*, einer der kleinen 
Orte im Gebiete der hispanischen Astures, deren Haupt- und Natio- 
nalheiligthum gewesen zu sein scheint Diese Benennung naheliegen- 
der Ansiedlungen nach solchen heiligen Hainen einheimischer Gott- 
heiten bezeugt auch der grosse Wald Bouconne im südwestlichen 
Frankreich am Fusse der Pyrenäen, an dessen westlichem Saume die 
Spuren einer römischen Niederlassung gefunden werden, welche die 
locale Ueberlieferung gleichfalls mit dem Namen Bouconne be- 
zeichnet; es erwähnt nun aber das It. Hierosol. p. 261, 11 westlich 
von Tolosa an der Strasse nach Burdigala unter andern Orten eine 
mutatio Bucconis, welchen Ort Bucconae man in dem Flecken 
Empeaux und Ile-en-Jourdain erkennen wollte : mit grösserer Wahr- 
scheinlichkeit ist aber diese mutatio vielmehr in der obenerwähnten 
gleichnamigen römischen Ansiedlung am Rande des Waldes 
Bouconne zu suchen. Ganz analog dem italischen lucus Feroniac und 
Angitiae ist weiter auf gallischem Gebiete auch der Namen des uloo* 
oder vielmehr ^rfyoanj«. lucus Andartae, der britannischen 
Siegesgöttin bei Cass. Dio LXII, 2 gebildet und es lassen sich nach 
dieser Analogie auch die Namen anderer keltischen Gottheiten fest- 
stellen , welche bis jetzt ganz unerkannt in solchen Ortsnamen der 
ltinerarien verborgen waren. Es erwähnen nämlich das It. Ant. p. 
141. Tab. Peuting. segm. II. F. Geogr. Rav. p. 270, 8; 338 , 4 und 
Guido p. 476, U; 512,25 einen liguri sehen Ort, dessen Namen 
sie in seinem ersten Theile Lucus im Ganzen übereinstimmend, 
mehr oder minder abweichend aber in seinem zweiten Theile über- 
liefern: es ist das zwischen Albingaunum und Costa Balenae aufgeführte 
Lucus Bormuni. Von den Handschriften des It. Ant. haben nur 
der treffliche Parisinus D und der Scorialensis Luco, alle übrigen 
Loco; in gleicher Weise weichen von der Vulgatc Bormani der eine 
Florentius mit bormoni, der Scorialensis mit bormaci und am 
auffallendsten der vorerwähnte Parisinus mit bormaniac ab; die 
Tab. Peuting. segin. II. F. hat Luco Borain ni mit offenbarer Vcr- 
schrcibuug statt Bormani. Noch weiter ab liegen die Lesearten 
des Ravennaten und des Guido. Jener bietet an erster Stelle Luco 



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- 43 - 

Vermanis, ebenso auch an zweiter Stelle, woselbst jedoch der Va- 
ticanus und Parisinus Loco Germania, die Ausgaben Loco Ber- 
manis haben. Die Handschriften des Guido haben an erster Stelle 
Loco oder Leco Vermanis oder Vernanis, an zweiter Loco 
Germinis. Auffallend ist hierbei, dass während It Ant und Tab. 
Peuting. auf ein Bor man i hinführen, bei dem Ravcnnaten und Guido 
dieses Wort auf i s ausgeht, was als leicht aus einem i e entstanden, 
auf das bormaniae des Parisinus I) zurückweisen würde. Zunächst 
ist aber als Nominativ zu Bormani ein Bormanus festzuhalten und 
ist liierzu die ganze Reihe theils dem Stamme, theils der ableitenden 
Endung nach verwandten und analogen Bildungen zu vergleichen, 
welche oben S. 9 zusammengestellt worden sind, unter denen die 
beiden letztern dem Bormanus am nächsten kommen und ebenso 
wie Lucus Bormani selbst auf eine einzige keltische Gottheit 
zuruckzudeuten scheinen, welche entweder ein Deus Bormanus 
oder eine Dea Bormana gewesen ist Und in derThat lassen sieh 
wol beide nachweisen. Einerseits nämlich hat Hübner 118 zwei 
Votivinschriften aus Spanien, demnach also ebenfalls aus einem Kclten- 
lande, mitgetheilt, welche einem DEVS BORMANICVS gewidmet 
sind und andererseits hat sich, nicht allzufern o von demjenigen Land- 
striche Galliens, welchem die Orte Lucus Bormani und das Pli- 
nianische Bormani angehören, zu Saint- Vulbas (dep. de l'Ain) eine 
Votivara mit folgender Inschrift gefunden 119 : 

BORMANAE 
AVG SACR 
CAPRI 
A : TRATINVS 



als deren Scbluss ein Fragment gelten darf, das sich in der Mauer 
einer Mühle desselben Dorfes befindet: 

SABJNIANVS 
DSD 

Demnach darf wol das LucusBormani auf jenen Gott BORMANVS 
oder BORMANICVS bezogen oder, soferne Bormani leicht aus Bor- 
manc d. h. Hormanae verschrieben werden konnte, in Lucus Bor- 
manae geändert werden, wovon auch der treffliche parisinus D des 

"* Vgl. Anrak. Iii. 

119 Vgl. Guillemot introduetion a la monograpliio du Bugcy p. 105. Allmor 
8ur dem inscriptions votives (vgl. Anrak 27) p. 18. Bonner Jahrb. XXXUI. 
XXXIV S. 17. 



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- 44 - 

It. Ant. in seinem Bormaniac eine unzweideutige Spur erhalten zu 
haben acheint. 

Eine ähnliche, schon frühe, wie es scheint, allgemein gewordene 
Verderbniss der ursprünglichen Namensform hat auch die Bezeich- 
nung der Alpes Poenniae und Alles, was mit derselben zusammen- 
hängt, betroffen. Fast tiberall nämlich zeigen die späteren hand- 
schriftlichen Quellen und Urkunden eine Entstellung des Poeninus 
in das wegen seines Anklangs an Apenninus naheliegende Penn in us, 
so dass die Varianten der Handschriften beide Formen untereinander 
mischen, wie ein Blick auf Tab. Peuting. III. D; II. C; II. B. und 
den Ravcnnaten p. 237 genugsam zeigt Schon längst aber hat '*> 
die Uebereinstimraung der besten Handschriften und der Inschriften 
dargethan, dass nur Pocninus die allein richtige Forin des Namens 
ist, deren Entstellung in Pcoeninus und Puocninus in zwei Inschriften 
nur als Schreibfehler anzusehen und ohne alle Bedeutung ist 121 . Mit 
Recht hebt daher Mommsen a. u. a. O. hervor, dass nach allem 
diesem die auch von Zeuss (gr. celt. p. 77. 1)9) noch adoptärto land- 
läufige Ableitung von dem gallischen penn ebensowenig stichhaltig 
sei, als die von Livius XXI, 38 gemachte Angabe, wonach die vallis 
Poenina von der Localgotthcit der Vcragri , dem später mit dem 
römischen Juppitcr identifizirten Dcus Poeninus, ihren Namen erhal- 
ten habe, aus sprachlichen Gründen angenommen werden könne, da 
vielmehr für beide Ableitungen eine gemeinsame Wurzel voraus- 
zusetzen sei. Es ist nämlich evident, dass das Attribut Poeninus zu 
Alpes, Vallis und dem DEVS der Vcragri 122 nur als eine adjektivische 
Ableitung von einer kürzern Wurzel Poen angesehen werden kann. 
Diese Wurzel selbst aber hat Mommsen sicherlich ebenso über- 
zeugend in dem Namen der rätischen "Alm? Motval bei Ptol. II, 12, 2 
in ihrer ursprünglichen Form nachgewiesen , als andererseits scharf- 
sinnig auch in dem ganz entstellten Pennelocus der Itinerarien 

,JÜ Vgl. Th Mommsen Dio Schweiz in römischor Zeit. (Mittheilungen <ler 
Antiq. Ucscllsch in Zürich IX, 2, 1 1S54) S. «. A ti. 

«2« Vgl. Strabo III, 6; Ptol. III p. 171 ed. Wilberg; Pliu. N. H. III, 17, 
21; Tacit. Hist. I, Gl, 70, 87; IV, 68; Ammian. Maro. XV, 10; Llv. V, 35; 
XXI, 38; Zosim. Hist. VI, 3; Grut. p. 37h. tf; Maffei Ver. illustr. VIII p. 335; 
Orelli 3888; Mommsen Insc Hclv. p. 7-10; Honncr Jahrb. IX S. Ol und XI 
S. 11-14. 

Da mehr als 21 auf dem grossen St. I3crnhard aufgefundene Votivin- 
schriften den Poeninus als männliche Gottheit beurkunden, so kann des Scr 
vius (zu Vergil. Aen. X, 13. vol. I p. 547 ed. Lion) Dea Ponnina nur auf 
einem Irrthnme beruhen und ist wol mit Deyks (Bonner Jahrb. XI S. 10) in Dens 
Poeninus zu verbessern. 



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- 45 - 

vermuthet Dieser Ort, ohne Zweifel das heutige Villeneuve in 
Wallis, wird im It Ant p 167 durch die 5 Handschriften DJLNP, 
auf deren Uebereinstiramung p. XXXIII der Berliner Ausgabe ein 
grosses Gewicht gelegt wird, als Penne locos, durch die übrigen 
als Penne locus bezeichnet, während die Tab. Peuting. segm. II. 
B. Pennolucos und der Vaticanus nebst dem Parisinus des Raven - 
naten p. 237 Pennolocus, der Basiliensis Pennolicus bietet. Das 
ftlr die Abschreiber unverständliche, aber in der Tab. Peuting. glück- 
lich bewahrte lucos musste, wie man sieht, sich die Aenderung in 
das naheliegende locus gefallen lassen, ganz analog der oben er- 
wähnten Stelle des Lucus Bormani im It. Ant. p. 141 , woselbst nur 
zwei Handschriften luco, alle Übrigen aber loco haben. Es kann 
aber kein Zweifel sein, dass in dem lucos der Tab. Peuting nur 
eine keltisirte Nominativform statt lucus zu sehen ist, da bekannt- 
lich diese Endung os als eine keltische statt der lateinischen us auf 
zahlreichen keltischen Münzlegenden sowol als in inschriftlichen Eigen- 
namen keltischen Gepräges gewöhnlich ist, somit also auch bei Orts- 
namen wird zur Anwendung gekommen sein m . Der erste Theil 
dieser mit lucos zusammengesetzten Localbezeichnung aber hat nun 
ohne Zweifel dieselbe Wandelung des Poeno oderPoene in Pernio 
oder Penne erlitten, wie sie in Penninus aus Poeninus offenbar vorliegt. 
Es haben daher Wesseling (zu It. Ant p. 352) und H. Meyer 15M 
den Namen dieser römisch -gallischen Station als Poenilucus (Poeui- 
lucos) d. h. Hain des Poenus hergestellt: eine uralte einheimische 
Gottheit Poenus inuss demnach also auch sprachlich Anlas« und 
Ausgang der Benennung gewesen sein, womit das ganze Rhonethal 
(vallis), sodann der dazu gehörige Alpcnzug (Alpes Poeninae), end- 
lich der auf der Höhe des grossen St. Bernhard verehrte Juppiter 
optiinus maximus belegt wurde : wie überall ging auch hier der 
Localgott in der Identifizirung mit dem siegreichen Römergotte unter 
Dass im Laufe der Zeit und bei der Verdunklung der ursprünglichen 
Bedeutung des Wortes sich leicht aus Poenilucos ein Penne — oder 
Pennolucos oder locus für den bei dem uralten Haine des Poenus 
entstandenen Ort als Namcnsform bilden konnte, liegt auf der Hand : 
vielleicht enthält auch das Pennolicus der Baseler Handschrift des 
Haveunaten noch eine Spur des ursprünglichen Namens, da es wie 
eine Verschreibung aus Pen ni locus oder Penuilucos d. h. Poenilucos 

Vgl. Kuhn u. Schleicher Sprachvergl. Beiträge III, 2 8. 181» f. 
,J * Die römischen Alpenstraasen iu der Schweiz (Mittheflungen der Antiq 
Gesellscfa. in Zürich XUI, 2, 4) S. 120. 



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- 46 - 



erscheint Wie fanum, so ist nämlich auch lucus dein Namen der 
Gottheit nachgesetzt d. Ii. angehängt worden, so dass sich statt Lucus 
Poeni ein Poenilucus, wie oben Haevaefanum, feststellte. Für 
diese Art der Namenbildung zeugt vielleicht auch der Ortsnamen 
St ai lucus in der Tab. Peuting. segm. IV. C, dessen erster Theil 
sich sowol sonst noch in derselben Tab. Peuting. segm. XII. B. , als 
auch auf römisch-keltischen Inschriften nachweisen lässt: 123 

SVGASSIS 

HANIVS 

. . . DIAE.STAI. F. 

. . . SVGASI ET STAIG, 
und somit ebenfalls wenigstens auf einen Personennamen STAIVS 
zurückweiset, der wol auch als Götternamen vorkam. 

Dieselbe Namenbildung mit lucus, aber auch dieselbe Verwech- 
selung des Wortes mit locus, scheint endlich auch in einem dritten 
Ortsnamen vorzuliegen, welchen das It. Ant. p. 226 Segeloco, p. 
228 aber Ageloco nennt: auch der Ravennate bezeichnet offenbar 
denselben Ort in gewohnter Entstellung mit Segeloes: aus diesen 
Formen dürfte sich ohne Zwang die Verbesserung Segelucus oder 
Sagelucus herleiten lassen, sodass Sagaclucus wiederum, wie 
üben Haevaefnnum gebildet wäre; ist auch in Britannien selbst (wo- 
hin jener Ort gehört) keine DEA SAGA bis jetzt nachgewiesen, 
so begegnet eine solche jedoch auf folgender römisch - keltischer Iii- 
KL'hrift Spaniens: 1,6 

SAGAE 
MAVRVS 
CAVDI 
V.L AS 



" s V'ffl. Octavi. Kossi Muiuor. Brest', ed. Vinacceai p. 277 n. 2T>. 

Vgl. Ceaii Heriuudez Suuimario de In* Antteiiedades Kouisiia» que hay 
en EspaHa, Madrid 1*32, fol. p. 422. 



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I 



Des Kiinonicus Job Rohrbach am Bartholomäusstiftc 

Frankfurter Chronik 

vom Jahre 1494 — 1502. 

Zum ersten Male herausgegeben 
von 

Georg Eduard Steits, Doctor der Theologie. 



Einleitung. 

In den folgenden Blättern lege ich den Geschichtsfreunden meiner 
Vaterstadt das Tagebuch des im Jahre 1502 in jugendlichem Alter 
verstorbenen Kanonicus Job Rohrbach vor, in welche« dieser die Er- 
eignisse seiner Familie , seiner Freunde und seiner Mitbürger vom 
Jahre 1494 bis 1502 eingetrageil und aufgezeichnet hat. Ich habe 
bereits von der Wiederauttindune: dieser interessanten Handschrift in 
der Einleitung zu der Familienchronik Bernhard Rohrbachs im 2. 
Bande der neuen Folge dieses Archives S. 415 Nachricht gegeben 
und vor zwei Jahren in den Versammlungen des Frankfurter Ver- 
eines für Geschichte und Altcrthumskunde in drei Vorträgen den 
reichhaltigen Inhalt derselben entfaltet (Vergl. Frankfurter Patricier- 
leben zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts, Frankfurter Conver- 
sationsblatt 1863 Nr. 4—7. 10-20. 25-28). Was in jenen 9 Jahren 
in Scherz und Ernst, in Lieb und Leid die Bürgerschaft bewegte, 
tritt uns in diesen fortlaufenden handschriftlichen Aufzeichnungen iu 
einer Reihe von Bildern entgegen, die mit naivem Sinne, in leichten 
Umrissen absichtslos hingeworfen, uns den Blick in die stillen Kreise 
des häuslichen und bürgerlichen Lebens und seiner Sitte eröffnen, 
über die man damals nur selten etwas niederschrieb und auch das 
Wenige nur als Anhalt für die eigene Erinnerung, nicht um die 
Neugierde der künftigen Geschlechter zu befriedigen. Das Büchlein, 
in welchem Job 1 73 Blätter mit eigener Hand beschrieben hat, wurde, 
in Pergara entumschlag geheftet, in der Familie Rohrbach als ehr- 
würdiges Erbstück bis zum Erlöschen des Mannstammes bewahrt; 
mit Margaretha, der letzten dieses Geschlechtes, der Gattin Johann 
Adolfs von Glauburg, ging es wohl 1579 in den Besitz dieser Familie 



■ 



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- 48 - 



über und wurde von einem Gliede derselben um 1<$6 mit Zusätzen 
und Randbemerkungen versehen. Durch welche Umstünde es in die 
Hände meines Grossoheims, des Finanzrathes, nachmaligen Schöffen 
und Bürgermeisters Georg Steitz, kam, ist mir unbekannt. Von ihm 
vererbte es auf seinen Neffen, den Herrn Rath Georg Finger, der es 
mir mit gewohnter Liberalität zur Benützung anvertraute und dem 
ich dafür jetzt auch öffentlich den herzlichsten Dank aussprechen 
darf. Der selige Böhmer, den meine Mittheilungen daraus in dem 
Conversationsblatte noch auf seinem schweren Krankenlager im 
höchsten Grade fesselten, hatte das Büchlein uie gesehen. Seine 
Vermuthung, dass es wohl Fichard gekannt haben dürfte, ist nicht 
begründet : dieser würde sonst manche Angaben in seiner Geschlechter- 
geschichte (z. B. Uber den Tod Gilbert Holzhausens zum Spangen- 
berg, den er irrthümlich erst 1496 setzt) berichtigt und ergänzt haben. 
Der Einzige, der es gekannt, aber weder in seinem Werthc gewür- 
digt, noch auch eingehend benutzt hat, war der selige Römer. Welche 
reiche Quellen und Ströme würden sich erst für die vaterstädtische 
Geschichte eröffnen, wenn die Familie Holzbausen ihr Archiv, in 
das so viele Archive einzelner Geschlechterfamilien übergegangen 
sind, nicht mehr in ängstlicher Zurückhaltung, für die kehl Grund 
vorliegt, der Benutzung verschlösse, sondern die Möglichkeit gewährte, 
die uuvergesslicheu Verdienste ihrer grossen Ahnen, wie sie es ver- 
dienen, zum Gegenstand der Bewunderung für die Nachwelt zu 
machen ! 

Die ältere Geschichte der Familie Rohrbach darf ich hier als 
bekannt voraussetzen, da die Familienchronik Bernhards darüber 
erschöpfende Nachrichten gibt Ich beschränke mich daher nur auf 
die Erinnerung, dass dieselbe durch Konrad Rohrbach, gestorben 
1400, nach Frankfurt kam, dass sie durch Handel mit Elsässer 
Weinen und durch Heirathen frühzeitig ein bedeutendes Vermögen 
und ein ausgedehntes Grundeigeuthum erwarb, dass schon Konrads 
beide Enkel Johann (im Jahre 1444) und Heinrich der Alte in den 
Rath erkoren, und dass auch die beiden Söhne des letzteren, Heinrich 
der Junge und Bernhard, im Laufe des Jahrhunderts die Nachfolger 
ihres Vaters auf dessen Rathsitze wurden. 

Job oder Hiob Rohrbach, der dritte Sohn Bernhards, der von 
seinem Vater die Neigung zur Aufzeichnung städtischer Begeben- 
heiten geerbt zu haben scheint, wurde am 27. December 1409 ge- 
boren und von dem Kanonicus zu St. Leonhard Wernherus Erbstadt 
aus der Taufe gehoben. Die Firmelung empfing er 1477, als er im 
achten Jahre stand. Da als sein Firmpathe „Antonius Armigeri, siu 



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49 - 



Rector zu St. Bartholome™ 8 erwähnt wird, so dürfen wir daraus 
schliessen, dass er die Stiftsschnle daselbst besucht und in ihr seine 
erste wissenschaftliche Bildung empfangen habe. Als sein Vater 
Bernhard am <>. December 1482, erst 36 Jahre alt, starb, waren von 
dessen neun Kindern nur noch sechs am Leben. Die Wittwe Elgin 
Rohrbach war eine Tochter des verstorbenen Schöffen Konrad Holz- 
hausen und dessen Ehefrau Engin, einer geborenen Sassen *. Sie 
wohnte in dem Wixhäuser (dem heutigen Augsburger) Hof, dessen 
östliche und westliche Seite damals noch nicht mit Häusern verbaut 
und wie heute zur Strasse eingeengt waren, während das Gebäude 
selbst, mit Thurm und Erker stattlich geschmückt, die ganze nörd- 
liche Breite des Hofes einnahm und mit seiner Facade nach Süden 
schaute. Ausserdem besass sie noch immer das Haus Ehrenfels in 
der Schnurgasse und einen grossen Hof auf der Eschenheimergasse 
mit mehreren Zinshäusern, über dessen Eingang Bie im Jahre 1496 
das Rohrbach 'sehe und Holzhausen'sche Wappen aufrichten Hess. 
Auch ein Rohrbach'scher Garten, ohne Zweifel der jüngst verkaufte 
grosse Bleichgarten auf der Breitengasse und dem Klapperfeld, wird 
von Job häufig erwähnt *. 

Von den drei Söhnen trat der jüngste, Konrad, schon am 8. April 
1 493 nach eben zurückgelegtem zwölften Lebensjahre eine Reise nach 
Augsburg und Venedig an, von der er erst im März 1498, also im 
siebzehnten Lebensjahre, zurückkehrte. Die Dauer seiner Abwesen- 
heit, seine zarte Jugend und der längere' Aufenthalt in diesen Städten, 
welche die grossen Mittelpunkte des Handels zwischen Deutschland 
und Italien bildeten, legt die Annahme nahe, dass sich Konrad dem 
Kaufmannsstande widmete und dass der Zweck dieser Reise seine 
merkantilische Ausbildung war 8 . Wenige Tage vor Konrads Abreise 
war auch der älteste Sohn Bernhard, damals 26 Jahre alt, am 26. 
März 1493 nach Italien gezogen *, weilte längere Zeit in Rom und 
erreichte erst zwei Jahre später mit Ludwig Holzhausen die Heimath. 
Als beide auf dem Rückwege am 20. Mai 1495 eben auf einem Roll- 
wagen Worms verlassen wollten, begegnete ihnen, wie es scheint, 
von Ungefähr dort Job Rohrbach mit mehreren Frankfurtern, Karl 



' Bernhard Rohrbach's Familienchronik §. 94-105 (bes. §. 96); §. 124. Job 
Rohrbsch Chronik §. 1. 

i Job'» Chronik §. 89 flg. §. 78, 81, 9, 14 etc. 

3 Ibid. § 3 u. 87. Dafür spricht auch sein späterer Aufenthalt in Antwer- 
pen §. 10. 
4. 

4 



— 50 — 

Hynsberg, Ulrich Neuhausen, Bechtold Heller, Johann zum Jungen, 
Wolf Blum, dem Sc hulth eisen Ludwig zum Paradies , dem Doctor 
Adam Heymbach und Anderen. Sofort kehrten sie mit ihnen in die 
Stadt zurück und feierten mehrere Tage lang ein fröhliches Wieder- 
sehen. Begleitet von vier Dienern fuhren sie in einem Kollwagen 
am 24. Mai, ihrer fünfzehn, nach Oppenheim, von da am 25. zu 
Schiffe nach Mainz und mit dem Mainzer Marktschiff, welches bereits 
das gewöhnliche Beförderungsmittel für Reisende aller Stände war, 
nach Frankfurt 5 . Schon im Jahre 1496 sehen wir Bernhard das 
Ross besteigen zu einer neuen italienischen Reise, die ihn sechs Mo- 
nate lang dem Familienkreise fern hält und wiederum bis nach Rom, 
von Job schlechthin urbs genannt, führt *. Ueberhaupt ist der Zug 
nach Italien eine charakteristische Erscheinung in dem Leben der 
reichen Frankfurter jener Zeit Auch von Haman Holzhausen lesen 
wir, dass er in seiner Jugend sich dort aufgehalten und für sich und 
seinen Reisegenossen Jakob Kühorn einen Ablassbrief erwirkt habe, 
der im Jahre 1491 auf die Glieder von Beider Familien ausgedehnt 
wurde. Im September 1494 treten abermals drei junge Frankfurter, 
Loy Jostenhofer, ein Sohn des Johannes von Rhein und Magister 
Wolfgang Heller die Reise nach Italien, und da sie Briefe für Bern- 
hard Rohrbach mitnahmen, so scheint es, nach Rom an T . Was sie 
dorthin zog, war gewiss nicht blos die Herrlichkeit des Landes , die 
noch heute jedem, der es zu sehen das Glück hatte , in frischer Er- 
innerung bleibt, sondern zugleich die Sprache , die durch eine allge- 
mein bewunderte Literatur vertreten, als ein noth wendiger Besitz Aller 
galt, die auf höhere Bildung Anspruch machten. Auch Job, obgleich 
wir nicht erfahren, dass er das Land selbst bereiste, hat nichts desto- 
weniger diese Sprache erlernt : unter den wenigen Büchern , die er 
auf Anlass seiner Anschaffungen und der ihm gewordenen Geschenke 
erwähnt, führt er namentlich die sämmtlichen Werke des Francesco 
Petrarcha, eine Liebesgabe des befreundeten Dr. Florentius von 
Veningen, auf. Uebrigens waren jene Reisen damals noch mit weit 
grösseren Gefahren verbunden, als in unseren Tagen und es fehlt 
nicht an Beispielen , dass Manche jener Jünglinge die Befriedigung 
ihrer Sehnsucht nach der Heimath der Kunst und der wiederaufleben- 
den classischen Bildung mit dem Leben büssen mussten: Job selbst 



> §. 6. cf. §. 52. 
« §. 8. 
' §. 5. 



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- 51 - 



erzählt uns, dass Wolfgang Heller mit seinem Gefährten Otto Kron- 
berger auf der Heimreise im Gebiete von Siena elendiglich ermordet 
worden sei. Am 25. August 1495 Hessen der gebeugte Vater Bechthold 
Heller und die Brüder des Gemordeten, Jakob, Bechthold der Jün- 
gere und Caspar, ihm in der Bartholouiüuskirche die Exequien ver- 
anstalten 8 . 

Die beiden älteren Schweätprn Anna und Afra wurden durch 
den Willen der Mutter dem Klosterleben bestimmt Im Jahre 1488, 
wo jene vierzehn, diese zwölf Jahre alt war, schloss Elgin mit 
Anna Kückerin , Priorin zu den Weissfrauen , einen Vertrag, kraft 
dessen ihren beiden Töchtern zwei Pfründen zugesichert und dem 
Kloster eine Summe von 250 fl. für jede ausgesetzt wurde, wogegen 
es auf ihre Erbschaft Verzicht leistete. 1490 wurde diese Summe für 
Anna, 1492 für Afra ausgezahlt nebst 10 fl. für die Kleider jeder. 
Sie traten also um diese Zeit ihr Noviziat an 9 . Schon im Jahre 1488 
werden beide in einer dem Convente ausgestellten Ablassbulle ge- 
nannt 10 ; den Schleier nahmen sie indessen erst am 6. August 1494 
mit vierzehn anderen Jungfrauen H . Anna, damals zwanzig Jahre alt, 
überlebte nur um wenige Wochen ihre Einkleidung, sie verschied 
am 23. August in dem Kloster ii . Ihre Schwester Afra vertrauerte in 
den öden Mauern ihre Jugendzeit unter frommen Uebungen und 
kleinlichen weiblichen Handarbeiten; ihrem Bruder Job verfertigte 
sie aus Seide einen Zweig mit drei weissgefüllten Knospen, drei 
Eicheln, zwei rothgefüllten Blumen und vielen anderen kleinen Blüm- 
chen : das wehmüthige Bild eines vertrockneten und verkümmerten 
Lebens 13 . 

Nur die jüngste Tochter Martha war bestimmt, als Gattin und 
Mutter das Loos des Weibes in den Freuden und Leiden des Haus- 
standes zu tragen. Sie vermählte sich 1495, siebzehn Jahre alt, mit 
Karl Hynsberg und die Schilderang der Förmlichkeiten, womit dies 
geschah, bildet einen der interessantesten Absehuitte unserer Hand- 
schrift 1 * 

Am 11. Mai 149o kamen in dem Klappergarten von Katharina 
Holzhausen im Beisein Jobs, Gilbert Holzhausen's und Jakob Neu- 



* §. 268. 

9 Fichard Geschlechtergeschichte. 
«• Lerener I, II, 79. 
» §. 72. 
»» §. 73. 
« §. 7*. 
» §. 78-81. 

4» 



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- 52 - 



hausen's Elgin Rohrbach die Mutter and Karl Hynsberg tiberein, dass 
der letztere Martha zur Ehe nehmen solle. Am 16. Mai wurden die 
beiden gleichlautenden Exemplare der ehelichen Briefe versiegelt, 
von Seiten des Bräutigams durch Doctor Ludwig zum Paradies, Schul- 
theiss, mit seinem Amtssiegel, Ort zum Jungen und Konrad Neuhaus ; 
von Marthas wegen durch Georg Frosch, Harn an Holzhausen und 
Job Rohrbach, der zu dieser Handlung bemerkt: „Und ist das erste 
Mal, dass ich gesiegelt habe, denn meiner Schwester zu lieb, Hess 
ich das Siegel graben." „Am 18. Mai lud man — erzählt er weiter — 
von beiden Seiten Frunde, zu vollenbringen und zu beschliessen die 
Ehe zwischen Karlen Hynsberg und Martha Rohrbächerin, myner 
Schwester, und hat Karl syne Frunde durch synen Knecht lassen 
laden und myne Mutter ihre Frunde von Marthen wegen lassen 
laden durch Meister Niclasen Schorrebrant, den man nennt den Arm- 
brüster — die Jungfrauen, die nit zu gehören, die lädt man durch 
ein Meyd des Morgens. Und sind die Frunde geladen worden von 
beyden Seiten des Morgens, also dass man die hat gebeten zu kom- 
men zwischen zwölf und ein Uhr zu den BarfÜssern , die Frauen 
und Jungfrauen in das Hus myner Mutter. Also ist es auch vollen- 
gangen. Und so die Mannen von beiden Seiten zun BarfÜssern ka- 
men, schickten sie ein Knecht zu den Frauen ins Haus, Hessen t fra- 
gen: „War es den Frauen gelegen, wollten sie kommen." Entboten 
ihnen die Frauen: „Es war' ihnen gelegen." Da thet Georg Frosch 
ein Abred, also lutend in der Meinung: „Als beredt und betheidingt 
wär' zwischen Karlen Hynsburg und Jungfrauwen Marthen ein Ehe, 
mit beider Seiten Frunde Rath, Wissen und Willen, die also zu be- 
schliessen bat' er sie darby zu sin." Dess sie all' gutwillig waren und 
gingen von den BarfÜssern in myner Mutter Hus zu der Brut und 
den Frauen und Jungfrauen. Da im Hus thet Georg aber wie vor 
ein Abred, nach der nahm Herr Johann Brun (von Brunfels) Jung- 
frau Marthen und Karlen und gab sie zusammen zu der heiligen 
Ehe ein vierteler Stund nach einer Uhr Nachmittag." Man nannte 
diese ganze Handlung den Handschlag oder den Weinkauf. Die 
Zahl der Gebotenen von Seiten des Bräutigams, welche den Fami- 
lien Heringen, Hynsberg , Marpurg zum Paradies, zum Jungen und 
Neuhaus angehörten, betrug 11, die von Seiten der Braut, die Rohr- 
bache, Holzhausen, Frosche, Blume, Glauburger und Holzheimer 
waren 28; 6 waren als nicht in der Stadt anwesend oder krank 
nicht erschienen; die Sassen waren wegen Trauer ausgeblieben, was, 
wie Job versichert, nicht als vollgiltiger Entschuldigungsgrund ange- 
sehen wurde. Jungfrauen waren vier gebeten. Nach vollzogenem 



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53 - 



Handschlag begab sich der Bräutigam auf die Stube des Hauses 
Löwenstein und lud die jungen, d. h. unverheiratheten Gesellen, 
welche man dort vorfand, zum Nachtmahle: es waren ihrer acht, ein 
neunter war von der Mutter der Braut geladen ; ein zehnter, Jo- 
hann Brunn, war zugezogen worden, weil er als Priester die Verlo- 
bung vollzog. Diese Ordnung stand so unverbrüchlich fest, dass, als 
Bernhard Weiss am 18. August, dem Tage des Handschlags, die 
jungen Gesellen durch einen Diener von Haus zu Haus zum Nacht- 
mahl laden Hess, Job dies als eine Abweichung von der hergebrach- 
ten Sitte ausdrücklich tadelt. Der Bräutigam scheint dies selbst ge- 
fohlt zu haben, denn am folgenden Tage brachte er nochmals per- 
sönlich die Einladung an die jungen Gesellen auf die Stube und 
sandte dieselbe auch den Jungfrauen zu und es wurde zum zweiten 
Male geschmausst und auf dem Römer getanzt 18 . 

Erst sechs Wochen später fand die kirchliche Bestätigung der 
Ehe statt: Karl von Hynsberg wurde am 1. Juli von seinen beiden 
Schwägern Bernhard, der unterdessen von seiner ersten Romfahrt 
zurückgekehrt war, und Job zur Kirche geleitet, Martha von ihrer 
Mutter, von ihrer Schwiegermutter, Gutgen Heringen, und von den 
Jungfrauen Anna und Agnes Blum. Nach Job's Darstellung scheint 
es, als ob dieses der ganze Hochzeitzug und somit die kirchliche 
Trauung derjenige Act gewesen sei , der von Seiten der Verwandten 
und Freunde die spärlichste Betheiligung fand. Am 6. Juli folgte 
die eigentliche Hochzeit, welche in dem dem ChurfUrsten von Trier 
zugehörigen Hof, damals noch der „Monzhof" oder Münzhof genannt, 
gefeiert wurde. Die Geladenen aasen und tanzten dort, am Abend 
aber geleitete man das junge Paar in die Wohnung der Schwieger- 
mutter, den Wixhäuser Hof, wo die Braut in der gemalten Stube, 
die sich über dem gewölbten Saale befand, dem Bräutigam beigelegt 
wurde. Man bezeichnete dieses Beilager treffend mit den Ausdrücken 
apponere sponsam sponso oder consummatio roatrimonii in thoro. Es 
war dabei üblich, dass einer der Brautführer ihr den linken Schuh 
auszog und ihn dem andern gab. Job, der durch einen Fieberanfall 
verhindert gewesen war, dem Hochzeitsschmauss und Tanz beizu- 
wohnen, wollte sich wenigstens diese Dienstleistung nicht nehmen 
lassen, er hatte sich unter dem Ehebette versteckt, und als seine 
Schwester sich diesem näherte, zog er ihr rasch den rechten Schuh 
aus, aber Jakob Neuhausen, mit der Sitte genauer bekannt, entklei- 



» §. 330. 



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- 54 - 

dete sie des linken und überreichte ihn Gilbert Holzhansen : er hatte, 
wie Job zufügt, das Richtigere getroffen (et ille rectius me egit). 
Dreizehn Tage später, am 19. Juli, wurde Martha Rohrbächerin in 
den Hof ihres Eheherrn, den Fodenhof, feierlich geleitet und ibm 
übergeben. Man sah es ungern, wenn der Pomp, womit man diese 
Hochzeiten ausstattete, irgendwie eingeschränkt wurde. Als im Jahre 
1490 Johann Knoblauch nur den engsten Kreis seiner Hausfreunde 
zu dieser Vorfeier seines Beilagers zuzog, sah Job darin einen lie- 
weis seines übermässigen Geizes * 6 , und als am 29. October 1498 
Dr. Johann Glauburg in seine dritte Ehe mit Margaretha Horngin 
trat und den üblichen Hochzeitsschmauss unterlassen wollte, brach- 
ten Friedrich von der Filsch, Clas von Rückingen, Ludwig Holt- 
hausen und Job Rohrbach ohne sein Wissen einen Pfeifer in sein 
Haus und eröffneten dort den Tanz 17 . 

Diese ganze Darstellung zeigt deutlich, dass man zu Ende des 
fünfzehnten Jahrhunderts den Abschluss einer Ehe vornehmlich aus 
dem Gesichtspunkt eines bürgerlichen Vertrags betrachtete und dabei 
die kirchliche Trauung nur als die Bestätigung des bereits vollgilti- 
gen Vertrags vor der Kirche ansah. Noch deutlicher ■ trat dies in der 
älteren Sitte hervor. Dass der kirchlichen Einsegnung der Ehe 
der Handschlag oder der Weinkauf 18 vorausging, bei welchem 
die Freunde , d. h. die Verwandten des Bräutigams und der 
Braut ihre Zustimmung zu der Verchlichung gaben und das 
Paar durch einen Anwesenden zusammengegeben wurde , also 
die Verlobung im Familienkreise, haben wir bereits bei 
der Ehe Karl Hynsberg's mit Martha Rohrbach gesehen. Die- 
ses Zusammengeben geschah früher einfach durch ein Familien- 
glied. Bernhard Rohrbach der Vater und Elgin Holzhausen wurden 
durch den Bruder des Vaters der Braut, durch den Schöffen Jo- 
hann von Holz hausen, zusammengegeben (Bernhards Familien- 
chronik §. 1(3). Eine wesentliche Veränderung bei dem Handschlag 
finden wir zur Zeit Jobs. So oft er fast desselben umständlicher er- 
wähnt, werden die Brautleute im Hause der Mutter der Braut durch 
einen Kleriker zusammengegeben. Von Johannes Brun, der die- 
sen Act bei Jobs Schwester und Karl Hynsberg vollzioht, wird uns 
deutlich bemerkt, er sei (obgleich er nicht zu den Verwandten ge- 
hörte) eingeladen gewesen, weil er als Priester die Verlobung voll- 



i« §. 291. 
" §. 257. 
» §. 23 u. 106. 



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- 55 - 



zogen habe (invitatus, quia despondit iste sacerdos). Gilbrccbt Holz- 
bausen und Katbarina Sassen wurden am 16. December 1499 von 
Georg Schwarzenberg, Cantor und Canonicus zu St. Barth oloniäi, zu- 
sammen gegeben i9 . Am 14. October 1498 gibt Job Rohrbach die 
Schwester seiner Köchin Agnes, Klgin von Sprendlingen, und Giesaen 
Henn im Wixhauser Hof zusammen und bemerkt: „Und ist das die 
erste Ehe, die ich gemacht und zusamen geben hab; Gott geb, dass 
wohl gerathe! Amen!" Er war kurz vorher Kanonikus geworden 2o . 
So wurde allmählig die Verlobung aus einem bürgerlichen Familien- 
act zu einem geistlichen Hausact. Dieser Uebergang fällt zwischen 
die Jahre 1470 biß 1490. Die eigentliche kirchliche Trauung bestand 
in der Erklärung des ehelichen Consenses vor Pfarrer und Zeugen, 
die man „priesterliche Benediction" nannte. So heisst es von 
Clas Stalburg und Margaretha vom Rhyn, sie hätten am 21. October 
149^ in der Kirche ihre Ehe solemnisirt und von dem Stadtpfarrer 
Doctor Conrad Ilensel die Benediction empfangen 81 . Von Gilbrecht 
Holzhausen und Krinchen Sassen wird gesagt, sie seien in der Kirche 
am 10. Februar 1500 „int h ronis irt" worden M . Auch Job gab im 
Jahre 1501 23 seinen Bruder Bernhard und dessen Braut nicht blos 
als Verwandter, sondern als Kleriker zusammen. 

Eigentliche Hochzeitsgeschenke finden wir hier und da erwähnt. 
Als nämlich Dr. Bernhard K Ilhorn sich am 9. November 1500 in 
Mainz mit der nachgelassenen Tochter des kurfürstlichen Kanzlers 
Georg Hell, genannt Pfeffer, vermählte und, wie es scheint, eine 
prächtige Hochzeit veranstaltete , fuhren unter Anderen auch die 
Brüder Bernhard und Job mit dem Schiffe des Rathes nach Mainz 
hinab, dort lebten sie bis zum 13. November vier Tage herrlich und 
in Freuden (Laute, imo lautissime viximus et triumphavimus), dann 
schenkte jeder einen Ducaten, den er für einen Gulden nnd neun 
Schillinge erstanden hatte. Ebenso schenkte Job dem Gilbrecht 
Holzhausen und seiner jungen Ehefrau bei der Hochzeit, am 
10. Februar 1500, weil er, wie er Bagt, beiden blutsverwandt war, drei 
Gulden ; vorher hatte er, wie er selbst sagt , noch kein Hochzeits- 

19 §, 284. 

20 §. 107. Nur einmal finden wir §. 261, dass Verlobte nicht durch einen 
Kleriker, sondern einen Laien, nämlich Clas Rückingen zusammen gegeben 
werden. Denn dass nnter diesem der Vater, nicht der Sobn verstanden werden 
muss, geht daraas hervor, dass der Letztere erst viel spater Kleriker wurde. 

11 §. 322. 

» §. 284. Vergl. über diesen Ausdruck meinen Artikel Inthronisation in 
den Supplementen von Herzogs theologischer Realencyclopädie. 
" §. 10. 



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- 56 — 



geschenk gemacht' 4 . Indessen ist diese Bemerkung nur von wirk- 
lichen Geldgeschenken, nicht von symbolischen Gaben zu verstehen: 
so erzählt Job selbst, seine Mutter und sein Bruder Bernhard hät- 
ten am 25. Januar 1496 dem städtischen Syndikus Eberhard Rosen- 
acker und seiner Neuvermählten, jene einen Goldgulden, dieser ausser 
einem Goldgulden auch eine Münze, die man „einen engelisch' 4 ge- 
nannt, er, Job, dagegen drei Würfel und zwei Nadeln, eine mit 
einem grauen , die andere mit einem blauen Faden, geschenkt 2 K 

Neben den Pathengeschenken , wie Bie nach Bernhards Fami- 
lienchronik der Pathe dem Täufling machte, wird zum ersten Male 
von Job eine Verehrung desselben an die Wöchnerin erwähnt ; »o 
schenkt Goffert von Kleben der Ehefrau des Haman Holzhausen 
bei der Taufe ihres Söhnleins Georg fünf Goldgulden **. Die Taufen 
wurden damals entweder an dem Tage der Geburt oder an dem 
darauf folgenden vollzogen. Ebenso fanden die Beerdigungen meist 
schon am Tage nach dem Tode statt 

Eigentliche Haussteuern scheinen nur in dem Falle üblich ge- 
wesen zu sein, wenn die Eheleute einen eigenen Hausstand gründe- 
ten. Dieser Fall trat bei Haman Holzhausen ein. „Am 4. Septem- 
ber 1495", berichtet Job, „hat Haman Holzhausen mit samt Margarethen 
Froscbin 37 , seiner Hausfrau (er hatte sich mit dieser schon 1491 
vermählt), zum ersten, als einer, der eigen Haus halten will, im 
Monzhof, den man auch den Trier'schen Hof nennet, gessen, und 
darnach uf den 5. Tag des Septembers haben sie zum ersten drin 
geschlafen, also sind sie ganz zu Hus gezogen. Item darnach uff 
den 13. Tag des Septembers habent myn Mutter und Krinchen Holz- 
huserin zu Spangenberg gekocht und die Kost in Monzhof 
getragen und haben den neuen Husluten geschenkt den Mittags- 
imbiss, und hat myn Mutter geschenkt ein schön kupfern Kes- 

" §. 293. 284. 

" §. 308. Die drei Würfel erscheinen auch unter den Gaben, welche der 
Pathe dem Täuflinge zu schenken pflegte, in Bernhards Familienchronik §. 95. 

" §. 279. Ich habe vennuthet, dass die Abbreviatur bei don Pathenge- 
schenken, die in Bernhards Familienchronik aufgeführt werden, III ald th. zu 
lesen sei und Turnosen bezeichne (zu §. 95). Es ist aber, wie ich aus Jobs 
Handschrift ersehe, wahrscheinlich HI. ald h. zu lesen und demgemäss drei alte 
Heller zu verstehen. Diese Gabe neben grösseren Münzen kann wie die drei 
Würfel nur symbolisch gemeint Bein. 

21 Es ist dies ein Gcdächtnissfehler. Nicht Margarethe, die Gattin Ha- 
uian's, — sie war eine Tochter des churmaiozischeu Kanzlers Georg Hell, 
gen. Pfeffer, vergl. §. 279 — Bondern Katbarina Wolzhausen zum Spangenberg, 
war eine geborne Froschin. 



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- 57 

sei, da man Gläser in waschet, kostet ein Gulden vier Schilling, und 
ich ein Schindellad, darin standen klein hölzerin Büchslin sieben, 
das« sie Species (Spezereicn) darin thun sollen, die in die Küchen 
gehören; Krinchcn zu Spangenberg schenkt ein Schleier; Ludwig 
Holzhausen, ihr Sohn, schenkt ein Instrument von Messing, da man 
die Pfann uffsetzet, kostet 15 Albus; Klgin, ihre Tochter, ein gross 
hölzerin Hofschüssel, da man Teller über Tisch einwirft, wenn man 
ein Essen uff will heben. Und des Mittags, was wir aasen, schenkt 
myn Mutter und Krinchen zu Spangenberg, und aasen da myn 
Mutter, myn Bruder Bernhard und ich, Katharin zu Spangenberg, 
Ludwig, ihr Sohn, Elgin, ihre Tochter, Herr Johann Brun; des 
Nachts lud uns allesamt herwieder Haman uff sine Kosten. So pfle- 
get es denen zu geschehen, die ihr eigen Hus halten wollen, und 
wann der Mann und die Frau beide, oder eins von ihnen zuvor 
nicht geehelicht gewesen ist"* 8 . 

Gastmähler waren damals überhaupt ungemein beliebt und eins 
gab nicht selten den Anlass zu einem andern oder gar zu mehreren, 
die sich ihm anreihten. Als am 1. Juli 1496 die Herren des Käthes 
nach altem Brauch das berühmte Hirschessen abhielten (in welcher 
Weise dies geschah , ersieht man aus Jobs classischem Ausdruck : 
Bacchanalia cervi peragunt), veranstaltete Clara, Johann Glauburgs 
Ehetrau, in dem Hause des Ambrosius Glauburg (weil in dem Gar- 
ten ihres Gatten daB Hirschgelag stattfand), ein, wie es scheint, nicht 
minder opulentes Mahl, zu welchem auch Job mit seiner Mutter, 
seiner Schwester und seinem Schwager geladen war: zwei Tage 
wurde in Freuden geschmaust und getrunken und erst am dritten 
Tage, dem der Maria Magdalena, wurde zu Oberrad , dessen Patro- 
nin sie war, die Gasterei zu Ehren derselben in gleicher Weise ge- 
schlossen n . In Frankfurt wurde der 5. Januar, die Vigilie des 
Dreikönigs- oder Epiphanienfestes, durch ein Gastmahl verwandter 
und engverbundener Familien begangen, bei welchem man durch das 
Loos den König für das folgende Mahl bestimmte, das wenige Wo- 
chen später veranstaltet werden musste. So erzählt Job : „Am 5. Ja- 
nuar 1496 wurde ich am Epiphanienabend in meiner Abwesenheit 
im Goldstein durch das Loos zum König gewählt, des Königs Gast- 
mahl wurde am 3. Februar begangen" 30 . Leider hat er uns nichts 

* §. 220. 

29 §. 211. Das Datum muss auf Irrthum beruhen; da der Marien Magda 
lenentag nämlich auf den 22. Juli fällt, so kann das Hirschessen erst am 20. 
Juli stattgefunden haben. 

*> §. 225. 



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- 58 - 



Näheres über die übliche Form einer Feier berichtet, deren meines 
Wissens kein anderer Frankfurter Berichterstatter gedenkt. Es wird 
daher Manchem willkommen sein, einige Winke über ihre Begehung 
in andern Ländern zu empfangen. Der Dreikönigs tag, mit welchem 
die Zwölfte, d. h. die zwölf heiligen Nächte oder Julnächte schlös- 
sen und der darum in England the twelfth day oder the twelfth 
night heisst, in Deutschland aber der Berchtcntag genannt wurde, 
weil an ihm die segnende Göttin Peratha oder Frau Berchta (Frau 
Holla) ihren Umzug beendigte, wurde bei allen germanischen Völ- 
kern heilig gehalten. Am Vorabende desselben waren in England 
Vermummungen üblich, die mancherlei Verwechslungen und Irrun- 
gen im Gefolge führten : diese Sitte klingt noch an in dem Titel von 
Shakespeare's allerliebstem Lustspiel : twelfnight (der heilige Drei- 
königsabend) oder „was ihr wollt". Am Tage selbst wird in Eng- 
land noch heute der Königskuchen gespeist, der von bedeutendem 
Umfang die Grundlage für ein aus Kandiszucker aufgebautes und 
von Conditorfiguren umstelltes gothisches Gebäude abgibt; der für 
die königliche Familie bereitete hatte vor einigen Jahren ein Ge- 
wicht von einem vollen Centner. Am Abende findet in den Familien 
grosse Gesellschaft statt, und es werden durch das Loos der König 
und die Königin, sowie die sämmtlichen Aemter des Hofstaates be- 
stellt. Zur Zeit der Königin Elisabeth geschah die Königswahl durch 
eine in den Kuchen gebacken e schwarze und weisse Bohne; jetzt 
in der Regel durch Zettel, und da nach altem Brauche dem Königs- 
paare die Pflicht obliegt, die Kosten des Gastmahls zu bestreiten, 
so sucht man es so einzurichten, dass diese Loose in die Hände des 
Hausherrn und der Hausfrau gespielt werden. In Flandern trägt der 
König eine Krone, und so oft er den Becher an den Mund setzt, 
ruft jeder Anwesende: der König trinkt! wer es versäumt, wird von 
dem Hofnarren mit einem schwarzen Striche im Gesichte gekenn- 
zeichnet. An dem Rhein war die Königswahl und das Königsgelag 
gleichfalls Sitte; die Wahl geschah durch Zettel, in der Eifel gleich- 
falls durch die schwarze und weisse Bohne. Zum Theil haben sich 
Ueberreste dieses Brauches noch heute sporadisch erhalten 31 . In 
Frankfurt haben ohne Zweifel auch Frauen Theil genommen, da die 
Wahl Jobs in dem Goldsteine, der Behausung der verwittweten 
Katharina Holzhausen , stattfand; dagegen erscheint es als locale 



31 Vergl. Reinsberg- Düringsfeld, das festliche Jahr. Leipzig 1868, zum 
Januar. 



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- 59 - 

Eigentümlichkeit , dass am Epiphanienabend nur die Königswahl 
vollzogen, dagegen des Königs Gastmahl erst mehrere Wochen spä- 
ter abgehalten wurde: ftlr das letztere gibt, wie wir vernehmen, Job 
den 3. Februar, also den Tag nach Maria Lichtmess, an; beruht 
dieses Datum nicht auf einer Zufälligkeit, so würde es auch für un- 
sere Gegend als letzte Spur des in manchen Städten Englands frü- 
her bestandenen Gebrauches gelten können, die Nachfeier des Christ- 
festes bis zur Lichtmess auszudehnen. 

Eine andere Sitte bestand darin, dass ein Mann einer Fran 
oder eine Frau einem Manne beim Mahle einen Kranz aufsetzte 
and dem, welchem dies geschah, die Nöthigung auferlegte, selbst ein 
Gastmahl zu halten. War dies ein Unverheirateter oder wenigstens 
ein solcher, der keinen eignen Haushalt hatte, so waren ihm darin 
Andere behülflich So erzählt Job in einem lateinisch abgefaßten 
Berichte aus dem Jahre 1500, wo er bereits Kanonikus zu St. Bar- 
tholomäi und Episteler, d. h. Subdiakonus war: ^Aiu 3. Juni hatte 
ich Gäste zum Abendmahl; das kam so: am 28. Mai lud Ambrosius 
Dietrich, Protonotar des Reichskammergerichts, zum Abendmahl im 
Hause Jacobs Neuhaus mehrere Frauen mit ihren Ehemännern und 
einigen Andern. Nach gehaltener Mahlzeit setzten scherzend die 
Frauen dem Ulrich Neuhaus den Kranz auf, dass er am folgenden 
Abend ein Mahl gebe, worauf Ulrich auf die Bitte der Frauen und 
weil meine Mutter ihm ihr Haus, ihre Köchin, Holz und das Uebrige 
anbot, Alle auf den folgenden Tag einlud ; auch wurde beschlossen, 
dass jede Hausfamilie, mochten ihrer Einer oder Mehrere in einem 
Hause sein, zwei Maass Weines stellen sollte, und so kamen wir auf 
den folgenden Tag in unserem Hause zusammen Ulrich setzte den 
Kranz der Ursula Schwarzenbergerb, diese setzte ihn mir, Job, aul 
und so lud ich die ganze Gesellschaft zum Abendmahl auf den 
3. Juni; ich hatte aber bei diesem Mahle folgende Personen: meine 
Mutter Elgin, meinen Bruder Bernhard, Georg Neubaus, Ulrich Neu- 
baus, Gilbert Holzhausen, seine Hausfrau Katharina, Katharina, die 
Wittwe Gilberts Holzhausen zu Spangenberg, ihren Sohn Ludwig, Ur- 
sula Schwarzenbergerin, Ottilia zu Schwanau, Friedrich Faut und seine 
Hausfrau Margaretha, Nicolaus Schorrebrant, den man nennt Arm- 
brüster, Karl Honsberg, meinen Schwager, mit seiner Ehefrau Martha, 
meiner Schwester. Haman Holzhauscn mit seiner Ehefrau Marga- 
retha kam nicht, weil er krank war 32 ." Am Schlüsse setzte Job den 
Kranz der Katharina zum Spangenberg auf. Es war dies die erste 



" §. 221. 



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60 - 



Gasterei, die er veranstaltete, und sie bildete ein so wichtiges Ereig- 
nis8 in seinem Leben, dass er daran die Reflexion knüpft: auf einen 
Mittwoch sei er geboren , an einem Mittwoch sei er in den Besitz 
seiner Präbende gekommen, an einem Mittwoch habe er zum ersten. 
Male Gäste bewirthet. 

Job hat uns aber auch ausführlich belehrt, wie es bei diesem 
für ihn so wichtigen Mahle mit den {Speisen bestellt gewesen sei. 
Er fügt nämlich hinzu: »Wir gaben diese Gerichte oder Trachten : 
zum ersten Erbsen mit Zucker; darnach in jeglich Schüssel vier 
junge Hühner und ein Stück Hammelfleisch gedämpft mit Cybeben, 
grossen und kleinen Rosinen, Muscaten und Muscatbluuien, darnach 
gesottene Scheffen oder Schoten, darnach Gebratenes, je in eine 
Schüssel vier junge Hühner, einen Hammelsbug, eine halbe Gans 
und frisches Solz, darauf Käse und Kirschen zur Gollaz, am Abend 
Käse, Confect, Rettig und zwei Malken, das eine in den Schüsseln, 
das andere uss dem Hafen zu trinken* 33 . 

Diese Berichte haben uns zugleich einen Blick in den Freundes- 
kreis der Rohrbach'schen Familie eröffnet und es sei mir gestattet, 
einige dieser Verwandten näher hervorzuheben. Die eine ist 
Katharine Holzhausen, geborne Sch warzenbergerin , die Wittwe des 
Schöffen Johann Holzhausen, die Mutter Hainaus und Gilbrechts, 
deren letzterer von Schurg 31 als Feind des Klerus bezeichnet wird, 

33 Die verschiedenen Gänge des Mahles Warden also nicht sowohl durch 
die Gattungen der Speisen , als durch die Art ihrer Zubereitung abgegrenzt, 
daher denn dieselben Fleischarten im zweiten und vierten Gange, nur anders 
bereitet, wiederkehren. Ebenso unterscheidet mau noch heute im italienischen 
Pranzo vier Hauptgerichte: Bollito, fritto, umido und arrosto. Scheffen ist 
nach Scbmellers Bayrischem Wörterbuch schwäbischer Name für Schoten. Wer 
sich über die Küche deB Mittelalters belehren will, findet reiches Material dazu 
in dem von dem literarischen Vereine zu Stuttgart in dem neunten Bande 
seiner Bibliothek publicirten: „Buche von guter Speise". Solsz scheint iden- 
tisch mit „Salse"; im 34. Recept wird die Bereitung so angegeben: „Nimm 
saure Weinbeeren und thue Salbey, zwei Knoblauchshäuptcr und Speck dazu; 
stoss es zusammen, drücke es und gieb es für einen guten Salse." Nach Re- 
cept 49 sollen die Ingredienzien aus Wein, Honigseim, Ingwer, Pfeffer, Knob- 
lauch und Riem bestehen. Die Textesworte: „fyrssess solsa" bei Job Rohrbach 
getraue ich mich nicht mit voller Sicherheit zu erklären : wahrscheinlich ist 
fyrss provincicller Ausdruck für frisch. Aus Salse sind die Wörter Sauce, Salat 
und Sulz (das letztere in Schwaben eine .Fleischgelee) entstanden. „Malk" 
scheint mit melken, Milch, zusammenzuhängen und eine ArtCrßme zu bezeich- 
nen , daher es ebenso gut aus Schüsseln gegessen . als aus Schalen getrunken 
werden konnte. Sämmtliche Speisen wurden stark gewürzt. 

3 * Anno 1514 die 7 mensis Junii, quae fuit quarta Pentecostes obiit Gilbrecht 
Holtsbausen znm Goltstein, osorCleri. Msc. Schurg auf der Stadtbibliothek> 
p. 198. 



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- 61 - 



während ersterer der thätigste Beförderer des Reformationswerkes 
in Frankfurt wurde. Katharina'» Wohnung war der Goldstein am 
Eingang der heutigen Buchgasse; in ihm muss eine Kapelle ge- 
wesen sein, wenigstens wird in einem Berichte Jobs ein eigner Holz- 
hausen'scher Kaplan zum Goldstein erwähnt 36 . Dieses Haus ging, 
wie ich an anderem Orte 36 nachgewiesen habe, von Katharina auf 
ihren jüngeren Sohn Gilbert und nach dessen Tode 1514 auf seinen 
in demselben Jahre geborenen gleichnamigen Sohn zweiter Ehe über, 
während dessen Minderjährigkeit es die Wohnung Nesen's und Mi- 
cylTs und der erste Sitz der lateinischen Schule gewesen ist Die 
andere Katharina oder Krinchen Holzhausen war eine geborne 
Frosch, hatte sich am 15. August 1469 mit einem andern Gilbert 
Holzhausen verlobt, aber erst 1471 vermählt 37 ; im Jahre 1479 er- 
öffnete sie mit ihrem Ehemann ihren eignen Haushalt in dem Hause 
zum Spangenberg zunächst der Liebfrauenkirche auf dem Berge; 
1494 starb am 25. April ihr Gatte 36 ; sie ist es, die, nach der Auf- 
zeichnung des jüngeren Matthias Ritter, Luther im Jahre 1521, als 
er auf den Tag nach Worms zog, in seiner Herberge zum Strauss 
begrüsste, bewirthete und mit weissagenden Worten ermuthigte 3 '. 
Sie hat noch am 4. August 1523 nach Ausweis ihres Testamentes 
gelebt. Ihr älterer Sohn war Ludwig, der jüngere Blasius Holzhau- 
sen, von dem Job berichtet, dass er und der junge Gilbert zum 
Goldstein ihn am 8. November 1494 nach Mainz zu dem Kanzler 
Georg Heller, genannt Pfeffer, geleitet haben, damit er dort seine 
Studien betreibe 40 . Diese Abwesenheit von der Vaterstadt ist der 
Grund, warum er in den fröhlichen geselligen Kreisen des Rohrbach- 
schen Hauses nicht genannt wird. Im Jahre 1521 war er mit Phi- 
lipp Fürstenberg Abgeordneter der Stadt auf dem Wormser Reichs- 
tage. Man ersieht zugleich aus diesen Berichten, dass der alte Be- 
griff der Freundschaft im Sinne von Verwandtschaft, wie er 
noch heute im Munde des Frankfurter Bürgers lebt, damals seine 
volle Wahrheit in den socialen Lebensverhältnissen hatte: die Ver- 
hältnisse der Freundschaft ruhten meist auf dem Grunde der Ver- 
wandtschaft. 



» §. 277. 

34 Steitz, Luthers- und Melanchtbonaherbergen S. 90 flg. 

31 §. 274. Dass Fichard unsere Handschrift nicht gekannt habe, erglebt 
sich daraus, dass er in der Geschlechtergeschichte zweifelt, ob diese Vermählung 
1469 oder 1471 anzusetzen sei. 

3 » §. 277. 

3 > Luthers- und Melanchthonsherbergen S. 16 flg. 
§. 16. 



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- 62 - 



Sonst rausa das Leben in Frankfurt sich in ziemlich einförmigen 
Buhnen bewegt haben und der Kreis der Interessen ein sehr be- 
schränkter gewesen sein. Ein Gang nach Hausen um in der Nied 
zu fischen , ein Kitt zu dem Amtmann auf den Goldstein oder in 
Bonames, wo dann die Nacht fröhlich verprasst und die Schmause- 
reien in Frankfurt fortgesetzt wurden, ein Ausflug nach Mainz oder 
nach Wiesbaden, eine Badekur daselbst oder in Ems, eine Heise 
bis Köln oder Worms, waren Unterbrechungen, welche in das ein- 
förmige Alltagsleben einige Mannigfaltigkeit und Abwechslung 
brachten. Die Heirathen, die Geburten, die Sterbfälle und Leichen- 
begängnisse waren Ereignisse, denen sich vor Allem die Theilnabme 
zuwandte und die gleichfalls zu Schmausereien und Gelagen Veran- 
lassung gaben. In dem Jahre 1500 wurde es Sitte, dass die Leichen 
vornehmer und reicher Bürger unter dem Vortritt des gesammten 
Klerus der Pfarrkirche und der Schüler der Stiftsschulen und unter 
dem Geläute der Glocken zu Grabe getragen wurden. Früher war 
dies nur bei den Bestattungen von Klerikern üblich, bei Laien aber 
unerhört gewesen 41 . Als die Exequien für Arnold Schwarzenberger 
drei Tage nach dessen Tod, am 29. October 1500, bei den Carmeli- 
tern beendigt waren, versammelte sich der ganze Rath, sämmtliche 
Prälaten und Kanoniker des Barth olomäusstiftes und viele andere 
Geladenen zum Mittagsmahl in dem Sterbhause und erfüllten die 
Stätte der Trauer mit den lauten Klängen der Freude 42 . Einfacher 
vielleicht, aber um so wehmüthiger mag eine andere Todtenfeier 
gewesen sein, deren Job gedenkt Lysgin Sassen, die durch seltene 
Schönheit und Anmuth ausgezeichnete Tochter Hen Sassens, hatte 
sich 1496 mit Johann Frosch verlobt; beider Eltern und Verwandte 
waren mit dieser Verbindung einverstanden, aber ein Hindernis« 
stand ihnen entgegen; Bräutigam und Braut waren im dritten und 
vierten Grad verwandt, die päpstliche Dispensation musste nachge- 
sucht werden, sie traf ein, aber bereits hatte ein unheilbares Siech- 
thum sich in dem Kerne der zarten Blüthe ausgebildet; rasch schritt 
die Krankheit fort und statt des Brautkranzes schmückte die Stirne 
der lieblichen Jungfrau die Todtenkrone **. Sie verschied am Oster- 
tage 1497. Auch bei Karl Hynsperg und Martha Rohrbach stellte 
sich später heraus, dass sie im dritten und vierten Grad verwandt 
waren — Fichard hat in seiner Geschlechtergeschichte diese Ver- 



§. 286. 306. 326. 88. 
« §. 320. 
« §. 310. 



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- 63 - 



wandtschaft durch eine eigene Tabelle erläutert — aber da die Ehe 
in allen Formen rechtsgültig abgeschlossen war, so wurde dieses 
lösende Hinderniss durch einen nachträglichen päpstlichen Dispens 
gehoben. 

Eine dauernde Unterbrechung und Trübung erfuhr im Jahre 
1496 die Unbefangenheit und der heitre Frohsinn des bürgerlichen 
Lehens durch das erste Auftreten der Syphilis oder der französischen 
Krankheit Job Rohrbach ist der Einzige, dem wir darüber eine 
Rande verdanken. Er erzählt : „Anno 1496 zur Sommerszeit oder im 
Frfiiijahr ist ein ungchört grusslich und erschrockenlich Krankheit 
unter die Teutschen von den Walen kommen; die Walen haben sie 
krieget von den Franzosen und wird die Krankheit genennet Mal 
Franzos und regiert fast in deutschen Landen, noch viel mehr in 
ltalia und Francia. Die Krankheit macht den Menschen unsäglich 
nngeschaflen [missgestalt | ; welcher sie hat , ist über ganz sin leib 
toII schwarz rother Blattern, währt ein Theil [bei den Einen] 
ein halb Jahr, den andern dreiviertel, den andern ein ganz Jahr und 
nach dem bleiben die Flecken an ihnen zuweilen lange. Ungestalter 
Ding hat kein Mensch nie gesehen , von solcher oder dergleichen 
Krankheit nie kein Mensch mehr gehört, auch findet kein Arzt da- 
Ton nicht geschrieben, ausser so viel man irgend dawider ersann* 4 ." 
Auch in Jobs nächster Umgebung entfaltete die Krankheit ihre 
furchtbare Wirkungen. Sein Bruder Bernhard wurde im Jahre 1498 
in so heftiger Weise von ihr befallen , dass er sich dem mensch- 
lichen Anblick und Umgang völlig entzog; er zog sich nämlich am 
11. Juli in die Einsamkeit seines Gartens , wahrscheinlich auf dem 
Klapperfelde, zurück und rasierte, ohne Zweifel wegen der Ge- 
schwüre auf seinem Kopfe, sein Haupthaar am 23. völlig ab. Doch 
var das Uebel bei ihm von kürzerer Dauer als bei vielen Andern ; 
wn 8. Januar des Jahres 1499 konnte er bereits wieder in sein Haus 
zurückkehren 46 . Was Lersner erzählt: „1497 und 1498 haben die 



M §. 172. 

* $ §. 9. Es muss übrigens hier ausdrücklich bemerkt werden, dass die Seuche in 
ihrem ersten Auftreten epidemisch war und auch ohne unmittelbare Berührung 
ansteckte. Wir dürfen daher keineswegs im einzelnen Falle der Ansteckung 
»nf sittliche Vergehen sch Hessen, obgleich über diese das Urtheil in jener Zeit, 
an weit leichtfertigeres war, als in unseren Tagen. Hutten giebt das siebente 
Jahr nach Entstehung der Krankheit, also etwa das Jahr 1500 als die Zeit- 
penze an, von welcher an sie nur durch Contagium , namentlich durch ge. 
fchlechtüche Berührung sich fortpflanzte, vergl. de Guiaci medieina et morbo 
yi c 1. und über die Krankheit überhaupt Strauss, ülr Hutten I, 333 flg. 



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- 64 - 

• 

Franzosen allhier stark regieret, also dass auch vornehme Personen 
damit inficiert gewesen und man die Badstuben zuhalten müssen" **, 
ist nur eine Bestätigung des Berichtes von Job, dessen Handsclirift ihm 
wahrscheinlich nicht unbekannt gewesen ist. Auch die Notiz über 
das Grassiren der Blattern im Jahre 1496 47 bezieht sich , wie ich 
glaube, auf dieselbe Krankheit , als deren Symptome Job ja aus- 
drücklich ..schwarz rothe Blattern' 11 angibt. Uebrigens scheinen die 
Mittel der Arzneikunde in jener Zeit noch sehr einfach und be- 
schränkt gewesen zu sein: eine Klistier, welche ihm der Apotheker 
Jodocus applicirte, ein Syrop und Pulver zum Purgieren, eine Ader- 
lass am linken Fusse sind die einzigen, deren Job in seinen man- 
niclifachen Krankheiten erwähnt 48 . 

Wir wenden uns von dem häuslichen zum öffentlichen Leben. 
Die Mittelpunkte des regsten geselligen Verkehrs bildeten die Trink- 
stuben. Bernhard und Job Rohrbach schlössen sich zunächst der 
Gesellschaft Lebenstein oder Löwenstein an, welche sich früher im 
Hause Limburg zu versammeln pflegte (in welchem in unseren Ta- 
gen eine Zeit lang wieder die alte Trinkstube eröffnet war), und seit 
dem Jahre 1486 in das Haus Löwenstein rechts vom Römer über- 
gesiedelt war. Am 5. Juni 1494 hielt Job seine erste Zeche auf der 
Stube und verprasste dort sechs Heller 49 . Aber da er noch nicht 
förmlich eingetreten war und das Gesellenrecht erworben hatte , so 
wurde ihm und Konrad zum Jungen um Fastnacht 1495 nur aus- 
nahmsweise verstattet, „ihren Pfennig mit den Andern dort zu ver- 
zehren", mit dem Bescheid: „Wolle er für die andere Fastnacht Ge- 
sellschaft halten, so solle er Geselle werden" 80 . Am 19. Februar 
des genannten Jahres wurde die Gesellschaft zum Abendessen mit 
den Frauen eingeladen und jeder zahlte dabei sechs Albus ; den 
Abend beschloss ein Tanz auf der Stube mit Fackeln oder Lichtern M . 
Am 26. Februar Dienstag vor Fastnacht wurden bereits die Festlich- 
keiten mit einem Nachtessen auf der Stube eröffnet ; am Sonntag 
und Montag den 1. und 2. März auch die Frauen zugezogen; am 
Dienstag „uff aller Mann Fassnacht" und am Aschermittwoch kam 
zu dem Abendessen auch ein Mittagsmahl; nach diesem stachen am 



♦« I, II, 32. 
4 » II, II, 36. 

*» §. 21. 25. 70. Vergl. auch Krieffk, Aerzte, Heilanstalten n. Geisteskranke 
im mittelalterlichen Frankfurt. 1863. 
♦» §. 11. 
»o §. 177. 
»« §. 176. 



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- 65 



Dienstag Jörg Reiss and Niclas von Babenhausen, früher Amtmann 
auf dem Goldstein , mit „Kronlin" 52 , der erstere behielt den Sieg ; 
am Aschermittwoch stachen, als die Frauen aus Glauburg's Garten 
zurückkehrten, „vier Reisige mit Kolben", zwei mit Namen Martin 
und Eberhard waren Knechte des von Heusenstamm, zwei mit Namen 
Weissbrod und Ruttlinger Söldner der Stadt ; Weissbrod fällte zu 
mehreren Malen die Heusenstammer Knechte und ..blieb doch hart 
sitzen". Hierauf „stachen mit Kroulyn" Konrad zum Jungen und 
Konrad Mones. Am Donnerstag nach Aschermittwoch assen die Ge- 
sellen allein ohne die Frauen auf der Stube zu Mittag ; es rechneten 
die Küchenmeister Clas von Rückingen und Ulrich Neuhausen, des- 
gleichen die Weinmeister Johann Holzhejmer und Philipp Weiss ab, 
die Kosten betrugen auf jeden der 43 Gesellen drei Gulden; dabei 
sprang noch ein Abendessen für Männer und Frauen an demselben 
Tage heraus. Frauen mussten nur am Aschermittwoch einen Albus, 
Wittfrauen dagegen nach freier Wahl vier Hühner oder vier Schil- 
linge geben ; Jungfrauen waren ganz frei ; es waren 28 Frauen und 
Jungfrauen, welche „Gesellschaft hielten". Donnerstag Abend assen 
Männer und Frauen auf der Stube. Ein Gesellennachtessen, das auf 
den Kopf drei Schillinge machte, beschloss am Sonntag Invocavit 
die Fassnachtprasserei im Jahre 1495 53 . Auch sonst boten Geschenke 
an Wildprett einen Anlass zu Gesellenessen; so wurden Männer und 
.Frauen am 2. October 1494 eingeladen, weil Ambrosius Glauburg 



* 2 Eine nähere Erklärung fordern die Ausdrücke „mit kronlyn" und „mit 
kolben stecheu". Stechen bezeichnet Oberhaupt im Mittelalter turnieren und 
wird vou allen Gattungen der Turnierkämpfe gebraucht . namentlich sofern 
dieselben ohne Ernst und zum heitern Spiele dienten. Nach Bttsching's Ritter- 
zeit und Ritterwesen I., 168 gebrauchte man bei den Turnieren zweierlei Lau 
zen, die spitzen zum sogenannten Scharfrennen oder zum ernstlichen Kampfe, 
die stumpfen dagegen, welche von den Kronen, mit denen dieselben oben an 
der Spitze versehen waren, „Krönige" genannt wurden, blos zum Scherzapiele. 
Die Krone muss demnach ein an der Spitze der Lanze befindliches, etwa ge- 
kerbtes Stichblatt gewesen sein. Man vergleiche auch das von Kl über über- 
setzte und erläuterte Werk: Das Ritterwesen des Mittelalters von de la Curne 
de Sainte-Palaye II, 97. Die bei den Turnieren, den Zweikämpfen und krie- 
gerischen Ocfechten üblichen Kolben waren von Holz, und Bind ebensowohl 
von dem Morgenstern, einer eisernen mit Stacheln versehenen Kugel an einem 
hölzernen Stiele, als von den kleinen metallnen Kolben zu unterscheiden, welche 
seepterartig geformt und am Knaufe zierlich durchbrochen, den Rittern mehr 
zum Schmuck dienten , zu ernstlichen Kämpfen aber nicht die ausreichende 
Stärke hatten. Doch erwähnt unten Job eine clava ferrea, einen eisernen 
Streitkolben, als Waffe, die er besessen hat. (§. 49.) 
« §. 177. 

5 



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- 66 - 



drei Hasen, am 27. December, weil derselbe zwei Hasen, und am 
10. Februar 1495, weil der Schultheiss Ludwig zum Paradies einen 
Hirsch geschenkt hatte 54 . Noch erhob die Gesellschaft als solche 
keinen Anspruch auf Adel: Job bemerkt ausdrücklich, dass die 43 
Theilnehmer an der Fastnacht Edele und Andere gewesen seien, 
(leberhaupt vereinigten sich die Adeligen mit den Andern im Be- 
wußtsein ihres gemeinsamen Bürgerthums, und obgleich nach einer 
Notiz Bernhards auf der Pergamentdecke seiner Familienchronik 
die Rohrbachc »ich schon im Jahre 1470 einen Adelsbricf erwirkt 
hatten , so redet doch Job nur vou seinen Brüdern Bernhard und 
Konrad Rohrbach und seiner Mutter „der Rohrbacherin". Noch 
1526 schreibt Margaretha llorngin an ihren in Wittenberg studieren- 
den Sohn Johanu Glauburger, dass drei um die Hand der Anna 
Knoblauch werben, zwei Edelleute und Johann Wolf Rohr- 
bach, der Frau Ursula von der grünen Thür Sohn. Job sagt eon- 
stant: Hanum oder Gilbrecht Holzhausen, Johannes Glauburger u. s.w. 
Solche, die wirklich ritterlichem Gesehlechte angehörten oder aus ihm 
stammten, wie die Heusenstamm, Babenhausen und Andere bezeichnet 
er meist mit uobilis oder er giebt ihnen, wie dem Clas von Rückingen 
und Johann von Holzheim bisweilen das Prädicat „von", obgleich 
auch dies kein sicheres Zeichen des Adels ist, wie wir von der Fa- 
milie Meiern wissen 55 . In aller Naivetät erzählt er, dass bei der 
Taufe des Clas Stallburger, desselben, den mau später den Reichen 
nannte — die Bilder seiner Eltern befinden sich, in Oel gemalt, noch 
in der Gallerie des Städel'schen Institutes — am 10. März 1501 der 
Schneider Clas von Haffern, — trotz des Wörtleins „von" vor seinem 
Namen schwerlich ein Adeliger — Pathe gestanden habe 5<t . Den 
Titel „Herr" giebt er in seinen Aufzeichnungen nur den Geistlichen. 

Ein ungemein wichtiges Ercigniss war im Jahre 1495 die Er- 
öffnung des Reichskammergerichts in Frankfurt. Schon im Monate 
September miethete der Rath die Räumlichkeiten dazu in dem Hause 
zum Braunfels auf vier Jahre um dreissig Gulden für das Jahr. 
Hierauf wurde ein Podium mit Sitzen ftlr den Kammerrichter und 
die Beisitzer und eine eigene Bühne für die Procuratoren und Redner 
erbaut : dem Richter wurde eine Art Loge mit Fenstern hergerichtet, 
die Bänke der Assessoren und Notare mit Tuch ausgeschlagen. Stufen 

w §. 173-175. 

4 * Euler, das steinerne Haus und die Familie von Meiern, Mitteilungen 
unseres Vereines B. I. S. 228. 
»« §. 322. 



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führten zu dem Podium hinauf. Am 30. September 14ü5 bestieg der 
römische König Maximilian die Büiine und verpflichtete den Richter 
Graf Kytel Friedrich von Hohenzollern und die Assessoren und No- 
tare, so weit sich dieselben bereits in der Stadt befanden ; die, welche 
später eintrafen , ebenso die niederen Beamten , legten ihren Eid in 
die Hände des Kammerrichters ab. Am 3. November hielt dieser 
die erste Sitzung; zu seiner Rechten sasseu diejenigen Assessoren, 
welche den Doctorgrad hatten, zu seiner Linken die nicht graduirten 
Adeligen (nobiles), unter ihnen nennt Job einen Grafen von Eber- 
atein. Nach Eröffnung der Audienz erinnerte der Graf von Zollern 
die Procuratoren, dass sie in ihrer Sach waltung nach der zu Worms 
ertheilten Instruction zu verfahren hätten, und versprach, dass etwaige 
Mängel an derselben im Laufe der Zeit verbessert werden sollten. • 
Hierauf trat im Namen der Majestät der königliche Fiscal Dr. En- 
gelender als Klüger gegen einen Grafen v Mörs auf. Acht Procura- 
toren waren zugegen, zwei Socretärc fUhrten das Protocoll, ein dritter 
war bestimmt, den gefällten Richterspruch zu verlesen. Es war dies, 
wie Job sagt, die erste Audienz des Kammergerichts, „denn obgleich 
der Richter schon mehrere Sitzungen in Worms gehalten hatte, so 
waren diese doch, wie mäuniglich bekannt, nur ein Vorspiel und Bild 
von dieser 1 ' 57 . 

Am 2. November 1495 begab sich des römischen Königs Perse- 
vant 68 nach dem Römer „und hat alle Fehdebriefe vom Römer ab- 
genommen, aus Ursache, dass unser Herr, der König, alle Fehden, 
die diese Stadt auf das Mal hat, hingelegt hatte" w Für Frankfurt 
trog diese Verkündigung des Landfriedens vorerst sehr fühlbare 
Folgen. Die Stadt hatte erbitterte Feinde in dem umwohnenden 
Raubadel, namentlich in Jost Fruud und den Herren von Hutten, 
die ihr Gebiet seit längerer Zeit beunruhigten und schädigten. Im 



« §. 111-113. 

Jh Persevant von dem französischen poursuivant wurde der Gehülfe nnd 
Lehrling des üerolds genannt, und bezeichnete in Frankreich den ersten der 
Grade, durch welche JÜngHngo aar Ritterwtirdo geleitet wurden. Die Perse- 
vanten begleiteten den Herold und geboten, wenn dieser ausrief, dem Volke 
Stillschweigen. Sie lernton von dem Herold die Wappenkunde, trugen Kitter- 
helm und Lanze und folgten im Kriege dem Heere, daher der Name Waffen- 
persevant. Im Frieden wurden sie auf Kelsen geschickt und besuchten die 
Höfe der Grossen, um sich mit den höfischen und ritterlichen Sitten, mit Tur- 
nieren und Waffenübungen vertraut zu machen. „Des römischen Königs Per 
sevant" bei Job scheint einfach einen Bevollmächtigten aus des Königs Gefolge 
oder vielleicht den Herold selbst zu bezeichnen. 

» §. 114. 

5» 



■ 



— 68 — 

März 1493 hatte das „Gemperlyn", die Glocke, welche die Ankunft 
von Feinden anzeigte, die Bürger und Söldner aufgerufen, weil solches 
Gesindel eine Heerde weggetrieben hatte, obgleich diese nicht Frank 
furter Eigenthuin war. Am 8. Januar 1495 steckten sie eine Scheune 
in Oberrad in Brand ; am 8. Mai ertönte abermals das „Gemperlyn*, 
Jost Frund und die Hutten'schen beabsichtigten einen Raubeinfall in 
das städtische Gebiet; Alles eilte so rasch zu den Waffen, daas für 
dieses Mal die Feinde die Flucht ergriffen. Am 7. Juni vernahm 
man auf's Neue den Schreckensklang; sie hatten diesmal 100 Kühe 
der Gemeinde zu Niederrad geraubt und die Hilfe der Stadt kam 
zu spät. Am 23. Juli überfielen sie zwei Frankfurter Fischer in der 
Nähe von Rurapenheim und misshandelten sie so schwer, daas der 
eine als Leiche in die Stadt gebracht wurde, der andere in der Nacht 
seinen Geist aufgab. Zwei Tage später raubten sie in Dortelweil 
19 Kühe und 27 Pferde sammt ihrem Geschirre. Am 17. August 
verbrannten sie Thüren und Planken auf dem Knoblauchs Hof, dem 
Gute Wolf Blums. Am 26. August überfallen sie nochmals Dortel- 
weil und treiben ausser einigen Pferden viele Kühe, Schweine und 
5U0 Schafe fort. Au demselben Tage, an welchem Maximilian den 
Kammerrichter, die Assessoren und Notare in Pflicht nahm, ver- 
brannten Jost Frund und die Hutten'schen in Bonames acht Häuser, 
und wagten es Tags darauf, der Stadt einen Fehdebrief zu übersen- 
den. So gross war der Schrecken, den diese Vorgänge verbreiteten, 
Jans, als am 4. October eine Mainzische Reiterscbaar in die Nähe der 
Stadt kam, man schon die Räuber vor den Thoren zu erblicken 
meinte, Sturm läutete und die Bürger bewaffnet hinaus eilten, aber 
im Angesichte der vermeintlichen Feinde ihren Irrthum erkannten 
und wieder zurückkehrten 60 . Diesen Belästigungen und Beängstigun- 
gen frecher Raubritter setzte wenigstens für Frankfurt der Landfriede 
zunächst ein Ziel. Job Rohrbach erwähnt ihrer von diesem Zeit- 
punkte an nicht mehr. 

Mit der Eröffnung des Reichskammergerichtes traf ein anderes 
Ereignis« zusammen, das wenigstens in die Gestaltung des geselligen 
Lebens in Frankfurt sehr fühlbar eingriff. Im Monat November 1495 
kaufte nämlich ein Mitglied der Gesellschaft auf Löwenstein , Daniel 
Bromm, „Schöffe und Rath der Stadt Frankfurt, das Hus Laderam, 
gelegen uff dem Eck neben dem Römer gegen dem Hus Limburg 
über, mitsamt dem HiiBrath, der vor die Gäst gehört, die in der 



w t 137 142. 



i 

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Mess darin herberigen, und bezahlte dafür acht und zwanzig hundert 
Goldgulden u und zwar von der Wittwe Anna Schule und ihren 
beiden Enkeln, Peter und Thomas Sossenheiraer 62 , die nach Fichard 
schon früher dies ihr Besitzthum dem Rathe zum Kaufe fUr 4000 
Gulden angeboten hatten, aber abschlaglich beschieden worden waren, 
weil das Haus sich nur mit 100 Gulden verzinste und somit der 
Kaufpreis zu hoch gestellt war. Unmittelbar nach vollzogenem An- 
kaufe bot Daniel Bromm das Haus Laderam, wie Job ausführlich 
berichtet, der StubcngesellBchaft zu Löwenstein zum Kaufe um die 
gleiche Summe an ; die Gesellschaft ging darauf ein und beschloss, 
dem Daniel Bromm sofort tausend Gulden als Angabe abzutragen» 
das übrige aber mit vier Procent bis zur völligen Ablösung zu ver- 
zinsen, so dass, so oft sie ihm zweihundert Gulden abzahle, der jähr- 
liche Zins sich um acht Gulden verringere. Um diese Summen auf- 
zubringen, zahlte jeder Gesolle am Andreastage 1495 zwanzig Gul- 
den und wurde weiter festgesetzt, dass die gleiche Summe inskünftige 
von jedem Sohn eines Gesellen bei seinem Eintritte als Einstand 
entrichtet werden, dagegen jeder, der durch Beweibung Mitglied 
werde, dreissig Gulden zahlen solle. Ebenso wurde mit denen, welche 
auf dem Hause Gülten stehen hatten — es standen nämlich darauf 
15 Gulden - der Vertrag geschlossen, dass dieselben im Laufe der 
Zeit mit achtzehn für einen Gulden abgelöst werden sollten €3 . Es 
ergiebt sich aus dieser Erzählung, dass dor Kauf des Daniel Bromm 
wohl schwerlich ein blosser Scheinkauf gewesen ist, wie man jüngst 
vermuthet hat M . Auch die weitere Darstellung des Job Rohrbach 
zeigt klar, dass die Gesellschaft den Verkauf des Hauses an sie unter 
den angegebenen Bedingungen als ein grosses Verdienst Daniel 
Bromm's angesehen und ihn als ihren Wohlthäter dankbar verehrt 
habe. Ebenso leuchtet ein, dass die Trinkstube auf Laderam nicht 
eine neue Gesellschaft, sondern die bisherige „auf Löwenstein* in 
sich vereinigt habe, wenn auch die Bedeutung, die sie schon in den 
nächsten Jahren erhielt, wesentlich dazu beitragen mochte, ihr neue 
Mitglieder von andern Stubengesellschaften zuzuführen. Die Gesell- 
schaft übertrug zwar sofort auf ihr neues Eigenthum den Namen des 



*' Nach der gewöhnlichen, wie mir scheint, authentischeren Angabe, betrug 
der Kaufpreis nur 2600 Gulden. 

" Vergl. meine Bemerkungen zu §. 316. 
" §. 179. 

" Römer - Büchner, Die Entwicklung der Stadt Verfassung und die Bürger 
vereine der Stadt Prankfurt am Main, Frankf. 1855 S. 224. 



- 70 - 

Hauses, in welchem sie sich vor dem Jahre 1486 zu versammeln 
pflegte, und nannte es Alt-Limpurg M , gleichwohl kommt dieser Name 
bei Job Rohrbach noch nicht vor, dieser nennt nach wie vor Hau» 
und Gesellschaft Laderam, und es scheint somit diese Benennung als 
die herkömmliche noch längere Zeit sich im Munde der Gesellen und 
des Volkes erhalten zu haben. 

Das Zusammentreffen dieses Kaufes mit der Eröffnung des Reicha- 
kammergerichts in hiesiger Stadt war freilich nur ein zufälliges, aber 
für die Gesellschaft von sehr wichtigen Folgen begleitet. Zählten 
auch ihre Gesellen zu den angesehensten Familien der Stadt, so war 
dies doch, wie die Familienchronik Bernhard Rohrbach's zeigt, nur 
ein Vorzug, den sie mit anderen Trinkstuben theilte, wie denn der 
Fall nicht selten war, dass man verschiedenen Stubcngesellschaften 
zu gleicher Zeit angehörte w . Nach Dr. Römcr's Nachweisen scheinen 
mehrere Gesellen der bisherigen Gesellschaft Löwenstein nicht mit 
den Uebrigcn nach Laderam übergesiedelt zu sein", dagegen warb 
die Gesellschaft neue Genossen und zwar mit solchem Erfolge, das» 
Frauenstein 1503 nur noch ein und zwanzig Glieder zählto 68 . So 
hob sich die Gesellschaft auf Laderam oder Alt-Limpurg nun mächtig 
über die anderen Vereine empor; die reichsten und angesehensten 
Familien dei Stadt vereinigten sich in ihrem Schoosc. Durch da« 
Reichskammergericht nahm im Jahre 1495 eine Anzahl hochgestellter 
Fremden ihren Wohnsitz in der Stadt: von den Assessoren bestand 
die eine Hälfto ans Doctoren beider Rechte, die andere aus Dynasten 
und Edeln ; der Karamerrichtcr war ein Reichsfürst ; acht Procura- 
toren dienten als Sachwalter; ausserdem werden Protonotarc erwähnt. 
Die Meisten derselben scheinen in der erweiterten Gesellschaft auf 
Laderam einen willkommenen Mittelpunkt geselliger Vereinigung ge- 
sucht und gefunden zu haben. Zwar mussten anfangs die Sitten und 
der Rang der Gäste dem Frankfurter Bürgerthum als ein fremdes 
Element erscheinen, in dessen Umgebung man sich beengt fühlte: 
„im Jahre 149 ". fiel, wie Job erzählt, die Fastnacht auf den 16. Febr., 
es fand an ihr keine Zusainmcnborufung der Gesellschaft oder Stube 
statt, es war eine Stille, als wären alle ausgestorben, denn die Hin- 
dernisse waren uns die Assessoren und die übrigen adeligen Doctoren, 
nebst den Advocatcn und Procuratoren , denn diese waren allzu 



65 Römer • Büchner a. a. 0. 

ffi B. Rohrbach's Familienchronik §. 106—112 

« Römer -Büchner S. 226. 

» Römer -Büchner S. 216. 



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- 71 



zahlreich gegenwärtig* Aber schon nach einem Jahre waren diese 
Schranken der Zurückhaltung gefallen, die getrennten Elemente 
hatten sich verschmolzen und die Gesellschaft entfaltete ein reges 
und fröhliches Leben. Am31.December 1496 speiste sie zum ersten 
Male auf der grossen Stube des Hauses Laderam: Philipp Kaltofen 
versieht die Stelle des Wirthes oder des obsonii magister. Am 1. 
Januar 1497 folgt ein neues Gastmahl, dem als Wirth Walther Isen- 
berg vorsteht Auch Bernhard und Job Rohrbach nehmen zum ers- 
ten Male Theil und bekunden ihr Geselleurecht mit den 2t) Denaren, 
die sie zu Neujahr dem Stubenknecht Friedrich schenken 70 . Ein 
neues Mahl einigt am Tago der heiligen Dreikönige nicht blos 
die Gesellen, sondern auch Andere: Hans vom Rhyn, der ältere 
Bürgermeister, und Ulrich Neuhaus fuhren als Wirthe den Vorsitz : 
als Gesellen werden 38 Glieder der Familion Marpurg zum Para- 
dies, Heymbach, vom Rheine, Scheidt, Glauburg, Sassen, zum Jungen, 
Frosch, Weiss, Stralenberg, Bromm, Mones, Neuhaus, Völker, Reiss, 
Ifaane, Sossenheim, Rohrbach, Holzhcim, Uffstoin, Heusenstamm, 
MartrorT, Stallburg, Blum aufgeführt; zwei Licentiaten, ein Rosenberg, 
ein Frosch, ein Sossenheimer, ein Dyrmayer und der Rathschreiber 
Melchior sind als Gäste gegenwärtig, die Gesammtzahl beträgt 47 71 . 
Schon am 12. Januar erfolgt eine neue Zusammenberufung zum 
Abendessen, an dem auch Frauen und Jungfrauen theilnehmen : es 
waren im Ganzen achtzig Personen; Küchenmeister waren Johann 
Frosch und Ulrich Neuhaus; ausser den genannten Familien finden 
wir die Namen Holzhausen, Hynaberg, Humbracht, Ergersheim, 
Soh warzen berger, Rückingen, Knoblauch, Fant, Alzey; als Gäste 
werden nur der Licentiat Engel von Hotzfeld und der Meister (Ma- 
gister?) Bingen von Nördlingen aufgeführt. Da sich unter den aus- 
drücklich als Gesellen Aufgeführten die Namen von Mehreren be- 
finden, welche wie Johann von Glauburg, Johann von Rückingen, 
Johann Frosch, Jakob Weiss und Johann Holzheimer nach Faust s 
von Ascbaffcnburg Angabe 72 anfangs den Ueberzug nach der neuen 
Stube abgelehnt haben sollen, so kann dieser ohnehin nur von We- 
nigen versuchte Widerstand nicht von Dauer gewesen sein. Bei 
dieser Mahlzeit führten Gilbrecht Holzhausen und Job Rohrbaeh zu- 
erst einen Reigen mit Lichtern auf und geleiteten darin auf Bofehl 



Jobs Chronik §. 180. 
*» §. 181. 
" §. 183. 

» Körner -Büchner S. 226. 



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- « - 



der älteren Gesellen die junge Braut de« Bernhard Weiss zu Daniel 
Bromm, um diesen dadurch zu ehren, weil er sich gegen die Gesell- 
schaft so freundlich und freigebig benommen und ihr sein Haus zum 
kostenden Preise (justo pretio) abgetreten habe. Nach beendigtem 
Maltlc erschien auch der Markgraf Jakob von Baden, der als Kam- 
merrichtcr an die Stelle Eytel Friedrichs von Hohenzollcrn getreten 
war, mit mehreren Assessoren, Procuratoren und Adeligen des Kam- 
mergerichts und nahm mit ihnen am Tanze Theil Die Kosten des 
Mahles betrugen fünf Schillinge, welche Job von seinem Bruder 
Bernhard geschenkt erhielt 73 . 

Mit besonderem Glänze wurden nun die Fastnachtstage des 
Jahres 1497 auf Laderam begangen. Die jungen Gesellen, denen 
früher gerade in diesen Tagen kein Antheil zustand, wurden schon 
am 22. Januar auf die Stube entboten, und es wurde ihnen hier von 
dem Schultlieissen Dr. Ludwig zum Paradies eröffnet : „dass ihnen 
allen und jeglichen erlaubt sei, uff der Stuben und in der Gesell- 
schaft zu sein und um ihr Geld zu zehren, doch seien Bie gebeten 
und befohlen, züchtig sich zu halten mit Tanzen und willig mit Essen 
vortragen, auch im Tanz sich nit in die Arm umfahen als sonst, 
sondern anstatt desselben Armfahens den Frauen die Hand geben 
und züchtig neigen." Man sieht, dass der Wahlspruch: „züchtig 
fröhlich mit guten Sitten", wie ihn eine alte hölzerne Tafel de» 
Hauses Frauenstein aus dem fünfzehnten Jahrhundert bewahrt, da- 
mals in den Trinkstuben noch immer als Regel galt. Zu gleicher 
Zeit Hess man den Markgrafen Jakob von Baden, alle Beisitzer und 
etliche Advocaten und Procuratoren des Kammergerichts wissen, „wie 
man eine Gesellschaft halten wolle, wollten sie darby sin, so möge 
sie die Gesellschaft fast wohl leiden, dass sie ihr Geld by der Ge- 
sellschaft verzehren". Desgleichen liess mau auch Etliche wissen, 
„die in der Canzlei sin zur Zit der Gesellschaft". Die Fastnachts- 
lustbarkciten wurden mit Nachtimbiss und Tanz am Sonntag Esto- 
mihi den 5. Februar eröffnet. Tags darauf, „uff den Montag zu 
Unteren (Nach mittags) haben vier Burger ein Gesellenstechen ge- 
habt mit Kronlin, mit Namen Conrad zum Jungen, lleilman Stralen- 
berg, Conrad Mones und Clas Stalburg". Hierauf erscheinen wieder 
zum Nachtmahl alle die, welche zur Gesellschaft gehörten oder ge- 
laden waren. Dienstag nach dem gemeinsamen Mittagsmahl fand der 
feierliche Umzug sämmtlicher Gesellen uach dem deutschen Haus, 
St. Johann und St Antonien statt; da Job ausdrücklich bemerkt, 



" §. 185. Zum Folgenden §. 186. 



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73 



das* Jakob von Baden und die Assessoren an diesem Umzüge keinen 
Antheil genommen, sondern erst zum Nachtmahl und Tanz alle wie- 
der gekommen seien, so dürfen wir wohl annehmen, dass sie ausser- 
dem die sämmtlichen Fastnachtsergötzungen mit der Gesellschaft gc- 
theilt haben; am Aschermittwoch hielten Männer und Frauen den 
Mittag und Abend auf der Stube; nach dem Mittagsmahlc wählten 
die letzteren nach alter Gewohnheit zwei Küchenmeister zu der grünen 
Suppe 7 *, Clas von Rückingen und llcn Stralenbcrger, beide Wittwer, 
dann zogen sie hinaus in Hen Glauburg's Garten ; dorthin kamen der 
Markgraf und etliche Beisitzer geritten und verbrachten mit ihnen 
den Nachmittag, den Abend aber auf der Stube. Beim Mittagsmahlc 
der Männer am Dienstage fand die Uechnungsablage statt ; die Kosten 
betrugen auf den Bürger drei, des Rathes Amtleute und andere 
Edelleute gaben nur anderthalb, von dem Markgrafen und den übri- 
gen Verwandten des Reichskammergerichts nahm man nur je einen 
Gulden. Ich bezweifle, ob man mit Grund darauf die Regel anwen- 
den konnte : „wer fremden Gästen gegen Geld Zehrung giebt, ist doch 
gewiss Wirth* n . Am Donnerstag zu Nacht assen die Gesellen aber 
mala mit einander den „Manderkäse ' 76 ; und also hatte, wie Job naiv 
zufügt, diese Prasserei ein Ende. 

Der einförmige Gang des Alltagslebens wurde auch durch die 
Processionen unterbrochen, in welchen man damals das Allerheiligste 



" Die grüne Suppe wurde von den Frauen, auf ihre Kosten gestellt und 
in einem Garten gegessen. Jede Portion wurde nebst eiuer gesalzenen Bricke 
und einem Fläring von einem Paare, wahrscheinlich einem Gesellen und einer 
Frao, veraehrt. Vergl. Römer- Büchner, Wohlleben der Gesellsch. Limb. S. 5. — 
Hierauf zogen Männer und Frauen in Procession durch die Stadt nach der 
Stube. 

75 Diese Bemerkung ist nämlich der einzige Gewinn, den Kömer- Büchner 
S. 225 Aam- seiner „Entwicklung der Verfassung'* u. s w. aus dem von ihm 
eingesehenen Job'schen Manuscripte, das er nach der Glauburgischen Aufschrift: 
..M. S. de Stirpe Rorbachiana, Ulatt 79'* citirt, zu ziehen wusste. Seine tenden- 
ziöse Antipathie gegen die Gesellschaft Limburg, die trübend durch das reiche 
Material seiner verdienstlichen historischen Arbeiten durchzieht, ist übrigens 
leicht erklärlich, wenn man die einseitige Bewunderung und Lobpreisung er- 
wägt, in der sich der gelehrte Fichard kaum genug zu thun weiss. 

» Der Mandelkäse wurde nach dorn erwähnten Buche des Stuttgarter Ver- 
eines Ree. 72 aus gestossenen Mandelkernen bereitet, zu denen man Milch goss 
und Eier schlug; diesen Teig lioss man erkalten, legte ihn dann auf einen 
Teller und bestreute ihn mit Zucker. Der Mandelkäse wurde durch Frauen 
bereitet, welche jährlich dazu von der Gesellschaft gewählt wurden. Dazu 
Khben die Küchenmeister Fische, die Rrodroeister Brod und Backwerk, die 
Lichtmeister Licht Vergl. Römer -Büchner, Wohlleben der Gesellschaft Limburg 



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■ 



- 74 - 

nicht blos durch die Kirchen, sondern auch durch die Strassen der 
»Stadt trug Der prachtvolle Aufzug, den man mit allem erdenk- 
lichen Glanz ausstattete, die in Sammt und Gold strotzenden Crc- 
wänder der ministrirenden Geistlichen, der zahlreiche Klerus der 
drei Stifter, die Mönche, Nonnen und geistlichen Ritter in ihren 
malerischen Ordenstrachten, die Glieder des Rathes in ihren Mänteln, 
machten diese kirchlichen Aufzüge zugleich zu einem Volksfeste und 
gewährten ein romantisches Schauspiel, das nicht blos die Andacht 
durch das Mysterium, sondern auch die Sinne durch den Wechsel 
seiner mannigfachen Gestalten und seiner bunten schillernden Farben 
beschäftigte und erregte. Solcher Processionen wurden vornehmlich 
drei im Jahre veranstaltet, nämlich am Sonntag Exaudi (am Kirch- 
weih tage der Barfüsser), bei welcher stets ein Glied von Bernhard 
Rohrbach's des Alten Stamm mit einem vön ihm gewählten Genossen 
den das Sacrameut tragenden Priester führte 7H , am Frohnleichnams- 
feste und am Tage Maria Magdalenä. Job unterlägst nicht, diese 
Processionen in jedem Jahre umständlich zu beschreiben, besonders 
wenn er dabei persönlich betheiligt war. Die glänzendste ist die 
Frohnleichnarasprocession am 25. Mai 1497 gewesen : Herr Johann 
Greifenstein, Dccan zu' St. Bartholomäi, trug das Sacrament, ihn 
führten die beiden ältesten Schöffen, Hen Glauburg und Johann vom 
Rheine, vier Bürger, unter Urnen Philipp Ugclnheiraer, Georg Roiss 
und Job Rohrbach, trugen den Baldachin, den man in Frankfurt 
den Kasten nannte; vier andere: Heinrich Weiss, Ortgyn zum 
Jungen, Ulrich Neuhaus und Georg Martroff gingen mit brennenden 
Kerzen zur Seite ; dem Baldachin folgte unmittelbar der Kammer- 
richter Markgraf Jakob von Baden mit sechs Beisitzern und mehre- 
ren Procuratoren, an sie schlössen sich der Rath und die Bürger 
an 79 . Auch solche Feste wurden mit Schmauscreien beschlossen. Am 
Abende dieses Tages luden Eberhard von Heusenstamm und seine 
Ehefrau Gutgin in ihren Garten vor der Stadt, genannt die Nio- 
denau, zum Abendessen Fremde und Einheimische : den Markgrafen 
Jakob von Baden, welcher auch hier seines Ranges nicht vergass 
(denn er brachte „den Dorliuger* und zwei andere nobile» mit, dass 
sie ihm bei Tische dienten), zwei Doctorcn, Georg von Nideck und 
.Johannes Pleniger, so wie Vitus von Walrod, goldenen Ritter (d. h. 



" Vcrgl. den Abschnitt Cultus §. 190 flg. 

*• Vergl. Aber die Stiftung dieser Proccsaion B. Kohrbach 6 Familien- 
chronik §. 27 

" Jobs Chronik §. 198. 



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75 - 



wohl, der die goldnen Sporen beim Ritterschlag empfangen hatte), 
alle drei Beisitzer und Edclleute, zwei Reichsschatzmeister, der eine 
hiess Goffart von Klchcn, den Oomtliur des deutschen Herrenordens 
Pankratius von Rheinstein, einen Procurator des Rcichskammer- 
gerichts. Unter diesen bewegen sich Glauburger, vom Rheino, 
Knoblauche, Schwarzenberger, Ergersheimer, Holzhäuser, Rohrbachc, 
Weisse, sämmtlich Gesellen der Stubengcsellschaft Laderam oder 
Limburg, und Job rühmt die opulente Bewirthung der Gäste, zu 
deren ehrenvoller Behandlung der Hausherr aufbietet, was er ver- 
mag so . Es war dies das Abschicdsfcst für den Markgrafen. Schon 
am 12. Mai hatte er die letzto Audienz gehalten ; am 2G. Mai , den 
Tag nach Frohnlcichnam, reiste er mit den Assessoren nach Worms, 
dem zukünftigen Sitze des Reichskammergerichts Auch in der 
Ferne gedachte er in wohlwollender Erinnerung seines Aufenthaltes 
iu unseren Mauern und der frohen Stunden, die or auf Laderam zu- 
gebracht hatte; noch zwei Jahre später, am 21. Januar 1499, ver- 
speisten Männer und Frauen Abends den Hirsch, den Markgraf Jakob 
von Baden der Stubcngesellschaft geschenkt hatte 82 . Diese blühte 
immer sichtlicher auf; während der Fraucnstein auf wenige Gesellen 
zusammengeschmolzen war, so zählte die Stube auf Laderam die 
meisten Schöffen und Rathsinannen zu Gliedern ihres Vereines; ihre 
Gesellen führten den Priester bei den Processioncn , trugen den 
Kasten, begleiteten ihn mit Kerzen; an Fastnacht veranstalten sie 
öffentliche Aufzüge, Gartenfahrten und Gcsellenstechen; seit dem 
Jahre 1500 werden ihre Leichen von dem gesammten Klerus der 
Pfarrkirche zu Grabe geleitet; ohne Zweifel trug auch der vertraute 
Umgang mit den Verwandten des Rciehskamniergcriehts, mit Reichs- 
tursten und Reichsgrafen, dazu bei, ihre Ansprüche zu steigern, das 
Verlangen nach Erhöhung ihres Ranges und nach Adelsbriefcn zu 
erwecken und ihr Leben mit jenem glänzenden Luxus auszustatten, 
zu dem ihr Rcichthum ihnen die Mittel bot, den aber schon in der 
ersten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts ein Theil der Bürger- 
schaft mit unverhohlenem Unmuthe betrachtete und bisweilen mit 
beissendem Spotte gcisselte. Durch das Aufblühen des römischen 
Kechtsstudiuins war der römische Rechtsbegriff des Patriciers in 
Deutschland im fünfzehnten Jahrhundert bekanntgeworden und wurde 
auf deutsche städtische Verhältnisse angewandt; in Frankfurt wird 



*» §. 116. 
bl §. 115. 
".§. 187. 



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- 76 



er nicht Mos durch einheimische Juristen, sondern auch durch die 
Doctoren des Reichskammergerichts unter den Gesellen von Laderam 
Eingang gefunden haben , und bald erwuchs er zu einer Lieblings- 
idee, deren Verwirklichung mit allem Eifer des Ehrgeizes angestrebt 
wurde. So bildet sich allmählig aus der Stubengesellschaft zu La- 
deram oder Alt-Limpurg ein städtisches Patriciat ; das bürgerliche 
Bewusstsein und Wesen, das sie sich als Gesellschaft auf Jjöwenstein 
zu bewahren verstanden hatte, wurde ihren Gliedern fremder, und 
der Aufwand, zum TheSI auch der Ueberrauth, des Junkerthuma *» 3 
trat an die Stelle der alten soliden Einfachheit. 

Nächst den Processionen boten die Passionsspiele ein zwar sel- 
tenes, aber darum um so fesselnderes und noch weit volkstümlicheres 
Schauspiel dar, in welchem Scherz und Ernst, kirchlicher Geist und 
der Sinn für weltliche Lustbarkeit, wie in dem Volksleben des Mittel- 
alters überhaupt, sich in wunderbarer Mischung poetisch durchdrangen. 
Wie wir aus den Frankfurter Collectanccn desKanonikuß undCustos 



yi Der Name Junkherr kommt bei Job nirgends vor; dagegen nennt sein 
Vater Bernhard in der Familienchronik (§. 70) den jüngeren Bürgermeister 
„Junkhcrrn-Bürgermeister", den älteren „Schöffen Bürgermeister". Dies ent- 
spricht aber nur dem Sprachgebrauch , nach welchem die Glieder der zweiten 
Rathsbank Junkherru, d. h. jüngere Herrn imGegensatze zu den älteren Raths- 
glicdern , den Schöffen, genannt wurden, und bezeichnet somit einen auf da 8 
Amt, aber keineswegs auf die Geburt und das Geschlecht gegründeten Rang. 
Noch heute nennen die niederen Bediensteten im Römer den jüngeren Bürger- 
meister den , jungen Herrn". Diesem deutschen Sprachgebrauche entsprechend 
finden wir bei Job Rohrbach die lateinischen Ausdrücke scabinus und domicel- 
lus gebraucht. Da nämlich der ältere Bürgermeister aus der Schöffen-, der 
jüngere Bürgermeister aus der Rathsbank gewählt wurde , sagt er in seinen 
Notizen über die Burgermeisterwahlen stets, jeuer sei tamquam senior oder 
tamquam scabinus, dieser tamquam junior oder tamquam dorn ic eil us Bür- 
germeister geworden, vergl. §. 120. 121. 123 124. 125. 128 Ebenso heisst es 
§ 127 von Jacob Straluubcrger, (iiibrecht Holzhausen und Thomas Mass, sie 
seien am 10. Juli 1401) in consilium franckfurdiense et in consulares und zwar 
o ran es ut domicelli erwählt worden. Consularis ist also der allgemeine 
Begriff, der sich wieder in scabinus. domicellus und vulgaris speeificirt. Dem- 
getnass berichtet Job §. 104, als er im Namen seiner sämratlichen Hausgenossen 
die Reichsschatzung am 9. April 1107 entrichtet habe, seien zum Empfange 
derselben vom Rathc verordnet gewesen, sein Vetter Georg Frosch tamquam 
scabinus, sein Vetter Haman Holzhausen ut domicellus und nicht zugegen sei 
gewesen Johannes Hechten tamquam de vulgaribus. Es ergiebt sich somit aus 
Bernhards und Jobs Chroniken, dass nach Frankfurter Au»druckswei«e domi- 
cellus und Junkherr ein Rathsglied zweiter Bank bezeichnete. In anderer 
Bedeutung wird uns unten das Wort domicellus in einer älteren Rohrbachischen 
Urkunde begegnen. 



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— 77 - 



Philipp Schurg am Bartholomäusstifte (f 1601 ) M ersehen, sind solcher 
Schauspiele vier, nämlich in den Jahren 1467, 1468, 1498 und 1506 
hier aufgeführt worden S5 . Das im Jahre 141*8 gegebene, welches 
unter der Leitung eines Vicars an der Liebfrauenkirche, Jakob Kol- 
messer stattfand, wird von Job Rohrbaeh nach seinem Gegenstaude 
und seinem ganzen Verlaufe beschrieben. Es erhellt aus dieser Be- 
schreibung, dass es nicht, wie Fichard annahm, von den Schülern 
des Bartholomäusstiftes, sondern von einem Vereine von Männern 
gegeben wurde, der sich dazu aus Geistlichen und Laien frei gebil- 
det hatte. Job erzählt: „Im Jahre 1498 am 4. Juni, dem 2. Pfingst- 
tage , wurde hier vor dem Rathhause, dem Römer, auf einer dazu 
eigens aufgebauten Bühne ein Schauspiel veranstaltet, an welchem 
280 Personen, mit Gewändern und Anderem, wie es sich ziemte, 
wohl gekleidet, Theil nahmen. Sie spielten an diesem Tage zuerst 
die Aufopferung des einzigen Sohnes Abrahams, die Geschichte der 
Susanna, des reichen Mannes und des armen Lazarus und des ver- 
lorenen Sohnes. Als dies vorüber war, bekleidete sich Balthasar, 
der Pfarrer in Ober-Eschersheim (nach Schurg wohl richtiger : Esch- 
bach) mit einem grauen Gewände (denn vorher hatte er den himm- 
lischen Vater gegeben) und eröffnete, mit einem Diadem gekrönt, die 
Person Christi darstellend, die Passion, deren ganzen Verlauf er im 
Spiele durchführte. Er begann mit der Wahl der Apostel. Am f>. 
Juni spielte er die Leidensgeschichte bis zur Gefangennehmung im 
Garten ; als Gefangener wurde er hierauf durch die Strassen unserer 
Stadt gefUhrt. Am 6. Juni, dem Mittwoch und Quatember, wurde 
er abermals lange durch die Stadt geführt, und als sie die Bühne 



•* Ob Philipp Schurg wirklich der Verfasser dieses Manuscriptes sei, scheint 
mir noch einer Untersuchung zu bedürfen. Auf dem Umschlage desselben 
kündigt er sich nur als Besitzer des Buches au: possidet tue Pb. Schurg, eine 
Thatsacbe, weiche wenigstens zur Zeit noch die Verranthung begünstigt, dass 
Schurg die Autorschaft erst einem MissverstSndniss des Verfertigen der Aus- 
zugs in der Uffenbachischen Manuscriptensammlung zu danken hahen könne. 
Dieser Auszug scheint übrigens nur eine Compilation Schurg "scher und König 
»tein'scber Notizen zu sein. 

«• M. S. Schurg p. 186 flg. Anno gratiae 1498 fuit ludus passionis Francoforti 
*t fuere in illo 265 personae. Saluator dominus Balthasar, parochus in Esch- 
bach, Rector D. Joannes Kolmesser. Anno 150G iterum fuit Indus passionis 
Francofurti Salvator Wilhelmus S tei n de Cassel, parochus trium 
reg am in Sachsenbausen. Rector Dominus Joannes Kolmesser et Dominus 
Petrus Seigenstadt, vicarii montis B. Mariae Virginia. Fuerunt personae in 
ludo 267. Anno 1467 fuit ludus passionis Francofurti. Salvator Ewaldus Totteti- 
feld. Rector Dominus Enolpbus. Anno 1468 foit ludus extremi indicii et Anti- 
christi. Rector Joannes Vag. 



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- 78 - 



betreten hatten, vor Hannas etc., dann schlugen sie ihn an das Kreuz, 
an welchem er beinahe zwei Stunden hing. Am 7. Juni, dem Don- 
nerstag nach Pfingsten, trugen sie sein Kreuz mit denen der Räuber 
vor das Thor von Haddenhausen. Am 11. Juni luden die Theil- 
nehmer am Spiele den ganzen Rath zum Mittagessen ; dieser schenkte 
ihnen zwei Ohm Wein und 20 Goldgulden; ebenso bewilligte er 
ihnen die Bretter und Balken, woraus die Bühne erbaut wurde, in 
grosser Menge, aber unter der Bedingung, dass sie dieselben zurück- 
gäben, und das, was daran verdorben oder zerschlagen wäre, be- 
zahlten ; auch mehrere andere Bürger und kirchliche Personen luden 
sie ein, welche sie dafür beschenkten. Ebenso zahlte jeder Theil- 
nehmer am Spiele und jede Person (wohl von den Zuschauern?) der 
Gesellschaft anfangs einen Ort, wovon die Zuriistungen zum Spiel 
bestritten wurden" 86 . 

Der vorherrschend kirchliche Charakter dieses Spieles zeigte sich 
in einer Nachwirkung desselben : am Magdaleucntag , dem 22. Juli 
149X, trug das Sacrament wieder der Dccan Johannes Greifensteiu, 
Hen Glauburg und Hans vom Rheine führten ihn; Georg Neuhaus, 
Job Rohrbach, Arnold Reysa, Philipps Ugclnhcimcr trugen den Kasten, 
Ludwig liolzhausen, Georg Martroff, Heilmann Stralenberg, Ulrich 
Neuhaus die Kerzen; diejenigen aber, welche die Passion gespielt 
hatten, folgten dem Rathe in der Procession, angekleidet nach dem 
Charakter, den sie dargestellt hatten ; den Erlöser stellten diesmal 
fünf dar, der eine als Gefangenen , der andere in weissem Kleide, 
der dritte trug die Säule, der vierte das Kreuz, der fünfte zeigte ihn 
auferstanden, und dieser war es, der während des Spieles selbst alles 
wie Jesus gethan und geduldet hatte * 7 . Dafür, dass Job den Kasten 
getragen hatte, gab ihm am 3. Januar 1491) der Bürgermeister Mi- 
chael Schwarzenberger statt der zwei alten Bleygen, die er mit seiner 
Mühewaltung verdient hatte, drei neue. Mit dem neuen Jahre waren 
nämlich die alten mit den zwei „Brachen" (zwei Hunden) und den zwei 
Trauben abgeschätzt worden ; die neuen zeigten auf ihrem Gepräge „eine 
Kanne sonder Litt oder Deckel", aus der zwei Trauben wachsen und 
zu beiden Seiten herabhängen. Das eine gab er seiner Mutter, das 
andere seinem Bruder Bernhard, das dritte dem Kanonikus Herrn 
Eberhard Becker. Als am 18. Juni 14D9 Johannes Hess in der 
Pfarre auf der grossen Orgel, obgleich kaum so viel Claven und 



»c §. 214. 
w §. 215 



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- 79 — 



Pfeifen, dass es geschehen konnte, gestimmt waren, den Gesang des 
Salve regina begleitete , schenkte auch ihm Job ein Rathsblcygcn **. 

Bei der Magdalcnenprocession im Jahre 1497 hatte das Sacra- 
ment Nicolaus Kruder, Bischof von Samland, ein Frankfurter Kind, 
getragen 89 , was ich gerne hier erwähne , theils um das Andenken 
eines sonst unbekannten, zu hohen kirchlichen Würden emporge- 
stiegenen Bürgersohnes jener Zeit zu erneuern, theils weil solehe 
Notizen zum Thoil die Thatsaehc erklären mögen, dass hiesige 
Kirchen von auswärtigen, fern wohnenden Bischöfen mit Ablasspri- 
vilegien ausgestattet wurden. Audi Frankfurter Laien finden wir in 
dem Dienste auswärtiger KirchenfÜrsten, so war Dr. Georg Hell, ge- 
nannt Pfeifer, Kanzler des Kurfürsten von Mainz; er nahm ein 
trauriges Ende, am 5. August 1498 fiel er im Münzhof dahier in 
eine noch nicht völlig ausgebaute Cloakc, und starb bald, nachdem 
man ihn herausgezogen hatte 90 . 

Wie gerne man überhaupt aus kirchlichen Handlungen ein 
Schauspiel machte, beweist das Gepränge, womit am 19. August 1494 
eiue Judentaufe in der Bartholomäikirche vollzogen wurde. Eine 
schwäbische Jüdin begehrte freiwillig die Taufe, wie sie behauptete, 
von der Jungfrau Maria selbst dazu veranlasst, eine Motivirung, wie 
sie bekanntlich bis zu unseren Zeiten in speeifisch römischen Kreisen 
wiederkehrt Um diesem Acte eine grössere Feierlichkeit zu geben, 
hatte man vor dem Hauptaltare eine Bühne aufgeschlagen und auf 
diese das Taufbecken gestellt Die angesehensten Jungfrauen der 
Stadt erboten sich zu Pathinnen und geleiteten die Neophytiu in 
Procession zur Kirche. Mit ihr bestiegen zwei derselben , Anna 
Blumin und Christina Froschin, die Bühne. Nach vollzogener Taufe 
stimmte das versammelte Volk den Gesang an : „Nun bitten wir den 
beigen Geist". Hierauf führten die Jungfrauen sie wiederum in 
feierlichem Aufzuge nach dem Hause des Pfarrers 91 . Ein anderes 
kirchliches Schauspiel, das selbst damals den Verständigen zum An- 
stoss gereichte, bereiteten im Jahre 1496 der Frankfurter Gemeinde 
die Dominikaner. „Am 3. April nämlich, dem Ostersonntag, predig- 
ten, wie Job erzählt, bei den Predigern drei zu gleicher Zeit: der 
Lector auf dem Kirchhofe, der Subprior in der Kirche, ein dritter in 
dem Kreuzgang (in ambitu) und überschrieen einander so, dass aus 



«» §. 216. 217. 
8 » §. 199. 
» §. 266. 
»• §. 203. 



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- 80 - 



diesen Reden dem Volke keine Erbauung (devotio), sondern nur Ver- 
wirrung (confuaio) erwuchs" 9J . 

Charakteristisch ist es, dass Job nirgends der Jagd als Be- 
schäftigung und Belustigung der höheren Stände, wohl aber neben 
dem Reiten, dem Fischfange und dem Stechen mit Krönlein und 
Kolben, namentlich der Schiessübungen gedenkt. Die, welche man 
später Patricier oder Junker nannte, hatten ihren eigenen Schiessplatz 
auf dem heutigen Holzgraben, den man damals noch den Schies* 
graben nannte, unmittelbar hinter der Kirche unserer lieben Frauen 
auf dem Berge. Eine solche Schiessbelustigung wird uns in sehr an 
schaulicher Weise geschildert : „Anno 1496 am 20. Juli sind uff dem 
Schiessgraben zwischen den Porten by sant Katheriuen Kirchen nach 
Mittag zusammenkommen in einer guten ehrlichen Gesellschaft Dr. 
Florentius von Veningen, Katharina Holzhuserin, Haman, ihr Sohu, 
und Margret, Hamans Husfrau, Gilbrecht, auch ihr Sohn, Eilchin 
Rohrbächerin und ich Job, ihr Sohn, Katherina, Gilbrechts Holzhusen 
seliger Gedächtniss Wittwe, Ludwig, ihr Sohn, Karl Honsberg und 
Martha, sin Husfrau, min Joben Schwester, Johann Holzheiiner, und 
haben des Unterens (Nachmittags) die Gesellen, welche wollten, ge- 
schossen, um ziemliche Kleinodien von Zinnwerk; des Nachts hat je 
ein Husgesäss zwei Maass Wins bracht, und nach dem Nachtmal 
geschossen, Frauen und Mann, wer da wollte, bis um zehne, also 
dass drei Licht by das Blatt (die Scheibe) gesteckt worden und eins 
vor den Anzeiger, und nach dem Nachtmahl sind dazu kommen Ort 
zum Jungen, der jüngere, und Herr Albrecht Prolin, der Hulzhuserin 
zu Goldstein Kaplan.' 1 Ob dieses Schiessen mit Armbrüsten oder mit 
Büchsen stattfand, wird uus mcht berichtet ; doch ist mir das Erstere 
wahrscheinlich M . Der Büchsen bediente man sich unzweifelhaft bei 
den öffentlichen Schiessen, an welchen Bürger aller Stände und 
namentlich auch der Zünfte Theil nahmen. Ueber diese liegen uns 
zwei Berichte Jobs vor. 

„Arn 13. Novembris 14% hat hie ein Schiessen angefangen mit 
der Handbüchse, das hat gewährt drei Tag und sind der Schützen 



»» §. 194. 

> 3 Diese Verrauthung stützt sich theils auf den Umstand, dass Job Rohr- 
bach unter seinen Anschaffungen und Geschenken zwar eine Armbrust, aber 
nie eine Büchse erwähnt, theils auf die freundliche Mittheilung des Herrn Se- 
nators Dr. v. Heyden, der den noch am Anfang dieses Jahrhunderts bestehen- 
den Scbieesplatz auf dem Graben in seiner Jugend selbst gesehen und mir 
ausdrücklich versichert hat, dass derselbe nuch damals noch ausschliesslich von 
den Stahlschützen, d. h. den Armbrustschtttzen, benutzt wurde. 



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— 81 - 



106 gewesen und der Kleinod, darumb man geschossen hat, fünf und 
zwanzig, mit Namen drei Ochsen, ein schwarzer Hut mit einer sil- 
bernen Röhre, vier Ellen schwarzen Schamelot und zwanzig zinner- 
ner Kleinod, ab Flaschen, Gläser, Fass, Gelten, Teller, Kannen etc. 
Den besten Ochsen gewann Einer heisst Thomas, Büchsenmeisters 
Sohn, sitzt bei der Bockenheimer Porten; den andern Ochsen ge- 
wann Conrad Neuhaus, min Vetter, den dritten ein Büchsenmeister 
Ton Menz ; den Hut mit der silbernen Röhre N. N. Schuhläpper 
(Schuhflicker) by Sant Johann, den Schamelot gewann Dyll, ein 
Lederverkaufer uff dem Krautmarkt, die Sau gewann Hans Syd, 
unser Schmied, und haben die Frankfurter Schützen neunzehn Klein- 
heit (Kleinod) unter den fünf und zwanzig und die Hauptkleinod 
alle, usgenommen den dritten Ochsen. Und haben sie geschossen uff 
dem Fischerfeld in zween Schirm (Scheiben) und die Läng des 
Schusses vom Stand an bis zum Schirm ist 336 Ellen: mit einer 
Schnur ist es also gemessen worden. Item hatte Schnabels Sohn 
eine Pritsch, und welcher Schütze sechs Schüsse nach einander des 
Schirmes fehlte, den schlug man mit der Pritschen oder musst vier 
Denar geben, and schössen die Schützen zehn Schuss. Auch sind 
der Kleinod, zum Ritterschuss verordnet, mit Namen zwei Hüt' und 
ein Barret und ein silberner Landsknecht mit einer silbernen Helle- 
barten." Im Jahre 1500 fand abermals ein Schiessen mit der Hand- 
büchsen auf dem Fischerfelde statt, an welchem siebenzig Männer, 
sieben aus Mainz, drei von Oppenheim, einer von Gelnhausen, drei 
von Oberrad, alle Uebrigen hiesige Bürger, theilnahmen. Der Rath 
hatte dazu den Ochsen und zehn Viertel Wein gegeben. Den Och- 
sen trug damals des Rath es Schmied, das damastene Wams ein Fi- 
scher davon, den silbernen Becher Bernhard Weiss. Es waren im 
Ganzen dreissig Kleinodien, von denen die von Mainz und die von 
Oppenheim je eins in ihre Herberge brachten. Die Oberräder ge- 
wannen den Hut mit der silbernen Röhre im Ritterschuss. Auf dem 
Schiessplatze waren drei Zelte aufgeschlagen, zwei für die Schützen, 
das dritte zum Spiel Auch war eine Kegelbahn eingerichtet, auf 
welcher „ein Schieb" mit einem Heller, drei mit einem Weisspfennig 
bezahlt wurden; sämmtliche Kegelpreise fielen den Frankfurtern zu. 
Auch diese Lustbarkeit währte drei Tage 94 . 

Manche Gebräuche des Volkslebens finden wir in Jobs Auf- 
zeichnungen zu unserem Bedauern mehr flüchtig angedeutet, als aus- 
fuhrlich beschrieben. Der Anfang des Jahres war noch nicht über- 



» §. 218. 219. 

6 



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einstimmend festgesetzt. Tbeil weise datirte man Neujahr von dem 
Christfeste an, und folglich vou dem 25. December, theilweise von 
dem Feste der Beschneidung Christi, also von dem 1. Januar. Eine 
Differenz konnte sich dabei nur für die Tage ergeben, welche zwischen 
diesen beiden Terminen in der Mitte lagen. Job Rohrbach versäumt 
darum bei den Daten dieses Zeitabschnittes nie anzugeben, welcher 
Anfang gemeint ist ; er sagt : „im Jahr 1497, das Jahr vom Anfang 
des Januars beginnend; oder am 30. December 1502, des Jahres An- 
fang von dem Geburtsfeste gerechnet" ; im letztem Falle ist also das 
Jahr 1501 gemeint 95 . Das Verwaltungsjahr lief ursprünglich wie 
noch im sechzehnten Jahrhundert vom 1. Mai bis zum 1. Mai : an 
diesem Tage, wenn er nicht auf einen Sonntag fiel, wurden die 
Bürgermeister gewählt und die Aerater im Regimente neu besetzt **. 
Die Kathsprotocolle, wie die Stadtrechnungsbücher, fangen von diesem 
Termin an. Es war die Zeit der alten germanischen Mai Versamm- 
lungen, sowie der feierlichen Gerichtssitzungen, die man Maigedinge 
nannte. Auch sonst hatte in dem Leben der germanischen Stämme 
der 1. Mai eine grosse Bedeutung Mit ihm beginut die schöne 
Sommerzeit, die mau selbst geradezu Mai nannte, in der nicht nur 
die Natur zum Leben erwacht und sich in das bunte Festgewand 
der Farben kleidet, sondern auch in den menschlichen Herzen Lust 
und Liebe sich in frischem jungem Triebe regen. In vielen symbo- 
lischen Gebräuchen wurde dies ausgedrückt In manchen Gegenden 
wurde am Sonntage Lätare in der Mitfasten der winterliche 
Tod ausgetragen, oder auch der Winter verbrannt und der Sommer 
singend begrüsst. Am Anfang des Mai's wurden im heidnischen 
Norden hohe Feste gefeiert: Gottheiten, in denen sich der Sommer 
oder der Frühling persqnificirte , hielten ihren segnenden Umzug. 
Am 1. Mai wurde noch bis in die neuere Zeit in England, Frank- 
reich, Deutschland und dem seandinavischeu Norden in mancherlei 
Weise der Sommersanfang begangen, „der Sommer empfangen ' ; der 
Mai wurde festlich eingeholt: dahin gehörte das Maireiten, die Er- 
nennung der Maigrafen und Aehnliches; Mayen, d. h. entweder Mai 
bäume oder Maibusche, Maizweige und Maisträusse wurden in die 
Gemeinden gebracht. Die Maibäume wurden theils an den Haupt- 
platz des Ortes, vor die Küche oder das Rathhaus gesetzt, theils 
auch in grosserer Anzahl vor andere Häuser, besonders Solcher, die 
man auszeichnen wollte, gepflanzt: die Maibusche oder Sträusse hef- 



* 8- 71 und § 17. 33. 97. 17». 
" f 119 flg 



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- 83 - 

tete man vor die Thtiren der Frauen und Jungfrauen M . Die letztere 
Sitte bestand in Frankfurt und war besonders unter den Gesellen 
der Trinkstuben Üblich. Diese „steckten Mayen und Briefe den 
Jungfrauen und Frauen", um deren Gunst sie sich bewarben und denen 
sie dadurch ihre Verehrung bezeugen wollten. Die Briefe enthielten ein 
Bild mit einer Devise. Lersner erwähnt einige derselben : am 1. Mai 
1464 steckte Adolf Knoblauch seiner Verehrten einen Mayen mit der 
Devise : „Und ich, wie kann ich offenbar, um den unwiderstehlichen 
Zauber ihrer Beize anzudeuten; dieser Gedanke war in dem Bilde 
durch einen Mann versinnlicht, der mit einem Siebe Wasser aus einem 
Bache zu schöpfen versuchte. Heu Knoblauch fugte zu seinem Mayen 
eine Hand, welche ein Gewicht an einer Schnur in einen Brunnen 
hinabliees, mit der Umschrift: „Falscher Grund ist myra Herz onkund 4 * 98 . 
Gegen Ende des Mittelalters fand man diesen poetischen Brauch un- 
vereinbar mit der züchtigen Sitte, durch die man die Fröhlichkeit 
gemässigt wissen wollte; Job Rohrbach erzählt: „Anno 1495 prima 
maji nec poatea (am 1. Mai 1495 und später) hat man keiner Jung 
frauen oderWittfrauen oder Frauen uff unser Stoben oder derglichen 
May noch Brief gesteckt nach alter Gewohnheit". Aus seinen Be- 
merkungen zu den Jahren 1496 und 1497 ersehen wir überdies, dass 
man die Mayen nicht nur ,,vor der Jungfrauen und Frauen Thor", 
sondern an die HausthUren selbst gesteckt hatte, und dass „soliches 
geschehen war von den jungen Gesellen*, also von den Unverheira- 
teten •». Eines andern Gebrauches gedenkt er zum Jahre 1494. Am 
Tage des Apostel Bartholomäus nämlich legte er den beiden Mägden 
seiner Mutter das Loos, und die Köchin Katharina zog sich den 
Apostel Matthias, die Hausmagd Margaretha den Thomas 10 °. Der 
Zweck dieses Loosziehens war ohne Zweifal die Wahl eines Schute- 
heiligen. Wie sehr überhaupt selbst gebildete Männer jener Zeit 
zum Superstitiösen neigten, zeigt ein Recept, das Job Rohrbach von 
einem Bürger zu Speyer, Peter Dradh, empfangen, das ihm der Pro- 
tonotar des Kammergerichts, Johannes Storch, aus eigener Erfahrung 
als probat empfohlen und er in seinen Aufzeichnungen gewissenhaft 
eingetragen hat. Es lautet : „Wenn man brauchbares Bauholz haben 
und dasselbe vor Schwamm und Fäulniss bewahren will, so darf es 



" Reinsberg-Dttringsfeld, das festliche Jahr. Hai. 
* Lersner II, I, 804. 
»» §. 222-224. 
«oo f. 226. 

6» 



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84 - 



nur bei abnehmendem Monde und von einem solchen gefallt werden, 
der an diesem Tage und der vorhergegangenen Nacht mit keinem 
Weibe, auch nicht dem seinigen, Umgang gepflogen hat Willst du 
Steine zum Bau deines Hauses setzen, die nicht nässen oder aua- 
schwitzen, wie es leicht im Winter und sonst zu geschehen pflegt, so 
betrachte genau den Steinbruch und lasse an der Ostseite desselben 
graben, besonders wenn die Steine in die Wände der Stuben gefügt 
werden sollen. Schlachtest du Schweine, um für das Haus Speck 
und im ganzen Jahre Fleisch zu haben, dann thue es bei abnehmen- 
dem Mond, damit der Speck und das Fett nicht so reichlich aua- 
fliesse, wie es bisweilen zu geschehen pflegt" 1<M . 

Im Allgemeinen herrschte noch Einfachheit der Sitte und ehr- 
bare Zucht Doch fehlte es auch nicht an mancherlei Unfug und 
Muthwillen. Am 12. November 1494 wurden Nachts in der Krämer- 
gasse — so nannte man die Strasse, die von St Bartholomäi nach 
dem Samstagsberg führt, den heutigen Markt — alle FUsse, d. h. 
Hölzer, welche vor den Thüren hingen und mit welchen die Eintre- 
tenden zu klopfen pflegten, damit ihnen aufgethan werde, abgerissen 
und Uber die Mauern auf den Kirchhof der Dominikaner geworfen. 
Auch wurden einige Fenster der Kirche des Predigerklosters einge- 
worfen. Die Urheber dieses nächtlichen Unfugs wurden nicht er- 
mittelt m . Doch fehlte es auch nicht an schwereren Vergehen und 
sie werden mit der ganzen Härte, wie sie der damaligen Rechtspflege 
eignete, geahndet. So wurden am 6. April 1496 drei Räuber ver- 
brannt, die ausser anderen Verbrechen in Dieburg die Monstranzen 
und das Gefüss mit den Hostien gestohlen — einer hatte deren sech- 
zehn, der andere weniger verschlungen — mehrere Almosenstöcke ge- 
plündert und in Frankfurt bei St Peter einen Mann getödtet, andere 
beraubt hatten. Nach Lersner wurden ihnen Infuln auf das Haupt 
gesetzt, auf welchen ihre Verbrechen abgebildet waren 103 . Ein An- 
derer wurde am 1. September 1497 gehenkt, weil er einen Kelch 
geraubt, am 16. September 1496 ein Jude verbrannt, weil er 
eine Münze beschnitten hatte ,M . Hans Drach wurde wegen Unzucht 
an einer Ehefrau und ihrer Schwiegermutter am 7. Januar 1497 ent- 
hauptet 106 . Doch pflegte man die Hinrichtungen von Adeligen der 

§. 227. 
•02 8- 143. 

§. 152. Lersuer II, I, 688. 
«" §. 161. 148. 
'•» §. 150. 



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- 85 - 



Oeffentlichkeit zu entziehen. So wurde Einer (Lersner nennt ihn 
Hans Flogel von Babenberg), der wegen Aufrühre (oder wie Lersner 
angiebt wegen seiner Mithülfe an der Ermordung von Moschel 
Henschin) in der Messe eingezogen worden war, aus Rücksicht auf 
seine Eltern am 26. September 1496 Nachts bei geschlossenen Thoren 
am Maine enthauptet und auf dem Kirchhof zum heiligen Geist be- 
graben 10 *. Bisweilen entzog indessen das Asylrecht der Kirchen den 
Verbrecher dem Arm der strafenden Gerechtigkeit Als Harnes Sohn 
aus Sachsenhausen mit einem Schererknecht mit gewaltsamem Ein- 
bruch in das Haus zum Ellenbogen (A. 67) bei den Predigern bei 
Nacht gedrungen war und einen daselbst wohnenden Bürger mit 
seiner Geliebten misshandelt hatte, fluchtete er mit Tagesanbruch zu 
den Barfussern, sein Helfershelfer zu den Antonitern, und so ent- 
kamen sie beide 107 . 

Das Verhältniss zu den Dienstboten war noch ein patriarchalisches 
und ungleich enger als in unseren Tagen. Sie nahmen an allen 
Freuden und Leiden Theü. Job Rohrbach legt der Köchin und der 
Hausmagd seiner Mutter die Loose. Er ist bemüht, in schwierigen 
Fallen und Verlegenheiten ihnen mit Rath und That zu helfen. Ihre 
Treue wurde durch Legate belohnt. Um so schwerer wurde Untreue 
geahndet. Die Köchin Karl HynBberg's wurde wegen Diebstahls auf 
den Katharinenthurm gebracht, und weil sie nicht gestehen wollte, 
dreimal an einem Tage mit einem Stricke in die Höhe gezogen und 
ihre Glieder auseinander gerenkt. Selbst dem harten Sinne der Zeit 
musste diese Behandlung anstossig erscheinen. Auf die Fürbitte 
zweier Fürsten und dreier Fürstinnen, welche auf der Reise nach 
Aachen durch Frankfurt kamen, wird sie der Stadt verwiesen 108 . 

Auch baulicher Veränderungen gedenkt Job in seinen Tage- 
büchern. Im Jahre 1494 wird der Befestigungathurm bei der Mainzer- 
pforte bis zum Gct'ängniss abgebrochen, neu aufgebaut und mit weisser 
Farbe angestrichen. Auf Peter und Paul im Jahre 1494 schlug der 
Blitz in den Bockenheimer Thurm , schädigte den ThUrmcr und 
dessen Frau und verbrannte das Gebäude; erst 1496 wurde er auf 
dem alten Fundamente neu autgeführt. Im April 1496 wurde der 
Rosazoll auf dem Rossmarkt erbaut ; da Job die Lage des Hauses 
..uff dem Rossmarkt uff dem Hircz graben 1 ' angiebt, so kann es noch 
nicht das spätere sein, welches auf dem Grund des heutigen Zeit- 



w« S. 1*6. Lersner a. a. 0. 687. 
»« §. 204. 

•* §. 147 vgl. §. 117. 



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- 86 — 

mann'schen Hauses neben St. Maternus stand. 1496 errichtete der 
Rath die Mehlwage auf der Eschenheimer Gasse nahe bei der Pforte 
und führte einen neuen Brunnen auf jener auf, wie es scheint, den 
ersten in dieser Gegend; er gab dazu nur eine Beisteuer, das übrige 
mussten die Nachbaren zahlen. Die interessanteste Mittheilung, die 
wir in diesem Punkte erhalten, ist offenbar die folgende: „Anno 
1495 im Monat Junii oder kurz zuvor hat der Rath die Krämen von 
der Weber Kaufhaus an bis hervor an das Eck der BarfUsser lassen 
von neuem anfangen uffzuschlagen und dieselbige Gasse weiterge- 
macht und zugegeben, also dass sie von dens elbigen Krämen um 
fünf Werkachuhe weiter ist, denn sie vor war und hat man zum 
ersten feil gehabt in denselbigcn neuen Krämen in der Herbst- 
raess Anno 95". Wir ersehen daraus ganz bestimmt, wann und auf 
welchen Anlass der Name dieser Strasse entstanden ist. Da die Öat- 
liche Seite derselben mit Häusern verbaut war, so haben wir diese 
offenbar beweglichen Krämen auf der Westseite längs der Kirch hof- 
mauer der Barfüsser zu suchen. Diese muss darum um ein bedeu- 
tendes hinter der Linie der Strasse, welche durch das Kaufhaus der 
Weber und die an das Braunfels südlich sich anreihenden Häuser 
bezeichnet war, zurückgetreten sein. Die Krämen standen demnach 
an der Stelle der heutigen Börse 109 . 

Nach diesen Mittheilungen über die allgemeinen Lebensverhält- 
nisse der alten Reichsstadt und insbesondere über die Sitten und das 
Treiben der höheren Stände, stellen wir noch in der Kürze zusam- 
men, was Job Rohrbach über sein eigenes Leben darin in der Hand- 
schrift niedergelegt hat. Ueber den Gang seiner Bildung erfahren 
wir leider gar nichts; nur dass er die ersten Elemente derselben in 
der Stiftsschulc zu St. Bartholomäi empfangen habe, konnten wir 
aus einer kurzen Notiz seines Vaters Bernhard entnehmen. Dass er 
später eine Hochschule besucht habe, wird nicht gesagt ; vermuthen 
aber dürfen wir es aus einer Aufzeichnung, welche berichtet, da&s 
sich Elgin Rohrbächerin die Ausbildung ihrer Söhne durch Schulen 
und Reisen nicht geringe Summen kosten liess. „Im Jahre 1495, 
sagt er nämlich 1,ü , am 12. Tag des Monats August schenkte unsere 
Mutter nach dem Mittagsmahle meinem Bruder Bernhard und mir 
alle Kosten, welche wir in fremden Ländern und im Studiren aufge- 
wandt hatten, und ebenso alle Bücher, und zwar mit dem Bedinge, 

i°» Vrgl. Bauten und Hänser §. 156. 157. 154. 15b. 155. 
"0 §. 22. 



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das« nach Ihrem Tode, den Gottes Gnade noch lange fern halten 
möge, diese genannten Ausgaben und Bücher nicht mit in die Thei» 
long fallen , sondern vorweg abgezogen , und dann erst das übrige 
Vermögen zu gleichen Theilen vertheilt werden solle. Zu grösserer 
Gültigkeit hat sie diese Schenkung mit eigener Hand in das Rechen- 
buch unseres Vaters eingeschrieben/ 4 Diese Vermuthung wird noch 
durch eine andere Notiz bestätigt. Er bemerkt nämlich Ui , bis zur 
Zeit der männlichen Reife und der Gegenwart ihrer abwesenden 
Söhne habe Elgiu Rohrbach bei der von ihrem früh verstorbenen 
Gatten gestifteten Procession der Minoriten am Exaudisonntage zwei 
Männer substituirt, welche den das Sacrament tragenden Priester an 
ihrer Statt führen sollten : demgemäss sei er zum erstenmale im 
Jahre 1494 in die Ausübung dieses Rechtes eingetreten , was uns 
wohl zu dem gesicherten Schlüsse berechtigt, dass ihn bis dahin nicht 
bloss seine Jugend — er stand im Jahre 1494 im 25. Lebensjahre — 
sondern auch seine Entfernung von der Vaterstadt daran verhin- 
dert habe. Von jetzt an hat er hier seinen dauernden Aufenthalt 
und schwört am 4. Februar 1496 mit Gilbrecht Ilolzhausen und Hans 
Frand den Bürgereid 112 . Der lateinischen Sprache war Job voll- 
kommen mächtig; aber jenes verderbten Ijateins, wie wir es etwa in 
den epistolis obscurorum virorum nachgeahmt finden; von dem Wieder- 
«.Twachen der klassischen Studieu giebt seine Schreibart kein Zeugniss. 
Er bildet die Casus der Wörter der zweiten Declination öfter nach der 
vierten; er gebraucht den indicativ, wo der Conjunctiv stehen müsste; 
tein Satzbau entbehrt die gegliederte Perioden bildung, ist überhaupt 
mehr deutsch als römisch. Was er eigentlich studirt hat, wird nicht 
angedeutet: aus den Rechtsgeschäften, die er seiner Mutter besorgt, 
sollte man fast schliessen, dass es die Jurisprudenz gewesen wäre. 
In seinen früheren Aufzeichnungen deutet nichts auf die Bestimmung 
zum geistlichen Stande und Berufe: was er uns erzählt, spricht für 
da« Gegentheil. Im Jahre 1494 nach Ostern schenkt ihm Johann 
Kropp im Hause des Johann von Meiern, wahrscheinlich bei einem 
fröhlichen Gelage, eine halbe Quart Malvasier mit dem Bedinge, das* 
er, sobald er sich verheirathe , eine ganze Quart dagegen 

111 §. 190 und 191. Man beachte die Ausdrücke : „post mortem patris us- 
qoe ad tempus pubertatis nostrae et praesentiae mater nostra substituit 
ättos" etc. und ,,sed quia post obitum patres omnes nos aetate ad eatn rem 
minores eramus, ac etiam cum aetas nos ablitauit, absentes eranius 
ideoque mater nostra Semper duos . . . nomine noatro elegit" etc. 

«" i 12. 



- 88 - 



setze 113 . Am 19. September desselben Jahres erhält er von seiner 
Mutter einen Brustharnisch, nebst einem Koller; eine Armbrust und 
eine Eisenbrust 11 * nebst einigen Pfeilen und einem Instrument, um 
die Armbrust zu spannen: wie Elgin Rohrbacherin überhaupt ihre 
Gaben stets mit einer gewissen Feierlichkeit vor Zeugen zu über- 
reichen pflegte, so geschah es auch hier in Gegenwart seiner Schwester 
Martha und Gilbert Holzhausen's < 15 . In demselben Jahre kaufte er 
sich einen eisernen Streitkolben, den er „Fusthammer" nennt und 
ein langes Messer mit Scheide 116 ; 1495 wird er mit einem langen 
Degen beschenkt 117 ; 1496 mit einem zweischneidigen Degen von 
mäBsiger Länge und einem weissen gewundenen Griff, einer Gabe 
des Kanonikus Ludwig Truchsess zu Mainz 118 . Degen pflegten 
übrigens noch im sechzehnten Jahrhundert die Kleriker zu tragen 11 '. 
Mit besonderer Vorliebe verweilt er bei der Beschreibung von Klei- 
dungsstücken und deren Anschaffung Er erzählt uns, dass sein 
Grossvater Heinrich von Engel Fröschen am 14. Mai 1466 eine Horn 
fessel für 145 Gulden gekauft und für ihre Reparatur sieben Gulden 
gegeben, und dass dieselbe von seiner Mutter an seine Schwester 
Martha durch Schenkung übergegangen sei **. Nach Faust von 
Aschaftenburg war dieser Schmuck, der mit einer für jene Zeit so 
ungeheuren Summe bezahlt wurde, eine Borde von der Breite einer 
Hand, aus Sammt oder Guldenstücken gemacht, die an der einen 
Schulter befestigt, sich über die Brust bis unter den andern Arm 
hinschlang: sie war überdies mit Perlen und blumigen Federn, mit 
Silber und vergoldeten Schellen reichlich besetzt und ihr Schall wurde 
darum weithin vernommen; daher sagte ein noch im sechzehnten 
Jahrhundert gewöhnliches Sprüchwort: „Wo die Herren sein, da 
klingeln die Schellen' 1 iai . Auch Job liebte eine bunte Kleidung. Bald 

'» §. 24. 

11 * „Unter das Wams", sagt Klüber a. a. 0. II. luf>, legte man noch ein 
Bruststück von Eisenblech, das statt eines Kürasses diente, der den Körper 
undurchdringlich machte. Doch hält er es selbst ftir wahrscheinlicher , da*f> 
man dieses Bruststück zwischen das Wams und den Panier gelegt habe. 
Wahrscheinlich ist dieses die Eisenbrust Job's gewesen. 

•» §. 43. 
§. 49. 

»" §. 4. 

»••» §. 54. 

Steitz: Cnipius Andronicus, Archiv für Frankfurts Geschichte and 
Kunst. Neue Folge, I, 195 
■» §. 2. 

»» Römer: Wohlleben der Gesellsch. Limburg S. 26. 



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- 89 



erscheint er in schwarz gefärbtem barchenten Wams und rothen 
Hosen , bald in einem neuen leberfarbenen Mantel, mit einem neuen 
Gürtel umgürtet und „einem neuen welsch Säcklin" behängt Eine 
besondere Mannigfaltigkeit muss er in seiner Kopfbedeckung gesucht 
haben, er erwähnt schwarze, rothe und blutrothe Hute und Barrette 
in allen möglichen Farben, venetianische und andere. In jeder Messe 
kauft er mehrere beinerne Kämme, einmal werden ihm deren sechs 
zum Geschenk gemacht 1W . In der Fastenmess 1495 schenkt ihm 
seine Base Clara ein mit Gold und einer goldenen wolkigen Schnur 
gesticktes Brusttuch, seine Base Margaretha ein anderes von gelbem 
Sammt in . Während alle diese Anschaffungen einen unverkennbaren 
Zug der Eitelkeit und Prachtliebe verrathen, macht es dagegen einen 
sehr naiven Eindruck, wenn er vom Jahre 1497 berichtet: „am 10. 
April hat mir min liebe Mutter an lassen schneiden zehn 
Ellen schwarz londisch Tuch, mit Namen fünf Ellen zu einem Kock 
und 4*/t Ellen zu einem Mantel und ein halb Elle zu einem Zipfel, uff 
dass, ob. Jemands stürbe von unsern Versippten und Verwandten 
(davor Gott woll mit Seligkeit einen jeden lang gefristen), dass ich 
fürters nit dort" Kleider, als vor oft geschehen ist, entlehnen" iU . Bis 
zum Jahre 1499 nimmt er an dem Treiben auf der Trinkstube un- 
befangen Antheil, schiesst er auf dem Schiessplatze und lebt, wie ein 
anderer junger Mann seines Standes. Als am 1. August 1496 Pfalz- 
graf Philipp mit sieben Söhnen, einer Tochter und der Tochter des 
Herzogs Georg von Bayern eine Zusammenkunft im deutschen Herren- 
haus mit seiner Schwiegermutter, dem Herzog Johann von Sachsen, 
dessen Bruder, dem Bisehof von Magdeburg, und einigen Fürstinnen 
veranstaltete, wobei mehrere Tage im deutschen Haus und im Trier- 
sehen Hof festlich geschmaust und getanzt wurde, hielt Job Rohr- 
bach mit drei andern Bürgern auf Befehl des Käthes eine Nacht 
und einen Tag auf dem jenseitigen Brückenthurm in Waffen die 
Ehrenwache 185 . Unter seinen Anschaffungen werden Bücher selten 
erwähnt: im Jahre 1495 ein formulare advocatorum und ein Gebct- 
büchlein im kleinsten Format, zum Ersatz für ein anderes, das der 
Haushund „Fürst" zerrissen hatte iU . Erst von dem Jahre 1497 an 
werden Wörterbücher, Predigten des Bruders Robert Charocholi über 



■22 Vergl. Anschaffungen und Geschenke Job Kohrbach's. §. 41 flg. 
'» §. 49. 

§. 58. 
'» §. 117. 118. 
>" §. 50. 



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- 90 



die Sünden und die Heiligen, Schriften über die Decretalien, Gebet- 
bücher und auch ein Mainzer Brevier aufgeführt i2T . Von jetzt an 
gehen auch die hellen und bunten Farben seiner Kleidung immer 
mehr in das Dunkle und zuletzt in Schwarz über i2s . In dem lebens- 
frohen Job ist eine unverkennbare Schwenkung nach dem geistlichen 
Stande eingetreten. Diesen Wendepunkt scheint gleichfalls das 
Reichskammergericht in sein Leben gebracht zu haben. Einer der 
Procuratoren desselben, Dr. Florentius von Veningen, trat in sehr 
nahe Beziehungen zum Kohrbach'schen Hause 129 ; an ihn schloss 
sich vorzugsweise Job an ; die religiöse Richtung des Mannes 
scheint schon dadurch angedeutet, dass Job auch ihm ein Exemplar 
der Sermonen des Robert Charocholi kauft 13 °. Nach der Verlegung - 
des Gerichtshofes nach Worms begleiteten ihn am 30. Mai 1497 
Jakob Neuhaus, Bernhard und Job Rohrbach bis Höchst 131 ; aber 
schon am 19. Juni begiebt sich der letztere zu ihm nach Worms <3 * 
und scheint dort ununterbrochen bis zum 29. März des folgenden 
Jahres geblieben zu sein. Am zweiten Christtag tritt er mit ihm 
eine zwölt'tütpge Reise nach Speier und Landau an, wo ihnen überall 
von den Spitzen der geistlichen und weltlichen Behörden und Andern 
Gastmähler und Schmausereien veranstaltet wurden. Am Tage Jo- 
hannis des Evangelisten speisen sie mit dem ganzen Klerus der Ka- 
thedrale von Speier, den ganzen Tag der unschuldigen Kindlein 
verbringen sie schmausend bei dem Bischof an dessen Hofe 13S . 
Wir werden wohl schwerlich irren, wenn wir annehmen, dass dieser 
dreivierteljährige Aufenthalt in Worms dazu bestimmt war, ihm die 
specielle Appretur zum geistlichen Stande zu geben. Im April und 
Juni 1498 finden wir ihn öfter in Mainz, Wonnsund Köln: vielleicht 
suchte er irgend ein Pfründe ,34 . 

Bald darauf eröffnete sich ihm eine solche am Bartholomäusstifto. 
Als am 19. August 1498 der Scholaster und Canonikus Johannes 
Sommer gestorben war, ernannte am folgenden Tage das Capitel den 
Canonikus Eberhard Becker zum Scholaster und Job Rohrbach ein- 

* 

§. 57. 60. 61. 
*» §. 55 flg. 
■» §. 28. 29. 
"° §. 57. 

§. 58. 
'» §. 31. 

§. 33. 34 

§. 35. 37. 



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<timmig zum Canonikus. Nur der Decan Johannes Greifenstein war 
seiner Wahl entgegen. Ala sich Job am 30. August im Chore im 
superpellicium , dem weissen bis zu den Knieen herabreichenden 
Obergewand mit offenen Aermeln, das alle Kleriker tragen, prasen- 
tirte, und dem Decan seine Residenz insinuirte, damit er den Tag 
anmerke, antwortete dieser : Die Insinuation gelte , soweit sie kann 
valeat, in quantum valere potest) ! um seinen Vorbehalt in Beziehung 
auf die Rechtsgiltigkeit der Wahl auszudrücken. Als demselben 
während der Vesper Johannes Ugelnheimer im Namen des neuen 
Canonikus 12 Albus für den üblichen Einstandswein (den vinum ad- 
missionis) überreichte, versagte er die Annahme : „gebt sie, wem ihr 
wollt; ich werde diesen nimmer für einen Canonikus halten/' Hier- 
auf insinuirte Job seine Residenz dem Scholaster und Cantor, die sie 
zu notiren versprachen. Trotzdem trug er bei der Procession nach, 
der Michaelskapeile am 2. September das Rauchfass und hielt bei 
dem Amte die Patene. Am Michaelstag erschien er in seinem 
figenen superpellicium ; am 3. October erhielt er die niederen Weihen 
in der Kirche des Predigerordens ,35 . Dies hielt ihn indessen nicht 
ab, mit anderen jungen Freunden am 29. October auf die Hochzeit 
des Dr. Johann von Glauburg den Pfeifer zu bringen und dort zu 
tanzen 1S * Fichard fand dies so auffallend , dass er in seiner Ge- 
schlechtergeschichte daraus schloss, Job könne damals noch nicht 
Canonikus gewesen sein; allein man darf das Leben des Mittelalters 
nicht nach unserem Maassstab beurtheilen. 

Die Residenz, d. h. die Pflicht der Kleriker, sich an dem Orte ihres 
Amtes persönlich aufzuhalten, erstreckte sich damals meist nur auf die 
ersten sechs Monate ; erst das Concil zu Trient hat die gelockerten Bande 
der Ordnung wieder straffer angezogen 137 . Sechs Monate nach 
seinem Eintritte am lö. März zeigte daher Job dem Kapitel an, dass 
seine Residenzpflicht vollständig erfüllt sei und erbat sich nach dem 
Vorgange Anderer Dispensation. Da erhob sich der Decan und er- 
klärte: er wolle bei diesem Acte nicht zugegen sein, nicht aus Un- 
moth gegen den Petenten, der ihm darum nicht zürnen dürfe; er 
möge sein Verlangen von denen sich gewähren lassen, die ihn prä- 



«» §. 62. 

138 §. 257. Fichard'B Bemerkung beweist wiederum, dass er unsere Hand 
schrift nicht gekannt hat. 

»' Sess. XXIV de reform. o. XII: Kein Kleriker, Canoniker oder Priben- 
dar soll über drei Monate von Beiner Kirche entfernt sein. 



- 92 - 



sentirt hätten; er für seine Person wolle (ilr jetzt ihm nicht hinder- 
lich sein. Damit verliess er das Capitel. Die übrigen Capitularen 
und der Stadtpfarrer, der bekannte Volksredner Dr. Conrad Hetiael, 
erkliirten hierauf die Residenzpflicht ihres neuen Collegen Mir voll- 
ständig erledigt und gaben ihm Freiheit, zu gehen, wohin er wolle 
Wir ersehen daraus, dass auch die Canoniker des Bartholomäusstiftes 
nach den Gewohnheitendesselben nur sechs Monate im Jahre verpflichtet 
waren, hier anwesend zu sein ; nach Ablauf dieser Zeit konnton sie 
ihren Aufenthalt wählen, wo sie wollten, und auch auswärts die Ein- 
künfte ihrer Präbende verzehren. Ordentlicher Weise sollten sie 
während dieser Zeit keinen Antheil an den täglichen Distributionen 
der Präsenzen haben Es war daher jedenfalls rechtswidrig, dass 
Cochläus, der nur zwei Jahre Decan am Liebfrauenstifte gewesen 
war, als ihm der Aufenthalt in der Stadt durch seine Angriffe gegen 
Luther verleidet wude, am 12. December 1522 mit Notar und Zeugen 
vor dem Capitel erschien und nicht nur den Fortbezug seines Decanatge- 
h altes und seiner Präbende als Canoniker, sondern auch der täglichen 
Distributionen verlangte, „damit er anderswo sicherer leben möcht". 
Das Capitel war vollkommen berechtigt, gegen diese Forderung zu pro- 
testiren 139 . Am 30. März 1499, am Samstag vor Ostern, erhielt Job die 
Subdiakonats weihe in der Kathedrale zu Mainz und las in Gegenwart des 
Erzbisehofs Berthold die Epistel beim Hochamt Jetzt erst stimmte 
der Decan Greifenstein seiner Zulassung zum Capitel zu und instal- 
lirte ihn am 5 Mai ,41 . Sein bisheriger Widerstand kann sich daher 
nur auf die herkömmliche Anschauung gestützt haben, dass ein Laie 
nicht Mitglied des Capitels sein dürfe, und dass mindestens der SSub- 
diakonat Bedingung zur rechtsgiltigen Aufnahme in dasselbe sei 14> . 
Die zwölf Canonikate des Bartholomäusstil ick waren nach den Namen 
der Apostel benannt; Job erhielt, wie er selbst sagt, den Cauonikat 
des Johannes (es ist demnach ein Irrthum, wenn ihn Fichard 
Wetteravia 132 , als Canonikus des Jakobus Zebedäi aufführt) ; am 
27. December 1499, dem Tag Johannes des Evangelisten, an welchem 

§• 63. 

«» M. S. Königatein auf dem Stadtarchiv zu dem 12. Dec. 1522. In dem 
Auazuge der Uffenbachiachen Manuscripte auf der Stadtbibliothek p. 80. 
«• §. 64. 
'♦« §. 65. 

»*» Dies wurde auch durch das Tridentinum a a 0. bestätigt: Neminem 
etiam deineeps ad digoitatem, canonicatum aut portionem reeipiant, nisl qui 
eo ordine aacro . . . ait initiatus, quem illa dignitas, aut canoni 
catus aut portio requirit. 



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er vor dreissig Jahren geboren war, trug er zum ersten Male das 
Almosen vom Chore aus und erwies sich an diesem Tage als Cano- 
nikus dieses Apostels ui . Freilich verknüpfte sich damit nicht sofort 
der Entschluss, auch von nun an sich einer apostolischen Lebensweise 
zu befleissigen : er lässt sicli noch im Jahre 1500 von Frauen Kränze 
aufsetzen, veranstaltet ihnen ein Abendessen und setzt den Kranz 
wieder einer anderen auf. 

So nahte für ihn die Zeit der letzten Weihen : am letzten Februar 
1501, am Sonntage Invocavit, schenkte ihm nach dem Mittagsmahle 
»eine Mutter von freien Stücken, ohne Jemand* Angehen oder Drin- 
gen, mit berathem Muthe ein grosses Messbuch in rothem Leder ge- 
bunden und geschmückt mit Feldern, in welchen die Wappen seiner 
Ahnen väterlicher Linie sich befanden, dessgleichen eine Casula d. h. 
ein Messgewand von rothem geblümtem Sammt, eine Alba, Stola, 
Humerale, Manipulus und Cingulum (es sind dies die leinenen Ge- 
wänder, das Schweisstuch und der Gürtel, welche dem Priester unter 
Angabe der symbolischen Bedeutung bei der Weihe gereicht werden, 
und die er in der Messe trägt). Diese Schenkung geschah in Gegen- 
wart der Agnes, der Köchin des Hauses. Unmittelbar darauf fügte 
Elgin ein kleines, älteres Messbuch bei. Nach der Vesper setzte sie 
ihren älteren Sohn Bernhard von der Schenkung in KenntnisB und 
verehrte ihm, um ihn nicht zu verkürzeu, zwei wahrscheinlich künst- 
lich gearbeitete Kasten. Am Abend fand ein Familienessen im Hause 
Bernhards statt, bei welchem die Mutter öffentlich ihre Schenkung 
bekräftigte **♦. 

Noch besitzt unsere Stadtbibliothek das Missale, welches Elgin 
Rohrbach ihrem Sohne Job geschenkt hat. Es ist schön auf Perga- 
ment geschrieben, hat gemalte Initialen und 323 Blätter in Folio. 
Es befindet sich noch in der Mitte des hinteren Deckels ein Erzschild 
mit dem Rohrbachischen Wappen in Relief: zwei Hände, welche die 
Glieder einer Kette von beiden Seiten her umfasst halten. Vier 
Erzschilder in den Ecken tragen je zwei in der Diagonale von der 
rechten oberen nach der linken unteren Ecke das Rohrbachische, die 
beiden anderen das Werstadtische Wappen (im mittleren Querbalken 
drei Dreiecke, im oberen Felde zwei aufrecht stehende Linien, jede 
oben nach rechts, unten nach links mit einer kürzereu Linie im 
spitzen Winkel verbunden, dieselbe Figur einmal im unteren Felde). 



«♦J 8. 65. 
§. 66. 



- 94 — 



Auf der vorderen Decke Bind die kleinen Eckschilder dieselben, da 
gegen fehlt das grosse Mittelschild, welches wahrscheinlich das Wer 
stadtische Wappen darstellte. Entweder hatte Heinrich Rohrbach 
der Aeltere , Bernhards Vater, der Gatte Gudegins von Wer- 
stadt, dasselbe abschreiben lassen, oder war es eine Gabe seines 
kunstliebenden Schwiegervaters Ulrich von Werstadt, der es ftir das 
junge Ehepaar bestimmt hatte. Am 14. März 1465 schenkte es 
Heinrich Rohrbach seinem damals neunzehn Jahre alten ältesten 
Sohne Bernhard vor zwei Zeugen. Die Schenkungsurkunde ist Blatt 
321 eingetragen und lautet also : 

„Ich Heinrich rorbach der elter, scheffen zu franckfurt, be- 
nennen mit dieser myner eygen bantschrifft, daz ich dies 
..myn missale von eygem willen gegeben han mym soue 
,,bernhart rorbach, vnd han zu gezugenys gebetten die ersa 
„men heru niclas masel hart, vicarium zu sant bartholomeus, 
,.vnd petrum storczisen, bacularium, myn schriber, daz sie 
„hervnder auch in hantschrift geschriben han anno domini 
„1465 ady *«* 14 marcij/' 

„Et ego nicolaus maselhart de omstat, vicarius ecclesie 
sancti Bartholomei protestor propria manu ex expeticione 
Domicelli mei iU f heinrici Horbachs 8enioris,scabini francken- 
fordensis, superioribus scriptis sie peractis pro vero interftüsse 
testimonio 

„Et ego petrus storczisen superdictus similiter protestor 
manu propria me expeticione domicelli mei henrici Hor- 
bachs senioris et scabiui frauckfurdensis superioribus scriptis 
sie peractis pro vero interfuisse testimonio." 
Folio 113i» ist das Rohrbachische und Holzhausen'sche Wappen ein- 
gemalt, was erst nach dieser Schenkung, nachdem Bernhard im Sep- 



Ady hier u. Bernh. Familienchronik §. 88. 90. 92 ebenso in Bernhards 
italiänischer Notiz bei Job §. 7. ist aas dem Italifinischen : a' di oder addi — in 
giorno entlehnt und dient zur Bezeichnung desMonatsdatums: am Tage des u.s. w. 

•♦ s Schwieriger ist hier der Gebrauch von domicellus zu erklären, weil da 
durch der altere Heinrich Rohrbach nicht als Rathsglied der 2. Bank bezeichnet 
sein kann, denn er war bereits Schöffe; noch als junger Mann von vornehmer 
Geburt (entsprechend dem deutschen Junker), denn er war bereits 55 Jahre 
alt. Wahrscheinlich bedeutet es hier nur den angesehenen einflussreichen Mann 
Uberhaupt und in der Verbindung domicellus mens speciell den Gönner. Auf 
solche Bezeichnungen zumeist bat Ficbard seine hochgespannte Anschauung von 
der Abkunft und dem Range der Limburger im Mittelalter basirt, und doch ist 
domicellus ein so weitschichtiges und vieldeutiges Wort, dasa es sogar den Be- 
griff eines vornehmeren Dieners ausdrücken kann. Vergl. Du Cange s. v. 



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I 



- 95 - 

tember 1466 seine Ehe mit Elgin Holzhausen vollzogen hatte, ge- 
schehen sein kann. 

Wir kehren zu Job zurück und begleiten ihn weiter auf seiner 
priesterlichen Laufbahn. Am 6. März 1501, am Samstag nach Ascher- 
mittwoch, wurde er in der Carmeliterkirche zu Mainz zum Dia- 
konus geweiht, las darauf das Evangelium und ministrirte dem Weih • 
bischofe beim Hochamte ,l7 . Da er am 6. Juni desselben Jahres, am 
Dreifaltigkeitsfeste in der Bartholomäuskirche seine erste Messe 
{Primiz) sang, so muss er vorher auch die Priesterweihe empfangen 
haben, deren Ertheilung er nicht angemerkt hat lW . 

Wir lesen von vielen hiesigen Patriciersöhnen, dass sie Canon i- 
kate, Cantorien, Scholasterien und Decanate 149 an den hiesigen Stif- 
tern erlangten ; nicht selten bekleideten sie mehrere dieser Aemter 
gleichzeitig an zwei hiesigen Stiften, oder hier und in Mainz. So 
wurde Johann vom Rhein im Jahre 1499 Decan von St. Leonhard 
and hielt am 13. October seine Primiz an dieser Stiftskirche, zu der 
auch Job eingeladen war 154 ; da Primiz stets die erste Messe bezeich- 
net, so ersehen wir, dass er die Priesterweihe sich erst nach seiner 
Wahl zum Decan geben Hess, wesshalb auch sein Name in dem 
grossen Verzeichnisse von Canonikem zu St Leonhard bei Lersner 
(II, II, 185) vor dem Jahre 1499 nicht vorkommt. Mit seinem De- 
canate verbindet er in den Jahren 1503 bis 1509 ein Canonikat an 
dem Bartholomäusstifte. So lesen wir von Nikiaue Hücker, dass er 
nicht nur im v Jahre 1512 Canonikus am hiesigen Bartholomäusstifte 
geworden, sondern gleichzeitig Decan des Stiftes der heiligen Petrus 
and Alexander zu Aschaffenburg gewesen ist, und doch war er nicht 
einmal Priester, denn im Jahre 1514 resignirte er zu Gunsten seines 
Bruders Philipp und entsagte noch vor der Priesterweihe dem geist- 
lichen Stande. Umgekehrt trat Johann von Rückingen erst als Witt- 
wer in den geistlichen Stand und erhielt 1503 den ceremoniellen 



§. 67. 
>»* §. 69. 

•*» Den hiesigen Stiftern stand der Probst zu St. Bartbolomäi vor, der als 
ArchidiaconuB des Niedgans, zu welchem Frankfurt gehörte, seine Resideuz zu 
Mainz hatte. Unmittelbar wurde jedes Stift durch seinen Decan geleitet ; unter 
diesen standen zunächst der Scholas ter oder Scbolasticus , dem die Pflege 
der kirchlichen Wissenschaft, und derC^ntor, dem die des kirchlichen Ge- 
sanges oblag. Diese vier waren die Prälaten des Stiftes , das zwölf Canoniker 
«od eine grosse Anzahl von Vicaren hatte, üeber andere Aemter vergl. man 
Helfenstein, Entwicklung des Schulwesens in Fraukfurt. 

'M §. 208. 



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- 96 - 



Besitz derCantorie zu St. Bartholoraäi m . Diese Züge deuten darauf 
hin ; dass die geistlichen Pfründen von hiesigen Patriciern als Sine- 
kuren betrachtet wurden, in deren Besitze wohl die Meisten, wie es 
Job Rohrbach that, das heitere genussreiche Leben ihrer Standesge- 
nossen in allen Züchten fortsetzten, die Trinkstuben besuchten und 
mit den Frauen ehrbaren Scherz und Kurzweil trieben. Trotzdem 
war Job gewiss im Sinne seiner Zeit ein guter katholischer Christ; 
führte mit andächtiger Devotion den das Sacrament tragenden Priester 
am Exaudisonntage und besuchte mit seiner Mutter das heilige Kreuz 
vor den Mauern von Mainz, um ihm seine Verehrung zu erweisen 15Ä . 

Wir wenden uns zu den übrigen Gliedern des Geschlechtes. 
Noch Mancher derselben ward in den Rath gewählt und hat 
dem Gemeinwesen nach dem Vorbilde der Vorfahren gedient. Es 
war zunächst Karl Hynsberg vorbehalten, den Glanz dieser 
Stellung und ihres Einflusses über die Familie seiner Frau 
zu verbreiten. Schon vor seiner Verehelich ung mit Martha Rohr- 
bach war er 1487 Rathsglied und 1492 Schöffe geworden. 
Am ersten Mai 1498 wurde er als solcher zum älteren, Michael 
Schwarzenberger als domiccllus zum jüngeren Bürgermeister gewählt. 
Sein Amtsjahr ist durch ein für Frankfurt sehr wichtiges und ein- 
greifendes Ereigniss merkwürdig geworden, als dessen Urheber die 
öffentliche Meinung ihn damals bezeichnete. Da Job aus nahe lie- 
genden Gründen darüber schweigt, ho müssen wir unsere Nachrich- 
ten aus einer anderen Quelle, dem mehrfach erwähnten Schurgischen 
ManuBcripte, schöpfen. Die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts ist 
unheilvoll für die Juden in Deutschland gewesen ; nicht bloss der 
Clerus und das Volk, sondern zum Theil auch die Magistrate und die 
Fürsten nahmen wider sie Parthei und vereinigten sich zu ihrer 
Unterdrückung : fanatische Prediger wie der bekannte Minoritenpater 
•Johannes von Capistrano gössen das Oel ihrer wilden Beredsamkeit 
in diese Flammen. In Breslau wurden die Juden 1453 eingekerkert, 
gefoltert, ihrer Güter beraubt und nach blutigen Hinrichtungen Ein- 
zelner in Masse der Stadt verwiesen, weil man sie beschuldigte, ge- 
stohlene Hostien gekauft und an ihnen durch Stiche und Ruthen- 
streiche ihren Haas gegen Christum gekühlt zu haben, andere schle- 
sische Städte folgten diesem Vorgange, dem König Ladislaus seibat 



•5' Fichard Wetteravia S. 134. 110. Philipp Hell gen. Pfeffer, der Sohn des 
Mainzer Kanzlers vereinigte in »ich die Stellen eines Canonikns zn St. Barthoio 
maus und eines Pr&bendarius zu Aschaffenburg §. 205 n. 207. 

im §. 80. 



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- 97 - 



seine Billigung schenkte, 1453 setzte ihnen Bischof Gottfried von 
Würzburg Frist, binnen deren sie sein Stift geräumt haben müssten : 
1484 vertrieb Hans von Glogau die Juden seiner Stadt, weil er in 
ihnen „einen Schaden des gemeinen Nutzens und ein Verderbniss 
armer Leute" erblickte 1M . Dieses Beispiel ging fllr Nürnberg nicht 
verloren. Auf Ansuchen des Rathes gebot am 5. Juli 1498 König 
Maximilian 1. den dortigen Juden auf Zeit und Ziel, die ihnen der 
Rath setzen werde, mit ihrer fahrenden Habe aus der Stadt zu ziehen ; 
dem Schultheise aber befahl er Häuser, Synagoge und liegende 
Guter der Juden, so wie ihren Leichenhof, ab königliche Gilter in 
seinem Namen einzuziehen. Motivirt wird diese Massregel in einem 
Schreiben an den Rath damit, „weil die Judenschaft Uber die Anzahl, auf 
welche die Stadt gefreit worden sei, sich bedeutend vermehrt, weil die 
Bürger durch deren wucherliche Händel und betrügliche Vcrsehreibun- 
gen in Schulden gerathen seien, und wenn hierin keine Acnderung 
eintrete, noch mehr herabkommen würden, endlich weil mehrere 
Personen in ihrer Bosheit von den Juden bestärkt und dadurch Dieb- 
stähle und andere böse Händel veranlasst worden Beien" 164 . Mögen 
auch die Juden allerdings durch ungeheure Wucherziusen eine Plage 
für den bedrängten Bürger geworden sein und augenblickliche Ver- 
legenheiten nur allzuoft zu seinem völligen Ruin benutzt haben — 
mit ihrer Austreibung musste sich zugleich ein Quell rascher Hülf- 
leistung verschliessen, der sonst offen stand. Um daher dem armen 
Handwerksmann die Möglichkeit zu sichern, gegen billigen Zins auf 
Pfand, Bürgschaft und Versicherung jeder Zeit Darlehen zu erhalten, 
privilegirte Maximilian die Stadt Nürnberg zur Errichtung von 
Wechselbänken iSb . lu demselben Jahre erfolgte die Austreibung aus 
der Reichsstadt Nördlingen. Als Thatsache wird nun berichtet, dass 
die Reicheren dieser aus Nürnberg Vertriebenen sich 1498 nach Frank- 
furt wandten, dass sogar die grosse Synagoge für Deutschland, deren 
Sitz früher Nürnberg war, hierher verlegt und dass die Zahl der 
Juden in hiesiger Stadt gegen früher ungemein vermehrt wurde. Der 
Clerus und die Bürger aber, welche diesen Zuwachs bei der vorhan- 
denen Abneigung nur mit Missgunst wahrnahmen, wollten sogar 



l » Vcrgl. die interessante Schrift: Schlesische Urkunden zur Geschichte 
der Juden im Mittelalter von Dr. L. Oelsner. Wien 1864. S. 35 flg. In Be- 
treff Würzburgs auch Wiener, Kegesten zur Geschichte der Juden in Deutschi, 
während des Mittelalters. 1862. S. 201. 

»»♦ Wiener a. a. 0. 3. 208. 

i" Wiener ebenda«. Oelsner S. 9. 

7 



- 98 — 



wissen, dass angesehene Senat. nglieder nach ihnen Boten gesandt und 
sie förmlich zur UeberBiedlung nach Frankfurt aufgefordert, ja man 
bezichtigte geradezu den jüngeren Bürgermeister Karl Hynsberg, das« 
er unter Begünstigung und Beistand von Seiten des Hans vom Rheine, 
eines der ältesten Schöffen, dies heimlich in das Werk gesetzt habe. 
Diese Anklagen des Volksmundes müssen doch mehr als blosses 
Gerücht gewesen sein : wenigstens trat der Stadtpfarrer Dr. Conrad 
Honsel öffentlich gegen die beiden Schöffen auf und strafte sie von 
der Kanzel mit einer donnernden Philippica; er wurde deshalb von 
ihnen bei dem Kapitel belangt, wahrscheinlich ohne Erfolg 16€ . 



» 6 M. S. Schurg p. 233 seq. : „Anno 1498 favore et licentia Maximilian! 
regia Romanorum Norimbergenses expulerunt Judaeos, ex his ditiores Judaei, 
ibidem expulsi, venernnt Francofnrtum et Francofurti facta est depost maior 
Synagoga in tota Alemannia, quae prins fnit Norimbergae. Collegerunt sie 
Francofurtum plures Judaeos, quam prius habuerunt, dicebatur, quod majores 
ex senat u Francofurtensi misissent nuncios ad Judaeos expulsos veniendi ad se. 
Nota: Consules tum temporis Francofurti fuerunt Carolus Hinßbergk et Michael 
Schwartzenberger. Dicebatur, quod dictus Carolus Hinßbergk boc subordi- 
naverit cum favore et adiutorio D. Joannis vom Rhein senioris, Scabini. Nota 
bene: Plebanus dominus doctor Conrad Hensel concionatus fuit publice contra 
praedictos duos, videlicet Joannem vom Rhein et Carolum, quare conquereban- 
tur coram Capitulo. Eodem anno ex ci vi täte Nortlingcnsi expulsi sunt." Es 
ist demnach unrichtig, wenn Kirchner I, 453 meint, neben Karl von Hinsberg 
sei der älteste Schöffe Schwarzenberger Urheber des Planes gewesen. Michael 
Schwarzenberger war damals überdies nicht Schöffe, sondern domicellns , sonst 
hätte er nicht jüngerer Bürgermeister sein können, üeber Conrad Hensel 1 « 
Tod bat das M. S. Schurg S. 198 die Notiz: „Anno 1505 quarta ante dominicam 
Palmarum vitam cum morte commutavit dominus Conradus Hensel de Cassel in 
Hassia, sacrae Theologiae Doctor et parochus ecclesiae S. Bartholomaei." 
Leisner sagt von ihm II, A. 205: „Da er verlangte, man sollte ihm alle Glocken 
läuten, giebt er gegen Abend unter dem Läuten seinen Geist auf;' er ist ein 
rechter Prophet seines Vaterlandes gewesen und hat viele bevorstehende Ge- 
fahren geweissagt, mit ihm sind alle Zünfte zur Leiche gegangen, so sonsten 
niemals geschehen." Seit dem Anfange des vorigen Jahrhunderts ist Conrad 
Hensel unter die Vorläufer der Reformation gerechnet worden. Namentlich 
weiss es der Pfarrer Diefenbach dahier in seinem „bekehrten Juden" S. 117. Anm. 
zu rühmen , er habe mit seinen christeifrigen Predigten die Gemüther in Frank- 
furt zur nachmaligen willigen Aufnahme des Evangeliums disponirt und er- 
bietet sich dafür den urkundlichen Beweis beizubringen. Diese Urkunden sind 
ohne Zweifel die Aufzeichnungen des Decan zu St. Bartholomaei Job. Latomus, 
welcher selbst von glaubwürdigen Leuten gehört haben will, Conrad Hensel 
habe viel Widriges, was hiesiger Stadt und der Pfaffheit begegnen würde, 
vorausgesagt. In welchem Sinne er dies getban, ersieht man aus den Aensse- 
rungen, die ihm Latomus in den Mund legt: „von dem Stuhle, auf welchem ich 
jetzt stehe, werden Ketzer predigen, hier, hier werden sie stehen in grauen 
Röcken, glaubet ihnen nicht!" (vergl. Ritter ev. Denkmal p. 14). Abge- 



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- 99 - 



Nach Ablauf seines Amtsjahres unternahm Karl Honsberg in 
städtischen Geschäften am 3. Mai 1499 eine Reise nach der schwär 
bigchen Reichsstadt Ueberlingen am Bodensee. Mehrere seiner Ver- 
wandten und Freunde, unter ihnen Job, gaben ihm zu Pferde das 
Geleite bis zum Hirscbsprung. Die Frauen, nämlich seine Mutter 
und seine Gattin, Elgin Rohrbach und Michael Schwarzenberger's 
Ehefrau geleiteten ihn im Wagen « T . Ueberhaupt bildete der Hirsch- 
sprung, der im Walde durch zwei Steinsäulen bezeichnet war, die 
Grenze, bis zu welcher man die nach Süden Reisenden geleitete: 
hier hatten auch drei Jahre früher Karl Hynsberg, Gilbrecht Holz- 
hausen und Job von Bernhard Rohrbach, als dieser seine zweite 
Romfahrt antrat, Abschied genommen 1M . 

Im folgenden Jahre wurde Karl Hynsberg durch den am 16. 
December 1500 erfolgten Tod seiner Mutter Guttgin Heringen Erbe 
des Fürstenecks und wurde nun nach der Sitte der Zeit „Karl Hyns- 
berg zum Ftirsteneck 0 genannt. Charakteristisch ist, dass Job be- 
merkt, sie habe zwei Söhne Wigand und Karl hinterlassen 1M , während 
er doch selbst 1W noch einen dritten Sohn Johann aufiuhrt, der nach 
Fichard erst 1504 gestorben ist. Der Grund liegt darin, dass dieser in 
Wahnsinn verfallen war. Job erzählt 1 « 1 : „Im Jahre 1497 am 5. März, 
dem Sonntag Lätare erhielt Johann Hynsberg nach einem Zank und 
Ungebührlichkeiten, die er im Hause sich erlaubt hatte, zu Hause 
nrit vollem Rechte Ohrfeigen, hierauf wurde er nach der Vesper auf 
dem Markt vor dem Römer ergriffen und öffentlich durch die Diener 
des Rathes in das Gefängniss zum heiligen Geistfhospitale] gebracht 
Am sechsten Mai desselben Jahres wurde er aus dem Gefängniss be- 
freit und entlassen. Hierauf wird er im Januar des folgenden Jahres 
wieder im Gefängniss eingesperrt, worin er noch jetzt sitzt". Diese 



sehen davon, dass Joh. Latomus, der von 1551 hier Costos, von 1561— 98 Dechant 
war, doch den Ereignissen zn ferne stand, als daas er aus mündlicher Ueber- 
lieferung mehr als Sagen berichten konnte, so bewebt auch das, was er mit- 
t heilt, mehr gegen, als für den reformatorischen Sinn Conrad Honsels, und be- 
zeugt, dass er die grosse kirchliche Umwälzung des XVI. Jahrhunderts, wenn 
er sie erlebt hätte, mehr für ein Unheil , als für ein Glück , gehalten haben 
wurde. 

«» §. 84. 
,w §. 8. 
i» §. 86. 
««• §. 80. 
'«« S. 85. 

7* 



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— 100 — * 

Darstellung macht den Eindruck, als ob, der Wahnsfynsanfall am 
5. März 1497 der erste gewesen sei ; es scheint daher auf einem Irr- 
thum zu beruhen, wenn Fichard in der Geschlechtergeschichte 1 ' 2 dieses 
Ereigniss schon in den Anfang der 80er Jahre und die Erledigung 
Johann Hynsberg's aus dem Kerker in das Jahr 1488 verlegt. Mit 
Jobs Bericht stimmt auch, dass nach Fichard 1498 Guttgin Hynsberg 
ihren geisteskranken Sohn in das Hospital zum heiligen Geist ein- 
kaufte und dass ihm Vormünder gesetzt wurden. Er war nun für 
die Welt und seine Familie bereits lebend abgestorben. 

Im Jahre 1501 am 14. Januar Abends nach vier Uhr gab Job 
Rohrbach seinen älteren Bruder Bernhard (dieser war damals vier- 
unddreissig Jahre alt) und Ursula, die Tochter Johannes von Moln- 
heim oder Meiern, die nachgelassene Wittwe Walther Schwarzen- 
bergs, im Hause der Braut, es hiess Eisfeld (Buchgasse J. 204), und 
im Kreise der beiderseitigen Verwandten ehelich zusammen. An 
demselben Tage waren die Urkunden der Ausstattung, die instru- 
menta dotaüa, besiegelt worden. Am 6. Februar fand die kirchliche 
Bestätigung der Ehe, am 10. Februar das Beilager, am 11. die Hoch- 
zeit statt. Sein Bruder Conrad weilte noch seit der Rückkehr aus 
Italien in den Niederlanden, in Antwerpen ,63 . 

Es war der letzte Freudenschimmer, der um diese Zeit über dem 
Wixhauser Hofe aufging. Am 19. December, am vierten Advents- 
sonntage des Jahres 1500 verschied Elgin Rohrbächerin mit dem 
letzten Glockenschlag der Mitternacht 1M . Job fühlte sich von der 
Krankheit seiner „einzigen und gütigsten Mutter" so tief erschüttert, 
dass er bald darauf einen stechenden Schmerz in der linken Seite 
empfand. Der Sitte der Zeit gemäss suchte er sich durch einen 
Aderlass am Fusse zwischen der grossen und zweiten Zehe zu helfen ; 
er nennt es seine erste Blutentziehung; ein Glauburger fügt 1636 
hinzu : „es war auch die letzte, wie ja bei der Aenderung der Natur 
in dem fortgeschrittenen Alter Jeden grosse Gefahren zu umschweben 
pflegen; dieser Job starb am 15. Mai 1502" 165 . Er stand im drei- 
unddreissigsten Jahre und war nur ein Jahr Priester gewesen. 
Lersner bemerkt *«« : „1504 (1. 1502) stiftet Job Rohrbach in das St. 
Bartholomäistift einen ganzen Ornat uff den hohen Altar, ist ein 



im Familie Hynsberg. 

§. 10. 

§. 70. 
*" §. 71. 
•« II, 202 flg. 



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- 101 - 

gülden Stüde in grün mit seiner Zugehör und einen Barth olomäum 
mit Perlen künstlich gestickt, item noch einen ganzen Ornat zu dem 
hohen Altar, ist auch ein gülden Stück in weiss mit allem Zugehör; 
item ein roth und ein schwarz sammet Messgewand; item ein Mess- 
bucli, beschlagen und inwendig figuriret mit Rohrbach's Wappen, item 
einen Kelch, wieget zwei Mark Silber und 12V« Loth, verguldet, item 
zwei silberne Messkannen, wiegen zwei Mark 2 1 /* Loth", und noch 
andere Sachen mehr. Nach Fichard vermachte er dem Stifte ausser- 
dem 500, seiner Magd Agnes 100, seinem Knechte Martin 40 Gulden, 
seinen Brüdern Bernhard und Conrad das Haus, „da er, Job, inne 
gesessen, der Wixhauser Uof genannt". Seine Schwester Martha be- 
dachte er nach Fichard nur mit einem überguldeten Kopf (Kelch). 
Im Jahr 1504 reversirte sich das Stift über den Empfang sämmtlicher 
Vermachtnisse. Conrad , sein jüngster Bruder, scheint schwächlich 
gewesen zu sein, da er schon im Jahre 1502, in seinem einundzwan- 
zigsten Jahre, seine letztwillige Verfügung traf; et starb 1510 unver- 
heiratet. In seinem Testamente wird die Schwester Afra im Weiss- 
frauenkloster zum letzten Male erwähnt Karl Hynsberg war dreimal 
verheirathet gewesen, in erster Ehe 1485 mit Elgin Weiss von Lim- 
burg, in zweiter 1490 mit Agnes Neuhaus, in dritter 1495 mit Martha 
Rohrbach ; nur die erste Ehe war kinderlos ; aus der zweiten stammte 
Ulrich, der Stammhalter des Geschlechts und eine Tochter Margaretha. 
Martha Rohrbach starb 1514; von ihren fünf Kindern Uberlebte sie 
nur Ortwin, der Geistlicher wurde (was ich zur Berichtigung einer 
ungenauen Angabe im Archive unseres Vereins, Neue Folge II. 415 
bemerke). Bernhard folgte seiner Schwester Martha schon im fol- 
genden Jahre am 21. November; er erreichte unter seinen sämmt- 
lichen Geschwistern allein daB Alter von 48 Jahren. Auch pflanzte 
er allein mit seiner Gattin Ursula Meiern das Rohrbach'sche Geschlecht 
fort Er war 1510 in den Rath gekommen und 1511 Schöffe ge- 
worden. Seine Gemahlin überlebte :ihn um mehrere Jahre. Beach- 
tenswerte ist ihr am 22. März 1524 errichtetes Testament, weil es 
durch die darin angeordnete Stiftung von Seelenmessen noch den 
gut katholischen Glauben in der ersten Sturm- und Drangperiode der 
reformatorischen Bewegung verräth. 

So harmlos lebte man noch unter den grossen Erschütterungen 
der Zeit dahin und so fest schien, bei aller Theilnahme, die man ihnen 
widmete, das Alte begründet, dass man den grossen Umschwung 
nicht ahnete, den schon die nächsten Jahre in alle bestehenden Ver- 
hältnisse bringen sollten. Und doch haben wir uns, wie schon ange- 
deutet wurde, mit dieser Darstellung in einem Kreise bewegt, aus 



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welchem die Reformation in Frankfurt hervorgegangen ist; jene 
heitere, gesellige Katharina Holzhausen zum Spangenberg war es, 
die am 14. April 1521 den kühnen Mönch auf seiner Reise nach 
Worms mit zwei Maas Malvasier erquickt und ihm die Hände ge- 
küsst hat, die sich erinnerte, von ihren Eltern vernommen zu haben, 
es werde Einer erstehen, der den Immunitäten des Papstes wider- 
sprechen werde, und deren heisser Wunsch es war, Bruder Martin 
möge der Geweissagte sein ; Ha man Holzhausen ist der thätigste Be- 
förderer der Reformation geworden und auch die jüngeren Rohrbache 
wandten sich später dem neuen Glauben zu. Wie sollen wir es be- 
greifen, dass keine Aeusserung Jobs uns etwas errathen lässt , was 
dieser reformatorischen Stimmung günstig erscheint und für sie 
Zeugniss giebt? Ich glaube, man geht zu weit, wenn man schon damals 
eine bestimmte Form positiver evangelischer Ueberzeugung 
bei diesen Personen und in ihren Kreisen voraussetzt. Alle waren 
gut katholisch gesinnt und überzeugt; aber daraus folgt nicht, dass 
man auch mit den Ansprüchen der Hierarchie und des Clerus sich 
einverstanden fühlte : je mehr man sich in frommer Unbefangenheit 
mit den Lehren und Uebungen der Kirche einig wusBte, weil man 
überhaupt über sie nicht grübelte, um so drückender konnte man 
jene Anmassungen empfinden, um so entschiedener ihnen entgegen- 
treten, um so zuversichtlicher auf eine Reformation der Kirche an 
Haupt und Gliedern nach dieser Seite hin, der praktischen, hoffen. 
Dass dies die Stimmung jener Kreise war, ersehen wir schon daraus, 
dass ein Glied desselben, nämlich Gilbrecht Holzhausen zum Gold- 
Stein im Schurgiachen Manuscripte den Namen osor Cleri fuhrt Der- 
selbe Name wird früher dem am 22. Mai 1499 verstorbenen Henn 
oder Johann Glauburg beigelegt ,67 . Ohne Zweifel werden Karl 
Hynsberg und Johann vom Rheine, die Begünstiger der Juden, die 
von Conrad Hensel als solche Öffentlich Bekämpften und seine An- 
kläger vor dem Capitel, nebst manchem Andern 168 unter dieselbe 



'« S. 199. Anno 1499 die 22 Maji [vergl. Jobs Chronik §. 259] obüt Henno 
de Glauburgk, scabinus Francofordiensis, osor Cleri. 

168 Unter die Feinde des Clerus wird auch Clas Rückingen, der Vater 
Lisas Rückingen, der hospita Melanchthon's, gehört haben. In der Urkunde 
Nro. 504 des Leonhardaarehiv klagt am Dienstag nach Kiliani (am 10. Juli) 
1509 der Scholaster zu St Leonhard, Nicolaus Kuhn, „wie daa sich begeben 
hatte, das nechten" [gestern] „zu obents nach dem salve zwischen sieben u. 
achten ich stunde uff dem Heyne by dem erwirdigen herrn Friederich zum 
Wedel, euere rats genossen und elter meister", [Friedrich von Altzey, Licentiat, 
1490 Rsthsgeselle u. Schöffe vom 1 Mai 1506 bis 1509 älterer Bürgermeister] 



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103 - 



Kategorie gestellt worden sein. So dürfte sich erklären, dass Katha- 
rina Holzhausen zum Spangenberg die zukünftige Reformation von 
dem kühnen Protest Luther's gegen die Immunitäten de« 
Papstes erwartet 

Noch einmal wendet sich unsere Darstellung zu dem Rohrbach 
sehen Geachlechte. Bernhard hinterliess zwei Söhne. Johann Wolf 
geb. 1506, und Friedrich geb. 1508. Bei dem älteren fällt uns der 
doppelte Vorname auf, das erste Beispiel in der Gescblechtergeschichte 
Frankfurts. Kr bewarb sich um Anna Knoblauch und seine Mutter 
Ursula, welche diese Parthie begünstigte, hatte als Brautwerber Phi- 
lipp Fürstenberg ersehen. Aber es sollte hier das alte Sprüchwort 
wahr werden : „Wer das Glück hat, führt die Braut heim", Johann 
Wolf musste hinter einem begünstigten Nebenbuhler Dr. Johann 
Glauburger zurücktreten, dessen Bewerbung selbst Philipp Fürsten- 
berg im Stillen wärmer unterstützt zu haben scheint i69 . Er wusste 
sich für diese Zurückweisung dadurch zu entschädigen, dass er noch in 
demselben Jahre 1526 seine Hand der Margaretha Reyss reichte. 
Das eheliche Glück beider war von kurzer Dauer. Am 27. Juli fuhr 
der junge Ehemann mit seinem Schwiegervater und Schwager auf dem 
Frühschiff nach Mainz, fiel aus Ungeschick oder, wie Königstein anzu- 
deuten scheint, durch allzartes Schicklichkeitsgefühl bei Kostheim in den 
Main und ertrank 17 °. Sein Bruder Friedrich heirathete 1528 Katharina 
Knoblauch, und nach deren Tod 1543 Stephanie Hynsberg. Er kam 
1535 in den Rath, bekleidete 1539 das jüngere Bürgermeisteramt, 



„hart äff dein ufer oder Staden" [Gestade] „ist komen hintervertig Claas Rückin- 
gen ratsman, als ob er nicht by sinnen gewest, mich mit sampt herr Friedrichen 
gewaltiglieh in den Main stossen wollen u. auch bynahe geschehen, güchaam 
wir übeltheter weren, die dag also verschuldet betten, onaogesehen priester- 
licher wirde und fryheit, auch stand u. ere des frommen erbaren man'B Fried- 
rich'« zum Wedel; darnach mit wehrhaftiger hand sin degen gefasst, mit viel 
bösen muotwilligen vorwenden, untuglichen scheltworten übergeben [verrftthe- 
risch angegriffen] und angefallen." Er sagt später auch, Claa habe „geschlagen 
in einer fry Stadt und am Strom des wassers fryheit gebrochen". 

Fichard's Archiv II. 12ti. Die Angabe Margaretha Horngin's, dass er 
damals „nit mehr denn 19 iar alt" gewesen sei, beruht demnach auf Unkunde- 
Er stand im 22. Lebensjahre. 

»» Königstein : „Anno 1527 den 27 Julij, im frweschiff ist Johau wolf, genant 
Korbar, im abefaren vff das schiff gestigen, sein notturft zuthun, vndvß schick* 
lichbeit in den Meyn nit weit von Costem gestürzt vnd also ertrunken , got 
wolle der sei g. vnd barmhertzig sein etc. Sein swiger vnd b wager vnder 
ander Erbar lewde sein auch im schiff gewest, aber nimand hat kunnen 
helffen. 



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- 10* - 

wurde 1542 Schöff und starb am 4. Decembcr 1553. Aus seiner 
ersten Ehe (die zweite war kinderlos) überlebten ihn zwei Kinder, 
Heinrich, geb 153., und Ursula. Die letztere, geb. 1534, heirathete 
1550 Jeremias Bromm, Claus' jüngeren Bruder, später 1565 Hans 
Hector von Holzhausen, sie starb 1580. Ihr älterer Bruder Heinrich, 
der 1567 die jüngere Schwester seiner Stiefmutter, Anna Hynsberg, ge. 
ehelicht hatte, kam 1566 in den Rath und mit ihm erlosch am 18. Februar 
1570 der Kohrbach 'sehe Mannstamm. Denn von seinen drei Kindern 
waren die älteste Katharine (geb. 1561) und der jüngste Johann 
Hector (geb. 1566) vor dem Vater jung gestorben; nur die mittlere 
Tochter Margarethe (geb. 1563) überlebte den Vater; sie heirathete 
1579 Johann Adolf von Glauburg, starb aber schon 1597 34 Jahre 
alt, die letzte ihres Geschlechtes, das zwei Jahrhundertc in Frankfurt 
geblüht hatte. 

Mit diesen Bemerkungen, durch welche wir die schlichten Berichte 
des treuherzigen Job ergänzen, scheiden wir — gewiss nicht ohne ein Ge- 
fühl stillen Dankes — von einem Manne, der, einer der wenigen unter 
seinen Zeitgenossen, es der Mühe werth erachtet hat, seine einfachen Er- 
lebnisse in der Vaterstadt aufzuzeichnen und dadurch, ohne es zu wissen 
und zu beabsichtigen, sie nicht blos den künftigen Geschlechtern 
überliefert , sondern ihnen überdies einen Blick in Verhältnisse auf- 
gethan hat, die nur selten von gleichzeitigen Schriftstellern berührt 
werden. 



Noch bin ich den Lesern Rechenschaft über die Grundsätze 
schuldig, die mich bei der Bearbeitung des Textes geleitet haben. 
Da die Handschrift ein Tagebuch ist, so ist in ihr die chronologische 
Reihenfolge der Notizen strenge eingehalten. Die Beibehaltung dieser 
Ordnung wäre für den Herausgeber allerdings sehr bequem gewesen, 
aber gewiss nicht für den Leser. Dieser würde so das Zusammen- 
gehörige getrennt, das Fremde verbunden, die Leetüre ermüdend, 
den Gebrauch erschwert gefunden haben. Ich habe mich daher nach 
längerem Bedenken doch dazu entschlossen, die sachliche Anordnung 
der einzelnen Notizen vorzuziehen. So sind vier grössere Theile 
entstanden : der erste enthält die Rohrbach 'sehe Familienchronik, der 
zweite die städtische Chronik, der dritte die Sittenchronik, der vierte 
die allgemeine F amilienehronik ; die drei ersten Theile zerfallen wieder 
in eine Reihe kleinerer Abschnitte, der letzte Theil ist alphabetisch 



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— 105 — 



geordnet. ' Jede einzelne Notiz int zur Erleichterung der Citation 
paragraphirt und das Blatt der Handschrift angegeben. Ueberall 
sind Remissivnoten beigefügt, welche auf das Vorkommen desselben 
Namens und derselben Sache in anderen Theilen hinweisen. Beson- 
ders Hess es sich der Herausgeber angelegen sein, den letzten Tlicil . 
mit solchen Remissivnoten reichlich auszustatten. Ueberall ist be- 
merkt, wo in der Chronik der Name eines Gliedes Frankfurter Fa- 
milien vorkommt. In verwickeiteren Fällen sind die Verwandtschafts- 
grade nachgewiesen. Dieser Theil, den ich Geschlechterchronik 
nennen möchte, wenn damals dieser Begriff", mit dem sieh die politische 
Bevorrechtigung so eng verknüpft, schon »o bestimmt nachgewiesen . 
werden könnte, wird namentlich zur Vervollständigung und theil- 
weisen Berichtigung von Fichard's Gesehlecbtcrgeschiehte viele Bei- 
träge bieten; ich erinnere beispielshalber an Johann Frosch zum 
Burggrafen und Johann Frosch zum Aßen [Fichard: im Sandhof], 
die Fichard so eonfundirt hat, dass er die zweite Hausfrau des letz- 
teren, Rylgin Voclkcr, und die Kinder dieser Ehe dem ersteren zu- 
schreibt. Denn hier muss, wie ich glaube, das Zcugniss des Zeitge- 
nossen Job unbedingt entscheiden, zumal er mit beiden verwandt 
war und alle Nebenumstände dieser Verehelichung und der ihr fol- 
genden Kindtaufen auf das genaueste angiebt Ich habe anfangs 
lange geschwankt, ob ich die ganze Chronik oder nur das Wichtigere 
aus ihr herausgeben sollte; nicht blos der Wunsch einsichtsvoller 
Freunde, sondern auch die eigene Ueberzeugung entschied für das 
letztere. Dem Interesse der Dilettanten könnte eine Auswahl ge- 
nügen: das der exaeten Geschichtsforschung forderte unbedingt das 
Oanze. Die Orthographie und selbst die Sprachfehler sind strenge 
beibehalten, nur hier und da ist in Klammern auf das Richtige hin- 
gewiesen. Die Handschrift ist gut, aber mit vielen Abbreviaturen, 
geschrieben. Die Entzifferung der letzteren hatte oft grosse Schwie- 
rigkeiten und selbst geübte Leser von Handschriften wussten keinen 
Rath: nur fortgesetzte Uebuug und Vergleichung konnte allmälig 
die Hindernisse überwinden. In sehr wenigen zweifelhaften 
Fällen rausste der Herausgeber sich für das Wahrscheinlichere 
entscheiden nnd hat dies durch ein eingeschaltetes Frage- 
zeichen angedeutet. Möge die viele Mühe, die er sich gegeben hat* 
um das Werk durch seine Bearbeitung dem Gebrauche zugänglicher 
zu machen, nicht ohne Frucht für die eingehendere Kenntniss unserer 
reichsstädtischen Vorzeit bleiben 1 



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Text 

L Familie Rohrbach. 



1. Bernhard und Elgin Rohrbach. 

§. 1. [toi. 10J Anno 1466 vicesima prima ianuarii sponsalia con- 
traxerunt pater meus Bernhardus Rorbach et Eylchin, mater 
mea, filia Conradi hulczhusens et Anne Sachsen, deinde decima nona 
septembris bcnedictionem matrimonii in facie ecclesie receperunt, de- 
post vicesima secunda septembris consumarunt matrimonium in nup- 
tiis et tlioro. 

Nativitates nostras in quodam alio libro scripsi. 

[cf. B. Rohrbach's Familienchronik §. 103— 105|. 
§. 2. [fol. 1 lj Hoc de manu patris : Emit auus meus den horn- 
fessel, quem mater mea dedit marth$, pro 145 fl. Eum reformare fecit, 
pro quo dedit fl. 7. Emit autem ab Engel froschen anno 1466 die 
17 maii. 

[Elgin's Tod §. 70.] 

2. Bernhard Rohrbach. 

§. 3. [fol. 1] Anno 1493 vicesima sexta marcij abiit bernhar- 
dus frater meus. Eodem anno postea, octava die Apprilis, abiit frater 
meus Conrad us et erat prima sua abitio. Rediit bernhardus anno 
1495 die 25 maij et ludwicus hulczhusen cum eo una rursus. 
Bernhardus sexta maij abiit ad Italiam anno 96. Rediit Bernhardus 
septima octobris anno 96. [§. 8.] 

§. 4. [fol. 5 1 Anno 1494 die 3» Augusti solui ego iob rorbach 
Conrado biescher, famulo doctoris iohannis gleubergers, ex 
parte matris XVII fl. auri, IX alb. in ecclesia S. bartholomei ante* 
horologium, quos ipse aeeeptavit ex parte domini petri queych, 
propositi in markstat, qui queych mutuauit eosdem fratri bernhardo 
Senis, iuxta condicionem quitancie, quam dictus Conradus biescher 



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matri ex parte queych presentauit. Actum die tricessima Augusti. 
Si erres, vide obligationem fratris, quam ipse pro eisdem queych dedit, 
que plane informabit te. 

§. 5. [fol. 8] Anno 1494 sedecima novembris arripuerunt iter 
versus ytaliam Loy iostenhoffer senior, filius iohannis ryn, no- 
mine , magister wolffgangus heller [§. 268] etc., cui tradidi 

literas matemas et ipsis colligata erat obligatio Alexandripellen- 
dorffs, quam simul ipsi commisi, vt fratri differret 

§. 6 [fol. 25] Anno 1495 die vicesima maij itter arripuimus vna 
simul versus wormatiam doctor ludwicus Scultetus, karolus hensperg, 
aflinis meus, vdalricus nuhusen etego, et die 21. maij wormatiam veni- 
muB et ingressu ciuitatis inueni fratrem meum Bemhardum et ludwi 
com hulczhusen, qui nouiter venerunt italia, in quadriga, vulgo que 
dicitur Rollwage, volentes ire franckfurdiam, qui ob complacentiara 
mei de quadriga descenderunt et manserunt mecum wormatie vsque 
ad 24 diem mensis. Eo cnim die prandio pcracto conduximus quadri- 
gam, que Rollwagen vulgo dicitur, et in ea sederunt quindecim nostre 
ciuitatis franckf. incolc vel fiüi : doctor adam heymbach , Iohan zum 
jungen, karolus henspurg, Bernhardus rorbach, Job rorbach, Ludwi- 
cus hulczbusen, Bechtoldus heller junior, vdalricus nuhuß, Gerhardus 
xur Kan, .... morsfeit, wolf blum et quatuor famuli. Et in qua- 
driga iuimus usque ad oppenheyra de wormatia, 25 die mane 
nauigauimus in naui de oppenheym vsque ad maguntiam et cum 
peruenimus maguntiam, inuenimus nauem forensem, quam ingressi 
franckfurdiam nauigauimus. 

§. 7. [fol. 27. Nota raarginalis Bernhardi manu exarata] Adi XI 
del detto mese io beruh ardo cascai a Maganza a santo Victore in 
tal modo, che non credette tornare alla pristina sanita, e fu in casa 
del decano, cive di raißwigo *, di Silberberg. [Juni 1495] 

§. 8. [fol. 55] Anno domini 1496 maij sexta die abiit Bernhardus 
germanus meus ad vrbem eratque dies veneris, et eo equum ascen- 
dente, vndecima »onuit hora. Habuit comitem vsque ad horneck do- 
minum florentium de veningen, vtriusq. juris doctorem, cum famulo. 
Conduximus cum nos tres vsque ad saltum cerui, qui duobus erectis 
lapidibus signatus, karolus hynsberg, affinis noster, Gylbertus hulcz- 
busen, cognatus noster, et ego pariter. Rediit septima octobris anno, 
quo supra. 



1 miswigo, vielleicht Meuswick, im Stift Lüttich im westphälischen Kreise 
telegen. 



§. 9. [fol. 117] Vndecima Julij Anno 1498 germanus [am Rande: 
Bernhard um Horbach] cepit habitare in solitudine ortus [1. liortij; ob 
morbuin Gallorum, quem patiebatur, vicesiraa tertia mensis eiusdem 
abrasit crines capitis cadein de causa. Redijt in doinum deinde in 
anno 1499 octaua ianuarij. 



3. Ehe Bernhard Rohrbach'». 

§. 10. [fol. 163] Anno domini 1501 deeima quarta januarij , et 
erat die» iouis, vespere post quartam horam parura, ego Job Horbach 
coniunxi matrimonial! ter per verba de presenti Bernhardum Horbach 
germanum meuin, natum ex Bernhardo rorbach pie, memorie et 
Eylljgyn) hultzhuseryn , et vrsulain, relictam quondam waltlieri 
Seh wartzen bergers, natam vero ex ioliane de molnheym et gretgyn 
dorfelderin pie memoria Acta in domo, E lß feit nuneupata, preaen- 
tibus matre mea, sorore, Michaele Öchwartzenbergere et Katherine 
illius legittimc, iacobi et georgii ncuhul>en, iohane de molnheym et 
gretgyn sue uxoris, jacobus heller, kryngyn uxor. Hij fuere preaentes 
inytioni matrimonij. Ad cenum auperuenit etMilchior, scriba ciuitatis. 
Non affuit karolus affinis, quia lugebat matrem. Conradua frater 
erat antwerpie. Eodem die dotalia instrumenta inter eos etc. fuere 
sigillata sex sigillis, quorum vnura meum est. 

Eodem anno sexta febniarij et die beate dorothee Virginia, et 
pro illo anno extitit dies sabathi ante dominicam aeptuagesimam, 
ratihabitio et solemnizatio matiimonij supradicti habita est in fatie 
ecclesie. Eodem anno, deeima vero febniarij, primum aimul condor- 
mierunt, et erat dies Mereurij post dominicam septuagosirac. Altera, 
que dies iouis erat, dies nuptiarum babitus est cum amicis etc. 

4. Job Rohrbach. 

») Lebenscreignissc im Allgemeinen. 

§. 11. [fol. 1] Anno 1494 in die seti bonifacii, quo est dies quinta 
Junii, primam peregi czecham in stuba mea ezu lebenstein et solvi 
VI h. 

§. 12. [fol 1] Anno 1494 post pascam donavit mihi Johannes 
Knopp mediam quartam malmaseti ea condieione, ut cum ducerem 
uxorem legitimam, solverem quartam integram. Actum franckfordie 
in domo Johannis de molnheym 



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§. 13. [fol. 2] Secunda die junii in anno 1494 equitavimus ad 
bonmesB et in societate erant , videlicet niater mea, sororque et 
Jacobus et Udalricus nuhusen et heynricus de Andernacli et ego cum 
duobus soldatis, cenauimus in Castro, tenebat enim locum officialis 
Johann holczheimer in dicta ciuitate et Castro. Tercia antem die 
junii omnes rediebamus, supervenerunt autem Gorg reyss et Gorg 
matroff, qui eadem die mane equitarunt usque ad bonmess et in re- 
deundo tennerunt societatera nobis. 

§. 14. ffol. 3] Anno 1494 die Junii undecima equitavi cum 
nobili nicolao de babenhusen ad Castrum zum goltsteyn, nec ego in 
dicto castro antea fui (tenebat enim locum officialis in dicto castro, 
quia pater suus, henn de babenhusen, longo tempore in eo fuit officialis 
et mortuo patre prefatus uicolaus ad tempus vicem officialis funge- 
batur), et ibidem noctem in gaudio peregi. Altera die, que erat dies 

XII Junii, redii cum prefato nicolao et Anna matre sua, et 

pransi sunt cum matre. Prandio peracto in navicula parva omnes 
infra scripti descendimus cum Anna et filio ejus, nicolao de baben- 
husen, ad dictum Castrum zum goltsteyn, videlicet Eylchin rorbecherin 
et ego iob et soror mea martha et mergin uxor junghens, vicini 
nostri, et consurapsimus noctem ibidem in gaudio. Tredecima autem 
die Junii omnes supra nominati redibamus et adduxinius luchelin de 
haczsteyn, uxorem heyncz kryegen, et raansiinus in orto [horto] nocte 
illa et altera die usque post sextam horam post meridiem, quia tunc 
reversi sunt nicolaus cum matre ad Castrum zum goltsteyn et nos 
alii ad domum. 

§. 15. [fol. 8] Anno 1494 decima quarta nouembris for ich zu 
nacht myt vlrich nuhussen off syn schieden. 

§. 16. [fol. 9] Anno 1494 decima octaua nouembris in naui des- 
cendimus Gylbertus hulczhuseu et ego iob, adduximus nobiscum 
Blasium de hulczhuseu ad maguntiam ad domum Georgii helle, 
Sigilliferi episcopi maguntini, vbi gratia studii est. Et est primus 
exitus sui de franckfurdia. 

§. 17. [foL 20] Anno 1495 secunda maij Katherina hulczhuserin 
et mater mea iuerunt ad Wisbaden, dehinc 5»* maij Gylbertus et ego 
descendimus maguntiam et conuenerunt prefate ad nos in domo d. 
heynrici de sylberberg, vbi omnes hospitati eramus. 6«* maij mater 
intrauit maguntiam et ego vna etc. et emit mihi VI vlnas panni, 
leberfarb pro vj fl., 7""* maij rediuimus omnes simul. Ex iam dicto 
panno confecta est vestis, que vulgari nostra hasack [cf. §. 191] 



- HO - 



appellatur , subducta pellicula , vulgo merderkeln* dicta , quam 
veatem indui die nathiitatia Christi, anno 1495, annum ab initio 
ianuarij inchoando. 

§. 18. [fol. 26] Anno 1495 penultima maij descendi maguntiam 
ex parte nostre familie ad primitias domini alberti brollyn 3 ; 
inuitauerat enim omnes noa, sed nec mater, [g. necj frater, nec soror 
interesse poterant, descenditque mecum Katherina hulczhuserin, Agnes 
yrgeschameryn, Gylbertua hulczhusen, fiKus Katherine, qui omnes 
aderant priiuitiis, et cantauit priniitias die vltima maij, que tunc erat 
dominica exaudi, in eboro ferreo in eccleaia maiori magunti§ et pro- 
pinaui ipsi duoe fl. ex parte matris, fratris et mei. Debinc secunda 
junij mane Eatherina hulczh userin et Agnes yrgeschamerin mane de 
maguntia iuerunt ad wisbaden et ego redii franckfurdiam. Bedierunt 
autem domina Katherina, relicta iohannia hulczhusens, et Agnes 
yrgeschameryn de termis wissbaden franckfurdiam vltima die Junij. 

§. 19. [fol. 27 J Anno 1495 tertia Junij solatij causa iuimus pis- 
catum ad husen, videlicet mater mea, Bernhardus, frater ineus, niartha, 
soror mea, ego iob, Katherina hulczhuserin, relicta Gylberti, ludwi- 
cub filiua eius, hamandus hulzhusen, margareta uxor sua, Jacobus 
nuhusen et Magareta, uxor friderici faut, et ibi peregimus diem in 
gaudio et nocte rediuimus circa horam aextam, nec febres terciane 
arripuerunt me, qui et Semper altero die frigora et calores sustuiui 
septies, vsque destruxeruntque ac exhauserunt vires meas omni- 
modo; tarnen de gratis dei dereliquerunt me febres die deeima sexta 
Junij, sed rehabui et durarunt itterum vsque .... 

§. 20. [fol. 27] Anno 1495 aexta Junij descenderunt in naui 
mater mea, frater meus bernhardus, martha aorror mea, katherina, 
relicta Gylberti hulczhuaens, ludwicus filius suus , Margreta, hamandi 
hulczhuaens vxor, karolus henspurg; aic namque mulierea iuerunt ad 
wiabaden pro aolatio katherine hulczhuserin, viri vero expectarunt 
mulieres maguntiam. Duodecima die Junij redierunt mater, frater, 
aoror et karolus henspurg, eo quod ego infirmabur, et ludwicus hulcz- 
husen venit cum ipsis, sed rursus deacendit Ceteri manserunt maguntia 
penes cancellariam. 

[Bernhard fallt in Mainz. §. 7] 

§. 21. [fol. 27] Anno 1495 die tredeeima junij sumpsi primam 
clisteriam ex persuasione doctoria iodoci medici et dedit 



* Köl, köle, Halatheil beim Pelzwerk. 

3 Spater Kaplan von Katharina Holzhaosen in ihrem Hause zum Goldstein 
vergl. §. 217. 



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- m - 

mihi eam iodocua appotecarius. Antea ullam habui, nec recepi 
temporibus vite mee. 

§. 22. [fol. 33] Anno 1495 die duodecima mensis Augusti pran- 
dio peracto raater donauit Bernharde germano meo et mihi omnes 
expensas, quas consumpsimus in partibun alienis et studijs, item 
et libroa, eaque condicione donauit, ut preeipue hec habeamua adeo, 
quod in diuisione bonorum poat mortem matris (quam deus sua gratia 
cum salute longa velit perseruare,) expenBe et libri predicti non veniant 
imponenda cum aliis rebus, sed preeipue hec capere debeamus, dehinc 
ad equalea portiones cum aliis admitti. Et ut valeat donatio, sua manu 
inscripsit in librum reddituum patris hanc donationem. 

§. 23. [fol. 35] Anno 1495 quarta septembris hatt Hartmann.... 
der Bcherrer, Elsen .... der kochmeytt zum goltsteyn die Ehe ge- 
lobett vnd verheyssen vnd den winkauff gedruncken. Dehinc 
nuptie habite sunt zu lympurg 19octobris, et interfuere genitrix mea, 
soror martha et frater bernhardus et ego, anno, quo supra. 

§. 24. [fol. 49] Anno domini bisextili 1496 die quarta februarij 
iurauünua vna simul ciuilitatem, hoc est iuramentum ciuium franck- 
fordensium, videlicet GylbertuB hulczhusen, ego iob rorbach, hans 
frunt, filius heyncz fruntt. Prestitit nobis iuramentum Jacobus geych. 
Actum ym Romer yn der rechenmeyster Stoben. Soluit quilibet II 15 
pro intitulatione. Prefatus hans frunt obijt in anno 1497, die . . . 

§. 25. [fol. 54] Anno 1496 die 19 Apprilis ineepi bibere Siro- 
pium tempore eo, cum ibam ad lectum dormitum, etocto bibi ordine 
post octo dies et 26 die prefati mensis aeeepi pulueres in vino mane 
hora quarta, que purgarunt ventrem et quatuor sedes operabantur. 

§. 26. [fol. 55J Anno 1496 duodecima maij, eoque die colebatur 
festum gloriose ascensionis in celum Jesu Christi redemptoris, suseepi 
infantem de fönte baptismatis, quem secundum meum nomen nominaui, 
Job videlicet , primumque meum est, retro namque alium de bap 
tismatis fönte non eleuaul Nomen genitoris infantuli .... genitrieb 
vero nomen est kryn, soror gissen he ns, laboratoria nostri, legitima 
uxor prefati genitoria. 

§. 27. [foL 56] Anno 1496 die 18 maij mater, ego et Ludwicus 
hulezhuaen iuimua ad wisbaden, deinde 25 maij de wisbaden iui ego 
ad costem [Koatheim], volena ibidem ad naueni forenaem, sed nequiui 
ob Talidis8imum ventum flantem et ea nocte quieui maguntie ibidem- 
que amisi canera nostrum moezschelgyn, aicque 26 redij franckfurdiam. 
Rediit de wisbaden ad franckfurdiam genitrix 28 maij. Rutbub die trice- 
stmaOUbertus hulczhusen et ego pariter de franckfurdia iuimua ad wis- 
baden ad matrem »uam et rediebamus noa pariter cum matre vltima maij. 



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§. 28. [foL 56] Anno 1496 die 20 junij cum doctore Florentio 
Licentiatus georgius schrottlyn et ego iuimus mane iii naui mogun- 
tiam et maguutie currum conduximus eodem die et vehebamur ad 
wormatiam, et die 25 junij vehebamur de wormatia ad spiram; ibidem 
maiiBiraus vsque ad 25 junij ; co enim die de spira vehebamur ad 
maguntiam, 26 junij ascendimus mane in naui franckfurdiam 

[Job Rohrbach hält in Sachsenhausen mehreren anwesenden 
Fürsten 15 Stunden lang Ehrenwache. §. 118.] 

§. 29. [fol. 61] Anno 1496 quarta Augusti dominus doctor Floren- 
tius de veningen et ego vna profecti sumus maguntiam, quinta Augusti 
de maguntia ad wormatiam, sexta Augusti ascendimus ad spiram, 
durauimus ibidem vlique ad diem nonam Augusti. Ea namque die 
iuimus ad oppidum Landawc, quod distat a spira railiaribus quatuor; 
moram ibi egimus vsque ad sedecimam Augusti, qua nunc reversi 
sumus ad Spiram. Iilic mansiraus vsque ad vicesimam primam Augusti. 
Fadem die ad wormatiam venimus, vicesima secunda augusti 
rediebamus maguntiam, ibidem moram egimus vsque ad vicesimam 
quintam Augusti, illa namque die rediuiraus franckfurdiam. 

§. 30. [fol. 88] Anno 1497 die secunda maij iuimus pariter 
gemtrix et ego vna cum katherina, relicta gilberti hulczhusens, et 
Ludwicus hulczhusen, katherine filius ad wisbaden ibique visitauimus 
katherinam, rclictam iohannis hulczhusen, quc infirmabatur. Duraui- 
mus ibidem vsque ad quintam maij. Ea namque die maguntiam veni- 
mus. Sexta maij mater et ego pro deuotioue visitauimus sanctam 
crucem extra muros maguntinos. Septima maij et dorainica post ascen- 
sionis rediebamus mater et ego franckfurdiam. Alii manserunt cum 
vxore cancellarij, doctoris pcffer. 

§. 31. [fol. 91] Anno 1497 die tricesima maij nobilis vir doctor 
florentius de veningen, Iuditij camerc celeberrimus Advocatus, abiit 
deque franckfurdia transtulit se cum libris atque omni suppelectili 
wormatiam. Cum eo descendimus in naui nos tres, Iacobus neuhusen, 
Bernhardus Horbach et ego Job, frater suus, usque ad hoest, de boest 
pedestres rediimus franckfordiam. Eodem die indui nigram simplicem 
tunicam, cuius mentio habetur fol. 87 [§. 58]. Eodem die prima cerasa 
comedi pro illo anno. 

§. 32. |fol. 93] Anno 1497 decima nona junij exiui franckfurdiam 
et veni eo die wormatiam, ibidem intraui habitationem domini florentij, 
V. I. doctoris ac ex suis progenitoribus nobilis. 

§. 33. [fol. 104] Anno domini 1497.annum ab exordio Januarij 
inchoando, ipsa die Steffani prothomartiria, que est 26 decembris, 
ascendi cum nobili V. I. doctore, domino florentio de veningen, spiram, 



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die Johanis evangeliste pransi sumus in cetu omnium clericorum maioris 
ecclesie spirensis, intereratque et dominus episcopus ea die; cQnauimus 
com episcopo in sua curia die inocentum tota; cum Petro drach fuimus 
29 decembris nocte inuitati a consulibua spirensibus. Tricesima de- 
cembris ascendimus ad landauwe, 31 eiusdem pransi sumus ibidem 
cum sculteto. . . . Depost secunda ianuarij anuo 1498 a consulibus 
inuitati comparuimus et in prandio et in cena. Tertia januarij rursus 
iuimus ad spiram, ibidemque mansimus usque in quintam diem eius- 
dem, in quo rediuimus wormatiam. 

§. 34. [fol. 93] Anno 1498 vicesima nona martij exiui wormatiam 
et tricesima eiusdem, que erat tunc veneris post letare, redij franck- 
furdiam. 

35. [fol. 113J Anno 141*8 die 19 apprilis et quinta pasce. des- 
cendi maguntiam, 2ü ascendi wormatiam, vicesima prima descendi 
a wormatia maguntiam, 23 descendi in naui de maguntia et 24 eius- 
dem mensis venimus Bemhardus et ego pariter coloniam, ibidem ego 
mansi vsque ad vndecimam maij illius supra dicti anni, illa die Iacobus 
neuhusen et ego ascendimus usque ad wyntcr, 12 die ad cappel, 
14 ad bacheracb, 15 versus maguntiam, sedecima maij ego solus 
ascendi wormatiam, de wormatia descendi 24 maij vna cum domino 
Florentio de veningen maguntiam, et erat pro tunc dies ascensionis 
domini, 26 maij de maguntia solus ascendi franckfurdiam. 

§. 36. [fol. 116] Anno 1498 die 16 junij iuimus genitrix et ego 
et Katherina, relicta uxor Gilberti hulczhusens in spangenberg, vna 
cum aliis ad hanawe, vbi in [17] eiusdem mensis dominus Caspar. . . ., 
filius sculteti, ibidem suas primitias seu primum suum diuinum cele- 

brauit, ad quod vocati eramus. Inuitauit nos dominus plo- 

banus in steynheim. Ibidem die 18 fere tota fuimus, nisi quod noctu 
regressi fuimus ad hanawe. Decima nona sumus reuersi mensis eius- 
dem. [Dieser Plebanus zu Steinheim ist Niemand anders als der 
bekannte Johannes de Jndagine.] 

§. 37. [fol. 117] Anno 1498 prima julij iui maguntiam, secunda 
ascendi wurmatiam, ibidem duraui vsque ad nonam julij , qua redij 
moguntiam, decima autem franckfurdiam. 

§. 38. [fol. 127] Vicesima nona octobris nuptie habit«? et consu- 

mate inter zu nasawe et Katherinam, filiam Eberharts des 

motters [§. 39], ad quas vocati fuimus mater egoque et comparui- 
mus. Actum die supradicto, anno 1498. [cf. §. 39 ]. 

§. 39. [fol. 144] Anno 1499 vicesima octaua augusti et die 
mercurij per suseeptionem infantis, quem secundum nomen meuin, 
iob videlicet, vocaui, compater sum factus Casparis de nasawe et 

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Katherine, filie. Eberhardi des sackdregers, vxoris dicti Casparis, et 
is in ordine est secundus, quem suscepi. 

[Job tanzt auf der Hochzeit des Dr. Joh Glauburg als Cano- 

nicua §. 257.] 
[Job'a Gastmahl 1500 §. 221.] 
§. 40. [fol. 155] Job zag, meus patrinus. Anno domini 1500 die 
21. junij, que exstitit dominica infra octauam corporis Christi, de 
fönte baptismatis suscepi infantera, quem secundura meum nomen, 
videlicet Job, vocaui, filium Hanß krehers, eyna sporers, et £113, vxoris 
sue, et is per ordinem est tertius, quem auscepimua etc. Mortuus est 
intra dies puerperij infans. 



b) Anschaffungen und Geschenke Job Rohrbach's. 

§. 41. | fol. 4] Anno dßi 1490 in die S. Laurencij indui primuro 
lambasium pictum, w"r den thobin, coloris morgensgrauwe una cum 
caligis eiusdem coloris. 

§. 42. [fol. 6] Anno 1494 quarta aeptembris indui nigras caligas 
ad antiquum lambasium nigrum. 

§. 43. [fol. 6] Anno 1494 xix aeptembris donauit mihi mater 
loricam, colerium lorice, balistarn vnd eyn ysaen bruat, cum aliquibua 
telia et inatrumento, quo baliata tenditur, presentibus Gilberte hulcz- 
huaen et aorore mea Martha. 

§. 44. [fol. 7] Anno 1494 nona nouembria thett ich eyn schwarcz 
gefyrne8t barchen wameß zu mynen rotten hossen. 

§. 45. [fol. 8] Anno 1494 duodecima nouembria poat meridiem 
in domo zum goltateyn donauit mihi Gylbertua hulczhuaen ymagines 
pictaa duaa, quarum quelibet habet formam vite et mortia. Mas 
caput tenet vite et corpua mortuum; e contrario ymago femine, et sunt 
picta super pannum, pannuB autem bituminatua et affixus est ad 
afferulaa. Donum comitiase de atolberg. 

§. 46. [fol. 15] Anno 1495 decima nona februarij thet ich eynen 
neuwen leberfarben mantell vmb vnd eyn neuwen gyrttell vnd eyn 
neuwen welsch secklin hing ich by mich. 

§. 47. [fol. 17] Anno 1495 tertia marcij indui caligas, wulgo 
roaet, una cum lambasio. 

§. 48. [fol. 18] Anno 1494 in nundinis quadragesimalibus emi 
cultrum longum sandalie manubro pro i fl. iii alb., item clauam fer- 
reain, eyn fusthamer pro xi alb., item duoa pileoB, nigrum et rubeum, 



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pro quindecim albia, item duo byrreta aPhilKppo vgelnheymer, rubeum 
videlicet et sanguineum, emi pro xl ß franckf. 

49. [fol. 18] Anno 1495 yn der fasten meß hab ich mir kaufft 
eyn esser vor viii alb., item hat myr myn waU Clar eyn brostuch 
gestyckt myt golt vnd eyn gülden wolckicht schnor daruff geschenckt, 
kost ii gld. minus i ort Item myn wa£ Margret geschenckt eyn gel 
samett brostuch. Item Erben tagel hat myr geschenckt eyn langen 
thegen, item vi beyner kern. 

[Geschenk von Elgin an Job in Mainz. Mai 1495. §. 17.] 

§. 50. [fol. 36] Empta et donata in nundinis autumnalibus 
anno 1495. 

Eyn schwarczen hutt kauft ich vor vii alb. 

Eyn vocabularium Catholicon pro i fl. iiii alb. 

Item formulare advocatorum et procuratorum et orationale in 

forma minima pro fl Vnum orationale laniendo rupit 

cauis noster füi*st. 

§. 51. [fol. 53] In nundinis quadragesimalibus anno 1496 emi 
byretum nigrum venetianum pro xiiü alb. in vigilia annuntiationis 
beate Marie. 

Die 29 martij emi iij ulnas velon Rosetten färbe, ulnam pro 

ii fl- iii summa 5 fl. 18 0. De prefata summa donauit mihi mater 

iii fl ; indui vii junü anno supra. 

Item nigrum byretum donauit mihi Katherina hulczhuserin zum 
goltatein uecunda apprilis, que erat vigilia pascatis. 

Vnum pater noster de corallo, cui sunt viginti corrali numero et 
duo argentei et deaurati kneyff, et est de optimo corallo, donauit mihi 
Margreta cognata zum thorn, [§. 244], die 15 apprilis eo die celebra- 
batur festum Corone et Lancee. 

§. 52. [fol. 54] Anno 1496 vicesima sexta apprilis perfectus est 
annulus per Danielem .... aurifabrum, in quo est lapis impositus, 
cui insculpta sunt arma mea, suppositis veris coloribus armorum, 
pro quibus conficiendis exsoluit germanus meus Bernhardus rorbach 
rotne duos ducatos largiter, donoqne dedit mihi; pro factura annuli 
ducatum unum exsoluit et hunc donauit, item magnam partem auri 
donauit, ex quo auro annulus formatus est 

§. 53. [foL 61] Anno 1496 secunda augusti donaui domino doc- 
tori Florentio de Venningen aleam paratam cum asseribus. Pro alea 
dedi aureum, pro tabulis sex ß , pro ferramento, quibus clauditur et 
aperitur, 5 albos. 

8* 



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§. 54. [foL 62] In nundinis autumnalibus anno 1496 
emit mihi mater pectinem coraenm pro xiii den.; 
duos pectines corneos emi pro 26 den.; 

eyphum de ligno fraxino, wulgariter eschenhulcz, pro 
6 ß. emi; 

pro tabula lignea, in qua scribitur, 20 den.; 
pro iii pectinibus ligneis 6 alb.; 
pro pileo nigro 7 alb.. 
Franeiscum petrarcham in omnibus operibus die 16 septembris 
donauit mihi doctor Florentius de veningen. 

Eyn thegen myt eym wissen gewunden hefft ist lang, vnd doch 
nyt zu fyll, kaufft vor 24 alb., vnd schnyt zu beyden sytten, donaoit 
illum frater D. Laurentio truchses, canonico maioris ecclesie mogun- 
tinensis, etc. act. 22 martij et mercurij post palmarum anno 1497. 

§. 55. [fol. <38] Anno 1496 vicesima sexta uouembris emit mihi 
gcnitrix vi vlnas panni eyner tunckelen färb oder rauchfarb, vlnam 
pro 22 l\ Emit ab Hartmudo gryff, curauitque mihi subduci nigri« 
pellibus induique eam primum quarta decembris, que est dies »acre 
Barbare virginis. 

§. 56. [fol. 73] Anno 1497 secunda ianuarij donaui aliam Käthe- 
rine hulczhuseryn zum goltstcyn, pro qua solui 6 alb.; asseres, que 
in ea sunt, donauit mihi mater. Donaui insuper vnum paruura col- 
tellum, quorum quatuor habui de colonia, pro quibus solui 22 alb. 
§. 57. [fol. 84] In nundinis quadragesimalibus anno 1497 
duos pectines emi pro 7 alb., eyn eser* pro 9 alb.; 
sex [vier?] Elen schwarczen meylendeschen samet kaufft myn bru- 
der vnd zweyen zu wamessen, die Ell vor ii gülden iiii ß, fach 
in summa xiii fl. Emptura 20 martij et die lune post palma- 
rum: indui diploidem factam ex veloto prenotato, die 21 maij, 
beate dominica trinitatis Anno 1497. 
6 alb. vor zwen stcynen krug zu lougen ultima martij. 
2 kleyn bettbüchlin kosten vi alb. yn zu bynden vnd funff alb. 

rohe, unum dedi germano Bernhardo. 
Sermones fratris Roberti charocholi, duas partes, de peccatis 
videlicet et de sanctis, pro quibus solui 16 & Et pro ligatura 
eius iiii alb., itterum emi partera de sanctis pro octo quam 
dedi doctori Florentio de veningen. 
§. 58. [fol. 87] Anno 1497 die decima apprilis hat mir myn 
liebe mutter an lassen schniden x eilen schwarcz londeach tuch, mitt 

— -* 

♦ Eser = Beutel. 



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namen v eilen zu eym rock vnd iiiij elen zu eym mantell vnd eyn 
halb eil zu eynem zyppffel, vff das, ob yemants storb von vnseren 
voreipten vnd gewanten, da vor gott wol mitt selligkeyt eyn jeden 
lang gefliesten, das ich furters nit dorff kleyder, als vor offt gesche- 
hen ist [dorff] cntlehenen. Soluit pro vlua decem et octo solidos et 
qoatuor obulos, suma autem decem vlnarum septem fl. sedecim ß iiii h. 
Tonicam induj die tricesima maij anno supra. 

§ 59. [fol. 100 1 Anno 1497 decima octaua septembris misit frater 
wurraatiam mihi scriptorum magnum cum variis capsulum, pro quo 
soluit x alb. Depost 23 misit mihi idem frater optimum rubcum du- 
plum biretum Scharlach, item pcctiuem corneum cum receptaculo suo, 
factum [facto] de corrio. 

§. 60. [fol. 112] Anno 1498 die 5ta apprilis emi spcculatorem in 
impressura ipsius Baptist? de tortis cum additionibus do. Andree, pro 
ligatura illius dedi ii alb. et pro corpore libri seu libro ipso 4 fl. 

§. 61. [fol. 119) In nundinis autumnalibus anno 1498. 

Emi practicam ferrariensis, Tractatura clausularum, Summam 
Gottfredi super tit decretalium pro ii fl. et in unum volumen 
feci illigari. 

Breviarium maguntinum, impressum venetiis, ligatum pro i fl. 
Vocabularium, vbi theutonicum latino prcponitur, et vocabu- 
larium doctoris Jodoci etc. pro 8 alb. et in unum feci ligarl 
Eyn lideren brun kleyn wezschen oder aser pro 8 alb. 
[Elgin Horbach schenkt ihrem Sohn Job das Familienmissale 
und die priesterliche Kleidung. §. 66.] 



c) Job Rohrbach* Canonikat und Weihen. 

§. 62. [fol. 120] Anno 1498 vicesima Augusti dominus Johannes 
wimer, canonicus et scolasticus hic in ecclesia sua diui Bartholome! 
sepultus est, obiit autem 19 eiusdcm; domini autem de capitulo con- 
corditer mc ad praebendam elegerunt, solo domino Johanne gryffen- 
stein obstrepente, illiusque possessionem mihi traddiderunt vicesima 
augusti iam memorati sub completorio, et erat dies mercurii, sicque 
die mercurii natus, die mercurii praebendam adeptus. Deinde domi- 
nus Eberhardus becker scolastriam obtinuit. Ego primum chorum 
ingressus induto superpelitio die veneris et ultima augusti post nouam 
boram de die iusinuaviquc residentiam decano, ut diem notarct, qui 
rcspondit: valeat, in quantum valcre potest. Sub vesperis vero die illa 
obtulit sibi dominus Johannes ugelnheimer xü albos pro vino admis- 



sioiÜB, quoß accipere renuit, dicendo: cos dandos, cui vellent, me pro 
canonico minime reputaret; hac de causa motu» residentiam tone 
inchoatam et scolastico et cantori ittidem insinuavi, ät diem et horam 
notarentj qui et polliciti mihi sunt. Depost dominica et secunda sep- 
tembris anno, quo supra, primum ivi in processione ad sanetum 
Michaclem in aspersione aque benedicte, in vigilia natiuitatis Marie 
et die ipsa portavi thuribulum et tenui patenam sub officio. Super- 
peiitium proprium novum primum indui ipso die ac die Michael 
archangeli supradicto anno. Die raercurii post Michael et tertia 
octobris suseepi hic (apud fratres predicatores in capella chori ibi- 
dem, que sita est in latere dextro, dum vertea ante altare fatiem) 
ordinem aecolitatus. Secunda decembris et prima dominica aduentus 
anno, quo supra, indui primum cappam nigram, que more ecclesiarum 
hic solet differri tempore aduentus, septuagesime et quadragesime etc. 

[Bernhard Rohrbach tanzt auf der Hochzeit Dr. Johanns von 
Glauburg und der Margaretha Horngin am 29. October desselben 
Jahres §. 257.] 

§. 63. [fol. 120] Anno domini 1499 die veneria post domin icam 
letare, que erat dies xv martii, insinuaui dominis de capitulo capituli 
congregati [fol. 121] residentiam meam completam fore et me porro 
relaxari ad ambulandum etc. more aliorum petii. Cum hoc iam pre- 
tendebam, decanus cum intellexit, de capitulo surrexit et abiit dicendo 
intra hoßtinm [ostium] capituli ad me, se non velle interesse huic 
actui, non in despectum meum, quare Uli succensere non deberem, 
sed debere me petere ab hiis, qui me presentarunt, que intenderem; 
non se mihi esse molestum, sed se contentari ait b presenti in 
persona mea, nec quitquam [quidquara] contra me velle 
machinarl Quibus dictis ad ceteros dominps capitulares vocatus, ubi 
petii, uti supra dixi, me ab oncre residentie relaxare, ex quo com- 
pleverim more ecclesiae, qui me abire parum iubebant dehberando 
se; habita deliberatione, me revocarunt, et dominus plebanus nomine 
capitularium respondit, completam meam residentiam fore et dominos 
pro sufficiente eam diiudicasse, ideoque se me ab hoc die liberasse etc. 
QuibuB pro hoc cgi grates immortales. Fuerunt autem hij, quiapproba- 
runt residentiam meam pro sufficiente, dominus Eberhardus becker, 
scolastieuß, dominus Georgius Schwarzenberg, cantor, doctor Conra- 
dus hensell, plebanus, dominus Erhardus dincickhe)*mer et dominus 
Johannes ugelnheimer, hij erant capituli congregati et petioni meae 
annuerunt, dominus wilnawe, alias ruwenheimer, uon erat, quia tunc 
non exibat doinum; dominus Heimanus ytzBtein erat maguntie, vbi 
comparuit in causa quadam ut produetua testis. 



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§. 64. ffol. 121] Anno domini 1499 penultima martü et sabatho 
ante pasce ordinatus in metropolitana ecclesia sum in subdiaconum, 
ubi etiam legi sub officio epistolam, presente in eboro domino 
Archiepiscopo maguntino Bertholdo etc., ac ministravi eo tunc ad 
officium ac corpus domini sumpsi satisfaciendo pasce. 

§. 65. [/ol. 121] Anno 1499 vicesima quinta maji, que erat 
aabatbum post pentecosten et dies S. Vrbani, [fol. 122] reeeptus sum 
in capitulura, consentiente decano, qui et me inBtallavit Et illo eodem 
die in vesperis inchoavi officium meum imponendo in vesperis etc. 
Et die sequenti, quando celebrabatur festum sanetissime trinitatis, in 
matun'nis et secundis vesperis imponendo, legendo lectionem etc., 
et fuit primum meum; in missa vero ministraui, legi epistolam et hec 
prima, quam franckfurdie legi. Suscepi etiam illo die prima« presen- 
tias, videlicet novem h., pro djacono habui d. Heymanum de ytzsteyn, 
canonicum ofifitiura vero celebrabat decanus Johannes de gryffenstein. 
Anno 99 in die nativitatis b. Marie ministrauit ad offitium mecum d. 
Nicolaus schell, vicarius, qui legit euangelium, ego vero canonicam 
epistolam; contigit ex eo, quia ego ordinem dyaconatus non habui. 
Anno 1500 die 28 [27] decembris et die veneris, calculando annum 
a nativitate christi, ipsa die diui Johannis apostoli et euangelistc gestiui 
primum publice a choro almusium in honorc Jhesu christi ac predicti 
diui Johannis, in cuius die sum natus, qui et mihi sortc apostolus 
obuenit, et quia canonici munus apostolorum representat, ego mc illo 
die ut canonicum exhibui [supple: ejus], cuius fraor sepius intercessione. 

§. 66. [fol 167] Anno döi 1501 dominica invoeavit et ultima 
februarij, prandio iam acto, Genitrix sua sponte, non rogata, nec vllo 
instante, sed animo deliberato, donauit magnum missale scriptum et in 
loci» conuenientibus notatum, subduetum rubco corrio et decoratum 
monilibus, in quibus arma progenitorum nostrorum ex linca paterna 
formata; item casulam rubcam von rottem geblümten Samat cum 
alba, stola, manipulo, humerale, cingulo; hac die et anno, quo supra, 
donauit mihi, ut premittitur. Actum presente Agnete, coque nostre 
|coqua nostraj. Eodem die paulo post donauit et Missale aliud anti- 
quum et minoris quantitatis alio; illo die post vesperas retulit Bern- 
hardo fratri donationem suam mihi, vt premittitur supra, factam a sc 
et donauit Uli duas cistas illo tunc. Eodem die, quo supra, cenavimus 
mater, ego, Carolus, Martha in domo Bemhardi fratris et Vrsule et 
ibi publice mater omnibus in cena retulit supradictam donationem a 
se, ut premittitur in me factam etc. 

§. 67. (fol. 122] Anno 1501 sexta martij et sabbatho quatuor 
temporum post cinerum fui ordinatus in dyaconum maguntic ad car- 



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melitaB, ibi contuiuo legi euangelium et ministraui ad officium episcopo, 
qui ordiiies contulit. 

§. 68. [fol. 122] Anno 1501 die vicesima maij, que erat dies 
gloriose ascensionis Jhcsu christi in celum, legi franckfurdie euange- 
lium pro primo, Johane gryffensteyn celebrante offitium et domino 
Nicoiao hugonis legentc epistolam. 

§. 69. [foL 122] Anno 1501 sexta junij, que tunc erat sacra- 
tissime trinitatis, hic in ecclesia diui Bartholomei apostoli cecini pri- 
mam meam missam de festo predicto et habui pro adstante dominum 
Johanem gryffensteyn, decanum eiusdem ecclesie, et pro ministrantibus 
dominum Heymandum ytzsteyn canonicum et dominum Nicolaum schell 
vicarium, detulique per cireuitum ecclesie in processione caput saneti 
Bartholomei et touui secundas vesperas eiusdem diei vice decani, sieque 
compleui opus seu ofiitium sacerdotij, divina annuente gratia, precor 
autem conditorem, vt hoc primum meum offitium vna cum reliqnis 
futuris benigne pieque suseipiat, vt mihi omnibusque et vniversis con- 
ducat in vitam et gaudium cternum. Amen. 

d) Tod der Elgin Rohrbach. 

§. 70. [fol. 171] Anno domini 1501 die deeima nona decembris, 
que exstitit eo tunc quarta dominica aduentus, domina Eylchin, relicta 
Bernhardi rorbachs, patris mei, primogenita vero ex Conrado hultz- 
husen et Anne sachssen, post graues languores domino suo reddidit 
spiritum corde et mente quicta, mca unica atque amantissima genitrix, 
quam suseipere in synum suc gratie dignetur omnipotens, pius et 
prupitius deus, intime oro; obijt autem dicta mca genitrix memorato 
anno et die, precise post duodeeimum iam tactura in nocte. [cf. Bern- 
hards Familienchronik. §. 124.] 

e) Letzte Krankheit Job Rohrbach'e. 

§.71. [foL 17?] Anno domini a natiuitatc auspicando 1502 
minui sanguinem in vena ea, que in sinistro pede inter magnam 
pedicam et eam, que Uli proximior adheret; suseepi enim (ob terro- 
rem infirmitatis matris mee et mortem) dolorem latcris sinistri vehe- 
mentem, qui per minutionem illam mitigatus est. Actum anno supra- 
dicto die tricesima decembris, et hec minutio est prima. 

[Alia manus subseripsit: et ultima. 1636. 

Ut solent in provectioris aetatis alteratione 

omnem magna coraitari pericula. 
Job hie moritur 1602. 15 Maij.] 



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5. Anna und Afra Rohrbach. 



§. 72. [fol. 4] Anno 1494 scxta augusti velamina sunt imposita 
religiosis sponsis xvi, Ann? et Affre, sororibus meis. 'Actum zu den 
wissenfrauwen yn der Kirchen. 

§. 73- [fol. 4] Anno 1494 in vigilia Bartholome^ que est 23 dies 
augu*ti, mane circa horam terciam Anni rorbecherin, virgo, soror 
mea, obdormiuit in domino franckfurdie apud virgines zun wissen 
frauwen, de quarum nuniero et ipsa erat, cuius anime propitiari 
diguetur miscricordissimus deus. Exequie quoad diem primum celc- 
brate sunt die Bartholoinei cum vigiliis, altera die missa. Actum zun 
wissen frauwen. Dies repctitionis excquiarum cum vigiliis xxviii au- 
gusti et cum missa xxix peractus est iu prcfata ecclcsia. 

§. 74. [fol. 9] Anno 1494 vicesima sccunda nouembris gab mir 
myn Schwester Affra zun wissen ffrauweu eyn zwyg, gemacht von 
*yden, hatt drij wißgefolt ackeleyen, drij eychlin vnd sust zwo roitt- 
gefolt blumen niyt fyll anderen kleinen blumchin. 

6. Martha Rohrbach. 

§. 75. [fol 7| Anno 1494 vndeeima octobris Martha rorbecherin, 
soror mea, e sacro fönte baptismatis leuauit infantem Gissenhenn, 
quam nomine suo, videlicet Martha, nuneupauit. Mortua est infans. 
Non eo minus vertun est, eo quod deletum sit. [Die Notiz ist nämlich, 
wie öfter, im Manuscripte ausgestrichen.] 



7. Karl Hynsberg. 

§. 76. [fol. 3] Anno 1494 duodeeima julii natus Vdalricus hens- 
perg ex Karolo hensperg et Agnete neuhuserin. Hanc nativitatem 
retulit mihi Vdalricus neuhusen, dicti infantis compater. 

§. 77. (fol 5J Amio 1494 septima septembris obiit Agnes nuhusen, 
uxor Karoli henspergs. 

8. Karl Hynsberg's Ehe mit Martha Rohrbach. 

§. 78. [fol. 21] Anno 1495 die undeeima maij yn dem klapper- 
garten Katherine, relicte Johanis hulczhusen, concluserunt et consen- 



serunt mater et Karolus henspurg, ut videlicct Karolus duceret in 
uxorem Martham, sororem meam, presentibus ibidem Jacobo neu- 
heuser, Gilberto hulczhusen et me. 

§. 79. [fol. 21 j Anno 1495 die 16 maij, eratquc dies saturni, synt vor- 
sieglet worden zwen elichs brieff glichludent, antreffen Karlen hens- 
purg vnd Martha rorbecherin, myner schwester, vnd von Karies wegen 
hatt versieglett doctor Ludwig zum paradiß, schulteyß etc myt synes 
ambcz siegell, Ortt zum jungen vnd Conratt nuhuß, von Martha we- 
gen haben vorsiglet Gorg frosch, Haman hulczhusen vnd ich, Job 
rorbach, yr bruder, vnd ist das erstmall, das ich gesiglet hab, den 
myner schwester zu lieb ließ ich das Biegel graben. 

§.80. [fol.21] Anno 1495 die 18 mensismaij, cratque dies lune, hatt 
man von beydcr syttcn frund geladen zu follen bringen vnd zu bcschlies- 
sen die ehe zwischen Karlen henspurg vnd Martlia rorbecherin myner 
schwester, vnd hatt Karlen syn frund durch syn knccht lassen laden 
vnd myn mutter yr frund von Martha wegen lassen laden durch 
meysterNiclassen schorrebrant, den man nent den armbruster — die 
jungfrawen, die nyt zu gehören, die ledt man durch eyn meyt des 
morgents — vnd synt die frund geladen worden von beyden sytten 
des morgencz, also das man die man von beyden sytten hatt gepetten 
zu komen zwischen XII vnd cyner uwer zu barfusscn, die frawen 
vnd jnngfrawcn yn das hu!3 myner mutter. Also ist ens auch folien- 
gangen. Vnd so die man von beyden sytten zu barfusscn koment, 
schickten sie eyn [fol. 22] knecht zu den frawen yns huß, liessend 
fragen: wer ens den frawen gelegent, woltent sie komen. Entbottent 
ynen die frawen : ens wer en gelegen. Da thet Gorg frosch eyn 
abred also luttent yn der meynuug : Alß beredt vnd betteydingt wer 
zwischen Karlen henspurg vnd jungfrawe Marth en eyn ehe, mytt 
beyder sytten frund radt, wissen vnd willen die also zu beschossen, 
pett er sie dar by zu syn. Des sie al guttwillig waren vnd gyngen 
von den barfusscr yn myner mutter huß zu der brudt vnd den frawen 
vnd jungfrawen. Da ym huß thett Gorg aber wie for eyn abredt; 
nach der nam her Johann brun jungfraw Marthen vnd Karlen vnd 
gab sie zu samen zu der heyligen ehe vnd war eyn sollich fyrteller 
stund nach eyner uwer nachmyttag. 

Diß hie nach geschrieben synt die frund, die von Karlen hens- 
purgs vnd Martha rorbecherin wegen gebeden worden zu komen zu 
dem winckauff ader hantschlag, vnd wo eyn solich o bystett, die 
koment nyt Vnd zum ersten von karlens sytten : 
Guttgyn heringen, Karies mutter. 



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123 — 



Karlen, der brudgamer, \ 
o Wigrint(noneratincivitate) > henspurg, gebruder. 
Johan ' 

Doctor Ludwig zum paradiß, schultheys, 
Asyn heryngen, gyn husfrawe. 
Ort zum jungen. 

Kryngyn heringen, syn husfrawe, Karies anfrawc. 

[fol. 23] Conratt nuhuß 1 

Margrett, gyn husfrawe, > gebruder. 
Virich nuhuß J 

Von Martha wegen wurden gebetten : 
Ey Ichin rorbeclierin, Marthas mutter, 
Martha rorbecherin, 
Job rorbach, 

Be hart / rorbach wurden nyt gebetten, den sie waren nyt 
tt ( ZU ^ ranc ^^ ur * ( era * namque Bernhardt in via ex- 
1 eundi italiam, Conradus vero erat venetns). 
Katherin hulczhuserin zu goltsteyn. 

Haman 

Margret, syn husfrawe, 
Gylbrecht 

o Kryngin zu Spangenberg in- } hulczhuser. 

firma erat, 
o Eylchin, yr tochter, 
Margrett zum thorn 



Gorg 

Gorg, syn sun, 
o Wickerward nyt gebetten, den! 
er war nytt yn der stadt, 
Enchin, i . , 

Magret, j dochter ' 

Wolff 
Enchin, i 

Agnes, i syn dochter 
Lysz, \ 
o Mylchar, syn sun, ward nyt ge-l 

betten, den er war auch nyt' 

hie. 



frösch. 



blüm. 



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- 124 - 

o Hen 1 

o Kryngyn, syn husfrawe, i gachg) 

° J^J^y 11 T j^j n0Q veniebaut allegabant 

o Kryngyn / ' ... 

■» . causam luctus, sed causa lila 

o Luwig, svn sun, war nyt ge-l , 

, ? " j .1 non excusat plene. 

laden, den er war nyt zu 1 1 

franckfurt. / 

o [fol. 24] Doctor Jobann glauburg non erat in civitate. 
Johann von holtzheymer. 
Katbcryn, die alt rorbeehcrin. [§. 87] 

Die jungft'rawen, die nyt zu gehörten vnd doch geladen warent: 

ICristyn froschin zum burgreffen, 
Kryngyn stralnbergcryn, 
Kryngyn dyrmeyenn, 
Kryngyn humbrechtin. 

Die jungen gesellen, die lud Karlen alle, nach dem der hant- 
schlag geschehen war, welche anders uff der stoben den selbigen tag 
waren, vnd koment zum nachtmall, die hernach geschrieben : 

Jacob t t n 

Gorg \ noD uP, gebruder. 

Georg martroff. 
Johann hau. 
Ambrosius glauburg. 
Conrat zum jungen. 
Philipps ogelnheymer. 
Bernhart wyß. 

philipps von stocken, nobilis, inuitatus per matrem et ille le- 
gittimus est. 

her Johann brun, inuitatus, quia despondit iste sacerdos. 

§ 81. [fol 28] Solemnizatio matrimonii Karoli et Martha. 

Anno 14Dö prima die julii, que est vigilia visitacionis b. Marie, 
post horam octavam raane in facie ecclesie solemnizatum est matri- 
monium Karoli henspürgs et Marthe, germane mec. Et cum Karolo 
ad ecclesiam iuimus frater meus Bernhardus et ego et non alius, cum 
sororc inater nostra, soerus sua una cum Anna et Agnete, filiabus 
Wolf bllimes. Deinde sexta julii eodem anno, quo supra, nuptie acte 
sunt, ita videlicct : vocati ad nuptias, ederunt, biberunt ac trepudiarunt 
in curia dfli archipresulis treuerensis, vulgo monezhoff dicta. 
spousa vero sponso est apposita in domo wixhuserhoff publice 
nuneupata, in camera picta, sita super testudinem. Ego autem nuptiis 



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penitus non interfui, febribus prepeditus, sed cum sponsaapponebatur 
sponso, ego occultatus sub lectu [fol. 29] extraxi dextrum calceum, 
Jacobus nuhusen me prevenit extrahendo sinistrum et ille rectiua 
me egit, cum tum dedit Gylberto hulezhusen. 

§. 82. [fol. 29J Anno 1495 decima nonajulii Martha rorbecherin, 
soror nostra, traducta est ad curiam Karoli henspurga, mariti sui, der 
foden h o ff nuncupata[mj. 

9. Kinder dieser Ehe. 

§. 83. [fol. 69) Anno 1496 in die diue Barbare virginis, que est 
qoarta dies decembris, natus est ex Karolo henBpurg et Martha, sorore 
mea, Ludwicus, primogenitus maxime Marthe, habuit namque Caro- 
lus antea duas vxores. Quinta decembris baptismate renatus est. E 
fönte baptismatis suscepit infantulum Ludwicus de paradiso, iuris 
vtriusque doctor ac miles huius opidique scultetus. Deinde anno 
1497 die 16 octobris peperit Carolum, de quo latius in chartalOl; 
obijt [fol. KU : Anno 1497 die sedecima octobris natus est secundo- 
genitus Caroli et Marthe sororis infra XII et primam horas de die; 
vocatus patris sui nomine videlicet Carolus hjTisperg. Infantis com- 
pater Dyß hengyn. Arbitror infantem 17 eiusdem baptizatum, me 
tunc wormatie existente. Mortuus est infana.] Anno 1499 decima 
quinta junij genuit filiura, quem et Karolum noininauit, vide in 141. 
[fol. 141 : Anno 1499 sabatho et decima quinta junij cx Karolo hens- 
perg Martha, soror mea, genuit filium suum Karolum ante horam duo- 
decimam de die , qui baptizatus die dominica sequenti. Compater 
infantis est Michel schwartzenberg, et is iu genitura tertiua est filius 
Marthe in ordine; obiit paulo post.J Anno 1500 peperit Ort 13 iunij, 
de quo in charta 154. [fol. 154: Anno 1500, anno iubileo et bisextili, 
peperit Martha, soror mea, ex Karolo hynaberg quartum filium trede- 
cima iunij, qui baptizatus die sequenti, que erat dominica trinitatis. 
Nomen nati estOrtt; compater estOrtt zum iungen senior et viduus, 
in octobri obiit eodem anno.] 



10. Städtische Dienste Karl Hynsberg's. 

Wahl zum älteren Bürgermeister §. 124. 

§. 84. [foL 138J Anno 1499 in die inuentionis sancte crucis et 
tertia maij Karolus -hynsperg, affinis meus, arripuit itter ad oberlingen, 
raisBus a consilio, quem plures comitati sunt vsque ad Saltum 



- 126 - 



cerui, inter quos etiam ego cum illia pariter equitaui super equum 
Jacobi neuhusen, magistri ciuium. Mulieres etiam curru vehebantur, 
videlicet mater Karoli et vxor sua, mater raea et vxor Michael 
Schwarzenbergs. 

11. Wahnsinn von Johann Hynsberg, Karls Bruder. 

§. 85. [fol. 83] Anno 1497 quinta martij et dorainica L«?tare 
Iohann hynttberg post altercationem et insolentias in domo habi- 
tas alapas in domo iustissime accepit, deinde post vesperas in foro 
ante pretorium apprehensus, publice per pedellos magistratuum ductus 
in carcem sancti Spiritus, depost decima sexta maij eodem anno de 
carcere laxatus et emissus est Depost vero sequenti anno in mense 
Januarij itterum carceri includitur, in quo nunc residet, actum me 
existente wormatie [cf. §. 33. 34.]. 



12. Tod der Guttgyn Hynsberg, Karls Mutter. 

§. 86. [fol. 160] Anno 1500 sedecima decembris obijt honesta 
Guttgyn heryngen, relicta karoli hynßbergs. Reliquit filios duos, 
Wigandum videlicet et Carolum sororium nostruin, et Annam, vxorein 
quondam domini Johannis reiß, aduocati huius oppidi. 

13. Conrad Rohrbach. 

§. 87. [Nicht numerirtes Vorblatt] Anno 1493 octava aprill 
abiit primum Conradus, frater meus, de franckfurdia ad Augustam, 
de Augusta Venetias, de Venetiis rediit franckfurdiam in anno 1498 
in mense martij. Ibidem duravit usque diem octavatn junii anni jam 
dicti. £a die adduxit eum secum Ludwicus martroff ad Alemaniam 
Bassam. 

[Conrad weilt zu Antwerpen §. 10.] 

14. Tod der Katharina, Heinrich Rohrbach's Wittwe, 

Jobs Tante. 

§. 88. [fol. 157] Katherina Rorbechin. Anno 1500 sexta octobris 
ac die martis noctu vndecima hora vel circa eam obijt Katherina, 
relicta Henrici rorbachs, patrui mei, et septima eiusdem mensis ae- 



pulta est in ecclesia nostra comitatumque funus fuit cum sacerdotibns 
ac scolaribus etc. [cf. Bernhards Familienchronik §. 86 seq.] 

15. Grundbesitz der Familie Rohrbach. 

§. 89. [foL 5] Anno 1494 xxviii augusti locauit mater Celaria 
in domo Ernfelß duo illa contigua Wolff brente pro v fl. ad 
annum iiii ,,ID , incipiet autein annus currere ipso die Mihael proximi 
venturi, locauit autem certis condicionibus, de quibus ipsa nouit. 

§. 90. [foL 34] Anno 1495 in mense augusti hat die mutter die 
zwen herd zu ernfelß myt schyffersteyn lassen beseczen vnd gancz 
neuwe machen, auch eyn neuwe blanck lassen machen im Esch- 
heimerhoff vff der lynckten sytten, alß man zu hoff yn gett, fahct 
daselbst neben dem stall anvndstoat an reckklessen scheuwer, auch 
hatt sie die spicher ym hoff lassen bynden, wo ens noitt ist gewest. 
[Eodem anno die 16 mensis nouembris hat myn mutter zwen neuwe 
steynstock vor den keller zu Ernfels lassen machen, not. margin.] 

§. 91. [fol. 35] Anno 1495 die 3 septeinbris ist eyn gancz 
neu wer offe ußgemacht vnd bereydt worden yn der grossen stoben. 

§. 92. [fol. 50] Anno dnj 1496 in die cathedre beati Petri, erat- 
qne tunc dies lune post dominicam inuocauit, feci annectere stubelle 
raee seram cum duabus clavibus [duabus], pro hijs solui octo ß. 

§.,93. [fol. 59] Anno 1496 hat myn liebe mutter den hoffyn 
der Escheymergassen ynwendig vnd vßwendig vnd desglichen 
die spicher vnd stel, scheuwer vnd yn allen zynßhuseren darby 
lassen bynden, machen, kleyben, wedderbarten, estrichen, vßgenomen 
das hynderst zynßhuß im gesslyn, das also onreyn ward gehalten 
durch die daryn wonnend, das man dar vmb nyt mocht das selbig 
hui* myt estrich beschlagen; sust syn die andern zwey hußlin myt- 
sampt dem hoff gancz vßbereyt, auch zwen ganzer neuwer offen 
gemacht, eyner yn die stoben des huß, das ym hoff lyt, der ander 
yn das huß zwischeym hoff vnd dem eck ; auch den hoff ynwendig 
vnd vUwendig, vor vnd [suppl. die] zynßhusser, wo sie czur gassen 
zu gan, lassen wissen vnd malen, auch forn an hoff myns vatter 
seligen vnd yr wappen lassen mallen, dar uor gab sie viü ß, vnd ist 
der hoff gancz vßbereyt worden, wie obstet, die vicesima octaua 
julij anno, quo supra. 

§. 94. [fol. 64] Anno 1496 prima octobris duplicate value circa 
fenestras anterioris partis maioris stube erecte ac perfecte sunt Eodem 
anno, antea videlicet quam value erigebantur, stuba magna et aula, que 



128 - 



precise ante stubam est, wulgariter der ern, dealbate et coloribiiB 
variis, vt vides, colorate sunt. 

§. 95. [fol. 85] Anno 1497 in martio et apprili hat myn mutter 
lassen das dach heben ober dem stall ynn vnserera huß vnd etlich 
neuwe balcken vnd suellen darunter lasseu ziehen. 



16. Besitz und Vermögensverhältnisse derFamilie Rohr- 
bach im Allgemeinen. 

§. 96. [fol. 3] Anno 1494 die junii xv tradidit mater binas sigil- 
lätas litteras Nicoiao armbruster, unas super iiii morgen et 
xxxvii rudon bratorum [pratorum], »ecundas impignoratas pro vi flo- 
renis, videlicet caveant de xii achtel vel malder siliginis, sed sunt 
impignoratae, quousque de littcris aliis caventes [caventibus?] de sex 
florenis mater prouideatur [provideat]. Item habuit et antea diu litteras 
caventes desuper iij flor. 

§. 97. [fol. 8] [Anno 1494 duodeeima novembrisj. Item hat myn 
mutter Gylbrechte die schnydbanck geluwten. 

§. 98. [fol. 45] Anno 1495 die tricesiraa decembris, an u um ab 
initio ianuarij inchoando, solui ex parte matris exaetionem, 
quam domini de consulatu imposuerunt eodem anno et solui novein 
aureos et duodeeim solidos, et vi d. pro xviii 15 census, quem censum 
soluit magistcr iohannitarum, et hij restituent eosdem vi d. Haue 
solutionem feci in stubella vff dem romer sederuntq. ex parte con- 
sulatus, qui hanc exaetionem a nie reeeperunt, Cristianus fo Icker, 
tanquin scabinus, Johann zum iungen, tanquain domicellus 

et Scheffer hen senior, vt vnus ex plebeijs, et tan- 

quam scriptor. Jn alia stubella, in qua picti sunt prineipes Becundum 

ordinem, sederunt Ortt zum iungen, tanquam scabinus 

Eisdem, dempto quod non erat CriBtianus foleker eodem in 
loco, et eandem quantitatem videlicet viiij fl. 17 h. ex parte matris 
solui. Actum anno domini 1496 die decembris vicesima [1. tricesima]. 

§. 99. [fol. 53] Anno 1496 die octaua hab ich possesion ent- 
phangen von wegen myner mutter von dem schultheyssen vnd schef- 
fen zu kaldebach by bonmeß vber die x achtel korngiüte, die myn 
mutter kaufft hatt vor hundert gülden vmb Cuncz schwalbach iuxta 
litteras, quarum initium 151: Joh. Cuncz von Bchwalbach vnd ich 
Else etc. et finis litterarum est: Geben nach christi vnsers herren 
geburt dusent vierhundert nunzig vnd sechs iar vff fritag nehst noch 
vuser lieben frawen tag zu latin genant anuntiationis. Aderat ibi 



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— 129 - 



Waltherus de fisch born, priraua officialia in bonmeU, quem et acul- 
tetua et acabini et venditor rogarunt pro sigülo et venditoria vxor, 
preaente me et Nicoiao achorrebrant, vulgo Niclaa armbru- 
ster genannt, qui ob eorum precea aigilluin auum appendit 

§. 100. [tbl. 63] Anno 1496 ö. aeptembria aigillaui octo quitan- 
tiaa matri. Prima x fl. sub titulo reemptionia in geylnhuaen; aecunda 
xiü fl. coutinebat ad vitam matri»; tertia xx fl. aub titulo reemptionia 
in vlma; quarta xiü fl. ad vitam matris in norenberg; quinta xiü fl. 
ad vitam meam, olim etiam ad vitam Anne aorororia, in erfordia; 
»exta xiiii fl. aub titulo reemptionia in erfurdia; aeptima xiü fl. ad 
vitam Bernhardi fratria in erfurdia; octaua x fl. 8ub titulo reemptionia 
in hochheym. Fratri mco aigillaui vnam quitantiam auper 8 fl. ad 
ritam auam et matria in erfurdia. Anno 1498 aigillaui decem quitau- 
tiaa matri, fratri duaa. 

§. 101. [fol. 66] Anno 1496 hab ich eyn gewalczbrieff versiegelt 
zu vorzyhen 5 vff zwen morgen ackera vnd fünf fyrtell raynner 
iiü rüden, gelegen ynn der bockenheymer termyni, die myn mutter 
vor ym iar 1490 verkauffit hatt Claaaen mertcllern vnd Heu ym 
hoff, der iunfirawen zu wyaaen frawen lantaydell, vnd hatt[en] die buwe- 
cen keyn genügen dran, aie werent dan noch gewonheytyr8 gerichtcz 
gewert. Darvmb gaben Bernhart, myn bruder, vnd Martha, rayu 
achweater, myr eyn gewalczbrieff von yrcr zweyher wegen zu vorzy- 
hen ; alao bracht ich diaaen gewalczbrieff vor daa siezen gericht zu 
bockenheym, den liesaen aie zu vnd darnach vorzieh ich von wegen 
myna brudera vnd achweater vnd mynet wegen. Alao wurden wir vi* 
dem laut von gerichcz wegen druü geaetzt vnd die obgenanten bue- 
ren dryngeaeezt vnd den gewalczbrieff wolt myr daa gericht nyt 
widder geben. Actum anno 1496 die octaua nouembria. Von myna 
bruder Conracz wegen könnt ich nyt vorzyhen, den er waa zu 
Venedig. 

§. 102. [tbl. 69] Anno 1496 die viceaima decembria aolui exae- 
tionem ex parte matria, videlicet nouem flor. duodeeim l>. et vi h., 
dominia de conaulatu traddidique Johanni zum jungen et Schef- 
fer benu et aderat «eriptor Johannca achncglin. Cristianua fol- 
cker debebat adesse, aed uon erat. Actum in prima stubella veraua 
gradus vff dem Romer, vide supra in anno 95. [§. 98.] Die 30 de- 
cembria tandundem [1. tantundemj ex parte matris. 

§. 103. [fol. 84] Anno 1497 deeima quarta martij aigillaui matri 
octo quitantias, primam de x fl. titulo reemptionia in ciuitate geylu- 



» verzichteu. 

9 



• 



— 130 — 



Imsen, secundam xx fl. sub titulo reeraptionis vlme, tertiam xiü fl. 
ad vitara matris norrenberge, quartam de x fl. rediraendis in villa 
hocheym, quintam xiü fl. ad vitam matris argentine, sextam xiü fl. 
iid vitam meam et Anne sororis, nunc defuncte, erfurdie, septimam 
de xiü fl. redimendis erfordie, octauam xiü fl. ad vitam fratri« Bern- 
Ii ardi erfurdie. Fratri sigillaui vnam de octo fl. ad vitara suam et matris. 

Anno 1498 ipsa die Petri et Pauli sigillaui matri quitantias 8 de 
20 fl. sub titulo reemptionis, quos praestant vlmenses, debitos autern 
ipso die natiuitatis Johannis baptiste. 

Dum vero ego wurmatie fueram, sigillauit frater Bernbardns 
quedam, que nescio, attamen alias nihil preter quitantias. 

§. 104. ffol. 86 j Anno 1497 die uona appril solui ex parte 
matris, fratris Bemhardi, Boler hens, Agnes, coque nostre, et All, 
Cuncz flecken tochter von sprcnlingen, in solutionem regii exactio 
nis iuxta decretum a tota vniversali congregatione iraperij worniati«- 
ordinatum, videlicet in anno 1495, videlicet quilibet in bonis haben« 
quingenta soluat medium aureum renensem, habens mille soluit aureum. 
et si vltra mille millia habcret, non tarnen prestaret nisi aureum, 
habentes vero minus quingentis vel etiam nihil habentes, vt famuli 
et famule alüque, dummodo etatera quindecim annorum habeant 
soluit queque persona vicesimam quartam partem fl. renensis. 
Sicque ego die prefata pro me solui 1 fl. , pro reliquis quatuor per- 
Ronis iiii 1> monet? franckfurdensis. Hij |?] autem ordinati erant a 
consulatu pro colligenda dicta exactione (xeorgius froscli, affinis 
meus, tamquam scabinus, Hamandus hulczhusen, cognatu» 
meus, vt domicellus, et quum solui ego, eo tunc non erat preaens 
Bechten iohannes, tamquam de vulgaribus. Et quidem aderat 
scriptor Johannes schneglin. Hecquc prima est solutio, quam nos 
pretati soluimus, sie- enim soluetur ad quindecennium iuxta ordina- 
tionem supra dictam. [Spätere Notiz:] Sed depost nünime practica- 
tum, eo quod peeunie hec non vertebantur in publicum profec- 
tum etc. 

Dienstboten im Rohrbach'schen Hause. 

§. liß. |fol. G9| Anno 149C die deeima nona octobris hennanus 
de Liech locauit operas suas matri, die vero 17 decembris abijt de 
vuluntate matris. 

(Diebstahl einer Magd des Hynsbergischen Hauses §. 147.] 
§. 1(X>. [toi. 1 IT | Sedecima julij anno 1498 Hensell juuenis 
noster, filius Cremer hens, abijt de domo nostra, non petita venia 



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et insalutato hospite, adeo, quo se contulerit, ignoremus ; nec quitquam 
abstulit, sed vestibus exiguis, non etiam indutus caligis, sed camisia, 
toga, pallio et capotro indutus abijt. 

§. 107. [fol. 124] Anno 1498 decima quarta octobris ist mir 
stompfflichen anbracht durch Eylchin von sprendelingen, wie sie sich 
filhcht ongeuerlich mit Worten vorlauffen mag haben gegen Giessen 
henn [cf. §. 26 u. 75] , die Ee berurn, doch glaub sie nit, das schaden 
bring, oder wie dem allen hab sie eyn ring von im genomen vnd 
besorg sich vß syner red, sie hab mer vnd witter geredt, dan sie 
vonueynet Darumb so er sie haben woll, woll sie im gefolgig syn etc. 
Uff das hab ich noch irem brudcr vnd ires bruders schwer [swßher] 
(geschickt vnd den bruder gegen ir widder vertragen, der den fast 
on willig war, das sie von solichem handel im noch vnß keyn wissen 
gethan hat, noch dem giessen heu befoln [foL 125] syn frund mit 
im zu bringen; hat er also bracht sin vater Cunczen zinghen vnd 

hansen siner Schwester man, myn geuatter. Da sie also by 

ein ander qwamen , noch filen furhaiten vnd nach Gelegenheit irrer 
beider ist nichts witter beschlossen worden, dan das eyn kuntschafft 
abgeredt ist worden noch gewohnheit disser stat zwischen innen, wo 
sie Kind gepur, die will auch dergemelt giessen henn, [suppl. der] zwo 
dochter von der furderigen frawen hett, vnd das, so ens eyn erbar ratt 
hie verwilliget vnd zugeb, sust so ens nit zugelassen durch den ratt 
wurd, sal ens noch gemeynen rechten vnd gewonheitt gehalten wer- 
den. Noch dieser abredung byn ich vud zinghen von frunden Eyl- 
chin das also zu eroffnen verordenet wordeu, das ich auch also in 
myner mutter kochen gethan hab in by wesen des icz genanten zing- 
hens vnd der gedachten Eylchins Schwester, vnser meyt AgneUeu 
[§. 104], vnd eyner frawen. Als aber solichs gescheen war, begerten 
die frund, das der hantschlag geschee, vnd hatten mich, Jop, das 
ich sie zusamen geb, das ich den also gethan hab vff den obgemel- 
ten tag vmb drij wuer [Uhr] noch mittag. Actum hec omnia in domo 
nostra, der wixhuser hoff genant, in presentia pr^dictorum, item 
et Jacobi nehusen, viri consularis, et meister Niclaß armbruster, 
quos specialiter ego huic cause, vt 'Interessent, vocaui; mater etiam 
huic actui pro tunc interfuit. Vnd das die erste Ehe, die ich gemacht 
vnd zu sam geben hab, got geb, das wolgerat Amen. 

§. 106. [fol. 126] Barbara, Hanl* kneyffen, doliatoris ac incole 
opidi huius, et Eliten filia, introijt domura nostram ad famulandum 
genitrici als eyn vndermeyt, 24 octobria anno 1498. Abijt de post, 
kathedra Petri, anno 99. 



9* 



II. Frankfurter Sachen. 



1. Zeitgeschichtliches. 

§. 109. [fol. 3] Anno 1494 die junij 14 wormatienses iurarunt 
fidelitatem serenisaimo regi Maximiliano etc. solutique sunt a ditione 
palantini, si est, vt fertur. 

§. 110. [fol. 73] Anno 1497 prima ianuarij, vt arbitror, obiit 
generosus comes Johannes de ysenberg, frater comiti» Ludwici de 
ysenberg, dominus in budyngen. 

2. Das Reichskammergericht in Frankfurt. 

§. 111. [fol. 38 J Anno 1495 in mense septembre consules franck- 
furdenses aulam ad caraeram in domo zu brunfels conduxerunt qua- 
tuor annis ea lege, vt pro quolibet anno 30 fl. exsoluerent pro 
mercede, et si intra prefatos anno» renuntiarent conductioni, tunc 
ydificata manebunt dominis domus et censum pro temporis rata soluere 
tenentur. Hac conuentione habita, mox macliina et sedes cum scamnis 
construuntur pro iudice camerc regalis et assessoribus. Stacio etiam 
propria pro procuratoribus seu oratoribus causarum ordinatur. Et 
fenestris ornatur deinde iudicis tribunal et asscssorum et tabellionum 
scamna pannis decorantur. Novus ascensus ad aulam per gradus 
struitur. Hec aula sie expedita iudici regalis iudicii et suis assessori- 
bus est deputata, in qua audit causas et sententias profert. Anno 
1495 vltima septembris ascendit Serenissimus [fol. 39] Maximillia- 
nus, romanorum rex, aulam et iuramenta a generoso domino, do- 
mino Yttell Friderich de zolert comite, tamquam iudice aeeepit 
et ab Omnibus assessoribus aduocatis procuratoribus et tabellionibus 
sieque prefati omnes regi in propria persona assistenti iurarunt et [?] 
verum in hijs, qui tunc aderant, hij vero, qui neglexerunt vel non 
aderant, depost iudici iuramenta prestiterunt. 



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133 — 



§. 112. Deinde tercia die nouembriß anno, quo supra, genero- 
sus dominus comes de zoler iudex aulam asccndit et iuramenta 
prestitit quibusdam aasessoribus et uni ex tabellionibus, qui antea non 
iurarunt, dehinc in suara sedem sedit et assessores partim ad dexteram 
locauit, et hi erant doctorea, partim ad sinistram et hij nobile» erant, 

uon tarnen doctores, eratque unus ex nobilibus comes dictus 

de Ebersteyn. Cumque sedebant, mandauit iudex procuratoribus , ut 
causas iuxta normam ipsis traditam wormatie agitarent, et si in ea 
emergeret quis defectus, emendaretur per eum successu temporis. 

Et primam doctor engelender, fiscalis regia, agitabat causam 

ex parte regie maiestatis tanquam actoris aduersum comitem 

de mörß. Et in hac prima audientia sedebat iudex prefatus cum quin- 

que doctoribus in dextra et comes de ebersteyn cum tribus 

nobilibus in sinistra iudicis. Item aderant duo scriptores, qui acta, 
quae aguntur in iuditio, scribebant, quorum vnus Johanes starck, 
alter Ambrosius dietherich appellatur, et hij duo secretarij dicuntur. 
AliuH etiam erat scriptor, qui instrumenta legebat publice. Erat et quar- 
tus et iste specialis erat scriptor iudicis. Item erat et pedellus. Item 
aderant octo procuratores seu oratores causarum. Et hec fuit prima 
cessio iudicis seu prima audientia camere regalis; licet wormatie 
sepius audientiam dederit, tarnen revera non nisi ymago hujus fuit, 
ut omnibus patet. Hoc acto, ex camera, que, adhpret aule prefat?, 
stuba formatur, ornatur [fol. 40] fenestris et scamnis etc. et in ea 
causas et sententias tractant. 

§. 113. Anno 1495 27 die nouembris prestitit comes Yttell 
Friderich, iudex regalis iuditij camere, iuramenta Jacobo leyer et 
Cunz schryner tamquam cursoribus, qui iurarunt die, quo supra. 
Anno 1495 die secunda nouembris doctor Bernhardus scheflerlyn 
prestitit iuramentura assessoris, et iurauit quidam nuntius eodem die. 

§. 114. Secunda nouembris Anno 1495 hatt des romischen 
konigs perseuant alle phede bricfF von romer abgenomen vß vrsach, 
das vnser her der konig alle phede, die disse statt vff das mall hat, 
hingelacht hatt 

§. 115. [fol. 88] Anno 1497 duodeeima maij marchio Iacobus 
. ... de baden, Iudex iuditij camert? vna cum aBsessoribus vltimam 
prebuerunt audientiam. Ex eo enim die iuditium camere translatum 
est a franckfurdia wormatiam. 

§. 116. [fol. 90] Eodem die [sc. corporis christi et vicesima 
quinta maij anno 1497] inuitavit Eberhardus de busestheym et 
G-uttgyn, uxor sua, ad cenam ad ortum, quem habet extra muros, 
dictus nydennawe, videlicet marchionem lacobum de baden supradic- 



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- 134 - 

tum (qui secum habuit den dorlinger et duou alios nobile« sibi ser- 
uientcs ad tabulam), doctorem [fol. 91 1 de nideck, Iohannem pleniger, 
Vitum de walrod, equitem auratum, omnes hij assessores iuditij 

camere nobilesque, scliaczmeyrter imperij, comendatorem 

domus dominorum theutonicorum, nomine Pancratius de rynstein, 
GofTartde klehen, auch schaczmeyster, Fridericum von fylsch, capi- 
taneum franckfurdensem, doctorum Valentinum cum Mar- 
gareta sua legittima, iuditij camere procuratores, Henn glauburg, 
Ciaram uxor[em] suam, Hans von ryn, Syflart knobelach, Ceciliam, 
uxorem suam, Vrsulam, relicta[m) Walten schwarczenberg's , Agne- 
tem, relictam Hertuani yrgerscheym's, Otiliam, relictam Arnoldi 
glauburgs, Katherinam, relictam Gilberti hulczhusens, Ludwicum hulcz- 
husen, dicte katherino filium, Elchin, relictam Bernhardi rorbachs, 
Bernhardum et Job rorbach, nati dicte Eylchins, Margretam, uxorem 
Hamandi hulczhusen, Fronicam, legittimam Iacobi wissen, Fridericum 
[Georgium] flach, Annam, uxorem eius, officialem zum goltsteyn, Ag- 
netem, virginem et filiam Steffashans. Hos omnes prcfatus Eberhar- 
dus laute honorifice admodum cibauit ac tractauit. Deindc die vicesima 
sexta maij abiit marchio cum aliquibus assessoribus wormatiam. 



3. Fremde Fürsten in Frankfurt. 

§. 117. ffol. 60] Anno 1496 prima augusti aduenit franckfur- 
diam illustris dominus Philippus palatinus cum filüs septem et filia 
vna ac cum filio ducis Georgii de Bauaria. Aduencrunt etiam epis- 

copus medburgensis, nomine ac ejus frater Johannes, dux 

de Saxonia; cum Ulis aducitur mater vxoris palatini prefati cum 
duabus alijs prineipissis. Et leti cum triumpho conuiuia eclebrabant, 
trepudiando in domo dominorum theutonicorum et in domo dorn in i 
treuerensis episcopi. Tercia augusti abierunt. 

§. 1 18. [fol. 6: »] Anno 96 prima die augusti Johann kreutter macella- 
rius, vt vnus de consilio, egoJob rorbach, Jost kronberger, Jobann 
klopphcym, nos quatuor ex mandato dominorum de consilio ob aducn- 
tum prineipum supra scriptorum armati ascendimus hora secunda 
post meridiem pro custodia seu vigilia noctis et diei facienda turrim 
supra pontem, quo propinquior est domo dominorum theutonicorum, 
wulgo der neuwe brocken thorn genant. Moram in ca feeimus vsque 
in secundam augusti, tunc manc hora quinta descendimus. 



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4. Raths- und Bürgermeisterwahlen. 

§. 119. [fol. 1| Anno 1493 secunda maji Hamandus de hultz- 
husen et Siffridus klobelach assumpti sunt in consilium franck- 
fordie. 

§. 120. [fol. 20) Anno 1495 prima maij electi sunt de consilio 
franckf. in magistros ciuium Johann glauburg, tamquam scabi- 
nus et senior, et Claß rockingen, tanquam junior, et precedenti 
anno fuerunt daniel brom, tamquam scabinus, et Johann zum 
iungen. 

§. 121. [fol. 55 J Anno domini 1496 prima die maij in magistros 
ciuium sunt electi Johannes de ryn, vt senior, et Conradua 
schy tt. 

§. 122. [fol. 87] Anno 1497 in die marci euangeliste, que est 
25 apprillis assumpti sunt in consulares Wolff blum senior, affinis 
meus, Johann hann, Claß stalburg. 

§. 123. [fol. 88] Anno domini 1497 prima maij et die lune, 
rogationis ebdomade, in magistros ciuium sunt electi Fridericus de 
Alczen, licentiatus juris, tamquam scabinus, etllcynricus de 
rynn, vt domicellus., 

§. 124. [fol. 114] Anno 1498 prima maij in magistros ciuium 
franckfurdic electi sunt Karo Ins hynsperg, vt scabinus, et 
Michael schwarezenberg, vt domicellus, hij duo antca nunquam 
prefuere ofHtio tali. 

§. 125. [fol. 138] Anno 1499 prima maij electi in magistros 
ciuium Örtt zum jungen scabinus et Jacobus neuhusen, vt 
domicellus. 

§. 126. [fol. 141] Anno 1499 nona iulij duo hij, videlicet Con- 
radsehytt et Hamandus hulczhusen, in scabinos franckfurdenses 
sunt electi. 

§. 127. [fol. 141 1 Anno 1499 sedeciraa julij aeeepti sunt in con- 
silium franckf. et in consulares ercati Jacobus stralnberg, nondum 
vxoratus, Gilbcrtus hulczhusen viduus etThomaß maP vxorem 
Habens, omnes vt domicelli. 

§. 128. [fol. 152] Anno domini 1500, qui erat jubileus et bisex- 
tilis, prima die maij in magistros ciuium sunt electi Cristianus 
foleker, vt scabinus, et Wolff blumc iuiiior, tamquam domicellus. 
Ncc quisquam illorum prefuit retro illi officio. 



4 



- 136 - 

- 

5. Amtleute. 

§. 120. ffol. 2] Anno 1494 in mense junii vel paulo ante electus 
est Georgius flach in officialem zu goltateyn per dominos de con- 
stilatu franckfordie. 

§. 130. [fol. 2] Anno 1494 in mense augusti electus per dominos 
de consilio franckf. Walterus Hachborn in officialem zu bonmess 
ingressusque est officium circa featum Michael eodem anno. 

§. 131. ffol. 169] Anno domini 1501 vicesima nona apprilis 
Georgiua flach, nobilis et officialis consulatus hic zum goltateyn circa 
maganum, sepultus est hic apud minores et, vt arbitror, die prece- 
denti reddidit domino spiritum. 

§. 132. ffol. 169J Anno 1501 in mense maij electus est a con- 
sulatu Johann hulczheymer, cognatus meus, in officialem zum goltateyn 
in Iocum Georgij flach hic suprascripti. 

f Johann Holzheimer, früher Amtmann zu Bonames, §. 13. SO. 177. 
183. 186. Nicolaus von Babenhausen, früher Amtmann zu Goldstein, 
§. 14. §. 177. Erban Tagel, officialis in Erlenbach, §.48. 334.] 



6. Städtische Hauptleutc. 

§. 133. [fol. 155] Anno dominj 1500 die 14 julij aducitur huc 
ad habitandura et exercendum officium capitanei nobilis Johann mor, 
Capitaneus nouitcr assumptus in locum Friderici de fylsch, qui 
ob inflrroitatein cessit, et dictus Johann mor in illius locum assumptus. 

§. 134. ffol. 171] Fridericus de fylsch, olim capitaneus huius 
oppidi, obijt vicesima sexta septembris anno 1501, relicta vxore et 
nullis liberis. |cf. § 116. Friederich von der Fylsch §. 257. Jobann 
Mohr §. 290.] 

7. Richter. 

- 

§. 135. [fol. 54] Anno 1496 vicesima sexta aprilis Gerlacb 

zur alten wagen ist eyn oberster richter worden. 

§. 136. [fol. 88] Anno 1497 nona maij hat man drihen richtern 
gerufft vor den sitzend Ratt vnd yn die steb oder stecken genomen 
mitt namen Gypcl hennen vnd iSehaffmans vlrichen vnd Hartmutten 

Restituti sunt ad ofricia die vicesima tertia maij anno, quo 

supra. 




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137 — 



8. Räuber und Feinde. 

§. 137. [fol. 14] Anno 1495 decima octaua ianuarü succenderunt 
hoste« horreum yn rad sagittando ignea tela. 

§. 138. fol. 18] Anno 1495 decima die apprilis vnus hic com- 
bustus est, qui et latro, de nostria adversariis. 

§. 139. [fol. 20] Anno 1495 octava maij fama de hostibus seu 
latruneulis, videlicet die hutteschen vnd Jost frundt etc. cum coheren- 
tibus, orta est, quod adessent et damnum seu predam arripere pre- 
tenderent ideoque pulsata est campana, que wulgo est gemperlyn 
nuneupata, ad cuius sonitum omnes ad Höstes fugandoa et sc defen- 
dendos currunt et cueurrerunt, et tum de gratia dei nihil lucri 
habere latro n es poterant, nec a nostris aliquis aduersariorum captus, 
vel visus, nisi a paucis. Item in anno antca 93 pulsata est prefata 
campana gemperlyn in marcio, eo quod ribaldi spoliarunt quendam 
pastorem sua grege ouium; licet pastor nec oves, ut fama fuit, ad 
iurisdictionem franckfurdiensium pertinebat, nihüominus tarnen oues 
retinebant et vendebant. 

§. 140. [fol. 27] Anno 1495 septima junij, erat dies penthecostes, 
vndeeima hora ante meiidiem pulsabatur campana wulgo Gern perlin 
eo, quod latrones noBtre civitatis, videlicet die hutteschen et jost 
frund etc., centum rapuerunt vaccas, que fuerunt rusticorum yn 
nyder rad, sed tarde nimis rescitum est et tarde nimis persecuti sunt 
nostri latrones. 

§. 141. [fol. 3^j Anno H95 die 23 julii latrones Jost frund vnd 
die butteschen cum reliquis miseris modis et multiplieibus vulneribus 
necarunt duos piscatores circa rumpenheyin, unum tot vulneribus 
repleuerunt, vt mortuus ad ciuitatem traduetus est, alter semianimis 
in noetc spiritum tradidit. Dehinc videlicet 25 julii supra dicti rapue- 
runt 19 vaccas, 27 equos et equaa vna cum eorum iumentis czu 
durckelwyll. Item deinde 26 augusti prefati latrones vaccas, porcos 
(equos paueos) et quingentos oues rapuerunt zu durckellwill. Item 
ultima septembris combusserunt tecta octo in bonmeß sagittando tela 
ignea et hij, qui sagittas emiserunt, die sequenti per literas hostilita- 
tem indixerunt Act. anno 1495. 

§. 141. | toi. 34 1 Anno 1495 die 17 Augusti latrones Jost frundt 
cum suis combuserunt sepes et hostia vff dem knobellachs hoff, que 
curia est Wolff blumens, filii quondam Gcorgii blumens. Actum in 
noetc. 

§. 142. [fol. 37] Anno 1495 die 4 octobris pulsata est campana 
Gemperlyn vulgo dicta, eo quod visus est exercitus, videlicet Tom- 



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hanrud [?], magister curie archiepiscopi moguntinensis, cum militibus, 
equestribus, ideoque sunt arbitrati homines esse de latronibus, qui 
predari cuperent, et armati exierunt, sed cum sentiebant eos non 
fuisse, rcuersi gunt in pace. 

9. Nächtlicher Unfug. 

§. 143. ffoL 8J Anno 1494 duodecima noucmbris in noctc in 
vicu institorum omnia manubria , pcdcs vel ligna pendcntia ante 
hostiam, quc pulsare solcnt volentea ingredi, abscißa sunt et proiccta 
supra cymiterium predicatorum et rupte sunt alique fenestrc iaculis 
in ecclesia predicatorum, ncc scitur, quis fccerit. 

10 Strafen. 

§. 144. [fol. 4] Anno 1494 die 22 augusti suspensus est hic 
vnus. 

§. 145. (fol. 6] Anno 1494 die 26 septcmbris dccapitatus est 
vnus, ob sedicionem factam in nundinis, noctu poru'a clausis circa 
maganum sepultusquc in ccclesia sancti spiritus ob honorem paren- 
tum suorum. Erat de babcnbcrg. 

§. 146. [fol. 6J Anno 1494 prima octobris suspensus est rusticus 
hic de prunhcym. 

fCombustio aduersarii §. 138] 

§. 147. [fol. 57) Anno 1496 die nona julij margreta , 

coqua Karoli henspurgis affinis et sororis Marths, traducta est in 
carcerera turris sancte katherine ob varia et magna furta, qu? sub- 
traxit domino et domine suis prefatis, licet addixerit seu promiserit 
fidelera ipsis famulatum etc., uti solent promitterc famule, fuitquc 
tribus vicibus vna die tracta seu extensa per laqueum. Emissa autcm 
de carcerc die 29 julij ea conditionc, ut franckfurdiam nunquam 
reuertatur. Precabantur pro ea principes duo, priucipisse tres, qui 
casu peregrinando ad aquisgranam per hanc ciuitatem [exjproßcis- 
ccbantur. [cf. §. 117.] 

§. 148. [fol. 63J Anno 1496 die 16 septcmbris cromatus est iudeus 
quidara eo, quod monotam abscindendo falsifioauit. 

§. 149. [fol. 69J Anno 1496 die sedccima dcccmbris quedam 
mulier per iusticiam virgis cesa per ciuitatem. 

§. 150. [fol. 78 1 Anno 1497 vicesima septima ianuarij gladio 
punitus Hans drach, eo quod stuprum et inccstum perpctrauit, cogno- 



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ait et vxorem et socrum. L. si quis adulter ad 1. jul. de adalt. Et 
com eo dactus für, qui suspensus est patibulo. 

§. 151. [fol. 100] Anno 1497 prima scptcmbris suspensus est 
quidam, qui furatus calicem in nauique forensi apprehensus [s. est]. 

§. 152. ffol. 112] Anno 1498 sexta aprilis et veneris post judica 
tres insignes latrones combusti hic, qui licet Omnibus sceleribus fue- 
rint dediti, tarnen preeipue in dominico corpore deliquerunt, furati 
namque in diepurg monstrantias ac vas ipsum, in quo continebantur 
consecrate hostie; vnus ex eis xvi consecratas h Ostias deuorauit, alter 
paulo minus. Preterea plura gazophilatia spoliarunt et hic ad sanetum 
Petrum homines trucidarunt, alios spoliarunt. 



11. Bauten und Häuser. 

§. 153. [fol. 6] Anno 1494 ruperunt muros turris acialis iuxta 
portam maguntinara usque ad carcerem et de nouo ineeperunt <?di- 
6care eam ineipiendo super carcerem et redegerunt eum in formam, 
in qua nunc est, et perfecta est in mense septembri et dealbata 
depost. 

§. 154. [fol. 19] Anno 1495 in apprili haben die herren vom 
rad das zolhuß vffgeschlagcn, daryn man furters sali den zol .von 
pherden nemen vnd vffheben vnd stet das selb huß vff dem Roß- 
marckt vff dem hyrezgraben by hanß Schmyden huß. 

§. 155. [fol. 28] Anno 1495 in mense junij vel paulo ante hatt 
der ratt die krem von der wober Kauffhucz an byß her für an das 
eck der barfusser lassen von neu wen anfallen vff zu schlagen vnd 
die selbige gasse wytter gemacht vnd zu gegeben, also das sie vor 
den selbigen kremen vmb funff werck schuch wytter ist, den sie for 
war, vnd hatt zum ersten feyll gehabt yn den selbigen newen 
kremen yn der herbstmess anno 95. 

§. 156. [fol. 1] Anno 1494 in die Petri et Pauli apostolorum hatt 
der thoncr yn bockenheymer thorn geschlagen vnd man vnd frawe, 
die daruff wonten, geleczigct, doch sterben sie nit daruon, vnd das 
gebewe zur bruchen vnd vorbrent. Diß ist geschehen des morgens 
zur sexten stund. Uff die selbige zitt war Kryngen hulczhuserin vnd 
Gilbrecht yr sun vnd myn mutter Eylchin rorbechcr vnd ich Job zu 
Emps ym bad vnd vff santPetter vnd Paulus abent war eyn mechtig 
groß ongewitter des obencz vnd fillen kyssel, die grosten ab zillich 
huner Eyer, die kleynen alle als duben eyer. 



- 140 - 

[Wiederholte Erzählung foL 4: Anno 1494 in die Petri et Pauli 
apostolorum hat der thonner in bockenheymer thorn geschalagen vnd 
die frauwe heftiglig vorbrent vnd den man auch, doch syn sie myt 
dem leben dar von komen vnd haitt das gebeuwe, was von 
holtzwerg gemacht, all* zurbrochen vnd zurspalten.] 

§. 157. [fol. 72] Anno 149J super fundamentum, quod prius erat, 
est edificata turris, wulgo der bockenheymer thorn, et in formam 
redacta eam, ut cernis. 

§. 158. [fol. 72] Anno 1496 hatt der Ratt zu franckfurt eyn 
raelwag vff gericht yn der Escheymer gassen nah by der porten. 
Mer hat man auch cyn newen bron da uffgefurt, daran hatt der Ratt 
eyn steheuwer geben, das vberig haben die nachbar vnd die darumb 
wonnend müssen beczallen, vnd hat myn mutter von yren hoff myt 
Bampt den zynshüßlin gelegen yn der obgemelten Eschenheymer gassen 
musen zallen. 

§. 159. [fol. 83] Anno 1497 prima martij cecidit turris vff dem 
klobelachshoff extra portas. Antea struetura erat satis fortis, circum- 
dueta, fossata et aquis 6 diruptaque funditus reparari non potest, nisi 
de nouo edificetur [cf. §. 141]. 

§. 160. [fol. 149] Anno 1500 tertia februarij ipsaque die beati 
ßlasii reparatum scu renouatum est superiori parti sue patibulum hic. 



12. Rathsverordnung wegen der Ratten. 

§. 161. |fol. 135] Anno 1499 undeeima apprilis ist hie angefan- 
gen von den» Ratts geheiß, das man eyn yden menschen, der ein 
totte ratzen bringt vff die brücken zwischen eilff vnd zwolffen, der 
selbig hatt cyn Ii., den im den einer gibt, der darzu verordent ist, 
die Ratzen zu entphangen, vnd nympt die selbigen vnd hewt inen die 
schwentz abc vnd worfft sie als bald inn meyn. 



13. Naturereignisse. 

§. 162. [fol. 4] Anno domini 1494 mesis omniura frugum est 
collecta et in horreum tradueta. videlicet siliginis, tritici et auene etc. 
ante mensem augusti. 



h Ein Wort wie raunita scheint ausgefallen. 



— 141 — 

§. 163. [fol. 4] Anno 1494 in die S. Jacobi habebantur raeemi, 
adeo quod vendebantar aliqui. 

§. 164. [fol. 14] Anno 1495 tonitmit die decima H vndecima 
ianaarij. 

§. 165. [fol. 37] Anno 1495 ym September vnd ym october 
haben die hangen dorn widder geblüwet, also das man funden hat 
roitt vnd wiss gefolt vnd vngefolt haün rossen, item mergen droppen 
blumlin, item haben fyll bäum wyder blütt gehabt, item fyll korn 
blumen vnd ander. 

§. 166. [fol. 54] Anno 1496 die octava apprilis, que erat sexta 
post diem pasche, synt ob sechs hundert gutter wolgemester schwyn 
zu franckfurt feyl gewest vnd hat eyn gutt schwyn vor eyn gülden 
kaufft, das man vor drien iaren nyt woll vmb drij gülden hett konden 
kauffen, vnd menig fart darnach hatt ufT die fritag vnd sust schwyn 
feylt gehabt vnd haben fill lud sie kaufft vnd gestochen, glich als 
man sunst plegt zu winterzitt zu thuu. 

§. 167. [fol. 55 ad Calendas maias anni 1496] lllo etiam tem- 
pore moganus et rehnus [adeo] exereuerunt, adeo vt aiebant homines 
se eo tempore anni non meminisse equalem illorum fluminum abun- 
dantiam; manauit moganus durch die farport et per plures alias 
portas. 

§. 168. [fol. 73] Anno 1497 synt vberschwencklich vnd eyn 
grosse menge krawen oder kreheu gewest, die da angefangen haben 
ym iar 1496 vnd ym iar 1497 vorgangen, oder ym iar 1497 ist eyn 
mechtige große geschwoorm der kofleryn gewest. 

§. 169. [foL 73] Anno 1497 synt fyll huner suchtig an der grossen 
kranckheyt vnd auch fill dar an gestorben, maxime vernali estualique 
tempore. 

§. 170. [fol. 75.] Anno 1497 octaua ianuarij alluvio magani ex- 
creuit, ita vt ascendit vltra schansteyn vsque ad domum Ruperti 
mones, adeo quod aliquibus diebus intranit per omnes portas, claude- 
banturque porte omnes preter portam saneti Spiritus, quo nocte vna 
non claudebatur. Et ob eius exerescentiam dimissa sunt diuina in 
ecclesia diui leonhardi vsque in duodeeimam ianuarij, nec poterant 
naues a maguntia ascendere per dies aliquott. Duodecima porte re~ 
serabantur. Nec hijs diebus operari poterant mollitores ; celaria 
varia ac plura repleta aquis. Rursusque exereuerunt et moganus et 
Rhenus ac omnia fluuia in hac regione effecta maiora, quam antea, 
adeo vt rethr o in sedeci m annis non fuere flumina abundantiora. 
xviii ianuarij moganus se extendebat plene vsque ad ccclesie introi- 



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tum, vbi per gradus ingreditar. Denno etiam diuina obmissa die xv 
ianuarij vsque ad 22 eiusdem mensis. 

§. 171.* [fol. 171] Anno 1501 in die nicolaj noctn iufra nonani 
et decimam horas flante vento valido tonitrua valida audita sunt, 
fulgura vlna grandinesque cecidere. De tonitruo vide etiam supra 
fo. 14 f§. 164]. 

14. Französische Krankheit 

§. 172. [fol. 5C] Anno 1496 tempore estatis et verne [verno] ist 
eyn ongehort gruiHich vnd erschrockenlich kranckheyt vnder die 
theuschen von den walen kernen, die walen haben sie krieget von den 
franezosen vnd wyrt diß krankheit genent mall franezoß, vnd 
regirt fast in deutschen landen, noch fyll mer in italia vnd frantia. 
Die kranckheyt macht den menschen onseglich ongeschaffen ; welcher 
sie hatt, ist vber gancs sin lipp foll schwarcz rotter blätteren; wert, 
eyn teyllen eyn halb iar, den anderen drij firteill, den anderen eyn 
gancz iar vnd noch dem belibent die flecken an ynen etwen lang. 
Ongestalter ding hatt keyn mensch nie gesehen; von solicher oder 
derglichen kranckheytt nie keyn mensch mer gehört, auch fint keyn 
arezet da von nicht geschrieben, den als fill , als man nient (?) dar 
widder tracht 

{Bernhard Rohrbach wird 1498 von der Krankheit befalleu §.9]. 

15. Gesellschaft Löwenstein. 

§. 173. [fol. 6] Anno 1494 secunda octobris donauit Ambrosius 
glauburg tres lepores societati stube nostre et ob hoc facta est 
conuocatio virorum et mulierum, tenueruntque conuiuium et concena- 
runt et coreas duxerunt Actum hic zu lebensteyn. 

§. 174. [fol. 9] Anno 1494 die 27 decembris donauit Ambrosius 
gleuburg duos lepores societati nostre in lebensteyn ideoque 
conuocati aunt et viri et mulieres ad cenam et ego tunc pro primo 
cenaui in dicta societate. 

§. 175. [fol. 15] Anno 1495 deeima februarij doctor Ludwicus de 
paradiso, scultetus huius opidi, donauit societati nostre zu lebensteyn 
ceruum et preeipue mulieribus ideoque facta conuocatio et virorum 
et mulierum ad cenara, pro simbolo soluit unus iiii 1>. 

§. 176. [fol. 16] Anno 1495 deeima nona februarij conuocata 
est societas zu lebensteyn, etiam mulierum, ad cenara et soluit unus 
vi alb. et tunc primum trepudium cum tedis etc. 



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— 143 — 



§. 177. ffol. 16 1 Anno 1495 die 24 februarij liatt Johan holcz- 
heymer myr vinb die geschelschafft zu lebensteyn gebetten, das sie 
myr woltten vorgunden die fasnacht myn phenig myt yn zu vorzeren. 
Also liabcn sie myrs vorgundet myt solichein vnderscbeytt: wol ich 
fuitters andere fasnacht gesellschaflft halten, so sol ich gesell werden; 
das erstemal haben sie myr vnd Conratt zum jungen dißmall nach- 
gelassen. Vnd darnach uff den 26 tag februarij hatt zum nachtmall 
die geselschafft angefangen. Darnach uff den sontag zu nacht, inon- 
dag zu nacht, das ist der erst vnd der zweyt dag ym raercz ossent 
man vnd frawen vff der stoben vnd darnach vff den iii vnd iiii tag 
des merczes ossent beyd man vnd frawen morgens vnd abentz vff 
der stoben vnd vff den dynstag, uff aller man fasnacht, stochen 
myt kronlyn Gorg reyß, Niclaii von babenhusen vnd behylt 
Gorg, vnd vff den eschermyttwoch stochen iiii Reysigc myt kolben, 
zwen mit namen Martins vnd Eberharcz von hussesteyn knecht vnd 
zwen vnser soldner myt namen wisbroitt vnd ruttlinger vnd behylten 
die soldner, also das wissbroitt die hussesteyheymer knecht zu dicker- 
mall feit vnd er doch hart blyb siezen. Vnd das geschach noch dem 
die frawen widder kamen vli gleuburgs garten. Item do disse vffge- 
horten, stochen myt kronlyn Courat zum jungen vnd Conrat mones. 
Darnach vff den donerstag zu myttag ossent die gesellen älleyn vff 
der stoben vnd rechentten die kochenmeyster Claß von rockyngen 
vnd Virich nuhul> vnd die wynmeyster Johan von holczheymer, 
Philipp wil>, vnd bcczalt der man iii gld. Vnd vff den donerstag zu 
nacht, das ist der v tag ym mercz, ossent man vnd ffol. 17 1 frauwen 
vff der stoben vnd ward das selb obent mall yn die forderigen mal 
gerechnet vnd warent xi.iii gesellen, so edel vnd andere, die 
beczalten; frawen vnd junffrawen, die gelten nichcz, den vff den 
eschermyttwoch zum vnderen galt eyn i alb , vnd vor drij huner 
gaben t die wyttfrauwen iiii ß oder mogent huner dar vor geben nach 
yrem willen ; junffrawen gebeut gar nichcz, vnd wareji frawen vnd 
junffrawen, die geselschafft hylten xxviii. Darnach vff inuocauit, das 
ist der eycht tag ym mercz ossent wyr zu nacht vff der stoben, 
gult der man iii 1>. 

§. 178. [fol. 38J Anno 1495 die octava octobris Cristianus foleker 
prodouauit duus lepores societati nostre ideoque et viri et mulieres 
cuuuocati sunt ad eenam et pauce aderant mulieres, virgo vero nulla. 



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— 144 — 



16. Gesellschaft Limburg. 

§. 179. [fol. 41] Anno 1495 in mense nouembri hatt Daniel 
brora, sch'effen vnd Ratt der stadt franckfurtt, kaufft das hul> 
laderem genant, gelegen vff dem Eck neben dem Romer geygen 
dem hußlymburg vber, da iczunt zur zytt Heyrt wyl> yn wont 

vmb , hatt vor das hul$ laderem mytt sampt dem hui>- 

ratt, der vor die gest gehört, die yu der meß dar yn herberigen, 
bezalt eycht vnd zwenczig hundert golt gülden. Nach dem selbigen 
kauff hatt der obgenant Daniel brom der geselschafft vnser Stoben 
das obgenant miß laderara angemutt zu kauffen vmb das obgeraelt 
gelt, als er ens kauflft hatt, das hatt die geselschafft zu grossen danck 
angenomen vnd habent vorordenet vnd gemacht, das iedcr gesel, der 
vff die selbige zytt gesel sy, oder die, die noch nyt gesellen syn. 
doch von rechtem vnd mytt recht nytt mögen der geselschafft vor- 
wißt werden, als die syntt, die von geburt daruff hören, sollen geben 
zwenczig gülden, des die gesellen alsampt wyllig gewest synt Vnd 
darnach vff sant Andreas tag nach alter gewonheyt haben die ges- 
sellen, die daczumall gesell gewest svnt, vff der stoben gessen vnd 
eyn iglicher beczalt xx glden nach dem Vortrag, dens sie yngangen 
waren vnd darczu i gülden als von wegen des stoben zyus. Also 
hatt die geselschafft von den gesellen, die vff solich zytt hie waren, 
vnd vi* den bocksen der geselschafft dusent gülden dem vorgenanteu 
Daniel bromen beczalt, von der vberigen som, sali man ym ierlich zu 
gulde iiii gülden von hundert geben [suppl. fort: biß zur] ablosung; 
vnd als offt die geselschafft ii hundert gülden bringt, will er ym 
viii gülden ablassen lassen, als lang byß die gancz somc abgelost 
[fol. 42] wyrdt. Vff den iczgeriuten sant Andreas dag synt zu buw- 
meystern des huß laderam gemacht Hans vom ryn, Daniel 
broin, Gorg frosch, vnd zu stoben lneysteru synt gemacht Jo- 
hann frosch zum äffen, Johann zum jungen vnd Con- 
ratt sehytt Item welcher gesell durch bewybung vf die stoben 
kompt, der vor nyt von gepurt daruff gehört, der selbige sali geben 
drissig gülden. Sust eyner, der von gepurt daruff gehört, gypt nyt 
mer den zwenczig. Auch gypt das obgemelt huß ladaruni xv glden 
ewiger golt czu zynß, haben vor williget zu ablosung vnd gybt man 
eynem vor eyn gülden abzulösen xxviii gülden. 

§. 180. [fol. 50] Anno dnj bisextili 1496 erat dies deeima sex tu 
februarij vltima carnisbreuii et non fuit vlla conuocatio noatre soeie- 
tatis seu stube, veluti onmes mortui fuissemus, sed impedimento nobis 



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- 145 - 



fuerunt assessores camer? iuditii ceterique doctores nobiles et 
aduocati et procuratores, hij namque aderant nimis copioai. 

§.181. ffol. 42] Anno 1496 vltima decembria primum societas obsoni- 
tauit in magna atuba domus ladarum. Obsonij magister, wulgariter 
der wyrt vff der atoben, fuit Philippus kaltoffen, nec ego die 
illa inter obsonantes fui, latuit namque me, quod ea die in ea domo 
obaonium fuerat inceptum. Anno 1497 incipiendo annum a pri- 
mordio ianuarij Bernhardus rorbach, germanus meus, 
[suppl. : et ego] primum interfuimus obsonio in prefata domo, 
(obsonii magister erat Walter ysenberg) donauitque mihi ger- 
manus quinque h. tum, cum soluebatur pro obsonio; quilibet etiam 
nostrum donauit xx den. Friderico .... nostre societatia 
famulo, sie namque moria est, vt quilibet, maxime aoeii, 
dent famulo societatia die circumeisionis xx den. Et hoc primum ego 
donaueram. Anno 1497 ipsa die epiphani$ conuiuium primum habi- 
tum in nostra atuba, de quo clariua in anno 1497 (§. 183). 

§. 182. [fol 73] Ladarum. Anno 1497 prima die ianuarij 
primum frater et ego ivimua ad ladarum, de quo latius vide 
aupra in anno 95, ubi de emptione domua ladarum habetur, in fol. 
[41. § 179.] 

§. 183. [fol. 74] Ladarum. Anno 1497 in die ephiphanie 
primum in noua atuba cenauimua omnea infraacripti, non more aoeie- 
tatis, sed conuiuium habuimua, in quod omnea pariter admisai aiue 
de corpore societatis siue non. Huic CQne prepositi erant Hans vom 
ryn, ciuium magister, etVdalricus neuhusen, quos solemus magistros 
coquine appellare. Erant autem cenantes doctor Ludwicus de 
paradiao, scultetus, doctor Adam heymbach, aduocatus, 
Hans vom ryn, ciuium magister, et Conradus sehyt, 
8uua sodalis, doctor Johan et Hen glauburg, Hen saU, 
Ortt, Johann, Conrat et Ortt zum jungen, Georg, 
Johann et Johann frosch, Bernhart, Philipps, 
Heynrich wiU, Jacob, Heylman stralnberg, Daniel 
brom, Conrat monel*, Virich neuhuß, Cristian 
foleker, Johan reyß, Johan han, Thomas sos- 
senheymer, Bernhart, Job rorbach, Johan von 
hulczheymer, Symon vffateiner, Eberhart von 
huaeaaheym, Georg martroff, Ludwig marpurg, 
ClalS atalburg, Wolff etWolff blum. Supra acripti aunt 
de aoeietate vel iua ipaia competit. Engel von hoczfelt, 

Licentiatua, Georgius artulf, licentiatus 

rosenberg> Hen frosch, den man nennt froschelgyn, 

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- 146 - 

Pctter goascnheymer, Hans blura, Mylchior de» 

rattes schriber, Hans dyrmeyer, hijs non competit ius socie- 
tatis. Summa 47. 

§. 184. ffoL 75] Anno 1497 octaua ianuarij, si iuste memini, 
admissi sunt in societatem nostre stub(?Wolff blura iunior et Lud- 
wicus martroff, soluit quilibet pro iure societatis trigiuta fl. et 
fl. tres eo, quod vxorati sunt. Hcynricus wil* admissus in societa- 
tem tertia februarij. Eodem die obijt Margreta, relicta Heynrici 
ergeschemmers. 

§. 185. [foL 76] La dar um. Anno domini 1497 duodecima 
ianuarij conuocata est societas nostra ad cenam et viri et mulieres, 
nec admissi alii, quibus non corapetebat ius aliquod in societate, 
duobus demptis. Erant autem infra scripti in cena presentes nec 
ordine debito subnotantur, seilicet, prout memorie inciderunt, collegi*. 
Et hec cena prima erat, in quam conueniebant more societatis vere; 
antea in noua stuba non fuerant nmjieres. 

(1) Ludwicus de paradiso, scultetus, (2) doctor Johan- 
nes glauburg, (3) Johan glauburg, (4) Ilamandus, 
(5) Margreta, uxor sua, (6) Gylbertus, (7) Ludwicus 
hulczhuser, (8) Eliseus, (9) Barbara, sua uxor, 
(10) Bernhardus, (11) Anna, sponsa sua, (12) Philippus, 
(13) Katherina, uxor eius, (14) Jacobus, (15) Fronica, 
uxor sua, omnes wyssen; (16) lohan, (17) Cristyn, uxor 
sua, (18) Gorg, (19) Johann, (20) Lysgyn, sponsa sua, 
omnes frosch, (21) Ortt, (22) Johann, (23) Margret, 
uxor sua, (24) Conrat, (25) Ortgyn, omnes jungen, 
(26) Karlen henspurg, (27) Michel schwarczenbe rg, 
(28) Kryngyn, eius uxor, (29) Hans von ryn, senior 
magister ciuium, (30) Kryngyn uxor, (31) Conrat, 
(32) Margret, uxor sua, (33) Jacob, (34) Ulrich, om- 
nes neuhuser, (35) Johan, (36) Agatha, uxor sua, (37) Clai*, 
omnes rockyngen, (38) Syffart klobellach, (39) Ceci- 
cilia, uxor sua, (40) Hen saß, (41) Cristian folcker, 
(42) Johan reytf, (43) Crystyngyn, sua uxor, (44) Johan 
hulczheyraer, (45) Bernhart, (46) Job rorbach, (47)Lud- 
wig martroff, (48) Enchyn uxor, (49) Johann han, (50) 
Katherina, uxor sua, (51) Daniel, (52) Hans brom, (53) 
Gretgyn, uxor sua, (54) Wolff blum, (55) Kryngyn, uxor 
sua, (56)doctor (57) Adam heymbach [56 u. 57 eine Person], (58) 
Anna,uxoreius, (59) Eberhart vonhuseBcheym, (60)Guttgyn, 
uxor sua, (61) Conrat schytt, ciuiuramagister iunior, (62)Mar- 



U7 - 



gret, uxor sua, (63) Friderich faut, (64) Margret, uxor 
sua, (65) Friderich von alczen, (66) Conrat mone«, (67) 
Claß stallburg, (68) Gorg martroff. (69) Engel von hocz- 

felt, (70) hingen, meister von norlyngen, hij 

honoris gratia admissi in c?na, nnllum namque ius socie- 
tatis competit ipsis. Que sequuntnr vidue erant: (71) Agnes 
wisse zu [fol. 77] Lebensteyn , (72) Ey Ichin rorbechin, myn 
mutter, (73) Katherina hulczseryn, relicta Gylperti huczhusens, 
(74)Otylia glauburgerin, (75)Vrsula sch wartzenbergeryn, 
(76) Agnes ergeschcmeryn. Virgines, que adhuc nulli adhere-^ 
bant, due tantum: (77) Kryngyn humbrechtin, (78) Kryngin 
Rassen. (79) Thomas sossenheynier, (80) Grettgyn, uxor sua. Huic 
cene prefecti sunt, vt coquine preessent, Johanfrosch et Virich 
nuhuß. Gylbertus hulczhusen et ego eramus primi, qui 
cum cereis correas duximus et ex iussu seniorum trade- 
bamus Annam, sponsam Bernhardi wiss, Danieli brom et 
hec prima correa in ea stuba et hec correa iusta conside- 
ratione Danieli brom tradita ipsi, [supple: quod] raagni- 
ficum et humanum se exhibuit erga societatem, domum 
namque iusto pretio traddidit societati etc., vt supra 
mentio habita. Post cenam aduenit marchio Iacobus de baden, 
iudex iuditii camere regii [regiae?] maiestatis, et cum eo aliqui ex 
assessoribus, procuratoribus et nobilibus et trepudiabant vna nobiscum. 
Item quinque solidos soluit unus pro ccna, hos quinque solidos donauit 
mihi germanus Bernhard üb ob memoriam, quia prima ccna. 

§. 186. [fol. 79] Ladarum. Anno 1497 hatt man eyn öffent- 
lich geselschafft gehalten vif der newen stoben vor faßnacht vnd ist 
die erst geselschafft, die man gehalten hatt vif der neuwen stoben, 
vnd für hin hatt man vorbotten vff die stoben alle junge gesellen, 
die etwan gerechtikeyt yn der geselsehafll haben, vnd synt die jungen 
gesellen also ersehynen myt namen vff den 22 tag des ianuarij vnd 
hatt da selbst doctor Ludwig vom paradiß, schultheyU, von 
wegen der geselschaffl disse meynung zu den iungen gessellen geredt, 
das den iungen gesellen allen vnd iglichen erlaubt sy vnd laub haben 
sollen vff der stoben vnd in der geselschafft zu syn vnd vmb yr 
geld zu zeren (das aust nyt gewonlich ist, den noch ordenung gunt 
man eym nyt mer dan eyn gesellschafft zu halten, dan er gessel 
wyrt), dar by auch gebetten vnd befollen, zuchtig sich zu halten 
myt danezen vnd willig myt essen vortragen, auch ym dancz sich 
nyt yn die arm vmbfahen als sust, sunder an stat des selben arm- 
fahens den frauwen die hend geben vnd zuchtig neygen. Diss ist 

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— 148 — 



also geschehen. Auch hatt die geselschafft margraffen Iacoben, zu 
den zytten kamer richter, vnseren genedigen herren, vnd alle bysitzer 
vnd ettlich aduocaten vnd procuratores des kamer gericlitz lassen 
wißsen, wie man eyn geselschafft halten woll, wollent sie dar by gyn, 
so möge sie die geselschafft fast woll liden, das sie yr gelt by der 
geselschafft vorzeren ; des glichen hat mans auch ettlich lassen wissen, 
die yn der canczelly syn zu der zytt der geselschafft. Darnach vff 
vnser frauwen tag purifficationis ist loczell faßnacbt gewest, daramh 
hatt die geselschafft nyt yren anhab gehabt als von alter vnser 
frauwen zu eren vnd [hatt] vff den sontag estomihi, que est quinta 
februarij , hat sie angefangen vnd vff denselben obent zum ersten des 
nachtz ymbB da gessen vnd ffol. 80J öffentlich hie vnden gedanczt 
Vff den montag darnach zu vnderen haben fier burger eyn gesellen 
stechen gehabt myt kronlyn, myt namen Conrat zum jungen, 
Heimen [Heylmanj stralnberg, Conratt moneß vnd Claß stal- 
berg, noch dem syn widder zum nachtmall erschynen alle die, die 
zur ge[sel]schafft gehören oder geladen waren. Vff den dynstag ist die 
geselschafft zu myttag auch by eyn ander gewest Glich alß sie zu 
mittag gessen hatten, syn sie vmb gangen noch alter gewonheyt zum 
theuschen huß, zu sant Iohans vnd zu sant Anthonien vnd ist der 
fürst margraff lacob von baden kamerrichter nyt mytt gangen, noch 
keyner von assessoribus oder bysiczeren, darnach zum nacht mall 
syn sie alle zu seinen komen vnd zum dancz; desglichen den escher- 
myttwoch zu myttags vnd obents vff den eschermittwoch noch myt- 
tag haben die frauwen noch olter gewonheyt zwen kochen meyster 
gemacht zu der grünen Soppen myt namen C laß von rockyngen 
vnd Hen stralnberger, beyd sampt widwer, darnach synt sie hynuß 
yn Hen gleuburgs garten gangen, da die geschelschafft hin vß kam, 
bald darnach kam der fürst myt sampt ettlichen bysiczern zu ynen 
geryten vnd war by ynen, darnach rytten sie widder heym vnd gyng 
die geselschafft auch heym vnd kamen zum nachtmal widder zusa- 
men. Vff donerstag zu mittag ossent die mannen eynig vff der stoben 
vnd beschlossent die rechenschafft vnd namen von dem margkgrafien 
nyt mer den i gld. vnd desglichen von bisiczern vnd allen dennen, 
die dem kamergericht vorwandt waren, gab keyner mer den i gld., 
[fol. 81J schenckt der margkraff der geschelschafft eyn hirsch vnd 
eyn rehe, des Rattes amptlude vnd Ander Edellude gaben eyner ij guld., 
eyn burger iii gld., darnach vff den gßt. dornstag zu nacht ossent sie aber 

by eynander den manderkeß vnd vorzert eyner Vnd also hatt 

disse brasseryhe eyn ende. Disser geselschafft kochenmeyster sint 
gewest lacob neuhuß, Iohann han, wynmeyster vnd broitt- 




- 149 - 



meyster synt gewest Iohan froach, sponsus Lyßgens, vndConrat 
neuhuß. 

By diaer geselachafft synt nyt gewest myn mutter, myn b rü- 
der Bernhart vnd ich, noch myn schwager, noch myn Schwe- 
ster; auch Ha man hulzhusen vnd Margret, syn frawe, noch 
Gylbrecht, syn bruder, noch Katherina, yr mutter, die war auch 
kranck, noch auch Katherina hulczhuseryn zum spangenberg, 
noch yr sun Ludwig hulczhusen, vßgenomen uff den sontag inuo- 
cauit zu nacht ist Schwager Karlen hynsberg und Martha, myn 
Schwester, by der geselachaflt gewest, vnd hat vns vi* der geselschafft 
gehalten Margretten zum thorn dott, die wir als den truerrenteu. 

§. 187. [fol. 132] Anno 1499 21 ianuarij hoben man vnd frauwen 
vff der stoben gessen zu nacht, eo quod marchio Iacobus de baden, 
iudex Regalis iuditij camere, donanit societati ceruum et soluit vnus 
G alb. Ego aderam, non mater, neque frater. 

17. Cultus. 

§. 188. [fol. 2J Item secunda junii celebrabatur hic missa in 
omnibus ecclesiis pro conservatione fructuura et conciuitatis et pro 
defensione hostium anno 1494. 

§. 189. [fol. 7 ad iii novembris 1494J Eodem die agebatur in 
ecclesia commemoratio an i mar um fidelium, que commeraoratio trans- 
lata est in terciam diem nouembris, oo quod dominica dies se- 
cunda erat. 

[Ueber die Stiftung der Rathsmcsse §. 250. Fam. Frosch.] 
§. 190 [fol. 12] Anno 1494 [1. 1493] deciraa nona maii cecide- 
bat dedicatio ecclesie. fratrum minorum franckfurdie. Semper enim 
secundum cursum temporis in dominica exaudi, que est sexta post 
pasca, agitur dedicatio in prefata ecclesia. Et tunc ante inchoationem 
summe misse defertur venerabile corpus Christi extra ad plateaa 
circumeundo monasterium et omnes fratres ferunt reliquias etc. 
Et fundauit pater iuxta literas hec clare fantea, et fratribus meis ac 
mihi ineumbit duetio sacerdotis deferentis sacrum et ego Job prefato 
anno et die, vt hic supra mentio habetur, duxi et Hamandum hulcz- 
husen in sodalcm asaumpsi. Et post mortem patris ego primus fui, 
qni ex fratribus meis duxerat; tempore enim intermedio, videlicet post 
mortem patris vsque ad tempus pubertatis nostre et presentie mater 
nostra substituit duos, qui vicem nostram adimplerent. Et in anno 
1494 dedicatio fratrum minorum cecidebat in xviii diem maii et duxi 



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- 150 - 



ego sacerdotem et Jacobus nuhusen, quem mihi in sotium assumpsi, 
nec enim tum affuerunt fratres. 

[Ueber diese Stiftung vergleiche: Familienchronik Bernhard 
Rohrbacha §, 27. Der Sonntag Exaudi fiel übrigens nicht im Jahre 
1494, sondern 1493 auf den 19. Mai, es ist daher statt 1494 zu lesen 
1493, wie auch aus der wiederholten Beschreibung der Proceasion 
von 1493 hervorgeht:] 

§. 191. [p. 25J Anno 1493 decima nona maij et in dedicatione 
templi minorum duxi ego primum sacerdotem deferentem corpus 
Christi in processione, que habetur ante missam summam. Assumpsi 
mihi in sodalem, qui mecum duxit, Hamandum hulczhusen. 
Processio [1. processionis] , que fit in dedicatione ecclesiae fratrum 
minorum, et maxime quod diflertur corpus dominicum, fundator fuit 
pater meus Bernhardus rorbach, ipse namque suis pecuniis ini- 
petravit a papa fratribus, vt possent differre [corpusj domini per 
circuitum, inque memoriam huius preservavit sibi, dum vixit, nobbquc 
filiis suis, vt ius ducendi haberemus, sed quia post obitum patria 
omnes nos ctate ad eam rem minores eramus, ac etiam cum etas nos 
ablitauit(?), absentes eramus, ideoque raater nostra Semper duos, quos 
voluit, nomine nostro elegit, qui offitium in hoc nostrum expleverunt. 
Et die et anno prefato ego primus inter fratres duxi, eo quod 
Bernhardus existebat in italia eo tunc, Conradus vero f rater 
minor annis erat. Competit autem ius ducendi duobus scnioribus ex 
nobis iuxta litteras. [fol 26J Anno 1494 decima octaua maij in dedi- 
catione fratrum minorum, ego pariter cum Jacobo neuhusen 
duxi sacerdotem ferentem corpus redemptoris. Anno 1495 dominica 
exaudi, que tunc fuit vltima maij, erat dedicatio ecclesie minorum, 
et tunc duxit Bernhardus, frater meus, (et adiuuantem assumpsit 
Karolum henspurg, affinem nostrum,) sacerdotem, qui fert do- 
mini corpus, et hoc ex morc, qui uobis incumbit ; et primum fuit, quod 
frater duxcrit, ego tarnen antea duxi, ipso Semper absente. Anno 

1496 ego Job vna cum prefato Karolo duximus sacerdotem. Anno 

1497 Bernhardus, frater meus, cum Karolo henspurg duxit sacerdotem 
in dedicatione minorum. [fol. 88: Anno 1497 septima maij in dedica- 
tione minorum duxit Bernhardus rorbacb, frater meus, Bacordoteni 
deferentem corpus dominicum. Assumpsit Karolum hensburg in 
socium, quia ego non aderam.J Anno 1498 maij 27 erat dedicatio 
fratrum minorum et duxerunt frater Bernhardus etKarolus, tunc 
magist er ciuium [§.124], sacerdotem iuxta morem. [fol. 114: 
Anno domini 1498 vicesima septima maij et dominica exaudi in de- 
dicatione ecclesie fratrum minorum franckfurdie frater meus Bern- 



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- 151 - 

hardns assumpsit Karolam hynsperg, tunc magistrum ciuium, 
in sotium et duxerunt sacerdotem, qui ibidem in processione detulit 
corpus domini. Hec enim dedicatio nostra est de iure iuxta litteras.] 
Anno 1499 xii maij et dominica exaudi cgo cum Jacobo neuhuß, 
magistro ciuium pro tunc [§. 125J, duximua sacerdotem de- 
ferentem eucharistiam. [fol. 139 : Anno 1499 duodecima maij et do- 
minica exaudi in aolennitate dedicationis eccleaie minorum duxi ego 
vna cum Jacobo neuhuaen, tunc magiato ciuium, eum, 
qui inde ex institutione genitoria mei detulit in processione corpus 
domini, induique eo die ex panno nigro tunicam simplicem, de illo 
eodem panno induit Jacob us prefatus eyn h aBack.] Anno 
1500 vltima maij Bernhardus, frater meus, vna cum Georgio neuhuaen 
duxerunt sacerdotem, de quo in 152. [fol. 152: Anno 1500 vltima 
maij in dedicatione minorum duxerunt sacerdotem gestantem corpus 
domini frater meus Bernhardus et Georgius neuhusun.] 

§. 192. [fol. 32] Anno 1495 in die beate Mari? Magdalene 
Johannes griffensteyn, decanua S. Bartholomei, detulit cor- 
pus dominicum, Johann glauburg etOrtt zum iungen 
in locum Johannis von ryn duxerunt decanum , Bernhart wyß, 
Georg nouhuß, Philippus ogelnheymer, Jacob wyß 

portarunt den casten. Vdalricus nuhuaen, Georg 

matroff, Gylbcrtua hulczhuaen, Heynricua wyß facea 
gestabant. 

§. 193. [fol. 43] Anno 1495 ordinatum est per sereniasimum 
Maximillianum Romanorum regem ac per archipreaulem maguntinura, 
Bertholdum de henberg etc. et per alio8, vt in omnibua cathedrali- 
bua, collegiatis parochialibusve ecclesiis et monaaterija per totum 
imperium in omnibua dioceaibu8 et locia, qui aub imperio aunt, vt 
ad quadriennium aingulia menaibua miaaa rogationia decantetur 
in initio cuiualibot raonaia pro impetranda (a magnipotenti deo) raiaeri- 
cordia et peccatorum venia pro aalute et victoria, vt auo iuamine 
[iuvamine] hoatibua fidei et imperij reaiatere valeamus criatianaque 
religio vt augmentotur imperiumq. aimul amplificetur. Et omnibua 
deuote intereaaentibua xl dies indulgentiarum tribuuntur. [fol. 44] 
Hec mfeaa rogationia eat franckfurdie primitua cantata die nona de- 
cembria anno 1495 et aingulia menaibu8 continuata U8que in annum 
1499, vbi ultima obaeruata fuit quarta nouembria. Celebratur autem 
miaaa hoc ordine. Ante misaam flexia genibus cantatur antiphona: 
n Cognoacimu8, doraine, quod" etc. cum verau et collecta pro pecca- 
tb. Dchinc septem psalmi penitentiales leguntur usque ad litahiam, 
litaniaque inchoatur voce altiori cantabiturque per cireuitum ecclesi§, 




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— 152 — 



precedente quodam, qui crucem defort ante scholares (ubi sunt) et 
clerum. Hijs finitis in choro cantatur antiphona: „Alma redemptoris 
mater" etc. cum versu et collecta de beata virgine. Hij8 sie actis ad 
missam venitur, cuius initium est: „si iniquitates", collecte: „Parce 
domine", „Omnipotens sempitcrae deus". Hec due collecte. leguntnr 
sub prima conclusione [?]. Alie tres collecte, videlicet: „quaesumus, 
omnipotens deus, ut famulus tuus rex", „deus, a quo saneta desideria u , 
„deus, qui non mortem peccatoris", leguntur sub secunda conclusione. 
Epistola Hierieme prophete: „Si iniquitates nostre contendant" Gra- 
duale: „Propitius osto peccatis". Alleluja: „ostende nobis, domine*. 
Tractus post lxx [septuagesimara]: „Domine, non secundum peccata u . 
Ewangelium: „Amen, amen dico vobis, quivis dixerit huic monti*. 
Offertorium: „sicut in holocausto". Post eleuationem flexis genibus 
cantatur antiphona: „Media vita in morte", versus et collecta pro 
peccatis. Commune: „Amen dico vobis, quidquid orantes". Finita 
uiissa proceditur cum processione ad altare beat<? virginis et cantatur 
flexi» genibus antiphona: „Salve regina 8 cum versu et collecta. Tan- 
dem cum ad chorum reuersi sunt, cantatur antiphona: „O Martine, 
o pie a , versus et collecta vel loco illius antiphone cantantur antiphona 
de patrouo ecclesie illius. II?c roissa tali rittu et ordine suprascripto 
primitus franckfordie est decantata die nona decembris anno 1495. 
[cf. §. 200.J 

§. 194. [fol. 53] Anno 1496 die 3* apprilis, erat dies sanet* 
pasche, tres apud fratres pr^dicatores predicabant : lector in cymiterio, 
subprior in ecclesia, tercius in ambitu, adeoque se inuicem clamoribus 
[se] impediebant, ut parua ex hijs sermonibus populo generabatur 
deuotio, sed confusio potius. 

§. 195. [fol. 54] Anno 1496 in die saneti Marci ewangeliste. 
clerus non ibat ad villam rad, sed mansit in sachssenhussen ob pluuiam, 
que die integra durabat 

§. 196. [fol. 56] Anno 1496 in mense maij erecta primum est 
tabula summi altaris in choro fratrum predicatorum. 

§. 197. [fol. 58] Anno 1496 in die beate Marie Magdalene de- 
canus Johannes in processione gestabat corpus doraini, Jobann 
glauburg et Hans vom ryn eum duxerunt, Jacob wiß, Gorg 
neuhuß, Conrad mones, Diether . . . von Bassenhussen por- 
tabant den kästen; Gylbertus hulczhusen, Ludwicus hulcz- 
husen, lieylman stralnberg, Conrat zum jungen ferebant 
cereas. 

§. 198. [fol. 90] Anno 1497 ipso die corporis Christi et vicosima 
quinta maij deferebat corpus dfiilohannes gryffensteyn, decanus 



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— 153 — 

dioi Bartholom^ francofurdiensis. Aasistebant docano cum ducendo 
Henn glauburg et Iohannes vom ryn, seniores scabini, 
quatuor autem ferebant struem, que super uacraraentum defer- 
tur, nostro ydiomate der käst genant, videlicet Philippus 

ogelnheymer, Gorg reyß, Ditther et ego lob ror- 

bach, et primum est, quod ego gestabam den kästen, quatuor alij 
deferebant tedas scu cercas, videlicet Heynrich wiß, Ortgyn 
zum jungen, Vlrieh neuhusen vnd Gorg martroff. Comita- 
bantur sacramentum a retro Marchio lacobus de baden , iuditij 
camerc iudex, cum co sex assessores, item aduocatus iuditij camer?, 
Doctor Florentius de veningen, aliquique procuratores. Post hos ibant 
consules opidi huius, deinde wulgares etc. 

§ 199. [toi. 95| Nicolaus kruder episcopus Sambicnsis 
et filius franckfurdensis. Anno 1497 die 22 iulij ipsa die diu? 
Magdalena Nicolaus kruder, episcopus Sambiensis, filius oppidi franck- 
furdensis, detulit Corpus dominicum in proecssione, que ea die agitur 
ex voto. Bemhardus, frater meus, Iorg neuhuß, Conrat moneß et 
Dither humeris scu scapulis suis [gestaverunt] den kästen et prima 
est fratris gestio illa prefata. Eram tunc "wormatie. 

[Maria-Magdalenen-Procession 1498, begleitet von den Theilneh- 
mern an dem Passionsspiel §. 2I5J. 

§. 200. [fol. 137] Bede Meß. Anno 1499 vicesima quarta ap- 
prillis decantata est in omnibus collegiatis ecclesijs et monasterijs 
missa pacis. Et in ecclesia parochiali nostra hoc modo processum est : 
primum cantata antiphona: „Cognoscimus domine, quod peccauimus tt ; 
deinde lecti submissa voce vii psalmi litaniaque alta voce per duos 
decantabatur. Cantando eam facta est processio et cireuitus per totum 
eimitcrium. In ea ibant primum scolarcs, deinde persone ecclesie, 
demum totum consilium seu omnes consulares viri vna cum capitaneo, 
aduocato medicoque etc., qui omnes durarunt vsque in finem offltij 
misse. ' Antca etiam quam inchoaretur offitiura summum, cantata an- 
tiphona : „Alma redemptoris" cum collecta; introitus : „Da pacem"; habita 
cleuatione, cantata antiphona : „Media vita a cum collecta. Finito offltio 
misse^ cantata fuit antiphona: „Salue rcgina a cum collecta [fol. 1381. 
Steterunt consules in dextro latere chori, ingrediendo chorum scabini 
et pretores, in superioribus sedibus seu stallis alij, in inferioribus 
persone. vero omnes ecclesie honoris gratia cedebant consulibus et in 
latere sinistro manebant. Deinde eodem anno 22 maij ob exhorta- 
tionem domini Bcrtholdi archiepiscopi eque et per omnia decantata 
est missa, vt supra , et . sequebantur itterum omnes consulares 
[ff. §. 193]. 



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§. 201. [fol. 142] Anno 1499 in die dine Marie Magdalene do- 
minus Johannes gryffensteyn detulit corpus Christi. Ducebant eum 
Johannes vom ryn et Ort zum jungen. Den kästen deferebant 
Gorg neuhui*, Engil langstorff, Arnolt reyß, Philipps 
vgelnheymer. Deferebant die fackeln Sebastianus Schmitt, 
Conrat zum Jungen. 

§. 202. [fol. 156| Bede Meß. Anno dominj 1600 vltiraa augusti 
decantata est missa pro pactis ad instar eins, que supra notatur 
charta 137 [§. 200], nisi quod in ea nunc consules in latere cantoris 
steterunt supra in latere decani etc. 

18. Judentaufe. 

§. 203. [fol. 5] Anno 1494 deeima nona augusti baptizata est 
hic Judea ex partibus sueuie, que, vt ait, ex instinetu Marie virginis 
proprio motu baptizari petüt, et nomen ipsi est impositum Katherina 
etinter plures compatrices duxerunt eam due virgines, Annabluinyn, 
filia Wolfgangi blums, affinis mei, et Cristina froschin, filia Jo- 
hannis frosch, que prefate virgines steterunt in latere super machinam, 
quando baptizabatur, erat enim machina construeta ante aram parochia- 
lcm et peluis super posita, in qua steterat baptizanda. Cetcre autem 
compatrices non ascenderunt machinam, et, ea baptizata, cecinit popu- 
lus: „Nun byden wyr den beigen geyst"! Et postea eduxerunt eam 
prefate virgineB in processione (sicuti et intrauerat ecclesiam) ad 
domum plebani. 

19. Asylrecht der Klöster. 

§. 204. [fol. 89] Anno 1497 deeima maij in noete hatt hamei* 
sun .... zu sosenhusen eyn thor geweltiglich vffgetretten an eynem 
huselin by dem büß, zum Einbogen genant, by den predigern vnd 
hatt gewont eyn burger von aschaffenburg, der liic reyff feyll hatt, 
genent vnd hatt der gemelt burger eyn frawe zu aschaffen- 
burg. Aber hameß sun hatt dissen burger gewont vmb des, das er 
by ym lygen fant syn hör . . . des wagners dochter von sassenhusen. 
Darum b dratt er die dor vff vnd hywe den burger vnd schlug die 
hör by eynander ym beth. Vnd hatt hanies sun eyn scherrer 
knecht . . . . by ym yn disser thatt Des morgens licfY hames sun 
vff die friheytt yn's barfusscr kloster vnd der scherrer kneclit zusant 
Anthonij vnd synt beyd daruonkomen. 



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— 155 — 



20. Cleriker. 

§. 205. [foL 5ö] Anno domini 1496 duodeoima maij expirauit 
deuotus Hartmandua moliatoris, canonicua sancti Bartholomei. 
Canonicatum obtinuit Philippus de hello, alias peffer dictus. 

§. 206. [fol. 62] Anno 1496 vltima augusti dominus Niclaus 
wißbecker exspirauit, quieratscolasticus sancti Bartholomei. Scolasteriam 
obtinuit Joannes sumer, canonicus sancti Bartholomei, quod sibi 
contulit generosus dominus .... de nassawe comes, prepositus diui 
Bartholomei [cf. §. 62.]. 

§. 207. [fol. 99] Anno 1497 Carolus [1. Philippus] de helle, 
filius doctoris Georgii, vulgo peffer cognominatus, obtinuit prebendam 
in ascbaffenburg per mortem cuiusdam reyff, qui obiit vltima augusti. 
Hec scripsit frater, quum wormatie eram 7 . 

§. 208. [fol. 145J Anno 1499 die tredecima octobris J oh an es 
vom ryn, filius Johanis vomryn et decanus sancti Leonhardi, 
suas celebrauit primitias in dicta ecelesia S. Leonhardi, ad quos ego 
fueram inuitatus. 

§. 209. [fol. 160] Anno domini 1500 tertia decembris obijt do- 
minus Georgius schwartzenberger, cantor et canonicus ecclesie sancti 
Bartholomei franckfurdie. cf. §. 63. 327. 

[Johannes Greifenstein, decanus sancti Bartholomaei, §. 62 seq., 192. 
197. 201. 215. 

Eberhardus Becker, scholasticus sancti Bartholomaei, §. 62. §. 63. 
ConradusHensel, doctor theologiae, canonicus sancti Bartholomaei 
et plcbanus, §. 63. 

Johannes Ugelheimer, canonicus sancti Bartholomaei, §. 62. 63. 
Erhardus Dincickheymer, canonicus sancti Bartholomaei, §. 63. 
Johannes Wilnau, canonicus sancti Bartholomaei, §. (.3. 
Hcimannus Itzstein, canonicus sancti Bartholomaei, §.63. 65. 69. 
Nicolaus Schell, vicarius sancti Bartholomaei, §. 65. 
Nicolaus Hugonis, clericus sancti Bartholomaei, §. 68. 
Hcinricus Stößel, vicarius sancti Bartholomaei, §. 236. 
Nicolaus Kruder, episcopus Sambiensis et filiusfranckfurdensi8,§.l99. 
Johann Bruno, sacerdos §. 80. 

Albertus Brollyn, capellanus Katharinac Holzhausen zum Gold- 
stein, §. 18. 217.] 

— - * ~ — 

' Am Rande hat Job „Karolus" ausgestrichen vnd dafür „Phillipus" ge- 
setzt. Es unterliegt demnach keinem Zweifel, dass der Inhaber jener Praebende 
und der Canonikus zu St. Bartholomaei eine Person und Sohn des Kanzlers 
Ueorg Helle, gen. Pfeffer, war. 



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III. Sitten. 



1. Das jährliche Hirschessen des Raths. 

§. 210. [fol. 31 j Anno 1495 die tredccima julij domini de con- 
silio comederunt cenmm in domo Johannis gleuburg iuxta morem 
eorum, vti singulis annis faciunt. 

§. 211. [fol. 57] Anno 1496 die 1 juljj domini de consulatu 
conuiuium cerui peragebant Et Clara, vxor Johannis de glau- 
burg, inuitauit plures in domum Ambrosii glauburg (consulares enim 
sunt in domo Johannis glauburgs, cum bachanalia cerui peragunt), 
qui ad triduum ederunt ac biberunt in gaudioque triduum hoc con- 
sumpserc, iueruntque tercia die ad villam rad causa solatii et quod 
dies diue Margrete agebatur, quc iJlic patrona colitur. Inter alias 
aderant mater, soror, affinis et ego, frater in italia erat [§. 8] soluit- 
que genitrix pro se et me pro hoc triduo xx ß. 

§. 212. ffol. 93] Anno 1497 decima nona junij domini consoles 
franckfurdenses bachanalia cerui peragebant 

§. 213. (fol. 117] Anno 1498 vicesima junij consulares franck- 
furdenses conuiuium cerui iuxta morem agebant 



2. Passion sspieL 

§. 214. [fol. 115] Anno 1498, quarta junij et sccunda penthe- 
costes, hic ante pretorium, quod dicitur der romer, supra machinam, 
que ob hoc constructa fuerat, ludus habitus, in quo erant 280 per- 
sone bene ornate cum vestibus ac similibus, quQ decebant; luserant 
autem eo die primum sacrificium uuici filii Abraam, historiam Susanne, 
divitis et pauperis Lazari, item filii pcrditionis, quibus actis Balthazar, 
plcbanus in obem Escherscheym, induit se tunica grisea 



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— 157 



(antea enim peraonam patria in drais representabat) , ac dyademitate 
coronatus, personam Christi aimulana paaaionem domini aggrediena, 
que causam omnem dedit ludo. Eam incipiebat ab electione apoato- 
iornm. Die quinta junij luaerat pasaionem, usque dum captus fuerat 
in ortu fhorto], aub illa captura ducebatur per nostraa vicua ciuitatia, 
Sexta jtmij et roercurij et quatuor temporum ad longum per ciuita- 
tem traducebatur, anteaquam aacerenderent inachinam, cumque 
machinam aacendiaaent, adAnnam eo die etc. ducebatur et cruci ap- 
pendebant eum, in qua pendebat fere ad duaa hör«. Sexta [lege: 
aeptima] junij et jouia poat penthecoaten exportarunt crucem una 
cum crucibua latronum extra portam aaxenhuaen. Undecima junij 
hij, qui de ludo erant, inuitarunt totum conaulatum ad prandium, qui 
donarunt Ulis duas araaa vini et 20 aureoa, item conceaaerantillia aaaerea et 
ligna in magna copia valde, ex quibua machina conatruebatur, ea 
tarnen lege, vt redderent, et que deatruerentur aeu cederentur, aolue- 
rent; preterea plurea alioa ciuea et eccleaiaatica8 peraonaa inuitabant, 
qui et Ulis, qui de ludo erant, propinabant. Item omnia, qui de ludo 
erat, et quelibet persona aingulariter dedit primo societati [fol. 116] 
eyn ort, de qua pecunia, quo ludum concernebant, parabantur. 

§. 215. [fol. 118] In die diueMagdalene anno 1498 in proceaaione 
corpus domini detulit Iohanea gryffenatein, decanus ecclesie 
S. Bartholomei; Hen glauburg et Hans vom ryn duxerunt 
eundem, Gorg neuhus, lob rorbacb, Arnold reyaz, 
Philipps vgelnheimer geatabant den kästen, et antea in feato 
Magdalena non gestaui; Ludwick hulczhusen, Gorg mar- 
troff, Heylman straln b erg, Virich neuhus portabant cereas; 
hij autem, qui luaerant paaaionem, vt habetur aupra 115 aequebantur 
conaularea in proceaaione, induti aeu veatiti more eorum, niai quod 
quinque representabant aalvatorem, vnua captivum, alter in veate 
alba, tertius columnam ferebat, quartus crucem, quintus resurrectio- 
nem representans, et b erat, qui, dum ludebatur, omnia Jheau more 
similitudinarie geaaerat ac patiebatur. 



3. Rath ableygen. 

§. 216. [fol. 132] Anno 1499 tercia januarij dedit mihi magi- 
ster ciuium Michel achwarczenberg pro duobua Bleygin, die ich 
vordynt hat vif den tag Marie Magdalena, do ich den kaaten drug, 
vta. 118 [§.215], vor diezwey gabermirdreuder neuwen bleygin vnd 
waren die ersten, die ich gesehen hab; gap ich der mutter eyna, 



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- 158 — 



Bernharten, mynbruder, das ander, her Eberharten becker da.« 
dritt zu neu wen iar vnd hat der selbigen [keynes| keyns mer gesehen 
oder gehat A tempore natiuitatis Christi anno illo hic notato defece- 
runt die alten bleygin mit den zweyen brachen vnd mit den zweyen 
drüben vnd die neu wen haben die gestalt, das vß eyner kannen 
sunder eyn lytt oder deckel wachsen zwen drüben, hengend vff bey- 
den sytten [cf. Lersner I, 458]. 

§. 217. ffol. 141 J Anno 1499 decima octaua junij zum erstmall 
vff der grossen vrgeln in der phar durch Johannes hessen, des vor- 
sprechen Hans hessen sun, eyn saluc gespilt worden vnd gesungen 
vnd waren kum als fill claues vnd pyfFen gestympt, das eß bescheen 
mocht Schanckt ich hierumb dem selbigen Iohannes eyn rats blygen, 
die will das fer) zum ersten zum salue gespilt hat etc. 

4. Schiessen. 

§. 217. [fol. 58] Anno 1496 die julij vicesima vff dem schyss 
graben zwyschen den porten by sant katherinen kyrchen noch myttag 
synt zusamen komen yn eyner gutten erlichen gesellschafft doctor 
Florentius von veningen, Katherina hulczhuserin , Hamen, yr sun, 
vnd Margret, Hamens husfrawe, Gylbrecht, auch yr sun, Eylchin 
rorbecherin vnd ich lob, yr sun, Katherina, Oylbrechtcz hulczhusen 
seliger gedechtniss wyttwen, Ludwig, yr sun, Karlen henspurg vnd 
Martha, syn husfrawe, myn loben Schwester, Johan holczheymer, 
vnd haben des underens die gesellen geschossen, welche wollten, vmb 
zymlich kleynet von zinwerg; des nachte« hatt ye eyn huszgeseß 
II maß wyns bracht, vnd nach dem nachtraall geschossen frawen vnd 
man, wer da wolt, byß vmb zehne, also das III Hecht by das blatt 
gesteckt worden vnd eyns farn anzeyger, vnd noch dem nacht mall 
synt darczu komen Ort zum hingen, der junger, vnd her Albrecht 
prolin |§. 18], der hulczhuserin zu goltstein kappellan. 

§. 218. [fol. 67] Anno 1496 tredecima nouembris hat hie eyn 
schyesscn angefangen mytder hantbocksen; das hatt gewert dry tag 
vnd synt der schuczen hundert vnd eycht gewesen vnd der kleynet, 
darumb man geschossen hatt, funff vnd zwenczig, myt namen drij 
ochsen, eyn schwarczer hudt myt eyner sylberen roren, iiii clen 
sch wäre zen schamelott, vnd zwenczig zinnener kleynet als fl eschen, 
gieß, faß, gelten, byren [?J, teil er, kannen etc. Den besten ochsen 
gewan eyner heyst Thomas, bossenmeysters sun, syezt by der bocken- 
hevmer porten, den andern ochsen gewan Conrad nuhuß, myn vetter, 



den drytten eyn bossenmeister von mencz, den hut mit der silbernen 

roren schuchlepper by sant iohann, den schamelott zum 

wamea gewann dyll eyn ledder verkaufter vff dem krutt marckt, 

die suwe [Sau] gewan Hans syd, vnser schmyt, vnd habent die franck- 
furter schüczen nünczehen kleynheyt vnder den funff vnd zwen- 
czigen vnd die beubt kleynet all, vßgenomen den drytten ochBen. 
Vnd baben sie geschossen vff dem fyscherfelt yn zwen schyrm vnd 
die leng des schuß vom stand an byß yn schyrm ist 336 clen, myt 
eyner schnor ist cns also gemessen worden. Item hat Schnabels sun 
eyn brieczsch, vnd welcher schütz sechs schus nach eyn ander des 
schyrms feit, dem schlug man der briczschen; item welcher 
nyt by die schüczen gehört vnd gyng vber das gebleng, dem schlug 
man der briczschen oder must iiii den. geben, vnd schössen die 
schüczen zehen schul*. Auch synt der kleynet zum rytter achuß ver- 
ordenet myt namen zwen hud' vnd eyn byrett vnd eyn silberen 
lanczknecht myt eyner silberen hellenbarten. 

§. 219. [fol. 157] Anno 1500 ist eyn schissen mitt der hant- 
bocksen hie gehalten worden vff dem fiescherfeld zu zweyen achyr- 
men vnd synt siebentzig schützen gewesseil, der synt vii von mentz, 
dry von oppenheym, vier von gelnhusen, dry von rad, die anderen 
synt alle franckfurter gewessen vnd hat man zehen schul* gethon, 
synt vnder den schützen nor zwen, die sex schul* zu meisten gehabt 
haben, mitt namen meister Ludwig, des rata Schmitt, hat den ochsen 

der das best war, behat [behalten ?] vnd fiescher das damasten 

wams, Bernhart weil* eyn silberen becher, vnd synt ettwan mit allen 
kleyneten, so mitt dem ritter schuß vnd sust, drysaig kleynett ge- 
wessen, des hat der ratt hie den ochsen zu vor geben vnd den 
schützen auch x firtell wyns geschenckt, in die herberig habent die 
[fol. 158] von oppenheym eyn kleynet gewan, die von mentz eyns 
vnd die su, die von rad eyn hutt mitter eyner silberen rorn im 
ritter schul*, die andern kleynet syn alle von franckfurtern gewannen. 
Dar by ist eyn kegelban gewesen vmb ertlich kleynet, haben die von 
franckfurt auch gewanen (alweg dry sehyb vmb 1 h. vnd in eym 
weißphening gab man eym dry sehyb zu), vnd waren dry zeit 
vff geschlagen vff dem fischerfeit by helligen stock , ir zwey vor die 
schützen, im drytten spilt man vnd hat das schissen dry tag gewert. 



— 160 - 

5. Erstes Gastmahl im eigenen Hausstande. 

§. 220. [fol. 35] 1495 die quarta septembris hatt Haman hulcz- 
husen myt sampt Margretten froschin 9 , syner husfrauwen, zum ersten, 
ali> eyner der eygen hnß halten wyll, ym monczhoff, den man auch 
den trierssen hoff nennet, gessen vnd darnach vff den funfften dag 
des Septembers haben sye zum ersten dyn geschlaffen, also aynt sie 
gancz zu huß geczogen. Item darnach uff den xüi tag des Septem- 
bers habent myn mutter vnd Kryngen hulczhuseryn zu spangenberg 
gekocht vnd die kost yn monczhoff getragen vnd haben den newhen 
hußlutten geschenckt das myttag ombß, vnd hatt myn mutter ge- 
schenckt eyn schon koppfferen kessel, da man glesser yn weschet, 
kost 1 fl. iiiiß vel alb., vnd ich eyn schyndell lad, da yn stunden kleyn 
hulczeryn bochßlyn vii, das sie species 9 dar yn thun sollen , die yn 
die kochen gehören, Kryngyn zu spangenberg schanckt eyn Schleyer. 
Ludwig hulczhusen, yr sun, schanckt eyn Instrument, von myssen 16 
gemacht, da man die phan uff seezet, kost xv alb., Eylchyn, yr dochter, 
eyn groß holczeryn hoff schussel, da man deller vber diesch yn 
worfft, wenn man eyn essen uff will heben. Vnd des myttags was 
myr assent, schanckt myn mutter vnd Kryngyn zu spangenberg, 
vnd assent da myn mutter, myn bruder Bemhart vnd ich, Katheryn 
zu spangenberg, Ludwig yr sun, Eylchin yr tochter, her Johann 
brun; |fol. 36] des nachtes lud uns alsampt herwidder Haman uff syn 
kosten. Et solitum est fieri hijs, qui primum proprias ineipiunt fa- 
cere in domo expensas, et cum et maritus et uxor ambo, vel alter 
ex eis antea non fuerunt copulati. 

6. Job Rohrbach's Gastmahl mit Speisezettel. 

§. 221. [fol. 153] Anno domini 1500 tertia junij habui hospites 
in cena, vt infra, quod sie contigit. Vicesima octaua maij Ambrosius 
dietherich, prothonotarius iuditij caniere, inuitauit ad cenam in dorauni 
Jacobi neuhuli certas mulieres cum maritis et alijs quibusdam* Acta 
cena, jocando mulieres imposuere sertum Vdalrico neuhuU, vt daret 
cenam die sequenti, quod preeibus mulierum 11 et eo, quod genitrix 



* Helle. Vrgl. Einleitung Anw. 27. Margarethens Mutter war eine geborene 
Frosch. 

» Species = Gewürz, Specerei. 

10 Messe = Bronze. Das Messing ist erst 1553 durch Erasmus Ebner er- 
funden. 

«« Ein Wort scheint zu fehlen, vielleicht aeeepit. 



161 - 



Uli domum, coquam, ligna etc. obtulit, ipse Vdalricus oranes sie inui- 
tavit ad diera sequentem; placuit etiam, vt quelibet familia domus, 
aiue vu us vel plures in vna domo forent, afferrent ii maß wynß, sieque 
ad diera sequentem comienimus eo pacto, vt supra, in domum nostram. 
Vdalricus vero sertuin imposuit VrsulQ schwartzenbergeryn , ipsa 
Vrsula mihi Job sertum dedit sieque inuitaui omnes et omnem hanc 
societatem ad cenam ad tertiana diem junij, que erat dies mercurij 
post dominicam exaudi; habui autem in cena sequentes personas : 
Ey Ichin matrem, Bernhardum fratrem, Georgium neuhuß, Jacobus 
frater suus inuitatus, sed quod sumpserat medicinam, non comparuit, 
Vdalricum neuhuß, Gilbertum hultzhuscn, Katherinam, suam legittiniam, 
Katherinam, relictam Gilberti hultzhusens zu spangenberg, Ludwicum 
filium ipsius, Vrsulam schwartzenbergeryn, Otüiam zu schwanawe, 
Fridericuro faut, Margretam vxorem suam, Nicolaum schorrebrant, 
wulgo armbruster, Hamandus hultz[hujsen cum uxore Magreta vo- 
catus erat, sed quod infirmus ipse, non comparuit etiam uxor; item 
Karolum hynspurg affinem cum Martha, uxore sua, sororc nostra, 
sieque considera te mercurij natum, mercurij prebendam adeptum, 
mercurij primum hic hospites habuisse meis impensis. Vnd gaben disse 
gericht oder trachten : zum ersten erpffern mit zock er, darnach in 
iglich schußeil iiii jung huncr vnd eyn stock heymell fleysch gedempfft 
mit cybeben, resyn groß vnd kleyn, muscaten vnd muscat blumen, 
darnach gesotten scheffen oder schotten, darnach gebrottes ye in 
eyn schussel iiii junger huncr, eyn hamelsbuck, eyn halb ganß vnd 
fyrsseß solß darbey, daraffter keß vnd kyrsen zur collatz, am obent 
keß, confeckt, rettich vnd zwey malckum, das eyn in der schusseln, 
das ander vß dem haffen zu drincken. Sertum ego imposui Kathe- 
riue zu spangenberg. 



• 7. Meyenstecken. 

§. 222. [fol. 20 1 Anno 1495 prima maij nec postea hat man 
keyner jungfrawen oder wittfrawen oder frawen vffvnser stoben oder 
der glichen mey noch briff gesteckt nach alter gewonheytt. 

§. 223. [fol. 55] Eodem die [anno domiui 1496 prima die maijj 
nil per adolescentes affixum foribus est, ut antiquitus moris erat. 

§. 224. [fol. 88] Anno 1497 hat man keyn mey, alsvnser altern 
ym gebruch gehabt, vor der jungfrawen vnd frawen thor uff den 
ersten tag ym mey [suppl. gesteckt]. Solichs ist von den jungen 
gesellen nyt geschehen vff Philippi vnd Jacobi. 

11 



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- 162 



8. Kölligswahl am Kpiphanie nabend. 

§. 225. [fol. 47] Anno 1496 5t* januarij [per sortem] zum golt- 
stein in vigilia epiphanie sum electus per sortem in regem, me ab- 
sente. Regia conuiuium obseruatum est tertia februarij. 

9. Superstitionen. 

§. 220. [fol 5J Anno 1494 in die Bartholomei apostoli Katherina, 
coqua matris, etMargreta, alia famula, sorte elegerunt apostolos, ine 
sortem ponente, et obtinuit Katherina Mathiam, alia Thomam. 

§. 227. [fol. 11 1J Cum secanda sunt ligna edificiis vtilia vtque 
ab corrosione et putrefactione diutius conseruentur, monenda duo sunt, 
primo vt in decrescentia hin? secentur, aduertendumque est, vt a 
nullo secentur, qui habuerit nocte precedente vel die ea rem cum mu- 
liere, etiam uxore sua. Preterea cum lapides ponere velis in partes 
[parietes?] domus, ne humectentur de se seu sudent, vt frequenter 
lapides hyerais tempore et alio solent, sie prouidendum, vt consideres 
fodinam lapidicine et fodere eures in ea parte, que est ad solis ortum, 
hoc inaxime animadvertendum propter lapides ad stubas aptandos. 
Cum porcos necas, vt pro domo lar [lardum?] vel carnes porcinas 
per annum habeas, necandi sunt in lune decrescentia, eo tunc lar 
[lardum ?J vel pinguedo non tarn effluet, vti contingere frequenter 
cernimus. 

Hec retulit et pro uero asseruit Petrus drach, ciuis spirensis, 
conürmauit Johannes storch, prothonotarius iuditii camere, qui se 
horum experientiara habuisse et probasse affinnat. Actum wormatie 
die 18 martij et dominica oculi anno 1498. 



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IV. Frankfurter Familien 



Alzey. 

[Friedrich von Alzen. §. 123. 181). 
Friederich, Dietherich und Agnes von Alzey. §. 301. 
Agnes von Alzen, Peter Raissen und in zweiter Ehe Bertholds 
von Babenhausen Hausfrau. §. 328. | 

Artenberg. 

[Margret», filia Heinrici de Artenberg, scriptori» ciuitatis, roarita 
Bernhardi Weiss. §. 327. 330. 
Fichard schreibt Ortenberg.] 

Babenhausen. 
|Niclas von Babenhausen, Biehe Amtleute. 

Berthold von Babenhausen (Babenheim) und Hausfrau Agnes 
von Alzen. §. 328. J 

Blarock. 

§. 228. [fol. 15] Anno 1495 in februario Johannes blarock nup- 
tias celebrauit cum Beatrice de oppenheym, soror est ibidem 
hospitis zur kanue et soror uxoris Arnoldi Schwarzenbergs, cf. 
§. 320. 

[Anna, Peter Blarock -s Hausfrau, §. 234. Sie war eine geborne 
Ritter. ] 

Blum. 

§. 229. [fol. 11] Anno 1476 die 28 nouembris contraxerunt spon- 
nalia Wölfl* blum et Lysa, filia. Conradi hulczhusens; nuptias habuerunt 
in die Scolastice virginis anno 1477. 

§. 230. [fol. 31] Anno 1495 prima die julij post meridiem obüt 
Balthazar blum, frater Milchart et affinis mei Wolf blum, reliquit 

11* 



— 16* - 

vxorem Buara Katherinam bodneryn absque liberis, sepultua autem 
apud carmelitas. Deinde eodem anno nona nouembria nuptias con- 
Huinmauit cum Johanne han [cf. §. 2'>1). 

§. 231/ [fol. 37 1 Anno 1495 die 21 aeptembria maneinuentua in 
curia habitacionia aue M y 1 c h a r blum, frater Wolffeu, morte subitanea 
mortuua, cuiua animc deus propicietur, res horribiliB humania! 

§. 232. [fol. 49J Anno 149(5 die nona februarij aponsalia con- 
traxerunt Wölfl" blum iunior, filius Georgii blum pie inemorie, et 
Katherina virgo, filia Alberti dyrraeyera pie memorie Solemnizatum 
dehinc in facie eccleaic niatrimonium est die tercia iunij, depost 
aponsa eat aponso appoaita die quinta iunij; aexta iunij 
pompa nuptiarum eat aecuta. Acta omnia anno, quo aupra. 

[W f olf Blum, Lisa Holzhausen a Ehemann §. 6. 8a 122. 183. 185. 

Seine Kinder: 1) Melchior §. 80. 2) Engin §. 80 (Ludwig 
MatroflFa Ehefrau §. 294. 295.) 3) Agnes §. K). 4) Lyse (Elisa- 
beth) §. 80. 

Seine Geachwiater : 1 ) Katharina (Bechthold Heller's des Ael- 

teren Hausfrau). 

2) Agnes, Peter Ugelnheiraer's Ehefrau §.326. 

3) Georg. 

4) Melchior. 

5) Balthasar, Catharinen Bodnerin (Fichard 
Budtnerin) Ehemann, sie in zweiter Ehe 
an Johann Ilaane verheirathet §. 261. 

Georg Blum'a Kinder : 

1) Wolf Blum iunior (§. 128. 141. 183. 184. 185. 216) 
und Kringcn Dyrmcyer aeine Hausfrau (§.185.232). 

2) Hans Blum. 

Wolf Blum f 1471. 



1) Katharina, 2) Agnes, 3) Georg, 4) Melchior, 5)BaltLasar, 6) Wolf, 



v*rb. an v«-: h. »n 

Bccuthold Ilelier. IVfctr I tfilolieii.nr. 



verh. An vcrh. an 
Katbarina Iiu.1tn.-r. Li*a 

HoUlian- eii 



Wolf Blum iunior, Hana lilum. 

vcrh. an Kau. Dlernu yer. 



I I I " I 

l)Melchior, 2)Anna, 3)Agnes, 4)Elisabeth.j 



Lu«iw ig 
Martroff* 
Ehefrau. 



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— 165 



B reidonba eh. 

[ Friedrich von Breydenbach und seine Hausfrau Margretha § 256. | 

Brom m. 

§. 233. |fol. 61 J Anno 1496 die decima sexta augusti natus est 
Petrus brom ex Hansen bromen et Grettgyn eius legitima. Sic 
mihi retulit Hans brom. 

§. 234. ffol. 100] Anno 1497 secunda septembris ex Johanne 
brom ac Grettgyn, eius legittimc, uataAnna, tertia eiusdem bap- 
tizata. Comater Anna, vxor Petter blarock's, Hcc ex scriptis 
fratris, cum eo tunc worraatie eram. 

§. 235. [Schedula inter fol. 117 et 118J Prima vel secunda julij 
[1498] peperit Gretgyn brumin gemellas, vnam mortuam, alteram 
vivam, quc baptizata fuerat secunda julij. Comater yd die nesciam. 

§. 236. [fol. 144] Heyn rieh brom. Anno 1499 vicesima tertia 
septembris baptizatus est Ilcynricus, filius Johannis brumen et Mar- 
gret? [darübergeschrieben: Grettgyn], vxoris eius. Compater est 
dominus Heynricus Stotel 1, vicarius ccclcsie. nostre. 

§. 237. [fol. 167] Anno 1501 septima martij obijt Daniel 
brom, scabinus, vittricus Clatf Stalberg's et frater Johannis 
brom m. 

[Daniel Bromm §. 120. 179. 183. 185. 302. 

Hans Bromm und seine Hausfrau Grettgyn §. 185. 

Hans und Daniel Bromm waren nach Fiehard Brüder; der 

Erstcre vermählt mit Margaretha Tcgen [Degenerin], der 

Wittwe Jacob Brunn's, siehe §. 239.] 

Brun. 

§. 238. |fol. 15] Anno 1495 vicesima quarta ianuarij Kather i na 
gleuburgcrin, relicta Iacobi brun, mater Katherine, uxorisllenn 
sassen, [cf. §. 234] obiit; reliquit dictara filiam et nepotem, Jacobum 
brun, ex filio suo Jacobo, ante cam olim defuneto; sepulta hic ad 
minores 

§. 239. [fol. 170) Jacobus, filius quondam Jacob bruns et 
Gretgyn degneryn, cuius maritus secundus nunc est Hans brum, 
contraxit matrimonium cum Katherina , virgine et sorore predietc 
Magdalene [Geuch cf. §. 307]. Actum eodem die [12 augusti] et 
anno [1501], quo supra de Heinrico von ryn agitur [§ 307]. Anno 
•upradicto videlicet 1501 ratificatum in fatie ecclesie est matrimonium 



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- 166 — 



supradictorum videlicet 18 noucmbris, nuptie autem habite 22 nouem- 
bris anno, quo supra. 

[Jobann Brun, Priester, §. 80. 

Lisgyn Brunnin, Hans Glisround's Hausfrau, §. 2GO. 

Katbarina Brunn, Henn Sassen Hausfrau, §. 284. 

Johann Brun, der Canonikus, uud Lisgin Brun, Ehefrau des 
Johann Glismund, gehören zwei älteren Linien an. Die jüngere 
Linie gestaltet sich so: 

Jacob Brun (statt dessen hat Fichard Henne Brunn) 
und Katharina von Glauburg. 



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Jacob Brun Katharina Brun 

und Margaretha Degenin [ Tegen | vorheirathet an Henn Sassen. 

Jacob Brun 
Katharina Geuch.| 

Dem er. 

[Anna, filia Henna Demer's, alias dicti Stockems Henn, et Bar- 
barae Leningen, marita sccunda Bernhardi Weiss (Anna Stockheimin): 
§. 331. 332. Fichard hält sie (bei „Bernhard Weiss") für eine Tier- 
meyer, was sicher auf einem Irrthum beruht, zumal er bei „Tier- 
meyer" keine Anna aufführt, die mit Bernhard Weiss vermählt ge- 
wesen wäre.] 

Diermeyer. [Fichard: Tiermeyer.] 

|Kryngin Dyrmeyerin §. 80, Wolf Blum's Ehefrau §. 232. 
Hans Dyrmeyer §. 183. 

Agnes Dyrmeyerin, Hert Eyersheimers und in zweiter Ehe 
Jacob Kühorn's Ehefrau, gen. Agnes zum Mohren, §. 292.] 

Diernstein. 

§. 210. [fol. 14] Anno 1495 die 18 ianuarij Philippus dyrm- 
stein celebrauit nuptias cum Gretta, filia Gofferen beckers. 

§. 241. [fol. 96] Anno 1497 die decima nona julij Heynricus 
dyrmsteyn contraxit sponsalia cum Margreta, filia Heynrici, 
des kellers von aßnheym vel maMeym. Nuptias depost ce- 
lebrauit 19 ianuarij Anno 1498, 



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[Heinrich Dicrnstein war Philipps Oheim. Als Ehefrau des 

Letzteren giebt Fichard Margaretha von Omstadt (Umstadt?) an.] 

■ 

Engeländer. 

§. 242. ffol. 92] Anno 1497 duodeeima junij nuptias celebrabant 
Jacob us engelender, wulgo dictus guldenleb, viduus, et Margreta, 
filia Eberhard i m otters. Ad has nuptias inter ceteros fueramus 
et vocati nos, videlicet mater, frater et ogo. 

[Doctor Engeländer, fiscalis regius beim Reichskammergericht, 
§. 112. Margreta, älteste Tochter Johann Engeländer's, gen. 
Guldenleb, §. 325. §. 38 u. 39 wird Eberhard, der Motter oder 
der Sackträger, erwähnt; sollte dieser derselbe sein mit Eberhard 
Motter, dem Schwiegervater von Doctor Engeländer ?J 

Ergersheim. 

§. 243. [fol. 11.] Anno 1476 in die Barnabc apostoli despon- 
ßatus Henricus ergerschh ey mer cum Margreta, filia Johannis 
hulczhuscn de prima sua uxorc, nuptie exindc secut» in die saneti 
Hlasii, anno 1477. 

§. 244. ffol. 78J Anno 1497 die tertia februarij, eratque dies 
veneris, paululum poat duodeeimam horam in meridie exspirauit M a r 
gretha hulczhuseryn, vulgo dicta zum thorn, relicta Heynrici 
yrgescheymers, cognata singularisquc benefactrix mea, dum vixit, 
vtque collocetur intra electorum numerum, sincera mente deum precor. 
Quarta februarij tradita est sepulturc. Sepulta est precise ante eam 
ebori ianuam, que sita est inter altare sanete. crucis, quod est plebani, 
et scrinium dominici corporis [cf. §. 184J. 

§. 245. [fol. 11] Anno 1494 vndeeima februarii vf allerman fafl- 
nacht obiit Ileyrtwinus yrgescheyraer, illius progeniei vltimus. 

(Agnes Dirmeyerin, gen. zum Mohren, Hertwin's Wittwe, §. 18. 

116. 185. Jacob Ktihorn's Ehefrau §. 293. 
Margaretha Ergersheimerin, Heinrichs Wittwe, §. 51. 80. 279. 
Hertwein und Heinrich Ergersheimer gehören verschiedenen 

Linien an. 

Der letztere, der Ehemann Margarethen Holzhauserin zum Thorn 
(§. 244), starb 1484. Mit dem orsteren erlosch 1494 das Ge- 
schlecht der Ergersheimer.] 



- 168 



Eysenberg: 

§. 246. [fol. 100] Anno 1497 decima nona septembris Elsgyn, 
vxor Walteri ysenberg's, peperit gemellos, qiü et de post mortui sunt 
infantes, me wurmatie existente. 

[Walter Eysenberg §. 180.] 

Faut. 

§. 247. [fol. 54J Anno 1496 die s optima apprilis peperit Mar- 
greta, uxor Friderici fantt, filium suum Johannem, qui statirn 
postca, die videlicet x apprilis, obijt. Etsi deletum, attamen verum est. 

[Fridericus Faut und seine Hausfrau Margaretha §. 19. 185 
und 221.] 

Von der Filsch, 
f Friederich von der Filsch, siehe „Stadtische Hauptleute u 
§• 133 %.]• 

Flach. 

[Georg Flach, Amtmann zu Goldstein, siehe „Amtleute", §. 129. 

§. 116. 290. 304. 331. 
Bei Lersner führt er den Namen Georg Flach von Schwarzenberg. 
Seine Gemahlin Anna Voclkerin, verwittwetc Knoblauch (§.291). 

§. 116. 301. 331.] 

Freund. 

[Hans Freund, Heinz Freunds Sohn, § 24.] 

Frosch. 

§. 248. [fol. 10] Anno 1474 penultima februarii desponsatus 
Gorg frosch et Anna, filia Conradi hulczhusens, nuptias dein pere- 
gerunt feria secunda post Symonis et Jude apostolorum eodem anno. 

§. 249. [fol. 11] Anno 1491 die 27 aprilis obiit Anna, axor 
Georgii frosch, et soror genitricis me<j, begraben bi dem ewigen 
Hecht. 

§. 250. [fol. 11] Anno 1493 die prima maij obiit Wiek er us 
frosch, frater Georgii et Johannis frosch, fundauit duaa missa? 
celebrandas die martis et iouis singulis ebdomadis, vt finitQ sint, ante 
quam domini de consilio ingrediantur consilium, in ecelesia beati 
Nicolaij et salve omni nocte decantandum in eadem ecelesia. 



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— 169 - 



§. 251. [fol. 11] Anno 1493 decima octaua augusti obiit Fri- 
dericus romanus imperator ,s in castro opidi hucz. Sepultus in 
ecclesia beati Stephani viene. 

§. 252. [fol. 18J Anno 1495 die 5. apprilis, que erat dominica 
iudica, sepulta est apud carmelitas Katherina, uxor Johannis 
Frosch zum äffen, et habuit ante iam dictum Johannem in maritum 
Wilbelmum, rulgo zum äffen cognominatum. 

§. 253. [fol. 111] Anno 1498 die nona martij Cristina, uxor 
Johannis froach, illius videlicet, qui moram agit in habitatione 
ea wulgo zum burgreffen dicta, expirauit. Erat pro tunc dies veneria 
post inuocauit Actum, cum ego eram wurmatie. 

§. 254. [fol. 140] Anno 1499 vicesima prima maij sponsalia 
sunt contracta inter Johannem frosch, wulgo dictum Johann 
trosch zum äffen, viduum, et Rylgen virgine, filia Cristiani folckers. 
Et erat dies martis post penthecosten anni supra dicti, vbi celebra- 
batur dedicatio ad 8. Leonhardi. Nuptie de post habite sunt 26 augusti 
anno illo, quo supra. Primogenita corum nata est, vt infra 154. [fol. 
154: Anno 1500 sedeciraa junij nata est ex Johanne frosch, dictus 
zum äffen, et Rylgyn, sccundc vxoris buq, Eiß [Rylgin], que ex illo 
matrimonio primogenita existit . Baptizata autem decima octaua 
eodem mensc et die corporis Cristi. Comater infantis est Elß, vidua 
zum Kranch et infantis proauia materna. (Am Rand ist als Name 
des Rindes: Rylgyn froschin angegeben.)] Secundogenitus eorum 
natus est infra 169. [fol. 169: Anno domini 1501 prima augusti bap- 
tizatus est filius Johannis frosch et Rylgyn, cuius nomen est, vt arbi- 
tror, Cristianus. Compater infantis est Cristianus folcker, dicte Ryl- 
gyn pater. Et obijt paulo post.) 

Erste Linie. 

[Engel Frosch §. 2. Seine Tochter Elisabeth, Dr. Heils 
gen. Pfeffer, Ehefrau. §. 2*J5. 

Katharine Fröschin, seine Tochter, Gilbert Holzhausen 's 
Ehefrau, Ludwigs und Blasius Mutter, siehe Holzhausen. 



12 Diese fremde Notiz fand darum hier ihre Stelle, weil die abbrevierten Wörter 
rom. ip'r, an sich undeutlich und in ciuem Worte geschrieben, durch eine 
spätere Hand noch so alterirt wurden, dass sie nur raniger gelesen werden 
konnten. Dass die Notiz in einer Reihe von Familiennach rieh ton der 
Frosch u. Holzhausen steht, begünstigte diese Auffassung. Erst bei der Revi- 
sion des Druckes hat eine nochmalige genaue Untersuchung der Handschrift 
mit dem Vergrösserungsglase die ursprüngliche Schrift wieder glücklich fest- 
gestellt. 



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- 170 



Zweite Linie. 

Henne Frosch, den man nennet Fröschelgin, §. 1 83 . 

Joh. Frosch zum Affen [Fichard: im SandhofJ §. 122» l&L 

185. m 

Seine erste Frau Katharina [Fichard: von Hengsberg], Wittwe 
Wilhelms zum Affen [Fichard: von Caldenburg] §. 253» 

Lisgin Sassen, seine Braut, §. 185. lftfi. 310. 

Seine zweite Frau Reilgen Völcker und die Kinder dieser Ehe 
Keilgen (irrthümüch Eis) und Christian (Fichard schreibt die Frau 
und Kinder irrthümüch (vgl. §. 254) dem Johann Frosch zum 
Burggrafen zu). 

Dritte Linie. 
Wicker Frosch. [Fichard.] 

Seine Kinder: 1} Reilgen, Wicker Knoblauchs Hausfrau, §. 27*J. 
2] Wicker Frosch §. 250. 

Guttgin Stephan im Saalhof, seine und in zweiter 
Ehe Eberhard's von Heusenstamm Hausfrau : 
§. 2121 

3) Johann Frosch zum Burggrafen §. 183. 185. 304. 
Christina Degenerin [TegenJ seine Hausfrau 

§. 185. 301, 

Christina Froschin ihre Tochter §. 203., Johann 
Baissen Hausfrau §. 304. 

4) Georg Frosch §. TSL 80. 1ÜL 139. 183, 185. 

24*. 304. 

Anna Holzhauserin, seine Hausfrau, §. 248. 2VJ. 
Ihre Kinder Georg und Wicker, Engin und 
Margret §. 80» 



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G an tz. 

[Anna Gantzin, Bechthold Heller's des Jüngeren Hausfrau. 
§• 267] 

Gelthuß. 

[Katharina Gelthuserin, Tochter Heinrich Gelthusen zu Oppen- 
heim wohnend, Ehefrau Adolf Knoblauch'». §. 291. | 

Geuch. 

§. 255. [fol. 144] Anno 1499 vicesima septima septembris obijt 
Agneß wcißyn, vxor Iacobi geychen, relicto seu superstite marito 
vna cum filiabus duabus. 

[Jacob Geuch §. 24. Agnes Weissin, seine Hausfrau §. 307. Mag- 
dalena, Jacob Geuch's und Agnes Weissin Tochter, Heinrichs vom 
Rheine Hausfrau. §. 307.] 

Glauburg. 

[Das dreitägige Gastmahl der Clara Glauburg. §. 211.| 

§. 256. [fol. 103] Anno 1497 die 4 U nouembris contraxit spon- 
salia doctor Johannes glauburg cum Katharina virgine, filia nobili 
Friderici de breydenbach et Magrete. (Habuit autem dictus Johannes 
glauburg olim in vxorem Katherinam, relictam Heynrici wiß). Deinde 
8 V » nouembris benedictionem matrimonij in ecelesia suseeperunt et 
die illa fuit sponsa sponso apposita, mc wormatie existente, et unica 
modo nocte coneubuerunt simul. A prima nocte, qua apposita sponsa 
fuit, egrotare cepit sponsa, quQ et obiit mortem in die beate Kathe- 
rine, que est 25 mensis prefati anno, quo supra. Omnia supra scripta 
contigerunt, me wormatie existente. Pater prefatc Katherine obijt, 
vt audiui, die precedentc ante diem filie mortis. 

§. 257. [fol. 127J Eodem die et anno [29 octobris 1498] doctor 

Johann glauburg suas consumavit nuptias cum Margreta 

[Eine weit spätere Hand füllte die Lücke aus: „Horngin"] devrbo (soll 
wohl bedeuten : OrbJ virgine, que tertia nunc illius vxor est, ctquia noluit 
obscruare conuiuia nuptiarum solito more, Friderich von der fylsch, 
Claß von ruckingeri, Ludwigk hulczhusen et ego adduximus sine 
suo scitu fistulatorem et trepudiauimus in domo sua. 

§ 258. [fol. 170] Anno domini 1501 secunda augusti baptizata 
est Kungundis, filia doctoris lohannis glauburgs ex tertia sua 
vxore, de cuius matrimonio contracto cum illa tertia non [? cf. supra] 
constat ex hoc libro. Eam infantulam suseepit de baptismo En gyn, 
virgo et filia quondam Arnoldi schwartzenbergers et Kathe- 
rine hodie viuentis. 



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— 173 - 



§. 259. [fol. 139] Anno 1499 vicesima aecunda maij et quarta 
feria post penthecosten obijt Henn glauburg. Reliquit vxorem 
nomine Ciaram sine liberis. 

[Katharina Glauburgerin, Jacob jFichard: Heime] Bruns 
Hausfrau. §. 238. 

Henne [oder Johann] Glauburg §.116. 183. 215. 186. 198. 
259. — 120. 185. 192. 197. 198. 210. 211. Clara [Fichard: Kemmerer 
von Fuld] seine Gemahlin. §. 116. 211. 259. 

Gudula Glauburg, Ehefrau [Ficlmrd: seit 1464] Arnold Holzhausen's. 
Dr. Johann Glauburg §. 4. 80. 183. 185, oben 256 und 257. 

1. Gemahlin Katharina Weiss §. 256. 

2. „ Katharina von Breydenbach §. 256. 

3. „ Margareta Horngin von Orb §. 257, in zweiter Ehe 

verheirathet an Wicker Frosch. 
Ottilia [Brunnin], Wittwe Arnold Glauburgs §. 116. 186. 221. 
Ambrosius Glauburg §. 80. 173. 174. 



Erste Linie. 



Johann Glauburg 
zu Rüstenberg. 



Arnold Glauburg 
zu Schwanau f 1495. 
Ottilia Brun 
von Brunfels. 



Henne Glauburg 
zu Lichtenstein 1461. 
Kunigund Holz- 
hausen. 

Dr. Johann Glauburg^ 
zu Lichtenstein 1510. 

1) Katharina Weiss zu Limburg. 

2) Katharina von Breydenbach. 

3) Margaretha Horng. 



Sein Bruder 
Arnold Glauburg 
zum rothen Mündlein. 

I 

Henne Glauburg 
zum 

rothen Mündlein 
f 1469. 

Ambrosius Glauburg, 
berühmter Turnierer. 



Richard Glauburg. 



Katharina Glau- 
burg, heirathct 
Jacob Brun von 
Brunfels. 



Zweite Linie. 

Geschwister : 

Henne Glauburg 
im Nürnberger Hof. 



GudulaGlauburg, 
Hausfrau 

Arnolds von Holz- 
hausen. 



Henne Glauburg im 

Nürnberger Hof f 1499. 
2. Ehe: Clara Kem- 
merer. 



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174 - 



G 1 i s m u n d. 

§. 2G0. |fol. 95] Anno 1497 julij 12 mane benedictionem matri- 
monij in fatie ecclesie susceperunt Hans glismundt et Lysgyn, vidua 
zu weytflin, ex Stirpe cyn brunin. Tredecima julij festiuitatem nup- 
tiarum consummarunt. Eram ego tuuc wormatie. 

Grünberger. 

(Stephan Grünberger vnd «eine Hausfrau Margreta Grusserin, 
Thomas Ugelnheiraer gelassene Wittwe. §. 296.J 

Haane oder Hayne. 

§. 261. [fol. 37J Anno 1495 die 27 septembris hatt Johann han 
vnd Katheryn bodenern, [s. so] ettwan Baltaßar blumen husirawe 
was [§. 230], zu der heyligen ee gegriffen vnd die eynander gelobt 
vnd hatt sie Clal> von rockingen zu samen geben vnd darnach 
9 nouerabris haben sie hochzytt gehabt. 

[Johann Haane §. 80. 122. 183. 185. 186. Katharina, seine Haus- 
frau, §. 185.] 

Heimbach. 

§. 262. [fol. 40] Anno Doraini 1495 octaua nouembris natuB est 
Nicolaus, filius doctoris Adam de heymbach, aduocati franckfurdensis, 
et Anna sigwyn, eius vxore. De fönte sacro leuauit eum Nicolaus de 
rockingen, protunc magister ciuium franckf. 

§. 203. [fol. 113] Anno 1498 decima quarta apprilis nata Kathe- 
rina, filia doctoris Ade de heymbach et Anne, eius vxoris. 15 eiusdem 
et ipsa die pasce baptizata et a Katherina virgine, filia Clal* hum- 
brechts, de fönte baptismatis suscepta 

§. 204. [fol. 155] Anno 1500 die mercurij et quinta augusti 
sepulta est apud minores Anna, vxor doctoris Ade de heymbach, 
aduocati hic. 

[Dr. Adam von Heymbach §. 6. 183. 185. Anna, seine Haus- 
frau 185.] 

Hell, genannt Pfeffer. 

§. 265. [fol. 10] Anno 1474 23 octobris Georgius de hele, alias 
peffer, doctor iuris, sponsalia contraxit cum Elizabeth, filia Engel 
froschen, nuptias habuerunt feria secunda et crastina sancti Britii 
episcopi. Eodem die fuit sponsus Johannes vom ryn. 



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§. 266. [fol. 119] Georgius pfeffer doctor. Anno 1498 quinta 
augnsti cecidit in noua cloaca, nondum plene extructa, in curia 
domini treuerensis, wulgo der monczhoff genant, insignis vir Georgius 

de [de Hell. In margine Dr. Georg Pfeffer] vtriuaque iuria 

doctor, reuerendissimi archipresulis maguntini cancellarius, qui mox, 
cum extrahebatur, obijt, cuius anime miaerere dignetur Jesus, 
filiua dei. 

[Kanzler Hell gen. Pfeffer §. 16. Seine Hauafrau §. 30. 293. 
Margreta, ihre Tochter, Haman Horhausens Hauafrau, §. 220. 279. 
Elisabeth, ihre Tochter, Dr. Bernhard Ktihorn'a Hauafrau, §. 293. 
Philipp Hell, gen. Pfeffer, Canonicus zu St. Bartholomäus §. 205, 
Präbendariua zu Aachaffenburg §. 207.] 

Heller. 

§. 267. [fol. 3] Anno 1494 tredecima julii obiit Anna Ganczin, 
uxor Bechtholdi hellera iunioria. 

§. 268. [fol. 34] Anno 1495 die 25 auguati exequie Wolff hellera 
(filii Bechtoldi hellera ac frater Jacobi, Bechtoldi et Caapari hellera) 
celebrate aunt in ecclesia aancti Bartholomei, qui Wolff vna cum 
Ottone cronberger, comite auo, miaere necatua eat in terra 
Senenaium, cum tendebat ire de ytalia ad alemanniam. [cf. §. 5.] 
§. 269. [fol. 146] Anno domini 1499 decima nouembria aepultua 

fuerat senior Bechtolt heller, relictia vxore et tribua filiis 

Jacobo, Bechtolto et Caspare. 

[Katharina, Bechthold Heller'a dea Aelteren Wittwe, §. 294. 
Kinder: Jacob Heller und seine Hausfrau Kringen | v. Meiern] 

§. 10. cf. §. 296. 
Bechthold Heller junior. (§. 6.) 
Ehefrau: Anua Ganz. §. 267. 
Caspar Heller. §. 268. 
Wolf Heller. ($. 268.) 

Agnes Heller, Heinrichs von Rheine Ehefrau, §. 306.] 

Heringen. 

§. 270. [fol. 102] Anno 1497 die 28 octobris, ipso die Simonis 
et Jude apoatolorum, post primara horam de die obijt Anna heringeu, 
relicta Wigandi herings, auia matema Caroli hensperg, affinis mei. 
Eram tum wormatie. 

[Katharina Heringen, Orten zum Jungen des Aelteren Haus- 
frau. §. 287.] 



- 176 - 

Heusenstamm. 

§. 271. [fol. 7] Anno 1494 nobilis Martinus de husseatheym, 
eques auratus, celebrauit nuptias cum Elsen von brendeln, filia Eber- 
hardi de brendel, tercia die nouembris. 

§. 272. [fol. 14] Anno 1495 Eberhardus de huasesthevm 
nobilista nuptias consummauit cum Guttigin yra Baihoff, 61ia Ste- 
phens heim, relicta quondam Wickerj froschen, acte 20 die ianuarij 
Et iam dictus Wicker frosch despondit eam in die Johannis euange- 
liste anno 1466, celebrarunt nuptias in die Nicodemidis raartyris 
anno 1467. 

[Das Gastmahl Eberiiards von Heusenstamm und seiner Ge 
mahlin Guttgin, zur Ehre des abgehenden Reichskammerrichters 
Markgrafen Jacob von Baden, §. 116. 

Brüder: Martin und Eberhard von Heusenstamm §. 177. 

Eberhard von Heusenstamm §. 183. 185. 

Guttgyn Stephan, seine Hausfrau §. 185. 291.] 

Familie Holtzhausen. 

§. 273. [fol. 10] Anno 1464 die tricesima ianuarii Johann 
hulczhusen secundam duxit uxorem, videlicet Kather in am, flliam 
Johan Schwarzenbergs, dehinc nuptie acte sunt die, quo supra. 

§. 274. [fol. 10] Anno 1469 dominica ante assumptionem b. 
Marie sponsalia contraxerunt Gylbertus liulczhuscn et Käthe- 
rina froschin, nuptie dehinc celebrate sunt die undecima februarij 
anno 1471, proprias deinde inceperunt expensas in domo zum spau- 
genberg quarta post Vrbani anno 1478. 

[cf. Tod der Anna frosch, geb. Holzhauserin. §. 249.] 

§. 275. [fol. 11] Anno 1491 vicesima secunda maij, eratque dies 
penthecostes, obiit Anna, relicta Conradi hulczhusens, auia mea et 
mater genitricis, begraben by dem ewigen licht. 

§. 276. [fol. 1] Anno 1473 die 13 juuii, que erat tunc temporo 
dominica trinitatis, natus est Ludovicus hulczhusen. 

§. 277. [fol. 2] Anno 1494 in die saneti Marci evangeliste, que 
est 25 april obiit cognatus meus Gylbertus hulczhusen. [fol. 52: 
Eodem anno videlicet 1494 die 25 apprilis, que est dies, qua 
agitur festivitas Marci ewangeliste, obiit Gylbertus hulczhusen, 
sepultus in sacello beati Michael in loco suorum progenitorum in 
choro.] 

| Blasius Holz hauten begiebt sicli zum Studium nach Mainz 
1494 §. 16.] 



§. 278. [fol. 4] Anno 1494 venerunt Sophia et Barbara de mar- 
purg 22 die augusti et manserunt penes Ka therm am hulczhuserin 
zum goltstein viü ebdomades unoque die. 

§. 279. [fol. 14] Anno 1495 vicesima secunda ianuarij nata est 
Katherina secundagcnita II am an di hulczhusen's et Margrete, filie 
Georgii hell, alias pfeffer, canccllarii episcopi maguntini. E sacro fönte 
leuauit eam Katherina, relicta Gylberti hulczhusens. Nata est autem 
infra deeimam et vndeuimam horam diei ea die, qua supra, et hora 
vespertina baptizata est eadem die, qua supra. Et habet sororem, que 
est priraagenita predicti Hamandi, nomine Margreta, que paulo vitro 
annum Katherinam exsuperat in etate. Anno 1496 quarta augusti 
nata est Dorothea, tertiagenita prefati Hamandi etc. Mortua est 
Dorothea intra annum. Etsi deletum, tarnen verum est. [fol. 61. Anno 
1496 quarta augusti nata est ex Hamando hulczhusen et Margreta, 
sua legittima, Dorothea, quam ex fönte sacro leuauit relicta vidua 
Heynrici yrgcschemer's. Dcfunctaest. Etsi deletum tarnen verum est.] 
Anno 1498 natus Georgius prima augusti, de quo in char. 119. 
(fol. 119. Anno 1498 prima augusti mane quinta hora natus est 
Georgius, filius Hamandi hulczhusen et Magrete eius vxoris. Js pri- 
mu« eorum filius, antea enim iilias proerearunt Baptusatus est dictus 
Georgius secunda augusti; coiupater infantiB nobilis Goffert de 
klehen, qui donauit quinque aureos puerpere. Mortuus est infra an- 
num]. [fol. 151] Anno 1500 die martis post reminiscere et vicesima 
quarta martij, hora, vt arbitror, vndeeima de die natus est Amandus, 
filius Amandi hulczhusens et Margrete vxoris sue. Baptizatus in die 
annuntiationis virginis gloriose. Compater est comendator domus 
theutonicorum hic, cuius nomen est, vt arbitror, Reynhardus de neu- 
husen. Mortuus est sub nutrice in iunio illo anno. [fol. 171] Rylgyn, 
tilia Amandi hulczhusens et Margrete, nata est die lune et sexta 
septembris, baptizata autem die nativitatis beate Marie, comater Rylgyn, 
vxor Wickeri knobellauch's, anno 1501. Mortua est infra puerperium. 

[Haman von Holzhausen wird 2. Mai 1493 Rathsmann §. 119, 
gründet seinen gesonderten Hausstand 4. Sept. 1495 §. 220 und wird 
Schöffe 9. Juli 1499 §. 126 ] 

§ 280. [fol. 62] Anno domini 1496 vicesima secunda septembris 
Katherina hulczhuserin zum goltsteyn in stuba sua tradidit ducentos 
aureos mutuo domino Heynrico sy Iberberg, preposito in monasterio mey- 
felt etc., quos ipsemet numerauit, in numerando mater mea traxit Actum 
vt supra, presentibus ibidem matre mea, Gylberto hulczhusen, filio pre- 
fate Katherine et me Job rorbach. Quos cum aeeepit predictus Heyn- 
ricus etc. in naui forensi descendit Gylbertus, et ego cum ipso pariter, 

12 



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- 178 - 



traddiditqüe Gylberto obligationia litteräa, quibus pro ducentis obli- 
gauit ae et fratrem auum, Hans von ailberberg, dicte Katherine et 
heredibua suis, quod clariua patet in dicta obligatione aigillata ambo- 
nun sigillis et domlni Heynrici et fratris sui Hansen, ambo de syl- 
berberg. Rediebamus Gylbertus et ego 25 septembris. 

§: 281. [fol. 97 j Anno 1497 die tertia auguati Gilbertus hnlcz- 
husen (cognatus meus), filius Johannis hulczhusen et Katherine, eins 
uxore, que est eyn schwarczenbergerin ex suis parentibus, contraxit 
sponsalia in oppenheym cum Clara storapffin. Depost eodem anno 
vicesima prima nouembris matrimonium quo ad thorum consumauit 
franckfurdie, non vocatis nec sponsionis nec condormitionis cognatis 
etc., nisi admodumpaucis; que de post mortua est in menae maij anno 
1498, videlicet aexta die iam dicti mensis et anni. 

§/282. [fol. 108J Anno 1498 die tertia januarij mane circa de- 
cimam horam spiritum domino reddidit Katherina, relicta Johan- 
nis hulczhusen, cognata mea. Corpus in suorum maiorum loco sepul- 
tum est, videlicet in sacello diui Mihaelis. Delatum autem corpus 
sepultare est 4 U videlicet ianuarij , cuiua anime propitiari dignetur 
omnipotena deua. Actum, me wormatie existente. Hec autem ex scrip- 
tis Jacobi neuhuaen habui. Duoa reliquit filioa vxoratoa, Hamandum 
et Gilbertum. 

§. 28a [fol. 108] Anno 1498 decima ianuarij expirauit Gtade, 
vxor Arnoldi hulczhucen. Sic enim ex fratris acriptia habui, me wor- 
matie moram agente. [Fichard giebt irrthümlich an, aie wäre nach 
1500 erat gestorben.] 

§. 284. [fol. 146] Anno domini 1499 aedecima decembris spon- 
salia contraxerunt Gilbertus hulczhuaen viduua et Katherina 
virgo, filia Henn aachaen et Katherine brun, illius Henn 
legittime. Coniunxit eos dominus Georgiua achwartzenberger, cantor 
et canonicus eccleaie aancti Bartholomen Juncti autem sunt paultun 
post primam horam de die in domo brunfelß et nuptie deinde secute 
sunt decima februarij anno 1500. [fol. 149 J Anno 1500 decima februarij 
Gilbertus hulczhusen et Katherina aachaen celebrarunt nuptias. Mane 
cum celebri processione ad ecclesiam [ierunt], vbi sunt inthro- 
nizati, deinde dies nuptiarum et coniunctio thori in curia treuerensi 
acte et habite sunt Egoque, quia vtrique mihi sanguine iuncti, pro- 
pinaui trea fl. Et inter pares ipai primi erant, quibus in nuptin? 
donaui. 

[Einer der wunderbarsten Missgriffe ist Fichard mit dieser zwei- 
ten Ehe des Gilbrecht Holzhausen begegnet und beweist schlagend, 
daas er unser Manuacript nicht gekannt hat Er fuhrt nämlich Holz- 



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- 179 — 

hausen U. 3 nur zwei Ehen des Gilbrecht zum Goldstein mit Clara 
Stumpf von Dettingen 1499 und mit Dorothea Schanz 1512 auf, und 
bemerkt dazu: ,.Einige Genealogien geben diesem Gilbrecht die 
Katrine von Sassen, die Andere seinem Oheim Gilbrecht [zu Span- 
genberg] zugeben, zur dritten (?!) Frau, welches unmöglich ist, da 
Dorothea ihu überlebte.' 4 Noch kühner verfahrt seine Kritik in die- 
sem Punkte bei Gilbrecht zu Spangenberg. Er sagt R. 3: „Mehrere 
Stammbäume berichten, dass Gilbrecht in zweiter Ehe mit Katharina 
Sassen verheirathet gewesen. Das Ganze ist eine Verwechslung [sie!] 
mit Anna von Sassen, der Frau von Conrad IlolzJhausen und diese 
aueeblicüe Katrine eilstirte nie." Sie hat dennoch existirt und sich 
auf Gastmählern und Hochzeiten (§.80. §.221) ihrer Existenz erfreut; 
Job selbst hat sie gesehen und mit ihr gespeist bei dem Gastmahl, 
das er in seinem Hause gab; sie hat sich auch mit Gilbrecht Holz- 
hausen, freilich nicht mit dem, welcher zu Spangenberg, sondern 
mit dem, welcher im Goldstein sass, nicht in dritter, wohl aber in 
zweiter Ehe vermählt Dass Fichard unser Mauuscript nicht gekannt, 
ersehen wir ferner aus seiner Nachricht über den Tod Gilbrechts 
zu Spangenberg. Job giebt zweimal bestimmt als Todestag den 
25. April 1494 an. Fichard berichtet zunächst, ein Wappenschild in 
der Michaelskapelle setze denselben in das Jahr 1434. (Wahrschein- 
lich war nur die Zahl 9 undeutlich geworden , so dass sie wie 3 aus- 
sah.) Dann sagt er: nach einer Familiennotiz falle Bein Todestag auf 
den 8. November; zuletzt entscheidet er sich für das Jahr 1496. 

Arnold HolzhauBen und seine Ehefrau Gudula Glauburg 
§. 283. 

Conrad Holzhausen und seine Ehefrau Anna Sassen. 

Kinder: Elgin Holzhausen, Ehefrau von Bernhard Horbach 
dem Vater, §. 1. 
Anna Holzhausen, Ehefrau von Georg Frosch, 
§. 248. 249. 

Lise Holzhausen, Ehefrau von Wolf Blum, §. 229. 

Gilbert Holzhausen zum Spangenberg (f 1494 §.276) 
und seine Gemahlin (Wittwe) Katharina (Fröschin) 
zum Spangenberg: §. 19. 20. 30. 36. 116. 185. 186. 
217. 220. 221. 

Kinder: Ludwig Holzhausen: §. 3. 6. 19. 20. 30. 116. Ifc5. 
186. 197. 215. 217. 220. 221. 257. 
Elgin Holzhausen §. 80. 220. 
Blasius Holzhauseu §. 16. 

12* 



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- 180 - 



Johann Holthausen zum Goldstein und 

A. Margaretha im Steinhaus. 

Tochter: Margaretha Holzhausen zum Thorn, Ehe- 
frau Heinrich von Ergersheim, §. 51. 80. 184. 244. 

B. 2** Ehefrau Johann's: Katharine von Schwar- 
zenberg zum Goldstein: §. 17. 18. 30. 51. 56. 80. 
217. 279. 282. 

Söhne: 1) Haman Holzhausen: §. 19. 79. 80. 104. 119. 185. 

186. 190. 191. 217. 221. 
Ehefrau Margaretha Hell: §. 20. 80. 11G. 185. 217. 

221. Kinder siehe oben §. 278. 
2) Gilbrecht zum Goldstein: §. 8. 18. 24. 27. 45. 80. 

127. 185. 186. 192. 197. 217. 221. 
1«* Ehefrau 1497 Clara Stumpf [Fich. von Dettingen] 

§. 28a f 149a 
2» Ehefrau 1499 Anna Sassen §. 284. cf. §. 221. 

(c£ §. 80.) 

3 1 " Ehefrau 1512 Dorothea Schantz, vergl. Steitz, 
Luther'a und Melanchthon's Herbergen 31 *.] 



2 Die daselbst auf Fichard gestützte Angabe, dass dieses die zweite Ebe 
Gilbrecht b gewesen sei, musa demnach berichtigt worden; es war die dritte. 



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- 182 



Holzheimer. 
[Johann Holzheimer, siehe Amtleute, §. 132.J 

Humbrecht. 

§. 285. [fol. 171] Margreta, vxor Claß humbrecbt's, obijt vicesima 
quin ta septembris, relicto dicto suo marito et filiis et filiabus, anno 1501. 
[Kryngin Humbrechtin, Jungfrau, §. 80. 185. 263. Tochter Clas 
Humbrecht's und Gretgin Foid, dritte Hausfrau von Bernhard 
Weiss, §. 333. 

Margaretha Humbrechtin, Ehefrau Conrad Scheid's, §. 311.] 

Claus Humbrecht. 

Greda, Foid von Monsberg. 



Margaretha Katharina Humbrecht, 

Humbrecht, Ehefrau von Bernhard Weiss. 

Ehefrau Conrad Scheid's. 

Inckus zu Schwasau. 

[Familie starb 1482 aus. Ottilia zu Schwanau §. 221. ist die 
Ehefrau Arnold Glauburger's zu Schwanau, geb. Brun.) 

Jöstenhöfer. 

§. 285. [fol. 15ö] Anno 1500 sexta augusti Katherina vgelnhevmerin, 
uxor Loy iostenhoffers, sepulta est hic in ecclesia parochiali et 
delatum est funus ad ecclesiam, precedentibus personia ecclesie nostre 
et scolaribua et hoc primum in oo inceptuin, antea enim inauditum, 
quod clerus nostre ecclesie precesserit funus laici. 
[Loy Jöstenhöfer §. 5.] 

Zum Jungen. 

§. 287. (fol. 142 1 Anno 1499 vltima julij Katherina heringen, 
vxor Orten zum iungen senioris, obijt, eo magistro ciuium existente, 
null ob relictos habens. Erat Ortt illo anno magister ciuium senior. 

[Ort zum Jungen §. 79. 80. 83. 98. 125. 183. 185. 201. 

Kryngin Heringen, seine Hausfrau, Guda Hynsberg's Schwes- 
ter, §. 80. 

Johann zum Jungen §. 6. 98. 102. 120. 179. 183. 185. 
Conrad zum Jungen §. 80. 177. 183. Itf5. 186. 197. 201. 
Ortgyn zum Jungen §. 185. 198. 

Gretgin zum Jungen, mater Conradi et Ortgyns zum Jungen, 
§. 328.] 



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- 183 - 
Brüder: 

Ort zum Jungen — Heinrich zum Jungen — Johann zum Jungen 
t 1519 (zum Korb) f 1483 

Katharina Heringen Margaretha Reiss. 

seine Hausfrau Marg. Glauburg. 

t 1499. j 

I . I 

Conrad zum Jungen Ort[gin] zum Junge n. 

* 

Kaltofen. 
[Philipp Kaltofen §, 180.] 

Ketsch. 

§. 288. [fol. 55 Anno domini prima die maij] Ködern die Jung 
henn von kelsch f vicinus noster, fatum exsoluit, reliquit uxorom 
nomine Mergen et filias, videlicet Morgen, Dorotheam et Kathcrinam, 
et filium, cuius nomen Jodocus. 

Kemmerer von Fulda. 
§. 289. [fol. 10] Anno domini 1464 in die Dorothe Virginia des- 
ponsati Hen kemmerer vnd Eisgin [cf. Bernhards Familien- 
chronik, §. 61], nuptias habuerunt 4 junij zum hingen frosch, eodero 
anno. 

Knoblauch. 

§. 290. [fol. 3] Anno 1494 prima augusti mane natus est Georg 
clobellacb, filius Siffridi clobcllach et Gecilie vxorissue, et compater 
eius erat Georgius Flach, [fol. 37 J Anno 1495 die 24 septembris 
natus est Wickerus klobellach, filius Syffridi klobellach et Cecilie .... 
vxoris sue. Compater infantis est Wickerus klobellach, maritus Ryle 
froschin. [fol. 83] Anno 1497 secunda martij hora quarta post meri- 
diem natus Sifiridus klobellach ex Siffrido klobellach et Cecilia vxore 
eius, tertia autem februarij [raartii ?] baptizatüs. Compater infantis domi- 
nus Bernhardus schefferlyn, doctor et iuditij camere venerabilis assessor. 
[fol. 145] Anno 1499 in prineipio octobris, vt arbitror, natus est 
Pancratius , filius Syffridi knobellauch et Cecilie, eius legittime. In- 
fantis compater est Pancratius de rynsteyn, comendator domus tbeu- 
tonicorum hic. [fol. 1Gb] Anno domini 1501 vicesima quinta apprillis 
et dominica misericordia domini baptizatüs Johannes, natuS ex Siffrido 
knobellauch et Cecilie, eius legittime. Infantuli compater est Johannes 
mor, huius oppidi capitaneus. 

[Sifried Knoblauch und seine liaufrau Caecilia §. 116. 185. 

Sifried Knoblauch §. 119.] 



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- 18* - 



§. 291. ffol. 57] Anno 1496 die deeima septima julij Johannes 
klobellach, filius Adolffi klobellach's pie memorie et Anne folekerin, 
contraxit sponsalia de presenti com Katherina gelthnserin , filia 
Heynrici gelthuß felicis memorie, morantis, dum vixit, in oppenherm 

et Actaym wasserhuß, zum goltsteyn genant, extra muros. 

Deinde deeima nouerabris spire se ipsum sponse se apposuit: non 
conuocatis aliis, nisi qui quottidianj erant in domo Wickeri klobellach's, 
abundantem suam auaritiam notiorem facere voluit Regula, eorum 
primogenita, nata est 22 augusti, de quaplenius in 99. Obiit [fol 99: 
Rylchin klobellachin. Anno 1497 22 augusti, que est vigilia Bartho- 
lome!, nata est primogenita Johannis klobellach's et Katherine. spire, 
nomine Regula. Comater infantis estRylgin, uxor Wickert klobellach's. 
Sic esse factum retulit mihi prefatus Johannes klobellach wormatie 
prima septembris anno supra. Mortua nondum habens annnm Re- 
gula.] Eberhardus de mense octobri natus in 127. [fol. 127 : Anno 
1498 de mense octobri natus Eberhardus (et, vt arbitror, 25 illius 
mensis baptizatus), filius Johannis klobellach's et Katherine, eius uxoris, 
[Hlius] ; compater infantis Eberhardus de hussesthem.) [fol. 150] Anno 
1501 deeima nona februarij ex Johanne knobellach peperit Katherina 

filium, nomine [fol. 170] Anno 1501 infra octauam assump- 

tionis nata est Grettgyn ex Johanne klobellach et Katherine, cius 
vxore. 

[Rylgin Froschin, Wicker Knoblauch's Hausfrau, §. 279. Siehe 
Frosch. Wicker Knoblauch gehörte einer anderen Linie an, als die 
folgenden : 

Adolf Knoblauch f i486. 
Anna Völckerin, 
heirathet in zweiter Ehe Georg Flach. 



Seifried. Johannes. 
Caecilia Zäch Katherine Golthaus 

ausEslingen. aus Oppenheim.] 

Kühorn. 

§. 292. [fol. 154] Anno 1500 deeima junij et die mercurij post 
penthecosten contraxerunt matrimonium per verba de presenti Jaco- 
bus kuhorn viduus, doctor et cancellaris [cancellarius] prmeipis 
palentini electoris, et Agnes dyrmeyern, vidua relicta Hert 
yrgeschemers, que solita fuit a populo Agnes zum roorn nunenpari 
propter domum, quam inhabitat. Deinde eodem anno quinta augusti, 



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— 185 - 



que erat dies mercurij, solemnizatio matrimonij in fatie 
ecclesie et consumatio in thoro secuta est et habita. 

§. 293. [fol. 159] Anno domini 1500 nona nouembris nuptie 
celebrate snnt maguntie inter doctorem Bernhard kuhorn, Jacobi 
kuhorn de stnckgardia filins, et Elisabeth, filia quondam doctoris 
Georgij hei, alias pefFer, cancellarij archipresulis maguntini, dum 
vixit, et Elisabeth froschin, genitricis dicte sponse, que nunc viuit. 
Ad nuptias illaa dcscendimua octaua nouembris ad maguntiam in 
naui consu latus, hic [huc] rediebamus tredecima eiusdem mensis 
anno, quosupra, et laute, ymo lautissime viximus ac triumphauimus ; 
propinaui ducatum, pro quo solui 1 fl. 9 ß. Tantundem propinauit et 
frater mens Bernhardus rorbach. Laurentius eorum primogenitus 
natus est, de quo infra fol. 170. 

[fol. 170. Anno 1501 in yigilia vel die laurentij natus est 
primogenitus maguntie doctoris Bernhardi kuhorn et Elisabeth 
sue legitime, nomine Laurentius; hunc suscepit de baptismo 
nobilis Laurentius truchseß, canonicus maioris ecclesie 
tine etc.] 



Brüder. 



Jacob Walther, gen. Kuhorn, 
der Aeltere, 
wohnt in Stuttgard. 



Bern 



lar 



Jacob Walther, gen. Kuhorn, 
J. U. D. 
Procurator zu Mainz. 
Agnes Diermeyer (Tiermeyer) 

zum Mohren, 
Wittwe von Hert Ergersheiraer. 



J. U. D. in Mainz. 
Elisabeth Hell. 

Langsdorf. 
[Engil Langsdorf §. 201.] 



Marpurg zum Paradies. 

[Ludwig zum Paradies, Dr., goldner Ritter uud Schultheiß, §. 6. 
79. 80. 83. 175. 183. 185. 186. 294. 334. 

Elsbeth (Asyn) Heringen, seine Hausfrau, §. 80. 294. 

Ludwig Marpurg, §. 183, kann nur Ludwig Martroff von 
Marpurg [§. 294], der Erbe des Hauses zum Paradies gewe- 



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- 186 - 

sen »ein, da Ludwig zum Paradies in dem Verzeichnisse 
der Limburger §. 183 an der Spitze genannt, Ludwig Mar- 
purg aber unmittelbar nach Georg Martroff aufgeführt 
wird.] 

Martorff. 

§. 294. [fol. 50] Anno domini bisextili 1496 die decima quinta 
febmarij, qu? tunc penultima carnisbreuij erat, Ludwicus mar- 
troff, filius Johannis martroff, ex una, ex parte alia Anna virgo, 
senior filia Wolff blumens et Lyßgin's hulczhuseryn, contraxerunt 
sponsalia et preter morem nostrum non adductus ad 
stubam est sponsus, allegabant rogationes pugnantes 
ad placitum [?]. Solennizatum dehinc est matrimonium in 
facie ecclesie nona die junij, que pro tunc erat octaua corporis 
Christi. Nuptie de post secute die tredecima junij anno, quo supra. 
Tandem procreatus est ex ipsis Ludwicus, primogenitus eorum, 
de quo in folio 93; obiit infans. [fol. 93: Anno 1497 decima septima 
junij ex Ludwico martroff et Anne [1. Anna] blumin, eins legittime 
[L legitima], natus est Ludwicus, primogenitus eorum, decima octaua 
junij fönte baptismatis rcnatus. Compater infantis est Ludwicus de 
paradiso, doctor ac eques auratus, franckfurdensium scultetus. Mor- 
tuus est paueo tempore post prefatus infans]. Secundagenita, 
Elsbeth nomine, nata est vltima junij in anno 98, clarius infra 117. 
[fol. 117: Anno 1498 vltima junij nata est secundagenita Ludwici 
martroff [am Rande: Elisabeth martroff] et prima julij baptizata. 
Commater infantis est Elßbeth [sonst auch Asyn genannt §.80], uxor 
Ludwici de paradiso, sculteti huius oppidi, qu$ vocauit infantem 
nomine suo, quQ de post obijt, anteaquam habuerit etatem 
15 dierum.] Johannes natus est 14 octobris anno 99 et quartus 
[1. tertiusl in ordinc geniture, quacre in charta 145. [fol. 145: Anno 
14i'9 decima quarta octobris mane quinta hora vel circa natus est 
Johannes ex Ludwico martroff et Anne. [1. Anna], eins uxorc. Sus- 
cepit de baptismate infantem concanonicus Johannes vgelnheymer. 
Obiit infans.] Katherina nata est anno 1500 decima decembris, de 
qua vide in 1G0. [fol. 160; Kryngyn martroff. Anno domini die 
decima decembris, decima hora vel quasi post cenam, et erat 
diesiouis, genuit Anna, uxor Ludwici Martroff s, filiam suam Katherinam 
nomine. Gomater infantis est Katherina, relicta senioris Bechtoldi hellers]. 

§. 295 [fol. 168] Anno domini 1501 decima die apprilis, que 
erat vigilia pasc«? obijt Anna, vxor Ludwici martrons et senior filia 
senioris Wolff blumens. Reliquit maritum suum filiamque nondum 
annum habentem nomine Katherinam superstites. 



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- 187 - 

JLudwig Martroff §. 184 und 185. (§. 183 cf. „Marpurg zum 

Paradies" und unsere Bemerkung daselbst) 
Engin, seine Hausfrau, §. 185. 
Georg Martroff §. 13. 80. 183. 185. 193. 198. 215. 
Georg und Ludwig Martroff waren Vettern.] 

Meiern. 

§. 296. [foL 65] Anno domini 1496 die decima septima ootobris 
sponsio matrimonij contracta est inter Johannem de molnheym 
(habuit autem antea duas vxores) et Margretam virginem, filiam 
quondam Thome ogelnheymers etMarg^ete grussern, nunc vxor Stephani 
grünbergers, vittericus prefate virginisMargrete sponse. Solemnizatiimln 
facie ecclesie decima septima nouembris. Nuptie deinde celebrate faere 
dievicesima seeunda nouembris, eratquedies marus; non enim poterat 
consumari die lune ob festum presentationis virginis Marie. Ex illis 
natus est Ogir 15 junij anno 1499; vide in charta 140. [fol. 140: 
Anno 1499 decima quinta junij et die Sabbathi genuit Grettgyn, 
vxor Johannis molnheym, suum primogenitum filium, cuius nomen 
Ogyr, baptizatus decima sexta iunij; compatcr infantis est Jacobus 
heller. Primogenitum dizi quoad Gretgyn; Johann molnheym enim 
ante eam duas vxores habuit] [fol. 168] Anno domini 1501 die veneria 
post dominicam quasimodogeniti natus ex Johanne de molnheym et 
Margreta, vxoresua, Jacobus estque secundus in ordine geniture ex 
illorum prefatorum matrimonio. Sequenti die e fontc baptismatis sus- 
cepit infantulum Jacobus neuhusen. 

[Ursula de Meiern, uxor Walteri de Schwarzenberg, §. 317.] 

Johann von Meiern (Molnheim). 
Gretgen Dorfelder. 



Johann von Meiern. Katharina von Meiern. Ursula von Meiern. 



Margaretha Jacob Heller. 1) Walter v. Schwar- 

Ugelnheimer. ^ zenberg. 



2) Bernhard Rorbach 
der Jüngere. 



Mohr. 

[Johannes Mohr, städtischer Hauptmann, siehe unter dieser 
Ueberschrift: §. 133.J 



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- 188 - 



§. 297. [foL 96J Anno 1497 die vicesima tertia julij Ruprecht 
moneß viduus nuptias peregit cum quadam vidua, si recte memini, 
de fulda, nomine etc. Nuptias deinde celebrauit vicesima nona januarij 
anno 1498. 

§. 298. ffol. 102] Anno 1497 tredecima nouembris Conradus 
mones celebrauit nuptias cum Eylchin »tomein , obiit autem dicta 
Eylchin die 23 junij anno 1500. 

[Conrad Monis §. 177. 183. 185. 186. 197. 199. 

Ruprecht und Conrad Monis sind Vettern.] 

Neuhausen. 

§. 299. [fol. 10] Anno 1464 Jacobus nnhusen et Kongundis, 
filia Walten schwarczenbergs senioris, desponsati sunt in die beati 
Xysti, nuptie secute in profesto Galli eodem anno. 

§. 300. [fol. 18] Anno 1495 iii. apprillis reuersi sunt de pere- 
grinatione Jacobus nnhusen, Johannes molnheym et famulus eorum 
Heynricus de Andernach, cum antea iter peregrinationis arripnerunt 
in anno 1494 die xxiii junii, que est vigilia Johannis baptiste. 

§.301. [fol. 51] Anno 1496 die 5 u martij vocauit nos Jacobus 
neuhuser inter ceteros eius amicos, vidclicet Bernhardum rorbach 
et me Job, fratrem Bernhardi, vt adessemus, cum sententia esset 
ferenda. Comparuimus cum ceteris suis cognatis et amicis in stuba 
consulatus et audiuimus sententiam, in qua adiudicabantur Jacobo et 
Georgio neuhuser germanis noningenti quinquaginta floreni, dandos 
[1. dandi] per heredes Katherine wissen, nec tantum in predicta 
summa, verum et in expensis sunt condcmnati dicti heredes. Hec sie 
acta esse certo scio et aderat, vt predixi, frater meus et plures alij. 
Heredes vero appellarunt, hij autem erant heredes vel saltem preten- 
debant se heredes esse: Johannes I an eck, tanquam vna stirps, Helesus 
wiß, tanquam secunda stirps, Fridericus, Dithericus et Agnes germani 
et germane de Altzen, tanquam tertia stirps. 

§.302. [fol. 83] Anno 1497 quinta martij nata, vt arbitror, 
baptizata naraque est ea die, Margreta neuhuserin, filia Conradi neu- 
heusers et Margrete vxoro [L uxoris] eius. Commater infantis Margreta 
. . . . vxor doctoris Valcntini durnckheym, iuditij camere procurator. 
Mortua est, anteaquam fuit trium mensium. 

[fol. 112] Anno 1498 tertia apprilis nata est Agnes, filia Conradi 
neuhusen et Margrete, sue legittime vxoris. 4 U eiusdem baptizata et 
de fönte baptismatis suseepta per Agnetem relictam Hans schmidden. 




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— 189 



[fol. 143:] Anno 1499 die vieesmia secunda augusti baptizatus Geor- 
gius neuhuß, filius Conradi neuhaß et Margrete, sue legittime. 
Infantis compater est Georgius ncuhuß zum fraß. Infans obijt pauco 
tempore post, supra dictus Georgius. [fol. 157] Anno 1500 tertia 
octobris Daniel, filius Conradi ncuhuß et Margrete eins legittime, 
est baptizatus. Compater infantis Daniel bromm. 

[Jacob Neuhausen §. 13. 35. 79. 80. 81. 107. 125. 186. 186. 

190. 191. 221. 296. 
Georg Neuhausen, sein Bruder, §. SO. 191. 192. 197. 199. 201. 

215. 221. [zum Frass] 327. 
Conrad Neuhausen §. 79. 80. 186. 186. Margret seine Haus- 
frau §. 80 und 185. 
Ulrich Neuhausen §. 6. 13. 15. 80. 177. 183. 185. 192. 198. 
215. 221. 

Conrad zum Neuen Haus 
zum Frass. 



Jacob zum Frass f 1493. Ulrich zum Frass. 

Kunigunde Schwarzenberger 

. _l_ 

Jaco b zum Frass, 
kinderlos. 

Georg 
zum Frass, 
ehelos. 

Raias. 

§. 303. [fol. 36] Anno 1495 die 14 septembris obiit Ortt reylS, 
pater Johannis, Georgij etc. et Margrette reysen et aliorum con- 
fratrum. 

§. 304. [fol. 51] Anno domini bisextüi 1496 die sexta martij 
Johannes reyß scabinus (filius quoudain pie memorie Ort Reysen 
et Kongundis hyllebrant), contraxit sponsalia cum Cristina virgine 
(fiha Johannis froschen et Cristine degeneryn morantium in domo 
zum burggreffen nuneupata). Eratque dominica occuli in qoadrage- 
sima, cum sponsalia contrahebantur ideoque non vocati sunt ad cenam 
nisi proximi tantum. Depost die vicesima iunij benedictionem matri- 
monij in ecclesia reeeperunt mane sub matutinis. Eodem die nuptias 
celebrabant et apposita sponsa sponso est anno, quo supra. 



I l 
Conrad Ulrich Neuhaus.] 

zum Feuerfunken. 

Margaretha 

Silberborn. 



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- 190 - 

Depoat in anno 1497 die juuij vndecima nata est Anna eorum pri- 
mogenita, de qua clarius in folio 92. [fol. 92: Anno 1497 vndecima 
iunij et die dominica nata ex Jobanne reyß et Cristina froschin, legit- 
tima sua, primogenita eorum, nomine Anna. Baptizata duodecinia 
iunij. Commater infantule est Enchin, vxor Georgii flach, officiali* 
znm goltsteyn eis moganum extra rauroa.J Deinde in anno 1498 natns 
Johannes, qui et mortuus est, vide in charta 129. [fol. 129: Anno 
1498 vicesima secunda nouembris circa mediam vel in media noctis 
natu» est ex Johanne reyß et Cristina, eius uxore, Johannes, qui 
baptizatus 23 eiusdem et ab Johanne frosch, patre Cristine, de bap- 
tismo suseeptus. Obiit infra mensem.] Geuuit Wickerum tertia maij 
anno 1500, de quo vide in charta 152. [fol. 152: Anno 1ÖOO tertia 
maij natus est ex Johanne reyl* et Cristine [Cristina], eiuB Iegittimv 
[legitima], Wickerus, qui baptizatus est 4 U eiusdein mensis, et is in 
ordine geniture suorum parentum est quartus [tertius]. Ipsius infantü 
compater est Georgius frosch senior.) 

[Johannes Raiss§. 86. 183. 185. Chrystingin,seineHausfrau,§. 185. 
Georg Raiss §. 13. 177. 198. 
Arnold Raiss §. 201. 215. 

Margreta Raiss, Tochter Peters Raiss und Agnes von Alzey, 

Heinrich Weissen Hausfrau, §. 328. 
Anna Hynsberg, relicta Johannis Raiss, aduocati quondaw 

huius oppidi, §. 86. 

Heintz Raitf. 

I 

I I 
Clesechin RaiU. Orth Rai U. 

I I 



Peter. Johann, Johann. Georg, Arnold, Margaretha. 
Agnes J. U. D. Christina ledig. ledig, 
von Alzey. AnnaHyns- Froschiii. 
berg. 



Margaretha 

Heinr. Weiss 
v. Limpurg. 

Rheine. 

§. 305. [fol. 48 J Anno 1496 nona die ianuarij sepulta est in 
ecclesia fratrum pr<?dicatoruni franckfordie Agnes (filia Bechtoldi 



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- 191 - 

beller'B senioris), uxor Heynrici de ryn, reliquit superstites Septem 
liberos. 

§. 306. [foL 156] Anno 15C0 in die Laurentij raartiris obijt Ka- 
therina, filia Stheffans hen, uxor autem Johanis von ryn senioris, pr.o 
tunc scabini hic, et comitatum est funus, vt hic proximum supra 
[§. 286] in fnnore uxoris Loy iostenhoffer's est notatum, nisi quod 
hic pulsabantur campane, quod obmissum fuerat in superiore funere. 

§. 307. [fol. 170] Henricus, filius Johannis von ryns et 
defuncte Katherine ex familia Steffens henn, contraxit matrimonium 
cum Magdalena, virgine et filia Jacobi gey chen viventis etAgneß 
wyssen pie memorie. Actum die ioius et 12 augusti anno 1501. 
Eodem anno ratificatum est dictum matrimonium in fatie ecclesie 
tredecima nouembris ; nuptie vero habite sunt 15 nouembris anno 
supra dicto. 

[Johannes de Rheine §. 5. 116. 121. 179. 183. 185. 192. 197. 198. 

201. 215. 2ß5. 
Kryngin, seine Hausfrau, §. 185. 

Johannes vom Rheine, sein Sohn, Dechant zu St Leonhard, §.20K 
Engin, Johanns vom Rheine, des Aelteren Tochter, §. 208. 
Heinrich vom Rheine, des älteren Johann Bruder, §. 123. 
Margaretha vom Rheine, Heinrichs Tochter, Claus Stallburger's 

Hausfrau, §. 322. 
Johannes vom Rhein, Decau zu St. Leonhard, §. 208. 

Heinrich vom Rheine 

I 

Heinrich vom Rheine f 1509 Hans vom Rheine 

zum Wolkenberg. zum gülden Kopf. 

Agnes Heller. Katharina Steffan. 

| . J r 

Margaretha. Johann z. Rh. Heinrichz.Rh. Anna. 
C 1 a u s S ta 1 1- Deehant z. St. Leonh. zum Mohren, 
burger. Magdalena Geuch.| 

■ 

Rosenacker. 4 

§. 808. | toi. 48] Anno 1496 decima quarta ianuarij Eberhardus 
ro Benacker de wertheym, sindicus dorainorum de conaüio franck- 
furdensi, contraxit sponsalia cum Otylia, filie [I. filia] quondam 
Caspar behemers et Margretc, matre vivente tunc Dehinc nuptie 



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- 192 - 

secuta die vicesiraa quinta eodem anno et menae. Ego Job ror- 
bach prefatam Otyliani aponaam ad cccleaiam dusi, vna 
cum Casparo, fratre aponae, nocte adueniente aponsam 
aponao appoaui. Ante iam dictam aponaam nullam duxi 
ad eccleaiam, nec ad thorum aliquam praeter illara aponao 
appoaui. Propinauit mater aureuin, frater Bernhardus 
aurcum et monetam, que eyn engelisch dicitur, ego autem 
trea taxillos, duas acuB, vnam cum filo glauco, aliam cum 
filo blawe. 

Rückingen. 

[Claa Rukingen §. 120. 133. 177. 185. 186. 257. 261. 262. älterer 
Bruder. 

Johann Rückingen und Agatha, Beine Hausfrau, §.185. jüngerer 
Bruder.] 

' Saa8en. 

§. 309. [fol. 10J Anno 1471 dccima ianuarii contracta aunt 
aponaalia inter Henn aaaaen et Katherinam, filiam Johann brunnen, 
nuptie autem babite in craatina aancti Blaaii eodcm anno. 

§. 310. [fol. 85] Lyagyn aachain. Anno 1497 in die aacro 
pasche, que erat viceaima aexta martij expirauit Liagyn sachsvn, virgo 
venuata, cognata raea, filia Hen aachacn et Kringyna, eiua uxore. Et 
retro in anno 1496 conuentio amicabilia facta et concepta de futuru 
matrimonio contrahendo inter ipaam iam dictam virginem et Johannem 
froach, viduum, wulgo dictum Johan froach zum Affen, et placuit hec 
conuentio ipaia videlicet Johanni froach et Lyagyn virgini et pareati- 
bua auia, nondum autem contraxerant nec verbo nec facto, eo quod 
tercio et quarto gradu cognationia cognati erant, quapropter diapen- 
satio papalia requirebatur, cumque iam impetrata erat diapenaatio et 
iam aderat, infirmitaa Virginia impediebat contrahendum matrimonium. 
Tandem raora Virginia omnem conuentionem et contractum interemit 
et in nihilum reduxit Jnhumata in eccleaia minorum in loco 8uarum 
p r og e nitricum. 

[Hen Saasen §. 80. 183. 185. 284. 309. Katharina, aeine Haus- 
frau, §. 80. 284. 309. 

Aelteate Tochter EUaabeth (Liagin) §. 80. 185. 186. , Braut Jo- 
hannea Froach«n zum Affen §. 310. 

Zweite Tochter Katharina (Klingen) §. *0. 185., aeit 10. Februar 
1500 verheirathet an Gilbert Holzhauaen zum Goldsteüi ; ihre 
Existenz von Fichard mit Unrecht bezweifelt, §.284 u. Anm. 

öohn Ludwig §. 80.]. 



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- 193 - 
Scheid. 

§. 311. [fol. 82] Anno 1497 decima nona februarij baptizata est, 
arbitrorqne eam ea etiam die natam, Margreta, filia Conradi schytts, eo 
tunc iunior existentis magister chrium, et Margrets humbrechten. 

Suacepit de baptismo infantulam Margreta, relicta et mater 

Conradi et Ort zum iungen. 

[Conrad Scheid §. 121. 126. 179. 183. 186. 

Margreta Humbrecht, »eine Hausfrau, §. 185. 

Die Pathin war Margaretha Glauburgerin, Wittwe Heinrichs 
zum Jungen, vrgl. zu §. 287.] 

Schmied. 

§. 312. [fol. 15] Anno 1495 secunda februarij natus est Reyn- 
hardus schmyd ex Johanne schmydt et Agnete wissen, eius uxore. 

§. 313. [fol. 52] Anno 1496 die xiii raartij obiit Hans schmyt, 
reliquit uxorem Agnetem cum sex liberis, omnes adhuc in puppillari 
State; sepultus in parochiali eccleaia sancti Bartholome^ etfratersuus 
Sebastianus schmytt obiit in anno 1494 die 19 apprilis. 

§. 314. [foL 134] Anno 1499 decima quinta februarij et sexta 
post dominicam estomihi obijt Agucs vidua, quondam vxor Johannis 
schmydt, 16. mensis illius inhumata in parochia. 

[Stephan Schmied von Miltenberg hatte zwei Söhne : 

1) Sebastian Schmied f 1494 Dessen Sohn Sebastian 
Schmied wird §. 201 erwähnt. 

2) Hans Schmied f 1496 (§. 313). Seine Gattin Agnes (§.302 
und 314) war eine Weiss von Limburg zum Rebstock 
(§. 312). Ihr Sohn war Reinhard Schmied (§. 212)]. 

Schöfferhenn. 

§. 315. [fol. 1J Prima die junij [1494?] sponsalia contraxerunt 
Scheffer henn iunior etAnna de hanauwe, relicta Konstens hentzen, 
que moratur in domo vocata czu der winreben, sita ex opposito a 
latere domus czu spangenberg iuxta ecclesiam bcate virginis. 

[Schöfferhenn §. 93. 102. Lersner fuhrt H, II, 143 u. 147 im 
liathsverzeichnisse auf: Johann von Ostheim, gen. Schöfferhenn, 
Wollen weber, erwählt 1461, gestorben 1501,. und Johann von Ost- 
heim, erwählt 1494. Wahrscheinlich ist der letztere unter dem Na- 
men Scheflerhenn junior gemeint, während jener, vielleicht der Vater» 
als senior zu denken ist Nach den Briefen des Cochlaeus nahm der 
jüngere Schöfferhenn sich 1520 dessen freundlich in Frankfurt an.] 

13 



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- 194 - 



Schule. 

§. 316. [fol. 144] Anna zum yssenmenger, auia Petri et 

Thome sossenheymer ex linea materna, obijt vicesima octaua septem- 
bris [1499]. 

[Die erwähnte Anna ist des Peter Schule zu Laderam Hausfrau. 
Die Tochter dieses Paares, Katharina Schule, hatte Peter Sossenheimer 
geheirathet und war die Mutter der Brüder Peter und Thomas Sossen- 
heimer. Im Jahre 1495 verkauften Anna, Peter Schulen seel. Wittwe, 
Peter und Thomas Sossenheimer, Margaretha [Weissin von Limburg] 
vxor, dieser Anna Diechtern [Enkel] und Snorche, das Haus Laderam 
um 2600 ti. an Daniel Bromm. So Fichard in der Geschlechterge- 
schichte (Familie Sossenheimer und Schule). Derselbe fuhrt ferner 
aus der Originalurkunde an, dass Anna zu Laderam in ihrem am 
Marien-Magdalenentag 1495 errichteten Testamente ihren Diechter 
Peter Sossenheimer zum einzigen Erben eingesetzt habe, weil 
dessen Bruder Thomas „zu seinen Veränderungen sonst ein merg- 
liches über ihre Kräfte erhoben habe*. Wenn Fichard daraus 
schliesst, daas Anna zum Laderam noch um 1495 gelebt haben müsse, 
so ersehen wir aus obiger Notiz', daas sie erst am 28. September 
1499 gestorben ist und nach Verkauf des Hauses Laderam im Hause 
zum Eisenmenger (neue Krame K. 103) gewohnt hat] 

Schwarzenberg. 

§. 317. [fol. 3] Anno 1494 die 25 julij obüt Walterus de 
swarczenburg hora undecima diei. Reliquit uxorem Vrsulam de 
niolnheym cum filia Vrsula nomine [eine spätere Hand schrieb dazu: 
que relicta nupsit Bernhardo de rorbach. Cf. §. 10]. 

§. 318. [fol. 9J Anno a uatiuitate Christi 1495 in die Johannis 
ewangeliste, vt opinor, nata est Margreta, filia Arnoldi schwarczen- 
burg's et Katherine .... de oppenheym. 

§. 319. [foL 9] Anno 1496 in die Johannis ewangeliste est bap- 
tizata, et certo scio credoque etiam eo die natam fuisse, Beatrix, 
prefatorum etiam filia. [fol. 71 : Anno 1496 annum ab initio ianuarij 
inchoando Beatrix, filia Arnoldi Schwarzenbergs et Katherine, 
baptizata est in die Johannis euangeliste, eodem die eam fuisse natam 
arbitror. Commater infautis est niater Symonis vffstenners.] 

§. 320. [fol. 158] Anno 1500 vicesima sexta octobris obijt Ar- 
noldus seh w artzenberg inane. Reliquit uxorem Kathen naru . ... 
de oppenheym, tilias tres, Ann am .... Beatricem. Vicesima nona 
mensis illius prima dies exequiarum apud carmelitas fuit obseruata. 



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- 195 - 



Ad exequias et prandium fuerunt omnes canonici et prelati ecclesie 
H. Bartholom?!, item omnes viri coiisiliarij inuitati et complures alij. 

[Walther Schwarzenberg der Aeltere (Hausfrau Anna Holz- 
hausen. Fichard). 

Seine Kinder: 1) Walther Schwarzenberg §. 317. Hausfrau Ur- 
sula von Meiern §. 10. 116. 185. 221. 317., in 
zweiter Ehe vermählt mit Bernhard Rohrbach 
dem Jüngeren, §. 10. Tochter erster Ehe Ur- 
sula §. 317. 

2) Georg Schwarzenberg, Canonicus zu St. Bar- 
thol., §. 209. 327. 

3) Kunigunde Schwarzenberg, Jacob Neuhausen's 
Ehefrau, §. 299. 

4) Anna Schwarzenberg, Henne Weissen zu Lim- 
burg Ehefrau, §. 328. 

5) Arnold Schwarzenberg, 3teEhe mit Katharina 
Ritter (Fichard) aus Oppenheim. Hinterlassene 
Töchter: Anna (§.258), Elisabeth [nach Fichard, 
Job Rohrbach: Margaretha], Beatrix §. 320. 

6) Michael Schwarzenberg §. 10. 83. 124. 185. 216. 
Kringen (Martroff, Fichard), seine Hausfrau, 
§. 10. 185.J 

Sossenheim. 

§. 321. [fol. 123J Anno 1498 obijt Gretgyn, vxor Thome sossen- 
heimer's, soror autemHert, Bernhardi et Agnes wisen, die sexta 
septembria, vt arbitror ; corpus sepulturc traditum est septima eiusdem 
mensis et hoc certum. 

[Thomas Sossenheimer §. 183. 185. vergl. Schule §. 316. Seine 
Ehefrau gehörte zum Zweig der Weiss von Limpurg zum Rebstock, 
siehe Weiss.] 

Stallburger. 

§. 322. [fol. 143] Anno 1499 die sexta augusti Claß stalberg 
contraxit Bponsalia cum Margreta uirgine , filia Heynrici vom ryn. 
Eodem anno die 21 octobris et vndeeim milliuin virginum habite sunt 
nuptie. Solemniter et in apto ordine et decorate processerunt ad 
ecclesiam ibidemque solemnizarunt matrimonium ac benedictionem a 
plebano doctore Conrado hensell suseeperunt Primogenitus eorum 
Claß nomine natus sedeeima martij anno 1501. [fol. 167 : Anno do- 

uiini [1501] sedeeima martij, que erat dies martis post dominicam oculi 

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■ 



— 196 — 

natns est Claß, filius et primogenitus Claß stalbergs et Margret vom 
ryn, quem de fönte baptismatis suscepit Claß vom haffeni sartor 
die sequenti, videlicet decima »optima martij.] 
[Clas Stallburger §. 122. 183. 186. 186.] 

Stocken. 
| Philipps von stocken, nobilis, §. 80.J 

Steffan. 

[Henn Steffan (Steflanshenn, Steffashans) §. 116. 

Guttgin, im Saalhof, Stephans Henn Tochter, Wicker Fröschen 
Wittwe, Eberhard's von Heusenstamm Ehefrau, cf. zu §. 254 und 
§. 272. §. 116. 

Katharina, Steffana Henn Tochter, Ehefrau Johanns vom Rheine, 
§. 307. Fichard nennt Henn Steffen : Werner steffanshenn von Bin- 
gen, muss übrigens zugeben, dass der Name Werner ihm nur einmal 
begegnet ist und sich möglicherweise auf eine ganz andere Person 
bezieht. Steffanshenn ist übrigens eine Abkürzung für Henne, 
Stcffan'a Sohn. Dass solche Abkürzungen bei Leuten bürgerlichen 
►Standes damals ganz üblich waren, wusste Fichard sehr wohl, aber 
anstatt daraus zu folgern, dass auch diese eingewanderte Familie wohl 
bürgerlicher Herkunft sei, sucht er zu zeigen, dass dieselbe Abkürzung 
auch bei Vornehmen sich ausnahmsweise finde. Wie hätte er auch 
zugeben dürfen, dass die Steffan von Cronstetten ursprünglich Bür- 
gerliche gewesen seien! Der Name von Cronstetten rührt übrigen« 
erst aus dem 16. Jahrhundert her.J 

Storck. 

§. 323. [foL 6| Anno 1494 die xxx augusti hora quinta post 
meridiem Margereta, uxor Joannis storck, maguntie geminas peperit 
filias, quarum una Fronica, alia Clara nuneupata; mortue sunt. 

Stralenberg. 

§. 324. [fol. 143] Anno 1499 die duodeeima augusti contraxitHen 

stralnberg viduus sponsalia cum Agnete [Eine spätere Hand 

füllt die Lücke aus : Steffin] virgine. Eodera anno quarta nouembris 
solemniter processionaliterque iuerunt ad ecclesiam solemnizando ma- 
trimonium nocteque illa consumarunt nuptiasue celebrarunt Felicitas 
eorum filia nata est, vt in folio 166. [fol. 166: Anno 1501 vicesima 
ianuarij nata est Felicitas, primogenita Hen stralnbergs et Agnetis.. .. 
ex illo matrimonio, quia Hen stralnberg primus aliam habuit vxoremj. 



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- 197 - 



[Heimo Stralenberger §. 186, in zweiter Ehe vermählt mit Agnes 

Steffen, §. 324. 
Hert Stralenberger f 1485, Bein Oheim. 

Hert's Kinder: Jacob §. 127 u. 183.; Katbarina, Simon Uffsteiner's 
Hausfrau, §. 325, und Heilmann §. 183. 186. 197. 215.] 

TageL 

[Erban Tagel, Amtmann zu Erlenbach, siehe Amtleute. §. 129 
bis 132.] 

Tegen. 

[Gretgyn Degnerin [Tegen], Jacob Brun's, in zweiter Ehe Hans 

Brommen Hausfrau, §. 239. 
Christina Degenerin, Johann Fröschen zum Burggrafen Hausfrau, 

§. 253. 304.] 

Tiermeyer, siehe Diermeyer. 
Uffstein. 

§. 325. [foL 60] Anno 1496 secunda augusti Symon vffstenner 
sponsalia contraxit cum Katherina de stralnberg virgine, filia Hert 
stralnbergs felicis memoria et Gretgin. Appositi sunt simul in thorum 
tredeeima nouembris, dehinc deeima quarta nouembris secute nuptie 
anno, quo supra. Primogenita eorum nata est quarta nouembris Ma- 
gret a nomine anno 1497, de quo in 103. [fol. 103: Anno 1497 die 
4 U nouembris nata est Margreta, primogenita Simonis vffstenders et 
Margrets (?), legittime su$. Commater infantis est Margreta senior 
filia Iohannis engelenders, vulgo dictus guldenleb.] Elßgen, secunda 
eorum filia, nata est in anno 1499 12 junij, vide in charta 140. 
[fol. 140: Anno 1499 in mense iunij et, si iuste memini, 
vi eiusdem mensis genuit Grettgyn(?), vxor Symonis vfistenner's, 
Elfgin et hec secundagenita illorum.] Enchin tertia eorum filia nata 
est anno 1501 de mense februarij, de quo infra charta 166. [fol. 166: 
Anno 1501 deeima die februarij baptizata est Enchin uffstennern, 
filia Symonis et Gretgyn (?). Comater infantis est Enchin, virgo 
et filia Johannis vom ryn senioris, et est hec in ordine geniture 
tertia.] 

[Simon Uffstemer §. 183. Die Mutter Simon Uffsteiner's §.319 hiess 
Guda (unbekannt aus welcher Familie) und sein Vater Jacob (Fi- 
chard) Seine Gemahlin Katharina Stralenbcrg wird in den obigen 
üeburtanotizen überall irrthttmlich Gretgen genannt. — Siehe 
Stralenberg.] 



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Ugelnheimer. 

§. 326. [fol. 156) Anno domini 1500 tricesima auguati sepulta 

est Agnneß blumin, relicta vgelnheymers , et per sacerdotes 

et scolares ecclesie nostre fonus comitatum, vt supra de alijs etc. 
[cf. §. 286. 306.] 

[Philippus Ugelnheimer. §. 49. 80. 192. 198. 201. 215. 
Johannes Cgeluheimer, Canonicum zu St Bartholomaei, §. 62. 
63. 294. 

Katharina Ugelnh eimerin, Loy Jostenhöfe r's Ehefrau, §. 286. 

Thomas Ugelnheimer und Margreta G russern, seine Hausfrau: 
ihre Tochter Margreta Ugelnheimerin, Johann 's von Mo In- 
heim Hausfrau, §. 296. 

Peter Ugelnheimer, 
heir. 1439 Agnes Blume (§. 326), 
f 1463. 

I 

I ) I I I 

Peter Philipp Johannes Katharina Thomas 

Uffeln- Ugelnheimer. Ugelnheimer, Ugelnheimer, Ugelnheimer, 

heimer, Canonicum heir. 1475 heir. 1474 

Handels- St Barthol. Loy Josten- Greda Grusser, 

mann zu hofer. gen. Schöffer. 



Margaretha, 
heir. 1496 
Johann v. Meiern.] 

Voelcker. 

(Christian Voelcker §. 98. 178. 183. 185. 254. 

Rylgin, Christian Voelcker's Tochter, Johann Fröschen zum 

Affen Hausfrau, §. 254. 
Anna Voelckerin, heir. Adolf Knoblauch und in zweiter Ehe 

Georg Flach, §. 291 und Georg Flach] 



Weiss von Limpurg, Rullmännischer Zweig. 

Jacobus Weiss. 

§. 327. [fol 32] Anno 1495 in die beati Jacobi apostoli, que est 

25. dies julij, natus est ex Jacobo wiß etFronica demonchen, 

eins vxore, Georgius wiß, eorum primogenitus, et leuauit de fönte 



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- 199 - 

sacro eum Georgius neuhuß. Mortuus est. Etsi deletum, non tarnen 
eo minus verum, [fol 64] Anno 1496 die sedecima septembris natus 
est Jobann wiß exJacobo wyß et Fronica .... de monchen, vxore 
eins. [fol. 109] Anno 1498 vicesima secunda januarij natus est Geor- 
gia, filius Jacobi wiß et Feronice, eius legitime, 23. eiusdem baptiza- 
tus, compater Georgius schwarezenberg, cantor et canonicus coile- 
giate ecelesie diui Bartholomei franckfurdie. |foL 133] Anno 1499 
27. februarij baptizatus Heinricus infana, filius Jacobi weiß et Feronice 
eius vxoris. Suscepit infantem de fönte baptismatis Heinricus de ar- 
tenberg, scriba ciuitatis. [fol. 166] Anno domini 1501 in vigilia Ma- 
thie , que erat dies martis ante dominicam inuocauit et vicesima ter- 
tia februarij, baptizata est Fronica, tilia Jacobi wiß, que precedente 
nocte nata, et Fronice, eius legittime. 

Jacob Weiss, §. 185. 192. 197. 
Fronica, seine Hausfrau, §. 116. 185. 
[Wer die Fronica .... von München gewesen sei, ist nicht 

mit Bestimmtheit auszumitteln. Fichard vermuthet: Veronica 

Buchmüller.] 

Heinrich Weiss. 

§. 328. [fol. 70] Anno 1496 deeima nona, vt arbitror, mensis 
decembris Heynricus wiß (filius quondam Hans wyssen et Anne 
schwarczbergeryn) contraxit sponsalia cum Margreta reyssen, 
filia quondam Peter reyssen et Agnetis de alezen, que hodie vivit 
habetque secundum maritum nomine Bechtoldus de babenheym 
nobilista. Acta hec sunt sponsalia in Algessheym. Deinde anno 1497 
sedecima ianuarij et solemnizatio matrimonij in fatie ecelesie et nup- 
tiarum pompe habite sunt. 

[fol. 123] Anno 1498 de mense septembri die natus 

est Fridericus, filius Heinrici weißen et Margrets, vxoris sue. De 
fönte baptismatis suscepit eum Fridericus de altzey, licentiatus. [fol. 
150] Anno 1500 deeima quarta februarij genita est Grettgyn, filia 
Heinrici weiß et Margrete, eius legittime, baptizata die sequenti; 
comater est Grettgyn zum jungen, mater Conradi et Ortgyn's zum 
jungen [cf. zu §. 287]. 

[Heinrich Weiss, Jacobs Bruder, §. 183. 184. 192. 198.J 

Elisäus Weiss (§. 185), der vorigen Oheim. 

§. 329. [fol. 100]. Anno 1497 die 22. septembris obiit Eliüäus 
wiß. Reliquit Barbaram , eius vxorem, ac filios tres, Gonradum, 



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Johannem et Elisaeum. Anno 1497 die 28. septembris obiit Conradus 
wiß, prefatorum proxime supra filius. 

[Barbara, des Elisaeus' Hausfrau, §. 185.J 

Rullmännischer Zweig der Weiss von Limpurg. 

Henne (§. 328). 
Anna von Schwarzenberg. 



Sein Bruder Elisaeus. 
Barbara. 

I 



Heinrich 

zur 
Landskron. 
Margaretha 
Riess. 



Johannes, 
(kennt 
Fichard 
nicht). 



Elisaeus. 



Jacob Heinrich Conrad. 

zum 
Gishubel. 
Veronika 
[Buchmüller?J 
von München. 

Eine andere Linie dieses Zweiges bildet: Lötz Weiss zu From- 
melin, vermählt 1437 mit Elsa von Werstadt (Bernh. Familienchronik 
§. 74). Ihre Tochter war Katbarina, in erster Ehe vermählt 1459 
mit Heinrich Weiss zu Wissen, in zweiter Ehe 1481 mit Doctor 
Joh. von Glauburg. Sie stirbt 1491 kinderlos. Ihr erster Mann, Hein- 
rich Weiss zum Wissen, gehörte zum Werneuchen Zweig der Weiss 
von Limpurg. Vrgl. §. 256. 

Bernhard Weiss. 

Erste Ehe mit Margaretha von Artenberg. 

§. 330. [fol. 34] Anno 1495 die 18. augusti Bernhardus wiß, 
frater Hert wissen, contraxit sponsalia cum Margreta, filia Heynerici 

de artenberg, scriptoris ciuitatis et Et per famulum 

inuitarunt hostiatim adolescentes ad cenam, quod alias 
non est solitum, sed solitum est, cum sponsuB accedit 
stubam, hoB, quos tunc vidit ibidem, ipse in persona 
inuitat, sie fecit Karolus affinis meus. Et trepudiarunt 
super pretorium, vulgariter vff dem romer. Die sequenti, videlicet die 
19, sponsus inuitauit iuuenes, qui erant in stuba, ad cenam et similiter 
virgines itterum ad cenam vocate sunt, et trepudiarunt ac in gaudio 
diem istum peregerunt. Et matrimonium depost die octaua octobris 
in facie ecclesie solemnizatum est et demum nuptiarum solemnitas 
secuta die 12. octobris. Acte vff dem romer anno supra dicto 1495 
vnd hatt keyn vndern frawen geladen. Heynricus wiß, primogenihis 
eorum, natus est 24 julij anno 1496, inortuus est [cf. fol 58: Anno 
1496 die 24 julij natus est Heynricus wiß, primogenitus Bernhardi 
wiß et Margret? artenberg. Mortuus est, deinde tradidit spiritum ipsa 



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— 201 - 

Margret», maCer iam dicti infantis, die 28. augusti, anno vt supra. 
Hoc verum est, quanquam dcletura est) [foL 62:] Anno 1496 vicesima 
octaua augusti Margreta, vxor Bernhardi wiß et filia Heynriei de 
Ortenberg, scriptoris ciuitatis, exsoluit debitum naturae. 

m 

Zweite Ehe mit Anna Demcr. 

[Fichard giebt irrthümlich Anna Tiermeyer an, vergl. 
Demer.j 

§. 331. [fol. 75] Anno 1497 decima ianuarij publicata sunt spon- 
salia Bernhardi wiß vidui et Anne, Virginia et filie Henn demerB, 
alias dicti Stockems henn, et Barbarc lcningen. Omnia enim acta 
sunt, vti solent fieri, cum sponsalia contrahuntur; eo enim die conuo- 
cati cognati simulque cenarunt et trepudiarunt. Sponsio autem matri- 
monij est antea in aduentu celebrata. Eodem anno quinta iunij nup- 
tie habite sunt; apposita sponsa sponso in thorum. [fol. 92J Anno 
1497 quinta junij nuptias celebrauit Bernhardus wiß et Anna, filia 
Henn demers, alias vulgo dictus Stockemshen, vide supra fol. 75. 
Eodem die nuptias celebrauit filius ym eychner hoff cum qua- 
dam de spira virgine. Anna, primogcnita Bernhardi wiß etc., nata est, 
vide in charta 110. [fol. 110: Anno 1498 quarta martij nata Anna, 
primogenita Bernhardi wiß ex matrimonio eo vidclicet, quod habet 
cum Anna, filia Henn demers, vulgo Stockems henn, vti clarius patet 
supra charta 34. 75. 92. [§. 330. 331]. Comater infantis Anna, vxor 
Georgii flachen, offitialis zum goltsteyn. Actum, me existente wurma- 

tic.] fol. 135. Anno 1499 in mense martij, die videlicet nata 

est filia Bernhardi weiß et AnnQ, illius vxoris. 

§. 332. [fol. 141] Anno, quo supra, [1499] die tredeeima julij 
sepulta fuit Anna stockheymmyn, secunda vxor Bernhardi weiß. Reli- 
quit filiam infantulam. 

Dritte Ehe mit Katharina Hurabrecht 

§. 333. [fol. 165] Anno domini 1501 Bernhardus weiß tertio 
contraxit matrimonium cum virgine Katherina [in marg. KryngynJ, 
filia Claß humbrechts ot Grettgyn foeden, die iouis et 28 ianuarij 
anno, vt supra. De eodem vide supra charta 34 et 75. Condor- 
miuerunt vero decima octaua februarij anno, quo supra. 



Zweig der Weiss von Limpurg zum Bebstock. 

Reinhard Weiss. Sein Bruder Heinrich zum Kranch . 



Agnes. Hert. Margaretha. Bernhard. Agnes Elisabeth. 
Job. Thomas 1) Margareta Weiss. Carl von 

Schmidt. SosBen- von Jacob Hynsberg. 

beimer. Artenberg. Geuch. 

2) Anna Denier. 

3) Katherina 
Humbracht. 

Von diesen werden erwähnt: 

Agnes, Joh. Schmidten Ehefrau, §. 312. 314. 321. 
Hert §. 321. 330. 
Margaretha §. 321. 

Bernhard §. 80. 183. 185. 192. 219. 321. Anna, seine Braut, 

§. 185. Seine drei Ehefrauen §. 330- 333. 
Agnes Weissin, Jacob Geuch's Ehefrau, §. 255.J 

- 

Philipp Weiss. 

§. 334. [fol. 16] Anno 1495 die 26 februarij natus est Conradus 
wiß ex Philippo wiß et Elgin vxore. Et eum de sacro fönte leuauit 
Conradus wiß, frater Philippi. Mortuus est. [fol. 61] Anno 1496 de- 
eima sexta augusti baptizata est Fronica, filia Philippi wiß et Fronice 
[1. Elgin], 8uc legittime. [fol. 100] Anno 1497 vicesima quarta septem- 
bris vxor Philippi wiß peperit tili um nomine Erbau, quem de bap- 
tismo suseepit Erban tageil, officialis in Irrlenbach 25. eiusdem. 
Ludwicus eorum filius natus 4 l * nouembris anno 98 in 128 [foL 128: 
Anno 1498 quarta nouembris et dominica die natus ex Philippo weiß 

et eius uxore Ludwicus, quem suseepit de baptismate doctor 

Ludwicus de paradiso, scultetus hie] [fol. 150] Katherina, filia Phi- 
lippi weiß, nata est, vt arbitror, de mense martij, videlicet die 

anno 1500. 

Philipp Weiss §. 177. 183. 185. 
Katharina seine Hausfrau §. 185.] 

Philipp Weiss (nach Fichard: mit dem einen Auge) gehört 
einer anderen Linie des Rebstock'schen Zweiges der Weiss von Lim- 
purg an. Er war ein Sohn Conrad'» zu Löwenstein und seiner 
Gemahlin Agnes von Hengsberg. (Agnes Weissin zu Loewenstein 
Wittwe §. 185.) Der Name seiner Gattin ist nicht zu ermitteln. Job 
nennt sie oben bald Elgin, bald Fronica, bald Katharina, bald Iässt er 



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- 203 - 

ihren Namen aus. Ihren Zunamen kennt er nicht Fichard will wissen, er 
sei in erster Ehe mit Veronika (unbekannten Geschlechtes), seit 1510 mit 
Elisabeth Schwarzenberger verheirathet gewesen. Doch ist er selbst 
geneigt, eine Verwechslung mit Veronika aus München, der Frau 
Jacob'», anzunehmen, und bemerkt, dass die Genealogien zu Anfang 
des XVI. Jahrhunderts oft verworren und dunkel seien. Am leichte- 
sten konnten Verwirrungen bei einer so vielvcrzweigten Familie, 
wie den Weiss von Limpurg eintreten. 14 J 



14 Der Herausgeber bemerkt hui Schlüsse, dass der im Manuscripte schwan- 
kende Gebrauch der grossen Buchstaben bei Vor und Gcschlechtanaraen nur 
bis zu §. 30 des Textes beibehalten, von da aber noch während der Revision 
des Druckes nach einer Testen auf die Schreibart jener Zeit gegründeten Regel 
geordnet worden ist. 



Berichtigungen. 

S. 61. Z. 13 von oben ist statt 1479 zu leson 1478. Vergl. §. 274. 

S. 124. Z. 7 von oben: „Kryngin horingen, syn busfrawe, Karies anfrawe." 
Die ersten Worte bilden im Manuscripte bis husfrawe eiue Zeile; Karies an 
frawe steht am Schlüsse der folgenden Zeile und ist irrthümlich als Appo- 
sition zu dem Vorigen gezogen worden : Job bat nämlich wie öfter den Raum 
zur Ausfüllung des Namens frei gelassen, der ihm beim Schreiben nicht gegen- 
wärtig war. Karl Hjnsperg's Ahnfrau hiess nach §• 270 Aunu und war die 
Wittwe Wigand Beringen's ; sie starb am 28. October 1497 ; ihre Töchter waren 
Guttgin Beringen, vermählt an Karl Bynsberg den Vater, unseres Karl Byns- 
berg's Mutter (f 1500, 16. Dec. §. 86), und die obenerwähnte Kringin Beringen, 
vermählt mit Ort zum Jungen, den Aelteren, die mithin Karls Tante war 
(t 31. Juli 1499, §. 287.)- 



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f 

hlechtes. 



1. Jost. 

geb. 8. Aug. 1404. 
t nach drei Wochen 

(B. §. 57). 



2.* 

M.62). 
geb. V. §• 62). 
Rathsc 
Schöff« 
f 22. • 

a) 19. 
Hei 

(B. 

b) 7. 1 
Joh 



7. Adolf. 

geb. 16. Juli 1413. 
t nach 7 Wochen (B.§. 



8. Gele. 

geb. 20. Oct. 1414. 

t unverändert (B. §. 64). 



Jungen Frosch, oder Eisgin. 

geb. 6. April 1432 (B. §. 76). J (B. §. 80). 
F^thsmann 23. April 1467, sagt §. 81). 

fiithssitz auf 1. Mai 1475 (B. §.;is8 zum Wedel. 
1 13. Mai 1481 (B. §. 93). 1461 (B. §. 80). 

15. Jan. 1459 Katherine, Joh. LeyJonradGarä(B.§.81). 

mann's Tochter, Jacob Geu 

Wittwe (B. 86). 

t 6. October 1500 (J. §. 88). 



6. Bernhard, der Alt«, inn 
Hör. 

geb. 11. Februar 1446 (B. §. 82). 
Rathsmann 23. Jan. 1476 (B. §. 113). 
f 6. Dec. 1482 (B. §. 124). 
19. Sept. 1466 Elgin, Conrads von 
Holzhausen Tochter, 
t 19. Dec. 1501 (J. §. 70). 



1. Aim. 2. Job I. 

reb.ll.0ct 1459. geb. 12. April 



t 31. Mira 1461 

(B. §. 88). 



1461. 
f 8 Juni 1461 
(B. §. 89). 



-una IL 

.2. Aug 
474 

§. 99). 



7. Afra. 

geb. 19. Dec. 
1476. 
(B. §. 100). 



len den Schleier zu den 
senfrauen 6. Aug. 1494 
(J. §. 72). 
Aug. 1494 (J. 73). 



9. Conrad zum Wix- 
Hof. 



8. Martha. 

geb. 30. Juli 
1478 (B.§. 101). geb. 6. April 1481 
t 1514. (B. §. 102). 

1. Juli 1495 Aufenthalt in Augs- 
Carl Hynsberg bürg u. Venedig 1493 
(J. §. 81). bis 1498, in Nieder- 
deutschland seit 1498, 
1501 in Antwerpen 
(J. §. 10 u. §. 87). 
f 1610 unverheiratet 



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Die Strassen der Prankenfurt. 

Von Dr. Friedrich SchariT 
(Mit einer Karte.) 



Unter demselben Blau, Ober dem nämlichen Orfin 

Wandeln die nahen und wandeln vereint die fernen Geschlechter. 

Schiller. 

Vor wenigen Jahren noch begann man die Geschichte unseres 
Landes mit den Nachrichten, welche die Römer über dasselbe unB 
hinterlassen. Was über diese Mittheilungen hinausreichte lag in 
dunkler Nacht Erst die Neuzeit hat Mittel und Wege aufgesucht 
diese Dunkelheit mehr und mehr aufzuhellen. Die Beschaffenheit 
der Bodenverhältnisse musste ebensowol dazu dienen, wie die Er- 
zeugnisse des menschlichen Fleisses, welche von dem aufmerksamen 
Beobachter an's Tageslicht gezogen wurden. Bis auf den Grund der 
Sumpfe und der Seen erstreckte sich die emsige Forschung, und so 
ist allmälig dem überraschten Blick eine neue Welt entstanden, ein 
Volk, das sein Dasein fristet, und mit Annehmlichkeiten zu umgeben 
sucht, ohne die Bearbeitung der Metalle zu kennen. Aus der Zu- 
sammenstellung solcher Gegenstände mit den Bodenverhältnissen, 
unter welchen sie begraben waren, hat man die Gewissheit erlangt, 
dass die Anwesenheit der Körner in Deutachland als eine spätere und 
jUngere Zeit zu betrachten ist, dass vor derselben eine, wenn auch 
bescheidene Cultur vorhanden gewesen. Von den Römern mag die- 
selbe verachtet und ausser Berücksichtigung geblieben sein; für uns 
aber ist sie von hohem Interesse. 

Wenn wir die Bodenverhältnisse unserer Gegend beachten, sc» 
kann darüber gar kein Zweifel bleiben, dass der Main in vorgeschicht- 
licher Zeit weit höher geflossen, wie jetzt Wir finden seine Ge- 
schiebe, den schwarzen Kieselschiefcr des Fichtelgebirgs, den rothen 
Sandstein von Miltenberg, den Gneis von Aschaffenburg weit oben 
um den Sachsenhäuserberg her, auf dem Kesselbruch bis nach 



— 206 - 



Isenburg hin. Unterhalb des Sachsenhäuserbergs, westlich , hatten 
die Gerölle sich hoch aufgelagert, sie bilden noch jetzt vom Forst- 
hause über die Helle im Schwanheimerwaldc bis nach der Schweden- 
schanze hin, und weiter, einen steilen Wall, welcher nach dem Main- 
thale abfällt. Von den Quellen und Bächen, z.B. der Königsbach, ist 
er allmälig ausgespült, der Sand hinabgeführt worden. 1 Auch auf 
der rechten Mainseite finden wir den unterhalb der Bergerhöhe und 
dem Bornheimer Galgenberge abgelagerten Mainsand über den gau- 
zen Röderberg hin, zum Theil in tiefen Gruben. Auch hier ist er 
von Quellen und Gewässern an verschiedenen Stellen hinabgetrageu 
worden nach der jetzigen Mainebene, hauptsächlich dies von den 
Bornheimerquellen , zwischen dem Buchwald und dem Altenberge 
hinab nach dem Bruch. 

Es mag eine lange, lange Zeit dahingegangen sein, bis der Main 
in der Höhe floss, in welcher jetzt die Seehofquellen liegen. Bei der 
Fassung dieser Quellen fand man Spuren des thierischen Lebens 
aus jener Zeit. In der Schlucht, welche durch diese Quellen aus- 
geschwemmt worden, hatten die Gewässer sog. vorweltliche Thiere 
gelandet, im Sande und Schlamm begraben. 

In noch jüngeren Zeiten durchzog der Main, tiefer im Thal, ein 
sumpfreiches Land; sein Lauf war ein wechselnder, ein mannichfach 
verzweigter. Südwärts bog bei Mühlheim ein Arm ab, zog in der 
Richtung der Klingewiese nach der Kuhmühle bei Bürgel, wo er sich 
mit dem Hauptstrom wieder vereinigte. Auf der damaligen Insel 
findet sich noch jetzt der Entensee und der Altmainweg, welche 
Mainarme andeuten. Hochwasser haben diese Gegend öfter schon 
an die alten Bodenverhältnisse erinnert. Aehnlich so war da« Thal 
bei Sachsenhausen beschaffen; auch hier tritt der Main bei 16 oder 
18 Fuss Höhe in die alten versumpften Mainesarrae; dies war zuletzt 
der Fall am 7. Februar 1862. Ein breiter Strom zog von der Ger- 
bermühle, ein anderer zweigte etwas weiter oben von dem Haupt 
Auas ab; hie und da mit einander verbunden, flössen sie nahe an 
Oberrad vorüber und vereinigten sich am Fusse des Mühlbergs. Die 
ganze Mainebene vom Mühlberg bis hinüber zum Bornheimer* und 
Röderberg war, fast ohne Unterbrechung, überfluthet. Das Wasser 
bespülte die Oberräder Chaussee, überzog die Wiesen und Gärten. 
Nur die alte Strasse, welche von Sachsenhausen nach dem Hainer- 



' Vergl. die Mittheilong über die Gerölle des untern Mainlaufs im Nottz- 
blstt des Mittelrheinischen Oeol. Verein» 1862. Nr 2. 



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- 207 - 



weg führte, ebenso die neuere erhöhte Chausee lagen trocken, weiter 
unten , beim Apothekerhof, traf man wieder auf Waager im alten 
Mainarm. Dieses alte Mainbett fuhrt über die Wiesen beim Riedhof 
nach dem hohen Steg, und ist wieder bemerklich vom Sandhof nach 
Niederrad, bis zum Rothenhamm hin. Am unter enMaine zeigen sich 
noch andere alte, jetzt versandete Flussarme bei Schwanheim und 
bei Rüssclsheim. Schwerlich war es der ganze Main, welcher vor 
Zeiten dort südlich abbog, es war nur ein Arm. 

Auch auf der rechten Mainseite flössen nicht wenige Mainarme 
von dem Hauptstrome ab. Von der Braubach her zog ein solcher 
der Bergerhöh entlang bei Bischofsheim und Seckbach vorUber, 
bedeckte die Wiesen zwischen dem Röderberg und Riederspiss 2 und 
verband sich mit dem Hauptstrom über die Hanauerchaussee hin. 
Diese bezeichnet noch jetzt die höchsten Punkte, welche als Inseln 
aus den Hochgewässern heraustreten. Bei dem Brückchen in der 
Nähe des Hanauer Bahnhofs hatte dieser Mainarm bei dem Wasser- 
stand im Februar 1862 noch 60 bis 80 Fuss Breite. Er vereinigte 
sich weiterhin mit dem Hauptstrom, Uberfluthete so das Fischerfeld, 
zweigte wieder ab nach dem Rechneigraben und war im Innern der 
Stadt in der Richtung des alten Mainarmes, oder der grossen An- 
tauche, bis zum Hirschgraben hin zu verfolgen. Zum letztenmale 
wahrscheinlich hat im Jahre 1784 dieser grosse Mainarm wirklich 
geströmt Damals brach er durch die Braubach über die Niederung 
herein, kam plötzlich nach BischofBheim hergeschossen. Auch diese 
Maininsel war nochmals von einem zweiten Mainarm durchzogen, 
welcher oberhalb Fechenheim nach den Riederhöfen floss. Unterhalb 
Frankfurt ist auf der rechten Mainseite noch eine ganzo Zahl von 
Flussarmen zu bezeichnen, die über die Wiesen der Kettenhöfe, 
durch das Hellerhöferfeld und Gutleuthöfer Geländ zogen. Sie bildeten 
Sümpfe zwischen dem Maine und der Nidda. Der Wald reichte bis zur 
feuchten Niederung herab; mochten die Gewässer in der wärmeren 
Jahreszeit mehr abgelaufen sein, so boten die Sümpfe und Torf- 
moore weder einen Platz zu Wohnungen, noch festen Grund zu 
Strassen. Es war am ganzen Untermain kaum eine Stelle zu finden, 
wo zu allen Zeiten ein Uebergang über den Main zu bewerkstelligen 
gewesen. Entweder auf dem einen Ufer, oder auf dem andern, oder 
auf beiden war morastige Niederung. 

Auch der stolze Rhein war damals noch unzugänglich. Wie vie- 
ler Jahrtausende bedurfte es, bis er Sand und Schlamm genug herab- 



» Der „Riederspiss" ragte als „Spitze" ans den Gewässero. 



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I 



— 208 - 

geführt und sich ein angemessene« Bett geschaffen. Blicken wir heut 
zu Tage von der Höhe bei Altstätten hinab, so sehen wir die vielen 
Ortschaften des oberen Rheinthals an den Fuss der Berge ange- 
schmiegt, während das weite, grüne, vielfach noch versumpfte Flach- 
land kaum ein Häuschen aufzuweisen hat Das Rheinthal zwischen 
Odenwald und der Haardt ist zwar viel mehr schon angebaut, aber 
auch da bemerken wir in der Ebene zahlreiche Wiesengründe lang- 
gestreckt, in Schlangenwindungen das Rheinthal durchziehen; sie 
verzweigen sich, verschwinden und kehren wieder. Man hatwol die- 
ses tiefer gelegene Land als das ehemalige Bett des Neckars gedeu- 
tet, so wird z. B. eine Gegend bei Crumstadt noch bezeichnet ; mög- 
lich aber bleibt es doch, dass der Rhein selbst hier in vielfacher 
Verzweigung sein Wasser dahingewälzt, dass es langer Zeiten be- 
durfte bis die Rheinarme aus Fluss und Sumpf zu Wiesen, all mal ig 
selbst zuAeckern umgewandelt worden sind 3 . Als der Taunusabhaiig 
bereits einer gewissen Cultur sich erfreute, herrschte südlich der 
Nidda bis zum Odenwald und der Haardt hinüber noch die Wildnis 
und das Wild. Noch heut zu Tag staut der Rhein bei Hochfluthen von 
5 bis 6 Meter den über Trebur und Wallerstädten eingedeichten 
Schwarzbach an, und überschwemmt die breite, zwischen den Deichen 
liegende Niederung von Ginsheim bis Gross-Gerau 4 . 

Es mag nicht ganz unwichtig sein, der alten Gränzen der Drei- 
Eich hier zu gedenken Diese umfasste das ganze Sumpf land zwischen 
Rhein, Main und Nidda. Der Main zog auf der Strecke von Nidda 
bis zur Braubach bei Hochstadt, inmitten des Wildbanns der Drei- 
Eich. Von Vilbel, auf der Nidda-Brücke, ging die Gränze über die 
Höhe nach der Braubach bei Hochstadt B , dem Maine hinauf bis 
Ostheim, am Odenwalde westwärts über den Otzberg 6 , der Modau 



3 Vergl. Kriegk, Beschr. der Umgegend v. Frankf. im Archiv f. Frankf. 
Gesch. u. K. 1 Heft S. 24. 25. 

♦ Vergl. R. Ludwig in dem Beiworte zur geologischen Specialkarte des 
Grossh. Hessen, Section Darmstadt 

» Es war dies eine willkQhrliche Abgränznng, keine natürliche. Der alte 
Weg zieht jetzt nicht mehr durch „Hochholz". Getraide bedeckt die ganze 
Breite der Höhe, zum Theil auch, südlich der „hohen Strasse", die Mulde des 
früher tief ausgefahrenen Weges selbst Weiter östlich zieht eine „Landwehr 1 * 
io der Richtung nach Niederdorfelden und auch ein „Eselsweg". Es scheint 
diese Abgrenzung älter zu sein, als der auf dem linken Niddaufer liegende 
Theil von Vilbel ; sie schneidet diese Ansiedelung mitten durch. 

« „Mitten über den Thurm zu Odiaberg" heisst es in einer alten Abschrift 
dos Drey-Eicher Weisthums. (Mglb. A. Nr. 48. V. modo C. C.) 



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209 



herab nach Stockstadt am Rheine, diesem hinab zur Mainesrotindung. 
Das Wichtigste und Wesentlichste in der Drei -Eich war der Wild- 
bann, nicht die Bodencultur. So ist es erklärlich, dass der grösste 
Theil dieser Strecke in historischen Zeiten dem Könige zugehörte, 
dass Kirchen und Adel darin frühe die Herrschaft und reichen Be- 
sitz errangen, während in dem Marken land nördlich der Nidda die 
Sitte und das Recht des Urbewohners, der zuerst den Wald umge- 
rodet und das Land urbar gemacht hatte, in weit höherem Ansehen 
blieb, und nur ganz allmälig und langsam durch List und Gewalt 
unterdrückt werden konnte. Um den Taunus hielten die Dorfbewoh- 
ner Flur und Wald als ihr Eigenthum, sie machten dies geltend 
noch in späteren Zeiten. 

Pfahlbauten sind bis jetzt mehr in den Sumpfen und Seen des 
nördlichen und des südlichen Deutschlands gefunden worden ; ich habe 
solche bis jetzt vergeblich in unserer Gegend , bei Biscbofeheim , bei 
Seckbach gesucht. Es ist wahrscheinlich, dass die grosse Verschie- 
denheit des Wasserstandes in Flüssen sich weniger zu derartigen 
Bauten geeignet hat. 

Man hat an verschiedenen Orten des Mainthals in alten Grab- 
hügeln Menachenknochen gefunden; die Kunstgegenstände, welche 
ihnen beigegeben waren, beweisen, dass sie aus verschiedenen, meist 
verhältnissmässig späteren Zeiten stammen. Die Hügel am Taunus, 
z. B. bei Stedten, waren wol früher aufgeworfen als die im Frank 
ftirter Stadtwalde. Es ist natürlich dass sie nur im Walde sich vor- 
finden, denn einestheils wurde für solche Begräbnissstätten nicht das 
Tiefland, die Wiesen ausgewählt, sondern der hochgelegene trocknere 
Boden des Waldes; anderntheils sind sie zerstört worden, überall 
wo der Pflug hindrang, so an den Heidengräben bei Oberursel, so 
auch bei der Babenhäuserstrasse als vor einigen Jahren der Wald 
daselbst gefällt und nach neueren Principien angelegt wurde. Im 
Jahre 1036* wurden andere altdeutsche Grabhügel im Diatrict Königs- 
haide geöffnet Nach dem darüber aufgenommenen Protocoll des 
Herrn Dr. Jung' fand mau ein Skelett mit dem Gesicht nach unten 
gekehrt, dabei Holzkohlen und einen kupferneu Ring; drei bis vier 
Schuh tiefer ein zweites Skelett mit dem ersteren kreuzweise liegend, 
aber auf dem Rücken. 

Es ist leider nicht mehr möglich, eine Uebersicht herzustellen 
über die in unserer Gegend vorgefundenen Grabstätten. Die meisten 



» Frankf. Jahrbücher VII. 1836. S. 263. 

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... 210 - 

< 

sind geöffnet worden ohne Plan und Sorgfalt; die Gegenstände 
welche man darin fand, sind herausgenommen und zum grösaten 
Theil verschleudert; der Nachweis woher die Reste stammen, ist 
meist verloren gegangen und nicht mehr zu ersetzen 8 . 

Wie das Wasser in den Sümpfen die Ansiedlungen der Bleu 
scheu verhinderte, ebenso gesucht war es in seinem lebendigen Lauf. 
Es bot Speise in den Fischen, Trank in den klaren Fluthen. Die 
Bäche welche von den Bergen herabeilten, zogen durch Wälder, 
welche das Material zu den Wohnungen und zu Wärme gaben, und 
eine reiche Jagdbeute. An dem Fusse der Berge befeuchtete es die 
Wiesen, fanden sich gar noch Salzquellen und heilende Thermen in 
der Nähe, wie bei Soden oder Wiesbaden, so war dem Menschen 
das Nöthigste geboten. Nicht die Bergkuppen, sondern die Quellen 
waren frühe benannt, sie luden den vorüberziehenden Wanderer zur 
Rast, sie erquickten täglich den Hirten mit der Heerde. Nach der 
Quelle wurde dann erst der anliegende Berg im Taunus bezeichnet; 
an dem Hasselborn liegt der Hasselberg, mehr nur eine Bergseite 
als ein wirklicher Berg; am Sangeborn erhebt sich ein Hügel, der 
Sangeberg, und am Klingenborn, an der Klingenruh vorüber, zog 
der Weg nach der Höhe des Klingenbergs. Der Name Dalbesberg 
kommt in Urkunden nicht vor, es findet sich statt dessen stets die 
Bezeichnung: Masebörnerberg, vom Maassborn oder Mäusborn, der 
gegen Norden hervorquillt 9 . Weiter abwärts, wo die klaren frischen 
Bäche aus dem Gebirge heraustreten, siedelten sich die ältesten Be- 
wohner des Landes an. 



* Es fehlt ans ein Museum, in welchem die Erinnerungen, welche aus der 
Vorzeit uns erhalten sind, aufbewahrt werden könnten. Sie gehören nicht in 
den Raritütcnkasten einer Bibliothek oder in die Gelasse des Römers; sie wer- 
den dort nimmer die nöthige Pflege und Bearbeitung finden können. Wer 
unsere Vorzeit studiren will, muas sich nach Mainz oder Wiesbaden wenden. 
Ist Frankfurt zu arm, ein Museum seiner merkwürdigen Vorzeit zu gründen? 
In Köln hat ein patriotischer Bürger durch würdige Herrichtung einer solchen 
Stätte sich selbst ein ehrendes Denkmal gesetzt. Man tröstet damit, dass, wenn 
einmal die eine oder andere öffentliche Anstalt verlegt würde, sich dort wol 
einige Säle für den Zweck finden sollten. Indessen sind neuerdings wieder bei 
Aufhebung der Zünfte die interessantesten Gegenstände, weil ein solches Mu- 
seum fehlt, verschleudert worden. (Vergl. Dr. Römer, Beiträge Nr. 40 auf 8. 56.» 

» Leider sind jetzt die schönen Quellen des Taunus zum grossen Theil ver- 
sumpft, wenn sie nicht, wie der Buchborn, der Drcimühlenborn und der Sange- 
born, an einem betretenen Pfade liegen. Ks entfernt jetzt Niemand das wuchernde 
Moos und das fallende Laub, Niemand sorgt für diese vergessenen Wohlthüter 
der Gegend, Ihre Namen verklingen, wie die der alten Wege und Plätze. 



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— 211 - 



Die Ortschaften wurden — wie in dem früheren Aufsatz: „Die 
hohe Mark im Taunus", bereits angedeutet Worden — meist nach der 
Bach genannt, wie die Berge nach der Quelle. Gerade solche Namen 
scheinen die ältesten Ortsnamen der ganzen Umgegend zu sein: 
Erlenbach, Eschbach, Schwalbach, Sulzbach, Kalbach oder Kalte- 
bach, Seckbach. Die meisten dieser Ortschaften boten noch vor 
wenigen Jahren das ächte Bild einer Taunusortschaft dar: die Häu- 
ser der Bach entlang mit ihrem Gehöfte, von Obstbäumen beschattet; 
zu beiden Seiten der vielfach überbrückten Bach ein Fahrweg, 
an welchem Erlenbäume und Rüstern. Häuser, Bach und Bäume 
bildeten zusammen ein Ganzes, das grüne Laub verband das Ganze 
zu einem freundlichen Bilde. 

Ebenso bedeutend, vielfaeh aber erst später entstanden, scheinen 
andere Ortschaften gewesen zu sein, welche als Städte bezeichnet 
sind, wie Stedten, Heckstadt, Ockstadt, Stierstadt; von geringerer 
Bedeutung und späteren Ursprungs aber die Ortschaften, deren 
Namen mit „hausen" oder „heim", oder mit „hof" zusammengesetzt 
sind. Diese mögen in der Regel nach einem Erbauer oder Inwohner 
genannt worden sein, wie Eschers-hcim, Ecken-heim, Heuchols-heim, 
Contzen-heim, Willkomms-hausen. Es scheinen diese „städte" keines- 
wegs bedeutender gewesen zu sein, wie die nach den Bächen benannten 
Niederlassungen; sie sind auch in der äusseren Erscheinung nicht 
von diesen im Wesentlichen zu unterscheiden, so z. B. Stierstadt von 
Steinbach. Stedten (zu den statten, oder auf den statten) hatte, wie 
andere Niederlassungen, ein Mittel-Stedten und Nieder-Stedten ; es 
liegt — wie die anderen Ortschaften des Taunus — der Bach ent- 
lang, unterhalb des höher gestellten Kirchleins. Im Laufe der Zeit 
haben sich die bedeutenderen Ansiedlungeu weiter ausgedehnt; es 
wurden die Zweigdörfer mit der Bezeichnung ober-, mittel- und 
nieder- näher bestimmt. Die Absiedlungen zogen vom Fuss der Höhe 
an den Bächen abwärts, nach der allmälig entsumpften Ebene. Von 
den drei Ursell — nach der Schcllbach benannt — hat Ober-Ursell 
stets den ersten Rang eingenommen; ebenso ist Ober-Erlenbach älter 
als Nieder-Erlenbach. In ersterem sind die Hofraithen von der Bach 
nach der Anhöhe hinauf dicht zusammengedrängt; die Kirche oben, 
weithin sichtbar, ist von einem alten Mauerring umgeben, ähnlich 
wie in anderen sehr alten Niederlassungen unserer Gegend, z. B. in 
Hochstadt. Nieder-Erlenbach aber, an breite Strassen gebaut, besteht 
zu grossem Theil aus adlichen oder herrschaftlichen Höfen. Ersteres 
ist auf dem Boden erwachsen , letzteres ist angelegt; es erhielt erst 

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- 212 — 



im Jahre 1376 einen Schultheiasen und Schöffen 10 . Bei andern gleich- 
benannten Dörfern mag es sehwer sein Vermuthungen über ein 
höheres Alter zu begründen. Es finden sich am südlichen Taunus- 
abhang zwei Holzhausen, das eine später auch Burg-Holzhaus« n 
genannt " , das andere Dornholzhausen oder Dorreholzhausen, 
frühe schon verlassen, ausgegangen. 

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass im mittleren Deutschland 
der südliche Abfall des Taunus mit am frühesten bewohnt wurde: 
wir finden aber in anderen benachbarten Gegenden die Art und 
Weise der Ansiedluugen durchaus übereinstimmend mit denen des 
Taunus. Auch im Odenwalde sind es wol die ältesten Wohn platze, 
welclie am Fusae des Höhenzuges, da wo die klaren Bäche aus dem- 
selben hervortreten, sich an diese anschmiegen: Alsbach, Bickenbach, 
Auerbach, Lantenbach, Hemsbach, Sulzbach und weiterhin Rohrbach, 
im Innern des Odenwaldes Erbach, Elsbach, Ellenbach, Erlenbach, 
Crumbach, Brombach, Wallbach, Lützelbach, Assbach, Kehlnbach. 
Ebenso liegen an der Haart, auf der linken Seite des Rheins: 
Musbach, Hambach, Eschbach u. a.; übereinstimmend hiermit mögen 
auch die Verhältnisse des Spessharts bezeichnet werden; auf der 



" Urkunde auf Pergament mit 2 Siegeln von Wachs, Mglb. E 42. Nr. 2 
„Wir Karl von Gottes Guaden Römischer Kaiser zu allen Zyten merer des 
Rychs und Königzu Beheym, bekennen und tun kunt oflfenlich mit diessem brieffe 
allen den die yne sohent oder hören lesen, wenn wir dem Dorffe zu Nydern 
Erleobach by nnfi und des Ryches Stadt zu frankenfurt uff dem Meyne ge- 
legen, Do Inoe grosser gebrest gewcat ist und noch ist, das nicht Schultheißen 
und Scheffen, do bißher gewest sin, Des haben wir mit wole bedachtem mnte 
rechter wissen und sunderlichen Gnaden, den Burgermeistern den Scheffen und 
Rate der egenanten Stadt zu franckenfurt, unser und des Rychs lieben ge- 
truwcn , die gnade getan, und tun mit crafft diess brieffs , das sie forter mer 
Schultheissen und Scheffen doselbs zu Nydern Erlebach setzen sullen und mo 
gen als dicke des noit ist, uff dasJdermanne gerichfs recht do widderfare und 
das die egenanten von Franckenfurt In dem vorgenanten Dorffe und ge richte, 
tun und lassen, brechen und buseen mögen und sullen zu allem Jren nutze und 
dinste wer sie daran hindere oder widerspreche Jn Dheinenweiss der ist ver- 
fallen mit fnnffzig marg lodiges goldes, Das halb Jn unft und Des Rychs Cam- 
mer, und das andere teile der egenanten Stadt zu franckenfurt werden und 
gefallen sal (mit Urkunde diß brieffs versiegelt mit unser Kaiserlichem mateatadt 
Jngesiegele, geben zu Franckenfurt uff dem Meyne nach Christus geburte 
Drytzehcnhundert Jare darnach in dem sechs und siebentzigsten Jare an sant 
Johannes Dage des H. Teuffers etc. 

11 Dies llolzhansen, wol jflnger als das benachbarte Ober-Erlenbach , ist 
eine der wenigen Ortschaften, welche an der uralten Mainzerstrasse nach Butz- 
bach (Weinstrasse) gelegen sind. Diese überschreitet hier die Erlenbach, windet 
sich an dem Östlichen Ufer hinan, und zieht bei der Kirche nordwärts. Die 
Wobnstätten sind vielleicht jünger als die Strasse. 



— 213 - 



Höhe die alten Ortschaften (des dunklen Spessharts) nach der 
Quelle benannt, wie Rohrbrunn und Roasbrunn; weiter abwärts nach 
der Bach bezeichnet: Frömmersbach, Krausenbach, Bessenbach, 
Gailbach, Morsbach, Feebenbach und Röllbach. Unterhalb Soden 
liegt auch dort ein Sulzbach, und Aschaff erinnert an Walluff 
(Waldau). Die Aschaff (Aschen- oder Eschen-awe) gab wieder ver- 
schiedenen Ansiedlungen einen Namen, wie Waldaschaff, Mainaschafl 
und — wol viel später — auch Aschaffenburg; ebenso findet sich 
auch ein Ober-, Mittel- und Nieder-, wie bei Gersprenz, bei Ostern, 
bei Keinsbach und bei Kinzig <a . 

Der Verkehr der Anwohner der Höhen war in jenen alten Zei- 
ten wol kein ganz unbedeutender, wir finden häufig die Ortsnamen 
hier und dort ganz gleichlautend: so ein Heuclielsheimerfcld bei 
Homburg, ein Heuchelheim bei Echzell, ein anderes bei Hadamar, 
noch eins bei Worms und eins bei Giessen, ein Hochelheim bei 
Gross- Linden und bei Nassau; um den Taunus her liegen vier oder 
fünf Ilolzhausen, ein Eschbach liegt bei Homburg und bei Nastädten, 
ein Aschbach im Odenwald, ein Kalten- Esch bach bei Usingen, ein 
Schwalbach bei Cronberg, und Langen-Schwalbach auf der Nordseite 
des Taunus; ein Steten bei Ober-Ursel, ein zweites bei Runkel. 
Auch in der Bezeichnung der Bäche selbst fällt diese Wiederholung 
auf, wie der Name Criftel, mit den Ortschaften Cröftel, Okriftel am 
Maine, und ähnlich Cröftelbach, CrafVSolms an der Solms, welche 
bei Braunfels vorüberfliesst. Auch für den Odenwald Hessen solche 
Zusammenstellungen leicht sich auffinden, z. B. in den verschiedenen 
Erlenbach und Laudenbach oder Lauterbach. 

Wenn wir diese Art und Weise der ersten Ansiedlungen berück- 
sichtigen, können wir die ältesten Verkehrsstrassen unserer Gegend 
nicht in der süd-nördlichen Richtung aufsuchen. Weniger der Main, 
als wol die Sümpfe des Maines unterbrachen diese Richtung; die 
Taunusbewohner verkehrten über die Höhe und entlang derselben 
von einer Ansiedlung zur andern ; sie gelangten so nach Wiesbaden 



i* Eigentümlich ist die Benennung von Amorbach, wie die Sage geht 
nach dem Heiligen Amor benannt. Die Kapelle dieses Heiligen liegt aber 
nicht im Hauptthal, sondern in einem kleinen Seitentbälchen, über einer uralten, 
als heilig bezeichneten Quelle. Manches lässt darauf schliessen, dass der Heilige 
selbst nach dem Thal benannt worden, in welchem er vorzugsweise wirkte. 
Wir finden in anderen Germanischen Landestheilen mehrfach den Namen Ammer, 
so im Eisaas Ammerschwier und der Ammergau iu Baiern, auch ein Wüst- Amor- 
bach bei Umstadt. Im J. 714 soll die Capelle von dem h.Pirminius gegründet, 
die Abtei Amorbach erst i. J. 734 gebaut worden sein. Vergl. über die Quelle : 
Decker, die Quellen im Odenwald, Archiv für heas. Gesch. VII. S. 186. 



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I 

- 214 - 



und Mainz, von dort nach der Haart; ostwärts nach dem Spesa- 
hart, von diesem nach dem Odenwald. Wahrscheinlich war bei 
Mainz « wo die Hügel am meisten nach dem Rheine vortraten , die 
älteste Ueberfahrt über diesen Theil des Flusses. Oberhalb und un- 
terhalb wehrten Sümpfe. 

Die Orte welche denUcbergang über einen Bach, einen Sumpf, 
einen Fluss anzeigen, sind für die vorhistorische Zeit von grosser 
Wichtigkeit. Sic weisen auf die Wege und VerkehrBstrassen Hin, 
deren die damals Lebenden sich bedienten. Bei kleineren Flüssen 
zogen die Wege nach Brücken, bei breiteren nach Furten. Brugg 
im Aargau verdankt seine Entstehung der tiefen und schmalen Rinne, 
welche die Aar daselbst in die Felsen eingeschnitten; Baumstämme 
reichten hinüber bis zum andern Ufer. Bei Osnabrück treten die 
Hügel, welche das Thal derllaase begrenzen, enger zusammen; hier 
war es leichter den Sumpf und den Bach zu überbrücken. 

Der Main mit seinen Hochwassern und dem mächtig drängen- 
den Eisgänge duldete keine kunstlos errichtete Holzbrücken, bei ihm 
vorzugsweise finden wir die Furten. Es sind dies breite, ruhige 
Stelleu des Flusses, bei welchen man bequem zum Ufer des Flusses 
gelangen, und ruhig und gefahrlos über denselben fahren konnte. 

Es ist von Batton die Vermuthung ausgesprochen worden, dass 
bei Frankfurt eine seichte Stelle des Maines gewesen, an welcher 
die Heere leichter durch den Fluss geführt werden konnten. Am 
Fahrthore sei eine Furt für Nachen gewesen, ein seichterer Ueber- 
gang aber am Lconhardsthorc. Fichard bemerkt dazu, dass an der 
Furt in Saeliscnhauscn keine Häuser gestanden, desshalb Sachsen- 
hausen wol jünger als Frankfurt, nach der Herstellung einer Brücke 
erbaut worden. Auch Kirchner — Geschichte der Stadt Frankfurt — 
beschreibt eine Furt als eine „seichte Stelle des Flusses" um „schaa- 
renweise a überzugehen. Allein bereits Dr. Kriegk — im Archiv N. F. 
1. S. 81 — bezieht die Bezeichnung „Furt" nicht auf die Seicht- 
heit einer Flussstclle, sondern auf die Gangbarkeit, Durchfahrbarkcit 
derselben, der U ebergang über den Fluss habe daselbst hergestellt 
werden können. 



13 Auch in diesem Namen finden wir, ähnlich wie in den Ansiedelungen an 
den Bächen des Taunus, den Flussnamen wieder, vielleicht Mainsiel oder Maines 
Knde. Mainz erhob sich dicht am Ufer des Rheines, die Römer bauten — wol 
erat später — oben anf don Höhen. Aus Mainz oder Moinz ist Mojrunz ge- 
bildet worden, nicht umgekehrt Zu vergl. Kriegk im Archiv L S. 86. 




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- 215 - 



Wir finden am Maine verschiedene Orte als Furten bezeichnet: 
Krankfurt, Lengfurt, Ochsenfurt, Schweinfurt, Hassfurt Diese mögen 
zum Theil localen Bedürfnissen ihre Entstehung verdanken; da die 
HauBthiere in jenen Zeiten, fast noch mehr wie heut zu Tag auf den 
Alpen, eine der wichtigsten Bedingungen des menschlichen Lebens 
waren , ist es ganz natürlich , dass eine Reihe von Ortsnamen auf 
dieselben hinweisst, wie Schwanheim (sonst Schweinheim), Säulberg, 
Ockstadt, Stierstadt. Andere der genannten Furten haben aber dem 
Strassenverkehr gedient, wie Lengfurt und vielleicht auch Trennfurt. 
Das letztere liegt an einer sanften Abdachung des Odenwaldes, in 
unseren Tagen mehrere Minuten vom Main entfernt; es ist nicht 
einmal mehr eine regelmässige Ueberfahrt daselbst Diese befindet 
sich weiter abwärts, bei Klingenberg. Früher mag es anders gewesen 
sein, denn der reissende Strom bei Klingenberg war gewiss kein Platz 
zu einer alten Furt Als die Stadt sich hob, zog sie die Furt 
an sich. 

Oedc war das Land zwischen dem Rhein und dem Bornheimer 

■» 

Berg, wahrscheinlich hat in jenen alten Tagen die spätere Dreieich 
einen Ucbergang Uber den Main nicht geboten. Es fehlten die Ort- 
schaften eben so wol, wie die Verbindungswege. Erst musstc das 
Niddathal angebaut werden, gleichzeitig vielleicht das Kinzigthal und 
der mittlere Mainlauf, viel später stieg dann der Pflug auch in das 
untere Mainthal herab u . 

Wir besitzen aus jenen Zeiten noch Denkmäler, welche uns 
nicht unwesentlichen Nachweis bieten. Es sind dies die Ringwälle, 
deren bereits in dem frühereu Aufsätze „die hohe Mark im Taunus' 4 
gedacht worden ist. Der Gestalt und Anlage nach zu urth eilen, so 
sind die Ringwällc des Taunus, insbesondere die des Altkönigs und 
die Altenhöfe wol die ältesten. Offenbar war es die ^Jatur selbst, 
welche die Anwohner der Höhe auf den Gedanken brachte, in dieser 
Weise sich eine Zufluchtsstätte zu schaffen, bei feindlichen Einfällen 
das Notwendigste bergen zu können. In der geraden Richtung vom 
Altkönig nach dem Hirtzberg liegt eine ganze Reihe von Berggipfeln 
auf denen zusammengebrochene Felsmassen den Anblick von Ring- 
wällen darbieten: die weisse Mauer, der Lindenberg, der Bleibes- 
kopf uud der Marmorstein. Diese Felstrümmer und Rossein sind zum 
Theil wirklich ab Ringwälle bezeichnet und aufgeführt worden ,G , 



>* Vergt. Kriegk, Frankf. Bürgerswiste, S. 236 ff. 

«s So z. B. in der schönen Arbeit Uber Kingwälle von Dr. Knapp, (Archiv 
f. hess. Gesch. II.), bei welcher nur zu bedauern ist, dass der Autor allzuviel 



- 216 - 



doch ist nur der Altkönig mit wenigen andern ausgewählt, ein Ring- 
wall hergestellt und vollendet worden. Bei den übrigen fehlt der 
Zusammenhang des Schutzwalls ebensowol, wie die Beziehung zu 
den daran hin, oder hineinführenden Wegen. 

Grosse Uebereinstimmung mit den Felsmasscn des Taunus bieten 
die Porphyrfelsen des Schwarzwaldes bei Baden-Baden. Dieser Punct 
war, wie Wiesbaden und Soden am Taunus, wol lange vor dem 
Eindringen der Römer bekannt und bewohnt Der Berggipfel des 
heutigen Schlossberga, der Batter, hätte nur geringer Nachhülfe 
bedurft, um zu einem gewaltigen Schutzwalle umgewandelt zu wer- 
den. Die wenigen wallähnlichen Spuren über den „Rasseln" des 
nordwestlichen Abhangs, schmal und ohne Zusammenhang, lassen 
aber nicht auf menschliche Thätigkeit schliessen. 

Ganz anders finden wir es im Spesshart, im Odenwald und an 
der Haart, wo das Gestein zwar weniger in Rossein und in Fels- 
massen zusammenbricht, wo aber, wie im Kinzigthal in der Gegend 
von Orb, dann bei Klingenberg, bei Miltenberg am Main und bei 
Dürkheim a. d. Haart die Ringwälle uns andeuten, welche in alten 
Zeiten die bewohntesten Stellen des Landes, und wo die Verkehrs- 
wege gewesen. Bei allen diesen letzteren Ringwällen, ebenso wie auf 
dem Goldgrubenberg im Taunus, hat weniger die Natur dem Men- 
schen geholfen, mehr die Kunst. Sie scheinen aus den Römerzeiten 
oder aus den darauf folgenden zu stammen. Der ganze Gipfel eine* 
Berges ist umschlossen, ein Raum gross genug, nicht nur die ganze 
Bevölkerung einer oder mehrerer Ortschaften aufzunehmen, sondern 
auch dem Vieh derselben für eine Zeitlang Weide zu bieten Eine 
Quelle habe ich nirgends in solchen Ringwällen gefunden ,T , jhe 
liegen weiter unten im Walde, der ja mit zur Vertheidigung ver- 
wendet wurdje. Den Ringwall selbst, bei einer längeren Belagerung, 
zu vertheidigen , wird bei den meisten unmöglich gewesen sein, da 
der Wall auf dem Schlossberg bei Bürgstadt z. B. über eine halbe 
Stunde im Umfange hat 



auf fremde Augen sich verlassen. Auch 0. Schudt, Homburg v. d.U. und seine 
Umgebung, 1854, spricht von der Heidenmauer auf dem Lindenberge, von dem 
Ringwall auf dem Blcibeskopf. 

» fi Eine Vertiefung auf der westlichen Seite der Altenbnrg bei Cassel an 
der Bieber soll zuweilen Wasser enthalten ; ich habe darin keins vorgefunden. 
Von Hadamar wird berichtet , dass sich in dem Kingwall der Dornburg ein 
Wasser stets mit einer Tiefe von 1'/, Fuss erhalten »olle. Auch vom Ahkonig 
hat man Derartiges fälschlich behaupten wollen. Das wäre aber noch keine 
Quelle, 



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- 217 - 



Alle diese Ringwälle sind so ziemlich nach demselben System 
angelegt; sie umfassen den Gipfel bis zum steileren Abfalle hin; auf 
der Seite, wo der Gipfel eben sich ausdehnt, ist das Werk durch 
höheren Wall und durch Graben verstärkt Daselbst ist gewöhnlich 
der Eingang. Auf dem Kreinberg, oberhalb Miltenberg, ist derselbe 
ziemlich gut erhalten, er führt über grosse Steinplatten, auf welchen 
Wagengeleise tiefe Furchen eingeschnitten haben. Wahrscheinlich 
mit Bäumen wurde er verrammelt; von einem Thore findet sich 
keinerlei Spur. Der innere Wall, wenn ein solcher vorhanden, hat 
gewöhnlich gar keinen Eingang. Diese Sandsteinwälle Schemen 
nicht mit Holzwerk verbunden gewesen zu sein. Sie sind viel steiler 
als die flach zusammengebrochenen älteren Taunuswerke; zunächst 
des Eingangs auf dem Kreinberg ist der obere Theil des Walles 
kaum zwei Schritte breit Eben so ist es auf der „Schanze" bei 
Klingenberg, wol einem der jüngsten aber auch der kleinsten Stein - 
wälle Der Weg dahin führt anfangs auf der Nordseite des Berges 
aufwärts, wendet sich um die östliche Seite, zieht an der tiefen 
Schlucht hin, und biegt von Süden her gegen den SteinwalL Hier 
auf der Eingangsseite sind drei Wälle mit Gräben, einer dicht hinter 
<lcm andern; von dem obersten aus kann man über alle drei hinsehen, 
s. Fig. 1 und 2 



o.t 




Abhang gegen den Main. 




Klingenberg, Durchschnitt der Wälle, westtlich vom Eingang 



— 218 - 

Die Steinwälle der Heidenmauer bei Dürkheim gleichen sehr 
denen auf dem Goldgruben berg des Taunus; sie sind fast durch- 
gängig von grosser Mächtigkeit, besonders auf der flacheren Nord- 
uud Nordweeteeite , mehr zusammengesunken als die Wälle von 
Klingenberg oder von Cassel an der Bieber. Sie fallen noch steil ab 
nach Aussen , verflachen nach Innen ; etwa in der Mitte sind sie ver- 
tieft, als wenn auch hier ein doppelter Steinwall die Zufluchtsstätte 
umgeben hätte, s. Fig. 3. 




Durchschnitt des Kingwalls bei Dürkheim. 



Wir sind genöthigt für Zeiträume, die wir noch jetzt die Urzeit 
nennen, Gewicht auf alle diese an und für sich unbedeutenden That- 
sachen zu legen, weil es eben fast die einzigen Ueberreste mensch- 
licher Thätigkeit sind, die unmittelbar aus jener entlegenen Zeit zu 
uns reden. Sie verstärken die Wahrscheinlichkeit, dass in jenen 
Zeiten schon eine Stammesverwandtschaft der Bewohner am Mittel- 
rhein und Main, und eine enge Verbindung bestanden; weiter dass 
gerade die bezeichneten Gegenden nicht nur die bevölkertaten ge- 
wesen, sondern auch den feindlichen Heereszügen am meisten aus- 
gesetzt. Von einer Bestimmung zur Gottesverehrung kann — bei 
diesen jüngeren Ringwällen wenigstens — nicht die Rede sein 17 ; ab- 
gesehen von der Bauweise, so fühlt heut zu Tag kaum einer der 
Nachkommen je das Bedürfnis» auf die Höhe hinaufzusteigen, es sei 
denn, dass das Geschäft oder der Holzbedarf ihn dahin rufe. 

Einen wichtigen Abschnitt in der Geschichte unseres Lande* 
bildet das Eindringen und die Herrschaft der Römer. Das ganze 
Ixiben des Volkes erhielt dadurch einen weiteren Gesichtskreis und 
eine wesentliche Umgestaltung, wenn auch die Verhältnisse und die 
Bedürfnisse, welche die ersten Ansiedlungen hervorgerufen und be- 
günstigt hatten, grösstenteils bestehen blieben, später wieder in den 
Vordergrund traten. Die Römer, wie jetzt die Engländer in Indien, 

» In einem, aus meiner Feder stammenden, ganz oder theilweise in ver- 
schiedene Zeitschriften übergegangenen Aufsatze : „Uhland auf den Rin^wällcn 
des Altkönigs 1 ' ist die Ansicht Uhland's mitgethcilt: es seien die Steinringe 
uralte Umwallungcn eines heiligen Hains, weil in denselben eine Quelle nicht 
vorhanden. Dieser Ansicht vermag man bei genauer Durchforschung einer 
grösseren Anzahl von Kingwällen kaum noch zuzustimmen. 



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- 219 - 



die Russen am Caucasus, die Franzosen in Africa, suchten ihre 
Herrschaft zu erweitern , nicht um die Völker zu beglücken , sie mit 
den Segnungen der Cultur bekannt zu machen, nicht um Sumpfe 
auszutrocknen, das Land dem Pfluge zu gewinnen, sondern um die 
gewonnenen Länder zu nutzen 18 . Sic haben die besten und cultivir- 
testen Länder am liebsten genommen und am hartnäckigsten verthei- 
tigt; den Pfahlgraben haben sie weithin um die Wetterau gezogen. 
Es ist daher die Thatsache nicht unwichtig, dass die Römer ihre 
Hauptniederlassung in unserer Gegend unmittelbar auf einer Anhöhe 
an der Nidda gegründet haben. Dies mit Anderem beweist uns, dass 
das Niddathal bei dem Eindringen der Römer bereits angebaut und 
bewohnt gewesen. Die Römerstrasse von Mainz führte in gerader 
Linie nach Praunheim, durch diesen Ort dann hinauf nach dem 
V1CUS I10VU8. Der Aufenthalt der Römer in hiesiger Gegend dauerte 
aber durch mehrere Jahrhunderte , und während so langer Zeit mag 
Manches eine Umänderung erlitten haben, manche Strecke der 
Cultur gewonnen worden sein. 

Es ist nicht so leicht, die Strassen der Römer von den Wegen 
der Landesbewohner überall zu scheiden. Die Römer mögen diese 
Wege wol überall benutzt haben, wo sie filr ihre Zwecke gentigten. 
Stets hatten sie das eine Ziel — die Festigung ihrer Herrschaft. 
Die Römerstrassen führen alle nach den Anlagen, welche zur Unter- 
drückung des Landes erbaut waren: die Strassen der Einwohner 
aber führen von Dorf zu Dorf, auf das Feld, in den Wald, nach 
ihren Zufluchtsstätten. Die Römerstrassen gleichen in der Anlage 
unseren Eisenbahnen; nicht ftlr den Augenblick gefunden und nur 
allmälig vervollkommnet, sondern für Jahrhunderte angelegt Mit der 
Herrschaft der Römer hört auch die Bedeutung der Römerstrassen 
auf, sie sind vergessen, von Wald überdeckt, vom .Pfluge zerrissen, 
der Steinunterlage beraubt, kaum noch vom Vieh betreten. In unserer 
Gegend finden wir ihre Strassen vom Rheine nach dem vicus novus 
fuhren, der Hauptbefestigung; von da nach den Castellen des Taunus 
— den Zwingburgen — und weiter nach Norden; ostwärts nach 
Bonames und der Wetterau, nach Bergen und Aschaflenburg. 

Die Strassen der Landesbewohner waren nicht nur naturwüchs- 
iger, sondern auch schmäler als die Römerstrassen; dies besonders 
in den Bergen, weniger vielleicht in sandigem Flachlandc. Die Rö- 
mer — wie auch die Russen im Caucasus — hatten besonderes In- 



"- Anderer Ansicht ist Hofrath Steiner. 



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- 220 - 



teresse, die undurchdringlichen Waldungen, die Zuflucht der Landes- 
bewohner, durch breite Strassen zu öffnen, zugänglich zu machen. 
Wie auf der Nordsoite des Altkönigs ein Römischer „Pflasterweg* 
nach dem Feldbergcastelle zieht, so wurde ein anderer als „Pflaster- 
weg" mir genannt auf dem südlichen Fuss, etwa in der Richtung toid 
Eichelberg nach dem oberen Ende der Falkensteiner Wiesen , also 
ebenfalls nach dem Feldbergcastell zu. Dieser ist kein ursprünglicher 
Waldweg, sondern schnurgerade angelegt, gleichmässig 12 Schritte 
breit und auf beiden Seiten, von einem Mäuerchen eingefasst. Der 
Römerweg weiter unten beim Stationshause von Weisskirchen war 
16 Schuh breit, aufs Regelmassigste und Sorgfaltigste gebaut, mit 
Steinplatten unterlegt, zur Seite mit Pfaden für Fussgänger und 
mit Grübchen versehen. 

Man hat darauf hingewiesen, dass der Marsch der Römer vor- 
zugsweise auf den Wasserscheiden, den Höhenrücken stattgefunden, 
zugleich aber mit Grund die Frage aufgeworfen, ob die Römer diese 
Hochstrassen und Rennwege erst eröffnet haben? 19 Diese Bevor- 
zugung der Höhen war keine Besonderheit der Römer, sie lag in 
den Verhältnissen, in dem damaligen Zustande des Landes. Es iässt 
sich im Ganzen annehmen, dass die ausgedehnteren Verkehrsweg» 
verhältnissmässig älter sind, je höher sie auf den Gebirgen hinführen 
Die Schwierigkeiten, welche dort zu überwinden, waren geringer, 
als diejenigen , welche in jenen alten Zeiten die Ebenen boten. Je 
mehr die Sümpfe schwanden, desto mehr zogen sich die Wege von 
den Bergen herab in's Thal Der Rennpfad auf dem Taunus zieht 
nicht gleichmässig mit dem Pfahlgraben, er war gewiss schon vor- 
handen als die Römer den letzteren anlegten. Er zieht am südlichen 
Abhänge des Feldberges hin, der Pfahlgraben nördlich. In der Nahe 
des Mückenborns, jenseits der Höhe, zieht eine „hohe Strasse" nord- 
wärts, die weder mit dem Pfahlgraben, noch mit einem der daran 
liegenden Caatelle in Verbindung steht Dies ist sonst bei Römer- 
strassen im oestlichen Taunus der Fall, entweder ziehen sie nach 
dem Feldbergcastell oder nach der Saalburg. Der Rennpfad auf dem 
Taunus hat nur die für einen einzigen Wagen erforderliche Breite. 
Viel breiter ist die alte Strasse auf dein Hunarück und die auf dem 
Thüringerwalde. Aber die Vorbindung zwischen Coblenz und Mainz 
auf der Höhe hat sich mehr und mehr grossartig gesteigert, wahrend 



19 Vergl. Untersuchung über die Kriegführung der Römer gegen die Dem 
K. F. in Ztschr. d. V. s. E. d. Rhein. Geschichte, II. 3 Hft J863 




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die Strasse vom Rheine nach der Wetterau schon zu der Römer 
Zeiten — wenn nicht schon früher — in die Ebene herabverlegt 
war, und am Fusse der Berge hinzog. 

Vom vicus novus nach dem Mainthale herüber scheint keine 
directe Römerstrasse angelegt worden zu sein. Es zog vom Nidda- 
übergang bei Heddernheim der Weg hinauf nach Eschersheim und 
weiter nach Berkersheim, Bergen und Vilbel 80 , nicht aber nach der 
Frankenfurt In dieser letzteren Richtung entstand vom Niddaübergang 
aus ein Fusspfad, er gehörte zuletzt zu den verbotenen Wegen und 
ist jetzt von der Eisenbahn ganz beseitigt. Es sprechen wol That- 
sachen dafür, dass die Römer die Frankenfurt kannten, selbst Strassen 
dahin benutzten oder bauten, aber mehr noch deuten darauf hin, 
dass diese Furt damals noch keine Wichtigkeit hatte. Bis auf den 
heutigen Tag heisst der kleine Main oberhalb der Sachsenhäuser 
Brücke der „bahles" oder pales 21 . Dies würde nicht schwer auf das 
palus der Römer, Sumpf, zurückzuführen sein, also auf dasjenige, 
was in damaliger Zeit wirklich sich an der fraglichen Stelle befun- 
den haben mag. Zu beachten bleibt auch, dass man vor einigen 
Jahrzehnten in der Fahrgasse beim Graben eines Canals, etwa 
16 Fuss tief, auf ein altes Pflaster stiess. Leider ist dasselbe nicht 
sorgfältig untersucht worden; Hufeisen fand man dabei, grosse und 
kleine, solche von denen man vermuthet, dass Esel oder Maulthiere 
sie getragen. „Eselspfade" bringt man vielfach in Zusammenstellung 
mit den Römern, so den Eselspfad von Miltenberg nach der Kinzig 
über den Spesshart, einen andern von Eschersheim nach Vilbel. 

-Weit wichtiger sind die Thatsachen welche dafür sprechen, 
dass zur Römerzeit die Frankenfurt noch ohne Bedeutung gewesen. 
Sie beziehen sich theils auf die damalige Verkehrsrichtung in demMaiu- 
lande, theils auf den gewerblichen Betrieb in den Römerniederlassungen. 

Die wichtigste Strasse welche vor und zu der Römer Zeiten von 
Süden nach Norden zog, führte uicht wie jetzt am Odenwalde hin, 
durch die Rheinebene, sondern auf dem Gebirgsrücken. Die Befest- 
igungen, welche zur Seite der Strasse, von Schlossau nach Obern- 



» Vergl. u a. den Auft>ntz von Schmidt, Annal. des Nassauer Vereins, 
ti Bd. 1 Hft., über d. Pfalgraben. 

21 Nach genauerer Ermittelung oberhalb der zwei Brückenbogen auf der 
Kachscnhänser Reite. Dort badeten Mb zu Anfai g dieses Jahrhunderts die 
Juden. Bei Eisgängen hört man noch den Ausruf: „Woss dar bales woilt" 
1 wühlt). Ganz ähnlich heisst noch heute ein Weidtcht südlich von Offenbach: 
im Salig, der Weg dabei: der Saligweg. 



borg aufgefunden worden sind, zeigen uns welch grosses Gewichi 
die Römer auf den ungestörten Besitz dieser Strasse legten. Caatelk 
reichten sich von Station zu Station die Hand 22 ,\und sie waren, wie 
aus den unternommenen Ausgrabungen , kürzlich noch bei Schlossau. 
zu ersehen ist, nicht viel schwächer als die Saalburg am Pfahlgraben 
des Taunus. Sie waren aber nur zum Schutze der Strasse bestimmt, 
denn die Reicbsgränze, der befestigte Pfahlgraben lief in fast gleicher 
Richtung mehrere Stunden weiter östlich bei Freudenberg von Sü 
den Uber den Spesshart nordwärts. Diese Hauptstrasse stieg bei 
Obernburg von den Bergen nach dem Mainthale herab; führte weiter 
nach Aschaifenburg, wo sie mit der von Mainz auf dem rechten 
Mainufer ziehenden Strasse zusammentraf. Wol legen die vielen 
Römischen Gegenstände, welche z. B. in Stockstadt, in Diepurg und 
in Seligenstadt gefunden worden sind, Zeugniss dafür ab , dass auch 
im Maintlial Wohnsitze der Römer gestanden oder entstanden, aber 
gerade an der Frankenfurt sind solche Gegenstände nicht, oder doch 
so äusserst spärlich aufgefunden worden, dass auf eine langjährige 
Benutzung derselben durch die Römer nicht zu sch Hessen ist. Diese 
Meister der Kriegskunst würden eine wichtige Furt nicht ohne Be 
festigung, etwa auf der Höhe der damaligen Maininsel — jetzt auf 
dem Markt — gelassen haben, und solche könnte nicht spurlos ver- 
schwunden sein. 

Wenn wir von dem Maine nach dem Thale der Nidda uns hin- 
über wenden, so sind daselbst zuerst wieder die Uebergangsstellen 
in's Auge zu fassen. An der Nidda gab es drei Stellen, die wol in 
sehr alter Zeit schon als Uebergangspunkte benutzt worden sind: 
Rödelheim, Bonames und Vilbel 23 . Die Römer kannten sie, benutzten 
sie, schwerlich aber sind die Ansiedlungen Römische. Nur Einwohner 
des Landes bauten in den Niederungen, der Fluss diente ihnen zum 
Unterhalt des Lebens, die Ucberfahrt bot ihnen Erwerb. Die Römer 
mieden stets die Tiefe und das Flussthal, wie bei den Strassen, so 
bei der Anlage von Wohnungen. Ihr vicus novus lag hoch, erst das 
neuere Heddernheim ist unten an die Strasse, in die feuchte Niede- 



« Vergl. Steiner, Gesch. u. Top. des Maingebiets und Spessarts. 8. 104 
13 Auch Nied oder Nidda, am Ausfluss der Nidda, mag eine sehr alte Nie- 
derlassung der Eingehomen sein , allein ein bedeutender Flussübergaug war. 
der Sümpfe des Mainthaies wegen, hier schwerlich. Die Körner mögen das 
hochgelegene Höchst und den Aasgang des Niddathaies bewacht haben , allen 
es führte keine abzweigeudo Steinstra&se nach Höchst, und es führt noch beut 
zu Tag keine Strasse von Höchst südwärts nach der Drei-Eich. 




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- 223 - 

rang gestellt. Am wenigsten, oder auch erat am spätesten benutzt 
war unter den gensnnten Furten wol Rödelheim (Riedelheim); es 
lag auf dem rechten Niddaufer, die eigentümliche Bauweise mancher 
alten Häuser auf Erderhöhungen lässt vielleicht noch auf die frühere 
sumpfige Beschaffenheit des Bodens schliessen. Auch das linke Fluss- 
ufer war und ist noch sumpfig ; doch mag die Anlage des Mühlcanals 
und der Brückenbau manches geändert haben. Von der Römischen 
Mainzer-, jetzt Elisabethenstrasse , acheint kein Zweig nach diesem 
Uebergang abgegangen zu sein; aber von Rödelheim zog oberhalb 
der Wiesen hin nach den basaltischen Höhen von Bockenheim eine 
alte Strasse; sie hält weiterhin ostwärts fast die Wasserscheide ein, 
theilt sich am Heiligenstuek nach Vilbel und nach Bergen. Von Rö- 
delheim nach der Frankenfurt führte und fuhrt bis auf den heutigen 
Tag nur ein Fusspfad. 

Weit mehr als Rödelheim, scheint Bonames von den Römern 
benutzt worden zu sein; hier ist selbst der Name durchaus verschie- 
den von allen andern Taunusortschaften; nur etwa Vilbel hat einen 
gleich fremdartigen Anklang. Eine Römerstrasse führt nördlich von 
Bonames nach der Wetterau, eine zweite führt von Westen herein, 
oder wenigstens nach . der nördlichen Mauer hin. Der Platz einer 
Römischen Befestigung war wol oben auf dem Saalhof, die Burg in 
der sumpfigen Tiefe war uicht Römisch 2 *. Wie der Name, so sind 
auch die Verhältnisse von Bonames ganz eigeuthümliclie. Die Gränze 
der Gemarkung von Kalbach zieht dicht an Bonames vorüber und 
reicht bis zur Nidda. Während diese fast überall den Genossen 
der Hohen -Mark eine Gränze war, sie von der Drei- Eich schied, 
liegt der grösste Theil der Bonameser Gemarkung jenseits auf dem 
südlichen Ufer. Dies südliche Ufer wurde aber nicht bewohnt, war • 
auch nicht Mark- berechtigt, wie ein Streit aus dem sechszehnten 
Jahrhundert über den Kohlenbedarf der Mühle oder des Kupfer- 
schmieds am Mühlgraben es genauer verhandelt So scheint es als 
ob Bonames nicht wie die andern Taunusortschaften aus den Boden- 
verhältnissen erwachsen, sondern dass es gleichsam eingepfropft wor- 
den sei. Alles weisst hierbei auf die Römer hin, selbst der Umstand, 
dass die BouaracBcr Bürger waren, keine Bauern. Auch von Bona- 
mes zog in gerader, directer Linie keine Strasse nach der Franken- 
furt. 

Vilbel scheint, wie Bonames, einen Römischen Namen zu tragen. 
Die jüngste Ansieht der Gelehrten geht zwar dahin, dass Vilbel nicht 

Vergl. Dr. Kömer-bücbuer in diesem Archiv N. F. II. S. 182. 



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- 224 - 

von villa bella den Namen habe, dass es vielmehr „Weidendorf* 
bedeute 28 . Ich halte trotzdem am Alten fest Für die Germanischen 
Dorfnamen der Umgegend bedarf es keiner gelehrten Deutung, sie 
sind alle noch jetzt leicht verständlich. Mochten die Lateinischen 
Schreiber den Namen verketzern, er .kam doch wieder in natürlicher 
Gestalt zum Vorschein. Nur Bonames und Vilbel machen, wie be- 
merkt, eine Ausnahrae, sie sind fremden Ursprungs, wie aevel (aquse 
bellae) die schönen Quellen am Ufer der Nidda zwischen Praunheim 
und Hausen, bei welchen eine Römische Wasserleitung aufgefunden 
worden ist**. 

Auch bei Vilbel walten, wie bei Bonames, ganz eigentümliche 
Verhältnisse. Vor allem ist hier die ganz unverhältnissmässige Längen- 
ausdehnung in's Auge zu fassen. Sie kann gar keinen Zweifel 
darüber lassen, dass hier verschiedene Interessen zusammengewirkt, 
wie dies auch stets bei andern, ähnlich in die Länge gezogenen 
Städten, wie Miltenberg, Heidelberg, Bornheim oder Bockenheim 
der Fall gewesen. Auch Heidelberg zieht sich von der alten Neckar 
fürt bis über die Burg hinaus, so Vilbel von der Niddafurt bis zur 
Römischen Villa, die in der Nähe des jetzigen Bahnhofs lag. Die 
ersten Wohnungen lagen wol oben auf dem rechten Flussufer, bei 
der Brücke. Nach dieser oder nach der Furt führen die Strassen: 
nördlich die von Friedberg, südlich die von Bergen und von der 
hohen Strasse. Bei der Brücke traten die trocknen Ufer am nächsten 
zusammen, die Strasse wandte sich auf dem nördlichen Ufer sogleich 
der Anhöhe zu. In der Nähe der Brücke liegen die bedeutenden 
Steinbrüche; sie scheinen Veranlassung zu einer Vergröaserung 
Vilbels gewesen zu sein, und zwar ostwärts bis zur Kirche. Diese Theile 
dehnten sich später weiter aus nach der Kömischen Villa bin. 
Der fremdartige, vielleicht, wie das Pompejanum bei Aschaffenburg, 
drollig klingende Name der Römischen Anlage mag allmälig dem 
Gesammtorte geblieben sein 

Die Steinbrüche von Vilbel weisen uns auf einige gewerbliche 
Verhältnisse, welche durch die Römer in hiesiger Gegend begründet 
wurden, oder in Aufschwung kamen. Dass dieser Aufschwung über- 
haupt ein bedeutender gewesen, geht schon aus den vielen Strassen 
anlagen hervor, welche von dem vicus novus nach allen Richtungen 

15 Archiv f. Hess. Gesch. X. 1. 

2 * Kaum giebt es einen andern Ortsnamen, der so verschieden geschrieben 
vorkommt, wie Vilbel, Villbyl, Vilvil, Velvil. Viel mehr hat Bonames, Hone 
mesa den Namen gleich behalten. 



zogen. Neuerdings ist bei Weiskirchen das Profil der Strasse offen 
gelegt worden, welche von dieser Römischen Niederlassung nach dem 
Feldbergcastell gefuhrt wurde, so dass kein Zweifel mehr über die 
Bedeutung dieser Hohle sein kann. Sie wird jetzt ausgefüllt, die 
Aecker werden geebnet; die Steinunterlage ist zum grossen Theile 
herausgebrochen, einzelne Steine zeigen noch, dass die Römer den 
alten Steinbruch von Mamolsheim dazu benutzt hatten. Bei Nieder- 
Ursel weudet sich diese Strasse etwas ostwärts nach diesem Dorfe 
hin, welches dazumal wol schon vorhanden war; sie schwenkt 
wieder südlich ab, theilt sich in zwei Arme, deren einer nach dem 
vicus novus zog, der andere nach dem Niddaübergang bei Heddern- 
heim. An dieser Stelle hat sich eine Ortschaft zur Seite der Strasse 
angebaut; Heddernheim ist in die Erbschaft der Römer eingetreten. 
Bei Nieder-Ursel zogen mehrere der alten Strassen vorüber: die 
Hessenstrasse, vom vicus novus nach dem Norden, führte östlich 
vorbei nach der Höhe, die sie bei der Saalburg überschritt (sie 
ist in den letzten Jahren fast ganz ausgebrochen und geebnet wor- 
den, nur wenige Reste sind noch übrig); eine Mainzerstrasse durch 
Eschborn* 7 nach Butzbach überschritt eine Viertelstunde oberhalb 
Nieder-Ursel die Bach. Sie ist jetzt ebenfalls unterbrochen und durch- 
pflügt; endlich ist noch der Crutzenstrasse zu gedenken, jetzt Kreu- 
zerstrasse. An dieser Strasse soll eine Quelle hervorgesprudelt sein, 
als des Bonifacius Leiche daselbst geruht; mit anderen Worten: das 
Trauergeleite ruhte an einer Quelle. Eine solche findet sich etwa 
auf der Hälfte des Weges, wo die Gemarkungen von Kalbach und 
Nieder-Ursel zusammenstossen. Angeblich hat man dort Mauersteine 
aufgefunden, allein aus dem Gedächtniss der Landbewohner ist jede 
Erinnerung an eine Kirche geschwunden. Nicht weit davon stand ein 
Hochgericht. Andere Strassen bei Bonames sind schon erwähnt worden. 

Wenn wir im Winter über die kahlen Felder hingehen, da wo 
sonst die Strassen des Römerortes sich ausdehnten, finden wir ausser 



lT In der Heimgereite von Eschborn soll — nach Vogel — die älteste 
Kirche der Umgegend gestanden haben. Schwerlich war dies Tidenheini eine 
von Eschborn getrennte Ortschaft, oder Eschborn war doch älter als diese 
Kirche. Der Name Tldenheim ist Jetzt auch in den Flurbüchern nicht mehr zu 
finden. Nach der Angabe von Börgermeister Kuntz sollen unter dem Dtstricte 
Feld Weingärten, auf den Haneckern (Hainäekern) Basalt- und Ziegelsteine im 
Boden gefunden werden. Dort habe möglicherweise eine kleine Kirche oder 
Kapelle gestanden. Ueber dieser Stelle ist der Streitplatz, wo angeblich im 
Jahre 1389 die von Cronberg heimkehrenden Frankfurter ereilt und geschlagen 
wurden. 

15 



- 226 - 

den zahllosen Ziegelbrocken und den Rollstückchen der Taunusab 
hänge zwei Steinarten besonders, welche zum Bau der Röraermaueru 
verwendet worden sind: einmal den Basalt von Eschersheim, dami 
aber auch das Todtliegende von Vilbel, selbst Stücke versteinerten 
Holzes aus demselben. Man kann aus den zum Theil stark verwitter- 
ten Steinen nachweisen, dass zu jener Zeit schon in Vilbel die gros- 
sen Steinbrüche in Betrieb standen, welche heute noch benutzt wer- 
den oder noch erkennbar sind. Es beweist dies, dass zu jener Zeit 
ein anderer Transport und Verkehr auf der Nidda gewesen sein 
muBS, als in unseren Tagen. Statt der Mühlen, die jetzt durch Wehre 
das seichtere Wasser aufstauen, sah man zahlreiche Schiffe und Aus- 
ladeplätze. Neben den Basaltstücken von Eschersheim und dem Todt- 
liegenden von Vilbel finden sich auf dem Heidenfelde bei Heddernheim 
auch Kalksteine, wahrscheinlich vom Bornbeimerberge; daneben 
grössere und kleinere Bruchstücke von Handmühlen , welche aus 
dem Rheinischen Basalte von Nieder-Mendig stammen; durch die Ein- 
schlüsse (Hauyn) Bind sie von den Eschersheimern wol zu unter- 
scheiden. Auch Schiefersteine finden sich ziemlich zahlreich, zum 
Theil haben sie noch lVi Schuh im Gevierte; dem Anscheine nach 
stammen sie nicht aus dem benachbarten, schieferreichen Taunus, 
sondern aus Tagesbauten von Caub, sie sind nicht so lein, wie die 
Schiefer, welche wir jetzt aus den tiefen Gruben von dort erhalten. 
Die Anwesenheit aller dieser Steine zeigt uns, wie Handel und Verkehr 
in jenen Zeiten sich schon lebhaft entwickelt hatten. 

Von der ganzen grossartigen Anlage, welche die Römer in ihrem 
vicus novus geschaffen, ist jetzt keine Mauer mehr sichtbar, die 
Strassen sind verschwunden, bis auf den einen Weg, welcher die 
Umfassungsmauer umzog. Der Grimm der Germanen hat nur Trüm- 
merhaufen an der Stelle der Kriegerwohnungen übrig gelassen. 
Während langer Jahrhunderte wurde von hier das Material zu den 
ärmlichen Hütten der benachbarten Ortschaften entnommen. So erat 
konnte das gereinigte Feld wieder dem Saatkorn geöffnet werden 
Der Wind brausst frei über die Aecker, die jetzt der Pflug durch- 
furchet. Zwischen den letzten ungezählten Bröckeben und Splittern 
einer untergegangenen Zwangsherrschaft sprosstdie grüne Saat freudig 
empor! Kein Bericht der Römer meldet, wie die Vertreibung ge- 
schehen, auch die Namen Derer, welche damals geblutet, sind nicht 
verzeichnet; aber auf die gebrochenen Mauern der Zwingburg sollten 
unsere Lehrer die Jugend hinfÜhrenjährlich, wenn der Winter entweicht! 



- 227 - 



Es folgt nach den Römern eine lange Zeit, aus welcher uns kaum 
Thatsachen aufbewahrt Bind. Die gewaltigen Heeresztige, welche wir 
unter dem Namen der Völkerwanderung begreifen, können dem Main thal 
und den Taunusbewohnern nicht fremd geblieben sein. Wir wissen 
aber nicht, ob sie die vorhandene, unter der Römerherrschaft nach 
dem eignen Berichte ihrer Schriftsteller verdorbene Bevölkerung ver- 
pflunzt und ausgerottet, oder ob diese neu gekräftigt worden. Nach 
manchen Anzeigen war wol das letztere der Fall. Viele der alten 
Weisthümer, so der hohen Mark, der Bibrauer Mark und, anderer, 
heben hervor, dass Wald, Wasser, Weide den Märkern „zu recht- 
lichem eigen 0 sei, dass die Märker sie von Niemanden zu Lehen er- 
halten. In der Bibrauer Mark wird geweiset, dass der Herr von 
Falkenstein nur ein gewählter, kein geborner Vogt sei. Das spricht 
für Ureinwohner, die selbst den Wald gerodet, nicht filr Eroberer. 

Vielleicht stammen, wie bereits bemerkt, aus diesen Zeiten die 
späteren Ringwälle, auf dem Goldgrubenberge, von Dürkheim, von 
Klingenberg und aus der Gegend von Orb. Doch haben wir nicht 
überall in einer kunstfertigeren Ausführung ein entscheidendes Merk- 
mal darüber. Auf dem höchsten Gipfel des Krainberges oberhalb 
Miltenberg liegen, von zwei Germanischen Ringwällen umschlossen, 
Spuren welche den Aufenthalt der Römer an dieser Stelle nach- 
weisen, Steininschriften, Mauern, Bildwerke und Anderes 28 . 

Wahrscheinlich ist es, dass während der Zeit der Römerherrschaft 
man anfing, die Drei-Kich mehr zu bebauen. Auch hier, wie am Tau- 
nusabhang, finden sich einige Ortschaften, welche gleichen Namen 
haben wie die Bach, welcher sie angebaut sind. Bieber, (Ober-) Roda, 
tSernbdt, Egelsbach, Kelsterbach, Ofenbach (noch 1493 Ouenbach 
geschrieben). Andere, besonders am Abhang des Odenwaldes, tra- 
gen die Bezeichnung einer Stadt: Stockstadt, Langstadt, Kleestadt, 
Umstadt, Ramstadt, Eberstadt, Pfungstadt, Crumstadt Sie zeichnen 
fast die Grenze der Drei-Eich vor; von Stockstadt am Main bis zu 
Stockstadt am Rhein reichen sie Bich die Hand. Eine jüngere Zeit 
ist in den Ortschaften angedeutet, welche von Behausungen der ersten 

** Steiner. Maingeb. u. Spess. S. 264. hält diese Germanische Wehr für 
alter als die Komische Befestigung. Auch hier sprechen wir, im Interesse der 
Eigen thumer ebensowol, wie im Interesse der Erforschung unserer ältesten Ge- 
schichte die Bitte aus, alle solche Ringwälle, namentlich aber die ältesten, wie 
den auf dem Altkönig, vorerst nicht zu verändern, nicht zu durchbrechen, keine 
Wirthshäuser darin oder daraus zu erbauen. Zu solchen finden sich stets in 
der Nachbarschaft geeignete Plätze genug I 

15» 



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- 228 - 



Ansiedler den Namen auch später beibehalten haben. Im Innern der 
Drei-Eich ist dieses Vorkommen das zahlreichste: Obertshausen, 
Froschhausen, Hainliausen, Zellhausen, Messenhausen, Eppertshausen, 
Güntershaiisen, Hergertshausen, Harpertshausen, Buben- (Baben)- 
hausen, Harreshausen, und mehr westlich: Wixhausen, Erzhausen, 
Schneppenhausen, Gräfenhausen, weit seltener sind die Bezeich- 
nungen nach dem Hof wie Dilshofen und Sickenhofen. Das 
Weisthum der Drei-Eich von d. J. 1338 zeigt uns dass damals, und 
wol auch .schon viel früher die Drei-Eich in Marken abgetbeilt war. 
Wahrscheinlich älter als diese mit „Haus a und „Hof" zusammenge- 
setzten Ortsnamen sind andere mit der angehängten Endigung „heim u , 
fast alle unmittelbar auf dem Main- und Rheinufer angelegt: Ostheiro, 
Welzheim, Auheim, Steinheim, Dietesheim, Muhlheim, Griesheim, 
Schwein- (Schwan)heim , Rüseelsheim, Raunheim, Bischofsheim, 
Ginnsheim, Bauschheim, Altheim, Geinsheim, und das jetzt verschwun- 
dene Pfopfenheim. Fast gleichzeitig mit „heim 14 scheinen Dorfschaf- 
ten mit der Endigung „ingen" entstanden zu sein. Solche finden sich 
aber weit seltener und scheinen ebenso wie die wenigen als „Weilir" 
bezeichneten Ortschaften des Taunus, Petterweil, Dortel- (Türkei- oder 
auch Dürkel-)weil und Hinterweil, einem Volksstamm zuzuschreiben 
sein, der nur vorübergehend sich in dieser Gegend aufgehalten hat 
Einmal nur ist ein solcher Name auf der Nordseite des Taunus auf- 
zufinden, Usingen, welches an der Usa liegt, nicht aber mehr nach 
dieser als Usa oder Usbacli bezeichnet ist Am südlichen Abhang 
des Taunus liegt oder lag Dillingen, Weiterhin an der Kinzig Rückin- 
gen, in der Drei-Eich am Fusse des Odenwaldes Sprendlingen, am 
Maine Sindlingen und weiter östlich Mainfellingen und Dettingen 

Ganz spät noch entstehen Ortschaften, die deutlich von einer 
mehr fortgeschrittenen Cultur uns Zeugnis» geben, oder welche auf 
die Fränkische Zeit hinweisen wie KönigBstedten zur Seite des fremd- 
artig klingenden Trebur. Urprach 30 erhob sich mitten in den "Wäl- 
dern, ebenso Ober- und Nieder-Rode am versumpften Mainesarm 
bei der Frankenfurt; weiter Erfelden, Worfelden und Meerfelden. 



"» Förstemanu, deutsche Ortsnamen, 1868, findet die Namen auf „Weiler' 
als Repräsentanten des Deutschen Südwestens, mehr gewaltsam als organisch 
fortgeschrittene Namenbildung. Die Endigung auf r ingen" und „nngeu* bezeichnet 
er als Thflringcnschen (JcUrauch. 

In dem fJfllt- u. Rentengcfall VcrzeichniBS der Drey-Eich aus dem Jahr« 
l.W ist Urprach aufgeführt, weil es „DorrTgclt" zu zahlen habe. 



— 229 — 



Durch diese letzteren der Feldcultur geweihten Ortschaften zog die 
Geleitestrasse. 

Zum Schlüsse ist hier noch der Bornlieimerberg zu betrachten, der 
grosscntheila noch zur Drei-Eich gehörte. In der Gegend von Aschaf- 
fenburg scheint die rechte Mainseite vor der linken bewohnt worden 
zu sein. Gross-Welzheim, Gross-Krotzenburg, Gross-Auheim liegen 
auf der rechten Mainseite, Klein Welzheim , Klein Krotzenburg und 
Klein- Auheim sind später gegenüber auf der linken Mainseite als Zweig- 
dörfer entstanden. Beim Bornheimcrberg finden sich nur wenige 
Spuren, welche andeuten, dass einzelne Plätze in verhältnissmäsig alte 
Zeiten hinaufreichen. Bornheim selbst ist, wie Eschborn, nach der 
Quelle benannt ; aber letzteres wird, wie die alten Taunusortschaften, 
ebenso wie die Quelle oder die Bach selbst bezeichnet; Bornheim 
leitet seine Bezeichnung nur von dor Quelle her. Bei einem 
Vergleich mit den altern Taunusortschaften kann kein Zweifel darüber 
sein, dass Bornheim viel jünger ist als diese, z. B. als Obererlenbach 
oder Obemrsel, oder Steinbach. Von dem ganzen Gericht des Born- 
heimerbergs sind nur Offenbach, Nidda und Seckbach 31 ebenso wie 
die Bach genannt, Bergen nach seiner Lage, oder auch nach der Rö- 
mischen Befestigung. Fast alle andern Ortschaften sind als Heimath 
einer bestimmten Person, meist wol des ersten Ansiedlers, bezeichnet: 
Eschersheim, Berkersheim, Bischofsheim, Bockenheim, Bräungesheim, 
Enkheim, Fechenheim, Ginheim, Griessheini, Massenheim. 

In Bornheim sind drei Theile wol zu unterscheiden. Einmal der 
obere Theil um die Kirche gelegen, welcher wol als der älteste zu 
betrachten ist. Weiter als zweiter Theil das Römerfeld, westlich von der 
Güntersburg, etwa 10 Minuten von der Bornheimerkirche. Näher 
bei dieser, auf dem Rabenwingert M , hat man bei dem Legen der 
Wasserleitung eine Römische Begräbnissstätte gefunden. Dieser Rö- 
mische Theil ist vertilgt und von der Erde verschwunden; Dr. Römer 
hat in seinen Beiträgen zur Geschichte der Stadt Frankfurt (1853) 



31 Der älteste Theil von Seckbach ist wol der nordöstliche an der Seck- 
bach (Sackbach?); abwärts, nach dem Bruche hin, stand ein Eichwald. Durch 
Wald und Sumpf war der Ort vortrefflich geschützt; Quellen waren imUeber- 
flusfl vorhamlpn. Die Gemarkung von Seckbach ist wo) abgerundet, sie reicht 
weit gegen Bergen und Vilbel hin, und Uber dem Bruch lag wieder ein Wald. 
Westlich am Bornheimcrberg zieht vom Sulzenschla^ ein Wiescnthalchen nach 
dem Bruch herab, die Weide darauf steht gemeinschaftlich Seckbach und Born- 
heim zu, aber der Grund und Boden gehört ersterem. 

" Noch jetzt darf in diesen, längst ausgerodeten Wingert nicht gefahren 
werden. 



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— 230 — 



auf Seite 79 ff werthvolle Mittheilungen darüber gemacht Er hält 
dafür, dass das Monuinentum Trajani an dieser Stelle gestanden. M . 
Uns kann diese Untersuchung hier nicht weiter beschäftigen ; die Trüm- 
mer, welche wir von der Römerherrschaft noch vorfinden, sollen nur 
dazu beitragen, Nachweis über den Zustand der Eingebornen uns zu 
geben. — Noch ist ein dritter Theil von Bornheim zu betrachten; es 
ist dies der untere, an der Strasse nach Bergen, lang hinge- 
streckt, und wol erst entstanden als der Verkehr zwischen der Fran- 
kenfurt und Bergen und weiter ostwärts bedeutender wurde. 

Wenn wir die beiden ersten, die ältesten Theile von BornhciiTi 
zusammenstellen, so finden wir dass die Strassen, so weit sie jetzt 
noch vorlianden oder offen gelegt sind, für ein höheres Alter der 
Deutschen Niederlassung zu sprechen scheinen. Der alte Pfad welcher 
von Frankfurt unter der Güntersburg vortiberführt, zieht nach dem 
ältesten Theile von Bornheim, der Vogelgesanggasse und der Kirche. 
Auch die Strasse nach Seckbach und nach Bergen ist keine Römische, 
so wenig wie die noch jetzt in nördlicher Richtung ziehenden Wege. 
Von dein Germanischen Bornheim führt nordwestlich der Weg nach 
der Friedbergerwarte und nach Bonames, nördlich der Weg nach 
Vilbel. Dieser letztere Weg heisst der Prcungesheimerweg, zieht mehr 
auf der Hohe hin und ist wol der ältere. Er fuhrt etwa 5 Minuten 
östlich der Friedbergerwarte vorüber und wurde noch in sehr später 
Zeit auch von Frankfurt aus benutzt. Es bog von dieser Warte her, 
der Landwehr entlang, die Frankfurterstrasse nach diesem altern Wege 
herüber. Jetzt ist diese Frankfurter Strasse etwas anders gelegt, 
allein sie fallt noch immer unter einem stumpfen Winkel in die Born- 
heim-Vilbeler Richtung. Auch dieser alte Weg von Bornheun nach 
Vilbel gehört jetzt zu den verbotenen: er soll „eigentlich* nicht 
begangen werden, aber es ist die Gewann eine Grenze. Nicht nur 
das Verbot, auch die Poesie, die über solchen verbotenen Wegen 
schwebt, giebt ihnen einen eigentümlichen Reiz. Bei dem Heiligen- 
stock lenkte die hohe Strasse zwischen Rödelheim und Vilbel ab nach 
Bergen. Dieser Ort scheint für die Römer wichtiger gewesen zu sein 
als Boraheim. Seine Lage stimmt mit der des vicus novus in vielem 
iiberein. Die Berger Strasse nach Vilbel führt auf der Höhe und 
scheint Römischen Ursprungs zu Bein, nach Osten führt ebenfalls 
eine „hohe Strasse"; an den Fuss des Berges, beim Uebergang 
über den Sumpf, schmiegt sich das Deutche Enkheim, wie an der 



» Vergl. noch Frankf. Jahrb. 1836. VIII. S. 251. Historisch antiquarisches 
von Dr. Römer. 



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1 



- 231 - 

Nidda da» jüngere Heddernheim; endlich ist Bergen der Hauptort des 
Bornheimerberges geworden, während die« ursprünglich doch gewiss 
Bornheim war M . Auch mit Bonames bieten die Verhältnisse von 
Bergen manche Vergleichungspunkte. 

Noch ist des Weges zu gedenken, welcher von Bornheim süd- 
westlich nach der Frankenfurt zieht; dabei sind aber die Bodenver- 
hältnisse zu berücksichtigen. Die vielen Quellen de.» Bornheimerberges 
haben ihren Abfluss zum Theil nach Osten, nach dem Röderberg 
hin, sie schwemmten dort allmälig den Sand herab nach dem Metzger- 
bruch, und rissen selbst zwischen dem Scheidswald und dem Buch- 
wald durch das Kalkgestein eine Schlucht Von der Wasserscheide 
des Berges, auf welcher das Römische Lager gestanden, rie- 
selten andere Quellen nach Südwesten gegen die Frankenfurt hin. 
Ihnen verdanken die ersten Ansiedler die schönen Wiesen und Wei- 
den, welche bis zum Jahre 1864 noch als Bornheimerhaide bestanden. 
Sie waren wol neben den Quellen eine hauptsächliche Veranlassung 
zur Ansiedlung auf dem Bornheiuier Berge. Die Bornheimer haben 
sie auch beharrlich sich erhalten, als später sie dem aufblühenden 
Frankfurt fast bis an das Thor reichten. Sie sind den Frankfurtern stets 
sehr unbequem gewesen; die Landwehr bog sich um diese Wiesen 
her. Weiter abwärts, beim Hermes oder Hermannsbrunnen bildeten 
die Gewässer einen Sumpf, dessen alter Abfluss nach dem Maine 
jetzt kaum noch zu ermitteln sein möchte. (Battonn II. S. 178 weist 
auf den Klkenbach hin, der tiber's Klapperfeld nach der Prediger- 
gasse geflossen.) Die Landwehr durchschnitt auf der südwestlichen 
Gränze der Bornheimerhaide zwei Wege; der nördlichere kommt 
von dem ältesten Theil Bornheims herab, er zog in gerader Linie 
an der Stelle vorüber, wo General von Auerswald ermordet worden 
ist An dieser Stelle aber hat ihn die Landwehr seitwärts gedrängt, 
und mühsam, ungeschickt, im Zickzack sucht er jetzt die alte Rich- 
tung nach dem Friedbergerthore und der Vilbelerstrassc einzuhalten. 
Der südlichere Weg ist die alte Bergerstrasse, an welcher der jüngste 
Theil von Bornheim sich angebaut Er zog in gerader Linie durch 
die Landwehr, über dem llermessumpfe her, ebenfalls nach der Vil- 
belergasse. Bei dem Gasthause zum Pfau vereinigten sich beide 
Wege, zogen so nach der alten Eckenheimerstrasse, und bogen auf 
dieser — jetzt bei der Peterskirche — südwärts nach der Franken- 



^ üeber die weiteren Verhältnisse von Bergen vergl. Usener, Ritterburgen 
8. 3 ff. Auch Steiner, Maingebiet, 8. 151. 



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furt, oder vielleicht auch Uber dio Schäfergasse und Gelnhäusergassc 
nach dem ältesten Thcile der Stadt. 

Wir können nicht umhin dem Römcflagcr bei Bornheim noch 
unsere Aufmerksamkeit zu schenken. Wir suchen es auf, indem wir 
den Weg von Bornheim oberhalb der Güntersburg nach Westen 
betreten; am Ende der Mauer th eilt sich dieser Weg, der nördliche 
Zweig steigt etwas nordwestlich, und hält dann die frühere Richtung 
wieder ein, der südliche läuft als wenig betretener Pfad südwestlich 
Uber die Accker, dann nimmt auch dieser wieder die frühere Rich- 
tung auf. Die Wege laufen so parallel; sie zeigen die einstige nörd- 
liche und südliche Bcgränzung des römischen Lagers. Im vorigen 
Jahrhundert waren die Gräben noch sichtbar, jetzt sind sie ausge- 
glichen, aber ein kleiuer Abhang ist geblieben. Von dem südlichen 
wie von dem nördlichen Thorc des Lagers liefen, wie es den An- 
schein hat, Strassen aus; die eine nordwärts gegen die Höhe der 
Fricdbcrger Warte, in welcher Gegend sie auf die Strasse nach 
Bonames und nach Vilbel traf; südwärts aber eine zweite gegen die 
Frankenfurt. Dieser Weg, ebenso wie der nördliche, dient jetzt nur 
noch der Feldcultur, er zieht in gerader Richtung auf der Wasser- 
scheide durch den „Eichwald", biegt aber weiterhin jetzt ostwärts 
nach Bornheim ab. Anscheinend zog dieser Weg nach dem südlichen 
Theil der Bornheimerhaide, vielleicht auf die Bergerstrasse; Anlage 
wie Schicksal sprechen dafür, dass Römer diesen Weg hergestellt 
Mit dem Abzug der Römer verkümmerte er, aber die älteren 
Strassen der Einwohner blieben benutzt 

Den Trümmern und der Begrenzung nach zu urtheilen bat hier 
nur ein sehr untergeordnetes befestigtes Lager, und dies nur verhalt- 
nissmässig kurz und in später Zeit bestanden. Während bei dem 
vicus novus der ganze Boden mit Resten gleichsam erfüllt ist, müssen 
sie hier aufgesucht werden. 

Es scheint dass der Hermessumpf eine ganz gerade Richtung 
des Weges von der Frankenfurt nach Bornheim verhinderte. W r ir 
können eine spätere Verbindung Uber die Allerhciligengassc und 
Breitengassc, also des Ost-Endes von Frankfurt, mit dem jüngeren 
Bornheim verfolgen; sie führt über den „Sand weg", meidet ebenso 
den Hermessumpf, wie die Sümpfe des Fischerfelds. Dieser Weg 
scheint die alte Bergerstrasse beeinträchtigt und theilweise entbehr- 
lich gemacht zu haben ; die letztere wurde nach dem Rand der Born- 
heimerhaide hin gedrängt, zog dann über den Sandweg, und wurde 
weiterhin ganz zur Landwehr verwendet Sie reicht jetzt nicht mehr 
bis zum BrÜckchen, auf welchem sich die Strassen wieder vereinig- 



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- 233 



ten. Die nördlichere dieser Strassen ist die Gelnhäuserstrasse; es ist 
die Fahrstraase oder Güterstrasse nach dem nördlichen und mittleren 
Theil von Frankfurt, andererseits nach Bergen und Gelnhausen. Bei 
der Nachtweide durchsog sie den eisernen Schlag und die Landwehr, 
hinter Seckbach führte sie durch die Wingerte nach Bergen hinauf. 

Es ist schwierig aufzusuchen, zu welcher Zeit wol eine Strasse 
nach Hanau in der Ebene geführt worden sei. Wie in der Fahrgasse 
bei der Mehlwaage etwa 16 Fuss tief ein alter Steinweg zu Tage 
gekommen ist, so fanden sich bei Canalisirung des Metzgerbruches 
dicht bei dem Brückchcn der Planauerchaussee, tief unter dem Moor- 
grund grössere und kleinere alte Hufeisen und Pferdeknochen. Ks 
war dies die Stelle, wo der alte nördliche MaineBarm am schmälsten 
war, und den leichtesten Uebergang darbot Die Strasse welche von 
der Frankenfurt auf den Bornheiracrberg zog, zweigte am Fusse 
desselben östlich nach Hanau oder nach Kesselstadt ab. Sie über- 
brückte hier wol den Metzgerbruch und zog auf der höchsten Erhe- 
bung des Flachlandes dahin. Noch jetzt bezeichnet die Chaussee die 
Richtung dieses Weges. Einzelne Pferde mögen von der mangel- 
haften Holzbrücke gestürzt, oder durch das Eis gebrochen sein; ihre 
Eisen, ihre Knochen fanden sich mehr als 10 Fuss tief unter der 
jetzigen Oberfläche des Bodens , von Torf überdeckt. Nach den Aus- 
sagen sachverständiger Männer sind diese Hufeisen von sehr guter 
Arbeit, von schön geschwungener Form, vordere wie hintere Eisen. 
Einige sind mit Stollen, eine Falz ist bemerklich und Nagelköpfe; 
ein grösseres Eisen, wie sie jetzt bei kranken oder zu schonenden 
Pferdehufen angewendet werden. So finden wir in diesen Besten, welche 
wol aus den ältesten Zeiten der Frankenfurt stammen, die Gewerbe 
bereits auf einer gewissen Höhe. 

In dem Vorstehenden ist mehrfach des störenden Einflusses ge- 
dacht worden, welchen äussere Verhältnisse im Laufe der Zeiten auf 
die Richtung der Strassen ausgeübt haben. Es giebt kaum etwas 
zäheres, unverwüstlicheres als die Richtung einer Strasse. Ein Bei- 
spiel liegt uns in der alten Eckenheimerstrasse vor, welche von der 
Höhe herabsteigend unterhalb des Friedhofs nach zwei Richtungen 
sich abzweigte, nach dem östlichen Theile von Frankfurt und nach 
dem nördlichen. Durch die Ackerbesitzer ist der letztere Weg mehr 
und mehr bedrängt worden, allein die Wanderer hielten stets an der 
geraden Richtung fest. Auf dem Plane welchen Thomas im Jahre 
1790 verfertigt hat, ist diese Richtung noch angedeutet Neuerdings 
brachten es die Grundbesitzer dahin, ein Verbot des alten Weges zu 
erwirken. An einem Sonntag Morgen war ein Stock aufgerichtet mit 



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- 234 - 



der Warnung; zwei Feldschützen standen zur Bekräftigung daneben, 
wiesen die Leute rechts ab, nach der Chaussee. Diese machten laut 
ihrem Unmuthe Luft, beriefen sich auf das Recht des Publikums, 
aber keiner hatte Lust, zur Wahrung desselben die Gerichte anzuge- 
hen. Ganz im Stillen jedoch bildete sich in kurzer Zeit ein neuer 
Weg neben dem alten verbotenen, und wird nun gerade so begangen, 
wie sonst der alte — 

Zweierlei Dinge haben weit störender auf die Richtung der 
Strassen der Frankenfurt eigenwirkt, als ein blosses Verbot. Einmal 
die Umschliessung der Stadt selbst mit Mauern und Gräben, dann die 
Herstellung der Landwehr in weiterer Entfernung von der Stadt 
Die Sicherheit verlangte eine Beschränkung der Anzahl der Pforten 
und Thore; so war im Innern der Stadt eine Hemmung oder Er- 
schwerung des Verkehrs herbeigeführt worden bei der Bornheimer- 
pforte für den Ausgang gegen Osten, bei der Hasengasse und bei 
dem Liebfrauenberge für den Ausgang nach Norden. Mit der soge- 
nannten zweiten Stadterweiterung wurde der Verkehr mit Born heim 
ebenso in der Richtung der Breiteugasse und dem Sandweg durch- 
schnitten, wie auf der Bergerstrasse; weiter die Eckenheimerstrasse 
bei der Altgasse, und der Weg von der Brücke nach Eschersheim 
bei der Schliiuniauer. Sachsenhausen wurde geschlossen bei der Op- 
penheimerpforte und am Thiergarten. Die Landwehr hat den öst- 
lich, nach Seckbach über den Berg führenden Weg bei dem 
Seheidswald abgeschnitten 35 ; sie zog auf der Gränze der Feldmark 
nach der Bergerstrasse, welche sie, wie angeführt, theil weise zerstörte, 
lief um den untern Theil der Bornhcimcrhaide und durchschnitt da- 
selbst zwei BornheimerWege. An dem östlichen Zugange Bornheims 
war ein Fallthor angebracht; die Landwehr begann wieder am nord- 
östlichen Ausgang beim Adlersweg, zog nach dem Seckbacher- oder 
Sulzen-Schlag, von wo sie jetzt noch in der nordwestlichen Richtung 
verfolgt werden kanu; sie durchschnitt hier den Weg von Bornheim 
nach Vilbel und nach Eckenheim. Weiterhin zwang sie die Wege 
nach Praunheim und nach Ginnheim über den Ginnheimer Steg, und ' 
durchschnitt den Wellerpfad nach Preungesheim. 

Wie die Verkehrsverhältnisse auf dem rechten Ufer des Maines 
andeuten, dass die Frankenfurt den Römern ohne besondere Bedeu- 
tung gewesen, so auch die Strassen auf der linken Seite des Flusses. 



>» An dem Abhang des Borges daselbst ist auf alten Plänen auch ein 
Jndenkirchhof verzeichnet. 



— 235 - 

Auch hier führen die ältesten Strassen hoch über der sumpfreichen 
Ebene. Ein solcher Weg ist der Bischofsweg, der vielleicht oder 
wahrscheinlich bereits zu der Römer Zeit von Mainz nach Aschaffen- 
burg führte. Er zieht hoch oben an der Frankenfurt vorüber. Von 
dem Königslacher Bronnen im Wäldchen beim Forsthause lenkt er 
«ach Südosten, überschreitet die Königsbach bei der schwarzen 
Steinkaute auf den zwei Brückchen, führt dann dem Lärchesberg 3 * 
hinauf, südlich der Warte vorüber. Diesen Weg ritten später die 
Mainzer Bischöfe, wenn sie Aschaffenburg besuchten 87 . 

Eine spätere Zeit ist angedeutet in dem Wege, welcher von 
der Königsbach, oberhalb dem Ried oder Sumpf in dem der Riedhof 
liegt, am Fusse des Sachsenhäuser Berges ostwärts zum Hainerweg 
fahrt. Zu dieser Zeit war die Frankenfurt benutzt, die Wege ziehen 
jetzt nach ihr hin, selbst die „alte Strasse", welche südlich bei Ober- 
rad vorüber, von Offenbach nach dem Seehof und weiter über den 
Mühlberg führt. Mit diesen beiden Strassen leiten alle von Süden 
kommenden Wege nach einem Puncte, an welchem der Uebergang 
über den Sachsenhäuser Mainesarm bewerkstelligt wurde. Die Rich- 
tung dieser Strassen bezeichnet für das untere Mainland eine neue 
Zeit und eine neue Cultur, und der Name der Furt daselbst zeigt 
uns an, wem diese Zeit gehörte! 

Die Richtung aller nach der Frankenfurt ziehenden Strassen 
lässt keinen Zweifel dagegen aufkommen, dass auf der rechten 
►Seite des Maines der Landungsplatz der Furt an der Stelle gewesen, 
wo jetzt in Frankfurt die Fischergasse und die Fahrgasse nach dem 
Maine führen. Mag die Stelle jetzt durchaus umgewandelt sein , er- 
höht, tiberbaut — dorthin führten in den ältesten Zeiten schon die 
Strassen. Oestlich dieser Stelle, auf dem Fischerfeld, zog Niederung 
und Sumpf weit in's Land hinein, nordwestlich, auf der alten Main- 
insel, siedelte sich der älteste Stadttheil an; von der Furt durch die 
Fwchcrgasse aufwärts nach dem Dome und weiterhin auf dem Markt 
war die eigentliche Niederlassung „bei der Frankenfurt" 38 . 

Es scheint dass eigentlich nicht die Fahrgasse, sondern die 
Fischergasse die älteste Strasseurichtung bei der Frankenfurt be- 



" Der Name ist sehr verschieden in den Urkunden und auf den alten 
Karten geschrieben, z. B. Lechlingsberg. Es stand Nadelholz darauf. 

" Vergl. den älteren Aufsatz: Die Wege des Frankfurter Waldes, abge- 
druckt im Frankf. Conv. -Blatt. 1861. Nr. 115 ff. 

* Noch 1465 beisst es in einem kaiserlichen Schreiben : Unser und des 
Reichs statt zu Frankfurt auf dem Msyne. Vergl. oben 8. 212 Note. 



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- 236 



zeichnet. Der Weg von der Fischerpforte nach der Höhe der Main- 
Insel, dein Markte, führte wol auf der Wasserscheide hin, ist aber 
allmälig durch spätere Bauten, z. B. beim Pergaraeuterplätzehen fast 
unkenntlich geworden. Auf der Höhe selbst hat der Bau des Doms 
und der Friedhof jede sichere Spur der Strassen verwischt ; bei dieser 
höchsten Stelle schied der Weg, welcher durch die Borngasao nord- 
wärts über d*«n Mainesarm führte, von der StrasBC, welche die Rich- 
tung der ältesten Niederlassung oder Ansiedelung bezeichnet, von dem 
Markte, dem höchsten Rücken der Main-Insel. Wahrscheinlich war 
gerade in der Boragassc der versumpfte Mainarm am leichtesten zu 
überschreiten, oder es veranlasste der Born, dass hier der Weg sich 
bildete. Dieser Born lag jenseits des Grabens, am Fusse der An- 
höhe, welche nach dem Bornheimerberg hinaufzog, wahrscheinlich 
haben hier bei dieser Quelle die Strassen nach Norden sich getheilt, 
es liegt aber für diese Vermuthung jetzt nur die entferntere Richtung 
der Strassen noch vor, in nächster Nähe hat der Hof der Johanniter 
die nordöstlich ziehenden Strassen verwischt, s. lig. 




Der obere Theil der Fahrgasse ist nach dieser Quelle gerichtet; 
ebenso die Lindl leimergasse und die Geinhäusergasse, deren weiterer 
Verlauf in der Schäfergasse und in Bornheim sich vorfindet. Der 
kürzeste Weg nach Eschersheim zog durch den Trier'schen Hof; 
als zeitweise die königliche Münze diesen Platz eingenommen, 
mag die Steingassc als Ilauptstrasse gedient haben. Sehr zu be- 
achten bleibt hier die Mittheilung Battonn's, dass die Schnurgasse 
eine grössere Breite gehabt, und dass, wie vor anderen Thoren der 



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- 237 - 



Stadt, ein Pfuhl anch bei der Gelnhänsergasse gelegen, b. Heft III. 
S. 3. 4. 24. 

Da in den letzten Tagen dies dritte lieft von Battonn's örtlicher 
Beschreibung der Stadt Frankfurt, mit den v. Fichard'Bchen Zusätzen 
veröffentlicht worden ist, so konnten diese trefflichen Mittheilungen 
bei dieser vorliegenden Arbeit noch benutzt werden. Es gehen diese 
ausgezeichneten Forscher davon nus, dass Frankfurt seine Entstehung 
den Königen verdanke, dass der Römerberg mit der Sala der Platz 
gewesen, um welchen her die übrigen Theile der Stadt sich angelegt. 
Zu gleichem Resultate ist die vorliegende Arbeit nicht gelangt; die 
Aufschlüsse, welche die Strassen der Stadt uns geben, scheinen viel- 
mehr alle dahin zu deuten, dass Frankfurt in seiner oberen Altstadt 
schon vor den Königen bestanden, dass erst der untere Theil der 
Altstadt, d. h. die um den Saalhof und die Leonhardskirche gelegenen 
Strassen, eine Schöpfung der königlichen Nahe gewesen. Die zwischen 
dem Markte und dem Saalhof hinziehenden Gh'sschen geben ein 
deutliches Bild dieser verschiedenen Entstehung, s fig. 




Die Gässchen der östlichen Altstadt ziehen nach dem Markt, 
insbesondere nach dem Hühnennarkt, der westliche Theil aber ist. 
nach dem Saalhof oder nach einem Eingänge desselben, da wo jetzt 
die Bendergasse ist, gerichtet. 

Demnach wäre nicht der Römerberg der Hauptplatz der ältesten 
Niederlassung gewesen, Bondcrn der Hühnermarkt oder Friedhof. 
Sehr mit Grund wol hat Battonn gerade an dieser Stelle die älteste 
Kirche Frankfurts gesucht, (s. 3. Hft 135) und Fichard in d. Wet- 
teravia S. 12. diese Vermuthung unterstützt Für ihre Ansicht spricht 
noch der Grund, dass in alten Zeiten die Kirchen au den Haupt- 
Htrassen erbaut wurden, der Lärm des Verkehrs brachte noch keine 



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Störung. An der bezeichneten Stelle zog nicht nur die Hauptstrasse 
vorüber, sondern es mündeten auch zwei Seitenstrassen, die Lange- 
schirn und der Tuchgaden. Diese sind nicht auf den Platz selbst 
gerichtet, sondern auf das Eckhaus Lit L. Nr. 144, zum Schlegel. 
Auf dieser Stelle hat , vielleicht die Kirche oder Kapelle in den ältes- 
ten Zeiten gestanden, der steigende Verkehr hat sie verscheucht. 
Fichard macht (Battonn, 3. S. 193) aufmerksam, wie blühend hier der 
Handel, wie gross das Gedränge an dieser Stelle gewesen sein müsse. 
Das sprechendste Zeugniss darüber giebt uns noch heute das gegen- 
überliegende Haus Lit M. Nr. 190, zum neuen rothen Haus, das auf 
Säulen ruht. Es schwebt Uber der Strasse, hat von dieser keinen 
Eingang, aus dem Nachbarhause Nr. 191 fuhrt der Zugang hinein. 
Welch ein Gewühl mag hier gewesen sein, welch ein Gedränge in den 
engen Strassen. Der Markt — sonst die Kramgasse, unter den Kremen — 
bezeichnet, wie bereits bemerkt, die Wasserscheide der Frankfurter 
Maininsel; auf dieser Hauptstrasse standen die wichtigsten Gebäude der 
Stadt, östlich die Hauptkirche (St Salvator) auf dem Kreuzungspunkte 
mit der Eschersheimer Strassenrichtung ; das Rathhaus daneben ; weiter- 
hin beim Freihofe und den Tuchgaden das Kaufhaus. Der Brunnen wel- 
cher auf der höchsten Stelle des Hühnermarktes steht, der Friedhofborn, 
ist ein vielleicht erst in verhältnissinässig späten Zeiten gegrabener; 
eine Quelle ist er nicht, wie ohne Zweifel der alte Born in der Born- 
gasse es war. Gegen Norden lallt die frühere Maininsel hier ziem- 
lich steil ab, so dass die alte Marienkapelle wol nicht auf der Nord- 
seite des Friedhofs gelegen war. Auf dem Abhang nach dem Main- 
arm lagen grössere Gehöfte oder Gärten, sie sind heut zu Tage 
noch in dem Haynerhofe, dem Keppelerhöfchen, dem Rebstock, dem 
Lämmchen, dem Numbergerhofe aufzufinden. Nur eine Strasse bil- 
dete sich noch auf diesem nördlichen Abhang: hinter dem Lämmcheti. 
Jetzt reicht diese Strasse bis zum Hühnermarkt, es ist nicht unwahr- 
scheinlich dass sie früher weiter gegen Osten gereicht (Vergl. 
Battonn, 3. Hft. 142 sub kl. Seligeneck.) 

So ist die Altstadt in der Richtung und dem Verlaufe des Mark- 
tes angedeutet Auffallend verengt sich dieser an seinem Ende beim 
steinernen Hause, wo mehrere Strassen sich vereinigen. Wie an ver- 
schiedenen andern Stellen eine solche Verengung ein ehemaliges 
Thor andeutet, so wol auch hier. Auf dem Samstagsberg fiel die 
Maininsel ab nach einer Mulde, deren westliche Seite jetzt der Rö- 
merberg bildet. Ueber diese Mulde hin zog der Weg von dem Markte 
westwärts nach der Wedelgasse, er hielt sich auf der Höhe (hinter 
dem Römer) längs des Mainarmes. Zur Zeit Karls des Grossen mag 



— 239 - 

dieser Stadttheil noch nicht bebaut gewesen sein; er ist weit geräum- 
iger angelegt als die eigentliche Altstadt oder Oberstadt Die Kö- 
nigspaläste waren Wasserburgen, sie lagen hinter Wassergräben in 
der sumpfigen Niederung des Flusses; der Saalhof am unteren Ende 
der angedeuteten Mulde, gerade in dem Wasserablauf; der andere 
Palast etwas weiter mainabwärts. Wol nicht der besseren Rundsicht 
wegen traten sie vor die Uferlinie heraus, sondern weil sie im 
Wasser lagen 39 . Vom Markte aus zog sich ein sehr bemerkenswer- 
ther Strassenfächer nach der Sala herab, von beiden Königspalästen 
aber zogen breite Strassen über den Mainarm hinüber und nach dem 
nordlich ziehenden Eschersheimer Wege, von dem Saalliof. die neue 
Kräine, von der Leonhardskirche die Buchgasse mit dem Kornmarkt. 
Der erstere Palast, der Saalhof, scheint der bedeutendere gewesen 
zu sein; nach ihm sieht eine grössere Zahl von Strassen, selbst das 
linke Mainufer beachtet nur diesen Palast 40 . 

Viel schwieriger als auf dem rechten Mainufer bleibt der Ab- 
fahrts- oder Landeplatz auf der linken Mainseite, in Sacbsenhausen, 
zu bestimmen. Die Richtung der Strasse welche, von Süden kom- 
mend, den Sachsenhäuser Bruch überschreitet, bleibt weiterhin die- 
selbe auf dem »Steinweg ; ' ; sie führt nach dem Affenthor, durch die 
Paradiesgasse nach dem Mainufer. In unseren Tagen finden wir da- 
selbst keinen Ausgang nach dem Flusse, allein der spätere Bau der 
Brücke hat manche Bedürfnisse umgestaltet Wir müssen uns vor- 
erst noch Brücke und Stadtmauer, Mühl wehre, in's Flussbett vor- 
gerückte Steinschanzen und das dahinter angeschwemmte Land mit 
den heutigen Bleichen wegdenken, wir werden dann mit ziemlicher 
Sicherheit die Paradiesgasse und den Stadttheil, welcher östlich der- 
selben von der kleinen und der grossen Rittergasse umschlossen ist, 
als den ältesten Theil Sachsenhausens bezeichnen können. Die abge- 
rundete Form desselben finden wir in dem Kern mehrerer alten 
Ortschaften des Taunus ähnlich vor. Hier mochte, wie drüben an 
der Fischergasse, der Fluss die Wohnungen fast erreichen. Zur Seite 
des Gässchens bei des Francken Hof zeigt ein Strich in der Mauer 
die Wasserhöhe von 1784 etwa 4 Schuh über dem Strassenpflaster. 
Eine solche Wasserhöhe rauss also schon zur Zeit der ersten Ansied- 
inngen in Sachsenhausen eine nicht gewöhnliche gewesen sein. 



Vergl. Krieg von Hochfelden, die ältesten Bauwerke im Saalliof. Archiv 
f. Frankf. Gesoh. u Kunst. III. Heft. S. 1. 

♦o Vergl. Battonn, Besohr. d. St. Frankf. I S. 25. 



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Wir können noch jetzt leicht beobachten wie bei steigendem 
Hochwasser zuerst der unterhalb der Brücke gelegene Theil Ton 
Sachsenhausen tiberschwemmt wird , dann tritt das Gewässer bei dem 
Deutschen Hause in den oberen Theil, weiter durch die Antauche in 
die Rittergasse; langsam nur steigt es in der Paradiesgasse, die 
nicht unbedeutenden Fall hat. Hier scheint der alte Landungsplatz 
der Furt gesucht werden zu müssen, da wo jetzt die Stadtmauer 
mit dem einen Hirtenthurm, oder wo der Frankensteiner Hof steht 
Auf dem Plan von 1552 ist daselbst eine Pforte. 

Fichard « hält die Brückenstrasse für den ältesten Theil von 
Sachsenhausen. Allein diese Strasse hat nicht das Kennzeichen der 
alten Strassen, welche immer in geradester Richtung auf ihr Ziel 
gehen. Sie hält die südliche Richtung nur kurz ein, stösst sehr bald 
auf die Dreikönigstrasse und deren Verlängerung, die Elisabethen- 
gasse; in diese letztere biegt man ein, fast unter einem rechten 
Winkel, gelangt so nach der Paradiesgasse; auf dieser erst geht es 
wieder südwärts dem Steinwege zu. 

Viel älter als die Brückenstrasse scheint der Weg zu sein, in 
welchen sie einmündet, die Dreikönigstrasse, weiterhin Elisabethen- 
gasse genannt. Dieser Weg trifft etwa in der Gegend des Ulrichstei- 
nes auf den Main, au welcher Stelle noch auf dem Plane von 15öS? 
eine Ueberfahrt angegeben ist. Sie ging nach der Fahrpforte oder 
dem Saalhof, und war bedingt durch das Vorhandensein des Königa- 
palastes; sie ist jünger als dieser. Die Strasse zieht auf dem linken 
Maiuufer von der Ueberfahrt ostwärts nach der Paradiesgasse und 
demUebergang des Sachsenhäuser Bruches; es bot sich kein näherer 
Weg dar um nach dein Süden zu gelangen. Sie mag in ihrem unte- 
ren Theile lange unbebaut geblieben sein, denn noch jetzt wird dieser 
untere Theil als Dreikönig „Strasse" bezeichnet, der obere als „Eli- 
sabethen jjgasse". Diese Namen selbst sind wol aus verhältnisamässig 
später Zeit; die Elisabethencapelle wurde von den Deutschen Herren 
auf der Südseite dieses Weges, am Ende der Brückenstrasse errich- 
tet Der Platz wo sie stand, ist erst im Anfange dieses Jahrhunderts 
zur Verlängerung der Brückenstrasse verwendet worden. 

Man weiss nicht genau, zu welcher Zeit die Brücke nach Sach- 
senhausen gebaut worden ist; es bestand damals gewiss schon der 
obere, dicht gedrängte Theil von Sachsenhausen, ebenso die Drei- 
königstrasse, oder vielmehr der Weg von der Königsfurt nach dem 
Steinweg über den Sachsenhäuser Bruch. Der Ort mag damals noch 



Vergl. Battonn, Orth Beschr. d. Stadt Frkf. I. 8. 22€. 



sehr klein gewesen sein, er hatte wol keine Kirche. Als die Brücke, 
vielleicht um das Jahr tausend, hergestellt wurde, war Platz genug 
vorbanden, es bildete sich eine sehr breite Strasse, auf welcher die 
Brück enarbeiter, Zimmerleute und Schmiede behaglich arbeiten 
konnten. Es ist die breiteste Strasse der Altstadt, obgleich sie bei 
dem Bau des Deutschen Hauses von ihrer Breite verloren haben mag. 

Auffallend ist es dass gerade in dem mittleren Theile von Sach- 
senhausen, zunächst der Brücke, grosse Besitzungen sich erhalten 
haben. Es lagen daselbst die Wohnungen der Ministerialen, während 
die kleinen Absiedlungen der Gewerbtreibenden, östlich bei der Para- 
diesgasse, und westlich dem Maine entlang bis zur unteren Ueber- 
fahrt bei dem Königspalaste sich erhoben hatten. Auch hier scheinen 
zwei verschiedene Veranlassungen der langen Streckung des 
ursprünglichen Dorfes Sachsenhausen zu Grunde gelegen zu haben, 
einmal die Frankenfurt, dann die Nähe der Königsburg und die 
Ueberfahrt daselbst. 

Von der Brücke mainabwärts bis zur alten Ueberfahrt bei dem 
Königspalaste bildete sich allmälig eine Gasse, jetzt die Löhergasse. 
Sie stammt wol aus dem Zeitraum zwischen dem Bau des Königs- 
palastes und dem Brückenbau, und war gewiss immer vorzugsweise 
von Gewerbsleuten bewohnt, welche an oder auf dem Flusse ihre 
Nahrung fanden. Als im Jahre 1338 — 40 in Sachsenhausen eine 
Kirche gestiftet wurde, fand sie ihren Platz auf der Südseite dieser 
Strasse. Die Bewohner von Sachsenhausen wanderten am Ruhetage 
nicht hinauf, zur höchsten Stelle der Gegend — wie man sonst wol 
in älteren Ortschaften des Mainthaies die Kirche zu stellen pflegte — 
sie gingen hinab, oder sie fuhren in Kähnen zur Kirche, wenn 
Ueberschwemmungen eingetreten waren. Die Kirche, der Geistliche 
und der Schullehrer ist dem Unterquartier immer geblieben, das 
Oberquartier aber hatte die zwei weltlichen Hirten. 

Es drängt sich hier die Erinnerung an eine Sage auf, nach 
welcher Sachsenhausen von Sachsen erbaut worden sein soll. Dass 
dies unter Carl dem Grossen geschehen sei, ist mehrfach und von 
ausgezeichneten Forschern bezweifelt worden * 2 . Es mag erlaubt 
sein , auch diese Frage hier zu berühren. 

Bekannt ist die grosse Verschiedenheit der Bewohner Sachsen- 
hausens von den Frankfurtern. Sie zeigt sich in Sprache, in Sitten 
und Gewohnheiten, und selbst in der Rechtsanschauung w . Allein 

« So z. B. von Fiohard, in Battonn I. S. 227. 
♦3 Vergl, Kirchner I. 8. 20. 

16 



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242 



eine solche Verschiedenheit ist keineswegs gerade in einem Stamm 
unterschied zu suchen, sie entwickelt sich ebensowol aus verschie- 
dener Gewerbsthätigkeit. Während der Handel den Frankfurter 
unablässig veranlasste, mit den verschiedensten Menschen in Be- 
rührung zu treten, lebte der feldbautreibende Sachsenhäuser abge- 
schlossen und einförmig für sich hin 44 . 

Weit wesentlicher scheint die Verschiedenheit des oberen und 
des unteren Quartieres in Hachsenhausen zu sein. Jetzt wird der 
Theil oberhalb der Brücke vorzugsweise von Gärtnern bewohnt, 
unterhalb wohnen mehr Fischer und Gerber, doch haben auch diese 
zum Theil schöne Güter, Baumwachs und Weinwachs. Früher mag 
dies anders gewesen sein; als die Carolinger längst dahin gegangen, 
war noch die Umgegend von Sachsenhausen Wald und Sumpf, der 
Wald deckte noch den Sachsenhäuser Berg, er reichte bis zum 
Main. Die Sachsenhäuser hatten ihre Nahrung auf dem Maine; 
Ober-Reusen hicssen die Bewohner des oberen Theils, Unter-Reusen 
die andern. Beide waren also Fischer. Sie hatten als solche keinen 
besondern Zunftverband, sie bildeten eine gemeinschaftliche Zunft 
mit den Frankfurter Fischern, hatten aber eine besondere Zunft- 
stube. 

Anders ist es mit den Gärtnern, die sich wol allmälig ihr Feld 
urbar machten, und den Feldbau zu ihrer Nahrung betrieben; sie 
waren nie zünftig und auch nicht rathsföhig; sie blieben Weingärt- 
ner bis sie spät, erst im Jahre 1843, nach langem Processiren und 
Bitten, zu einer besonderen Genossenschaft zusammentreten durften. 
Als 20 Jahre später alle Zunftscbranken fielen, zählten sie über 
200 Meister, die Frankfurter Gärtnerzunft kaum deren 50. 

Die Ober-Reusen und die Unter-Reusen ohne gerade in Feind 
schaft zu leben, haben sich doch stets gemieden, sie kamen nicht leicht 
zum Wein zusammen; alte Familien, wie die Rumbier, die Frey- 
eisen, die Schenk sind immer in ihrem Quartier verblieben; ein sel- 
tener Fall ist es, wenn einzelne Familienglied er wegziehen. 

Sollte diese Abneigung auf Stammesverschiedenheit und auf 
sehr alte Zeiten zurückzufuhren sein? Auch dies möchte stark zu 
bezweifeln sein. W r enn Carl der Grosse Sachsen nach dem Franken- 



" Neuere Reisebeschreibungen heben das fürchterliche Fluchen und Schwören 
der Sachscuhiiuscr alB eine besondere Eigentümlichkeit hervor. Dies war nicht 
immer so. Als im Jahr 1532 ein Diener des Amtmanns im Hain vor dem 
Schlag bei der Holen (Quirinspforte) Bauern, weil sie unberechtigt Holz nach 
Frankfurt führten, anhielt, entsetzten sich die Zeugen aus Sachsen hausen aber 
sein lästerliche« Fluchen. Acta Mglb. A. 46. Tom. IX. S. 44 sqq.. 



.gle 



lande verpflanzt hat, so musste er ihnen auch Ländereien geben, 
auf denen sie leben konnten. Solche waren aber in Sachsenhausen 
damals nicht vorhanden, selbst der Fischfang war nicht mehr frei. 
Einzelne Familien mögen sich im unteren Theile von Sachaenhausen 
angebaut haben, sie mögen selbst allraälig dem Dorfe den Namen 
gegeben haben, aber dass eine Sachsische Colonie Sachsenhausen ge- 
gründet habe, dafür liegt gar keine Wahrscheinlichkeit vor. — Es 
scheint dass die Bezeichnung „hausen" eine kleine Ansiedlung an- 
deute; solche Ortschaften sind vielfach wieder ausgegangen, so Wil- 
kommshausen, Hausen bei Oberursel, VeltmershauBen am Feldberg. 
Andere derartige Ortschaften sind aber gediehen, wie Geilenhausen, 
Baben- (Buben-) hausen, Holzhausen. Alle Ortsnamen unserer Gegend 
beziehen sich entweder auf ihre Lage, wie HochBtadt, Ostheim, oder 
auf Gegenstände der Landwirthschaft und der Waldcultur, wie Stier- 
stadt, Seulberg, Lindheim, Heckstadt, Eschenhahn, Rodheim, Meer- 
felden, oder aber, wie wol am meisten, auf die Person, den Bewoh- 
ner, wie Sossenheim, Eckenheim, Ruppertshain und die meisten mit 
„hausen* zusammengesetzte Namen. So mag es sich auch mit Sach- 
senhausen verhalten, dem entweder ein oder mehrere des Namens 
oder — was wol dasselbe ist — des Stammes der Sachsen ihren 
Namen gegeben haben*. 

An den Brückenbau knüpft sich wol die Entstehung der Fahr- 
nisse; sie läuft weit tiefer als der Markt, am östlichen Saume der 
Maininsel, über dem Fischerfelde hin. In unseren Tagen macht sich 
das Bedürfniss mehrerer Brücken geltend, zugleich aber die Schwie- 
rigkeit die passende Stelle zu finden, welche nicht allzuviele Interes- 
sen verletzt, möglichst viele berücksichtigt So hat man wol auch 
zu der Carolinger Zeit die Brücke nahe an die Furt gelegt, zugleich 
aber eine neue Strasse geschaffen, welche nicht gehindert von den 
bestehenden kleinen Verhältnissen , breiter dahinzog und erst beim 
Johanniterhof in die alte nach Norden führende Strasse mündet. 
Das in der Tiefe der Fahrgasse aufgefundene Pflaster dürfte dann 
kaum Römischen Ursprungs gewesen sein. 

Weit mehr bebaut als der nördliche Abhang war die Maininsel 
auf dem Abfall gegen Süden, wo die Bendergasse in gleicher Rich- 
tung mit der Hauptstrasse zog, nach Erbauung der Königspaläste 



4» Gewiss unrichtig aber ißt es, wenn der Name Sachsenhausen auf „an- 
sässig" bezogen wird, wie im „Elsass", denn so würde das Wort „hausen" nur 



" 



- 244 - 



auch die Saalgasse, welche von diesen nach der Furt, oder auch 
nach der Fahrgasse führte. Bei dem Eingang in den Saalhof verengte 
sich die Saalgasse; sie erhielt in westlicher Richtung eine Verlänge- 
rung nach dem andern Königspalast, in der Mainzergaase. Die 
Bendergasse aher hlieb auf die obere Altstadt beschränkt, es war 
keine Veranlassung fttr eine Ausdehnung nach der unteren Altstadt 
vorhanden. 

Als eine nördliche Stadterweiterung — gewöhnlich als „erste u 
bezeichnet — über den Mainarm erfolgte, hatte sich wol schon jen- 
seits eine Strassenanlage vorbereitet, die Schnurgasse, in dem Namen 
ebenso wie in der Veranlassung ganz übereinstimmend mit der Zeil, 
welche die zweite oder eigentlich die dritte Stadterweiterung andeu- 
tet Battonn giebt sich grosse Mühe im dritten Hefte nachzuweisen, 
wie eigentlich Schnurrgasse müsse gesprochen und geschrieben wer- 
den, allein er selbst macht zugleich darauf aufmerksam, dass diese 
Gasse vor Zeiten so breit als die Zeil gewesen, dass also da* 
Schnurren der Räder drinnen in den Häusern nicht so störend ge- 
wesen sein möge. Das Volk fragt nicht die Gelehrten, wie es schrei- 
ben und sprechen solle, es spricht so wie die Väter gesprochen. 

Kur drei Gassen führten aus der Altstadt hinüber nach der 
damaligen Neustadt, die Fahrgasse westlich, die Borngaase mehr in 
der Mitte, die neue Krame westlich. Dies mochte dem BcdUrfniss 
nicht genügen, so dass die NeugasBe noch geschaffen wurde. Viel- 
leicht wurde zu diesem Zwecke der Friedhof auf dem Markte dem 
Verkehr geopfert. Wie wichtig die Neugasse gewesen, das zeigen 
die vielen Sackgässchen, welche in sie münden. Die Höfe auf dem 
nördlichen Abhang der Maininsel hinderten die Verbindung; in eig- 
nem Interesse öffneten sich dem Durchgang der Rebstock und der 
Nürnbergerhof , aber nur bei Tage. Jetzt wurde auch die Vertiefung 
des alten Mainarmes bebaut, besonders von Gewerben welche Wasser 
brauchten, wie Färbereien und Badstuben. Nur ein grösserer Hof 
bildete sich zwischen dem Mainarm und der Schnurgasse, der Hot 
des Johanniterordens. Er hat wol, wie bemerkt, die verschiedenen 
abzweigenden Strassen, vom Born nordwärts, beschränkt; es blieb nur 
die Borngasse, bis zu welcher der Hof hin reichte. 

Für den Höhenrücken des neuumschlossenen Stadttheils ist die 
Döngesgasse zu halten, mit dem Liebfrauenberg. Auch sie hatte an 
diesem Kreuzungspunkte eine Kirche. In ähnlicher Weise wie die 
Döngesgasse zur Schnurgasse sich verhält, scheint auch die Vilbeler- 
gasse bei der Peterskirche vorUber nach dem Eschenheimerthore eine 
Verlängerung gehabt zu haben, anders liease sich das plötslich« 



245 — 



Umbiegen der Schäfergasse (der Fortsetzung der Gelnhäusergasse) 
beim alten Kirchhof kaum erklären. 

Es mag hier des Unterschiedes in der Bezeichnung von Gassen 
und von Strassen gedacht werden, welchen Herr Dr. Finger richtig 
gedeutet hat Erstere bezeichnen die auf beiden Seiten dicht ange- 
bauten, mit Häuser besetzten Wege der Altstadt, Strassen finden 
sich nur in der Neustadt; sie sind unvollständig bebaut gewesen. Aber 
auch hier werden die alten Wege, die Allerheiligengasse und Brei- 
tengasse, die Vilbelergasse und Hammelsgasse, die Altgasse und 
Schäfergasse, die Eschenheimergasse, in der Bezeichnung selbst als 
wol bebaut geschildert 

Wenn schon bei der ersten nördlichen Stadterweiterung es sich 
zeigte, wie schwer geeignete Verbindungsmittel geschaffen wurden, 
so dies noch weit mehr bei der zweiten nach dem Jahre 1333. Auch 
diesmal waren es nur die zwei alten Wege, welche zu Strassenver- 
bindungen der Altstadt und der Neustadt verwendet wurden, die 
Fahrgasse nach der Friedbergergasse und die Borngasse mit der 
Hasengasse nach der Schiimmenmauer, jetzt Stiftsstrasse. Ausser 
diesen hatte, bis vor wenigen Jahren, die Zeil keine Verbindung mit 
der Döngesgasse. 

Nicht nur für die Frankenfurt, auch für das ganze Land zwi- 
schen Rhein, Main und Odenwald ist die Zeit der Franken von der 
höchsten Bedeutung geworden. Zur Röraerzeit befand sich die Haupt- 
strasse welche vom mittleren Rheine nach Osten zog, auf der rech- 
ten Mainseite. Zur Zeit der Fränkischen Könige wurde das linke 
Mainufer das betretnero. Die Fahr über den Rhein bei Weissenau 
nächst Mainz wurde ein Reichslchen, die Befestigung bei Rüssels- 
heim und bei Kelsterbach wurden strategisch wichtige Puncte. Glän- 
zende Reichs Versammlungen werden jetzt auf dem linken Mainufer, 
zwischen Rhein und Main gehalten, zahlreiche Güterwagen ziehen 
zwischen den aufblühenden Reichsstädten dabin. 

Die Carolinger hatten auf der Mainspitzc einen Königssitz zu 
Trebur oder Treber **. Es war die Nähe von Worms, Oppenheim 
und Mainz, der vortreffliche Boden, die reichen Wiesen und der 
nahe Forst, welche für die Anlage dieser, an der kleinen Schwarz- 
bach gelegenen Villa entschieden. Ringsum eine freundliche Aussicht, 



** Aach dieser Name klingt fremdartig, man hat ihn mit Trier in Verbin* 
dung gebracht, an eine Pflanzstätte der Trevirer gedacht Vergl. Dilthey, 
Völkerstämme am Mittelrhein, Hess. Archiv V. 3. Hft. 



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— 246 — 

begrenzt durch die Hügel jenseits des Rheins, durch den Taunus, 
den Odenwald. Unter den Fränkischen Kaisern wurden häufig die 
Grossen des Reichs nach Trebur berufen. Von den drei Kirchen, 
die sich daselbst erhoben, ist jetzt nur noch eine einzige übrig, auf 
den Grundmauern der St. Laurenzienkirche erbaut. Alle übrige 
Herrlichkeit, Kirchen und Palast sind fast spurlos verschwunden. Man 
kennt nicht mehr die Stelle, wo der Kaiserpalast gestanden* 7 . Tre- 
bur und Königstedten sind reiche Bauerndörfer geworden, aber die 
alten Strassen haben sich erhalten. Südöstlich über Geinsheim geht 
der Weg nach der Rheinfurt bei Oppenhehn, die alte, hochgelegene 
„Hosterstrasse 1 ' findet sich da noch; nordöstlich zieht, über König- 
stedten, der Weg nach der Frankenfurt Dieser Weg ist nooh auf 
:ilten Karten als Königstedter Strasse bezeichnet. Er führt von die- 
sem Orte nach den Gondt- oder Gundhöfen, von da unweit dem 
Vier-Herrentische oder dem Vier-Herrenstein vorüber nach dem 
Königslacher Bronn beim Frankfurter Forsthaus. Mir ist in unsern 
Tagen noch von Hasslocher Waldarbeitern diese Strasse als „Aschaf- 
fenburgerstrasse" bezeichnet worden, auch in der Hessischen Gene- 
ralstabskarte ist sie so aufgeführt; wahrscheinlich ist sie älter als 
Frankfurt 

Für diese Strasse nach Südwesten entstand, in verhältnissmässig 
wol späteren Zeiten, ein Uebergang Uber den ehemaligen Sachsen- 
häuser Mainesarm, die Oppenheimerstrasse; sie führte zum Oppen- 
heimerthore, durch ein schmales Gässchcn in Sachsenhausen nach 
der Dreikönigstrasse und der Brücke: es ist kein alter, mit der 
Frankenfurt aufgewachsener Weg; der Festungsgraben schnitt später 
die Strasse entzwei 48 , das Landpförtchcn am ITlrichstcine wurde 
erweitert, dass die Wagen durch das Schaumainthor gelangen konn- 
ten, aber der grosse Verkehr ging doch durch das Affenthor. 

Von dem Schaumainthore aus führte durch Buschwerk und Wie- 
sen nur ein Fusspfad nach dem Sandhof und nach Niederrad. Er 
überschritt die Königsbach , hier auch Riedbach genannt, unweit des 
Sandhofs auf dem hohen Steg, an der Stelle, wo der alte Main eaarm 
durch herabgeführten Sand hoch überdeckt ist. Bis zum heutigen 
Tag muss dieser Pfad und dieser Steg dem an manchen Tagen so 
unendlich gesteigerten Verkehr genügen. Aber dafür sehen wir auch 
an jedem schönen Abend, unbelästigt von dem Staub der Carossen, 



« Vergl. Bcnkard, die Reichspaläste zu Tribnr etc. 

♦* Erat im Jahre 1864 ist die Verbindung wiederhergestellt worden. 



— 2*7 — 



so viele Schaaren glücklicher Men sehen auf diesem Pfade durch das 
wogende Korn nach dem Walde ziehen. 

Oberrad* 9 mag älter »ein als Niederrad, das mehr noch in der 
feuchten Niederung lag ; beide aber sind , wie wol nicht zu be- 
zweifeln sein mag, weit jünger als Frankfurt. Es waren 
gewiss ärmliche Rodeplätzo, sie hatten fast keine Ländereien. Es 
mögen nur wenige Wohnungen gewesen sein, die unterhalb der alten 
Strasse nach Offenbach bei den Quellen in der Nähe der Kirche 
aufgebaut wurden. Die Bewohner trieben ihr Vieh in den Frank- 
furter Wald, der Viehweg bildete das Ende des Dorfes. Im vier- 
zehnten Jahrhundert theilte sich Oberrad mit Sachsenhausen in den 
Waldboden, der bis zur Landwehr hin urbar gemacht wurde. Wol 
der Streitigkeit wegen über den Wiltbann begünstigte der Frank- 
furter Rath dieses Roden. Der neue Berg ist bis auf unsere Zeit 
grossentheils mit Reben bepflanzt; diese Cultur hat die Eigentüm- 
lichkeit, dass sie, wie in Sicilien, gegen Norden gelagert ist. Die 
Sachsenhäuser theilten mit den Oberrädern den Waldboden durch 
eine faBt ganz gerade Linie, welche die Gränze der Oberräder Ter- 
bildet ». 

Es führte nach Oberrad, als es am BergeBabhange sich erhob, 
ein Fahrweg von der Quirinspforte ostwärts am Fusse des 
neuen Berges hin. Der alte Weg auf der Höhe wurde nach und 
nach verlassen. Aber die neue Strasse reichte nur bis Oberrad, dort 
bogen die Güterwagen nach dem Viehweg ab, und gelangten mit 
Vorspann mühsam auf die alte Strasse, welche Bie weiter ostwärts 
verfolgten. Dies ging so bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein. 
Auf der Höhe ist jetzt diese Strasse von den anliegenden Grundbe- 
sitzern eingeschränkt, sie ragt auf und zeigt dass sie die höchsten 
Stellen auf dem Berge benutzt. Weiterhin, da wo sie von dem Käs- 
berg oder Kessberg nach Offenbach durch eine Hohle herabführt, 
gibt sie uns noch getreu das Bild einer alten Strasse. 



49 Oberrad hiess sonst Ober Rode, von roden, ebenso Nieder Rode. Die 
Wortbildung ist hier verschieden von Ober Roden an der Rodau oder am Ro- 
deubach; dies wurde Ober Roda geschrieben. 

" Noch zweimal bat Oberrad Stocke des Frankfurter Waldes für den Feld- 
bau eingeräumt erhalten, den Kessberg und den Teller. Später haben die 
Frankfurter ihren grössten Schatz, den Frankfurter Wald gegeo alle Anforde- 
rungen beharrlich gewahrt. Erst unseren Tagen blieb das früher Undenkbare 
vorbehalten, dass Abgeordneten der Frankfurter Ortschaften es gestattet wurde, 
mitzustimmen über die Verwendung des Frankfurter Waldes. 



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Wie nach Niederrad, bo führte auch nach Oberrad ein Fuas- 
pfad vom Thiergarten in Sachsenhausen durch die "Wiesen, über die 
versumpften Mainesarme. Die Wiesen und Felder waren zeitweise 
nicht gangbar; als die Umgegend von Sachsenhausen bereits ange 
baut war, störte noch der alte Mainesarm die Cultur ; an ihm wen- 
dete der Pflug, wie noch heut zu Tag die Furchen. Die vereinzelte 
Baumgruppe steht auf der alten Insel zwischen den Mainesarmen* 1 . 

Wir wenden uns zu der südlichen Strasse welche nach dem 
Hain führte, heute noch der Haynerweg. In der kürzesten Richtung 
führte sie von der Affenpforte über den Sachsenhäuser Mainesann, 
übersehritt ihn auf schmalem Damme, der leicht durch einen Schlag 
gesperrt werden konnte **, und zog gerade aus den Berg hinauf. Bei 
dieser Stelle zweigten die jüngeren Strassen ab, rechts zuerst für 
den Güterverkehr eine bequemere Fahrstrasse, an welcher die Warte 
erbaut wurde; dann nach Westen die nach Mainz und nach Oppen- 
heim unten am Fusse des Sachsenhäuserberges hinführende Strasse; 
nach Südosten die Strasse nach Ditzenbach und nach Heusenstamm ; 
ostwärts die alte Strasse nach Offenbach, endlich am Fusse des 
Mühlberges die jüngere Strasse nach Oberrad. 

Der alte Haynerpfad war vorzugsweise wol von Fussgängern 
und von Heitern benutzt, für Wagen war er zu steil. Diese zogen 
gemächlicher der Anhöhe hinauf auf der Strasse, die weiterhin als 
der „breite Sandweg 14 bezeichnet wurde, sie überschritt südlich der 
Sausteige die Königsbach auf dem Saudbrückchen (jetzt beim Men- 
dclsohnsplatzc) ; den Kesselbrueh umgehend, gelangte man in die 
alte Weilen-Ruh M , nach Sprendlingen und nach Langen. Eis 
liegt noch ein grosses Dunkel über der Geschichte der Drei-Eich; 
nicht einmal über den Ursprung des Namens besteht eine Nachricht 
oder eine Sage. Dicht vor dem Thorc von Dreieichenhain, wo die 

»i Auf einer solchen früheren Insel ist auch Rischofsheim bei Bergen ange- 
baut. Dass die Ansiedelung nicht auf der rechten Seite des Mainarmes, am 
gesünderen Bergesabhang geschehen, dafür lässt sich kaum ein anderer Grand 
angeben, als dass dies bessere Lawl schon seinen Eigenthümer hatte. Um das 
Knde des vorigen Jahrhunderts erst betrieb es der tüchtige Amtmann Uscner 
in Bergen, dass auch der Sumpf getheilt und zu Wiesen umgeschaffen wurde. 

« Vergl. Kriegk, Bürgerzwistc S. 260 und Anm. 141. - Der Namo Quirius- 
pforte w urde wol von einem der Pförtner entlehnt, es findet sich auch die 
Bezeichnung „Molen Porte" von der hohen Kadmühle. cf. Acte Mglb. A. 46 
modo CC. Tom. IX. 

41 Auch der Weilen Bug. Weil hiess die jetzt fast vertrocknete Bach bei 
YBenburg. Kuh, auch in der hohen Mark öfter statt Rüg, Rüge, Gericht. 



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- 249 - 

Wege nach Langen und nach Sprendlingen sich scheiden, sollen sie 
gestanden haben. Tn dem dicken runden Thurm der Burg hat man 
hoch oben einen Römischen Grabstein eingemauert gefunden. Jetzt 
steht er unten, an die Kirche angelehnt. Schwerlich hatten die 
Römer in diesem Sumpfe sich angebaut Nach einer Mittheilung 
von Pfarrer Nebel 54 stiess man kürzlich beim Graben eines Brun- 
nens in der Haupstrasse des Ortes auf ein zweites Pflaster, weiter 
abwärts auf ein drittes, und etwa acht Fuss tief auf einen Rost von 
Eichenstfimmen. Das passte vortrefflich zu einer Burg des Mittel- 
alters, aber für einen Römischen Feldherrn hätte doch eine solche 
Station fern von der Strasse, in abgelegener Wildniss und im Sumpfe 
keine Bedeutung gehabt. 

Die deutschen Burgen haben im Ganzen wenig verändernd 
auf den Strassenverkehr eingewirkt. Eis waren entweder hochge- 
legene Felsen dafür ausersehen, wie Cronberg, Nüringen, Homburg 
(Hoe'nberg oder Hohenburg), oder aber sumpfige Stellen, bei welchen 
die Sicherheit hinter Wassergräben gesucht wurde, dies bei den vielen 
Burgen in der Niederung des Mainthaies, dann bei der Güntersburg, 
der Schnepfenburg u. a. m. Diese letzteren waren von geringerer 
Bedeutung, sie sind meist zu Höfen herabgesunken, oder ganz ver- 
schwunden, wie die Burg der von Buchen oder von Praunheim. An 
die erstere aber knüpften sich vielfach jüngere Ansiedelungen, 
welchen nicht Ackerbau, sondern allein die Burg Veranlassung war; 
sie schmiegen sich an diese an. Homburg scheint ursprünglich gar 
keine Gemarkung gehabt zu haben, erst in neuester Zeit soll die 
Kirdorfer Gemarkungsgränze aus der Stadt hinaus verlegt worden 
sein. Benachbarte Dörfer und Höfe, wie Heuchelsheim, Dorn- 
bolzhausen, Niederstedten, schlössen sich dem begünstigteren Orte 
an ; indem sie verödeten, wuchs dieser. Aber bis auf die heutige 
Stunde führt von der Frankenfurt oder von Bonames kein directer 
Fahrweg nach Homburg. Die lange Meile hat nie ordentlich Platz 
greifen können. 

Es hat jede Zeit ein Denkmal auf oder in den Strassen unserer 
Gegend hinterlassen. Als die Waldenser ihres Glaubens wegen ver- 
folgt, aus ihren Thälern geflohen, wurde ihnen gestattet, in Walddorf 
und in Neu-Ysenburg sich anzusiedeln. Die Ysenburger fanden später 
Beschäftigung in Niederrad, sie zogen täglich durch den Wald da- 
hin, den Weg, der noch heute der Wälschen Weg heisst ; früher war 



»♦ Archiv f. bess. Geschichte 9. Bd. 3. Hft. 



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- 250 - 

er als „WälschdorfferWeg" bezeichnet Ergeht nicht gerade aus nach 
Sprendlingen, sondern nach dem erst spät gegründeten Neu-Ysenburg. 

An dem Niederräder Fusspfad, auf der Anschwemmung welche 
die Königsbach über den Bruch oder das Ried herabgeführt, hatte 
der Deutsche Orden den Sandhof erbaut Ihm war vom Kaiser die 
sumpfige Niederung westlich von Sachsenhausen geschenkt worden. 
Die Holzhecke daneben wurde der Stadt überlassen. Streitig- 
keiten über den Schaftrieb währten lange Zeit, andere knüpften sich 
daran. Der Bau einer Festung sei gegen die Privilegien der Stadt, 
um den Graben sei keine Mauer zu gestatten, nur ein schlechter 
Rohrgraben sei aufzuwerfen. Auf dem Sandhof, nordwärts, hatte 
der Orden einen grossen Schafstall erbaut, von da zogen täglich die 
Schafe in den Wald. Durch einen Vertrag wurde ihr Weg be- 
stimmt. Zwei Reihen von Marksteinen, auf der einen Seite mit F, 
auf der andern mit dem Kreuze bezeichnet, erinnern 
die Grenze der Holzhecke und der deutschherrlichen Berechtigung. 
Bei dem Försteracker steht der Scbäferstein No. 1, bei der 
Mainzerstrasse No. 4; im Walde ist noch ein Graben zu erkennen, 
welcher die Richtung nach dem Königslacher Bronn einhält. Er 
zeigt uns die grosse Breite der damaligen Strasse. Beim Nieder- 
räder Bruch, am Gartenzaun des Forsthauses, steht No. 11. Von da 
wandte sich der Zug südlich, nach dem Hohlweg und dem Ysen- 
burger Loog, wo der Stein No. 37, westlich der Main-Neckarbahn, 
etwa eine Ruthe nördlich vom Grenzgraben, den Schluss bildet 
Weiter östlich ziehen sie zurück nach der Königswiese. 

Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde für den Wald 
eine bessere Bewirtschaftung eingeführt. Die vielen Wege welche 
ohne Ordnung durch den Wald liefen, wurden beschränkt, gerade 
Strassen gebaut. Am 28. Mai 1729 war unfern der Königslache der 
Grundstein zu einem Oberforthause gelegt worden; dort wurde die 
Mainzerstrasse vortibergeftthrt, nachdem sie sonst bis zu den Schäfer- 
steinen „wüstes Land aus puren Strassen bestehend" gewesen. Ihre 
Breite wurde auf 80 Schuh ermässigt. Im Jahre 1728 war bereits 
die „neue Darmstädterstrasse" über Ysenburg abgesteckt, ebenso die 
neue Mehrfelder Strasse, „so Ihre Durchlaucht der Herr Landgraff 
von Darmstadt mit eigner hoher Hand abgesteckt und durchhauen 
lassen". Die „neue Schnaidt* vom Sandhof nach dem Oberforsthause 
wurde im Jahre 1754 gehauen ; um dieselbe Zeit auch eine Schnaidt 
vom Oberforsthausc nach dem Weylcr-Ruhe Forsthaus bei Neu- 
Ysenburg. Auch der Ricdhöfer Weg nach Niederrad wurde in eine 
gerade Linie gemacht. 



Mit den Deutschen Kaisern sanken auch die Schöpfungen ihrer 
Zeit, die Reichsstädte verloren ihre Bedeutung, mit ihnen verstummte 
das geräuschvolle Leben auf den Strassen die dahin führten. Worms 
und Oppenheim sind den Frankfurtern jetzt fast unbekannte Städte, 
und auch die Treburer sind fremd geworden in der verwandten 
Stadt Die reichen Bauern von llassloch, Trebur und Königstedten 
fahren einmal des Jahres , im Herbste, nach Frankfurt, um ihr Kraut 
auf den Markt zu bringen; sie gelten dort flu* Gerauer Bauern. 
Aber die alten Wege haben sich doch erhalten. Als man sich bemühte 
im Anfang des vorigen Jahrhunders die vielen Wege, welche den 
Wald durchzogen, zu beseitigen, andere einzuschränken, so nament- 
lich die Mainzerstrasse „auf der Königshaide wüstes Land aus puren 
»Strassen bestehend", glaubte man dies durch einen blossen Erlas» 
bewerkstelligen zu können. Aus einem Plan, den teutschherrischen 
Schaftrieb betreffend, ergiebt es sich wie weit man dies beabsich- 
tigte. Es ist darauf noch verzeichnet: der alte Welschdorffer Weg 
von Niederrad nach Ysenburg „so dermalen abgeschafft"; die alte, 
breite „nun abgeschaffte Sandstrasse", „der Tränkweg ist abgeschaflt", 
„die Zwergstrasse ist abgeschafft", die Kreuz- oder Königstedter- 
strasse „ist abgeschafft", der Diebsweg am Lieferstein vorüber, wo 
die Gefangenen sonsten abgeliefert worden 65 , „ist nun abgeschafft", 
die Gundtbofferstrasse „ist abgeschafft" — und alle diese alten 
Strassen bestehen noch bis auf den heutigen Tag, und gerade diese 
alten, gewundenen Waldwege, wie der Wälschenweg, diese Pfade 
voll wunderbarer Romantik, geben unserm Walde den grössten Reiz. 
Wie gerne entbehrten wir daneben die drohenden neumodischen 
Parkanlagen. 

Auch auf der Oppenheimerstrasse, der Geleitstrasse Uber Mehr- 
felden, nahm der Verkehr ab, es blieb aber das Geleit mit allem 
Unwesen. Bei der Königsbach, am Schlag, wurde es überliefert mit 
den lüderlichen Dirnen, die zur Messe zogen; nach ihnen wurde die 
Königsbach selbst, vom Austritt aus dem Walde an, die Jungfern- 
oder Frauenbach genannt, zuletzt erhielt sich der Name: Luderbach. 
Im Jahre 1788 wurde wegen Regulirung und Chaussirung dieser 
Strasse zwischen den betheiligten Regierungen eine Vereinbarung 
getroffen; sie sollte vom Apothekerhofe am Riedhof und Forsthaus 
vorüber in gerader Linie nach der Gehspitz 8 * geführt werden; die 

« Vergl. Grimm, Rechts-Alterth. S. 874. 

sc Gehspitz — such Göhspitz — wol von jäh, weil daselbst der Wald und 
die Gränze sich ausspitzte. So lag anoh eine Schenke an der westlichen Seite 
von Eschborn auf der Gehspitz, dicht an der alten Königsteiner Strasse. 



- 252 - 

alte Geleitstrasse , an der Ziegelhütte vorüber, sollte eingehen, das 
Ueberlieferungsmal versetzt, auch die unter einem Zelte bei dem 
Schlag am Schaf hof 57 von Seiten der Reichsstadt Frankfurt gege- 
bene Collation furter auf dem Riedhof gegeben werden. Die neue 
Strasse wurde bis auf die Gränzc beendigt und befahren, das Geleit 
aber noch lange auf der, bald ungangbaren, alten Strasse aufge- 
führt, weil die Form des Recesses fürstlich Ysenburgischer Seits 
beanstandet worden war. 

Mit dem Deutschen Reiche brachen diese Formen ohne Leben 
zusammen. Die Sonderstellung der Territorialherren trat jetzt noch 
entschiedener hervor; die Strassen wurden möglichst nach den Resi- 
denzen geleitet; die Chaussee nach Oppenheim ist unvollendet ge- 
blieben. 

Wie in der Fahrgasse schon längst die Spuren der Strasse zur 
Frankenfurt tiberdeckt sind, so werden nun bald auch auf der Sach- 
seiihauserseite die Neubauten vor dem Affenthor die letzten Reste 
dieser Strasse verschwinden raachen. Tief unter der neuen Mühl- 
bruchstrasse sind sie jetzt noch auf einer kleinen Strecke zu erkennen, 
einige Schuh erhaben über dem sumpfigen Grunde, von Mäuerchen 
gestützt oder getragen. Im Jahre 1807 waren Verhandlungen über 
Erweiterungen dieses Weges und über Reparatur. Die Mauer am 
Frankenstein'schen Grundstücke hin war schadhaft, von „Staatspoli- 
zei wegen" wurde Wiederherstellung angeordnet 58 . Zufolge des Be- 
richtes von Stadtbaumeister Hess lag der Steinweg um Vieles höher 
als die beiderseits daran stossenden Gärten. In diese herab führten 
von dem Pflaster Abzugsdohlen für das Regenwasser. Die Mauer, 
so hiess es, gehöre dem Eigcnthümer, dieser habe aber servitus 
oneris ferendi, müsse wegen Verstärkung der Mauern Land von 
seinem Grundstücke hergeben. Herr von Frankenstein wollte wol 
Land zur Erweiterung hergeben, aber die Kosten der Mauer, welche 
auf fl. 295 angeschlagen waren, wollte er der Stadt überlassen. Es 
wurde damals von Breiterlegung und Anlage einer Chaussee statt 
des schmalen Stein wegs, der Kosten wegen, abstrahirt. Im Jahre 
1810 kam die Erweiterung der Landstrasse wieder in Anregung. 
Diese sei bei dem Jassoy 'sehen Garten so eng, dass nicht zwei Wagen 
sich ausweichen könnten. Der Dircctorialrath Guiolette erstattete 
desshalb Bericht Die ganze Gegend gewinne jetzt bei Abtragung 



« Die wenigen alten Mauerreste ohnfern der Ziegelhätte stammen wol von 
diesem Schafhofe. 

» Vergl. Acta üglb. A. 21. Nr. 3. 



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der Festungswerke eine andere Gestalt; es möchten die Kosten aus 
der Demolitionscasse genommen werden. Wenn mit den Besitzern 
eine Verständigung nicht zu Stande käme, so würden dieselben 
schuldig sein „der Strenge nach" die „verkäufliche Abtretung selbst 
um den Taxationspreis" sich gefallen zu lassen. 

Es wurde in dem genannten Jahre die neue Chaussee westlich 
von der alten Strasse aufgeschüttet, und so über den früheren Sach- 
senhäuser Mainesarm geführt Der alte Steinweg wurde entbehrlich. 
Die Pyramide an der Quirinspforte verschwand 5 ». 

Es hat jetzt wieder eine neue Zeit begonnen. Im Anfang dieses 
Jahrhunderts ist die Strasse nach dem Rheine wieder auf die rechte 
Mainseite verlegt worden. Aber die alten Steinstraasen gentigen nicht 
mehr, Eisenstrassen verbreiten ihr Netz mit wunderbarer Schnellig- 
keit Als zuerst es galt Frankfurt mit dem Rheine auf diese Weiße 
m Verbindung zu setzen, wirkte die Stadt selbst dahin, dass die 
neue Eisenstrasse auf die rechte Mainseite gelegt werde. Andere 
Interessen haben auch für das linke Mainesufer eine zweite Eisen- 
strasse entstehen lassen; so sehen wir jetzt beide Ufer zugleich dem 
Bedürfnisse unserer Zeit dienstbar. Und wie ein Ufer nicht mehr 
genügte, so hat auch die alte Furt nicht mehr den neueren Forde- 
rungen entsprochen, eine zweite Brücke musste erbaut werden. Sie 
war noch nicht vollendet, als am 18. September 1848 das erste Deut- 
sche Parlament in der Paulskirche sich bedroht sah. Hessische Ar- 
tillerie, welche die alte Brücke gesperrt fand, rückte auf demEisen- 
babndamm nach der neuen , wo man beschäftigt war Bohlen auf die 
Eisenschienen zu legen, denUebergang zu erleichtern. Als dies dem 
Zwecke nicht entsprach, commandirte Hauptmann Becker ein Marsch ! 
und die Kanonen rasselten hinüber. So wurde die neue Verbindungs- 
strasse eingeweiht 

Wir leben jetzt in einer grossen Zeit. Allerwärts regt sich das 
Streben das zu vollenden, was frühere Jahrhunderte Schönes und 
Gutes begonnen. Der Wust wird entfernt, den eine traurige Ver- 
gangenheit angesammelt. Es bewegt sich wieder der Krahnen, der 
so lange auf den Thürraen ein unverstandenes Mahnzeichen war; 
Baumaterialien hebt er hinauf das Herrlichste zur Vollendung zu 



59 Im Jahre 1764 wollte der eburmainzische Beamte von Steinheim, der die 
längst abgerissene Quirinspforte nicht fand, das Geleit bis an das Sachsen- 
häuserthor führen. Es entstand darüber eine grosse Aufregung. Vor der 
Wahl Leopolds wurde darauf, im Jahre 1790, eine etwa 8 Fuss hohe steinerne 
Pyramide mit Inschrift: „Quirinspforte" errichtet. 



— 25* — 

bringen« 0 . Die Frankenfurt die in kriegerischen Zeiten dem Krieger 
diente , sie belebte sich später im friedlichen Verkehr der 
Stammesgenossen, sie bildete das Band, das den Norden mit dem 
Süden verknüpfte. Den Anwohnern war vorzugsweise die schöne 
Aufgabe geworden dies Band fester zu schlingen, den Gedanken 
des grossen Kaisers zu höherer Vollendung zu bringen. Mit der Er- 
füllung dieser Aufgabe wuchs ihre Bedeutung und ihr Glück. Von 
dem Rheine wurde die Wahl und die Krönung des Reichsoberhaupts 
nach der Frankenfurt verlegt, und nocli jetzt hat das Co 1 legi uro, 
welches bestimmt ist die Theile des deutschen Reichs zusammenzu- 
halten, hier seinen Sitz. Es mag darum nicht unpassend sein in 
unsern Tagen an die Bedeutung der Frankenfurt und an die Auf- 
gabe der Anwohner zu erinnern. 

Im December 1864. 



(0 Tn Frankfurt zwar ist man vielfach der Ansicht, unvollendet sei der 
Pfarrthurm schöner! 



Das Recht in der hohen Mark, 
mit besonderer Berücksichtigung der angrenzenden Seulberg- Erlenbaeher etc. Mark. 

Von Dr. Friedrich Scharff. 



Einen Wald doch kenn' Ich droben 
Kauschend mit den grünen Kronen, 
Stämme brüderlich verwoben, 
Wo das alte Rocht mag wohnen. 
Manche auf Bein Rauschen merken 
Und ein neu Geschlecht wird starken 
Dieser Wald zu deutschen Werken. 

Eiohendorff. 

In einem früheren Aufsatze 1 ist versucht worden eine Uebersicht 
zu geben, welcher Art die Verhältnisse der hohen Mark im Taunus 
gewesen, wie sie sich entwickelt, wie sie nach eingerissenen Miss- 
bräuchen zur Th eilung hingeführt. Die Thatsachen, zum grösseren 
Theile einzelnen Akten des Homburger Archivs entnommen, waren 
nur fragmentarisch zusammengestellt. Seitdem sind die Akten des 
Frankfurter Archivs mit danken b werther Freundlichkeit mir eben- 
falls zur Einsicht gestattet worden 9 ; ich fand mich dadurch veran- 
lasst noch eine besondere Aufmerksamkeit den rechtlichen Verhält- 
nissen dieser Mark zu schenken und sie, soviel als möglich, zusammen- 
zustellen mit den Einrichtungen der Seulberg- Erlenbacher etc. Mark. 
Die Begriffe von dem Recht der Märker, der Befugniss des Wald- 



i Archiv für Frankf. Gesch. u. K. II. S. 318. 

> Eine Bemerkung von Jacob Grimm in der Vorrede zum 4. Bande der 
WeisthUmer, eine weitere auf S. 326 des trefflichen Werks Uber die Gau- und 
Markverfassung in Deutschland, von Thudichum, zeigen unB, wie sparsam noch 
dem Gelehrten die Brosamen zugemessen sind, aus denen er die Wissenschaft 
fortzubilden hat, und wiesehr die Bereitwilligkeit anzuerkennen ist, mit welcher 
derzeit das Frankfurter historische Arohiv auch einem grösseren Kreise zu- 
gänglich gemacht wird. 



— 256 - 



potten, von der Stellang der Regierungen den Märkern sowohl gegen- 
über wie dem Waldpotten, hier in dem Herzen Deutschlands zur 
freiesten Darlegung gekommen, werden auch weiterhin mit Interesse 
verfolgt werden. Sie werden nur in geschichtlicher Entwickelung 
vorzuführen sein, da das Recht in den verschiedenen Zeiten ein sehr 
verschiedenes gewesen, man auch hier verstanden Unrecht zu Recht 
zu machen. Die staatlichen Verhältnisse unseres Vaterlandes, welche 
gerade jetzt wieder zu ordnen und festzustellen Bind, weisen uns be- 
sonders auf die Zeiten zurück, in welchen die Gemeinde- und Marken- 
verhältnisse sich gestaltet, auf die Menschen und Gewalten welche 
dabei mitgewirkt, auf die Sitten und Gewohnheiten welche treue 
Liebe und ängstliche Fürsorge ausgebildet, auf die Umwandlung 
welche Trägheit und Mangel an Selbstvertrauen und an einträchtiger 
Opferbereitwilligkeit gebracht. Wir wollen beginnen mit dem Zu- 
stande, wie nach Ausweis der ältesten Urkunden die Rechtsverhält- 
nisse der hohen Mark beschaffen gewesen, dann Ubergehen zu dem 
Kampfe welchen sie mit List und Gewalt zu bestehen hatten, endlich 
den Zustand vor Augen legen, in welchen die Märker nach ihrem 
Unterliegen gerathen waren. Es soll Uberall der Wortlaut des 
Frankfurter Archivs, wo es zweckmässig scheint auch die Schreib- 
weise, möglichst beibehalten werden. 

Nirgends findet sich die geringste Andeutung, dass das Land 
am Fusse der Höhe je den Ansiedlern oder den Ortschaften ge- 
schenkt oder Uberwiesen worden ; alles deutet vielmehr darauf hin, 
dass das Recht derselben auf das erste Ausroden, auf die erste Be- 
sitzergreifung zurückzuführen sei. Und wie das Fruchtland, so er- 
warben die ersten Ansiedler den Wald, sie benutzten ihn als AI1- 
raeinde s . Da er gross genug war, wurde auch den später hinzu- 
kommenden Ortschaften der Mitgenuss leicht gewährt. Es ist glaub- 
lich dass die sämmtlichen Waldungen des Taunus oder der Höhe 
zu der Römer Zeiten allen umliegenden Ortschaften als Gemeingut 
gehörten *. Die Abtheilung in kleinere Markgenossenschaften fand 
wol erst später durch die Merovinger oder durch Karl den Grossen 
statt; die Hohemark ist nur der Rest, wol auch war sie der Kern 
der früheren Höhemark. Ihre Gränzen fallen westlich, wenigstens 



3 Vergl. Curti, Beleuchtung der Ansprache des Klosters Pfävers auf sämtut- 
liche Wälder und Allmeinden der Gemeinde Vättis. St. Gallen 1831. 

♦ J. Grimm bat in den Rechts-Alterthümern S. 495 in der Note die Ansicht 
ausgesprochen , dass schon zu des Tacitus Zeiten unter den Deutschen festes 
und geregeltes Grundeigenthum gegolten. 



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- 257 - 

theilweiae, mit dem Römerwege vom vicus novus nach dem Feld- 
bergacaatell zusammen, östlich aber mit dem weit älteren Wege 
vom Taunusübergang bei der Saalburg nach Seulberg oder Esch- 
bach. Auf dieser Seite scheint der Römerweg vom vicus novus nach 
der Saalbarg wenig benutzt und neben den älteren, naturwüchsigen 
Wegen einerseits nach Seulberg und Obereschbach, andererseits nach 
Stedten sehr bald in Vergessenheit gekommen zu sein. Er bewal- 
dete sich allmählig. Auch gegen Norden bildete der Pfalgraben 
auf kleineren Strecken eine Gränze. Die Schwierigkeiten welche 
einer zweiten Tbeilung im Anfange dieses Jahrhunderts nach dem 
Verfall der Markeinrichtungen sich noch entgegenstellten, sprechen 
dafür, dass die erste Theilung eine erzwungene gewesen, durch Ge- 
walt herbeigeführt, nicht durch freie Bestimmung. Es war mit dem 
Schwert durchgehauen worden, nicht war eine durch irgend ein Be- 
dürfnis!* als wünschenswertli erkannte Scheidung erfolgt. Stciubach 
blieb markberechtigt ebenso in der Cronberger Mark, wie in der 
Hohen Mark; Niedererlenbach in der Hohen Mark zugleich in der 
' Erlenbacher Mark; Köppern in dieser letztgenannten und in der 
Rodheimer Mark. Mancher Streit ist daraus erwachsen. 

Einen Nachweis über das hohe Alter der Hohen Mark liefert 
die Bestimmung welche den Hegwald „auff der Strassen 1 ' betrifft. 
Im Weisthum von 1401 heisst es darüber : „Hauwet aber eyn Wal- 
pode in der gebückten Hegemarg, so sol der lantman nit bussen, ob 
er daraffter auch darjnne heuwet a Bestimmter bezeichnet das In- 
strument von 1484 diese Hege. „Item hauwet jemandt und thut 
Schaden in der gebickten Hege auff der Strassen, und wird geiilget, 
der ist dem Waltbotten mit zehen Gulden zu Peen verfallen, und soll 
ein Waltbott auch selber kein Schaden darinn thun. Wo er aber 
das tliät, soll er dem Landtmann bussen." Wo waren diese Strassen ? 
Es geben darüber spätere Verbandlungen Auskunft; es waren dies 
die alten Strassen von Stedten nach dem Weil- und Usathale und 
von Eschbach nach Wehrheim. Wie alle alten Strassen des Taunus, 
welche einen wichtigen Zugang oder Uebergang bildeten, zur Ver- 
teidigung mit einem Gebück auf beiden Seiten versehen waren, so 
auch diese. War die Strasse durch einen Verhau geschlossen, oder 
wie wir jetzt sagen verbarricadirt, so wehrte das Gebuck dem wei- 
teren Vordringen der Feinde zur Seite der Strasse. Dies war dess- 
halb unter einen besondern Schutz gestellt und ebensowol der Wald- 
pott wie die Märker bei Beschädigung mit einer Strafe bedroht 5 . 

» Die gleiche Strafe von zehn Gulden finden wir im Rheingau wieder, auch 
dort war das Gehen oder Kriechen durch das Gebück, ja das blosse Abschnei- 

17 



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— 258 - 



Indem aber die Bedeutung des GebUcks Bich verlor, schwand auch 
das VerständnisB des betreffenden Gesetzes. Der Waldpott nahm die 
Hege an den Strassen als sein Eigen in Anspruch, die Märker glaub- 
. ten ihm nur gewisse Rechte daran zugestehen zu müssen; Streitig- 
keiten entstanden Uber die Gränzen des Bezirks, wie der Gerecht- 
same. Anstatt die ganze, zwecklos gewordene Verfugung aufzuheben, 
berief man sich immer noch auf das Herkommen dessen Absicht man 
schon um das Jahr 1400 nicht mehr verstand. 

Oberursel. Es scheint Oberursel in früheren Zeiten der wich- 
tigste Punct an der Höhe gewesen zu sein. Vielleicht war es seine 
Lage, welche dasselbe zum Vereinigungsort der MarkgenosBen ge- 
macht Dies Vorrecht ihm zu entreissen ist dem später aufstrebenden 
Homburg bis in die letzten Zeiten der Genossenschaft nicht gelungen. 
Wäre die Einsetzung des Waldpotten ein Werk der Märker gewe- 
sen , so würde der Sitz des Schirmherrn bald der natürliche Ort der 
Zusammenkunft der Beschirmten geworden sein. Aber so lange, so 
weit die Geschichte der Mark verfolgt werden kann, zeigt sie uns 
einen Kampf des Schirmherrn und der Beschirmten, ein starres 
Festhalten der Märker an ihrem alten Herkommen, ein stets sich 
gleich bleibendes Misstrauen derselben gegen den Obristen Mark er 
und Waldpotten. 

Ein Vorzugsrecht oder eine besondere Pflicht, vielleicht aus der- 
selben Veranlassung, könnte für Oberursel aufgeführt werden , die 
Pflicht den Wald zu löschen, wenn er zu brennen anging. Das war 
im Art. 12 des Instruments von 1484 vorgesehen und als die Urseller 
in dem Streite über die Wiesen an der Hünenburg zu Ausmär kern 
erklärt werden sollten, protestirten sie im Jahre 1592 gegen die Aus- 
schliessung, und die Märker stimmten ihnen bei: es seien „in der 
Marckordnung etliche Articul so die Urseller insonderheit berühren, 
also dass sie die Marek leschen uff den Fall darin entstandener 
Feuersbrunst" ; dies hätte bei der Ausschliessung geändert werden 
müssen. (Mglb. E. 29. L) 

Die Hohe Mark ist wol auch „Urseller Marek 0 oder „Homburger 
Marek" genannt worden. Die letztere Bezeichnung liebte der Wald- 
pott und seine Beamten, die Märker aber widerstrebten. Auf dem 
Märkerding vom 22 Mai 1583 legte Jost Vestenborger, der Keller 
von Homburg, eine neue Ordnung „der Homburger Marek" vor, ob 



den einer Spiessgerte verpönt. Vcrgl. Bodraann, Rheingauer Altertbümer 
II. S. 319. 



die Märker dieselbe annehmen wollten. Diese wiesen sie von der 
Hand, weil sie ein gut alt Instrument hätten. Als drei Jahre später 
die gleiche Anforderung wieder gestellt worden, bemerkten sie „die- 
weil ein zeitlich hero der Oberste Waltpott ein Herr der Mark, 
und die Höhe Marek die Homburger Marek benannt wöll werden; 
wofern dann das dem Eygenthumb und der Märcker riecht unab- 
brüchlich verstanden würde, weren sie damit zufrieden. Im Fall aber 
künftiglich etwas anders daraus erzwungen werden solt, piotestirten 
sie gegen solche Namen und wüssten die nit anzunehmen oder zu 
approbiren". Dagegen behaupteten dio hessischen Gesandten „eswere 
die Marek vor Alters die Hornberger Marek genennet worden, bei 
dem Namen solle es auch hinforter billig vcrpleiben". Der Märker 
Ausschuss aber erwiderte mit anderra darauf „so viel die neue Be- 
nennung berühre, were der AusBchuss zufrieden das die Mark die 
Höhe Mark (wie vor Alters) und nicht die Homberger oder Urseller 
Mark mit neuem Namen genannt würde. 0 

Umfang der Hohen Mark. Gewiss unifasste ursprünglich 
die Höhe Mark das ganze Gebiet von der Nidda bis auf die Höhe 
hin, zur Weil und vielleicht zur Usa. Wenn allmälig auch das Frucht- 
feld mehr und mehr getheilt und abgegränzt wurde, so blieb doch 
der alte Begriff der Gesammt-Mark bestehen 6 , Märker war der Be- 
wohner dieser Mark, er hatte das Kocht an der gemeinsamen Be- 
natzung des ungetrennt gebliebenen Markwalds Theil zu nehmen. 
Dieser Wald wurde dann vorzüglich verstanden unter der Hohen 
Mark , er war durch einen Graben , die Landwehr, abgeschnitten von 
dem Felde, zugänglioh nur auf Strassen, welche durch einen „Schlag 0 
gesperrt werden konnten. Ein solcher Schlag wird namentlich aufge- 
führt im Häuserfeld bei Oberursel und bei Oberstedten. Durch Ein- 
rodung wurde im Verlauf der Jahre noch manche Strecke Waldes 
auch jenseits der Landwehr der Gemeinheit entzogen. 

Die Bezeichnung selbst „die Höhe Marek" weist darauf hin, 
dass, wie bereits bemerkt, diese Mark vor Zeiten die ganze Höhe, 
oder den Taunus, umfasst habe, dass erst im Laufe der Zeiten ein- 
zelne Bezirke davon, westlich und östlich, sind abgeschnitten wor- 
den. Die Hohe Mark blieb immer noch die bedeutendste, sie behielt 
auch den alten Sammelplatz der Märker, die Aue vor Oberursel, 
und in ihr ist der alte Geist wol am längsten lebendig geblieben. 



« üeber die Herleitmig dos Wortes „Mark" 8. Grimm, Rechtsalterthümer 
S. 494 ff. 

17* 



Dies zeigt sich schon wenn wir sie mit der Seulberger-, Erlenbacher- 
etc. Mark zusammenstellen. Schon der Name legt uns hier bei der 
letzteren, ebenso wie der Versammlungsort, vor Augen, dass diese 
Genossenschaft willkürlich gebildet worden ist, wo nicht gewaltsam. 
Sie hatte keinen natürlichen Mittelpunct, die dazu berechtigten Ort- 
schaften waren alle von ziemlich gleicher Geltung, Seulberg, Ober- 
und Nieder -Erlenbach, Petterweil, Holtzhausen und Köppern. Nur 
letzteres, welches jenseits der, die Grenze der Mark bildenden Köp- 
pernerbach gelegen ist, auch bei der Rodheimer Mark betheiligt 
war, trat oinigermassen zurück. Das meiste Gewicht scheint in älte- 
ren Zeiten in Ober -Erlenbach gelegen zu haben. Als Ort für das 
Märkergeding war ein Platz auf freiem Felde, auf der Mainzerstrasse, 
bestimmt, so ziemlich in der Mitte zwischen den Ortschaften, allen 
gleich günstig, oder gleich ungünstig gelegen Kein Baum, keinerlei 
Vorrichtung schützte hier den Märker bei Wind und Wetter. Als im 
Jahre 1539 Diether Gewend, der Keller zu Homburg, die Seulberger 
zu sich auf einen besonderen Ort nahm, haben die andern Märker 
„nit nachfolgen wollen, und sich alsobald ein Irrthumb des Platzes 
uff welchem man Merckergeding zu halten pflegt erhoben". Es behaup- 
teten die andern Ortschaften „uff dem Platz und breiten Wege dar- 
auf sie stunden, welches der Menzer Wege genannt, were das Mer- 
ckergeding gehalten worden von Alters her". Man- verglich sich 
dass die ehesten Mercker sollten auf den Platz treten, wo das Mer- 
ckergeding von Alters her gehalten were worden. Dies geschah: 
es war ein Graben vor kurzem dahin gemacht worden. — (Mglb. E. 
30. II b. 173.) — Nach dem offen Instrument von 1486 ist die Ver- 
sammlung gewest „uff eym flecken Züschen Sulburg, Hultzhusen 
und Obern Erlebach da man das Merckerding über die Irlenbacher 
Margk gewonlichen pfleget zu halten". In dem Abscheit von 1488 
heisst es: „uff der weyde bij Obern Erlebach a . Dann wieder im 
Jahre 1498 ist „man abermals uff dem flecken ober Obern-Erlebach 
am Merckergeding gewest". (Mglb. E. 30. No. 2.) — 

Auch die Wiesen waren allmälig der hohen Mark entfremdet 
worden, wenn auch einige, so namentlich die Schreierwiese, bis zur 
Theilung dabei verblieben. Allem eigentümlicher Weise blieben die 
auf den Wiesen stehenden Waldbäume Eigenthum der Märker. Es 
fand hierüber am 26. Juni 1595 eine Verhandlung zu Homburg statt; 
es wurde vorgelegt, dass Kilian Kühn, ein Bürger von Oberursell 
einen Eichenstamm in seiner Wiesen an der Hünerborgk, in der 
Höhe Mark gelegen, abgehauen und heimgeführt; ist von Phil. Wolfis, 
Märkermeister umgefragt worden, ob nicht solcher Stamm den sämmt- 



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— 261 — 



- 

liehen Märkera zustehe. Die Urseller behaupteten solche Stamm ge- 
hörten denjenigen, dessen die Wiesen eigenthümlich wären, diesel- 
bigen könnten selbiger Stämme ihres gefallens sich gebrauchen. Da 
aber aus dem Steinbuch und aus der Markordnung zu ersehen, dass 
alle Stämme, so in Wiesen innerhalb der Mark gefunden werden 
den sämmtlichen Märkern eigenthümlich zustehen, als haben sämmt- 
liche Märker (exceptis Ursullanis) gedachten Kilian Kühn wegen 
frevels zur Ruhe (Rüge) und straff verwiesen. Man nahm keinen 
Anstand so in eigner Sache zu entscheiden. 

Wie bei der Hohen Mark Homburg den Namen, der Homburger 
Marek gerne eingeführt hätte, so liebten es die Homburger Beamten 
die benachbarte Mark nach Seulberg, welches zur Homburger Herr- 
schaft gehörte, zu benennen. Die Beamten von Frankfurt zogen 
ihrerseits die Bezeichnung „Erlenbacher Marek" vor 7 , die Märker 
selbst aber, da sie alle Ortschaften nicht wol nennen konnten, sagten 
stets: Die Seulberger-, Erlenbacher- etc. Marek. Dies etc. fehlt 
in den älteren Documenten fast nie. Die Ortschaften hielten darauf 
dass die Gleichberechtigung gewahrt bliebe 8 . Die Unzweckmässig- 
keit des Platzes auf dem das Märkerding gehalten wurde, trug wol 
dazu bei, dass in dieser Mark frühe schon Vorsammlungen der 
Ortsvorstände, der Markhäupter, zugelassen wurden, bei welchen die 
Markordnung berathen, diese dem Märkerding später nur zur Be- 
stätigung vorgelegt wurde. Diese Vorversammlungen der Markhäup- 
ter fanden abwechselnd bei einem der Wirthe statt, doch wol am 
meisten in Ober -Erlenbach. So finden wir sie im Jahr 1590 auf 
Donnerstag nach Oculi zu Ober-Erlenbach in Joh. Beckers Wirths- 
behausung. Die Schultheissen und Märckermeister erschienen dort 
und haben sich mit dem Homburger Anwalt allda »bequemlicher 
Gelegenheit halben, (weil sonsten dem Instrument oder Weissthumb 
nach die Marek .... auf derAuwe in der Lohe zwischen Seulberg 
und Erlenbach, genant Maintzer Bisthumb bestellet und versehen 
werden sollte) einer gewissen Weise und Ordnung erregter Margk 
zum besten untereinander vereiniget, verglichen" .... Im darauf 
folgenden Jahr 1591 war die Vorversammlung wieder zu Ober- 



4 

' Id den Protocollen oder Berichten ist dies indess ebensowol auf Ober- 
Erlenbaob, wie auf Nieder-Erlenbach bezogen. Im Jahre 1539 heisst es : Bericht 
Aber die Sewelberger und obern Irlebecher Gemark; im Jahr 1541 aber „Mark- 
Oeding der Sewlnburger fdder Nidderlrlenbecher gemarck". 

« Bei Gelegenheit der Beschwerden gegen den Waldpotten wird im Jahre 
1GU6 anch die Bezeichnung: Nidder-Erlenbach und Holtzhauaer Mark gebraucht 



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Erfenbach; im Protocoll findet sich die Entschuldigung, dass nach 
dem Instrument zwar die Zusammenkunft in der Lohe zwischen 
Seulberg und Erlenbach auf der Awe genannt Maintzer Biesthumb 
statt haben solle, „aber von wegen der Ungclegenheit des Orts, auch 
des unbeständigen rauwen zeittig furgefallnen ungewitterß alterß 
her woll angeordnet worden, daß man den Donnerstag zuvor in der 
Marckflecken einem zusamenkommen und sich einer gewissen Ord- 
nung (welche nachmals auf dem Merckergeding an gewöhnlicher 
Mahlstatt publiciret worden) vorglichen hat 0 . Im Jahre 1592 kommen 
die Markhäupter in Petterweil auf dem Rathhause zusammen, 1593 
und 1596 erscheint der Ausschuss wieder zu Ober-Erl enpach in Joh. 
Beckers Würts Behausung auf der ober hinder stuben gegen der 
bache; 1596 zu Petterweill in der gemeinen Hcrbcrg, 1599 wieder 
zu Ober-Erlenbach in der Herberg zum weissen Ross in der oberen 
Stube; 1602 zu Köpffern in Jost Schweitzers Gastli alters Behausung; 
16<)3 zu Köpffern in Conrad Lorey Schultheissen, Behausung. — 
(Mglb. E. 30. III.) 9 — 

Urkundliche Quellen. — Die Akten welche uns über die 
Hohe- und über die Seulberg- Erlcnbachcr- etc. Mark aufbewahrt 
sind, gewähren uns vielleicht einen tieferen Blick in die vorgeschicht- 
lichen Zeiten derselben, als die wenigen, zum Thcil räthselhaften 
Aeusserungen , welche Römische Schriftsteller uns darüber hinter- 
lassen. Wir finden, abgesehen von der Römischen Herrschaft in die- 
sem Lande, nicht eine einzige Andeutung, dass die Verhältnisse da- 
selbst je eine durchgreifende Aenderung erlitten , weder einen 
herrschenden Stamm noch einen besiegten, keine Sage von einer 
allgemeinen Aus- oder Einwanderung. Das Volk ist aus dem Boden 
in allen seinen VerhiUtnisscn erwachsen und mit ihm verwachsen. 

Es scheint dass eine, von allen zur Hohen Mark Betheiligtcn 
als maassgebend anerkannte ProtocollfÜhrung, eine urkundliche Fest- 
stellung der Verhandlungen und Beschlüsse, in den älteren Zeiten 
wenigstens, nicht angeordnet war. Die ältesten vorhandenen Auf- 
zeichnungen über die Märkerdingo, aus dem Anfange des 15. Jahr- 
hunderts, wenn sie im Wesentlichen auch dasselbe berichten, sind in 



'•> Es mag nicht überflüssig sein hier auf andere, ähnliche Verhältnisse hin- 
zudeuten. Als nach den kirchlichen Spaltungen Appenzell Innerroden von 
Ausserroden sich trennte, behielt erste res den alte* Landsgemeindeplatz im 
Dorfe selbst bei , dos letztere wechselte aber nun ab mit einer Laudsgemeinde 
in Huntwyl und in Trogen. 



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der Fassung oft ganz verschieden. Die Abgeschickten der Herrschaf- 
ten haben wol jedesmal, oder doch gewöhnlich, einen solchen Bericht 
eingereicht, nicht immer war er unterzeichnet 10 . Der gemein Märkcr, 
der lantman, liebte nicht die schriftliche Feststellung der Verhält- 
nisse, für ihn zeichnete Niemand ein Protocoll auf. Bei vielen Ge- 
legenheiten tritt sein Widerwille vor dem sich fest binden in ge- 
schriebenem Wort deutlich zu Tage, er verlangt dass man aus 
lebendigen, unparteiischen Zeugen" das Recht darthue. Nur in 
seltenen Fällen, so z. B. bei Gelegenheit der Weisung von 1484, 
haben die Märker selbst „eine Verzettelung 0 überreichen lassen. 
In späteren Zeiten hatten freilich auch die gem. Märker ein beson- 
deres Archiv in Oberursel, und im Jahre 1782 wurde sogar beantragt, 
dass jedesmal den Markschultheissen der Hauptortschaften die Ab- 
schriften der abgehaltenen Protocolle ausgefertigt würden". (Mglb. 
E. 31. II. 169.) 

Der Waldpott seinerseits hatte nicht nur ein Archiv, sondern 
wusste es auch sehr gut zu verwenden ; doch sind regelmässige Pro- 
tocolle wol erst nach Einführung des Markschreibers üblich gewor- 
den. Ein Buch in l^uart mit dem Titel „Hocher Marek Protocoll, ahnge- 
fango Anno 1600" geht bis zum Jahre 1700. Wahrscheinlich sind 
deren noch mehre in dem Homburger Archiv. Gar nicht selten berief 
sich der Waldpott auf frühere Beschlüsse, deren sich der gemein 
Märker nicht mehr erinnert, oder deren Existenz er geradezu be- 
streitet. Besonders gilt dies von dem unheilvollen Beschluss des 
Jahres 1547. In solchen Fällen wandte sich der Märker wol an 
seine Herrschaft, die dann „Zettel und Instrumente" vorbrachte. 

Bei Gelegenheit der Aufstellung von Beschwerden und Gegen- 
beschwerden i. J. 1702—1703 bemerkte man Ilomburgischcrseits : 
es sei auf dem Märkergedingsabschied de anno 1547 dem Herrn 
Obrist Waldbotton erlaubt worden „auf der Strasse" zu hauen. Die 
Märkcr entgegneten: es sei ihnen unbekannt, dass in anno 1547 



io in Mglb. E. 29. III. S. 150 findet sich der Bericht des Schultheisscn B. 
llildebrandt zu Bonames aus dem Jahre 1595 zugleich mit der Instruction des 
Raths. Mitglieder des Raths selbst erhielten zu wichtigeren Verhandlungen 
wol eine Vollmacht mit, nie aber eine schriftliche Instruction. 

" Dies war bei der Seulb. Erlenbtcher etc. Mark schon längst geschehen. 
In der Markordnung von 1588 Art 22 wurdo festgesetzt, es solle jedem Mut k 
Hecken, damit der Ordnung naohgelebet werde, „uff begehr zur Noth Copey 
daraus uiityetheilet werden 1 '. Johannen Zaugus, zu der Zeit Markschreiher, be- 
sorgte diese Abschriften mit Eifer, sie wurden besonders bezahlt. Auf der 
Abschrift von 1602 ist der Lohn bemerkt: Taxa 7 Patzen von 4 Bogen. 



wegen der Strasse etwas verglichen sein solle, so dem alten Mark 
Instrumente entgegen war, vielmehr sei damals der Strasse mit 
keinem einigen Wort gedacht worden; es liege dem Obristen Herrn 
Waldbotten ob „durch Producirung gedachten Abschieds in forma 
authentica* sein Vorgeben darzuthun. 

Bei besonders wichtigen Gelegenheiten wurde ein kaiserlicher 
Notar, ein Offenschreiber, requirirt und ein Instrument über den Vor- 
gang aufgenommen. Es war dies der Fall bei dem Märkergeding 
von 1484, auf Mittwochen nach St Margarethen gehalten. Dies In- 
strument genoss zu allen späteren Zeiten das höchste Ansehen, ja 
Verehrung; es wurde zu verschiedenen Zeiten wieder abgedruckt, 
um die späteren Nachkommen mit seinen Satzungen bekannter zu 
machen « Zusätze wurden für erlaubt gehalten, allein Abänderungen 
nur wenige und mit Widerstreben vorgenommen, selbst Bestimmun- 
gen die längst aus der Uebung gekommen, wurden nicht aufgehoben. 
Das Märkerding von 1484 auf Mittwochen nach St. Margaretha ge- 
halten, war ein ungewöhnlich feierliches, der Walpott selbst war er- 
schienen mit seinen SchultheisBen und Käthen, auch der dreien Herr- 
schaften, der Stadt Frankfurt und der Ritterschaft von Reiffenberg 
Amtleut, Käthen, Rathsmann und Sendbotten, und eine grosse Menge 
Schultheisscn, Märker, Hübner und Landleute. Als das Märkerding 
geheget, hiess der Waldpott die Schultheissen sie sollten die ungehor- 
samen Märker, die ausgeblieben, rügen. Dann wurde auf Begehren 
des Waldpotten während einer Zeitdauer von etwa acht Stunden des 
Waltpotten Herrlichkeit und der Marek Rechte ge weiset, und zwar 
mit Zugrundelegung einer „Verzettelung" in welcher die Puncte, 
Über welche zu weisen, verzeichnet standen. Die Verhandlungen 
wurden durch zwei Offenschreiber niedergeschrieben, und diese beide 
namens der drei Herrschaften, der Stadt Frankfurt und der 
Ritterschaft von Reiffenberg, auch von etlichen Schultheissen 
al» von der Märker wegen ersucht ihnen zu ewiger Gedächt- 
niss darüber zu machen eins oder mehr offen Teutsch Instru- 
mente. Auch der zugezogenen Instrumentszeugen waren un- 



13 Abtruck deß Jenigen Instruments Welches Aber die Hohe Marek umbden 
Fcldtberg bero im Jahr Christi 1484 den 14 Jnlij an ff der Anwe vor Obern 
Vrsel durch darinn vermeldte offeoe Keys. Notarios vffgeriebtet etc. Von 
Nevem getruckt im Jahr MDCXXX1I. s. Mglb. E. 29. — 

Instrument daB ist Gescbicbtbuch und schrifftliche Versicherung welcher- 
gestalt die Marek in der Höhe, umb den Feldbergk hero, . . . uffgericht ist 
worden. Abermals gedruckt zu Giessen bei J. D. Hampeln MDCL1II. 
s. Ebendas. — 



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— 265 — 



gewöhnlich viele vom Adel, aus den Gewerken und Geistliche von 
St. Bartholomens und zu Unser lieben Frauen-Berg zu Frankfurt, 
die Pfarrherrn zu Pfraumheim und zu Obern Eschbach, endlich noch 
.ander viel mehr Umbständer, die alle zu glaublichen Zeugen hier- 
über geheischen und gebeten" worden. 

Im Jahre 1662 wandten sich die Mainzer Dörfer klagend an ihre 
Obrigkeit: der Waldpott habe durch Bergknappen hin und wieder 
graben lassen „welches anfänglich nicht sonderlich attendiret, hoffend 
es würde sich dies von selbst legen"; jetzt aber viel Gehölz veröset, 
viel Eisenstein herausgegraben, und verlautet dass eine Schmelz an- 
geleget werden solle. Dies sei den Rechten der Märker zuwider. 
Sie baten churfürstl. Gnaden möge sich ihrer annehmen, ihnen sagen 
wie sie sich zu verhalten, damit sie bei dem Instrument das „zwischen 
dem obersten Waltbott und Märckern heilsamlich uffgericht worden, 
und uf welchem der ganzen hohen Marek Grundfeste gleichsam be- 
ruhet« ruhig verbleiben möchten (Mglb. E. 29. V. 8. 34.) 

Bei Gelegenheit der Ueberreichung von Beschwerden im Jahre 
1702/3 heisst es in der Beantwortung der Gegenerklärung: das 
Mark-Instrument so . . . anno 1484 aufgerichtet, auch hernachmals 
durch öffentlichen Track a' 1586 publiciret, a° 1663 zu Giessen nach- 
getruckt worden und auf pergament geschrieben im Originali annoch 
vorhanden sei, müsste die basis sein wornach man sich bei Streitig- 
keiten zu richten habe ; nach diesem müsse ein jus venandi privativum 
bestritten werden; wider das Markinstrument könne keine Observanz 
angefahrt werden, auch ein Vergleich sei nicht gültig „es wäre dann, 
da*s solcher mit Consens aller derjenigen gemacht worden wäre, in 
deren Beisein das Instrument aufgerichtet worden und welche dabei 
gar merklich interessirt sind." 

Das Instrument von 1484 wurde, durch Vertrag festgestellt, für 
alle Zeiten gültig angesehen, oder wenigstens solange bis ein ein- 
müthiger Beschlusa, vertragsmässig wieder Abänderungen treffen 
würde. Ein solcher fand im Jahre 1547 statt. Zehn Jahre früher 
wurde über die vom Ausschuss aufgestellten neuen Artikel abge- 
stimmt, es hiess bei einigen : und „also eyn Jar langkh zu halten 
ptieben". Im Jahr 1547 wurden auf einem besonders berufenen 



u Die wenigen Notizen weiche Kirchner auf 8. 476. 477. in der Geschichte 
der Stadt Frankfurt a. M. Aber die Hohe und die Seulb. Erlenbacher etc. Mark 
giebt, scheinen weniger auf Quellenstudium als auf Mittheilangen anderer 
Schriftsteller zn beruhen. 



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Märkerding die vom Ausschuss vorgeschlagene Abänderung, betreffend 
die Verbrechen des Waldpotten, angenommen. Es hiess im Instru- 
ment : „So der Waldpott verbricht sölt der Märker oder lantman ob 
der darnach auch verbreche nit büssen". Mancher Unordnung die 
daraus entstanden, vorzubeugen wurde „eyntrechtig beschlossen", dass 
der „gemeyn mercker und lantman sich verbrechung des Waltpottens 
nichts zu bchelffen oder zu weigern haben" sollen. Am Schlüsse 
heisst es dann, dass diese Bestellung bis zu dem nächsten Mercker- 
geding zu halten, doch mit diesem Geding und fürworten dass das In- 
strument . . . soll in allen andern Artikeln und Puncten seines 
Inhalts bei seinen Kräften und Würden bleiben und denselbigen 
hiermit nichts benommen oder abgezogen sein, in kein Wege, sonder 
Gefarde. Im Jahre 1560 heisst es dann weiter, es solle die Ordnung 
im Jar 1547 durch die gesandten des obersten Waltpoten und die 
gemeynen Merker uffgericht „auch fllrter gehalten und dero gelebt 
werden." Auch im folgenden Jahre 1551 wurde beschlossen : diese 
hernachbemelte Artikel dero etliche hiebevor im 47. 49. und 50 Jaren 
ufgericht in diesem laufenden Jar auch zu halten, bis auf ein andern 
künftigen Merckergcdingtag. 

Wenn es sehr wol erklärlich ist warum der Hohe-Märker so fest 
an seinem Instrument hing, so ist dies weniger begreiflich in der 
Seulb. Erlenbachcr etc. Mark, in welcher das Instrument, errichtet 
Anno 1493, ein fast ebonso grosses Ansehen genoss. Es wurde da- 
selbst ein feierliches Märkergeding abgehalten, weil zuvor bei dem 
Streit über Wahl und Bestätigung der Märkermeister die Rechte des 
Waldpotten ganz in Frage gestellt, und die Mark gemeinsam von 
den Herrschaften und dem gemeinen Märker bestellt worden war. 
Darum war es zwar natürlich dass gerade die Rechte des Waldpotten 
besonders in's Auge gefasst und zuerst geweiset worden sind, aber 
weniger ist es zu begreifen dass die Märker sich dabei beruhigten, 
al» ihre Rechte kaum nur angedeutet worden waren. Die drei 
ersten Artikel hatten sich mit der Person des Waldpotten und seiner 
Befugniss den Wiltpan zuzuthun und zu jagen befasst, im vierten 
handelt es sich um die Ausmärker, welche, in der Mark betreten, 
dem oberen Waltpoten gen Iloinburg der Strafe wegen geliefert 
werden sollen; endlich heisst es noch, so der Wiltpan zugethan wird, 
wer dann durch sein eigen Gewalt in der Mark jagt, den mögt der 
Obcrwaltpot nach seinem Gefallen strafen. Darnach war der Wild- 
bann zugethan worden, und es heisst: „und wiewol andre stück 
halben not war weither zu sagen und zu weissen, so wolt doch der 
Anwalt meines gu Hr. von Hanau dasclbe umb kürz willen dißxnals 



267 — 



ruhen lassen, doch ohnschedlich und unvorgreiflich hernachmals deren 
seines Herrn und Oberwaltpotten Rechte. Der Anwald fordert dann 
den Notar auf Uber das was er gehört Instrument zu machen. 

Es war hiermit allerdings der Streit beendigt, aber nur zum 
Vortheil des Waldbotten war dies urkundlich festgestellt worden, 
und selbst aus dem Nachsatz hat nur dieser Vortheil gezogen; der 
Anwald legte es später so aus, als ob seinem Herrn noch weitere 
Rechte zu weisen gewesen, dies der Kürze wegen nicht ge- 
schehen sei. 

Auffallend ist es, dass über die Errichtung dieses Instruments 
in den Frankfurter Akten nichts zu finden ist Nachdem Uber das 
Märkergeding anno 1492 berichtet, dass nämlich Ervin Dügcl, Amt- 
mann zu Nicder-Erlenbach zu einem Märkermeister wieder uffge- 
nommen und widder durch bcde Parthieen wie obgemelt* beeidiget 
worden, heisst es weiter: „Nota. In anno XCiii und XCiiii ist Gise 
der bereiter allein uff bestallung der marg gewest und ob die Zyt 
von Instrumenten oder etwas Näwerung gehandelt sy, ist kein rela- 
tion gescheen." 

Im Jahre 1507 begehret auf dem Märkerding der Kellner „die 
Herrlichkeit seines gn. Herrn zu weisen", dies ist aber nicht ge- 
schehen, „diewcil das Instrument damals nit bei der Hand und der 
gemein Merckerman die Herrlichkeit zu wysen unbedacht gewest ist, 
ist solches gütlich uffgeschlagen worden bis uff ein andern tag". 

Später auf dem Märkerding 1526 bitten die Märker das Instru- 
ment verlesen zu lasen, was das auswyse dem wollen sie gern 
nachkommen. „Der Schulthciss von Homberg geantwortet: der Kel- 
ler sei ein neue zukommend Man, des Instruments halben nit wissend 
gehabt, es lieg aber in seines gn. Herrn Canzley und sei des gemein 
Merkerman des Falls unvorgrifflich. Sollichs hatt sich der gemein 
Man settigen lassen." 

Als im Jahre 1552 für die Seulberg- Erlenbacher Mark eine 
neue Ordnung auf ein Jahr aufgerichtet wurde, ist am Schlüsse 
bemerkt worden, dass diese Artikel der Mark zu gutem gehört, ge- 
stellt, angenommen und bewilligt worden, doch dem Instrument in 
alle Wege unschädlich. Im Jahre 1588 wurde sogar beschlossen, 
ilass die Markermcister jährlich auf dem Markgeding das Instrument 
lesen lassen, damit gemeiner Mercker dessen Inhalt desto besser 
fassen könne. Als einige Jahre später, es war im Jahre 1595, dio 
Märker bedachten, wie im Instrument gesagt sei, der Waldpott solle 
auf Sonntag Mitfasten, Lätare genant, auf die Aue kommen und 
daselbst mit Rath der Märker die Mark bestellen, das« aber die 



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Markordnung stets vorher schon durch die Häupter berathen und 
vereinbart würde, hoben sie hervor, dass es mit fürgehender Pro- 
testation geschehe, dieweü solche von Alters mit gutem vorbedach- 
ten Willen introducirte Zusammenkunft „dem heytercn Buchstaben 
in dem Instrument etwas zuwider", es solle dies aber Sr. f. Gn. an 
ihrer Gerechtigkeit ohnabbrtichlich sein. Mglb. E. 80. IV. [11]. 

In späteren Zeiten wurden auch bei Umgängen der Mark ge- 
wöhnlich Notare zugezogen, manchmal mehrere. Zu dem Umgang 
von 1710 bemerkt der Notar dass er requirirt worden sei seines 
gnädigen Herrn „gerechtsame in Acht zu nehmen, auf dass seinem 
gn. Herrn nichts präjudicirliches bei diesem Umgang vorgenommen 
werden möge". Auch die Märker haben es zu der Zeit öfter für 
nützlich gehalten einen Notar zuzuziehen damit derselbe feierlichst 
gegen Neuerungen protestire und ihnen eine beglaubigte Urkunde 
einhändigen möchte. Zu dem Märkerding von 1660, Mittwoch nach 
dem alten Pfingstfest wurde von dem Schultheissen der 5 Haupt- 
flecken ein Notar requirirt. Er erschien zuvor in der Behausung des 
Stadtschreibers zu Obcrursell; dort erklärten Märkermeister und 
Schultheissen es haben I ro furstLGn. als obrister Waldbott sich zeits 
etlichen Jahren anmasslich unterstanden den Märkern die beschwer- 
liche Servitut aufzubürden, dass sie ihren Hunden, wenn sie die- 
selben mit sich in die Mark nehmen wollten Knütteln anhenken 
sollten. Wiewol sie nun oftmals hiergegen bei Märkerdingen prote- 
stirt, sei bei Schliessung der Märkerdinge stets wieder erwähnt und 
Ahndung gedrohet worden. Wollten dagegen förmlichst protestirt 
haben. Als nun auch bei diesem Märkerding wieder der Anwalt ver- 
boten Hunde ohne Prügel in die Mark gehen zu lassen , mit Bedro- 
hung dass widrigenfalls dieselben todt geschossen würden, sind die 
Schultheissen der Hauptmarkflecken abgetreten und haben sich ent- 
schlossen der Protestation den Fortgang zu lassen; worauf der No- 
tar mit den Zeugen alsbald in den Kreis getreten und gegen diese 
Zumuthung im Namen sämmtlicher Märker aufs beste protestirt und 
alle rechtliche Mittel reservirt. Der Anwalt liess diese Protestation 
in ihrem Werth oder Unwerth beruhen. — (Mglb. E. 29. V. S. 26.) 

p 

Die Märker. Wenn von der Hohen Mark berichtet wird, 
ist vor Allem der Märker selbst zu gedenken. Die Hohe Mark war 
den Märkern rechtlich eigen Es musste derjenige welcher die Mark- 
wälde benutzen wollte in der Mark angesessen und begütert sein. 
Auf dem Märkerding von 1438 trat Emerich von Reiffenberg auf, 
erzählt wie dass der Müller zu Eschersheim die Mühle verkauft und 



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ver&URsert habe, sich gleichwol der Mark gebrauche, hätte auch 
Eicheln darin gelesen, das doch nicht sein solle. Darauf ersähe 
Henne zu Eschersheim und bekannte dass er die Mühle verkauft 
und sich der geäussert habo, er hätte aber noch nicht Währschaft 
gethan, und vor dem Märkerding uffgegeben, wie gewohnlich sei, 
hoffte darum dass er daran nit übel sondern recht gethan, und 
wolle sich auch der Mark gebrauchen, so lange er die Mühle noch 
nit uffgegeben habe. — (Mglb. E. 29. 2.) — 

In der Markordnung vom 22. Mai 1594 heisst es unter 44: die 
Markmeister sollen die Förster überwachen, und die Ausmärker, 
auch welche nicht eigen Rauch in der Mark halten von der Mark 
abhalten. - (Mglb. E. 29. V.) — 

Ebenso bestimmt die Seulberger, Erlenbacher etc. Markordnung 
von 1588, es solle kein Märker, so in der Mark nicht eigen Rauch 
halte, einiger Gerechtigkeit sich darin unterfahen und zu gebrauchen 
zugelassen werden. Es bestimmt dies die Markordnung von 1593 
sub 12. genauer: es solle derjenige, so eine Behaussung und Hofe- 
reith in der Markflecken einem oder mehr hat (ungeachtet er die- 
selbige nicht selber bewohnen thete) dem Ausmärker nit allerdings 
gleich geachtet, sondern ihm und seinem Mundbauer zu Erhaltung 
der Bauten nach Gelegenheit und Notturft Holz gegeben werden. 
Auch in dieser Mark heisst es, dass Rittern, Edelleuten und Pastoren 
„in der Mark gesessen, die darin eigen Rauch halten", erlaubt sein 
solle zu jagen, wenn der Waltbott vorher gejagt 

Bereits auf dem Märkerding 1549 war vor Ursel beschlossen 
worden, dass dem Cronburgerhof zu Obern Hexstat, dieweil der ver- 
fallen und abgangen sei, soll kein brauch oder beholzung in der 
Mark gestattet sondern die Hofleute, so das Geländ bestanden, für 
Ausmärker gepfend werden, bis der Hof wieder erbaut und bewohnet 
wird, alsdan soll demselbigen Hofman zugelassen sein, mit eim halben 
Wagen in Wald zu fahren gleich einem andern Märker, laut des 
Instruments. — (Mglb. E. 29. H* S. 136.) — Im Jahre 1777 und in 
den letzten Zeiten der hohen Mark werden stets 3 Oberhöchstetter 
Märker genannt „welche das volle Nachbarrecht in der hohen Mark 
gemessen 0 , Kopp, Eberhard und Hildmann. 

Von Praunheim wird später, im Jahre 1777 gesagt: es sei da- 
selbt ein Freihof, die sogen. Augustusburg dermalen nur von zwei 
Gartenknecht bewohnt; darauf aber wegen der verfallenen Burg 
selbsten die dritte Feuerstätte hafte. Es folgen in der Aufstellung 
noch mehrere Höfe und Mühlen mit dem Zusätze: weilen solche in 
hiesigen territory liegen so haben die Bewohner dieser Höfe das 



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— 270 - 



Recht sich in der hohen Mark zu beholzen, wie die Unterthanen 
seithero gehabt. (Mglb. E. 31. I. 350 ff.) 

Dass in dem Streit des Frankfurter Raths mit den Märkern wegen 
der Mühle zu Bonames die letzteren unter anderm auch entgegenhiel- 
ten: der Kesseler zu Bonemesa wäre ein knecht und kein Märker, 
wird besser an anderer Stelle zu berühren sein; die Irrungen über 
die Berechtigung des Burgsitzes zu Niedern -Erlenbach sind aber 
hier schon zu erwähnen. In dem Protocoll des Markauaschuases d. 
d. Seulberg 27. Martii 160ti heisst es: Im Namen des obersten 
Herrn und Waldpotten hiesse Sr. furstl. Gn. Kellner zu Homburg, 
Eckhardt Ellnberger, die Märkermeister und diejenig zu der Mark 
gehörig, sitzen; dabei Johann Adolff Keller wegen eine« Erb. Raths 
zu Frankfurt und dessen Burgsesses zu Nieder-Erlenbach sich auch 
des Beisitzes anmassen wollen , es hat aber der Marker solliche« nicht 
zugelassen, sondern für eine Neuerung angezogen. Der Geschickte 
des Raths bezog sich auf das Instrument, darinnen klärlich zu be- 
finden, dass E.E. Raths zu Frankfurt Amtman zu Nieder-Erlenbach 
nit allein Märkermeister gewesen, sondern auch jederzeit den Beisitz 
gehabt. Darauf erwiderten die Märker, dass das Mark-Instrument 
ihnen genüge, man möge es ablesen, der Oberst Waldbott wolle sie 
darin schützen, zumal da die Burg Nieder-Erlenbach seit 50 und 
mehr Jahren kein exercitium gehabt, und nichts hergebracht, deas- 
wegen man auch dcroselben keiner Gerechtigkeit als einem gemei- 
nen Märker in der Mark geständig, vielweniger einem E. Rath der 
Stadt Frankfurt Der Abgesandte des Raths protestirte. Der Märker 
Hess es darbei, der gewesene Amtmann und Märckermeister sei nur 
als Zeuge beim Instrument genannt, er wolle dem „so eygen Rauch 
in der Burg Nieder-Erlenbach halte' 4 nochmals für einen Märker und 
weiter nicht erkennen. — (Mglb. E. 30. 4.) 

In noch spätere Zeit fallt das Memorial des Schöffen Hieronymus 
von Glauburg, welcher am 12. Januar 1781 um ein Vorschreiben 
an den Landgrafen von Hessen-Homburg als Obersten Waldbotteu 
ersuchte; er habe das zu Nieder-Erlenbach gelegene v. Hundheimi- 
sche Freigut käuflich an sich gebracht; bei dem Märker Convent sei 
einer aufgetreten, habe angegeben, dass der gewesene von Hund- 
heimische Hof nicht mehr stände, ihm kein Markrecht mehr zukäme, 
nnd demgemäss sei ein Beschluss gefasst, Holzzettel ihm vom Mark- 
meister verweigert worden. Er bemerkte dazu, er habe das uralte 
Haus, Scheuer und Stallung abgerissen und in dem ihm gehörigen, 
vordersten Burghof gesonderte Scheuer und Stallungen erbaut. Es 
könne dem Mark-Convent nichts daran liegen ob diese Wirthschafts- 



— 271 — 

gcbäude an einem Ende des Ort» oder an dem andern liegen. Nie- 
derstedten, Hattstein, Hinterweil und der Münchhof bei Niederursel 
hätten auch ihre Markgerechtsame behalten. Auf die Eingabe wurde 
im Senat beschlossen : dass man in optima forma hierunter willfahren 
solle. Auf die Mittheilung des „Mit Rathsfreunds und älteren Schöffen« 
wurde dann dem fiirstL Anwalte aufgegeben, bei dem Mark-Convent 
dahin zu sehen, dass die Beschwerde untersucht und nichts wider- 
rechtlich zu des Herrn Schöffen Bekränkung verfüget werde. Es 
mag schwierig gewesen sein zu der Zeit noch zu bestimmen, was 
rechtlich, was widerrechtlich bei solcher Frage sei, nachdem der 
Waldpott selbst eingewanderte Fremdlinge in Dornholzhausen und 
Friedrichsdorf auf Markboden angesiedelt, und dem Widerspruche 
der Märker mit Erfolg entgegengetreten war! 

Eigentümlich war das Verhältniss von Vilbel. Ursprünglich 
gehörte wol nur der älteste, nördliche Theil zur Hohen Mark. Diese 
Scheidung verwischte sich aber allmälig. Auf dem Märkertag von 
1401 wird desshalb angefragt ob Vilbel ganz zur Hohen Mark gehöre? 
Es wurde darauf beschlossen: Der landmann wille sich beraden obe 
die von Vilwil eyns teyls oder zu male mercker sin stillen oder nit, 
doch so sin sie bisher verbodet worden M . 

Es giebt nur MSrker und Ausmärker; die ersteren sind die 
Eigentümer des Bodens, der Mark und ihrer Nutzungen, schädi- 
gen sie die Markwälde, so schädigen sie ebensowohl die Genossen, 
wie auch sich selbst Nicht von dem Waldpott werden sie gerichtet, 
sie werden nur gerüget, und von den Genossen bestraft. Anders 
verhält es sich bei den Ausmärkern, zum Theil in der Mark sess- 
hafte Gewerbtreibende, Köhler und Eulner oder Häfner, welche 
kein Eigentums- oder sonstiges Recht zu beanspruchen haben; wenn 
diese in der Mark freveln, so werden sie nach Homburg eingetrieben. 

Eine Andeutung über Hörigkeit oder über Vollbürger findet sich 
in den Akten der Hohen Mark nicht, der Leibeignen wird nur in 
den letzten Zeiten vor der Theilung gedacht Nur die Märker wer- 
den erwähnt und Ausmärker. 

Unter den Markern ist wieder zu scheiden, der gemein Märker 
oder lantman, dann die Edelleute und Priester, endlich der Obriste 
Märker und Waldbott. In den ersten lag wol ursprünglich das 
meiste Gewicht und die entscheidende Gewalt, der Waldbott erhielt 
von ihnen seine Rechte und seine Herrlichkeit geweiset. Zuweilen 



» Mglb. E. 29. II" 8. 4. 



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- 272 - 

werden die Eigentümer einer ganzen Hube, die Hubner, noch 
besonders betont, es heisst dann lautman und Hübner. Der Klein- 
bauern, der Einspeniger, der Eynläuftigen wird nur in den Mark- 
ordnungen gedacht bei Gelegenheit der Holznutzungen, oder bei Ge- 
legenheit des Streits mit den Ackerleuten wegen des „Furdripp" 
(Vortriebs) auf der Weide und in den Stuppeln. — (Mglb. E. 29. 
II b 25. - 

Das Weisen der Rechte des Waltbotten war nicht eine 
leere Form, wir finden noch im 15. Jahrhundert überraschende Auf- 
schlüsse in dieser Beziehung. Auf Mittwoch nach St Margaretha 
anno 1445 war der Edle Jungher Gotfrid von Eppenstein bei Ursel 
auf der Auwe, liess ihm da — also auf einem gebotenen Märker- 
ding — weisen seine Rechte und Herrlichkeit über die Mark. Er liess 
Artikel fragen die gemeinen Märker, und diese begehren dass der 
Jungher ihnen diese Fragen und Artikel wolle geben, sich uff solche 
Weisunge zu bedenken und zu besprechen, bis auf ein anderes volle 
Merkerding, darzu sie sein Gnaden bescheiden würde. Bei diesen 
Fragen stand oben an: 1) Wie fern und wie weit des Waltpoten 
Wiltpan ginge. Es folgte dann 2) die Frage: Wenn sein Gn. den 
Wiltpan verbode, und wer das brechete was der darum verloren 
hätte? Es wird weiter unten dieser Weisungen noch besonders 
Erwähnung geschehen. 

Ueber die Namen oder Familien der Taunusbewohner bieten 
für die späteren Zeiten die Tbeilungsacten reichen Stoff, für frühere 
Jahrhunderte rinden sich besonders die Unterschriften von Schult- 
heisscn und Gerichtsschöffen auf den Markordnungen, dann die 
Namen der Zeugen bei Feststellung rechtlicher Verhältnisse, sowie 
der Märker, welche bei den Umgängen der Mark sich betheiligten. 
Auf den Märkerdingen tritt nur selten der Einzelne redend oder 
handelnd auf, mehr die Ortschaft oder der gesammte Umstand. Die 
Namen der Märker sind entweder von den Gewerben oder dem Amt 
hergenommen, mit welchen der zu Benennende sich wahrscheinlich 
befasste, so in Stierstadt: Müller, Aumüller, Schmidt, Messerschmidt, 
Schreiber, Schneider, Kohler, Zentgraf; in Bommersheim: Koch, Eul- 
ler, Bender; in Kalbach und Harheim Fischer, Keller, Krämer, Schä- 
fer, Spentler, Dreher; in Steinbach: Hirth; in Reiffenberg: Wald- 
schmitt, Wagner, Meier; in Heddernheim: Ziegler, Kessler, Koehler, 
Hammerschmid; oder es sind die Bezeichnungen von Eigenschaften 
oder Eigentümlichkeiten entnommen , die meisten einsylbig und vor- 
zugsweise nur in einer Ortschaft eingebürgert; oder es weisen auch 
die Namen auf einen früheren Wohnort hin, so in Kalbach: Dien), 



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- 273 - 



Kuhn, Kopf, Kilp, Stöhr, Stamm; in Harheim: Bockenheimer, Breu- 
burger; in Kirdorf: Oden wäller, Währheim, Ostumer, Birckenfeld, 
Wisskirch; in Oberheckstadt: Kopp, Beul, Schaub, Haub; Ramels- 
berger; in Bonames: Flamm, Ripps, Reusa, Burck, Momberger, Neu- 
hof; in Nieder-Erlenbach : Bien, Boch, Heil, Fritz, Horn, Kahn, 
Jann, Helm, Klos, Fix, Lanz, Heim, Pfeil, Reitz, Roth; in Dortel- 
weil: Räch, Schuch, Mutz, Kitz, Mohr, Knott, Scharch, Becht, Gelf; 
In Niederursel: Greiff, Schmarr, Dietz, Kraft, Gröla, Stark; in Öber- 
Eschbach: Mauas, Best, Kling, Gull, Genth, Manns, Knorr, Porth; 
in Nieder-Eschbach : Jost, Loos, Lötz, Wahl, Schwenk, Winkler, 
Durnauer. In Massenheim : Hess, Clees, Grimm, Pietz, Maul; in 
Reiffenberg: Brück, Sturm; Usingen 

Ziemlich verschiedene Namen sind in Vilbel, das an der grossen 
Heers trasae gelegen weniger Abgeschiedenheit und Eigentümlich- 
keit behalten: Fauerbach, Marburger, Wenderoth, Schickendanz, 
Vömel, Uphoff, Seybold. 

Die mancherlei Lateinischen oder fremdartigen Namen stammen 
wol fast ohne Ausnahme von Pfarrern oder Schullehrern : Galenza in 
Bommersheim, Cornely in Kalbach, Battonn und Quirin in Harheim, 
Hieronymi in Stierstadt, Molitor in Kirdorf, Gaffka und Schul- 
meister Alberti in Arnoldshain , Henrici und Sutor in Ober-Escbbach, 
Laupus und Debus in Nieder-Eschbach. Am meisten Römische Na- 
men finden sich in Heddernheim, so Filius, Fabritius, Justus, Majus, 
Jacobi, Krusius, Pauli; doch sind dies schwerlich Nachklänge aus 
dem benachbarten vicus novus. 

Der Name Brendel, welcher einem adlichen Geechlechte von 
Seulberg und Homburg angehörte, findet sich später und bis auf den 
heutigen Tag in Reiffenberg, Schmitten und Arnoldshain; auch in 
Köppern soll er noch vorkommen. 

Ganz verschieden sind natürlich die Namen in Dornholzhausen 
und Friedrichsdorf: Gallet, Cherigaut, Arnoud, Bouches, Pastre les 
heritiers, Berthalot, Garnier, Vallon, Rousseau, Micol, Balli, Bezar, 
Lagneau, darunter nur wenige Deutsche. Am mannigfaltigsten aber 
sind die Namen in Homburg, wo Regierung und Hof viele fremde 
Familien herbeigezogen, später dann auch die Französische Ein- 
wanderung einen neuen Stadttheil erbaut hat. 

* ■ 

Wenn auch der gemeine Märkermann „für sich selbst" auf den 
Märkertagcn erschien — Mglb. E. 29. IP S. 173 — so handelte und 
stimmte er doch stets nur als Einwohner einer der zur Mark berech- 
tigten Ortschaften; der gemein lantman trat in Haufen zusammen, 



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und in dieser Weise erfolgte durch einen der Aelteeten oder durch 
den Schultheissen der Ausspruch oder die Abstimmung der Ortschaft. 

Nach der ältesten vorhandenen Urkunde der hohen Mark vom 
13. April 1401 rief bei dem gebotenen Märkerding der Schreier „die 
Dorffe" auf. Es waren „die Ortschaften hergeboden". (Mglb. E. 29. 
II b S. 3.) Es wurde einmüthiglich geweiset: dass die Mark der xxviii 
Derffer „mind oder meh" den Märkern rechtlich eignen sei. Es wur- 
den damals nur aufgerufen: Branbach, Hornszhem (wahrscheinlich 
Arnsheim) Wilen, Obersteden, Dornholczhusen , Kirchdorff, Obern 
Espach, Nidern Espach, Nydern Erlebach, Massenheym, VUwil, Hor- 
heim, Bonemese, liedernheim, Caldebach,NydernUrsel, Bomerszheim, 
Nydern Steden, Mitteln Steden, Nydern Bomberszheym, Mitteln Ursel, 
Husenn. Einige z. B. Stierstadt fehlen, vielleicht weil der Schultheiss 
in seiner Eigenschaft als Märkermeister zugegen war. — 
Auf dem Märkertag, St. Katharinen 1401 werden aufgerufen: 
Obern-Steden, Nydern-Steden, Dorreholczhusen, Kirchdorff, Gontzen- 
heym, Obern Espach, Nydern Espach, MasBenheim, Vilwil, Horeheim, 
Bonemese, Caldebach, Escherheym, Hedernheim, Prumheym, Nydern 
Ursel, Wissenkirchen, Stierstat, Branbach, des jungen Francken hoff 
zu Heckstat, Obernursel, Gattenhofen, Riffemberg, Hatzstein, Arn- 
stoyn (Arnshain), Forderwilen, Hinderwilen, Mitteln Ursel, Nidern 
Bomersheim. Ueber das gebotne Märkerding auf St Catharina 1438 
finden sich in dem Frankfurter Archiv zwei Urkunden (Mglb. E. 29. 
II. S. 93 und II" ) von denen die letztere, wahrscheinlich eine spä- 
tere Abschrift, einige Dörfer weggelassen. Die erstere ruft deren 31 
auf: Obern Steden, Nydern Steden, Dornholczhusen, Kirchdorff, 
Guntzenheim, Obern-Eschbach, Nydern-Eschbach, Nydern Erlebach, 
Massenheim, Vilwil, Harheym, Bonemese, Caldebach, Escherheim « 



i* Eschersheim selbst gehörte nicht zur hohen Hark, es liegt südlich der 
Nidda, das Ansrufen kann sich nur auf die Mühle und des Abts Hof beziehen. 
Von der Mühle wird aus dem Jahre 1567 angegeben, dass die Hanauiscben ge- 
beten umb 26 stamm Holz zu Erhaltung der Müllen. Darauf heisst es: Dieweil 
im Instrument stehet dass die Müll mit eym halben Wagen „in die Mark ge- 
hörig sei", sind ihnen uff diesmal 10 stemm erlaubt, die mögen sie mit eim 
ganzen Wagen beim führen, aber sust zum Brennholz sich „der Mark gebrau- 
chen mit eym halben Wagen". (Mglb. E. 29. III. S. 40.) — Von dem Abtshofe 
wird im Jahre 1603 bemerkt, der Marker habe den Bescheid gegeben dass der 
Herr Graf zu Hanau für sich kein Märkor, dem Hofe zu Eschersheim aber sei 
man seiner Gerechtigkeit geständig, und zufrieden das« „der Inhaber und Be 
sitzer solches Hofes, dem Instrument gemäß, sein Brennholz durch seine eigne 
Fuhr ausführe", wo aber der Hofe kein eigen Fuhr hette, alsdann durch einen 



- 275 — 



die molc zu Escherheim, des Apts hoff zu Eschersheim, Hedernheim, 
Prumheim, Nydern Ursel, Wissenkirchen, Stirstat, Branhach, des 
jungen Francken hoff zu Hexstat, Obernursel, Gattenhofen, Riffem- 
berg, Hatzstein, Arnstein, Forderwilen, Hinderwilen, Mitteln Ursel, 
Nydern Bomersheim. Auch hierunter fehlen noch Homburg, Dürckel- 
weil, Steinbach, der Mönchhof bei Nieder-Ursel und die Waldschinidt, 
jetzt Schmitten bei Arnoldshain, welche alle im Jahre 1484 aufge- 
rufen werden. Offenbar geschah das Aufrufen nicht nach einem ge- 
schriebenen Verzeichniss, sondern aus dem Gedächtniss des Schreiers 
indem er sich im Kreise umsah. Der Schultheiss von Homburg be- 
fand sich wol gewöhnlich im Gefolge des Waldpotten oder des An- 
walds, andere Schultheisse mochten zwei oder mehr, besonders aus- 
gegangene Ortschaften vertreten. Es gibt hierüber das hohe Mark- 
Protocoll von 1660 — 1700, welches im Homburger Archive sich be- 
findet, manche belehrende Auskunft. Bei der Märkermeister Wahl im 
Jahre 1660 wurden aufgerufen und stimmten: Homberg, Obersteden, 
Niedersteden ,Ä , Gontzenheim, Ober Esbach, Kirdorff, Nieder Esbach, 
Nieder Erlenbach , Dorckelweil , Vielbel , Harheim , Bonames, 
Oalbach, Mühl und Abtsboff zu Eschersheim, Hetternheim, Pfraum- 
beim, Niederursell , Steinbach, Weiskirch, Oberhexstatt 3 Haus, 
Stierstatt und Bomerscheim, Oberursell, Reiffenbcrg, Hattstein und 
Arnoldsheim, Waldschmitt, Forderweil. Hinderweil und Brombach 
stimmen nicht. Es waren 30 Dörfer und Höfe, welche als stimmbe- 
rechtigt aufgeführt werden. Aus dem Protocoll von 1661 geht hervor 
das» Mühl und Abtshoff zu Eschersheim mit 2 Stimmen zählen; zu- 
sammen sind es in diesem Jahr wieder 30 Stimmen, bei Hinderweil 
und Brombach steht eine 0. Im Jahre 1662 sind 29 Stimmen zuge- 
gen, Brombach abfuit, Hatzstein desgl. Im Jahre 1665 sind es 31 



„andern Märker" dasselbige uff die Wittag au zuführen Macht haben soll; doch 
ohn Uebermaaß und daas das Holz auf dem Hofe selbst verbraucht werde. 
(Mglb. E. 29. IV. S. 84.) Bei den Vorbereitungen zur Theilung der hohen Mark 
stellt Amtmann Usener zu Bergen Bescheinigung aus, dass in dem zum hochf. 
Hess. Hanauischen Amt Bornheimerberg gehörige Ort Esohersheim die daselbstige 
Mühl und der sogen. Abt- modo v. Wetzersche Hof mit drei Wohnungen zur 
hohen Mark berechtigt sei. 

'* Es ist die Angabo dass Niedersteden im 30jährigen Kriege verwüstet 
worden, (s. den Aufsatz: die hohe Mark 3. 340,) zu berichtigen; es soll später 
durch Feuer zeretört worden sein. Noch jetzt führt ein besonderer Weg nach 
dem Kirchhof von Niederstedten bei Homburg, es liegt derselbe etwas erhaben 
über der Wiese, eine alte Linde überschattet den Platz. „Leute die es nicht 
verstehen, meinen es sei hier wüste; aber im Sommer, wenn die Sonne brennt, 
kommt der Hirt mit den Schafen gezogen, da pflegen sie der Ruhe". 

18» 



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— 276 — 



welche stimmen; 1674 wieder nur 29, Schmitten, Eeiffenberg and 
Arnoldßhain fehlen, weil sie der Kohlen wegen Satisfaction thun 
sollen, dagegen ist die Weihl, Brombach, Hattstein und „die Sorg u 
anwesend ,T . Hattstein erschien also damals unter den gemeinen 
Märkern, während Arnoldshain fehlt. Aber bereits auf dem Märker- 
ding von 1563 fragen die 2 Stämme von Rjffenbergk und Hattsteyn 
an, warum die Märker ihre Unterthanen „die Ryffenbergischen und 
Arnßhainer" aus der Mark geschlossen; sodann bittet im Jahre 1676 
der „Hattsteinisch Schultheiss zu Arnoldshain" dieses — Arnoldshain — 
als ohnvertheilte Ilattstein'sche und Reiffenbergische Unterthanen bei 
ihrem Markrecht zu lassen 18 . Demnach scheint es dass das Dorf 
Hattstein damals schon nicht mehr bestanden, bereits ein verrotteter 
Burgflecken war; oder dass ein solches Dorf Uberhaupt nie bestan- 
den habe; es ist desshalb schwer zu erklären, wie bei den Bera- 
thungen im Jahre 1773, ob die hohe Mark nach Köpfen oder nach 
Ortschaften zu th eilen sei, eine Uebersicht vorgelegt werden konnte, 
in welcher unter den Bassenheim'schen Ortschaften Reiffeuberg mit 
80 Köpfen oder Märkern, Hattstein mit 50, Arnoldshain mit 80 an- 
gegeben steht. — Bei den Conferenzen im Jahre 1777 wurde bemerkt, 
dass Niedersteden durch einen Homburger Rathsherrn vertreten sei, 
in ähnlicher Weise der Mönchhof und Hinterweil, auch der Schult- 
heiss von Hattstein werde noch aufgerufen. Mglb. E. 31. I. S. 165. 
Weiterhin folgen genauere Verhältnisse aus jedem einzelnen Orte. 
Es findet sich darin verzeichnet bei Reiffenberg: das Schloss Hatt- 
stein, sammt dem daselbst liegenden herrschaftlichen Gute; die herr- 
schaftliche Mühl bei Hattstein, mit dem dabei liegenden Gut; der 
Zainhammer mit dem daran liegenden herrschaftlichen Gut. Bewoh- 
ner eines Dorfs Hattstein werden aber nicht aufgeführt. Andere 
mark berechtigte Ortschaften und Höfe haben sich wahrscheinlich 
an benachbarte Dörfer angeschlossen, so Wilkommshausen , Dorn- 
holzhausen, Gattenhofen, Dillingen u. a. m. Den Namen Gatten- 
hofen oder Gottenhofen trägt noch jetzt eine Mühle zwischen Stier- 
stadt und Oberursel; wahrscheinlich ist es von Gozzo oder Gotfrit 
herzuleiten ; es soll sich mit Oberursel vereinigt haben. Nördlich von 
diesem, am Fusse des Goldgrubenbergs lag auch die Ortschaft 



" Auf dem Märkerding von 1663 legen „die Waldschmid von der Sorg und 
Hundtatall 1 eine Schrift vor, und in der Waldordnung von 1594 hebst es: 
70) endlich ist denen uf der Sorge lauth des alten Vertrags kein Reiser oder 
Holz kolen zu brennen gestatt worden. 

>* Vergl. dieses Archiv IL S. 342. 



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277 



Hausen, welche im Jahre 1401 als bethciligt zur Mark noch auf- 
gerufen worden ist. Anf dem Markerding von 1438 wird noch Nid- 
dernsteden aufgeführt, Gottenhofen, Mittel Ursel, Niddern Bommers- 
heym, aber nicht mehr Hansen. Bei Gelegenheit des Streites Uber 
die Hunerburgkswiese bei dem Endenpfaell, übergeben die Urseller 
eine Beßchwerdeaehrift in welcher sie unter anderm auch anführen, 
dass die Hessischen Beamten zu Homberg in Beziehung der Höh- 
mark den ganzen Häuser Grund anno 1586 abgegangen, auch von 
den Merck ern Erklärung abnothigen wollen, dass solcher ganze Wie- 
sengrund und stattlich Forellenbach auch zu der Mark und nit 
Urseller Gerichtsbarkeit gehörig weren. Dagegen betten etlich alter 
Merker Einwendung gemacht Ueber dies abgegangen Epsteinisch 
oder Königsteinisch Dorff Hausen befinde sich in dem alten Ursel- 
ler Gerichtsbuch verzeichnet, das bemelte Häusser Gericht sei in 
anno 1455 durch die gnedige Jungherrn gen Ursell transferirt wor- 
den. Es werde noch ein alter Gültbrief aufbewahret, welcher vor 
Schultheis* und »Schöffen des Gerichts zu Haussen in anno 1400 über 
Häusser Gerichtsgüter gemacht Desshalb würden noch die Na- 
men des Häusser Hains und Landwebren gebraucht, des Häus- 
ser Feldes, der oberen und unteren Häusserwiesengründe , des 
Häusserweges, -steges, des Wilthauses, Newenhauses, der Ep- 
steiner Wiesen, die noch ein Waltschreier in seinem Gebrauche 
habe. Ihre Vorfahren hätten noch den Ort der Heuserpfan- 
nen, Schmitten und gefeile uff solche schmidt und mühlen vorge- 
zeigt, wie das auch noch zu sehen; und begriffen des Häusser- 
bezirks Güter über 400 Morgen Acker, Wiesen, gestreueb, Wüstung, 
Geboltz und auch die obberürte schöne Forellenbach welche alle- 
sampt dem Dorff Hausen königsteinscher Obrigkeit allein zustendig 
gewesen. Bei den Umgängen der Höhmark wird stets dieses Dorf 
angeführt, es heisst z. B. im Umgang von 1586: an derselbigen 
Wiesen hinauf bis an den Heuser fort (pfort, pfad?) den Heuserfort 
hinaus under der Schreyerwiesen hin, und fortan zwischen dem 
Heuserhayn und dem Veit den Weg an der Landtwehr hinaus; 
fortan an die Strassen da vor Zeyten ein schlag gestanden, der 
Heuserschlag genannt 

Mittelursel schloss sich an Weisskirchen und an Niederursel an, 
das Gericht wurde durch Schultheissen und Schöffen dieser beiden 
Ortschaften abwechselnd versehen. 

In der Nähe des jetzigen Dorfes Friedrichsdorf, südlich von 
demselben, lag Dillingen; der Name kommt noch vor im Umgang 
der Seulberger Mark von 1539 zu welcher Zeit der Ort selbst bereits 



untergegangen ist Es heisst daselbst: „sie gingen die Landgewer, 
die von Dollingen uff da» Sewelbergfeld geht*. Diclit dabei lag die 
Brendelsburg, welche dem, beiSewelberg ansässigen, meist in Hom- 
burg wohnhaften adeligen Geschlechte der Brendel zugehörte; viel- 
leicht gehörte diesem Geschlechte auch die weiter nordwärts damals 
im Wald gelegene Schneppenburg. Höchst wahrscheinlich hat sich 
Dillingen mitSewelberg verbunden, welches vordem ein Schaf- oder 
Schweinhof gewesen. 

Bei Gelegenheit der Streitigkeiten zwischen den Märkern und 
dem Waldpoten wegen des neuen Dorfes oberhalb Seulberg, wurde 
auch des untergegangnen Dülingeh gedacht, Der Waldpot brachte 
vor: an selbigem Ort sei ein adeliger Hof und dabei das Dorf Dil- 
lingen gelegen gewesen, welches vor diesem den von Brendell zu- 
gehöret, von welchen es auf die von Harffen gekommen; von diesen 
habe es der landgraf gekauft; so habe er diesen Ort nebet dem 
Dannen-Wald „ woselbst in vorigen Zeiten das Dorf Willkomms- 
hausen, von welchem auch noch ein Haus abgebrochen, und nach 
Seulberg, da es noch stehet, transportirt worden, begeben". Die neuen 
Ansiedler hätten die Wüsteneien wieder zu fruchtbaren Aeckern ge- 
macht, und sich darauf der Markgerechtigkeit „gleich ihren Vor- 
fahren und vorigen Besitzern der Dörffer Dilliugen und Willkomms- 
hausen , auch des adlichen Hof» der von Harffen mit Fug und Recht 
bedient". Es haben ihnen aber „diese uralte Gerechtigkeit" einige 
Märker disputiren wollen, ebenso wie in der hohen Mark wegen 
Dornholzhausen die Märker anfangs sich opponiren wollen. 

Hierüber wird weiter unten noch einiges nachzutragen sein. Das 
jetzige Dillingen ist erst nach Theilung der Mark auf früherem Wald- 
boden nördlich von Friedsichsdorf erbaut worden. 

Noch findet sich eine ausgegangene Ortschaft auf dem nördlichen 
Abhang des grossen Feldbergs, vielleicht ein Gehöfte, Volperhausen 
oder Vellmerhausen. Jetzt ist sie spurlos verschwunden. In dem 
Protocoll über den Umgang vom Jahre 1539 wird angeführt, dass 
die Märker gegangen „bis an den Feldberg gegen Reiffenberg und 
den Pfiugatbrunnen bei Volperhausen; daselbst hat sich zwischen 
den Geordneten der Gemeinde von Reiffenberg an einem, und den 
übrigen Märkern am andern Theil ein Zwiespalt des Gangs zuge- 
tragen". Letztere wollten nach dem grossen und kleinen Bettstein 
gehen. Aus andern Umzugsprotocollen ist zu ersehen, dass die Grenze 
der Mark vom Pfiugstbrunnen östlich von Oberreiffenberg auf einen 
Stein lief bei Vcltmerhausen; in denselben heisst es weiter: „noch 
ein Stein bei Vcltmerhausen, item noch ein Stein uff Veltmerhausen 



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obendig dem Weg naher Hatzstein ; noch ein Stein uff Veltmer hau- 
sen vor dem Wald, fortan noch ein Stein zwischen der Mark und 
Veltmerhausen, stehet in einer Ecken; noch ein Stein uff Veltmer- 
hausen am Dieleberg, liegt Umb". Im Protocoll des Umgangs von 
1609 heisst es: anVettmarshausen so zur Mark gehörig. Der 8** Stein 
stehet auf der Haide vor Volmarshausen ; der .11" Stein in einer 
Eck allda Veldmarßhausen wendet Es waren um diesen Bezirk 
von Veitmarshausen eine ganze Reihe von Grenz -Steinen am nörd- 
lichen Abhang des grossen Feldberges hin. In spätem Umgangen 
wird dieser Ort Vollmarszhausen geschrieben. Es ist glaublich dass 
auch diese, wahrscheinlich verkümmerte Ansiedelung nach dem ersten 
Besitzer genannt worden. 

Die Frauen. Es ist sehr zn bedauern, wenn es auch sehr 
natürlich ist, dass die Akten der hohen Marek der Frauen und ihrer 
Wirksamkeit zu gedenken, keine oder fast keine Gelegenheit haben. 
In den gesammten Schriften welche die Hohe- und die Seulberger etc. 
Marek betreffen, werden uns nur zwei Frauen genannt und über ihr 
Wirken uns Mittheilung gemacht. Einmal ist dies Margaretha Elisa- 
betha, Landgräfin und Waldbottin, welche am Ende des 30jährigen 
Krieges als Vormünderin die Erlasse unterzeichnet, dann aber noch 
die wackere Schultheissin von Stierstadt welche im Jahr 1765 bei Ab- 
wesenheit ihres Mannes einer wüthenden Rotte allein sich entgegen- 
stellt, gefährdeten Förstern Schutz in ihrer Wohnung gewährt und 
muthig die Verfolger bedroht 

Der Adel und die Schlössen. Neben den „Dorffen* wurde 
in den älteren Zeiten immer oder oft auch der „Schlössen" gedacht. 
Im Jahre 1536 werden aus den 4 Schlössen als Homberg, Obernursell, 
Reiffenberg und Bonemesa aus jedem ein Mann genommen, den Holz- 
bedarf zu untersuchen. Auf dem Märkerding im darauf folgenden 
Jahre ist „nach altem Gebrauch durch den Schreyer den Schlössen, 
Flecken, Dorffen und Orten in die Margk gehörig 8 , gerufenworden ; 
ebenso in die Egidii anno 1538 „allen Schlössen, Flecken und Dorffen 0 . 

Auf dem Märkerding von 1517 erhob sich Streit darüber ob der 
Rath von Frankfurt das Recht habe Pfäl zu hauen, das Schloss, die 
Brück, das Wehr zu Bonamesa zu versehen. Die Frankfurter Ge- 
schickten erklärten es wären zwar Pfäl aus der Mark nach Bonamesa 
geftirt, daselbst „im sloß und sunst, doch nit über der brück 8 benutzt 
worden; auch der gnädige Herr von Königstein hab' in der Mark 
merklichen Schaden gehauep, hab' Pfalwerk zu Befestigung des 
Fleckens Oberursel verbauet Es seien allein 4 Flecken nemlich 



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Ryffemberg, Hoemberg vor der Hoe, Oberursel und Bonamese in 
die Mark gehörig, darzu gemeine Märker in Vehden und andern 
nöthen vor andern Flecken Zuflucht haben, darum auch billig sollich 
Flecken vor andern zu befestigen. Die Büß sei desshalb auch dem 
gnädigen Herrn von Königstein erlassen worden, das Gleiche ver- 
hoffen desshalb die Geschickten des Raths für Bonamese. Die Mir- 
ker stellen ihrerseits nur in Abrede dass das aus der Mark genom- 
mene Holz zum Brückenbau verwendet werde; sie beschweren sich 
dass sie grössere Zollerleichterung auf der Brücken von Bonamese und 
Hausen gehabt, der Zoll sei erhöht worden. Schliesslich aber wird 
dem Schultheissen von Bonames doch gestattet etwa gehauene Pfäl 
in der Mark zu holen, bis zum nächsten Märkerding aber nicht weiter 
zu hauen. — Mglb. E. 29. II b S. 103. 

Diese „Schlössen und Flecken" haben bereits im 16. Jahrhundert 
einen Vorrang vor den übrigen Ortschaften eingenommen, besonders 
wol desshalb weil in ihnen die verschiedenen Regierungen der zur 
Mark gehörigen Ortschaften eine Vertretung fanden. Sie bildeten 
den Ausschuss der in mancherlei Weise eine Thätigkeit entwickelte, 
namentlich im Rechtsprechen und in der Verwaltung der Mark. In 
älteren Zeiten gehörten dazu Homburg, Oberursell, Bonamesa, Reif- 
fenberg, Hatstein und Pfraumheim; aber bereits im Jahre 1594 sollen 
die Märkermeistcr vor dem Waldbotten und den fünf Hauptflecken 
Rechnung thun. Hatstein wird von da an nicht mehr unter den be- 
vorzugten Ortschaften genannt. Noch im Jahre 1545 als die Märker 
Eingriffe des Waldbotten in ihre Gerechtsame befürchteten, hatten 
sich die Solmsischen, Hanauischen, Frankfurtischen, dann Juncker 
Friedrich von Reiffenberg und der von Hatstein mit einander ver- 
glichen, und einen Tag zu Frankfurt im Predigerkloster angesetzt, 
daselbst zu handeln wie sie das Instrument wollen helfen h and t haben. 
„Und seind die nachfolgend Dorffer und Flecken zum Ausschuss ghen 
Homburg verordnet: Homburg, Obernursell, Bonamesa, Reiffenberg, 
Hatstein und Pfraumheim a 19 . 

Es kann hier nicht daran gedacht werden Verzeichnisse und 
genealogische Aufzeichnungen des Adels in der hohen Mark zu 
geben, das würde dieser Arbeit sehr ferne liegen; es soll nur das 
Verhältnis* des Adels zum gemeinen Märker berührt werden. 

Einen bestimmt ausgesprochenen Vorzug in der Nutzung der 
Mark vor dem gemeinen Märker hatten die Edelleute in älteren Zei- 



>» Vergl. über den Untergang der Burg Hatstein : Usoner, Ritterburgen 
S. 180, u. ff. 



- 281 - 

» 

ton nicht Es wurde aber doch eine gewisse Rücksicht auf sie ge- 
nommen, um so natürlicher als gerade der Adel die Vorkämpfer 
lieferte, wenn es galt den Anmassungen des Walpotten entgegenzu- 
treten. Aua den Edelen wurden auch meist die Schultheissen be- 
stellt, entweder aus dem Adel der Mark selbst, oder der Umgegend. 
Ansässige, in der Mark gegudete Edelleute sollten vor andern zu 
M&rkermeister gewählt werden. So finden wir im Jahre 1401 Henne 
Clemm von Hoenberg und Heinrich von Beldersheim, 1546 Georg 
von Bellerßheym Amtmann zu Nidern Jrlebach, 1578 Philipe Wolff 
von Ffraunheim Amptmann zu Königstein, derselbe im Jahr 1595 
als Markermeister. Ausser diesen kommen noch vor: 1401 einSifridt 
von Stierstadt, Fritzchen Clemm und Damen von Prumheim, die 
Franken von Hexstat, Henne von Delckelnheim, Wilh. von Bommers- 
heim, Jacob von Cronberg, Balthasar von Eschbach, Jon. von Bus- 
seck, u. a. m. 

Besonders sind es, neben den Brendel von Homburg, die Junker 
von Reiffenberg und von Hatstein welche in Stämmen auftreten, 
ähnlich wie der gemein Märker in Ortschaften. So heisst es dass 
1545 zugegen gewesen von wegen des Stamms Brendel, Johann 
Brendel der ältere von Homberg d. h. Boichs Burggraf zu Fridberg, 
Joh. Brendel der jüngere von Homberg, von wegen der Stämme 
Ryffenberg und Hattsteyn erscheinen aber Pfarrer und Schultheiss. 
Ebenso auch 1541 waren erschienen anstatt des obersten Walpoden 
der ehrenvest Christoff von Hatstein, Amtman zu Königstein, dann 
Conrat von Hatstein, Ritter, Vitzthumb zu Mainz von wegen des 
Hang Hatstein, und Johan von Reiffenbergk von wegen des Haus. 
Noch im Jahr 16 ( )7 erschien ein Daniel Brendel und Joh. Eittel 
Brendel von Homburg, der Schultheiss zu Erlebach und der Ritt- 
meister von Homburg Brendel werden zu Märkermeistern erwählt 
Im Jahre 1578 heisst es, nachdem die Geschickten der Herrschaften 
aufgezählt worden, letzlich waren erschienen »beneben den gemeinen 
Märkern Johann Brendel von Homburg und Burckhardt Engelbrecht 
von Hattetein als Mitmerker". 

Wir finden diese beiden Reiffenberg und Hatstein bald unter 
denen vom Adel aufgeführt, bald unter den Herrschaften. Als der 
Keller von Homburg 1541 einen Ausschuss bestellen wollte „sind ihm* 
die gemelten Herrschaften Solms, Eisenburgk, Frankfurt, Hatzstein 
und die Unterthanen in die Red gefallen". 

Die Hatsteiner und die RehTenberger abgeschieden von der übri- 
gen Welt haben sich auch nicht viel um deren Anforderungen be- 
kümmert. Im 15. und 16. Jahrhundert fehlte es nicht an Besch wer- 



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den der Märker gegen dieselben ; so auf Mitwoch nächst nach dem 
b. Pfingsttug 1484 eine Beschwerde gegen die von Riffemberg die 
etlich in der Marg gefangen und gepfändet haben. Im Jahre 1491 
abermals ein Märkerding gehalten wegen der Irrung mit den von 
Riffemberg „den abgezogen Walt" betreffend. Zugegen waren die 
Abgeordneten von wegen Hanau, Solms, Königstein, Frankfurt, dann 
J. von Cronberg wegen Nidern Heckstat (?), Marqwart von Hatstein 
von wegen des Schloss Hatstein, Gilbrecht von wegen des Schloss 
Riffonberg. Sie beschliessen einen Umgang wieder zu halten, und 
„sy jede herschaft ufs getrost sie künnen kommen und erschinen", 
auch die Jungen allenthalben mitnemen, darmit der Umbgang im 
Gedechtniss bliebe. Im Jahr 1600 baten die Reiffenberger um Hegung 
des Schartterwaldts, die Märkermeister erwiderten : die Reiffenberger 
theten den mehrsten schaden, und sonderlich die uff Reiffenberg ge- 
legenen Soldaten. 

Die Brendel, welche besonders bei Seulburg begütert gewesen, 
sollen zuletzt im untern Schloss zu Homburg gewohnt haben, 1630 
oder 1636 ausgestorben sein. Die Wolff von Pfraumheim *° erscheinen 
noch um das Jahr 1600 auf den Märkerdingen, so 1600 Philips Wolff 
von Pfraumheim. Er scheint aber keine vorragende Stellung dabei 
mehr eingenommen zu haben. Als man ihn nicht zum Ausschuss 
berief, sagte er, dass er mit darunter gehöre „wolle sich untermen- 
gen, wie maußdreck undern Pfeffer' 1 . Er beschwert sich dass man 
die Adelspersonen nicht zum gemeinen Zechen ziehe. Georg Bren- 
dell von Hoenburgk affirmirt, dass solches also herkommen und billig 
geschehe. Im Jahre zuvor aber heisst es von Phil. Wolff von Praun- 
heim es sei uff sein Ansuchen an sein gesetzten büßen der 8 fl. 
zwei fl. nachgelassen. 

Der Walpode hatte sich nur von dem Landman oder dem ge- 
mein Märker seine Rechte und Herrlichkeiten weisen zu lassen ; 
Strafen mochten „ der walpode und der lantman u mildigen, aber bei 
der Wahl der Märkermeister waren die Edelleute in mancher Be- 
ziehung bevorrechtet: „Wen die Edellute und der lantman uff St 
Kathrinentag zu Markermeistern kiesen, den hat der Walpode zu 
bestedigen*. So geschah es im Jahre 1401. Auf dem Märkergeding 
von 1438 gingen die Edelleute beiseite und auch der lantman, und 
besprachen sich und wählten die Märkermeister. Der lantman ge- 
dachte auf Anstiften des Kellners von Homburg dreie zu wählen da- 



w Vergl. Uber dieses Geschlecht, Dr. Euler im Pftr. Archiv fttr Gesch. 6 
Ilft. 8. 110. 



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- 283 - 



mit die Mark besser bestellt würde, die Edeln aber wählten zwei 
„Hennen von Delekenheym hie diese syt de boe und Cunen von 
Riffen berg hinsit der hoe", und raeinten dass man es bei den zweien 
lieöB bleiben, wie es von altem Herkommen wäre, und hiessen die 
Landleute hinter sich treten und darauf besprechen. Als sie sich be- 
sprochen hatten „erzählte der Schultheiss zu (fehlt der Name des Orts) 
von der Landleute wegen wie sie meinten dass die Edeln es als gerne 
gut sähen als sie, und wollten es auch bei den zweien lassen bleiben, 
wie die Edeln gekoren betten." — Mglb. E. II. S. 93. 

Nach dem Weisthum von 1484 soll man kiesen zu Märkermeis- 
tern aus den Edeln die in der Mark gemessen undgegut seien. Mag 
man der nicht haben, so soll man kiesen aus den Priestern, mag man 
auch der nicht han soll man kiesen aus den lantmannen die furnemsten 
und nützigsten. 

Noch im Jahre 1541 traten die Edeln „so von Jre Person selbst 
wegen, vom Adel zugegen" zugleich mit den Herrschaften gegen die 
Gesandten des Waldpotten auf, begehrten zu wissen ob dieser der 
Gemark merklichen Schaden gethan mit Abhauen von Eichenbäumen 
aus welchen viel tausend Zaunstecken gemacht die I r0 Gnaden ausser 
der Mark verbraucht; solche Büge hätten sie in den Rügezetteln 
nicht verlesen hören, ob solches mit Wissen des gemein Märkers 
oder der Märkermeister bescheen, ob sein Gnaden auch solchen 
Schaden verbüsset? Wenige Jahre nachher aber stimmen auch die 
Brendel, die Herren von Bommersheim, von Praumheym, wie die von 
Reiffenberg und von Hatstein den unheilvollen Beschlüssen bei, welche 
das alte Recht der Mark vernichten halfen. 

Damals schwand das Ansehen der Edelleute. Auf Mitwoch nach 
Pfingsten 1563 begehren die zween Stämme von Reiffenbergk und 
Hattstevn Anzeig, warum die Märker ihre Unterthanen die Reiffen- 
bergischen und Arnßhainer aus der Mark geschlossen; zum andern 
warum nicht die Märkermeister aus dem Adel gewehlet würden ; zum 
Dritten aus was Ursachen ihnen gewehret wöll werden Säuhecken 
im Wald zu machen? Der Amtmann von Epsteyn erbietet sich zum 
Versuch die Irrungen in Güte beizulegen, dagegen die zween stamm 
„dieweil die andern gahnErben nit vorhanden" wollen sich in keine 
gütliche Verhandlung einlassen. Die Märker ihrerseits heben hervor 
wie die Reiffenberger die Ausschliessung verdient; sie bemerken 
dann : es sei im Instrument geordnet dass Merkerroeister vom Adel, 
in der Mark gesessen, sollen gewählet werden, „Inen sey aber auch 
ufgelegt; sie sollen zytlich in den Walt ryten und zusehen, dass die 
Forster Jres dienstes flyssig und treulich warten; Dwyl aber solches 



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von etlichen unterlassen und auch im Instrument versehen, wo man 
solche Personen vom Adel nit haben möge, soll man von Priestern 
oder von andern redlichen Märkern nehmen, so hab man etliche Jar 
her redliche Personen aus den Merkern gewehlet die der Mark zum 
treulichsten sollen fürstehen. Es heisst weiterhin zur dritten Be- 
schwerde : „soviel die sewhecken belangt, hab der öberst Waltpot die 
Vorjagt in der Höhmark, laut des Instruments, demnach mögen die 
Merk er auch jagen; zu solcher jaget mög der Waltpott Hecken lassen 
machen, sust wissen die Mercker nit dass Jemant andres hecken hab 
zumachen. Wan eyn jeder merker synts gefallens wöll hecken machen, 
so hetten sie des Walts nit genug". Mglb. E. 29. III. — * Nicht lange 
nachher, im Jahre 1578 bringen die Beamten des Waltboten vor, 
dass etliche Märker, sonderlich aber die vom Adel sich des Wild- 
schiessens gebrauchen, dazu eigne Schützen halten sollen, welches 
dem Instrument zuwider sei, sie hätten sich des Schiessens in der 
Mark gänzlich zu enthalten. 

Im Anfange des 17. Jahrhunderts (1602) übergaben die wenigen 
noch vorhandenen adelichen Mitmärker den beiden Märkermeistern 
und den gemeinen Märkern Besch werungspuncte. (Mglb. E. 29. IV. 
S. 26.) Das Instrument bestimme, dass aus den adelichen Mitmerkern 
oder geistlich, da man derselben haben könne, Märkermeister zu er- 
wählen seien, dass sie auch zu den Berathschlagungen gemeiner Mark 
gezogen werden sollen; etliche Jahre hero seien aber dem zuwider 
nicht allein gemeine Personen zu Märkermeistern erwählet, sondern 
auch der adliche Märker von gemeiner Beratschlagung gänzlich 
ausgeschlossen worden. Sie begehrten dass jederzeit aus den adlichen 
Märkern einer zum Meister erwählet werde ; dass auch die jährlichen 
Rechnungen zur Prüfung den adlichen und andern Mitmärkern vor- 
gelegt werden. Sie machen Vorschlag wie Ersparnisse durchgeführt 
werden könnten, die Aufsicht im Walde geschärft Darauf beschließt 
aber der Märker: die vom Adel würden sich dem Instrument gemäss 
zu verhalten wissen, sie seien mit dem Ausschusse zu Rath gegangen, 
ausser den Versammlungen hätten nur die Hauptflecken zu deliberiren. 
Die Rechnung abzuhören stehe allein bei dem obersten Waldpotten 
und den Hauptflecken. Burghard Engelbert von Hatstein habe wol 
etwas in Vorrath gebracht, andere vom Adel aber hätten den Vor- 
rath nit gehäutet sondern durchbringen lassen. Den Recess betreffend 
hätte der Märker lieber nichts wünschen mögen, als dass Philip« 
\Yolt't von Praunheim, der Caspar Jockel succedirt, dero Zeit ein 
schärferes Aufsehen gehabt, die Rechnung so liederlich nicht appro- 
birt oder unterschrieben, sondern die Recessscliuldon ausgeti 



hätte. Endlich sei in dem Instrument nichts zu finden, das» die vom 
Adel mit der Beholzigung und Eintreibung ihrer Schweine zur 
Mästung vor andern Märkern berechtiget, sie lassend bei solchem 
Herkommen billich verbleiben da die vom Adel in Markbeschwerung 
mehr nit dann andere gemeine Märker contribuiren. 

Ah auf dem Theidigungstagc am 28. Juni 1603 der Kellner zu 
Vilbel sein Begehren wiederholt, dass von der Schwein rügen abge- 
standen werde, erkennt der Märker „den Besitzer des Hauses Vilbell 
für einen Märker, und Niemandes weitter" und weisst ihren Besitzer 
auf das Instrument und die Markordnung „zuversichtlich, er sich 
daran begnüge und keine Neuerung veranlassen, auch der verwirk- 
ten Bußen halben sich mit ihm aller gebür abfinden werde, damit 
nicht Noth sei andere zulässige Mittel gegen ihn an die Hand zu 
nehmen. 0 

Von weit geringerer Bedeutung als in der hohen Mark war der 
Adel in der Seulburger, Erlenbacher etc. Mark; doch auch hier 
hatte er gewisse durch sein Auftreten und Benehmen bedingte Ehren- 
vorrechte. Bei den Streitigkeiten über die Märkermeister Wahl 
erklärten die gemein Märker im Jahre 1482 sei auch ein alt Herkom- 
men, wann ein Märkermeister sein Amt aufgestabet habe, were der 
ein Edelman in der Mark der darum bäte, den sollen die Mark er 
darzu uffnemen, were aber kein Edelman der darum bitten wollte, 
were dann ein Pastor in der Mark der darum bäte, solle ihm gelas- 
sen werden. Die Fassung ist hier eine andere wie in der hohen Mark : 
einem Edelmann der um das abgegebene Amt wieder bittet, dem 
soll die Bitte nicht abgeschlagen werden 81 . 

In der Markordnung von 1588 ist bestimmt dass Sontags nur 
grün Holz, Freitags nur dürr Holz gehauen werden solle, jedoch den 
Burgsessen und Herrenhäusern hiermit nichts gewisses vorgeschrie- 
ben werde „dann dieselbe uff gewieße tag nit gebandt sein sollen". 
Im Jahre 1591 ist dann beigefügt, dass jeder nur einmal des TageB 
fahren dürfe, wer ausserhalb der Wittage „under dem schein der Bürge 
Holz bei sich in seinen Hoff führe" solle gestraft werden. Schon im 
Jahre 1599 findet sich aber: soviel die Burgsesse anlangen thut ist 



" Gewöhnlich sind es nnr die unteren Beamten welche um ihr Amt bitten, 
die Förster, der Schreier, wie heut zu Tage noch in der Schweiz der Weibel 
und der Landschroiber. Die obersten Markbeamten werden, in den späteren 
Zeiten wenigstens, ohne dass sie desshalb bitten, gewählet. So noch jetzt auch 
in der Schweiz die Landammanner welche von andern in Vorschlag gebracht 
werden. 



- 286 - 



beschlossen daas der Ober Herr Waldpott uf gewisse Tage nicht ge- 
bandet, noch ihme Maaß und Ziel fürgeschrieben sein solle ; aber die 
Petterweiler Borg soll ihr Holz „wie vor Alters auf die vier fron- 
fasten lassen ausführen, und weiter zu thun nicht macht haben, bey 
der straffe in gemeinden Verbrechern geordnet, so oft einer darüber 
mißhandlen und bedretten wirdt*. 1601 wird festgesetzt: „Waß dan 
die Nieder-Erlenbacher etc. bürge so anjetzo durch des Pfarher do- 
Belbsten besessen wird, und welchem man auf eine sonderliche Gerech- 
tigkeit von deswegen im Walde zuzueignen sich ahnmaßlich unter- 
stehen will, anlangend deroselbigen und ihrem Besitzer gestehet man 
weiter nicht als sonsten einem geroeinen landman und Marker, und 
soll keinem mehr als einmal uf obangeregte Wittage zufahren erlau- 
bet sein." Mglb. E. 30. III. 

Als sich die Betroffenen beschwert, bemerkt die Waldordnung 
des Jahres 1602 : „ob nuhn woll der Graff zu Sollmß uf seines ver- 
storbenen Kölners zu Petterweill anregen, wie auch die Statt Franck- 
furth gegen diese Verordnung des Burgholzes protestiren und ein 
vermaint Hehrpringen anziehen ließen, mit Begehren sie darbei ange- 
baut pleiben zu lassen. Dieweil aber der Wald in kurzen Jahren 
sehr abgenommen, und war deswegen dem Mark er soviel ata etwa 
bishero beschehen nit mehr verstattet sondern abgebrochen worden, 
und dann die beide angeregte Burgsesse vermöge des Instruments 
mehre Gerechtigkeit als ein ander Märcker nit hergebracht ; zu dem 
auch die Nieder Erlebächer bürg bei Menschen gedenken in 50 und 
mehr Jahren kein exercitium gehabt, noch sich dessen mit fugen und 
gutem gewiesen rühmen kann, so ist ihnen ihr begehren rund abge- 
schlagen , auch die vermeinte protestationea auf ihrem unwertb und 
es bey dieser Ordnung gelassen werdenn." Ein ganzer Band (Mglb. 
E. 42. No. 33.) umfaß st alleiu den Streit über diese behauptete Ge- 
rechtigkeit aus den Jahren 1601 — 1605. Dr. Schacher stellt den Satz 
auf, die Beholzungsgerechtigkeit sei durch non usum nicht erloschen, 
es handle eich nicht um servitus in re aliena, sondern um jus 
in re propria, das condominium in der Mark. Nach der Ordnung 
von 1598 sei die Burg an gewisso Tage nicht gebunden, das könnten 
die Märker nicht willkührlich abändern. Weitere Verhandlun- 
gen wegen der Burgsitze und der ungebanten Beholzigungsge- 
rechtigkeit folgen im Jahre 1607 auf dem Rathhause zu Seulberg. 
Der Rath hatte dazu Johann Adolph Keller, Schöffen und des 
Raths, sowie den Syndicus D. Casp. Schacher gesandt; die M&r- 
kermeister und der Aussei) uss der aämmtlichen Dorfschaften Seul- 
berger Mark hatten einen Beistand in der Person des D. Andres 



- 287 — 

Conßen Ton Fridberg zugezogen. Nachdem die Solms'schen ihre 
Gewalt überreicht, zeigen sie an, dass ihr gn. Herr beim Reichahof- 
rath rechtlichen Process ausgebracht, wollten dieselben Protestirt haben, 
das» durch diese gütliche Handlung der Klage nicht abgesagt sei. 
Diese wird articulirt verlesen: 1) von des Dorfs Peterweil Gelegen- 
heit, 2) dass dasselb Ysenburg und Solms mit aller Gerechtigkeit 
eigentümlich zustendig sei. 3) Von Gelegenheit der Seulberg und Erle- 
bacher Mark. 4) Dass Solms darin die Beholzigungsgerechtigkeit und 
5) selbige für sich , seine Keller und das Burghaus herbracht habe ; 
Gj und selbiges ohn einige Verbannung. 7) hettens Merker nie gefoch- 
ten, 8) hette ihnen auch keine Contradiction gebüret, 9) Beien zwar 
etwa Waldordnungen gemacht worden, 10) dabei der gemein Märker 
gebaut, 11) ausgenommen die Burgsitz, 12) conseq. seien dieselben 
in ihrem Besitze des Unbans gelassen worden, 13) doch haben sie 
sich gegen Umstand und Keller zu turbiren, 14) dieselbe Pferde 
und Wagen abgepfandt, 15) einen Burgmeister von Petterweil ge- 
fangen, 16) den Petterweiler ihre Schwein ausgetrieben, 17) es hette 
sich aber Solms nit wollen tegliluiren oder verdrängen lassen sondern 
seinen Besitz continuirt, 18) Mercker wollten aber noch nit abstehen, 
bitte deshalb dasselbe im Besitz zu schützen. Die Märker namen 
nach Verlesung der Schrift ihren Abtritt und bedachten. Sie erwie- 
dern dass früher ein jeder Märker nach Belieben beholziget, später 
»ei wegen Holzmangel Wittage gesezet worden. „Sollte Solms gegeu 
solche Ordnung gehandelt haben, so sei es dann geschehen und dai - 
gegen auch gepfendt worden." Anch die andern Artikel werden in 
Abrede gestellt oder gedeutet. Die Frankfurter Abgeordneten, wel- 
chen auch das Recht in dem Ausschuss zu sitzen bestritten worden 92 f 
hatten sich entfernt. Sie erfuhren nachher durch den Schultheiss zu 
Nieder-Erlenbach , dass die Märker sogleich nach ' der Frankfurter 
Geordneten Abscheidt ein ander Sprach angefangen , der Burgk Pe- 
terweil und sonst keinem Burgsitz eine ungebante Gerechtigkeit 
einräumen wollten, doch so dass die Herrschaft solches nit als eine 
ewige Gerechtigkeit habe, sondern dass solches nur aus gutem Wil- 
len geschehe , und die von Solms an die jährlichen Waldordnungen 
gebunden sein sollten. Er, der Schultheiss habe ex parte Senatus 
widersprochen, es gäbe dies nur Veranlassung zu ewigem Gezänk. 
Mglb. E. 30. 4. 



21 Auf dem Ausschusstage am 25. Mai 1604 zu Sealberg hatte der gem. 
Märker begehrt, der Abgesandte des Raths möge anders nicht, denn als 
„beistand des dorffs Nid. Erlenbach" der Session beiwohnen. 



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- 288 - 

Im Jahre 1698 verkaufte der Frankfurter Rath die Nieder-Erlen- 
bacber Burg mit dem dazu gehörenden Gelände an den Herrn von 
Glauburg, (Mglb. £. 43. No. 1 und 6.) Der Schultheis Job. Tob. 
Lampe rt bescheinigt am 16. Sept 1789, dass die Gemeinde Nieder- 
Erlenbach nicht nur seit dem Jahre 1759, in welchem Jahr er da* 
Schultheisaen-Amt angetreten, sondern bereits viele vorherige Jahre, 
denen hochadlichen Besitzern der Burg aus der hohen Mark jährlich 
sechs Wagen Holz, jeden Wagen mit 4 Stück Vieh bespannt, zur 
Frohnde in die Burg gefahren habe. In dem genannten Jahre 1789 
aber trieb der Waldschreier Masch auf Befehl des Märkerm eisten 
zu Ober-Ursel zwei Pferde des Herrn Oberamtmann v. Glauburg 
zur Strafe ein, und es wurden dieselben nicht eher loagegeben bis 
Strafe und Unkosten mit fl. 20. 41 kr. entrichtet waren. Der Eigen- 
thümer wandte sich an den Rath, ihn in der verkauften Gerechtsame 
zu schützen. Der Miirkermeister Siebold von Oberursel vcrtheidigte 
seine Handlungsweise, die Gerechtsame sei nicht erwiesen, da« pos- 
sessorium nicht bescheinigt, selbst die „Darmstädtischen Prinzen- 
höffe zu Nieder-Eschbach" verlangten kein weiteres Recht als jeder 
andere Märker verlangen könne. Die fürstlich Hessische Regierung 
zu Homburg, an welche man sich nun wandte, versprach, dass das 
Anliegen des Burgbesitzers bei dem nächsten Markkonvent in Ueber- 
legung genommen werden solle; verwiess aber zugleich auf Märker- 
gedings-Protocolle von 1517, 1601, 1602 und 1608, nach welchen denen 
vom Adel wegen ihrer Güter kein Vorrecht in der Mark eingeräumt 
werden solle. Da Herr Oberamtmann v. Glauburg auf dem Märker- 
ding 1791 sich nicht meldete, blieb die Sache liegen. 

Die Geistlichen. — Auffallend ist der geringe Einflusa wel- 
chen die Geistlichkeit in den Angelegenheiten der hohen Mark gehabt, 
und wie überhaupt jedes äussere Zeichen einer Gottesverehrung dieser 
fremd geblieben ist. Kein Kreuz ist darin errichtet* 3 , und auch die 
Benennung einer Gegend am Lindenberg : „an der Magd-Kreuz 44 , soll 
an ein Verbrechen erinnern. Nur eine einzige Stelle in der Hohen 
Mark, ist als eine heilige bezeichnet. In den Markumgängen, z. B. 
von 1586, gelangen die Märker hinter dem grossen Feldberg hei dem 
kleinen Bettstein an das Feldchen „heiligen Wald" genannt „Ein 
Stein so noch gesetzt werden soll, oben am Eck heyligen Walt 
genant, ist der 5., der 6. Stein zwischen dem Arnßhayner Walt 



23 Das rothe Kreuz liegt nicht in der hohen Mark 



— 289 



und dem kleinen Bettstein. u Der 8. Stein weiter hinunter zwischen 
dem kleinen Bettstein und dem heilig Wald. „Fortan von dem Brunn, 
obendig dem heimig Seuffen, hinauf? am heiligen Walt 24 und Faul- 
berg ein Stein." 

Wol scheint es, dass der Abtshof zu Eschersheim, jenseits der 
Nidda gelegen, einer besonderen Begünstigung gewürdiget worden, 
diese ist aber andern geistlichen Anstalten, z. B. dem Kloster Thron, 
jenseits der Höh, nicht geworden. Auf dem Märkerding von 1549 
wurde beschlossen: weilen die vom Thron mit ihrem Vieh in die 
Mark treiben, auch Wellen daselbst machen, ist den Förstern befohlen 
sie zu pfänden: „wollen dann die Thröner unsern Förstern die andert- 
halben Gulden Gelts so sie Inen bis daher jerlich zu geben pflegten 
ftlrthers nit geben, so mögen sie es unterlassen, dan die Merker wöl- 
len nit lyden daß der Forster halben den Außmerkern evniche gerech- 
tigkeit in der Mark gestatet werd.' Mglb. E. 29. II b S. 135. 
Weiter wird bemerkt im Jahre 1567, die Jungfern zum Thron hät- 
ten gebeten „Inen zu gunnen daß sie mögen mit Irem Vieh wey- 
den, und wellen machen in der Höhmark an etlichen Orten so den 
Merkern entlegen syen. Solchs Inen abgeschlagen, wie hiebevor im 
Jar 1549 auch geschehen«. 

Priester werden in den Verhandlungen der Hohen wie der Seul- 
burger, Erlenbacher etc. Mark fast nur genannt als Zeugen. So 
namentlich bei dem feierlichen Märkerding bei Oberursel im Jahre 
1484. Nur die Hatsteiner und Reiffenberger senden, weil sie sonst 
keine geeignete Beamte hatten, ihre Capeliane auf die Märkerdinge. 
So wird 1536 zu dem Ausschuss nach Homburg geschikt Georg 
Betseier Capelan zu Reiffenberg, 1545 zu dem Ausschusstag Herr 
Jorg.... Pfarrher zu Ryffenberg und Hans . . . . Schulthes daselbst 

Neben den Edelleuten sollten auch die Pastoren vorzugsweise 
berücksichtigt werden bei der Wahl der Märkermeister: s were aber 
kein Edelman der darum beden wollte, were dann ein Pastor in 
der Mark der darum bete, sol im gelassen werden." Nur ein ein- 
zigesmal aber findet sich ein Pastor bei der Märkermeisterwahl berück- 
sichtiget Im Jahre 1485 während der Streitigkeiten des Waldpoten 
bei diesen Wahlen in der Seulburger, Erlenbacher etc. Mark haben 
die von Petterweile, Nydern Irlebach und Ober Irlebach gekoren 
den Pastor zu Obern Irlebach, die von Hulczhusen, Koppern und Sul- 



" In der Seulb. Erlenb. Hark wird in ähnlicher Weise beim Umgang 1593 
ein „heiliger Acker" berührt, bei demselben stehet der 88. Hänfen ; unten am 
heiligen Acker nach der Regelßbach au, der 34. Hanfe. Mglb. E. 30. IV. - 

19 



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- 290 - 



borg aber Erwin Dogel. AI« aber die von Petterwvle gehört han 
daß Erwin Dogel von den Eppensteinern gekorn were, so stunden 
sie von dem Pastor und koren auch Erwin Dogel, damit er die Mehr- 
heit gewann. Mglb. E. H b S. 152. 

Im Jahre 1583 legt der Keller von Homburg den Entwurf zu 
einer neuen Ordnung vor; in demselben heisst es zum zwölften, die 
Erwehlung und Kiesung des Merkermeister anlangend: man solle 
Wehlen, so maus kann, aus den Edeln die in der Mark gesessen, oder 
lantman die Vornehmsten und nutzesten. Der Pastoren wird nicht 
mehr gedacht 

Auch die Bevorzugung der Pastoren in Betreff der Jagd war 
wol nur noch ein Anklang aus einer vergangenen, roheren Zeit Schon 
im 15. Jahrhundert findet sich keine Spur der Benutzung vor. 

Wie der Bereich der ehemaligen Höhmark staatlich zertheilt und 
in Stückchen zerrissen ist, so auch in Folge dessen der kirchliche 
Zusammenhang. Nach der Reformation wurde in dem einen Dorf 
die lutherische Predigt eingeführt, in einem andern daneben wurde 
von Churmainz die Messe wieder hergestellt, in einem dritten stritten 
Lutheraner und Reformirte um die Kirche. Dies z. B. in Ober-Esch- 
bach, wo die Kirche den letztern zugesprochen wurde, weil der Lan- 
desherr dem Glauben der Reformirten zogethan war. Die Lutheraner 
bauten sich eine neue. In Oberursel wurde im Jahr 1604 die luthe- 
rische Kirche abgeschafft, Pfarrer und Schuldiener verwiesen. Die 
Menschen wurden nicht dämm gefragt was sie glaubten, es 
wurde ihnen vorgeschrieben was sie glauben sollten. In den Dörfern 
und auf dem Felde erhoben sich Denkmale welche den daselbst 
herrschenden Glauben vor Augen stellten, selbst dicht am Walde 
wurden solche errichtet; aber drinnen in den grünen Hallen, wo die 
gefiederten Sanger das Loblied ihres Gottes fröhlich erschallen lassen, 
da verstummte das Kirchengezänk, da herrschte gleiche Berechtigung, 
da verdrängte keiner der Landesherren den Glauben des Anders- 
denkenden. 

Es findet sich noch ein Theil der Hohen Mark an der alten 
Strasse nach Wehrheim, unterhalb der Saalburg, mit der Bezeich- 
nung „der Einsiedel". Dies hat aber wol, obgleich es von den Be- 
wohnern der Umgegend so gedeutet wird, mit einem Einsiedler, der 
zu einem ernsten, beschaulichen Leben sich in den Wald zurückge- 
zogen haben solle, nichts zu thun. Einsiedel oder Einläufiger war 
ein Mann der kein Feld bebaute. 

Der Juden wird in der Hohen Mark nur ein einzigesmal gedacht, 
in einem Schreiben als ein jüdischer Verbrecher gestraft werden sollte. 



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- 291 - 

Auf den Märkerdingen, bei den Umgängen, bei Streitigkeiten wird 
ihrer nie erwähnt. Als es zur Theilnng der Mark kam, haben die 
Obrigkeiten einen gewissen Bruchtheil per Kopf auch der Juden 
wegen beansprucht und ausgewirkt. Der Handel wies sie nicht in 
den Wald, auf die Höh, sondern nach der Stadt. Nur wenn sie 
gestorben waren wurden sie hinaufgetragen auf die stillen, einsamen 
Ruheplätze in oder an dem Walde. Der Begräbnissplatz oberhalb 
Seulberg, am Dacbacker, diente für die ganze Umgegend besonders 
rar Homburg; Holzhausen hat einen besonderen Platz bei der ver- 
fallenen Burg, Falkenstein und Cronberg hoch oben im Walde, Hed- 
dernheim am Marktplatz der yerschwnndenen Römerstadt. 

Der Waldbott. — Von der höchsten Bedeutung und schon 
im Namen als oberste Person in der Mark bezeichnet, war der 
Oberste Herr und Waldbott oder Waltpode. Ob dieses Wort von 
Wald oder aber von Gewalt herzuleiten, ist wol nicht zu ermitteln, 
die wechselnde Schreibweise gibt uns in dieser Beziehung keinen 
Anhalt; es wird z. B. im Jahre 1401 ebensowol Waltpott wie Wal- 
pode und Waldbot geschrieben. Bei den Streitigkeiten um das Jahr 
1700 berühren die Märker in einer Gegenbeantwortung auch diesen 
Namen. Der Besitzer des Hauses Homberg heisse nicht nur oberster 
Herr, sondern er werde genannt ein oberster Herr und Walpott. 
Beide Bezeichnungen seien nicht zu trennen, sondern ein und das- 
selbe. Waldbott sei forestarius, saltuarius. Ein solcher sei schon 
anno 621 von Dagobert, dem König der Franken bestellt worden 
die Meeresküste gegen die Normannen zu schützen, wie solches in 
den Gemächern des Bassenheimischen Hauses vetustis et fugientibus 
Ktteris aufgezeichnet stehe; gegen die Räuber in den Wäldern seien 
sie gesandt gewesen; so sei ein oberster Herr und Waldbott nichts 
anders als ein oberster Märker, dem das Directorium und die Ob- 
Bich t auf die Mark und deren Ordnung aufgetragen worden, ein 
Schutz- und Schirmherr welchen die Märcker zu dem Ende erwählet 
haben, damit er sie gegen alle Gewalt schütze. Damit habe er, so 
heisst es in der Beantwortung weiter, noch keine Jurisdiction erhal- 
ten. Nach dem Instrument hätten die Märker dem obersten Wald- 
botten seine Herrlichkeit in der Mark zu weisen, er besitze nicht 
mehr Rechte, als ihm von den Märkern eingeräumt worden, diese 
hätten das rechtliche Eigenthum, er selbst könne die Mark nur 
mit Rath der Märker bestellen; haue er in der gebückten Hege 
auf der Strassen, so solle er dem landmanne büßen; die erwählten 

Härkermeister könne er nicht zurückweisen, nach dem Instrument 

19* 



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— 292 — 



habe er sie zu bestätigen; der Eid derselben sei allein auf die Mark 
gerichtet; das Märkergeding werde geheget im Namen des obersten 
Waldbotten und der gemeinen Märker. 

Hiergegen läset sich aber gar Vieles anführen. Schwerlich haben 
die Mark er selbst den Waldpotten gewählt, ihm Schutz und Schirm 
der Mark gegen Räuber übertragen. Auch nicht eine Spur findet sich, 
dasa er die Obergewalt im Kriege, oder zur Vertheidigung gehabt. 
Als er die Märker zu den Wolfsjagden bestellte, fand er den hef- 
tigsten Widerspruch. Die Mark umfasste zwar früher auch die Dorf- 
schaften selbst, der oberste Herr und Waldbott war aber nur für 
den Wald selbst eingesetzt. Dafür sprechen die Ausdrücke „oberster 
Märker« und auch „Oberwaldpott". (Seulb. Erl etc. Weisthum von 
1493. Mglb. 30. No. 4.) 

Als bei den Streitigkeiten über die Wahl und Einsetzung der 
Märkermeister längere Zeit die Mark unbestellt geblieben, waren es 
die Herrschaften die das Märkerding zu hegen untern amen. In Be- 
treff der Ausmärker hatte der Waldbott unbestritten die Bestrafung 
der Waldfrevel und den Eintrieb der Frevler, auch bei diesen heisst 
es aber, dass der Waldbod mit ihnen leben mag wie er wolle „ane 
den dot und lemede". 

Es ist alle Wahrscheinlichkeit dafür dass die Einsetzung des 
Waldboten ein Werk der Fränkischen Könige ist In dem Aufs atze 
Uber die Hohe Mark, im ersten Bande dieses Archivs, ist wiederholt 
auf den innigen Zusammenhang derselben mit dem Deutschen Reiche 
selbst hingewiesen. Nicht Wunsch und Bedürfniss der Märker führte 
die Einsetzung herbei, sondern das Streben des Königs seine Gewalt 
zu festigen. Alles was das Eigenthum der Märker an der Mark be- 
traf, die Verwaltung, die Nutzung, selbst die Aufsicht blieb dem 
Märkerding vorbehalten; der Waldbott aber hatte das Märkergeding 
zu hegen, in dringenden Fällen ein solches zu berufen, er hatte 
die obersten Beamten der Mark zu bestätigen, sie nötigenfalls bei 
der Ausübung des Amtes zu schützen und zu schirmen; sie aber 
mussten ihm der Mark wegen geloben SE . Endlich stand ihm der 
Wildbann und das Strafrecht über Ausmärker zu. Weiter ange- 
sprochene Amtsrechte waren nicht unbestritten, namentlich dies nicht 
die Ausdehnung des Richteramtes und der Blutbann. Ueber die zur 



M So auf dem Märkergeding der hohen Mark im Jahr 1438: globete Cune 
von Riffenberg Jorgen Brendeln . . an des obersten Walpoden Stadt Jn sin 
hant, der marg getruwelich für zu sin, und sie zu schuzen und zu schirmen als 
ferro yme crafft und macht getragen mag. Mglb. 29. II. 



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— 293 - 

< 

hohen Mark gehörenden Gemeinden hatten die betreffenden Herr- 
schaften das Gericht Uber Hals und über Haupt*«. Da die Mark Wal- 
dung aber gemeinsames Gut war, konnte für sich allein kerne der- 
selben das Gericht darin in Anspruch nehmen. 

Im Jahre 1600 schreibt der Märkermeister Niclas Rupell an den 
Märkermeister Hildebrand, Schultheissen zu Bonames, theilt ihm 
mit wie der Landgraf vorhabe die Personen, so die Juden in der 
Mark bei dem Fahrborn umgebracht, richten und wie man sage 
den einen vierteln und auf 4 Straßen henken zu lassen. Er befurch- 
tet, dass derWaldbott aus solchem eine Gerechtigkeit schöpfen wolle. 
Allein es wurden keine Schritte dagegen gethan. Heftiger war die 
Unzufriedenheit weil der oberste Herr und Waldbott die in der 
Hohen Mark erschlagenen Körper, es mochte vorsätzlich von Men- 
schen oder ohngefähr von Bäumen geschehen sein, in oder ausser 
der Mark begraben lassen wollte. „Es sei bekannt," so führen die 
Märcker beschwerend an, „dasB in anno 1660 eines Urseler Wagners 
verblichener Körper aus der Mark, worinnen er von einem Baum 
erschlagen worden, von denen Houmburgern, bevor man's zu Ursell 
gewahr worden, nach Steden getragen, und dass auf Anflehen der 
betrübten Wittib (die Urseller) urab dessen Wiederabfolgung ange- 
sucht, auch einen Revers deswegen von sich gegeben haben. Dies 
sei ohne Präjudiz der Mark geschehen, und auf dem nächsten Mär- 
kergeding dagegen protestirt worden." Auch diese Beschwerde war 
vielleicht mehr gegen die harte und will kührliche Ausdehnung des 
Blutbannes, als gegen die Richtergewalt des Waldpoten selbst ge- 
richtet Bei Streitigkeiten unter den Märkern, so z.B. bei den Strei- 
tigkeiten des Frankfurter Raths mit dem lantman, wegen Kohlen- 
lieferung an den Kessler von Bonames, ist die Richtergewalt des 
Waldbotten von dem Frankfurter Rath angerufen worden. Auch aus 
den gemeinen Märkern haben dies welche gethan , so Bernhard Ebel 
von Nieder-Erlenbach, welcher zu einer Busse verurtheilt, im Jahre 
1699 an den Waldbotten appellirte, diesem seine positiones und pro- 
batorial Articul zusandte. Damals wurde vom Senat nach eingehol- 
tem Berichte decretirt: „dem Schultheissen zu Nieder-Erlenbach zu 
bevelhen mit der anbevolhenen Pfändung gegen den Bernhard Ebel 
bis auf weiteren Bescheid einzuhalten 8 . 

Bei dem, Ende des 16 (e& Jahrhunderts statthabenden Streit wegen 
Einsetzung der Märkermeister in der Seulberger, Erlenbacher etc. 



" Grimm, Weisthttmer III. 8. 496 ff. 



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— 294 - 

Mark, erboten sich die Regierungen zu rechtlichem Austrag. Am 
dem Jahre 1490 findet eich dass der Pfalzgraf einen gütlichen Tag 
gen QermerBheim ernannt, die Irrungen zwischen dem Herrn von 
Hanau und „den andern Märkern" hinzulegen. Es sind „Isenberg, 
Solms, Königstein und der Rath alhie uff freitag Bant Elisabethen 
tag erschienen und allda eynhellig dieser notein eins worden den 
tag abzuschlagen". Im Antwortschreiben an den Pfalzgrafen wurde 
hervorgehoben dass die herschaften nit Fug haben den angesetzten 
Tag ohne den gemeynen lantman und merker zu besuchen; würde 
ein gütlicher Tag „in den augenschein* angesetzt, werde sich der 
Handel am besten beilegen. 

Des Pfalzgrafen Antwort war, er habe zu gelegner Zeit einen 
Tag in a"en Augenschein ernennen wollen, sei auf Anregung des 
Herrn von Hanau davon abgestanden, er anderwerbe eyn tag der 
mark halben uff Dornstag nach coneeptionis Mariae allhie by eyn 
komen und sich über einen Noteil einhellig vertragen, doch solchen 
noteil nit geen zu lassen, sondern ein Merckergeding zu halten . . 
dann „mit Verwilligung des lantmans" sein Gnad die verfast noteil 
zu schicken. 

Hierauf antworteten wieder die Regierungen: Sie hätten ea den 
Märkern vorgelegt, kein ander Antwort erhalten, dann B wie sie 
haben ein gewonlichen platz auch irer bestelnuss lang, alt geübt 
herkomen, des mayn sie sich zu halten und gefuge Ine Iren nach- 
komen deshalb keift Irrgang zu machen, es sei auch in Irem Ver- 
mögen nit aus Iren kosten der Mark halber solicher ferren tagreise 
zu erlegen*. 

So wurde im Jahre 1491 auf der Auen vor Ober-Erlebach ein 
Märkergediüg gehalten, bemerkt, dass die Märker das Begehren dt* 
Herrn Pfalzgrafen, welcher auf Ansuchen des Herrn Philipp Grafen 
zu Hanau gütliche Tage der Irrthum halber nach Germersheim au- 
gesetzt, zum zweiten male abgeschlagen „sunder in Augenschein au 
komen begert haben". Darauf haben sie, aufgefordert der Mark 
Rechte zu weisen ausgesprochen: „die marg sei der herren eygen- 
thum und der mercker erbe*. — Mgb. E. 30. U. — 

Auffallend ist das Vorgeben des Waldbotten, die Hohe Mark 
sei ein Pfälzisches Lehen. Als dies im Jahre 1487 ausgesprochen 
worden, sagten die Märker: die Mark sei ihr Eigen, „der Lantman 
hat Bich daß nit hoch anfechten lassen". 

Wiederum wurde die Behauptung, dass die Mark Pfälzische« 
Lehen sei, im Jahre 1586 vorgebracht. Als bei grosser Erbitterung 
die Hessischen Gesandten auf der Aue vor Ursell Drohungen fallen 



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— 295 - 

Hessen, da fügten sie bei: sintemal Ihr fiirstl. Gn. die Höbe Mark 
Ton der churfürstl. Pfalz zu Lehen trüge , (wie er Hans Herman 
Mönch das bei seiner adlichen Ehre könne affermiren, und deshalb 
habenden Fürstlichen Memorial Zettel deme von Hattstein und 
Herrn Christoffen zum Jungen vorgezeigt) auch die Leih neulich 
empfang- und angenommen worden, würd ihr gn. fürst iL Herr selbst 
uff Mittel und Weg bedacht sein, wie denjenigen so sich unbefugt 
darin dringen wölten , füglich begegnet werden sollt. Darauf bemerkte 
der Ausschuss: es komme ihnen befremdlich vor, dass die Höhe 
Mark itzt allererst ein churfürstl. Pfalzgravisch leben angegeben 
werde, das Instrument weisse aus, daß Grund und Boden und die 
Mark selbs der Merker rechtlich eygen were; wollten solche Anzeig 
auf ihrem Werth und Unwerth beruhen lassen. Die Hessischen Ge- 
sandten erwiederten: die Märker möchten ihr Verwundern einstellen, 
denn dass sie sich uff ein alt Instrument ziehen theten, das were 
bei lebzeiten eines alten Herrn von Eppstein, der sich des Lehens 
nit erinnert, uffgericht worden, und hätten diejenig, so gedachtem 
Herrn von Eppstein und auch den Merkern ihr recht und gerechtig- 
keit damals vermeintlich ausgewiesen, kein juramentum leisten wol- 
len, auch ihren Weyßthumb aydhaftig nicht betheuern können, dass 
also dem Eigenthumsherrn der churfürstlichen Pfalz an der Mark 
derzeit nichts begeben worden. Der Ausschuss wiederholte das früher 
gesagte: „die gemeinen Merker wüßten sich aus dem Instrumento so 
schlecht nicht treiben zu lassen". 

In späteren Zeiten ist der landgraf von Heesen nie mehr auf 
diese Behauptung zurückgekommen, namentlich hat er bei der Thei- 
lung der Mark die Entschädigung nur für sich allein beansprucht. 

In andern Fällen, in der Feldmark, war es gewöhnlich dass bei 
gemeinschaftlicher Terminei auch der Blutbann gemeinschaftlich aue- 
geübt würde. Es scheint dies wenigstens aus einer Verhandlung her- 
vorzugehen welche im Jahre 1579 auf dem Mönchshof bei Nieder- 
Ursel zwischen Königstein'schen Abgeschickten (als Besitzer von 
Weisskirchen) einerseits, und Solmsischen und Frankfurtischen (als 
Besitzer von Niederursel) andererseits gepflogen wurde. Es geschah 
dies des Krebsers halben, welchen die Niederurseier Unterthanen in 
des ausgegangnen Orts, Mittelursel, Terminei krebsend ergriffen und 
gefänglich nach Frankfurt geführt. Die Königsteinschen hatten fol- 
gende fürgeben, dass ihrem gn. Herrn die hohe Obrigkeit des Orts 
allein gebühre, hatten verlangt den Krebser wiederum an das Ort, 
da er gegriffen, zu stellen. Bei dem Güteversuch auf dem Mönchhof 



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- 296 



behauptete Königstein in der „Mittelurseier oder Mittelgerichtstermi- 
ney" die hohe Obrigkeit und den Blutbann, auch das Geleit zu 
haben, das Gericht werde in Königsteins, als obersten Blutrich- 
ters Namen, geheget, die andern Obrigkeiten (ftlr Niederursel) hatten 
nur mittel- und niedere Obrigkeit in dem ausgegangenen Ort. Solms 
und Frankfurt aber geben vor daas die Mittelurseler Termine» 
Königstein einerseits, SolmB und Frankfurt andererseits, in gemein 
eigenthümlich zustände, mit allem Gericht und Gerechtigkeiten, sie 
seien sämmtlich Stände des Reichs, hätten die hohe Obrigkeit zu 
exerciren; das Gericht des Ortes werde mit Solms'schen, Frankfur- 
tischen und mit Königsteinschen Schultheiß und Schöffen abwech- 
selnd geheget, es werde das Gericht ein durchgehend Gericht ge- 
nannt. Die Weisskircher hätten eine Person mehr, denn sie, in das 
Gericht zu setzen gehabt, (einen Schultheissen und 3 Scheffen, sie 
nur einen Schultheissen und 2 Scheffen), vielleicht so der Abstim 
mung wegen; dadurch seien die Niederurseier überwältiget, das Ge- 
richt zweimal von Weisskirchen gehegt worden. Das Geleit werde 
nicht zugegeben, dagegen protestirt Man solle das Gerichtsbuch, so 
in Weisskirchen verwahrt werde, ediren, darin müsse im Eingang 
sich finden von was wegen das Gericht zu hegen, wem es zuständig 
sei, wer es zu besetzen habe. Der Krebser sei übrigens nichts anders 
wegen beschuldigt, habe sein ersten Versuch gethan, kein leibsstraf 
verdient, es sei nur eine schlechte Missethat die mit Geld oder dem 
Thurm zu verbüssen. Er wäre nun bald ein ganz viertel Jahr in 
schwerer Gefängniss gelegen und „also seines Krebsens ziemlich ge- 
strafft worden", wären bedacht ihn ledig zu geben, solches avisiren 
sie „damit Königstein, als Mitherrn nichts praejudicirt werde u . Es 
ist aber zu einem Verständniss nicht gekommen. — (Mglb. E. 44. 
No. 18.) 

Der Waldpott hatte auch die Mark zu bestellen, dies aber nur 
„mit Rath der Märker". Für die Hohe Mark sprechen dies die 
Märker im Weisthum von 1484 aus. Dieser Beirath der Märker war 
wol mehr als ein blosses Abgeben einer Meinung, denn wie die 
Mark dann bestellt wurde, also soll es dasselbe Jahr von einem 
Waldbotten auch gehalten werden; verbreche es aber ein Waldbott, 
so soll der Märker oder landtmann, ob der darnach auch verbreche, 
nicht büssen. In gleicher Weise war im Instrument der Seulburger 
Mark vom Jahre 1493 ausgesprochen, wie der Walpott die Mark 
bestelle „mit Rath der Märker" also soll es das Jahr aus gehalten 
werden. 



Wie aber eine solche Vereinbarung zu Wege gekommen, das 
wird gewiss für verschiedene Zeiten verschieden zu beantworten sein. 
Die vorhandenen Urkunden berichten in beiden Harken über Strei- 
tigkeit welche der Wahlen wegen sich erhoben. Als bei dem Mär- 
kerding der Sewlnburger oder Nidder Irlenbacher Gemark im Jahre 
1541 die Märker auf einem Haufen beisammeD gewest, hat Diether 
Gewand, der schlaue Anwalt des Waltpoden, angezeigt, die Märker 
hätten auf letztem Märkergeding Johann Fleckenburg, Amtmann, 
zum Märkermeiater vorgeschlagen; da der oberste Walpott nicht zu- 
gegen gewesen, habe er, der Anwalt, ohn Vorwissen desselben den 
Gewählten nicht bestätigen können, jetzt sei der oberste Walpotte 
zugegen, begehre einen Märkermeister mit dem landman zu erwäh- 
len. Der gemein Märker Hess das Instrument verlesen. Der Anwalt 
hob hervor darin sei bestimmt, dass die Mark im Beisein eines 
obersten Waldpoten „mit Rath der gemein Märker" bestellt sollt wer- 
den. Sein Herr sei erbötig die Mark helfen zu bestellen und zu thun 
was ihm gebühre. Die Märker aber traten wieder zusammen, bespra- 
chen sich und Hessen durch ihren Redner, Johann Schwab, Burger 
zu Frankfurt, furtragen, dass sie jetzt wieder Johann Fleckenburg 
gekoren, mit bitt dass der oberste Waldpot denselben, wie von 
Alters herkommen bestätigen und in gewöhnlichen Eid aufnehmen 
wolle. 

Die Geschichte dieser Marken zeigt uns auf jedem Blatt, dass 
der Streit welcher jetzt in den Deutschen Ständekammern über die 
Berechtigung der Volksvertretung gekämpft wird, keineswegs in Eng- 
land Beinen Ausgangspunct hat, dass er vielmehr ein ächtdeutscher 
ist und dauern wird so lange das Deutsche Leben noch pulsirt 27 . Es 
ist nicht eine einseitige Macht und Gewalt welche dem gesammten 
vStaatsleben als Fundament dient, so dass nur in ihr einige, dem 
Untergebenen eingeräumte Rechte gleichsam wurzeln , sondern es ist 
eine wechselseitige Beschränkung der Rechte, deren Ausdehnung 
und Begrenzung wesentlich von der Klugheit und Beharrlichheit der 
Kämpfenden, aber auch von den Zeitverhältnissen abhängt. Der 
Güteversuch, das Vertragen und Austragen werden immer wieder 
vorgeschlagen, zur Hand genommen und versucht Als im 
Jahr 1488 der Anwald des Waldpotten das Märkerding auf dem 
Flecken, wie von Alter herkommen war, nicht halten wol- 



27 De minoribuB rebus principe« Consultant; de majoribnsomnes: ita tarnen, 
ut ea quoque, quorum penes plebem arbitrium est, apud prineipes pertractentur. 
Tacit. Germ. XI. 



Jen, sondern wegen der streitigen MärkermeiBterwahl ohn allen ab- 
scheyt mit den von Seulberg abgeschieden, haben sich die Sendbo- 
ten der Herrschaften darauf bedacht, nnd dem lantman auf ihrer 
Seiten gesagt: sie sollten die Mark gebrauchen wie von Alter; dann 
aber: es sollten die Sendboten den Herrschaften vorbringen und sie 
im Gedächtniss zu dem nächsten Markerding halten, „trefflich und 
so dapperlich zu schicken, deß da stadb'ch gutlichiß oder rechtlich^ 
ußdragiß sich zu verdragen". 

NichtH berechtigt aber zu der Anname dass es den Märkern der 
Hohen- und der Seulberger, Erlenbacher etc. Mark zugestand en 
von der Gewalt des Waltboten sich loszusagen, wenn er den getrof- 
fenen Anordnungen sich nicht gefugt Die Schirmherrschaft des 
Waltpoten an und für sich war ebenso festgestellt, wie das landes- 
herrliche Verhältniss. Als der Waldpot, um seine Ansprüche bei 
der Wahl der Märkermeister durchzusetzen die Hegung des Mär- 
kergedings unterliess und die Mark nicht bestellte, wurde diesem 
Nothstande durch Vermittelung der Regierungen abgeholfen, aber 
darnach sehen wir die Gewalt des Waldpoten ungeschmälert wieder 
vortreten. In den ältesten Urkunden schon, in den Weissthümern 
der Hohen Mark von 1401 steht voran dass die Mark der Dörfler 
rechtlich eigen sei. Unmittelbar darnach heisst es aber : „und dar- 
über eyn oberster Herr und Walpode sei eyn Herr von Eppen stein, 
oder wer Hoenberg von sinetwegen in habe." Dann folgen die 
Pflichten des Waldpoten, die Mark alljährlich zu bestellen, und seine 
Gebote über den Wald Belbst auch zu halten. Thut er das nicht, 
so kann er desshalb nicht bestraft werden; aber wenn er das Gebot 
bricht, so ist auch der Merker nicht mehr gebunden. Hauet er oder 
die seinen in der Hegemark, so soll der lantman nit büssen, ob er 
darnach auch darinne hauet; wie er den Wiltpan bestellet, also soll 
er ihn auch halten, verbrechet aber er das, so mögen es die Merker 
auch verbrechen. Nur in dem einen Fall soll auch der Waldbott 
straffällig sein, wenn er in der gebickten Hegemark auf der Strassen, 
also in dem zur Landesverteidigung gehegten Walde, hauet. „So 
er aber das thät, soll er dem landtmann büssen." Es ist nicht ge- 
sagt ob der Busssatz der gleiche sein soll wie wenn ein Märker das 
verbrochen, auch ist kein Beispiel aufzufinden, dass je eine Strafe 
desshalb gegen den Waldboten verhängt worden, aber in den ge- 
druckten Ausgaben des Instruments von 1484 ist auf dem Rande ein 
„Nota bene" beigefügt. 

In der Hohen Mark ist das Amt eines Waltpottcn an den Be- 
sitz von Homburg geknüpft Auch in der Seulberger, Erlenbacher etc. 



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- 299 - 

Mark war das Amt an Homburg geknüpft und zwar an den recht- 
lichen Besitz desselben ; es ist dies durch das Märkergeding von 
1491 auggesprochen in den Worten: „das ein iglicher der hoemberg 
mit got und mit eren inhab, das derselb ein oberster Waltpode der 
raarg sy." Im merkergeding von 1493 weisen und erkennen die 
Märker Herrn Philips Grafen und Herrn zu Hanau itzt, und nach 
ihme den, der Homburg mit Iren (Ehren) und recht inn hat für ein 
obersten Herrn und Walpoden der Mark. — Mglb. 30. No. 4 [2]. 

AU im Anfange dieses Jahrhunderts Ober den Besitz von Hom- 
burg willktthrlich durch den Kaiser von Frankreich verfugt wurde, 
hatten die Marker nichts mehr zu weisen und nichts mehr zu er- 
kennen! — 

Auf dem Märkergeding von 1401 feria quarta infra octavas 
pasche als der Schreier den Dorfen gerufen hatte, sprach Schudereyn 
der Schultheiss zu Hoenberg (Homburg) zu Henne Clemmen und 
Siebold Heylbecher dem Schultheissen zu Harheim, dass sie austreten 
und den lantmann zu sich nehmen, sie Bollten weisen dieweil Henne 
Brendel Hoenberg von der herschafft von Falkenstein „in pfandeü- 
wy»e inhette, ob sie dann denselben Hennen Brendeln irkenten eynen 
obersten Walpoden." Darauf haben die Märker einmüthiglich ge- 
weiset, dass über die Mark ein oberster Walpode sei ein Herr von 
Eppenstein oder wer hoenberg von sinen wegen inhabe, und wan 
iss dann eyn herre von Eppenstein wyder gelose (auslöse) oder In- 
gewynne so sy er isz aber als vor". Mglb. E 29. U b S. 3 u. H 
S. 83. - 

Noch ein Verhältniss ist hier zu berühren, der Fall nemlich 
wenn zwei Personen Anspruch machten an das Amt eines Wald- 
botten. Es geschah dies im Jahre 1458. Auf Samstag nach S. 
Kathrinentag begehrte Hans Walborn, gen. Hans, vonwegen seinem 
gn. H. von Katzenelnbogen der auf die Zeit einen Theil an der 
Stadt Homburg inne hatte , und von wegen Junghern Gotfrit H. zu 
Eppenstein der das Schloss Homburg ganz und einen Theil an der 
Stadt auf die Zeit inne hatte, zu weisen des Walpoden Herrlichkeit 
und der Mark Recht. Da bat Simon darauf, es wäre Noth dass sich . 
der lantmann bespräche, und als dies geschehen, erzählte er von 
des lantmanns wegen, dieser hätte geweiset, es sei von altem Her- 
kommen dass ein oberster Walpode sei ein Herr von Eppenstein oder 
wer Homburg von seinet wegen inne habe, das lasse man auch noch 
«iabti, aber da nun zwei Walpoden auftreten, so habe der lantmann 
darinn zu reden. Es sei allwegen Herkommen dass man einen Wal- 
poden gehabt habe, und wenn zu Zeiten zwei Herrn von Eppenstein 



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- 300 - 

in ungeteiltem Gut gesessen, so wäre der Elteste für einen Wal- 
poden geweiset worden und nit der jüngste. Er verlangte da» «de 
sich einigten und welchen sie gäben, der solle dem lantman ein 
Walpode sein! Da redete Hans Walborn, ging auf die Weisunge 
und Zettel und meinte demnach sollten sie beide, derweil sie Horn 
bürg inne hätten Walpode sein. Simon aber erwiderte : „er hette 
geweyset also yne der lantman geheissen hette, er lasse zedel zedel 
sin." Es ist danach in demselben Jahr noch, Donnerstag nach Ki- 
lian, ein gemein Märkergeding gewest, dahine dann der Edel und 
Wolgeborne Jungher Godefrit Herre zu Eppenstein geboten ... und 
verlangte Se. Edelkeit ihre Herrlichkeit und Gerechtigkeit zu 
weisen. — 

Später finden wir zwei Waldpotte ebenso in der Seulb. Erlen- 
bacher etc. wie in der Hohen Mark. Das im Jahre 1569 in der 
ersteren abgehaltene Märkerding „hat der Ehrenhaft und Wo lacht- 
bare Hans Schafinitt, gen. Koch, Amptmann zu Eppstein anstatt 
und von wegen... G. Wilhelm Ludwig Philipsen und Georg Land 
graven zu Hessen geheget Ebenso führt an das „Verzeichnis* des- 
jenigen was auf dem Märkergeding vor ObernUrsel a° 1578 ver- 
handelt worden,* dass der Canzler Nordeck erschienen sei im Namen 
der durchl. hochgeb. Fürsten und Herrn Wilhelmen und Herrn Phi- 
lipsen, Gebrudern, Landtgraffen in Hessen, Graven in Catzeneln- 
bogen etc. Er erzält dass, nachdem hiebevor das Markgeding im 
Namen aller Gebrüder der Landtgraffen zu Hessen gehägt wor- 
den, neulicher Zeit aber Ihre f. gn. sich verglichen, dass hinfttro da? 
Haus Homburg und dessen Zugehörungen Landgraffen Wilhelmen 
und Landgraffen Philipsen allein zuständig sein solle.* Zuletzt 
wird der neue Waldschreier fürgestellt, und „im Namen beder ob- 
gedachten Fürsten zu Hessen durch den Herrn Uantzler in Gelübdt, 
Eidt und Pflicht ufTgenommen". 

Ebenso wird es auch bei Verpfändung später nicht mehr so 
genau genommen: Schon im Jahre 1545 wird bei Gelegenheit des 
Ausschu8stags bemerkt „uff des durchl. hochgeb. Fürsten des Herrn 
H. Philipsen Landgr. zu Hessen, Grafen zu Katzenelnbogen, etc. 
ausgangen befelch, dass der Wohlgeb. H. Herr Ludwig Graf zu 
Stolberg Königstein, Wernigerode uud Rechfurt, Herr zu Eppstein, 
Müntzenberg und Breuberg mit gem. Märkern ein Ordnung in dem 
Wald, die Hohemark genant fUrnemen und uffrichten Böllen, . . . 
sind etliche Märker zum Ausschluss erfordert, die haben . . . bedacht 
und abgeredt „doch uff mit Bewilligung hochbedachts Fürsten unser* 
gn. Herrn u. wohlgemelts Grafen zu Königstein, auch unsers gn. 



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- 30t - 



Herrn". Am Schiasse hebst es, dass zugegen gewesen bei dieser 
Ordnung von wegen unser« gn. H. Fürsten u. H. zu Hessen als Erb- 
waltpottes, Diether Gewend ... u. v. wegen Königsteyns „als Pfand- 
Waltpotens 8 Philips Ryffensteyn etc. — Im Jahr 1563 wird das 
Märkergeding geheget „von wegen des Fürsten von Hessen, als 
rechten Erbherrn und obersten Waltpotens, auch von wegen des 
gestrengen Fridrichs von Ryffenberg als Pfandthern und underwalt- 
potens des Ampts Hombergk." 

Die steigende Macht *des Waldbotten wurzelte ebensowohl in der 
klugen, nicht gerade immer rechtlichen, Benutzung der Ehrenrechte, 
wie der eigentlichen Vorrechte oder Amtsrechte. Zu den enteren 
gehörte die Jagd, die Beholzung und der Eintrieb der Schweine in 
die Eckern. 

Auf dem Märkergeding Mittwoch nach St Margaretha anno 1445 
war der edle Jungher Gotfrid von Eppenstein bei Ursel auf der 
Aue, liess ihm da weisen seine Rechte und Herrlichkeit über die 
Mark, und den Märkern Artikel zur Beantwortung vorlegen. Der 
erste Artikel lautete: „wie ferrn und wie weit sein Wiltpant ginge". 
Die Beantwortung zeigt uns wie damals noch der Begriff in den 
Märkern lebte, dass Wald und Flur zusammen die Mark bildete. Sie 
bedachten aber der Waldpott möchte das ihm eingeräumte Recht 
missbrauchen, auch die Fischerei in der Nidde beanspruchen, so ant- 
worteten sie ausweichend : Sein Wütpan gehe nit weiter dann er 
sein Hecken anbinde in der Mark, (als der Wald gehe) ,Jagete er 
aber hirze oder hynde uß den Hecken und folgete yn nach, gonden 
(gönnten) ihm das die merker, doch wüssten sie nit abe iß recht were". 

Schwerlich war der Wildbann von den Märkern selbst dem Wald- 
botten eingeräumt worden ; sie haben sich ihr altes Recht des Jagens 
wohl vorbehalten. So bebst es noch im Weisthum von 1401 auf St. 
Katharinen für die Hohe Mark: „Wan auch ayn Walpode den Wilt- 
pann off dut und darjnne jaget, so ist dem lantman so liebes auch 
erleubet a . Ebenso hebst es im Weisthum von 1401 feria quarta infra 
octavas pasche: „so mag auch eyn walpode uff denselben tag den 
wiltpan bestellen, und wie er iß bestellet also sal er In auch halden, 
verbrechet aber er das, so mögen iß die mercker auch verbrechen". 
Erst im Weisthum von 1484 hebst es dann: Ein Waldbott mag jär- 
licb uff S. Katharinentag so man die marg bestellet den wildbann 
zu thun, alsdann soll er das Jar zu bleiben; ob aber ein Waldbott 
darüber darinn jagte, so soll es darnach über drei Tagen den Mer- 
kern und lantman auch erlaubt sein zu jagen. 

Offenbar hat der Märker mehr auf das Recht selbst ab auf die 



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Ausübung derJagd gehalten. Die letztere vertrug sich nicht mit dem fort- 
geschrittenen Ackerbau, und mit den Arbeiten welche dieser in 
Anspruch nahm. Auf Sonntag Lätarc anno 1491 sprachen die Märker 
von Seulberg, Erlenbach etc. ans: „Item das derselbe (ein oberster 
waltpode) jagen müge dry tage in der marg vor allen merckern bifc 
mitten in die Nidde und biß an den pfal, und darnach m Ilgen die 
mercker auch jagen 8 . — Mglb. E. 30. No. II. — Schon zwei Jahre 
später heisst es dann in dem auf Sonntag L&tare zu Mitfasten errich- 
teten Instrumente: den wildpan mag her Philips Graf zu Hanau als 
der oberher und waldpot oder seine geschickten, eins Jeden jars so 
man die mark bestellet zuthun, also dass in der mark dasselbe 
Jahr auß Nieman darin jagen oder wildwerk treiben soll. Wolt aber 
der waltpot oder die Seinen das uffthun und darin jagen . ... da* 
mag er thun; und so er darinn gejaget, so ist eß drey tag darnach 
rittern, edelleuten und pastorn in der mark geseßen, die darin eygen 
rauch halten, und nicht erh, auch erlaubt zu jagen, die mögen auch 
dann an des waltpoten hecken anbinden und jagen. Und wann sollicbs 
also 6 wochen und 3 tagen gewert, so mag der waltpot darnach all- 
wegen, wann er will, den wiltpann wider zuthun nach seinem ge- 
fallen; alsdann soll der wieder zupleiben . . als lang biß der waltpot 
wider von neuem drei tage wie vorerst gejagt hat. Sie weisen auch 
dass der waltpot einem wildpreth in der gegend nachfolgen möge bis 
mitten in die Nidde auf dieser Seiten, und jenseit der höhe deine 
dermaßen nachfolgen biß in den pfalgraben on Jntrag und Verhinde- 
rung meniglichs. — Mglb. E. 30. No. 4. [2]. 

Wahrscheinlich gab man hier nach, in der Meinung dass durch 
die Edeln das Recht schon gewahrt sei. Aber schon im Jahre 1588 
scheinen die Edeln und Pastoren in der Seulburger, Erlenbacher etc. 
Mark durchaus bedeutungslos gewesen zu sein; es findet sich fortan 
in den Markordnungen die unverständliche Vorschrift : Art. 19. Wann 
der Waldbotte 3 Tage in der mark gejagt, soll es auch Rittern, 
Edelleuten, Pastoren die in der Mark sesshaftig und eigen Rauch 
darinnen halten, auch 6 Wochen und drei Tage, und länger nicht, 
erlaubt sein; und soll vermöge Instruments den Merkern (als denen 
ohne das darinnen zu jagen verpotten sein soll und pleiben) biß so 
lang der Waldtpott wiederum jagen wird, frei offen stehen und also 
fortahn. — Mglb. E. 30. III. 

Aehnlich wie mit dem Jagdrecht verhielt es sich mit dem Recht 
der Beholzung* 8 und des Eintriebs der Schweine in die Eickern. 



** In der Sealberg, Erlenbacher etc. Markordncng war bereits 1599 festge- 



Anfangs bezog sich die Berechtigung des Waltpotten auf den Be- 
darf der Haushaltung. Als die Holzverwüstung in der Mark zunahm, 
wurde den Märkern der Gebrauch des Holzes beschränkt, gerade zu 
der Zeit aber begann der Waldbott das Holz der Mark für sich in 
industriellen Unternehmungen auszubeuten. Auf dem stürmischen 
Märkerding welches 1578 vor Ursel gehalten wurde klagten unter 
anderm die Märker, der Waldpott habe nicht allein in dem gehegten 
Walde, sondern auch an den straften, da auch der Obrist Waldpott 
su hauen nit recht habe, gehauen und deswegen kein Straf geben wollen. 
Noch mehr, er hab' etliche Wagen mit Holz, in der Mark gehauen, 
gen Frankfurt fuhren lassen, welches dem Instrument zuwider, und 
er verbüßen soll Das Hauen an verbotnen Orten stellt der Keller in 
Abrede, dass aber Brennholz aus der Mark in die Meli gen Frank- 
furt in die landgreflich Herberg gefürt worden, das verantworten die 
Hessischen Gesandten; da Ihre gn. F. u. H. Mitmerker und obrister 
Merker weren, und da sie in Homburg Hof hielten, sich ganz und 
gar aus der Mark beholzen möchten, sei es nit zu verdenken, dass 
Ihr f. gn. diener etwan wenig Brennholz zur MeU notturift zuge- 
schickt werde. 

Wie die Beholzung anfangs gewiss nur zu den Ehrenrechten 
des Waldpotten gehörte, deren Ausübung und Ausdehnung dem An- 
stand und Zartgefühl überlassen blieb, so auch die Befugniss Schweine 
in die Eckern zu treiben. Es zeigt uns wie sehr einfach die früheren 
Zeiten gewesen, dass über diesen Gegenstand weitläufige Streitig- 
keiten entstanden sind. Die Märker behaupteten : dem Waltpotten 
stünde nur zu die Schweine seiner Haus- oder Hofhaltung einzutrei- 
ben; dieser aber beanspruchte nicht nur ein unbegrenztes Recht, 
sondern nahm, nach der Anklage der Märker, auch fremde Schweine 
unter die landgräfischen auf. In der Seulburger **, Erlenbacher Mark 
war der Streit über die Berechtigung Schweine einzutreiben noch 
viel lebhafter. Es findet sich darüber in den Akten — Mglb. E. 30. 
No. 4. [6] — ein ausführliches Verhör. Dasselbe ist überschrieben: 
„belangend künde sage über die Seulburger und Erlenbacher Mark 
etc. von den Eltestenn solcher Mark den 9. Oct. anno 1569 abgehört 
wie Jnnlauth. Den Schweintrieb in die Eckern so dis Fürsten von 
Hessen als obristen Waldpotten praetendirt Ihnen aber nit gestanden 



setzt worden „dass der Ober herrWaldtpott auf gewisse Tage nicht gebandet, 
noch ihm Maaft und Ziel ftlrgesch rieben sein soll". 

»• Seulburg, Sewelberg hat wol von diesem Thiere den Namen, wahrschein- 
lich errichteten daselbst, unmittelbar am Walde, die Erlenbacher ihre Steigen. 



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worden, betreffend 8 . Es war auf dem Märkergeding 1569 vorgekommen, 
dass der Amtmann zu Eppstein auf Befehl sr. gn. F. u. H etlich schwein 
in bemelte Mark gethan, hierauf die Märker abgetreten und einrnüthig 
lieh entachloasen: dieweil etlich Mitmärker nicht gegenwärtig, wolle 
den Märkern so zugegen nit gepuren Antwort zu geben, also den 
Amptman freundlich und nachparlich gebeten diesmal stille zu stehen, 
keine Neuerung inne zu bringen, es wollen die Märker in 10 Tagen 
Antwort geben. Es wurden darauf die 6 Ortschaften, die Schultheis- 
sen und Eltesten,, auf den 9. Octob. erfordert. Jeder Schultheiss bat 
seine Unterthanen bei ihren Aydespflichten befragt, darauf ein jeder 
seine Wissenschaft erklärt wie nachfolgt Seuelburgk : Simon Schef- 
fer : ihm gedenke wol 70 Jahre, er habe aber bei seines Tags nie 
erfahren noch gehört, dass die durchlauchtig hoehgeporne Fürsten und 
Herrn von Hessen .... Schwein in die Mark ingethan oder inzu- 
schlagen begehrt. Das gleiche sagen andere, so Henne Kerber von 
Petterweill, dem 70 Jahre und mehr gedenkt, der sich noch erinnert 
„daß solcher Ort Homburg noch Hanauisch gewesen'. Ebenso Caspar 
Schmidt und Caspar Moller von Ober-Erlenpach, der weder selbst 
„noch von seinen Vor Eltern gehört, daß Schweine des Fürsten in 
die Mark eingetrieben worden, er habe 4 oder 5 Ihrer Fürstl. On. 
Kellner und dien er zu Homberg gekannt Ebenso alte Männer aus 
Nieder-Erlenbach , Köppern und Holtzhausen, von letzterem Clees 
Moller, der vor 50 Jahren „in diese Mark gewandert". 

Da der Waldpott auf die Klagen der Märker keine Rücksicht 
nahm, wiederholen sich die Beschwerden in den folgenden Jahren. 
Im Jahre 1590, als observiret worden dass etzliche „fremde Schweb, 
dem durchlauchtigsten hochgepornen Fürsten und Herrn, Herrn 
Georg etc. Landgraven zu Hessen etc. zuständig" in die Seulburger, 
Erlenbacher etc. Mark, wider alt herkommen waidgangs zur mastung 
getriehen, hat der Märkermeister dieses sämmtlichen Märkern kund 
thun lassen, und seint die Häupter am 23. Sept zu Ober Erlenbach 
zusammen kommen, haben mit einhelligem Rath ein Schreiben an 
den Anwald Kellner zu Hoemberg v. d. H. Georg Vestenberger 
abgehen lassen „daß er an statt hochgedachten Fürsten solche Neue- 
rung abschaffe, deswegen eine schriftliche Antwort gäbe*. Der lies« 
mündlich antworten, dass solche schwein in beiden Marken ihre 
Mästung und Wayde haben sollten; wolle sich versehen die Märker 
wollen solches gut sein lassen. Diese wandten sich zur Abhülfe an 
ihre Obrigkeiten. Sie waren klug geworden durch das Unheil welches 
den Hohen Märkern widerfahren war. 



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Diesen war im Jahre 1569 von den Bürgern zu Bonamese an- 
gezeigt worden, wie der Aratman zu Eppstein ungefähr 60 Schwein 
in Walt getrieben habe, obgleich von den Märkern beschlossen wor- 
den, und der Aratman in den Beschluss gewilligt, es sollt Niemand 
seine Schwein in den Walt treiben vor St. Michelstag. Die Märker- 
meister Hessen sich bedünken der Amtman habe wider das Instru- 
ment gehandelt, haben auf den 28. Sept. die Märker zusammenbe- 
rufen, und diese beschlossen einmüthiglich, dieweil der Amtman nit 
vorhanden sondern verritten war: es sollt aus jedem Flecken einer 
alsbald in den Wald gehen und die Schwein aus dem Walt gen 
Homberg treiben, und sobald der Amtman wieder heimkäme wolten 
sie ihn ansprechen, dass er die Märker bei ihren Hechten schützen 
wollt Als etliche Märker so darzu verordnet waren „solchem nach 
gesetzt und die schwein in Homberg getrieben; haben die Homberger 
die Pforten zugethan, und dieselbigen Merker in Haft behalten". 

Dies geschah trotzdem dass im Instrument von 1484 Art. 8 vor- 
gesehen war: wenn in der Mark Wälden Eckern, dasselbe zu be- 
sehen dann ein Tag anzuberaumen sei, daselbst man zu Rath werde 
wieviel ein Waltbott, die Märkermeister und ein jeglicher Märker 
oder Landmann, Schweine in das Eckern treiben, und wie man es 
damit halten solle, dem Armen als dem Reichen. 

Unbedingtes Strafrecht hatte der Waldpott unbestritten nur in 
Betreff des Ausmärkers. Wenn ein solcher in der Mark gefrevelt, so 
solle man ihn mit dem Leib und mit seiner Haab gen Homburg einem 
Waldbotten überantworten, zu strafen nach des Waldbotten willen 
und gefallen, ihn doch nicht tödten oder lähmen. 

Als aber der Keller zu Homberg im Jahre 1521 E. Erb. Raths 
Zugehörige zu Nidern Erlebach wider alt Herkommen gestraft, wurde 
solches dem gemein Lantman in clagweiß fürgebracht. Als sich dann 
begeben dass der Keller ihnen das Holz genommen und von einem 
Wagen dazu einen halben Gulden zur Straf abgedrungen hätt „wel- 
ches widder alt herkommen und langwierigen gebrauch, auch nie 
meh besehenen gehört were, sonderlich diwil die Straff dem lant- 
man, und dem Keller nit, zustünde", also hat der lantman gepilligt 
und erkannt: wo auf nechstgehaltnem merckergeding anno 1520 
durch den gemain landtman nit eingewilligt worden, dass der Keller 
zu Hoemburg bis auf dies jetzig Merckergeding strafen möge, so 
habe der Keller solche strafe unbillig und wider alt Herkommen 
genommen und solle die wider herausgeben und den Gestraften be- 
handen, und die von Nidern Erlenbach die Straf wie von alter Her- 
kommen vertaidingen. 

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Nur in dem einen Fall so jemand in der gebickten Hege auf 
der Strassen Schaden thut, und gerügt wird, h eiset es: „der ist eim 
Waldbotten mit zehn Gulden zu Poen verfallen' 1 ; aber gerade für 
diesen Fall ist dann sogleich vorgesehen dass ein Waldbott auch 
selber kein Schaden darin thun soll, wo er aber das thät soll er „dem 
landtman bUssen tt . 

Dem Waldpotten lag es ob, das Märkergeding zu hegen und die 
Mark mit Rath der Marker zu bestellen, aber soweit unsere Urkun- 
den hinaufreichen, hat er dies nur sehr selten, nur bei besonders 
wichtiger Veranlassung in eigner Person gethan, gewöhnlich sandte 
er dazu einen oder mehrere Beamte. In dem Bericht über das Mär- 
kergeding von 1438 erzählt Herr Madern, Kellner zu Homburg: 
„lieben Freunde, myn Jungher von Eppensteyn der der Marg eyn 
oberster Walpode ist, hait sin Frunde hergeschickt dar an su sin, 
das man die marg bestelle, nuwe marckmeister kiese und du (thue) 
und halde als dann uffSant Katharinentag jarlich gewöhnlichen und 
also berkomen ist". Bei dem feierlichen Märkergeding im Jahre 
1484, als der Waldpote in eigner Person mit seinen Käthen erschie- 
nen war, um sich seine Herrlichkeit und der Mark Recht weisen zu 
lassen, wurde ausgesprochen, dass ein Waldbott selbst erscheinen 
sollte, oder durch seine „mächtige" Sendbottschaft oder Amtleut 
Auf dem Märkergeding im Jahre 1521 wurde das Instrument ver- 
lesen, darauf dem Schultheissen von Homburg (der anstatt des Kellere 
von Homburg erschienen) entgegnet: in dem Instrument habe der 
lantmann befunden, dass er, der Schultheis«, mit einem „volkommli- 
chen Gewalt" erscheinen soll, das sei aber nit besehenen, dann er 
hab kein volligen Gewalt laut des Instruments. 

In der Regel erschien der Keller von Homburg als Stellvertreter 
des Waldpotten, zuweilen aber, besonders wenn der Keller seine 
Handlungsweise zu vertheidigen oder in Abrede zu stellen fUr gut 
fand, wurde auch ein anderer geschickt, der Canzler, oder der Schul- 
theiss von Homburg. Besonders bei rechtswidrigen Handlungen oder 
bei Neuerungen war es sehr bequem, dieselben von dem Keller zu 
Homburg vornehmen zu lassen, der dann in andern Fällen wieder 
mit der Macht und der Ahndung des Waldpotten drohte, sich mit 
derselben schützte. Der Keller zu Homburg trat als Anwalt des 
Waldpotten auf, und wurde als solcher bezeichnet. Mit Ausnahme 
des Landgrafen Friedrich (mit dem silbernen Beine) hat kein Wald- 
pott in der Geschichte der Hohen Mark eine besondere Bedeute ug 
erlangt, die Anwälte waren es, welche für die Waldpotten und in 
deren Interesse auf s thätigste und erfolgreichste arbeiteten. Vorzüglich 




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sind hier Diether Gewand oder Gewend, Georg Vestenbergw und 
aus den letzten Zeiten etwa noch Gebrüder Neuhof zu nennen. Sie 
haben kein Mittel gescheut, um die Macht ihres Herrn zu heben. 
Die Anwälte haben zu allen Zeiten vor Allem gesucht Unfriede unter 
den Märkern selbst zu stiften, die Märkermeister herabzuziehen oder 
zu verdächtigen, und die Gesetze uud Ordnung der Mark zu um- 
gehen, durch Nichtachtung derselben das Ansehen des Waldpotten 
über das Gesetz zu stellen. Zahlreiche Belege werden im folgenden 
die Wahrheit dieser Beschuldigung erhärten. Sie haben sich 
auch nicht gescheuet selbst das Amt eines Mark ermeisters oder eines 
Waldschreiers auf sich zu bringen, um in dieser Stellung leichter ihr 
Ziel zu erreichen. So kam es dass allmählig ein ungemessenes Miss- 
trauen gegen diese Beamten bei den Märkern sich fest einwurzelte, 
es genügte dass irgend ein Vorschlag von dem Anwalt ausging, die 
Märker wiesen ihn ab, wenn er auch einiges Wahre und Richtige 
enthielt. Das Misstrauen der Bauern, noch in unsern Tagen, es ist 
kein unbegründetes; das Recht rausste oft verletzt werden, bis es 
so weit gekommen ist ; aber das Andenken daran hat sich auch tief 
eingeprägt. 

Im Jahre 1583 übergab Jost Vestenberger, der Keller, den 
Märkern den Entwurf einer neuen Ordnung der Mark : der Waldpote 
befinde dass die Märkermeister bisher ihren Eiden und Pflichten 
nicht nachgekommen, die Königsteiner begünstigt, sie nicht gestraft 
wie die andern, will dass man umwechsle bei der Wahl der Märker- 
meister. Man solle vorsehen dass diese üire Pflicht besser thun; 
statt der alten Strafen für anstecken und schädigen der Mark, bean- 
tragt er unbestimmte Strafen „nach Erkenntniss des Waltpottens und 
gemeiner Märker". Der Märkerschluss war aber: „uff des Kellers 
vorgelegte neu Ordnung geben die Märker diesen Bericht: dass sie 
ein gut alt Instrument haben, bei demselbigen, und dero von Alters 
wohlgeordneten Ordnungen wollten sie, die Mark er, pleiben, diesel- 
bigen behalten, und begehren dass sie der Waltpott dabei schützen 
und schirmen wolle, und dieweil Neuerungen anzunemen geferlich, 
wollen sie des Kellers Bedenken diesmals nit annemen u . 

Zuweilen haben die Märker versucht sich selbst darüber zu täu- 
schen, es dargestellt, als ob der Beamte gegen die Absicht seines 
Herrn von dem Herkommen abwiche oder sie verletze; sie haben 
damit niemals etwas erreicht, weder in der Hohen Mark, noch in der 
Seulberger, Erlenbacher etc. Mark. Bei der Streitigkeit der letzteren 
wegen der landgräflichen Schweine, im Jahre 1590, schrieben die 
Märker an den Waldpotten, sich beschwerend über Georg Vesten- 

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berger, den Anwalt, dem sie die Schuld beimessen, da sie nit dafür 
halten wollen, dass er solches auf Befehl gethan „sondern vielleicht 
aus seinem sei baten beginnen". Sie bitten der Waldpott wolle sie 
bei ihrem alten Herkommen, Branchen und Gerechtigkeit bleiben 
lassen. Darauf wurden sie nach Homburg beschieden, daselbst er- 
klärt ihnen Hans Herman von Busseck gen. Mönche, J. fetl. Gn. 
Oberamtman, sein gn. Herr wolle keine Neuerung einführen, er wolle 
es bei dum lassen, wie es von seinem H. Vater und Bruder gehalten 
worden ; bei welchen dann, wie ans dem Saalbuch erscheinen sollte, 
auch mit andern Documcnten zu beweisen, solche Mastungsgerechtig- 
keit jederzeit exercirt worden Er mahne sie von ferneren Weit- 
läuftigkeiten ab „wofern sie bei deme, so bisher ihnen vielleicht aus 
Gnaden widerfahren . gelassen wollen werden ; dan der Vogell ihnen 
zu gros und viell zu schwehr". Die Märker wandten sich damals um 
Beihtllfe an ihre Obrigkeiten, welche an den Waldpotten auch ihrer- 
seits ein Schreiben abgehen liessen, „er könne nicht glauben' 4 , schrieb 
dann der Erzbischof von Mainz an den Landgrafen, „dass S. Durch- 
laucht die Turbation ernstlich beabsichtige 14 . Aber dieser antwortete 
den Herrschaften : er habe nur das gesucht was „von unsern Vor- 
fahren gottseligen uff uns transmittirt worden", schickt Abschrift eines 
Berichts des Kellers von Homburg, daraus zu ersehen dass er das 
Einschlagen nicht angefangen, sondern dass es „von den geliebten 
Vorfahren schon geübt worden", wolle sich desshalb zu ihnen freund- 
lichst verschen „Sie werden obgedachte Jro Angehörige Jr es Unfuges 
erinnern und von solchen unnötuigen Klagen abzustehen ermahnen**. 
Der angeführte Bericht von Georg Vestenberger liegt bei, die Rich- 
tigkeit des Märker sehen Vorgebens ist darin bestritten, es wird Be- 
zug genommen auf ein Protocoll und Markbuch d\ 1547 , daraus sei 
zu ersehen, dass vor 30 Jahren Heintz Mörlenhauser, auch ein Be- 
amter zu Homburg, anstatt seines Herrn und Waldpottens zweimal 
„nit ohne Bevelh" Schweine eingeschlagen gehabt Noch andere 
Beispiele lägen vor. Darauf erfolgte ein Verhör der ältesten unter 
den Märkern. In Frankfurt fand es am 23. April 1591 auf der Bau- 
stuben statt. Es erschien damals zuerst Hans Graff von Nieder- 
Erlenbacb, 80 Jahr alt, weiss nichts von Hans Mörlenhäusser Intreiben* 
ebensowenig von dem Intreiben unter Landgrafen Philips. Die Mär- 
ker hätten dem Landgrafen nie einen Intrieb zugestanden, „datt aber 
anitzo etwas Neues gesucht werde, sei der Beamten Schuld, welche 
die Obrigkeiten also zusammenhetzten 8 . Peter Jögkel von Nieder- 
Erlenbach, ungefähr 70 Jahr alt, sagt aus: ein Beamter von Horn* 
berg habe allewege nit mehr Schwein eintreiben lassen, als er für 



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sich in der Küchen gebraucht. Er hätte von keinem landgrevisch 
Viehe, außerhalb diß Jar gehört, und were alle die Ursach Niemands 
anders daun Vestenbergers, welch anitzo Neuerung suchen, und sich 
mit Gewalt zu ihnen nöthigen thete. a Cunz Mang, 70 Jahr alt, giebt 
an, man gestünde dem Beamten von Homberg soviel Schwein er in 
die Küche brauche, einzuschlagen, weiters keine Gerechtigkeit. Der 
Amtman Epstein habe Schweine eingetrieben, seien aber herausge- 
trieben worden. Es sei aber niemand anders dann er, Vestenberger, 
an diesem Zwiespalt schuldig." — Mglb. E. 30. Nr. 4. [9] bis [ 

Dass die landgräflichen Beamten manichfach in Versuchung 
kamen ihre Stellung und den Schutz den dieselbe ihnen gewährte zu 
missbrauchen war natürlich. Die Seulb. Erlenbacher etc. Akten thei- 
len mit, wie bei Feststellung der Markordnuug für 1592, zu der Be- 
stimmung dass den Ausmärkern die Mark zugeschlossen sein solle, 
die Bemerkung gemacht worden : daß jüngster Zeit ein landtgrävischer 
Unterthan von Guntzenheim einen Kam voll Holz in der Mark ge- 
macht, dessen Thuns halber von den Förstern zu reden gesetzet, 
erkläret, daß er geheißen worden allda dem Schultheißen zu Hom- 
berg, Wilhelmen Buchen, einen Kam voll Burgholz abzuholen. „Ob 
nun wol die Merker nicht glauben können, daß sollich fürnehmen 
aus bevclhch oder mit Vorwissen dessen Schultheißenn (denn er als ein 
Ausmärker zweiffelsfrey selbst sich besser wird zu bescheiden wissen) 
geschehen sei, Sonder sie darfttr halten wollen, der bauer damit den 
Förster betruglichen werde abgewiesen haben, und darumben die 
straffe gegen den Schultheissen dießmalß in allem guten desto eher 
schwienden lassen) jedoch so protestiren sie zum wenigsten dagegen 
hiemit öffentlich, und behalten es ihnen bevor, daß es ihnen ohne 
Nachtheil sein solle« Mglb. E. 30. III. 1592. [9]. 

Die Obrigkeiten. — Während die Wälder der Hohen Mark 
gemeinsames Gut der Genossen blieben, wurde das getii eilte Feldeigen- 
thum der Mark verschiedenen Landesherrn nntergeben. Es ist wol 
kaum eine zweite Stelle Deutchlands welche so zerstückt und zerris- 
sen ist, wie gerade die alte Höhen-Mark, oder der Abhang zwischen 
Taunus und Nidda. Selbst der Platz auf dem das Märkerding ge- 
halten wurde, war einem der Landesherrn zugefallen. Es geschah 
desshalb im Jahre 1578 eine Anfrage von Seiten Homburgs weiches 
die Aue vor Oberursel gerne zur Hohen Mark ge/.ogen hätte. Der 
Anwalt gab vor: an dem Ort des Märkerdings hätten fürstlich hes- 
sische Beamten stein setzen lassen, welches ein Anzeig sei, dass diese 
Ort „wo nit gar, doch etlicher maßen zu der Mark gehörig" sein 



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müssten. Die Märker erwiderten: der Platz sei ihres Wissens ferner 
nicht darin gehörig, dann dass das Märkerding darauf gehalten. 
Kinige Jahre später brachte Philipp Wolff, der Märkermeister, vor, 
dass der Förster von Obernhexstadt, Möbs, dem Welschen Bierbrauer 
von Pfrauinheim als einem Ausmärker aufm Fuss nachgefolget bis 
uff die Urseller Auw da selbst in Gegenwärtigkeit Johann Ackers, 
ihme dem Bierbrauer, die Pfändung angelegt. Solches, dass die Pfän- 
dung auf der Auw geschehen, haben die Urseller nicht gut sein las- 
sen, denn die Auw sei kein Markgut, sondern ihres gn. Churftirsten 
und Herrn eigenthümlich Grund und Boden. Darauf der Oberamt- 
man zu Königstein Befehl gegeben den Förster in Haft zu bringen; 
dieser wurde flüchtig und vermied seine häusliche Wohnung. Mglb. 
E. 29. III. 152. — 

So bestand zu jener Zeit ein schroffer Unterschied zwischen 
Mark und Flur; unter Mark wurde nur noch der Markwald verstan- 
den. Wenn auch bei der Weisung im Jahr 1401 feria quarta infra 
octavas pasche es von dem Frevler heisst: „komet er aus dem Walde 
so ist er niemand nichtis schuldig 0 , so mag auch hier die Eifersucht 
der Märkcr auf ihre Selbständigkeit im Walde, Veranlassung zu einer 
solchen Aussage gewesen sein. Streng durchzuführen war sie nicht, 
denn derjenige welcher Kohlen oder Holz aus der Mark, d. h. über 
die alte Markgränze fuhr, wurde bestraft. 

Thudichum bemerkt in „Gau- und Mark Verfassung in Deutsch- 
land", S. 135 ff. , die Grafengewalt in . der Hohen Mark , im Jahre 
1271 Grafschaft Ursel genant, habe als Zubehör des Schlosses König- 
stein den Herrn von Falkenstein zugestanden. Dieses sowie weitere 
Untersuchungen über die Zeit wann, und die Art und Weise wie die 
einzelneu Ortschaften des Taunus allmählig diesem oder jenem Ter- 
ritorialherrn unterworfen worden sind, oder gar zweien zugleich, 
genauer zu begründen, dazu bieten die Akten der Hohen Mark 
keinen Stoff. Nicht selten ist das Gebot des Landesherrn in entschie- 
denen Widerspruch getreten mit den Pflichten, welche der Märker 
der Mark gegenüber hatte. In solchen Fällen gereichte es der Mark 
zum Heil dass das Interesse der übrigen Herrschaften dem gesonder- 
ten Einzelwillen widerstrebte. Ebenso hat gewiss der Umstand nicht 
wenig zur Aufrechthaltung der Markverhältnisse beigetragen, dass 
der Gewalt des Waldbottcn das Interesse der Territorialregierungen 
entgegengestanden. Es war in den Mark-Angelegenheiten derWald- 
bott den Märkern drohender und gefährlicher als die Obrigkeiten 
Sein Streben war auf die unbeschränkte Herrschaft im Walde ge- 
richtet. Die Märker suchten dem entgegen eine Stütze bei den Übrig* 



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- 311 — 



keiten welche nicht weniger eifersüchtig alle Schritte des Waldbot- 
ten verfolgten. Aber der Schutz den sie gewährten reichte eben meist 
nur so weit auch das eigne Interesse ging; wo ihr eignes Ansehen 
nicht bedroht war, ist die Hülfe die sie bringen nie ausreichend; 
der Eifer erkaltet, ehe das Ziel erreicht ist. Wol nur im 15. Jahr- 
hundert und zuletzt wieder bei der Theilung der Hohen Mark blieb 
dieser Eifer beharrlich auf das gleiche Ziel gerichtet, und gelangte 
zu einem segensreichen Resultate. 

Es ist nicht ohne Interesse zu verfolgen wie in dem Rechtsver- 
hältnis* der Marken das Lehenswesen Platz gegriffen. Die Weisung 
welche im Jahre 1491 auf der Au vor Ober-Erlenbach gegeben 
wurde: die Mark sei „der herren Eigenthum und der Märker Erbe" 
ist wol auf diese Anschauung zu beziehen. Die Hohe Mark jedoch 
war der Märker „rechtlich eigen". Andeutungen von Lehensverhält- 
nissen kommen nur wenige in den Akten vor. Als 1484 Svmon von 
Ursel gebeten wurde die Weisungen dem Walpoden auszusprechen, 
entschuldigt er sich er sei des Herrn von Epstein Lehensman und 
Angehöriger „mit Eyden und globden verwant", dass ihm solches 
nit wol füglich zu thun wäre; wo aber sein Herr von Epstein ihm 
das zu thun gestatte, wolle er gern dem lantman zu Gute thun, 
was an ihm wäre. Es ist wahrscheinlich dass hier der Weigerung ein 
wirkliches Lehensverhältniss zu Grunde lag; die Lehnstreu des Va- 
sallen begreift unter sich auch die Verbindlichkeit den Lehnsherrn 
in seinen Rechten nicht zu beeinträchtigen, ja selbst demselben eine 
besondere Achtung zu erweisen, ihm „treu und hold" zu sein. Der 
Vasall durfte, wenigstens in einer Criminalsache nicht gegen den 
Lehnsherrn Zeugniss ablegen. Es fragt sich ob in andern Berichten 
und Mittbeilungen der Ausdruck „Lehnsherr* auch aufzufassen sei in 
der Bedeutung von Herrschaft, Obrigkeit 80 . Wann ein voll Märker- 
ding zu verkünden war hatte der landsiedel zu erscheinen „mit seinem 
Lehenherrn". In dem Weisthum der. Hohen Mark vom St. Catharinen- 
tag 1401 geschieht der Aufruf mit den Worten: „N.bistu hüte hie als man 



3° In dem vortrefflichen Bericht, welchen die Archivare Dr. F. Max. Stark 
und J. G. Chr. Thomas in Auftrag des Senats am 28 Dcc. 18t 9 und 16. April 
1810 über die Verbältnisse der Hoben Mark vorlegen, berühren sie auch die 
Frage: ob unter den Lehenherrn die Obrigkeiten zu verstehen seien. Sie bejahen 
dieselbe. „Vermöge der Gerichtsbarkeit über die Markbetheiligtcn Ortschaften 
hätten die Herrschaften die Gemeinden anf den Märkergedingen und in Mark- 
Streitigkeiten vertreten und die jurisdictionem forestalem Uber den Markwald 
mit ausgeübt, seien auch auf den Märkergedingen mit dem lantman erschienen." 



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- 312 - 



dir geboten hat mit deinem lehenherren". Ebenso heisst es in der 
Urkunde über das Märkerding des Jahres 1401 feria quart« infra 
octavas pasche, dass der Schreier gerufen: „N. bistu hude hie als 
man dir hergeboden hait mit dem lehenherren". Dabei findet sich 
auf einem Zettel welchen Henne von Beldersheim , der Burggraf ru 
Bonemese, geschrieben, als ihm der Auftrag geworden von der Bur- 
ger wegen gen Ursel zum Märkergeding sich zu verfügen: „Item 
wan ein schreyer verkündet eyn vol merckerding so sal eyn lant- 
sidel mit seine lehenherren da sin, und weren daß die dan ußblieben 
so verlorn sie VIII 13 ein iglicher der da uUbliebe. — Mglb. E. 29. II* 
S. 3. — In dem Weisthum von 1438 werden nur die „zu der Marg 
gehörende dorffer" aufgerufen, ea ist aber nicht gesagt ob es ein 
gebotnes Märkergeding war. Auf dem Märkergeding St. Veitstag 
1484 wurde den Märkern, welche damals nicht vorbereitet gewesen 
der Mark Recht zu weisen, ein anderer Tag anberaumt Auf diesem 
sollten dann die ungehorsamen Märker und Landtmann, die ausge- 
blieben, gerügt werden. Die Gesandten der Obrigkeiten waren mit 
erschienen, sie wurden aber nicht, oder nicht mehr aufgerufen. Bei 
andern Märkergedingen z. B. 1458, 1479 ist nicht erwähnt ob ein 
Aufruf erfolgt sei. Bei dem Streit wegen der Mühle zu Bonames 
bittet im Jahr 1525 der Schultheis von Obemrsel um ein gemein 
Märkerding, dass alle diejenigen „als nein lieh die Lehenherrn und 
Junkern so Markrecht hatten* dahin kommen „möchten, damit Inen 
und der Mark nichts entgegen würde". Auf dem Märkerding in 
die Bartholomei 1543 wird bemerkt dass unter den „Edeln 
und Merkern, Lehenherrn und Landtsydel" der weniger Theil er- 
schienen. — 

Gerade dieser Gegensatz von Lehenherrn und Lands i edel macht 
es aber sehr zweifelhaft ob hier ein wirklicher Lehensnexua, oder 
ob ein obrigkeitliches Verhältniss in Frage steht. In der Ge- 
richts- und Land-Ordnung der Herrschaft Solms, vom Jahre 1571, 
wird im 2 ton Theil, 5. Tit. von Verleihung und Beständniss liegender 
Güter gehandelt. Bei der Erbleihe heisst es darauf im 6. Titel § 6, 
es sei der Lehenherr („denn also pflegt man den Verleiher und Ei- 
gcntliumsherrn abusive , in dieser Landart auch zu nennen") in der- 
gleichen Fällen, da das Lehen oder die Erbleihe verrückt wird, 
nicht schuldig dem Beständer Erstattung der Besserung zu thun. 
Ebenso heisst es im 7. Titel, die Land-Siedel-Leihe sei nicht erblich, 
sondern möge „der Lehenherr" dieselbe aufkünden. Es wird dabei 
ausführlich gehandelt: „den Lehenherrn belangend". Es solle „der 



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- 313 - 

Lehenherr" einen Leihebrief fertigen, die Gebäude in gutem Stand 
überliefern, die Leihe nicht steigern u. d. m. 

Demnach scheint es, dass auch bei den Märkerdingen diejenigen 
Gutsherrn, welche Land in Erbbestand oder einem Landsiedel 
übergeben hatten, gerufen wurden, und verpflichtet waren bei vollen 
Märkerdingen zu erscheinen. Die Stadt Frankfurt hatte in Bonames 
Güter erworben, besass Mark recht, hatte die Mühle z. B. in Pacht, 
den Dinghof in Erbbestand gegeben, so war sie als „Lehensherr" 
gerufen. 

Im Jahre 1545 soll Bonames gestraft werden, weil es „seine 
Lehensherrn" nicht mit auf die Aue gebracht Da verwendete sich 
der Rath bei Gottfried von Eppstein und hebt hervor dass Frankfurt 
für seine Dörfer vermöge der Freiheiten nicht verbunden wäre zu 
erscheinen. (Mglb. E. 29. II. p. 92. — ) Auch im Jahre 1458 noch 
begehrt Hans Walborn, von wegen der Walpoden, zu büßen „die 
lehenherrn" die nit da weren. Da erzählte Gcrlach von Londorff : der 
Rath hätte den in der Mark angesessenen befohlen und geboten zu 
Hause zu bleiben, es were der Rath mit schweren Fehden beladen, 
es seien etliche Bürger von Frankfurt an einem offnen Gericht zu 
Seckbach böslich abgefangen worden ohne Fehde und indem sie deß 
unbesorgt waren, darum der Rath besorge daß die Seinen wenn sie 
zu einem offen wissentlichen Dinge und offnen Felde kämen, Schaden 
nehmen möchten; auch sei der Rath vom Römischen Kaiser und 
Könige bei schwerer Peen gefreyet daß seine Bürger solche offen 
Gerichte und Dinge zu suchen nit schuld sein sollen. Darauf redete 
Hans Walborn: solich Geschichte und was dem Rathe zu Ungnade 
geschehen, were ihm nit lieb, und ließ er das dabei. 

In dem Bande: Mglb. E. 29. II findet sich zu dem Märkerge- 
ding des Jahres 1445 eine Note in Betreff der Lehensherrn; es heisst 
daselbst S. 19: Nota omb den arükel als sie wollen so eyn folle 
merckerding sy, das eyn iglicher mit sine lehenherrn da syn sulle 
by VIII ß zu bussen. Nota der artikel ist von alter nit gehalten, 
obe man es wole wyse, und wer auch nit zutunde (zu thun) dan es 
vast sorglich wer. 

Hierbei ist zu bemerken, dass es mit der Vollmacht, für einen 
andern zu erscheinen und zu handeln, nicht sehr streng genom- 
men wurde, es genügte meist die Versicherung dass Jemand „eines 
andern mächtig" wäre; zuweilen erbot sich der Bevollmächtigte sein 
Vorgeben eidlich zu erhärten; so z. B. auf dem feierlichen Märker- 
ding St Margaretha 1484. 



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— 314 — 



Wenn aber die Pflicht der Herrschaften, auf den Märkerdingen 
zu erscheinen, in Frage gestellt werden kann, so war doch ihre 
Berechtigung dazu unzweifelhaft. Der gemein Märker bedurfte in 
wichtigen Angelegenheiten einer Leitung; fand er sie nicht in den 
eignen Reihen oder im Adel, so ordnete er sich bereitwillig den 
Regierungen in Markangelegenheiten unter. Aus beiden Marken kön- 
nen zahlreiche Thatsachen angeführt werden, welche darlegen wie 
die Obrigkeiten nicht nur mit den Mär kern auf den Märkerdingen 
erscheinen, sondern auch für sie das Wort ergriffen, im Interesse 
ihrer Angehörigen handelten, ja diese aufforderten sich zu entfernen, 
die Versammlung zu verlassen. 

Wir wenden uns zuerst zur Seulburger, Erlenbaher etc. Mark, 
wo wir bei dem Streit über die Märkermeisterwahl im Jahre 1482 
finden, dass Ysenberg, Solms und Frankfurter Amptleute und Freunde 
von Peterweil und Nydern Irlenbach wegen erklärt: sie gewilligen in 
kein Neuerung, haben dess auch keine befohlen, und wollen an ihre 
Herrschaften bringen, wie da geredt und gehandelt sei; „hant sich 
davon gewandt und sind hinweg gerytten, und haben ihren Männern 
gesagt auch abzuscheiden". 

Im Jahre 1486 auf Sontag roitfasten, als man singet in der 
heiligen Kirchen Letare, sind dann erschienen „die nachgenanten 
Parthey en a der Keiner zu Homburg, Herr Dietrich Meyen kränz, 
Priester, und Henritze Sulberg, Schultheiss zu Hoemburg, die vor- 
zeiten auch Keiner zu Hoemburg gewesen, von wegen des wolgep. 
Hern Godfritz Hern zu Eppenstein und zu Mintzenberg „an eyme* 
und Philips von Buchis, amptmau zu Petterwil, von wegen des 
wolgep. Hern Ludwigs von Isemberg, Her Philips von Bicken, Rit- 
ter Conrat Schcnck von Sweynüberg gem. Amptman, und Joh. von 
Hornaue, Amptman zu Petterwil, von wegen .... Philipsen (Jra- 
ven zu Solms . . , sodann . . Erwin Togil von Carben, Amptmann 
zu Niddern Erlebach und Ludwig Waldeck des Rats schriber zu 
Frankfurt von wegen des ersamen, wisen und fürsichtigen Bürger- 
meister und Rat zu Frankfurt „am andern Tiele", auch waren da 
versandet die Merker aus den 6 Dorffen. Hier werden also die Herr- 

■ 

schaften geradezu als Parthei dem Waldpotten auf dem Markerding 
gegenüber gestellt. Philipp von Buchis und Joh. von Hornau sind zu 
dem Kellner geritten, gefraget ob er bereit sei anzufangen. Der bat 
noch auf ihren Amtman zu warten; da dieser aber nicht erschien, 
hat Heinritze von Sulberg von der Herrschaft Eppenstein wegen zu 
reden anfangen lassen; uff stund ist von wegen der obged. Htrn 
Ludwig von Isemberg . . . Solms . . . und des Erb. Rats zu Frank- 




- 315 - 

fort „als von wegen der Iren von Petterwile und Niddern Irlebach* 
geredt dass tue keinen fftr einen Märkermeister halten wollen er »ei 
dann durch gemeine Märker erwählt und zugelassen wie von alter 
Herkomen sei. Sie fragen den Eppensteinschen ob er die Wahl 
wie von Alter Herkomen sei fürnehmen wolle, darauf der Schult- 
heise zu Homberg geantwortet: neyn, gesaget sie wollten handeln 
wie sie im vergangnen Jahr gethan hätten. Als auch der venueint 
Märkermeister der Mark halben reden wollen, da haben Conrat 
Schcnck von Sweynßberg und Ludwig Schreiber Ime gesagt zu 
schweigen, sie haben weiter zu reden. Und hat der itzgenant Ludwig 
weiter geredt und begehrt an alle Umbstender zuzuhören: dieweil 
von Eppensteinschen verneint worden zu handeln wie von Alters 
Herkommen, so seien sie „von ihrer Herrschaft und der Ihren wegen 
obgenant" auch nit gemeint einige Neuerung zu gewilligen, würden 
den, der nit nach altem Herkommen gewählt, auch nit fllr einen 
Merkermeister halten; sie erbieten sich zu rechtlichem Austrag, 
ersuchen den offen Notar ein offen Instrument zu machen, sind da- 
rauf abgeritten, und haben dio von Petterweil und N. Erlenbach 
auch s heyßen abgeen*. Zwei Jahre später, 1488, finden wir dass der 
Homburger Amtmann das Märkerding nicht halten wollen, sondern 
on allen abscheyt mit den von Seulberg abgeschieden. Da haben 
sich die Sendbotten von Isenberg, Solms, Königstein und Frankfurt 
bedacht, und dem lantman uff ihrer Seiten gesagt ob die „Widder- 
parthie" einen Märkermeister gekoren hätten , solten sie für kein Mär- 
kermeister halten, sie sollten „die marck gepruchen wie von Alter", 
und ob Jemand Bcschwerniss der Marck halber habe, solt derselbe 
„an sein Herrschaft langen lassen , solt syn Herrschaft mit Flys vor 
Jen arbeiten, Ine by altem herkommen zu hanthaben". 

Dass dies zu jener Zeit kein leeres Versprechen gewesen, das 
zeigen die Verhandlungen als im folgenden Jahre, 1489, das Märker- 
geding der Seulberger, Erlenbacher etc. Mark durch den Walpoden 
bis auf Dienstag nach Quasimodogeniti erstrecket worden. Es wurde 
durch Herrn Ludwig von Isenberg ein Tag ernant gen Petterweil, 
daselbst ein Abscheyt besehenen wie folgt: Nach alter Gewohnheit 
und Herkommen pflege man „Märkergericht" zu halten auf Mitfasten 
in der Erlebachcr Margk. Das habe der Graf zu Hanau etzlich Jahr 
lang verhindert, allein nach seinem Gefallen zu erstrecken sich unter- 
standen, ... es haben die Sendboten gerathschlagt und eynmündig 
beschlossen, wenu der Graf von Hanau einen andern Tag fürnehmen 
werde, so sollen die Herren mit den Ihren in mitteler Zeit bestellen 
und verfügen, dass sie den Tag mit nichts besuchen und sich doch 



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316 — 



der Mark wie von Alter Herkommen ist verbrochen, und sich furtan 
zum Märkergericht das im zukünftig sein wird zu mitfasten verfttgen. 
Jegliche Herrschaft solle daselbst „erscheinen oder dahin schicken, 
helfen zum besten bestellen, tun und ratschlagen". 

Sontag Laetare 1490 ist das Erlebacher Merkerding gehalten 
worden durch den vesten Philipsen von Buches, Diether von Lutern 
von wegen Hern Ludwigs von Isenburgk , Heinrich bereiter zu 
Königstein von wegen derselben Herrschaft, Heinrich Keller zu A*- 
senheym von wegen Graf Philipsen von Solms, und Jacob von 
Cronberg, Erwin Dogel, Amtmennere, und Melchior Swartzenberg, 
Rath Schreiber , von wegen des Raths zu Frankfurt Inn Beiwesen 
des gem. Lantmans, wiewol das Merkergeding zu halten durch den 
• Herrn von Hanau verbotten war, wart durch Jacob von Cronberg 
geredt „alle die in die Marg gehören solten uff den Hauffen treten", 
da waren etliche, von Sulberg zugegen die hinweg gingen und nit 
unter die Marker gehen wollten. Redt derselbe Jacob zu den Mer- 
kern, sie sollten sagen, wie es mit der Marg gehalten worden 
sei, ob mau den Märkermeister kiesen möge, so etliche in die Marg 
gehörig nit uf den Tag erscheinen. Begehrten die Männer sich zu 
bedenken, nahmen »von jeglichem Dorf drei der edelsten 1 * und ant- 
worteten gerne vnlichen durch Conradt von Petterweil: Es sei von 
alter Herkommen, dass man uff den Tag einen gemeinen Miirker- 
meister uff dem flecken kiese, und bo etlich uit allda wären gewest, 
hätten sie nit desto minder gekoren, und die so nit erschienen 
„mit Rat der Herschaften" gebUsst Wurden „die Mender" weiter 
gefragt, es wären etlich von denen von Sulburg gebüsst, die noch 
im Gefiingniss wären, und doch kein Märkermeister gesetzet durch 
die gem. Merker von der Mark wegen, wie es gehalten werden soll 
mit den büßen S1 . Antworten die Männer gemeinlich : sie kunten oder 
wolten nit weiter antworten, sie hätten dann einen Märkermeister 
gekoren; so der gekoren, wollten sie „mit Rath desselben" antwor- 
ten. Also haben die Geschickten sich bedacht und ihnen vergöm 
einen Märkermeister zu kiesen. Antworten die Männer gemeinlich: 
sie hätten sich bedacht und gekoren, und sei ihr alt Gewohnheit, 
welcher gekoren werde, er sei Edel, Priester oder sunst ein gemein 
Mann in der Mark seßhaftig, der muss es annemen 92 , und wo ihnen 

■»» Seulberg war homborgiach; die von Seulberg hatten, vielleicht in Aut 
trag ihrer Landeehcrrscbaft, Potterweiler Märker gefänglich eingezogen , ohne 
Auftrag eines Märker meistere. 

32 In Appenzell rouss noch heut zu Tag der gewählte Landammmn die 
Wahl annehmen, er ginge denn ausser Landes. 



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dasaelb zugesagt werde wollten sie den Märkermeister nennen. Hilt 
man den Männern für: wolten sie einen erwählen der iu der marg 
begut nnd behubt wäre, das müssten sie lassen geschehen, aber wo 
sie einen Amtraan wolten, der möcht über Nacht Urlaub nemen oder 
gegeben werden; bo wäre die Marg aber unbestelt, solten sie selber 
zusehen. Antworten die Männer: Sie haben vor Alter einen seßhaftigen 
gekoren und nit angesehen ob einer begut oder behubt sei, wo man 
ihnen dasselbige noch gestatten wolle, wolten sie den erwählten 
nennen. Das wurd' ihnen nachgelassen. Also erwählten sie Erwin 
Dogeln, Amtman zu Erlebach. Sagt derselbe: wo ihn die Herren und 
Jungkern der Geschickten nit bei der Marg beschirmen wolten, 
wäre ihm das Ampt an sich zu nemen nit gelegen. Also haben sie 
ihm einhellig zugesagt, von der Herrschaften wegen ihn dabei zu 
hanthaben. Darnach wurde gefragt wer den Märkermeister eydigen 
solle; ward geantwort: sie (die Märker) haben vor Zeiten ein Ampt- 
man zu Erlebach gehabt der Märkermeister gewest was, dcr- 
selb von dem gekoren Märkermeister globe genommen. Also erweit 
der gem. lantman Philipsen von Buches, der nam gelob von Erwin 
Dögeln uff den Eydt den er seinen Herrn gethan hatte der Mark 
das best und nutz zu schicken; und wurden alsbald zween Märker- 
knecht erweit, die auch gelobten und sworen Erwin Dögeln in Ge- 
genwärtigkeit des lantmans; und alsbald wurden die geschickten 
Eyna und befolen den Markknechten die von Sulberg, die die Solms- 
ischen gefangen gehabt hatten, zu verpieten auf dinstag nechst, dar- 
nach zu verhören aus was Ursachen die Solmflen gefangen neien, 
und solle von jeglichem Dorf gein Ober Erlebach zween komen mit 
sampt dem Märkermeister, die Sache zu verhören, und was alsdan 
zu antwort werde, jegliche ihr Hern und Junghern wissen zu 

Es ist dieses Auftreten der Herrschaften aus dem Grunde so 
ausfuhrlich mitgctheilt worden, weil es das einzige Beispiel iBt, dass 
dieselben ganz in die Rechte und Pflichten des Waldbotten eingetre- 
ten sind. Sie haben nicht nur das Märkerding gegen Befehl des 
Waldbotten hegen lassen, die Mark bestellt, einen Märkermeister 
wählen lassen und Markknechtc, sondern sie haben auch dem Mär- 
kermeister versprochen ihn bei der Mark zu beschirmen. Es liegt in 
dieser Handlungsweise die Anerkenntniss dass der Waldbott nur im 
Interesse der Mark seine Vorrechte besitze, und dass wo er diesem 
Interesse entgegen handele, die Mark nicht bestelle, dies auf andere 
Weise geschehen müsse. 



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- 318 - 

Hier, wie in der Hohen Mark, haben die Regierungen spater 
nicht mehr den Muth, oder nicht mehr die Kraft gehabt in gleicher 
Weise das Recht des obersten Märkers dem Interesse der Mark 
selbst unterzuordnen. Auch in vorliegendem Fall aber haben sie 
nur das Notwendigste gethan, sie haben nur einen Märkermeister 
erwählen lassen. Bei dem nun folgenden Güteversuch hat man sich 
bedacht und dahin geeinigt dass Herr Friedrich von Dorfeiden von 
wegen des obersten Waltpoten und Cunrad Schenck von wegen der 
andern Herrn den Märkermeister beeidigen solle, bis die Herrn zu- 
sammen kommen und sich des vereinigen. Auf das Schreiben des 
Pfalzgrafen, die Herrschaften möchten sich auf dem gütlichen Tag 
zu Germersheim einfinden, antworteten sie : dass sie nit Fug haben 
den angesetzten Tag ohne den gemeinen lantman und Merker zu be- 
suchen. — Mglb. E. 30. II. 

Wenn die Obrigkeiten das Interesse der Mark und der Märker be- 
achten wollten, so mussten sie auch die Gewohnheiten derselben 
berücksichtigen und an denselben festhalten. Anno 1484 auf Sonntag 
Letare zu halbfasten sind von Peterwyl auf das Irlenbach Merker- 
ding gemacht seibist: Johann von Glauburg, Schöff, Wicker Frosch 
der junge, Ratsfreund, und Ludwig Waldeck, Schreiber; und als die 
hinausgeritten und bei Irlenbach in das Feld komen sin um die 
10 Uhr, haben sie nach Krwin Dogel, Amptman, und den Märkern 
in Nieder Irlenbach geschickt. Ist Erwin dazu kommen und hat 
gesagt, in dem als er zu Irlenbach herausgeritten, sei ein knecht ihm 
begegnet mit dem bemerken dass das Märkerding mondig (Montag) sei, 
dann sein Herr von Eppenstein das widerbotten lassen habe. Die 
Geschickten haben sich darauf mit den Solmsischen und Ysenburgi- 
schen beredt und sind mit den Märkern von Peterwyle und Nydern 
Irlcbach auf die „Walstatt des Merkerdings by Sulburg gerydeu' 4 , 
und sind bis nach Mittag ungefähr um ein Uhr dablieben, und als 
Niemand aus den andern Dorfen komen ist, han die Amtleute die 
von Petterweil und Nydern Irlebach wider zu Hause gehen lassen, 
und sind auch abgeritten. — Mglb. E. 30. U b S. 151. 

In dem Berichte über die „Sewelberger und obern Irlebacher 
Gemark", 1Ö39 heisst es dass die Herrschaften „von w t gen a ihrer 
Märker erscheinen. Uff Montag nach Penthecost, morgens 7 Uhr 
erschienen auf dem Plata da man merkerding pfleget zu halten, von 
wegen des Fürsten Philips Landgraven zu Hessen, als obersten Walt- 
poten, Helwig von Laurpach und Diether Gewende, Keller zu Hom- 
burg, „von wegen der Herrschaft Kömgsteyn Gemerker" Christoph* 
von Hatzetein, Amptman zu Königstein, „von wegen der Herrschaft 



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Sulmbs Gemerker 1 * Hartman von Troso, Amtmau, „von wegen der Herr- 
schaft Eyssenburgk Gemerker" Engelbert, halber Amtmann, „von wegen 
der Stadt Frankfurt Gemerker" Justinian von Holzhausen, und dann 
„der gemein Merkerman der Sewelbcrg und Ober Irlenbach gemarck 
für sich selbst". 

Wenn die Herrschaften einestheils für die Ihrigen ein Schutz 
waren, so suchten sie anderntheils in denselben auch eine Stütze für 
das eigne Ansehen zu gewinnen. Vorzüglich gilt dies von dem Wald- 
poten selbst, soweit er auch Landesherr war, in der Seulberg Er- 
lenbacher Mark also für Copperu und Seulberg, in der Hohen Mark 
für Homburg, Contzenheim und Steden. Die Stimme von Nieder 
Steden wurde noch festgehalten, Schultheiss und Gericht ernannt, 
als dies Dorf schon längst verschwunden war. Neuo Ortschaften auf 
homburger Gebiet, Dornholzhausen und Friedrichsdorf, wurden be- 
günstigt weil sie grösseren Einfluss verschafften. Im Jahre 1539 
brachte der Keller zu Homburg, Diethcr Gewend, schriftlichen Be- 
fehl des obersten Waldpott die Mark „uff heute dato" zu umgehen. 
Die Märker weigerten sich „es sei kein Mangel an der Gemark ver- 
merkt". Der Keller drohte mit Ausschluss von der Mark, liess auf 
zwei Seiten treten zur Abstimmung. Es trat zu ihm Niemand denn 
die seinen von Homburg und Seulberg, der Mehrertheil blieb 
stehen. 

Zwei Jahre darauf als der Walpot mit Märkermeister kiesen 
wollte, hat der Amtmau zu Königstein die Dörffer getrennt und „die 
von Seulnburg und Kuppern beredt bei dem Instrument zu bleiben; 
die Gemerker Seulburg und Koppern sind abgefallen," bei der Ab- 
stimmung traten sie auf die andere Seite. 

Allmälig erhielt das Erscheinen der herrschaftlichen Geschick- 
ten eine andere Bedeutung. Darüber giebt ein Bericht von Joh. 
Ludwig von Glauburg über das Seulberger Erlenbacher Märkerge- 
ding des Jahres 1588 Andeutung. Es sei erstlich nach altem Ge- 
brauch das Instrument, so anno 1493 uffgericht, hernacher etliche 
neue Articul, ungefehrlich uf die 22, letzlich auch die Bugen ver- 
lesen worden. Darauf die vorigen Märkermeister wieder zu Märker- 
meister erbeten und verordnet worden „und ist durchaus nichts neues 
oder E^Erb. Rath nachtheiliges des Ends furgangen oder verhan- 
delt worden". Beim Abschied hätten die Märkermeister und der Kell- 
ner wegen des Schreibens E. Erb. Raths, dass man die Nicder-Er- 
lenbacher aus der Mark zu bringen gedächte, sich entschuldigt; sie 
seien dies für ihre Person nie bedacht gewesen, sondern hätten sie 
jede Zeit für ihre Mitmärker gehalten, sollten auch wie andere gc- 



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halten werden ; wollten gebeten haben E. Erb. Rath wolle jährlich« 
auf den Sontag Lätare eine Rathsperson auf das Märkergeding ver- 
ordnen „welche gleich wie Sy der Mark zum Beeten beiwohnen thete", 
wie dann von E. Erb. Raths wegen H. Dan. von Hinsperg vor 
Jahren etlicher Irrung halben auch draussen gewesen. Joh. Ludw. 
von Glauburg bedankt sich der freundlichen Antwort wegen „mit 
pit solche Ir Entschuldigung schriftlich an E. Erb. Rath zu gelangen 14 . 
Mglb. E. 30. IV. [5] 

Als die Märker bei dem Streit über die landgrevisch schwein 
einsahen, dass ihre eignen Bemühungen vergeblich seien, haben sie 
sich verglichen, dass die Schultheisse solche neugesuchte Gerecht- 
same des obersten Waldpotten ihrer Obrigkeit anpringen sollten, 
deren Rath, wie es auf's beste anzugreifen, zu vernehmen. Es wand- 
ten sich darauf in einem Schreiben d. d. 1. Oct 1590 Märkermeister 
und Häupter der Seulberg Erlenbacher Mark an die Herrschaften: 
von ihnen selbst könne es nicht wol in's Werk gerichtet werden, 
„Ir dagegen als hochgelahrte, verständige in denen und andern der- 
gleichen Sachen täglich exercirt und geübet, die gepüer zu pon- 
deriren werdet wissen, damit dan nicht zuviell oder zu wenig von 
uns furgenommen, so wollen wir euch und E. Hochachtpare Weis- 
heyten ganz freund und dienstlich gepetten haben sich als Mitmärker 
von wegen des Fleckens Nidern Erlenbach dahin und soviel zu 
bemühen und durch deren Advocaten fürhabende Supplication con- 
eipiren und stellen zu lassen; und sind wir es hingegen freundlichen 
au bedienen, Euch und Ew. Hochachtparen Weisheyten sonsten 
angenehmen Willen zu erweisen erpöttig und befliessen, Euch, Ewer 
Hochachtp. Weish. und uns alle hiermit dem lieben Got empfhelend". 
Mglb. E.30. IV. [8] — Sie sollten erst später lernen, dass es besser 
ist der eignen Kraft und Ausdauer zu vertrauen, als der Opferbereit- 
willigkeit anderer. Auch die andern Dörfer hatten sich an den Erz- 
bischof von Mainz und die übrigen Herrschaften gewendet, sie bitten : 
dieselben wollen geruhen gnedigst, gnedig und günstig „uns deren 
armen Leute" zu schützen und dargegen bei unser ruhigen wollher- 
geprachten possession vel quasi handt zu haben. Der Rath liess die 
Sache untersuchen, Zeugen vernehmen. Am 20. Oct 1597 berichtet 
Conrad Wachteler, Märkermeister, dass der Landgraf Ludwig der 
Jüngere 130 Schwein in die Mark einschlagen lassen; begehret eines 
Erb. Raths Gutbedünken was fürzunehmen. Die Antwort lautete am 
4. Nov. dahin: er habe anno 1591 Zeugeu vernehmen lassen; ob 
solches von den andern Herrschaften gleichmässig besehenen, davon 
habe er nichts vernommen; es möge wol sein „daß solche Sachen 



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also ersitzen blieben 1 '. Sollten aber die andern Herrschaften einhellig 
sich an den Landgraven wenden wollen, würde es dem Rath nit 
missfallen. — Mglb. E. 30. IV. [20/21.] — Weiter wurde im Jahr 
1604 die Hülfe des Raths angerufen, der Oberherr und Waldpott 
habe diesmal 100 Schwein in die Mast einschlagen und ein besonder 
steig auf Ircni Grund und Boden ufrichten lassen. Es wurde auf den 
Beschluss d. 1597 verwiesen, dasjenige so damals begert, sei noch 
nit effectuirt worden, sondern vermuthlich bishero ersitzen blieben; 
darumb man den Bereiter an den Märkermeister wiederumb abge- 
fertigt. Der berichtet dass die Abhörung noch nit stattgefunden. In- 
zwischen fanden die Herrschaften es sei nöthig einen Tag zur Zu- 
sammenkunft zu bestimmen: „weil solches samptlichen interessiren- 
den Herrschaften" zu nicht wenigem praejudiz gereichen thut. Auf 
einem Tag zu Petterweil werden die vorhandenen Zeugenaussagen 
verlesen, neue Zeugen verhört und beschlossen ein weiteres Schrei- 
ben an Homburg abgehen zu lassen. 

In späteren Jahren genügte es dem Rath den Landbereiter all- 
jährlich auf das Markergeding, Sontag Lätare, zu schicken. Johannes 
Zeundel berichtet im Jahr 1644: „hat es auf bevehl Ihr E. E. Veste 
besucht, zu vernehmen ob etwas deme Flecken Niter Erlenbach an 
Ihrer Gerechtigkeit vorgenommen, oter Ihme Flecken sonsten durch 
Ihre f. Gn. Herrn Landgraff dincr oter Dero selbigen Märkermeister". 
Es sei aber nichts vorgenommen, als der gemeinen „Ruhen und 
Busen" wie auch „der verfallne Bauw und Rösse dachung" (veröste) 
und „waß Rugbar daßselbige gestrafft worden". „Dasselbige auch Ir 
Insterment ist vorgelesen worden von dem Waldschrayer wie von 
Alters herkommen ist." 

So berichtete der Abgeschickte der Stadt Frankfurt. Mit einem 
solchen mag der Kellner zu Homburg leicht fertig geworden sein. 
Derselbe berichtete am 2. Juni desselben Jahres über das Märker- 
ding der Hohen Mark : er sei auf das gebande Mark Gericht zu 
Oberurschel geschickt worden „zu vernehmen ob etwan meiner 
grossgünst. Ihrer Dorffschaften in einem oder dem andern an irer 
Gerechtigkeit witer Billigkeit etwaß vorgangen wöre", weiss diesmal 
nichts zu berichten, als „daß Niter Urschel und Dirkelweil wegen 
der Wolfsjagd nicht zu Humburg erschinen sind, gestrafll werden 
sollen; nach gehaltnem Markgeding Uber 14 Thag zu Humburg zu 
dem Busatz sollen beiten Flecken Erscheinen und Ire Buse thaidigen, 
dieweil alle andern Flecken erschienen, sie gcmelte Flecken allein 
nicht", (bei der Wolfsjagd nämlich). - Mglb. E. 29. IV. S. 110. 

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Wie in der Seulberger, firlenbacher etc. Mark, so stellen auch 
in der Hohen Mark nicht wenige Thatsachen klar, dass in früheren 
Zeiten das Auftreten der Obrigkeiten in Markangelegenheiten keines- 
wegs bloss eine Förmlichkeit oder eine Ehrenauszeichnung gewesen. 
Ein sehr undeutlich geschriebener Bericht über das Märkerding von 
1479 theilt mit, dass die Rathsfreunde begehrt die von Dorckelweil 
wieder zu ihrem Markrechte kommen zu lassen, und dass diese sich 
erboten „uinb den bruch des faltdors halb" zu taidingen. Darauf die 
anwesenden Märker beiseit getreten und gemeint die von Dorckel- 
weil nit wider zuzulassen, der Rath wolle denn dem lantman den 
„slag zu Husen offen daß man dadurch Faren und denselben Weg 
gebruchen mochten zu zyden so die Wasser gross weren". Des Raths 
Freunde gaben darauf zu verstehen dass der Rath den Weg zu Hau- 
sen gekauft habe und war kein gemein Weg. Hausen (an der Nidda) 
stand mit der Hohen Mark in gar keiner Verbindung, die Märker 
gedachten also durch die Beeinträchtigung der Dorckelweilor den 
Rath zu nötliigeu anderwärts iiinen, den Märkern, Vortheile einzu- 
räumen. Das Recht oder die Pflicht der übrigkeit war aber mehr 
die Ihrigen in dem Rechte zu schützen uud zu vertheidigen, als pri- 
vatrech tliclien Vortheil aus dem Verhältniss zu ziehen M . 

Bei dem Märkerding Montag nach Erhardi 1522 hat der Keller 
angezeigt: wer den Wald schädige soll gepfäudt werden, es sollten 
auch itzo die Pfandzettel verlesen werden. Darauf Viel aus dem 
lantman nein gesagt, man sollt die Pfandzettel jetzo nit verlesen; 
dafür wereder unberufen Märkertag bestimmt. Aber der Schultheis» 
von Ober-Ursel hat etliche vom lantman, so ihm zugehörig, zu ihni 
auf ein Ort genommen und mit den gcredt, bis sie in die Pfändung 
und Verlesung der Zettel bewilligt. Darauf die Zettel gleich ver- 



33 Di« Vollmacht welche im Jahre 1489 der Rath seinem Abgesandten mit- 
gab, lautete: Wir der Kate zu Franckenfort Erkennen uns uftentlich mit die- 
sem briefe das wir gantze macht uud vollen gewalt gegeben hart diesem gehv 
wurtigen Kysen von Miltenbergk unserm beryder, und thun daa Inne crafi'te 
dif> briens, uns, unser burger, das unser, die unsern und die uns zu verant- 
wurten stecn an dem Marckerdinge zu Ursel das uff Mittwoche nach dein hei' 
ligen Pfingstag nehst körnende werden sal, zu verantworten, zu verteidiogen, 
zu vergeen und zu versteen zu glicher wyse und Jnne aller der raselSe und zu 
allem rechten, wir selbst thun und Isißen sollten und mochten, obe wir dabei 
geinwurtig werenn, Des zu Orkundo han wir der egeoauteu unser Stode Jnge- 
slgel an diesen brieff thun drucken. Datum etc. 

Weiter unten ist auszuführen wie die Stadt Frankfurt zugleich in der Eigen- 
schaft eines Mitmarkers, wegen Besitzungen in Bonames, aufzutreten hatte. 



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lesen worden und gesagt: wer itzo woll taidingen soll des macht 
haben oder zum nächsten Märkergeding. Die Abgeordneten des Raths 
beschweren sich „daß die Ihren nit so viel Holz geholet als die an- 
dern, man möge den Wald noch nit zuschliessen". Darauf der lantman 
zusammengeruckt, sich besprochen und die begehr abgeschlagen, 
gesagt die mennig sei schon gemacht, (es sei abgestimmt). 

Es gab sich dabei von selbst dass die Herrschaften öfter auch 
vermittelnd auftraten, Frieden und Einigkeit herzustellen suchten. 
Im Jahre 1521 als Streit sich erhoben über die Wahl und Entlas- 
sung der Forstkuecht, begehrte der Schultheiss von Homburg dass 
Verordnete aus jedem Flecken nach Homburg kommen zu verhan- 
deln „denn er were nit allhie uff dem merckerding umb Zankes wil- 
len". Darauf sind die Beamten von Königstein und Heddernheim 
zusammengeruckt „und sich der Sachen damit der landtman gefriddet 
und zu Stillem gesetzt werden mocht, vielfaltiglich besprochen und 
den Schultheis gebeten dem lantman zu willfarn und andere forstr 
knecht erwehlen; da er dies abgeschlagen hat man sich weiter 
beratben au erhaltung friddens, und herfundon daß nicht besseres 
were denn daß man am lantman anregt die alten forstknecht auf 
dismal onbeurlaubt zu lassen; solchs auch also beschehn". 

Ebenso findet sich aber auch dass die Herrschaften mahnend 
und abrathend auftraten, wenn sie es heilsam für die Untergebenen 
hielten. Auf dem Markerding 1524 wurde vorgelegt dass man aus 
dem lantman solt Merkermeister machen, nemlich zween zu Hom- 
burg und zween zu Oberursel. Darauf aller Oberkeit Gesandten sich 
besprochen, darin nit willigen können und einhellig beschlossen, „daß 
jeder Gesandter seiner Herrschaft unterthan zu ihm berueff und 
dabin wysse, von solchem Beschluss abzusteen. Darnach ist mit dem 
Unterthan In geheym abgesonderter Weise gehandelt, bei dem 
Folg erlangt. Sollichs haben alle Gesandten dem Keller von Hooiu- 
burg fürgehalten, der glycherWyse by seines gn. Herrn zugehörigen 
verfügt liatt, sich hören ließ". Also ist ein Ring gemacht worden, 
dem lantman gesagt, nachdem sie von ihrer Meinung abgestanden, 
wolle sich gebüren dass sie M&rkermeister kiesen, was darauf 
geschehen. 

Auf Dienstag Sant Lucastag 1524 hat der Amtman zu Eppstein 
Namens des Waldbotten den Gesandten der Herrschaften der Irrung 
der kupferschmitten zu Bonamesa halben Anzeige gemacht, mit 
begehren ihm zu entdecken, ob sie mit einem ehrbaren Rath „güt- 
lich verhöre" annehmen, oder aber rechtlich für sein gn. Herrn, den 
Landgraven, fttrkommen und erfyd cn wollten. Es haben die ein 

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Bedacht genommen und solche dem Untman angezeigt, der es 
ein gut Zeit nit thun wollen; als sie aber „die überredt die Güte zu 
verfolgen", haben sie solchs durch Philipps Ryffenstain von wegen 
der Märker öffentlich zugesagt. 

In späteren Jahren wurden die Unterthanen mehr und mehr 
abhängig von den Obrigkeiten. Es tritt dies schon in der Mitte des 
sechszehnten Jahrhunderts bei der Irrung über den Dielnberg und 
Bettstein grell hervor. Bei dem Umzug von 1551, als die Märker 
über die Höhe kamen, wichen „die Jhenseit der Höhe" von den 
gemeinen Märkern und gingen nicht allein den grossen Bettstein, 
Bondern auch den Dielnbergk und den „jungen Bettsteyn" von der 
Höhemark hinweg. Ebenso, als die Märker 1561 noch in dem 
Scharterwald waren, da gingen 8 die von Ryffenbergk und Arnshain 
eyn sonder weg, gingen also auch eyn teyl des Scharterwalds und 
die obgemelten Velde samt dem grossen Bettstein von der Mark u . 
Gefragt warum sie nit bei den gemein Märkern blieben? gaben sie 
diese Antwort: sie müsstcn gehen wohin die Junkern sie hiessen 
gehen, dieweil Irrung um den Bettstein were. Im Jahr 1562 wurde 
abermals Umgang gehalten um den Dielnberg und kleinen Bettstein 
zu lochen. Da haben die jenseit der Höhe sich wieder abgesondert, 
etliche Tage darnach die Loch an dem jungen Bettstein ausgehauen, 
den grossen Bettstein der Mark abgelocht 34 . „Und ist gar kein 
Zweifel wenn die Überhöhischen die Wahrheit sagen dürften, on 
scheu für Iren Junckern würden sie bekennen sie hetten's ebenso- 
wol gehört von ihren Eltern daß der Bettstein in die Höhmark ge- 
hörig sei". Hiernach wurde beschlossen es sollten die Nachbar eines 
jeden Fleckens in die Mark gehörig solche obgemelte Irrung „ihren 
Oberkeiten anzeigen und umb Rath bitten". D esshalb, so h eiset es, 
a ist die bitt E. E f. W. so der Sachen besser wissen nachzudenken 
dann wir arme unverständige, wollten uns in dieser Sachen rathen 
und helffen, dass die angezeigte Irrung endlich mög gerichtet wer- 
den". Mglb. E. 29. IIL S. 14. 

Weiterhin folgt (S 38. cit.) eine „Forma der merkere bedenkens, 
doch uff Verbesserung Irer Obrigkeyten, ob also an den Fürsten in 
Hessen zu schryben sei". Als die Märker die Homburger Schwein 
ausgetrieben, und dafür in Haft gehalten worden, setzen sie auf den 
7. Oct. eine Zusammenkunft was hierein zu thun, bitten der Rath 
wolle verstendige Leut dazu verordnen damit sie arme Märker bei 



» Abgelocht, die Wahrseichen aus den Grenzbäumen ausgehauen. 



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ihrem anererbten Güte mögen erhalten werden. Und auch 1570 
setzen sie einen Tag an wegen der Neuerungen in der Mark und 
Insetzung von Zollstöcken; sie kamen tiberein, es möchten auch die 
5 Herrschaften je eine Person abordnen nach Marpurg zu dem lant- 
graven, die Menget und Gebrechen vorzutragen. Im Fall aber die 
Zollstöck nit abgeschafft würden ist der gemein Merker Bitt, die 
Obrigkeit möge guten Rath geben „ob man nit die Zollstöck ab- 
hauen, und alsbald an kays. Kammergericht umb mandatum de non 
offendendo anzusuchen befugt sei"? 

Es ist offenbar dass mit dem Aussterben des niedern Adels die 
Märker ihre Stutze verloren, sich nunmehr an die Obrigkeiten zu 
wenden gezwungen sahen. In dem Markwalde wurden sie mehr und 
mehr von dem Waldbotten geschädigt und ausser demselben wurden 
sie abhängiger von dem Willen ihrer Obrigkeiten. Im Jahre 1584 
theilt Burckhart Engelbrecht von Hattstein dem Rath mit: dass der 
Beschwerden gegen den Landgraven wegen die Märker zusammen- 
zukommen sich entschlossen, mit der Bitt dass er die Seinen bei 
Zeiten „zu dieser Zusammenkunft verordnen" wolle; der Rath ant- 
wortet: „wöllen unsere theils disfalls nichts an uns mangeln lassen". 
In einer Supplication bitten dann die Märker ihre Landesherrn, sie 
wollten sich „unser armen Merker und Unterthanen gnädigst ahnneh- 
men". Diese wandten sich darauf an den Waldpotten die Beschwer- 
den abzuschaffen. Der gravamina sind es 19 dem obersten Wald- 
botten von den „vom Adel, Burger und Landtman gemeine Märker 
erwehnter Marek" überschickt. Unter denselben finden wir aufgeführt, 
dass den „Unterthanen des Amts Homburg, welche Mitmärker sein, 
uferlegt worden eine Anzahl Gebundt Eichen Pfal in der Mark zu 
reißen, machen und ihm überliefern"; dass die Märker welche „we- 
gen Pfahlmachen ingerugt worden, Ihre Bueße bis noch nicht ver- 
theitiget und dazu nicht angehalten worden" endlich dass die Inge- 
sessnen im Ampt Homburg „ihr gepuer Unkostens, nemlich ein Jeder 
4 Pfen., zu Anbringung aller Beschwerung« Puncten nit contribui- 
ren wöllen, weil solches durch ihre Obrigkeit verbotten worden". — 
Mglb. E. 29. HI. S. 82 ff. 

Wir werden hier auf eine wichtige Befugniss oder Verpflichtung 
der Regierung hingewiesen, nämlich die Bussen einzutreiben; daran 
knüpft sich dann weiter die Stellung ihrer Beamten zur Mark oder 
in der Markverfassung. 

In der Seulberger, Erlenbacher Markordnung von 1552 heisst es 
in Art. 12: Wer die Buße nit entrichtet, soll durch seine Obrigkeit 
gepfendt werden, wo Armuth halben nicht zu pfenden ist, so soll er 



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vor ein Jeden Gulden acht Tag „im Beczenloch oder Narrenhu&a 
durch seine Obrigkeit uff beger dcß Merkermeisterß gestrafft wer- 
den". Aehnlich heisst es im Jahr 1538 Art. 11: „Welcher Märker 
geruegen und seine bueßen uf angesetzte Thedigstag nicht erlegt, 
der soll durch seine Obrigkeit für voll dafür gepf endet, oder nacher 
llombergk eingeführt werden, und im Falle einer Armuth nicht zu 
pfenden . . . für jeden fl. acht Tage lang mit dem Thurm durch 
seiner Obrigkeit gestraffet werden. Doch dem obersten Waldpotten 
an seiner habenden Gerechtigkeit damit nichts benommen 1 '. 

Auch in der Hohen Mark ist in diesem Sinne geweiset worden, 
so namentlich auf dem wichtigen Märkerding von 1484 welchem 
Abgeschickte der Obrigkeiten zahlreich beiwohnten. Da heisst es in 
Art. 17 : wer nicht theidigt, den mag der Waldbott und der Mär- 
kermeister, jeglicher nach seiner gebühr, vor ihre verfallene Büß 
pfänden; weigert sich dann einer der Pfände, so sollen der Herren 
knecht im flecken, da der gerügt frevler wohnhaftig ist, forderlich 
Pfand geben, bei Verlust desselben fleckens Markrechts. Ebenso ist 
1547 beschlossen worden, jede Obrigkeit ihrer Flecken und Dörfer 
solle bei den buosfelligen mit Ernst verfügen, dass die Buossen 
bezahlt werden oder pfand gegeben werde. Sollte dies in einem 
Monat nicht geschehen „soll die gemeyne ihres Markrechts entsetzt 
sein, bis die büße eingetrieben werde' 1 . Es war damit eine Strafe 
für die Saumseligkeit der Gemeinde, nicht gerade eine Haftbarkeit 
der Gemeinde für die Buße des Märkers, ausgesprochen 35 . Mglb. 
E. 29. II". 

Dass die Obrigkeit der Aufforderung zur Strafe und Execution 
sich willig unterzog ist in der Rechtssache des Bernhaidt Ebel zu 



31 Dies noch in einem andern Falle. Als nämlich die Gemeinde Heddern- 
heim den 20jälirigen Rügenrückstand aller Verwarnung ohncrachtet nicht ab- 
geführet, wurde auf dem Märkerding 1778 dem Waldschrcicr und den Förstern 
aufgegeben sätntotliches Geschirr und Schiebkarrcn welche von Heddernheim 
in die Mark kommen würden, sofort nach Homburg einzutreiben, inmaasen die 
Mark eich länger nicht herumführen lasse „sondern einen vor deu andern von 
den Heddernheimern angreifen wird". Mglb. E. 31. I. S. 2fi. Wahrscheinlich 
ist es dabei geblieben, denn zu jener Zeit war an ein energisches Handeln nicht 
mehr zu denken. Es lassen sich andere Beispiele anführen, aus denen 
ereicht lieh ist dass eine Gesammthaft als Kegel nicht bestand. In den Jahren 
1478, 1479 sollten die Nieder- Erlenbacher der Mark Verstössen werden. Als man 
die Mark auf St. Katharinentag bestellte hatten sie Holz aus der Mark ver- 
kauft. Die Nicder-Erlenbacher aber behaupten dass wenn einer oder zwoen in 
der Mark verbreche „darum nit eine ganze G meine aus der Mark verstoßen 
werden könne". Mglb. E. 29. IIb S. 20. 



Di. 



* 



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Nieder-Erlenbach deutlich ssu ersehen. Da» Katli»protocoll vom 29. Juni 

1598 theilt mit: Als die zu den Ortschaften verordneten Herren 
anbracht, ob wol dem Müller zu Nieder-Erlenbach desswegen etliche 
mal 10 fl. zur straf abgefordert worden, dieweil er über Verpott 
etlicl ic Stemme in der Seulburger Mark abgehauen, welcher aber der 
Thaten nit allein nit gestendig sein, sondern auch über des Märker- 
meisters vielfältig anhalten die straf nit erlegen wöllen: . . . soll man 
sur Erlegung der strafe noch 6 Tage peremtorie ansetzen. Erfolgt 
hierauf ein »Schreiben der Märkormeister Joh. Bender zu Seulberg 
und (Jonrad Wächteier zu Ober-Erlenbach d. d. 11. Aug. 1598, 
Bernhard der Müller zu N. Erlenbach als ihm Markbuße abgefordert 
worden, habe mit schnöden Worten begegnet, und in Gegenwart 
des Schultheissen sie bezüchtiget, dass sie ihn nit redlich, sondern 
wie diebe und schelraen gerüget und gebüsset hätten. Solche 
Schmach hätten sie sich zu Gemiith geführet, und nit gemeinet die- 
Belbig auf sich ersitzen zu lassen. Sie klagen, nachdem sie sich hie- 
bevor an den Schultheissen gewandt, und ersuchen dienstlich, E. 
Erb. Kath wolle in günstiger Erwegung des Handels Beschaffenheit, 
ihn zur Abzahlung seiner zweijährigen Bußen samt dene darauf ge- 
wendeten Unkosten, dan auch zum gepürlichen Abtrag und Wider- 
ruffe von Oberkeit wegen günstig ermahnen und anweißenu. — Am 
22. Aug. wurde dann beschlossen: als Bernhardt Ebel zu Nieder- 
Erlenbach sich beklagt, daß ihm von den Märkermeistern widder die 
gebühr ein büß abgefordert werde, soll man, weil er dem d. 29. Juni 
jüngst gemachten Rathsdecrct nit parirt, ine gefenglich einziehen. 
Am 24 Aug.: Als der alter Herr Burgermeister anbracht es habe 
der Pfarrer zu Nieder Erlenbach für seines Sohns Bernhard's, wel- 
cher Ungehorsams wegen zur Haft kommen, Erledigung angehalten, 
wurde beschlossen: soll man Ine lenger liegen lassen. Auf weiteres 
Anhalten des Pfarrers wurde am 29. Aug. decr.: soll man Ine der 
Haft erledigen mit dem Bevelch, sich bei den Märkermeistern klug- 
los zu machen, bei Bedrohung des Wiedereinziehens. Es findet sich 
weiter ein Schreiben der Märkermeister, welche sich am 7. Januar 

1599 beschweren, dass der Schultheiss den mehr angedeuteten Be- 
scheid nach seinem Verstände auslege, mit der Anzeige, dass er wol 
befehl empfangen zur Bezahlung beholffen zu sein, es erstrecke sich 
aber der Bescheid nicht auf die Pfandreichung. Sie bitten dass mehr 
Schärfe gebraucht, Ebel sie wegen derUn kosten zufrieden stellen möchte. 
Demgemäss war am 16. Januar der Bescheid ergangen, dass der Schul- 
theiss dem Beklagten unverzügliche Bezalung der geklagten Waldtbußcn 
uferlegen und in Entstehung denselbigen alsobald pfänden lassen sollt. 



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Allein bereits am 18. Januar überreichte Ebel eine weitere 
Schrift: die Geldstraf sei ihm aus blosser Missgunst 9 * abgefordert 
worden, er sei desshalb genöthigt gewesen seine Unschuld dem 
durch laucht. hochgeb. Fürsten und Herrn G. Ludwigen d. J. Landgr. 
zu Homburg etc. „seinem gn. Fürsten und Herrn und der Mark obersten 
"Waldbotten" per Supplicationem zu erkennen zu geben; der ihn 
gehört und Joh. Vestenbergcrn den Kellner von Homburg mit Er- 
gründung der Wahrheit beauftragt Diesem habe er seine positiones 
und probatorial articul zugesandt; er habe gehofft dass bis zu Er- 
öffnung derselben seine Widersacher sich gedulden, sie hätten aber 
auf Pfändung angetragen mit Verschweigung dieser Umstände; 
bittet: der Rath möge diese Sach' an den Kellner von Homburg 
weisen. Es war dieser Schrift ein Verzeichniss beigelegt der Eichen- 
stemm, welche die andern Märker gehauen und doch die Nieder- 
Erlenbacher zuerst strafen wollen: die von Holzhausen zum Schwein- 
stall und den Hörten 00 Stämm, die von Petterweil 125, die von Seulberg 
123, die vonOber-Erlenpach 50. Der Senat beschlosB am 18. Januar nach 
eingeholtem Bericht: Es sei den Märkermeistern Copei zuzuschicken, 
dem Schultheissen zu Nieder-Erlenbach aber zu befehlen, mit der 
anbelohlenen Pfändung gegen den Bernh. Ebeln bis auf weiteren 
Bescheid einzuhalten. 

Der Erlass welchen der Waldpott dem Kellner von Homburg 
schon unter dem 1 . November 1598 in dieser Sache hatte zukommen 
lassen, zeigt wie klug derselbe jede Gelegenheit zu benutzen ver- 
stand seinen Einfluss, sein richterliches Ansehen fester zu begründen. 
Es heisst in demselben unter anderm: Ob nun wol in diesem und 
dergleichen Fällen die Appellationes vor uns als den obristen Waldt- 
potten gehörig sein, dahero wir auch des klägcrs bei uns beschehencs 
suchen für sich wol bestehen lassen könnten, . . . jedoch dieweil die 
sachen noch zur Zeit allein uff dem Bcweißtumb beruhen und wir 



J « Diese Missgunst ist häufig gegen die Frankfurter Ortschaften besonders 
gegen Nieder-Erlenbach, welches in beiden Harken berechtigt war, bemerklich. 
Da Nieder-Erlenbach weit vom Walde entlegen, war viel und leicht Gelegen- 
heit gegeben dies Dorf zu benachtheiligen. Als im Jahre 1523 die Mark er ver- 
hindern dass dem Kupferschmid zu Bonames Kohlen zugeführt würden, bringen 
sie zugleich beschwerend vor, dass sie sonst auf der Krück zu Uonames 2 IL 
gegeben, jetzt 3. Ebenso sei der Zoll in Hausen gesteigert worden; dazu be- 
schweren sie sich dass sie au der Stadt Pforten zu Frankfurt »sich loosen oder 
das Ir verzollen" mttssten. Der Keller bemerkt das Kohlenverbot sei geschehen 
vielleicht aus sonderer Ungunst, die zu Ein. Erb. Rath getragen wurd .und 
noch unverdienet were tt . Mglb. E. 29. II*. 8. 66, 73. 



- 329 



dafür gehalten, derselbig wol vor dem gemeinen Märker besehenen, 
und demnach von demselben nach Befindung der Partheien ein endt- 
licher bescheidt gegeben werden könnte, — so haben wir uns auch 
derselben biß noch nicht annehmen mögen, — bevelhcn demnach dir 
(dem Kellner) in Gnaden, daß du sie beyderseits, sowol den Kläger 
Berndt Ebeln als auch die Märkermeister und Markschreiber vor dich 
erforderst und Inen unserntwegen anzeigest, ... wir wolten sie ihren 
beweißtumb zu fuhren .an den gemeinen Märker gewiesen haben. 
Würde nun der beschuldigte beweisen können, daß er das übrig Holz 
. . . anderswo zu wegen gebracht, gereicht es ihm zum besten; wo 
nicht, würd er sich der ihm gesetzten Straf schwerlich entschlagcn 
können. Doch stehet jedem alsdann die Appellation ... in allewege 
noch frei und bevor. 

Am 5. Februar 1599 fragen die Märkermeister nochmals wegen 
der Execution an, Ebell habe sich sowol Geld als auch Pfand zu 
geben geweigert, der Schultheiß den empfangenen Befehl nit exequiren 
wollen, flirgegeben, dass er Niemand der sich Pfand zu reichen wei- 
gere, dieselbig ohne fernere Specialbefehl abdringen dürfe, — sie bitten 
entweder wirkliche Hülfe zu befehlen oder sie in Schriften günstig 
zu verständigen ; sie erbieten sich gleichmässig zu Gegendiensten : 
„Gott hiemitt in Eill befohlen, und geben üb. Erlenbach 5. Febr." etc. 
Job. Ludwig von Glauburg und Joh. Ufstainer theilen darauf 
denselben am 8. Febr. mit, wie der Rath nach vorgelegtem schrift- 
lichen Befehl des Herrn Waldpotten anderer Meinung worden, dafür- 
gehalten es sei so lange zuzusehen bis dem ufferlegten Befehl ein 
Genüge gethan. — Mglb. E. 30. IV. — 

Auch in andern Rechtssachen wurden die Obrigkeiten gelegent- 
lich um Hülfe wegen Executionen angegangen, besonders in solchen 
wo den Markbeamten keine Möglichkeit gegeben war auf andere 
Weise sich an Person oder Sachen zu erholen. Es schreiben am 
22. Febr. 1630 der Keller und die Märkermeister an den Rath : Ein 
Bürger der Stadt Frankfurt, Hans Scherer, auf der Allerheilgengasse 
wohnend, habe vor etlichen Jahren dem Fürsten Landgrafen Friedrich 
seine zu Hombergk vor der Höhe gehabte Mühle verkauft, einen 
Nebenbau davon abgebrochen und wider die uralte Markordnung 
ausserhalb der Mark veräussert, und nach Frankfurt verwendet 3T . 
„Deßhalb er auf dem Märkergedingtag gerüget, und nach Hombergk 



" Die Markordnung verbot «Holz, Kohlen oder andres aus der Mark in 
ander Pöege oder Gebiet" zu fuhren. 



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- 330 - 

über 14 Tagen hernacher die büße zu theydingen gebeißen, aucb ihm 
50 f. gesetzet worden." Man habe der Zuversicht gelebt dass er die 
Gelder erlegen werde, nach lang gehabter Geduld und unterschied- 
lich gütlichem Mahnen wolle man „den Markproceß widder ihn ge- 
brauchen", notificire dies dem Rath, bitte aber zuvor: der Rath wolle 
hilfreiche Hand leisten, deu mehrerwähnten Seherer anhalten, dass 
er „Zcyger dieses, unserm zehrungswUrtt, Wilhelm Heyers von Hom- 
bergk, welchem diese Gelder anstatt Zahlung von uns bereits ange- 
wiesen, crmelte 50 f. abbezahlen müsse". Ein Rcsolutum steht nicht 
dabei, auch ist nicht angegeben ob die Anweisung sonst honorirt 
worden. 

Die Sc hu Itheissen. — Bei diesem innigen Verhältnis« der 
Obrigkeiten zu der Mark waren es besonders die Schultheissen, welche 
als Beamte der Herrschaften, zugleich als Vorsteher der Dorfschaften 
von grossem Einflüsse waren. Die Schultheissen erhielten von den 
Regierungen Instructionen, wie sie sich in den Markangelegenheitcu 
zu verhalten hätten. Es findet sich eine solche für den Schultheissen 
Barthel Hildebrandt zu Bonemess aus dem Jahre 1595 in dem fasc. 
Mglb. E.29. III. S. 150 aufbewahrt: derselbe aolle sich in der Frage 
wegen der streitigen Wiesen von den mehreren nicht absondern, 
jedoch mit dem Protest: dass er an dem Process bei dem Reicbs- 
kammergericht nichts zu thun haben wolle. Er solle Uber den Ver- 
lauf in Schriften der Gebühr zu referiren wissen. — Andererseits 
gelangten au sie die Bestellzettel aus der Homburger Canzlei; sie 
wurden angewiesen zu erscheiuen zum Märkergeding „mit den Mit- 
nachbarn und Märkern". Der Schultheis war der eigentliche Ver- 
treter des Dorfs und der Dorfangehörigen; erst in ganz später Zeit, 
als die Verhältnisse schon ganz verrückt waren, Hess er sich mit dem 
leeren und unrichtigen Ehrennamen eines „Markschultheissen" be- 
liehnen. Früher wurden sie nur nach ihrem Dorfe benannt. Als 
Vertreter seines Dorfes gab der Schultheis die Stimme ab Namens 
desselben, so besonders bei den Wahlen; war er einzuladen bei deu 
Markuragängen ; sass er im Gericht und in den Markversammlungcji 
von denen weiter unten noch die Rede sein wird. Die 5 Ortschaften 
welche als Hauptorte genannt werden, stellen in ihren Schultheissen 
eine Abordnung und Vertretung der Herrschaften dar. Durch die 
Schultheissen wandte »ich das beschwerte oder das klagende Dorf 
an seine Regierung, und diese beachtete gewiss die Klage mehr oder 
weniger, je nachdem der Schultheiss durch seine Persönlichkeit sie 
unterstützte. Johannes Bilger, Schultheiss zu Dürckelweil, bat 1617 



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331 - 



um lntercession, weil der Keller zu Homburg einen Dürckelwciler 
habe eintreiben und bekümmern lassen. Nach altem Herkommen 
habe Dürckelweill den Gontzenheimern eine Zinne oder Schlagthor 
zu machen, dazu sie Bauholz gehauen, das aber von den Gontzen- 
heimern vor dem Verbrauch sonst verwendet worden. Die Sache 
sei so liegen geblieben und 4 fl. ßuss erkannt aber nicht erlegt wor- 
den. Der Keller habe die Gontzenheimer als llomburger Unter- 
thanen geschont. Daraufltin verlangt am 21.0ct der Rath dass der 
Keller den Dürckelwciler der Verstrickung entlasse und die Gemeinde 
mit Unkosten verschone. Mglb. E. 29. IV. S. 79. — 

Die Bürgermeister. — Neben den Schul theissen waren noch 
in jedem Dorf 3 Schöffen oder Bürgermeister, welche den Schul- 
theissen in seinem Amte zu unterstützen hatten , besonders auch das 
Rechnungswesen führten. Sie werden noch um das Jahr 160 > als Ge- 
richtsschepf, ja auch als Markschepff bezeichnet. Sie nehmen an den 
Markumgängen Theil und an den engeren Versammlungen. Die 
Vergütung für Zcitversäumniss wurde (in den späteren Zeiten) iür 
den Bürgermeister halb so hoch berechnet wie für den Schultheisscn ; 
diesem wieder war gestattet 4 Schwein in die Eckern zu treiben, 
wenn der gemein lantman ein Schwein eintrieb. In früheren Jahren 
genügte eine geringere Auszeichnung; für die Hohe Mark wurde im 
Jahr 1599 bestimmt dass jedem Märker 3 schwoin einzutreiben er- 
laubt sein solle, dem Schultheissen vier. 

Wir lernen den amtlichen Kreis dieser Vorsteher am besten aus 
den Markordnungen der Seulb., Erlenbacher etc. Mark kennen, wenig- 
stens was die polizeiliche Stellung betrifft „Schultheißen und Bur- 
germeistere sollen ungebüer anbringen so oft sie etwa» rugbahr 
sehen", sie sollen „ebensowohl als die Förster zu rügen schuldig sein' 4 . 
Dieweil „in dem Tituli vom Holzausgeben mehren theils auf der 
Schultheißen und Burgermeistere Erkenntnisse gegangen und ihren 
versiegelten Bescheinigungen fürnamblich Glaub gegeben wird . . . 
sollen sie die Märkermeistcr damit nicht bodriegen". Es sollen 
Märkermeister und Schultheissen „in den Mark Hecken umbh ergehen 
und zusehen, daß die Baue in redlichem Wesen und guter Besserung 
erhalten und nicht zu scheydern gehen". „Zu einem newen Wohn- 
hause, wenn die Schultheißen und Markschepffen eines jeden Orts 
die lange, Weitte etc. ermessen, . . sollen sie alsdann die Märker- 
meistcr darvon berichten, die dann ferner uff ihren der Schultheißen 
und Markscheffen zugeschickten Schein (welcher unter des Schultheißen 
Sigell verschlossen sein, und alle umbstendliche Gelegenheiten .... 



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Inhalten soll)" das nöthige Holz erlauben. Jeder welcher Holz be- 
nöthigt, auch erlanget hat „wie er nicht Macht hat ohne der Forsterer 
hey wesen einen eintzigen stamm zu hawen, soll also auch dahin ver- 
bunden sein, dasselbige Holz, sobald erß zu seiner Gewahrsam be- 
kommen und ehe es von der Fuhr abgeladen wird durch seinen 
Schultheißen und Bürgermeister, die es ihm zuvor erkannt, besiech- 
tigen zu lassen 0 . Auch der Förster Wahlen wegen ist beschlossen 
worden „daß die Markschultheißen beneben den Markschepffen auf dem 
Märkergedinge das beste darzu rathen sollen' 1 . Endlich sollen Wald- 
bussen „Montags nach Quasimodogeniti gesetzet, durch jeden Mark- 
schultheißen von seinen Amtsbefohlenen Untertbanen beipracht und 
den Markermeistern eingeliefert werden". Mglb. E. 30. III. Diese 
Beispiele der polizeilichen Amtspflichten der Schultheissen und Bür- 
germeister in Betreff der Mark mögen hier genügen. 

Es lag in der Gerechtigkeit der jeweiligen Obrigkeit Schultheis* 
und Scheffen des Orts zu ernennen und auch abzusetzen. Als im 
Jahre 1435 Harheim und Caldebach um fl. 3000 der Stadt Frankfurt 
verkauft, resp. versetzt worden, mit Zubehör und Leuten, übte der 
Rath dies Recht aus. Indess scheint es dass der Wunsch und der 
Vorschlag der Ortschaften gehört wurde; es heisst im Jahr 1488: 
dieweil der „alte Schöff" zu Harheim altershalber unvermüglich ist, 
ihme des Scheffenstuhls erlassen und andern an seine Stelle setzen 
und kiesen; sollen die von Harheim bis Donnerstag über 8 Tagen 
etliche Männer zum Scheffenstuhl tauglich verzeichnet beschrieben 
geben. Die Scheffen von Harheim sollen es halten wie von Alters 
gehalten worden ist, an Gericht zu sitzen und Sachen zu verhören. 
Im Jahre 1512 wurden die Dörfer wieder von Königstein gelöst. 
Es sind Johann FroBch, Schöff, und W eicker Frosch, Bürgermeister, 
zu Harheim und Caldebach gewesen und haben die Männer ihre Eide 
lcdig und los gemacht und die ftLrter ihrem gn. Herrn zugestellt. 
Vergl. Lersner, Chronik, II. S. 663 ff. 

Ueber die Absetzung des Schultheissen findet sich in den Seul- 
berger, Erlenbacher Mark- Akten (Mglb. E. 42. Nr. 32) ein interessan- 
tes Beispiel. Am 8. Dec. 1601 Uberreichte der Pfarrer zu Nieder- 
Erlenbach die Anzeige dass er kein Holz aus der Mark ausserhalb 
der gewöhnlichen Tag bekommen könne, er bewohne die Burg zu 
Nieder Erlenbach, die habe doch Gerechtigkeit in die Mark zu fahren 
Auf dem Ausschusstag habe des Raths Schultheiss und der eltiste 
Gerich tsschöfle dabei gesessen und E. Erb. Raths Gerechtigkeit fast 
übergeben, wie sich denn der Keller zu Homburg dessen, etwa s 
lachenden Mundes, gegen den Pfarrer vernehmen lassen. Wurde bei Rath 



- 333 - 



beschlossen: Soll man den Schultheisseil und eltisten Gerichtascbeffen 
von Nidder Erlenbach beschicken, der uflagen halben zur red stellen. 
Leidheck der Bereiter bestätigt des Pfarrers Aussage, derSchultheißs 
aber und Peter Krauss, der älteste Grerichtsschöff, stellen es in Ab- 
rede „ward aber etwas erschrocken in seinen Beden". Der älteste 
Schöff stiess die Worte heraus: ein alter Mann habe zu ihm gesagt, 
sollten nit darin willigen sonsten müssten sie etwan daraus dem 
Pfarrherrn Holz zur Frohn fuhren. Der Bereiter giebt noch an, 
dass er protestirt, der Keller aber mit lachendem Mund gesagt habe: 
Was es viel Protestirens bedürfe, sintemal E. Erb. Raths Bauern 
sich selbsten dieser Gerechtigkeit begeben. Darauf wurde am 15. Dec. 
beschlossen: soll man beede Ihrer Aempter entsetzen und einem 
Jeden f. 50. zur straff abnehmen, welche straf zu besserung des 
Pflasters zu Nidern Erlebach angewendet werden soll. Die Venu% 
theilten, Arnold Scheffer der Schultheias, und Peter Krause der Schöff 
bringen nun Zeugnias von den übrigen Schultheis und Gerichten 
bei daas sie das Behauptete nicht gesagt, bitten sie in ihren Aemtern 
zu belassen. Den Märkern überhaupt sei der Gebrauch der Mark 
beschränkt worden, somit auch der Burg. Es wurde darauf be- 
schlossen: Soll man sie zur Zeit noch bei ihren Aemtern verbleiben 
lassen, bessere Erkundigungen einnehmen. 

Die Märkermeister. — Weit wesentlicher als die Beihülfe 
der Obrigkeiten war die Stütze welche die Märker in ihren eigenen 
Beamten, besonders den Märkermeistern hatten. Wie die Schult- 
heissen das Dorf vertraten, so die Märkermeister die Mark. Sie 
stellen die eigentliche, wahrscheinlich uralte Obrigkeit der Märker 
dar. Ihr Kampf mit den eigennützigen Bestrebungen des Waldbotten 
ist ein sehr beachtena werther; erst als dieser die Wahl derselben 
ganz in seine Hand bekam, dies besonders in der Seulburger, Erlen- 
bacher etc. Mark, war die Selbstbestimmung der Mark rettungslos 
verloren. Wir finden bei dieser selbstgewählten Obrigkeit den Dua- 
lismus; die Märker scheuten sich die geringe Gewalt, welche sie ihr 
eingeräumt, in eine Hand zu legen, auch wechselten sie ab mit den 
Ortschaften aus welchen die Märkermeister genommen wurden; doch 
behielten zuletzt die mächtigsten oder einflussreichsten Orte eine 
Bevorzugung, so Oberursel und Bonames. Der Versuch für die Ort- 
schaften jenseit der Höhe im Jahre 1438 einen dritten Märkermeister 
zu bestellen, wurde von den Märkern selbst wieder zurückgenommen. 

Die ältesten Aktenstücke welche wir aus der Hohen und aus 
der Seulberger, Erlenbacher etc. Mark besitzen, befassen sich be- 



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reite mit dem Streit über die Wahl und die Befugnisse der Märker- 
meister. Auffallender Weise befindet sich dabei in der letzteren 
Mark eine symbolische Uebuiig festgehalten welche sich in der Hohen 
Mark nicht mehr vorfindet. Es ist dies das „Eid staben" welche« 
als die Ursache des Streites über die Wahl der Märkermeister im 
Jahr 1482 angegeben wird. Jährlich, so heisst es in einem Bericht 
Ludwig des Rathschreibers, wann man ein Märkergeding hat gehal- 
ten, so hat ein Märkermeister sein Stab vor sich in die Erde ge- 
steckt, und hat die Mercker um das Melkermeister Ampt gebeten, 
und wenn ihm dies wieder zugesagt worden, „so ging dcrselbig 
Melkermeister widder zu seinem stabe den er vor sich inne die Erd 
gestossen hat und globet demselben stabe von der Mark wegen" w . 
So sagen die von Petterweil, von Obern- und Niddcn Erlebach, sei 
es von altem Herkoramen auf sie kommen. Darüber war aber Irrung 
entstanden, in Folge deren die Wahl eines Märkermeisters unter- 
blieben war. Denn Se. Gnaden der Jungher von Eppenstein als 
oberster Waldbott behauptete dass ein Merkermeister der Mark zu 
geloben nit schuldig sein solle, sondern dass ein solcher, so der zu- 
gelassen werde, ihm gelobe; das wäre billig und ein alt Herkommen, 
und werde auch in der Urseller Mark, welche zum nächsten dabei 
sei, also gehalten. Er begehrt an die Amptleute und die Märker 
solches gütlich zu besehen, dass man Märkergeding halten und die 
Mark bestellen möge. Er sei nit der Meinung den Märkern an ihren 
Rechten und Herkommen Abbruch zu thun, sondern die Mark mit 
Rath derselben zu bestellen. Als nun die Märker sich besprechen 
wollen, hat ein Eppensteinisch Schultheiss öffentlich gerufen, was 
Eppensteiner sei, soll uff ein besonder Ort gehen. Darauf die von 
Petterweil und Niedern Erleubach „bei eyn gangen" und meinten 
Ober Erlenbach sollte auch bei sie gangen sein, nachdem sie bis an 
die Zeit, einer Meinung mit ihne gewest weren. Als die aber besun-. 
der ,.by eyn gangen" und Bintze der Schultheiss, der bis uff das 
vergangen Jahr seine 30 Jahr und länger Märkermeister gewest war, 
bei ihne stunde, hat der Eppensteinisch Amtman weiter geredt: be- 
gehrt zu gewilligen dass der Märkermeister seinem gn. Junghem 
globdc, und obe das Bintze thue, wolle er ihn zu einem Märker- 
meister ufnehinon, wolle er es aber nit, so wolle er ein andern 
nehmon. Nach einigem Bedenken haben die von Isenberg, Solms 
und Krankfurt „von ihren Herschaften und Dorff wegen" wider 

3 " Der Stab als Symbol des Besitzens nnd Ucb Aufgebens der Gewalt , a. 
Grimm, Rechtsalterthümer 8. 137. 



reden lassen: das sei nit von Alters Herkommen, Bintze der da zu- 
gegen, sei bei 30 Jahre Märkermeister gewesen, und habe solches 
Amtes halben keinem Herrn von Eppenstein nie gelobet; als er zu 
erste Märkermeister geworden sei, habe es die Gestalt gehabt, dass 
die Märker ein merklich Gespanne mit Sr. FürstL Durchl gehabt 
haben: „da war ein Adelman Märkermeister, genant Pawl von Irlen- 
bach, der war alt und unverraüglich worden, hatte darum wegen 
der Gezenke die Märker gebeten einen andern Märkermeister zu 
machen, da hatte derselbe Pauli von der Märker wegen von Bintze 
gelobde Ober das Märkermeister Ampt genommen. Es sei auch ein 
alt Herkommen das* auf der Aue ein jegKcher Märkermeister auf 
dem Märkerding pflege ein stapp für sich in den Wasen zu stecken 
und damit zu sagen: Ich stecke die Mark dahin, und sag das Mär- 
kermeister Amt damit uff. Und so er dann wieder darum bäte, so 
antworten die Märker dass er widder an den stab griff, und das 
Amt des künftigen Jahres widder an sich nehm bei der globden so 
er vor gethan habe. Also sei es auch bei Bintzsn nit anders gehal- 
ten worden und sei keiner in der Mark dem gedenke dass es je 
anders gehalten worden sei. Das hat der Eppensteinisch Aratman 
auch abgeschlagen und zu Bintzen gesagt ob er das Markermeister 
Amt annehme und Ime Beinem gn. Jungherrn darüber geloben thue, 
woll er ihn darzu bestettigen. Daruff Bintze geantwort und gesagt 
hat: wo das der Märker Wille sei wolle er es tbun. Da haben die 
Eppensteinschen .... gesagt ja . Isenberg, Solms und Frankfurt 
Amtlude und Freunde haben in kein Neuerung gewilligt, sind hin- 
weg geritten, haben ihren Männern gesagt auch abzuscheiden. Also 
hat Bintze, derAmtman, gelobt". „Wie aber, ist uns nit wissend" fügt 
der Frankfurter Berichterstatter bei. 

Im Jahre 1483 auf Walpurgistag wurde ein Märkerding gehal- 
ten „brantshalb damit die Mark beschädiget worden war 11 . Die von 
Petterweil und Nyddern Irlebach entgegnen dem Märkermeister 
Bintze, der sie büßen wollte, sie halten ihn vor keinen Märkermei- 
ster, er sei nit erwählt als von altem Herkommen sei. 

Zwei Jahre darauf war Bintze der Märkermeister mit Tode ab- 
gangen. Erwin Togel oder Dögel wurde an seiner statt gewählt. 
Dieser hat gebeten ihm das zu erlassen, auf bitten gesagt: wo er 
zugelassen werde, wolle er Inen allen zu willen reden. Da saget 
VValther von wegen seinem Herrn von Eppenstein: „sei nit der 
Meinung einen Stab stecken zu lassen". Da hat Erwin sich des 
Märkermeister Ampts eutHchlagen. Hat Walther die Märker geheissen 
einen andern zu kiesen, der ime anstatt seines Herrn globde thu; 



- 336 - 

haben Isenbergk und Solms von Petterweil wegen gesagt : sie haben 
gekoren, da lassen sie es bei, und seien nit schuldig einen andern 
zu kiesen, geptlre auch nit Inie die globde zu thun, und sind damit 
das an die Herrschaft zu bringen, abgeschieden. Sie wollten in kein 
andern gebiliigen. 

Darauf blieb die Mark unbestellt, wie bereits initgetheilt wor- 
den, bis im Jahre 1490 durch die Abgeschickten der Obrigkeiten 
das Märkerding auf Sonntag Lätare abgehalten, Erwin Dogel, Amt- 
mau zu Erlebach, wieder zum Märkermeister erwählt und von Phi- 
lips von Buches in Pflicht genommen wurde. Im folgenden Jahre, 
als der gütliche Tag zu Germersheim abgeschlagen worden, erschie- 
nen auf dem Märkerding, Sontag Lätare : Herr Fried, von Dorfeiden 
und Georg Meyer, Schreiber, von wegen des wolgebornen Jung- 
hern Philippen Grafen zu Solms; Philips von Buches und Diether 
von Lutern von wegen des wolgep. G. Ludwigen von Iseuberg, 
Grafen zu Büdingen; Balthasar von Eschpach von wegen der Herr- 
schaft von Königstein ; und Wyker Knobelach sammt Melchior Swar- 
tzenberger, Radsschreiber, von wegen des Rats zu Frankfurt; und 
redt Georg Schreiber, wie sich die Merker allwege uff den Augen- 
schein erboten haben, also sei sein gn. Herr ein zukommender Herr 
der Mark und „wyß nit wyters, wann sin gnad underricht werde". 
Desshalb sei Herr Friedrich und er also abgefertiget, die Männer 
sollen wisen wie von alter, doch jeglicher Parthei irs rechten unbe- 
nommen. Die Märker haben darauf aus jeglichem Dorf vier erweh- 
let, die sollen sich besprechen und den Herren „mit Willen des land- 
mans Ire Gerechtigkeit wisen 11 und nachdem sie bedacht waren 
haben sie also gewiesen : Zuerst dass der Homberg inhab ein oberster 
Waltpode der Mark sei ; darauf über dessen Befugniss zu jagen in 
der Mark ; sodann dass der Waltpode das Recht habe frevelnde Aus- 
marker gefänglich zu halten und gnädiglich zu schätzen. Es folgt 
darauf viertens dass die mark der Herren Eigenthum sei und der 
Märker Erbe. Dann heisst es: die Männer sagten dass sie sich irthen 
wer den Märkermeister eidigen soll, sie haben alwege gehört dass 
sie den Märkern geschworen haben, aber es sei keiner zugegen, 
dem gedenk, dass je ein Märkermeister geschworen hab, sondern 
alweg bei den Eiden die er vorgethan hat, bleiben lassen. Wohl hab 
Bintz dem von Epstein vor Jaren gelübde gethan, sei aber wider 
Willen der Märker bescheen, sie haben auch uff der Zeit gesagt : 
„Byntz sy durch den Karren gefallen". Darauf haben sich die Ge- 
schickten bedacht und vereinigt den Märkermeister gemeinsam an 
beeidigen bis zu einem schliesslichen Vergleich. Der lantman wäUHe 




Erwin Dogeln zu einem Märkermeister , der also von beiden Par- 
thien geeidigt worden ist „bei den eyden die er vormals den herren 
und dem Rat dwil er ir iglichem inn sunderheit gcsworen were das 
best zuthon befolen, das er also gelopt hat 8 . Mglb. £. 29. II b S. 144 ff. 
— E. 30. No. 2. 

Es zeigt uns anch dies Beispiel wie wenig die Grundgesetze 
der Marken festgestellt waren, wie vieles von den Männern abhing, 
welche einerseits den Lantman leiteten, andererseits dem Waldpotten 
als Räthe dienten. Erwin Tögel war vielleicht der tüchtigste Melker- 
meister unserer Marken, nie mehr späterhin hat der Lantman in den 
Verhandlungen eine so würdige und so gewichtige Stellung einge- 
nommen wie unter seinem Meisterthum. Nicht lange nachher ist es 
den gewandten und schlauen Beamten des Waldpotten, Diether 
Gewend und Georg Vestenberg er, gelungen dem letzteren eine bevor- 
zugte und Uberwiegende Stellung zu verschaffen ; so wurde dann das 
Recht mehr und mehr in diesem Sinne gedeutet und abgeändert. 

Es ist sehr merkwürdig das» noch im 15. Jahrhundert über die 
Frage wer die Märkermeister zu verpflichten hätte Streit in der Seul- 
berg-Erlenbacher Mark entstehen konnte, in der Hohen Mark war, wie 
es scheint ganz richtig, die Wahl dem Lantman zugewiesen, die Be- 
stätigung aber dem Waldpotten, dem Sendboten des Königs. Unter- 
blieb die Bestätigung in einer Weise dass das Wohlergeben der 
Mark dadurch litt, in solchem Falle griffen dann die Regierungen 
ein. Die Akten fuhren kein Beispiel auf dass die Märker beschwerend 
sich an den König und Kaiser selbst gewendet. Klagen bei dem 
Reichskammergericht kommen vor, auch Entscheidungen, aber nicht 
immer waren diese durchzuführen. 

Die älteste Urkunde der Hohen Mark, der Bericht über das 
Märkerding anno 1401 feria quarta infra octavas pasche (13. April), 
gedenkt der Märkermeisterwahl. Diese sollte auf St Katharinentag 
geschehen, war aber, wie es scheint, im Jahr 1400 unterblieben. Es 
wurde bemerkt „daß noth sei daß man zwene Merckermeister Betze 
und die Marg bestelle als man auf St. Kathrinentag thun sollte, und 
meinte da Schudereyn, der Schultheiß zu Hoenberg, daß der Wal- 
pode die erste Kore haben solte; darzu geantwortet ward: der Wal- 
pode hätte kein Kore, dann wen die Edelleute und der lantman 
erkoren, den hätte der Walpode zu bestedigen". Damit war die 
Frage entschieden, es traten die Edelleute bei Seite und auch der 
lantman, und koren zu Melkermeistern Fritz eehen Clemmen und Da- 
men von Prunheym „zwischen hie und St. Katharinentag als 
man dann gewöhnlich neue Merckermeister setzen soll*. Das wollte 



338 



sich das Fritzechen nit unterziehen; da erbat man Hennen Clenuneu 
den Bruder, dass er sich des an seiner statt unterzöge , und also 
gelobten Henne und Damen, vorgenante, dem Walpodeu in sein 
Hand der Marg getreulich vor zu sein und zu versehen und zu schir- 
men, und gleich damit umzugehen dem Armen als dein Reichen, und 
das um keinerlei sache nit zu lallen, als fern als ihn der Waipode 
auch nach seinem Vermögen darzu getreulich behelfen wollte". 

Auf dem Märkerding St. Katharinen tag desselben Jahres 1401 
wurde dann geweiset: „wen die Edelleute und der lantman zu Mer- 
kermeistern kiesen, den hat der Waipode zu bestedigen und ihn 
darüber lassen geloben und schwören: der Marg getreulich für zu 
sein, sie zu versehen, zu schüren und zu schirmen, und gleich da- 
mit umzugehen dem Armen als dem Reichen, und das um keinerlei 
Willen zu lassen, als fern ihne kraft und Macht getragen mag und 
als ferre als ihne der Waipode aucli nach seinem Vermögen dazu be- 
hülflich sei, das er auch also thun solle ungefährlich*'. Ks wurdeu 
dann zu Märkermeistern gekoren, ein Jahr zu sein, als der Marg 
recht ist: Henne ülemm von Hoemberg und Heinrich von Belders- 
heim „und dieselben Merckermeister haben heute zu Tage Conzchen 
Brendel von Hoemberg, als an eines Walpoden stat, gelobet der 
Marg recht zu thun". 

Auf dem feierlichen Märkerding 1484 wurde auch wegen der 
Märkermeisterwabl geweiset: „Und wer also auf den Tag zum Mar 
kermeister gekoren wird, den hat der Wald bot t zu bestettigen, und 
soll er sie darüber lassen geloben und schweren der Mark getreulich 
für zu sein, die zu versehen, zu schauwern und zu schirmen, und 
gleich damit umbzugehn den Armen als dem Reichen, und das umb 
keiner Bachen willen zu lassen, als fem ihm K rafft und Macht tregt, 
ohn alles gefehrdte". 

Bei Gelegenheit der Besprechung des Waldpotten und seiner 
Befugniss ist bereits des Streites gedacht welcher im Jahre 1541 auf 
dem Seulberg-Erlenbacher Märkerding über die Wahl des Märker- 
meisters sich erhob. Der oberste Waldpott berief sich darauf dass 
die Mark mit Rath der gem. Märker solle bestellt werden. Diether 
Gewend, der schlaue Rathgeber, verfocht dieses Recht seines Herrn, 
des Grafen Ludwig zu Königstein, als dieser Zeit obersten Wald- 
potten. Zugegen waren auf dem feierlichen Märkergeding neben dem 
obersten Waldpotten in Person, Graf Philips Herr au Sulmbs, Graf 
Anthoni von Eyseuburgk, Herr Ulrich von Hinzspurck und Justi- 
niau von llolzhusen für den Rath und die Stadt Frankfurt , endlich 
die lugehörende Markerman, Dorff und Klecken Sewelnburgk, Cop- 



- 339 - 

pern, Petterweyl, Holzhusen, Ober Irlenbach und Nidder Irlenbach. 
Den Ansprüchen des obersten Waldpotten entgegen liessen die Mär- 
ker durch ihren Redner vortragen dass seit 20, SO, 40 Jahren, auch 
seit Menschengedenken nicht vorgekommen dass ein oberster Wald- 
pott ein Merkermeister hätt mit helfen kiesen, sondern der gemein 
Merker habe den Melkermeister gekoren, dem obersten Waldpotten 
die Wahl angezeigt und gebeten den gewählten zu bestätigen und 
in Kid zu nehmen. Ebenso hat der Graf Philips, Herr zu Sulmbs, 
in eigner Person Graf Ludwigen fleissig erinnert, dass dergleichen 
Wahl nie vorgenommen wäre worden, weder zu Zeiten der Hanaui- 
schen Herrn, als der Zeit einigen Herrn dieser Gemark, noch vol- 
gends bei dem landgraven zu Hessen, noch volgends bei andern 
Herrn und wieder bei dem lantgraven zu Hessen der Wahl halben 
ein Intrag geschehen. Graf Ludwig aber hat den Buchstaben des 
Instruments (von 1493) f urgezogen „daß ein oberster Waldpott die 
Mark mit Rath der gemein Märker bestellen soll, dies bringe mit 
sich dal* er als ein oberster Waldpott mit zu kiesen habe". Es wurde 
gegen diesen Grund angegeben : der Gebrauch solcher Wahl sei älter 
als das Instrument, welches erst 48 Jahr alt sei. Graf Ludwig erwi- 
derte: dieweil.es zeuge solle es billig in seinem Buchstab gehalten 
werden. Er sei ein oberster Waldpotte und dieser Zeit der Gemark 
Pfandherr, müsse das Instrument in seinem Buchstaben handhaben. 
Da hat der Amtmann zu Königstein die Dörfler getrennt und die 
von Seulberg und Köppern beredt, bei dem Instrument zu bleiben. 
Darauf ist Graf Ludwig zu ihnen geritten, gesagt, er lass ihnen den 
Amtinan Fleckenburg zu, wo sie mit ihm zufrieden wären, wollten 
sich mit einander einigen. Das mag auf den Lantman Eindruck ge- 
macht haben, er hat sieb „solchen Vorschlag gefallen lassen, one 
Erwegen ja gesagt". Graf Philips von Sulmbs, sammt Grafen An- 
toni und den Abgeschickten von Frankfurt „so diese listige Wahl 
vermerkt" haben nochmals gebeten den gemein Merker allein kiesen 
zu lassen, diesen auf den Vortheil der Wahl erinnert, welchen sie, 
als die unverständigen, nicht gemerkt noch verstanden hätten. Der 
Waldpott malmte man möge es jetzt bei geschehener Wahl bis zu 
künftigem Merkergeding bleiben lassen. Isenburg und Sulmbs da- 
gegen warnten: einmal nachgelassen, wäre immer nachgelassen, hülfe 
keine Protest&tion, der gemein Merker wolle bei altem Herkommen 
bleiben. Allein die Gemerker Seulburg und Koppern sind abgefallen, 
sonderlich die jüngsten unter ihnen schrieen: „sie wollten bei dem 
Instrument bleiben*. Bei der Abstimmung traten sie auf die andere 

Seite; sie waren die Minderheit Die andern begehrten, dass Graf 

22 • 



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Ludwig bei dem Mennig (Mehrheit) der Wahl bleiben soll. Dess sich 
der geweigert: „es wolle ihm als einem Pantherrn nit gebüren des 
landgraven Angehörige aus ihren Gerechtigkeiten zu bringen, solches 
wüsste er gegen den landgraven nit zu verantworten; er wolle es an 
den landgraven gelangen lassen 8 . 

Dass die Mark nicht gar unbestellt bliebe haben Sohns, Ysen- 
burg und Frankfurt darauf sich mit dem Waldpotten verglichen, 
dass die Forstknecht so von gemein Märker zu Mitfasten gewählt 
worden bis zu nächster Bestellung bestätigt sein sollen. Nach dem 
Mittagsmahl in Ober-Erlenbach haben dann die gedachten Herrschaf- 
ten für gut befunden keinen weiteren Tag mehr zu verlangen, son- 
dern ihre Unterthanen bei ihren Gerechtigkeiten bleiben zu lassen, 
oder das Recht auch am kaiserlichen Kammergericht desshalb ge- 
wärtig zu sein. Es fand in demselben Jahre 1541 noch ein zweites 
Märkerding statt „vermög der Tagsatzung jüngst in Frankfurt be- 
scheen"; der Waldpott weigerte sich Johann Fleckenberg, den Amt- 
man zu Peterweil als Märkermeister zu bestätigen. Die andern Herr- 
schaften wandten ein, dass der Buchstab des Instruments nit ex- 
presse mitbring dass ein Walpott mitzuwählen habe, dagegen von 
altem Herkommen sei, dass die Märker den Märkermeister unter sich 
wählen auf Bestätigung des Walpoten. Dieser aber schlug es ab, 
Seulberg und Koppern hätten das Herkommen nit zugestanden, er 
wolle solches an Hessen gelangen lassen. Erst fünf Jahre später, 
1546, erschien Diether Gewend auf begehren des Ausschusses der 
gemein Märker bei ihnen zu Ober Erlenbach, beredt sich mit ihnen 
einer Ordnung und hat sich verglichen. Des Merkermeisters halben 
ist bewilligt ein Jahr lang Johann Fleck enpühell (Fleckenberg) mit 
Eidespflichten anzunehmen und zu bestätigen durch Verordnete des 
Waldpotten. 

Vielleicht waren es die obschwebenden Verhandlungen in der 
flohen Mark, welche Diether Gewend bewogen fttr's erste in der 
Seulb. Erlenbacher Mark sich nachgiebig finden zu lassen. In 
späteren Jahren wurde die Wahl der Märkermeister in den vorbera- 
thenden Ausschussversammlungen vereinbart Im Jahre 1588 heisst 
es: Markmeister anlangend ist gemeiner Ausschuss bedacht schierst 
künftigen Sonntag Lätare auf dem Markgeding auf's neue einmttthig- 
lich zu bitten den Edlen und Vesten Friedrichen von Doebschütz 
uf schadenwalt, Ysenburgischen Amptman zu Petterweil, und den 
Ehrenhaften Wolffhard Falkenstein, königsteinschen Schultheiss zu 
Obern Erlenbach ihr Amt noch ein Jahr lang zu tragen, . . . „darin 
obersten W'altpotten Anwaldt bewilliget und mit denen bißanhero 



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— 341 - 



und auch noch ganz wol zufrieden gewesen". Ebenso wird bemerkt 
im Jahre 1590 dass der Gemeindeausschuss sich bedacht am künftigen 
Mitfaaten Sonntage gen. Laetare auf dem Markgedinge nnd gewöhn- 
licher Wahlstadt einmuhetlich zu bitten die Edlen . . F. von Döb- 
schütz und Rud. Armbrostertl das Markermeister Amt noch ein Jahr 
anzunehmen, . „in welchen Vorschlag Obersten Herrn Waldtpottens 
Anwalde bewilliget und mit denen beiden Personen ganz wol zufrie- 
den und content ist 8 ; dann heisst es gleich weiter: „sind hieruff er- 
petten und für dem Urabstande zue Mergkermcistern confirmirt und 
bestätiget worden 8 . In ähnlicher Weise sind im darauf folgenden 
Jahre 1591 Anthon Zubrot, Sollms Laupachischer Kellner zu Petter- 
weil und Theobald Schefer zu Nieder Erlenbach einmüthiglich 
erwählet, der Vorschlag vom Anwalde bewilligot worden, und 1503 
war der Ausschuss bedacht mit Zutliun der sämmtlichen Märker 
auf's freunds und dienstlichst zu bitten die Ehrenhafte und vornehme 
Wolffnardt Falck enstein und Simon Praun, beide Schultheissen zu 
Ober Erlen pach und Seulberg, welches bewilliget worden. 

In den Berichten der Hohen Mark ist nicht immer der Bestäti- 
gung gedacht, zuweilen ist nur die Wahl angeführt; so im Jahre 1521 
als Eberhardt Schenk der Amtman von Bonamesa von E. Erb. Raths 
wegen, dann Conrad Weiss und Job. Marsteller „sammt etlichen 
Knechten 8 auf dem Märkergeding erschienen. Eberhardt Schenk 
sammt dem Bereiter zu Königstein, beide Märkermeister haben be- 
gehrt „sich und ihre jedem insonder des Märkermeister Amtes zu 
erlassen" und an ihr stell andere zu erwählon. Darauf ist der gemein 
Märker oder lantman durch kurtzen Bedacht dem Amptman und 
Bereiter in Antwort begegnet; „sie bitten sie dafür und haben sie 
auch wider herwählet; das dann die zween widerumb angenommen". 
Aber auch hier kommen in späteren Jahren Beispiele vor, dass trotz 
der Vorschrift des Instruments, der Waldpott oder sein Beamter die 
Bestätigung verweigerte. Es fand dies bereits im Jahre 1595 statt. 
Dr. Strupig, des Waldpotten Gesandter zeigt aut der Au in Homburg 
an, daas auf jüngstem Markerding Philips Wolff von Praunheim und 
Wendell Hoff von Ursell seien einstimmig zu Markermeistern erwählt 
worden. Ersteren wolle er hiermit einsetzen und bestetigen, „denn es 
Ihr f. Gn. fast wohl gefallen, dass er, der Junker, durch gemeinen 
Rath der Märker were zum Märkermeister erwählet worden. Was 
aber Wendell Hoff betreffe, nehme es Ihre f. Gn. Wunder wie sie 
diesen einhellig erwehlet, da er doch nicht der sämmtlichen Märker, 
sondern seinen und seiner Mitbürger Vortheil suchte"; desswegen 
solle er diesmal nicht bestätigt werden, sondern seines Dienstes hier- 



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- 342 - 

mit beurlaubt sein, bis auf künftigen Bartholom«, da es dann den 
Märkem frei gestellt sein solle, ihn beizubehalten oder einen andern 
zu wählen. Herr Philips Wolff thäte sich darauf ganz freundlich be- 
danken, dass mau ihn dessfalls würdig und gut genugsam geachtet, 
wandte seines Leibes Schwachheit vor. Darauf ging der Dr. Strupig 
nicht ein, „er habe Befehl den Jungkern von Pfraunheim zum Mär- 
kerraeister zu bestätigen". Wendell Hoff thet sich gleichfalls ganz 
freundlich bedanken, bemerkte er wolle gar nicht der Rechtfertigung 
halber für partheiisch gehalten sein, er habe es allwege mit sämmt- 
liehen Märkcrn gehalten, und wolle es fUrters so halten. Sie möch- 
ten sehen ob sie ihre einhellige Wahl wollten lassen untergehen und 
zu nichte werden, es gäbe dies ein sonderliches praejudicium, als ob 
man die Märkermeister fllrschneiden wollte. — Mglb. E. 29. III. 
S. 152. ff. 

Wie der Bürgermeister in der Burg und in den Qtädten, so der 
Märkermeister in der Mark. Er vertrat, soweit und wann es nöthig 
war, die Gesammtheit der Märker, er Überwachte die Mark und 
ihre Beamten. Als auf dem Märkerding von 1541 Diether Gewend 
sich auf die neue Ordnung des Jahres 1537 berief, nach welcher 
Ordnung Rechenmeister zu wählen seien, welche Macht hätten zu 
erlauben und zu verbieten, gestanden die Edelleute keine neue Ord- 
nung zu, dieselbe sei nit weiter denn desselben Jahres zu halten ver- 
standen worden. „Wir wissen im Instrument kein Rechenmeister 
vermelt, sondern Merkermeister die Uber die Mark bevelh hätten". 
Mglb. E. 29. IP> S. 112. Die Märkermeister hatten Markknecht und 
Förster mit der lantleute Rath zu kiesen M , zu eidigen und der Mark 
geloben zu lassen; sie konnten pfänden, sie hatten die Bussgelder 
einzunehmen, sie hatten das Holz anzuweisen. Wo es nöthig war 
hatten sie ihre Verrichtung gemeinsam mit dem Schultheissen zu 
vollführen, Armenzettel sollen von dem Schult!) eis« den Märker- 
meistern übergeben werden; es sollen Märkermeister und Schultheissen 
zusammen in den Markflecken umgehen, zu sehen, damit die ge- 
machte Bau in Vesten und Besserung gehalten werden; Bauholz zu 
alten Bauen soll nach unvermeidlicher Nothdurft von Schultheiasen 
und Burgermeistern bescheinigt, von den Märkermeistern aber er- 
laubt werden; erstere werden verwarnet mit ihren Siegelungen nicht 
zu betrügen, letztere aber angewiesen ein fleissiges Insehen auf der 
Schultheissen und Bürgermeister Erkanntnüsse zu haben „damit sie 
von denen nicht fallirt werden 11 . 



39 So 1438 vergl. Mglb. E. II. 8. 9fr. V 



— 343 — 

Nach der Seulberg -Erlenbacher Mark Ordnung von 1588 hatten 
die Märkermeister nnr fl. 3 jährlich Belohnung, aber sie sollten den 
halben Theil der Bussen haben. In der Hohen Mark waren die 
Bussen zum Theil ganz den Märkermeistern zugewiesen, zum Theil 
aber auch den Förstern oder dem Waldpotten. Als im Jahre 1458 
die Lehensherrn wegen des Ausbleibens gebüsst werden sollten, be- 
merkte Bechtold von Eschpach : die Bussen hörten dem Markermeister 
zu, und wär von altem Herkommen dass davon Niemand frei wäre, 
so hätte die Bussen auch Niemand zu erlassen. Im Jahr 1490 als 
Erwin Dogel den Märkern das Märkermeisteramt aufgesagt, erinnert 
er an etliche Kappun und Streng so dem Märkermeister in seinem 
Amt gefallen: und es haben die Märker den Schützen befohlen die 
Bussen in 14 Tagen auszurichten, sonst zu pfänden. 

Die Märkermeister standen wie die andern Märker unter dem 
Gesetz, sie waren über die Ausübung ihrer Befugnisse, besonders 
über dio eingenommenen Bussen Rechenschaft vor dem Ausschuss 
abzulegen verpflichtet Zur Zeit der Neuerungen im Jahre 1545 
wurde ausdrücklich erinnert und festgehalten, so ein Märkermeister 
verbreche, dass er gleich einem andern Märker taidingen und bttasen 
solle, und das Theil so er an gemeinen Bu essen habe, damit auch 
verwirkt, darzu er seines Amts entsetzt sein, und kein Lantman sich 
des Märkeruicistcrs Verbrechen be helfen solle. Früher schon, im 
Jahre 1492, fand eine Verhandlung desshalb statt, (s. Mglb. E. 29. 
II* S. 36 b ) AU die Märkermeister ihre Zettel von den Bügen vor- 
lasen, also hat Guthcim in seinem Zettel mit sammt andern gerüget 
Jorgen Brendel den Märkermeister. Hat J. Brendel sich verantwort 
es möge sein Knecht Holz im Walde geholet haben, vermeine das 
billig gethan als ein Märkermeister, wo er das verbQssen solle möge 
man ihm sagen von wem er Orlaup heischen solle, denn er könnte 
es nit anders verstehen, denn dass die Büge geschee aus Feintschaft ; 
es hab der knecht andere, die er billiger rügen solle, nit gerüget, 
sondern von eym theil geschenk genommen und in's Holz fahren 
lassen. Darnach aufgefordert Märkermeister zu kiesen hat der Lant- 
man gesaget, es befremde sie dass man dem knecht als einem ge- 
schwornen knecht nicht glauben gäb, und gedenke die Mark nit zu 
bestellen, es sei denn dass der Märkermeister btiss, oder sie wollten 
auch nit büssen nach lüde des Instruments: so der Oberst Waldpott 
oder die seinen in der Mark verbrechen, sei ihnen die Mark auch 
aufgethan. Haben sich die Geschickten bedacht, und von keinem nit 
erfahren mögen dass ein Märkermeister je gerüget sei worden; es 
beklagt sich der Lantman dass die Märkermeister die Bussen nit von 



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— 344 — 



den Gewaltigen sondern allein von den Annen nehmen. Am Ende 
heisst es, man wolle Jörgen Brendeln itzund die Rüge nachlassen 
„doch so ferre er sich freuntlich gegen die, so verbrochen haben hal- 
ten wolle". 

Mark er ding. — Es bleibt nun noch übrig einiges über die 
Versammlungen der Märker zu sagen, und über die Art und Weise 
wie sie das Recht in der Mark übten und wiesen. 

In der Hohen Mark fanden die regelmässig wiederkehrenden 
Versammlungen der Märker, in welchen die Mark zu bestellen, Mär- 
kermeister zu wählen waren am St. Katharinentag (25. Nov.) statt, 
auf der Aue unter den Linden südlich vor Oberursel. Es erschien 
auf solchen Tagen derLantman und Märker zwar „für sich" aber er 
stimmte nur nach Dorfschaften. Die Mehrheit der Stimmen gab den 
Ausschlag, sowohl innerhalb der Gemeinde, als unter den Dorfschaften. 
Welcher Märker bei dem gewöhnlichen Märkerding ausgeblieben der 
hatte mehr nicht, als seine Küre verloren j dies galt ebenso von dem 
Einzelnen, wie von der Ortschaft. Im Jahre 1484 wurde der feste, 
unberufene Märkertag deB häufigen Frostes wegen vom St Katharinen- 
tag auf den Mitwoch nach Pfingsten verlegt. 

Die Bezeichnung für diese Versammlung war : Merkerding oder 
Märkerding, später Märkergeding oder selbst Märkergedingtag; einige- 
mal findet sich auch : Märkergericht Mglb. E. 30. II. 1489. 

Sie begannen in der Regel des Morgens, so z. B. im Jahre 1484 
waren die Märker auf 9 Uhr berufen; als in späteren Jahren der 
Besuch lässiger war, wurde die Mittagsstunde festgestellt, bis zu 
welcher die Eröffnung des Tages statthaben sollte *°. 

Es traten die Märker zu einem Kreis zusammen, ..zu einem 
Rink", in welchem die Abgeschickten des Waldpotten und der 
Obrigkeiten, sowie die Mäikermeister und Schultheissen sich befanden. 
So forderte der Waldpott oder sein Bevollmächtigter den Schreier 
auf „die Flecken so Merkorrecht haben zu berufen''. Darnach wurde 
das Märkerding geheget 41 . Dies war durchaus nothwendig, und 



*° So auch wurde in der Seulb. Erlenbacher etc. Mark i. J. 1592 sab 33 
beschlossen, dass fürterhin allen Mitfasten Sontage deme Instrument nach an ge- 
wöhnlicher Wahlstat das Märkergediug um den Schlag 12 Uhren gehalten wer- 
den solle , zu welcher Stund ein jeder Märker bei der strafe erscheinen und 
dasselbige Märkergeding zieren helfen solle. -tUUilmjf^ 

41 Es findet sich dies am besten beschrieben in dem Weisthum über 
Seulb. Erlenbaeher etc. Märkerding von 1493, als gegenwärtig zu Pferd hielt 



- 345 - 

scheint zur Rechtsgültigkeit der Beschlüsse erforderlich gewesen zu 
sein. Auf dem stürmischen Tag von 1586 begann das Markerding 
mit Beschwerden der Märker, es folgten aufregende und beleidigende 
Verhandlungen. Ganz zuletzt erst heget der Keller zu Homburg 
das Merckergeding und sind dann die Rügen verlesen und Märker- 
meister gewählt worden. (Mglb. £. 29. III. S. 125.) Auf dem feier- 
lichen Märkerding Mitwoch nach St Margaretha 1484, als die Märker 
versammlet und verhaufft gewesen, Hess seine Gn. der oberste Wald- 
pott „an seiner Gnaden statt und von seiner Gn. wegen das Märker- 
ding hegen u , und als das gehegt war jeglichem Flecken rufen. 

Es weiset dies hin auf die Bestimmung des Märkerdings , neben 
der eigentlichen Bestellung der Mark auch Gericht zu halten, oder 
besser allgemein gesprochen, Recht zu weisen. Ob neue Mitglieder 
der Mark an solchen Tagen aufgenommen oder dem Märkerding 
vorgestellet worden, darüber findet sich in den Akten nirgends etwas; 
es genügte wol die Aufnahme in die Gemeinde. Das» vor dem 
Märkerding Währschaft gethan wurde, das wird aus dem Jahre 
1438 von dem Müller zu Eschersheim erwähnt; dieser hatte aber 
keine Gemeinde „iu die Mark gehörig". 

Der Waldpott hatte das Recht auch ausser der Zeit ein beson- 
deres Märkerding zu berufen, dazu mussten bei Strafe alle Märker 
erscheinen „mit ihren lehensherrn*. Solche Märkerdinge waren dess- 
halb die besuehteren, sie heissen gewöhnlich „ein voll Märkerding". 
Sie waren meist nur bestimmt unerledigte Streitigkeiten zu ordnen, 
oder auch Rechtsfragen festzustellen oder zu weisen. Dem gebotnen 
Märkerding war die eigentliche Bestellung der Mark vorbehalten. So 
wurde im Jahr 1401 feria quarta infra octavas pasche dem Amtman 
von Hornburg, als er verlangte dass gewiesen werde : „was rechts 
eyn oberster walpodc da hette*, geantwortet: ein Walpode habe auf 
St. Kathrinentag die Marg zu bestellen; weiterhin heisst es noch: So 
mag auch ein Walpodc auf denselben tag den wiltpan bestellen, und 
wie er es bestellet also soll er Ihn auch halten. 



der Ersann Georg Msier . . . Anwalt mit vielen andern Herrn, Edlen und Un- 
edlen, Dienern und Verwandten und sonderlich des gemeinen lantmans, hegt 
Erwin Bogel, der Markenneister auf Geheiß und Befehl das Märkergeding, er 
sagt und rufet überlaut mit diesen oder dergleichen Worten : Von wegen meines 
gn. Herrn v. Hanau als Oberherrn und Waldpotten der gemelten Mark , der 
Homburg mit Ehren und Recht inne bat, und des gemein Märkers, mit aller 
Gewohnheit hege ich dies Märkergeding und Recht, verbiet damit alle Unrecht, 
Wort und Werk; Fraget ob er recht geheget, antworten die Mercker: ja. 



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— — - 

Es finden sich m den älteren Zeiten durchaus keine Vorschriften 
wie der Marker zu erscheinen habe. Waffen mit Bich zu führen war 
dem Mürker nicht untersagt**, auch erschien er zuweilen zu Pferde. 
Von dem Mttrkerding 1524 Dienstag St. Lucas wird bemerkt: „Auf 
soHchs rucket eyn Mendlin (Männlein) von Obern Ursell auf eynem 
Pferd herfür, und sagt er were bescheiden zu redden*. Bei diesem 
Märkcrdmg hielt auch der Schultheis« von Bonemesa nahe dabei zu 
Pferd. Auf dem Märkerding Mitwoch nach Pfingsten 1623 gab der 
Jjantman Antwort durch Henne Urbern, Schultbeissen zu ObernurseU, 
der bei Greßhana von Homburg in einer gelben Kappen auf einem Pferd 
gehalten. (Mglb, E. 29. II" S. 73. 88.) Auch Hie Abgeschickten des 
Raths zu Frankfurt erscheinen gewöhnlich zu Pferd, ja sogar „sammt 
etlichen Knechten 0 . (Mglb. E. 29. II'' S. 57.) Auf dem Märkerding 
Samstag nach St. Katharinentag 1458 meint Simon von Hensheim, 
Schultheis zu Oberursel, wer nit in der Mark gesessen oder darin 
gegndet wäre der solle abtreten; solches ward widerredt ,,dann alle- 
wege gewönlich war gewest, daß man knechte nachgeführt hette", 
dabei das auch blieb **. 

Das Märkerding wie wir es noeh im 15. Jahrhundert finden, 
weist uns zurück auf die alten Zeiten, da die Flur von dem Wald 
noeh nicht getrennt war, da den versammelten Markgenossen die 
Souveränität zustand in der Nutzug ihres gemeinschaftlichen Ver- 
mögens, des Waldes und der Weide, ebenso wie In Politik und Ge- 
setzgebung. Mit Recht wird geltend gemacht, dasB im ganzen 



« 2 Auf dein Markerding des Jahrs 1464 greift der gewählte: Märkermcistor 
Jacob Wyderrette „an seine Armbruste" während er seinem Gegner Friedrich 
Clemme beleidigende Worte zuruft (Mglb. E. 29. ll h . S. 13 ff.) 

« Auf der Landsgemeinde von Appenzell Inncr-Rhoden, welche unter den 
Schweizerischen vielleicht am meisten die alte Form und den Geist erhalten, 
wird das Ausschlicssen der Nichtburechtigten nicht streng durchgeführt, 
so lange sie nicht etwa stören. Ks ist der Tag ein Festtag für das ganze Volk. 
Jeder Volljährige erscheint dabei im besten Kleide, er trägt seine Wehr bei sich, 
einen kurzen Säbel in lederner Scheide, der in der Regel mit dem Regenschirm 
zusammengebunden ist. Es ist der Stolz des freien Mannes dass er mit seiner 
Wehr auftreten darf; dies selbst auf den Landagemeinden von Appenzell der 
äusseren Rhoden. Die Wehr ist ein Zeichen der Ehrenhaftigkeit. Ehrlose er- 
scheinen wehrlos. Während der Dauer der Landsgemeinde stehen die An- 
wesenden baarhaupt. Frauen und Mädchen, ebenfalls festlich gcachmockt, 
stehen amber, keineswegs ängstlich geschieden von den Männern. — Ia Betreff 
dsr alten Gebräuche die sich in Appenzell erhalten, e. aneh Osenbrttggen, 
cnltnrhistoriecbe Bilder ans der Schweis. Lps. 1863. .', 




- 347 



Gebiete des deutschen Rechts wir jetzt wol nur noch in den Gebirgs- 
gegenden der Schweiz die alte grosse Markgenossenschaft in lebendiger 
Wirksamkeit finden **. Bis in dal fünfzehnte Jahrhundert hatte sich 
die Hohe Mark ihre alten Befugnisse gewahrt, nicht nur in Betreff 
der Nutzung und Verwaltung des Wnldes, sondern auch in Betreff 
alles desjenigen, was damit in Berührung oder Zusammenhang stand, 
so namentlich in Betreff der Jagd auf dem gesammten alten Mark- 
boden. Die Weisungen der Stärker geben uns darüber sicheren 
Aufschluse. 

Die Weisungen. — Das Weisen des Rechts konnte entweder 
einen bestimmten, vorliegenden Fall betroffen, so das Aburtheilen 
über Frevler, oder es wurden — und dies wird gewöhnlich unter 
der Bezeichnung verstanden — im allgemeinen das Recht gewisser 
Personen an der Mark und in Beziehung auf die Mark ausgesprochen 
und im Einzelnen festgestellt Das Bestrafen der Frevler sollte jedes- 
mal auf dem geboten M&rkerding goschchen, auf vorgängige Anklage. 
Diese wurde entweder vom Märkcrmeister und den Förstern erhoben, 
oder auch von irgend einem Märker. Als im Jahre 1507 das Mär- 
kerding bei Ober- Erlen bach geheget worden, wurde den Knechten 
der Mark befohlen „au rügen das sie des Jahrs inne den Waiden 
gesehen und gebort haben, ein Leumut vor ein Leumnt, und ein 
Warheit für ein Warheit". Also sind etliche gerüget worden nach 
Inhalt eines Zettels „das dem Markermeister überlieber t wäret, sie 
darnach haben au straffen und zu büßen". 

Anf dem Märkerding der Hohen Mark, 1521, hat der Märker- 
meister drei zettel darin der rugbaren Personen Namen angezeigt 
waren, verlesen lassen. Darauf haben die Nieder-Erlenbacher, näm- 
lich Volcsen Henne Wendel sammt andern die durch den Keller 
von Homburg wider alt Herkommen gestraft worden, dem gemein 
lantman solichs klagweis fürgebracht: er habe das Holz genommen, 
und von einem Wagen einen halben Gulden dazu, welches wider 
alt Herkommen auch nie noch besehenen gehört were, die weil die 
Straf dem lantman und nit dem Keller zustünde; mit der Bitt „der 
Erbar lantman sollt aolliche Straf onbilHg besehenem, und dass Inen 
ir abgenommen gelt durch den Keller obgen. billig wiedergegeben 
werden sollt, erachten und erkennen"; also nach Redde und Wider- 



44 Frtedr. Wyss, die Schweizerischen Landsgemeinden, in Zeitschr. für 
Schweizerisches Recht I. 1. S. 6<*. zu vergl. J. J. Blomcr, Staats- u. R.-Gesch. 
der Schw. Demoer. II. Bd. cap. III. 8. 1». 348. 



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- 348 - 

redde hat der lantman gebilligt und erkannt: Wo auf nächst gehalt- 
nem Märkerding anno etc. 20 durch den gem. Lantman mt gewilligt 
sei, dass der Keller au Homburg bis auf dies itzig Märkerding stra- 
fen möge, so hab der Keller solche Straf onbillig und widder alt 
Herkommen genommen, und solle die wider herausgeben und den 
Gestraften behanden, und die von Nidern Erlebach die Straf wie 
von Alter herkommen vertaidingen. 

Auf Mitwoch nach 3 Königstag, 8. Jan. 1522 zeigt der Keller 
auf der Au vor Ursel an, wie die Forstmeister noth bedünke, dieweil 
der Wald merklich beschädigt werde, dass man ein Poen darauf 
setze, welcher im Wald zwischen dem nächsten Märkergeding Holz 
hiebe, dass ein Jeder aus der Mark so einen solchen betrete, Macht 
habe, dem ein Pferd auszuspannen oder das Geschier zu nehmen, 
und um ein Gulden zu pfänden. Der Pfender sollt schuldig sein aut 
dem gemein Märkergedingtag bei seinen Eyden anzusagen und zu 
rügen; und dass man in eilen Dorfen mit einer läutenden Glocken 
den gem. Märkern verkünden soll den Wald bei Poen nit zu beschä- 
digen, dazu aus jedem Dorf 2 Personen gen Homburg zu schicken, 
solliche Ding zu beschliessen Der lantman war damals der Meinung 
dass es gut sei den Wald zu schützen ; aber mit dem Tag so in Hom- 
burg sein sollt, wäre ihr bedünken es wäre besser dass der gemein 
lantman dabei wäre. Desshaib ist ein ander Märkerding angesetzt 
worden. Mglb. E. 29. U\ S. 60 ff. 

Es ist merkwürdig wie sehr das weisen der Rechte selbst im 
15. Jahrhundert noch üblich und nöthig war. Dass gerade der Wal- 
pott sich damals noch seine Rechte und Herrlichkeiten weisen lies», 
zeigt wie wenig fest und klar begrenzt diese Rechte waren, dann 
aber auch welches Gewicht damals noch in dem Brauch und in dem 
Ausspruch des gemein Märkers lag. Die älteste Urkunde welche in 
den Akten über die Hohe Mark sich vorfindet, der Bericht über das 
Märkerding von 1401 feria quarta infra octavas pasche beginnt da- 
mit dass der Pfand - Inhaber von Homburg bei dem M&rkermeister 
anfragt, ob der Märker ihn, Hennen Brendeln für einen obersten 
Waldboten erkenne, wie das auch vorher zu zweien malen vor ihm 
geweiset wäre. Der Gefragte antwortete: Weisete ihm der lantman 
ichtes (etwas) so wollt er gorne es sagen, weiseten sie ihm aber 
nicht« so sage er ihm auch nichts. Es erfolgt darnach die einmuthige 
Weisung der Märker. Weiter fragte der Stellvertreter des Waldpot- 
ten, es wären Ausmärker betreten worden und hätten verbrochen; 
sie seien „den Förstern entwältiget" worden von den von Oberursel, 
dahin sie kamen, was des Walpoden Rechts darum sei? Aueweichend 



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- 349 — 

war die Antwort: Sie haben vor dem Walpoden »ein recht geweiset, 
habe ihn jemand daran gehindert, das möge er fordern. 

Im Jahre 1445 auf Mitwoch nach St. Margerethen war der 
Edle Jnngherr Gotfrid von Eppenstein bei Ursel auf der Aue, lies» 
ihm da weisen sein Recht und Herrlichkeit über die Mark , und die 
gemein Märker eine Reihe von Artikeln fragen. Es Hegt den Akten 
— Mglb. E. 29. 11''. 6.9.10. — ein solcher „Zeddel* bei, das Papier 
gebrochen, auf der einen Seite die Frage, die andere leer fcir die 
Antwort. Diese findet sich aber erst später S. 18. 17. auf andern, 
ähnlichen Zetteln. Die ersten Artikel betreffen den Wiltpant: „Wie 
ferre und wie weit sein Wiltpant ginge*? Die Antwort lautet wie 
bereits angeführt: „Sein Wiltpant gehe nit weiter, dann er sein 
Hecken anbinde in der Mark. Jegete er aber Hirze oder hynde uU 
den Hecken und folgete yn nach, gonden ihm das die merker, doch 
wüssten sie nit ob ins recht were u . Dann wird gefragt : „wenn s. 
Gnaden den Wiltpant verbode, und wer das bräche, was der darum 
verloren hätte". Hier ist beigemerkt „uff den Artikel ist nichts ge- 
sagt". Der 3 ,c Artikel fragt: „Wenn die geschworen knecht oder 
sonst Merk er, Ausmerker die geschadiget, einführen wollen, und 
sprächen ingesessen Merker um Hülfe an, wenn die Merker das nit 
thäten, was sie verbrochen hätten". Die Antwort lautet: „Der sollt 
der Mark verscholden sein, oder sollte dem Herrn den Man antwor- 
ten, die Pferde dem lantman, die Wagen und sieler dem Furster 0 . 
Im 4. Artikel ist weiter gefraget: „Wenn die geschwornen knechte 
einen rügen, und der das leugnen wollte, welcher Parthei man dann 
glauben sollte"? Darauf ist gesagt: sind es geschworne knechte, so 
sollte man ihnen glauben, es wäre denn dass die Widderparthei bes- 
sere kundschaft hätte. Der Art. 5 fragt: „Wenn ein Merkermeister 
uff St Cathar. tag gekoren würde, und kein Merkermeister sein 
wollte, wie dann der Waltpott die Mark bestellen solte?" Hieran 
heist es: „Uff diesen Artikel ißt nichts gesagt". Weiterhin ist gefragt: 
wie ferre man uJ3merkern nach folgen solle, die die Mark hinweg- 
tühren? Auch „uff den Artikel ist nit gewiset, da etliche sagen bis 
an den Ryne, aber das is nit bestandlich; die andern Bagen bis mit- 
ten in die Nyde, und dies bedilnket sie die meiste Menge". 

Es scheint dass der Waldpott mit diesen Weisungen sich nicht 
zufrieden gegeben, denn schon auf dem Märkerding 1458 finden wir 
dieselben Fragen zum Theil wieder gestellt. Als gefraget war, zu 
wyßen wie weit die Mark gehe, drauf besorgete der Lantman 
dass die Meinung wäre „so man wysete: bis mitten in die Nidde, so 
wollte der Walpode sich der fischen auch unterziehen, und dannit die 



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— 350 - 



Dorff« das verscheiden*; wurde geantwortet: „daß dem lantman wol 
Indenk sei daß die Frage auch mehr gescheen sei, aber sie haben 
das nie gehört wysen und darum b so sei der lantman das nit be- 
dacht, und wolle das hind ihme behalten uf das nit solch wysungen 
mit einem genommen und dem andern gegeben, und einem gegeben 
und dem andern genommen werde, . . . sondern so der lantman zu- 
sammen komme zu saut Katharinen tage so sei er dann etwas darauf 
bedacht". 

Als unter den Märkern Zwiespalt über die Wahl der Märker- 
meister sich erhoben, sollte im Jahre 1464 auf Donnerstag nach 
Kilian hierüber geweiset werden. Es hatte dahin der Edel und wol* 
geborn Jungher Godefrit Herr zu Eppstein seinen Sohn mit den 
trefflichen Räthen gesandt. Als denDorffen und Hoffen, als gewöhn- 
lich war, gerufen, forderte der obgenante Jungher Gotfrit durch die 
Seinen an die Edeln und andern die in der Mark gegudet, bei ein- 
ander zu gehen, sich zu besprechen, und seiner Edelkeit und andern 
„deren sich der gebürt Ire Herlichkeit Gerechtigkeit zu wisen u . Es 
schickten sich des Raths Freunde bei den jungen Herrn von Kppen- 
stein und erzählten, nachdem sein Edelkeit Vater alle Märker hätte 
zu ihm verboten, heute herzukommen und seine lehenherrn mitzu- 
bringen, also hätte der Rath die Ihren, der eine gute Menge sei, 
die da Märker seien, daheim heissen bleiben, nachdem sie mit 
Schäden beladen waren, und anderer Sorglichkeit halber. Darzusein 
Edelkeit det antworten: sein Vater hätte sich bishero günstlich und 
freundlich gegen den Rath und denen Ihren erzeigt, das wolten sie 
ihm auch thun. Darauf besprachen sich des Raths Freunde mit des 
Raths arme Leute von Bonamese, Erlebach, Hareheym und Calde- 
bach * 6 und liessen sie ein Schreiben hören, wie vordem gewest wäre. 
Da hatten sie alle ein gut gefallen darin, und sagten es wäre auch 
also geweiset und Herkommen. Walther von Ryffenberg kam mit 
andern Edeln hiedersit und hynsit der Hoe, erzählte sie hätten sich 
mit den Ihren besprochen und wäre ihre Meinung dass man die 
Weisung geschehen lasse, das dan des Raths Freunde Meinung auch 
war. Also begaben sich die Solmsen, die Riffenbergischen und des 
Raths Freunde mit allen diesen zu Philips von Hatzstein und Bech- 
told von Espach und anderen der Königsteinsehen ^ fragten die was 
ihre Meinung wäre, sagten dabei sie liessen die Weisung zugehen. 
Darzu die Köuigsteinschen antworteten: sie liessen es auch geschehen. 
- . .i^i/ 

«* Ueber den Wiederkauf der Dörfer Harheim and Caldebach dtfrcli 

stein s. Uglb. E. 23. Nr. 5. ' « ijlf, h 



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351 - 



Also redete Walther von Riffenberg sie hätten einen Zettel wie vor- 
mals auf einem gem. Märkerding geweiset wäre, des Raths zu Frank- 
furt Freunde hätten auch dies schreiben, desgleichen hätten sie 
gebilligt Jass man der eines liess verlesen ohngeverlich. Also ward 
der Zettel des von Ryffemberg gelesen, der „sich des Rats schreiben 
baste glichete". Darauf die Königstein'schen Bich besprochen, ant- 
worteten, sie erkennten dass man bisher also ge weist hätte, sagten, 
man hätte bisher auch geweist das nit in dem Zettel stünde, oder 
möchte billig darinnen stehen, und sie hätten Überhört Man hätte 
allerwege auf St. Catharinentag Märkermeister gekoren, und welche 
„von der meinste Minig der Dorffere und Hoffe gekoren waren wor- 
den" dabei wäre es blieben und hätte allewege ,.die meinste Menige 
Furgang gehabt" ; welche Dörfer und Höfe auf die Zeit nit dabei 
gewesen, das hätte auf die Zeit nit mehr denn seine kore verloren. 
Daran die von ßolmssen, die von Ryffenberg und die Frankfurt sehen 
antworteten, sie Hessen das geschehen. Es verfügten sich darauf die 
Märker alle zu dem jungen Herrn von Eppenstein, und trug Walther 
von Ryffenberg vor, die Mürker hätten sich besprochen, es sei ihnen 
ein Zettel gelesen worden, wie die Märker vormals geweiset, sie 
auch noch wieseten, bäte Se. Gnaden den zu hören. Nachdem der 
Zettel gelesen bemerkte der junge Herr von Eppenstein: es wären 
auf St. Catharinentag etliche zu Märkermeister gekoren, die hätteu 
noch nit Gehorsam gethan als sich gebürt, begehrt zu wissen, wsb 
die Uesshalben bussfällig wären. Darauf mancherlei Wechselrede, die 
Märker bringen vor dass mehr Märkermeister gekoren worden, da 
dann doch nit mehr denn zwei sein sollen. Es erhob sich Streit über den 
gewählten Friedrich Clemme und Jacob Wyderrette. Ersterer sagt: 
Jacob wär nit geboren und gut genug darzu dass er Märkermeister 
sein solle. Darauf Jacob Wyderrette: Er wäre besser und frommer 
denn Clemme, was er noch verschrieben und versiegelt hätte, das 
hätte er frommeüch gehalten ; Clemme hätte das nit gethan. Da redete 
der Schultheiss von Frankfurt (der von Bonames?) es deuchte ihn 
„zu tunde sein", dass man die Märkermeister von beiden Seiten abe- 
stelle und kore itzud zween Märkermeister. Die Königstein'schen und 
die von Ursel antworteten: die sie gewählt, hätten die meisten stim- 
men gehabt, dächten sie nit abezustellen umb nachfolgende Menge 
(Stimmenmehrheit) willen. Da wurde von den Eppenstein'schen deu 
Märkern vorgehalten, es wäre nur um */* Jahr noch bis zu St. Ka- 
tharinentag, sollten die Sachen ruhen lassen. Das wurd also aufge- 
nommen, und schied jederman von danuen. — (Mglb. E. 29, II b . 
S. 13 ff.) 



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— 352 - 



Wieder war auf St. Vitatag 1484 ein geraein Märkerding auf 
die Aue vor Oberursel berufen, und begehrte Herr Gottfrit von 
Eppenstein, der persönlich mit seinen Kathen erchienen war, zu 
weisen des Walpoden Herrlichkeit und der Mark recht. Er Hess 
einen Zettel verlesen in welchem das zu weisende recht punctsweise 
verzeichnet stand, fragte ob der Lantman darauf weisen wolle? Es 
wurde nach einem Bedenken geantwortet: Es wären also Verzeich- 
nungen und Zettel da die der Lantman gehört hätte, darauf wollten 
9ie weisen. DerWalpode aber begehrt, dass der Lantman auf die ver- 
lesene Verzeichnung sich hören lasse. Es wurde durch Arnoldt von 
Holzhausen* 6 Sr. Gnaden geantwortet: der Lantman sei noch willig 
aus den alten Verzeichnissen oder dass man ihm der Puncten einen 
nach dem andern anzeige, mündlich zu weisen; worauf Sr. Gnaden 
sich mit den Käthen besprochen und begehrt dass sie nach laute 
seines verlesenen Zettels weisen sollten, oder aber dass sie bei den 
Eiden versichern sollten, diesmal nicht darauf bedacht zu sein. Die 
Märker verlangen durch Arnold von Holzhausen der Zettel Abschrift 
und der Ding ein uffzug, sie hinter sich an seine Herrschaft zu 
bringen, denn der gemein Lantman woll auf den Eid behalten, er sei 
diesmal auf die verlesen Zefael zu weisen unbedacht Demnach wurde 
von Sr. Gnaden ein anderer Tag, Mitwoch nach St. Margarethen 
auf die Au zu Ursell, des Morgens um 9 Uhr, angesetzt 

Mitwoch nach Peter und Paul fand eine Besprechung der Herr- 
schaften und anderer in der Mark gegudeter Männer, zwei oder 
drei der ältesten aus jedem Dorfe, statt, zu Ursell auf dem Iiathhaus. 
Zwei alte Weisunge aus anno 34 nnd 38 wurden durch die Keiifen- 
bergischen und ein Zettel durch die Königstein'schen vorgelegt, und 
des gemein lantmanns Meinung gefragt Diese haben gesagt dass sie 
nach laut der verlesen zwei Zettel weisen wollten, sich darauf un- 
terredt wer die Weisung Sr. Gnaden thun und aussprechen sollte 4T . 
Symon von Ursel wurde dazu erbeten, und erklärte sich nach einigem 
Bedenken bereit, dem Lantman zu Gute zu thun was an ihm wäre. 
(Mglb. E. 29. II b . S. 30.) 

Es liegt diesem Berichte ein Zettel bei, mit der Aufschrift: das 
sind die Puncte der Weisung als die Königstein'schen verzeichnet 
hatten: 

*• Also durch einen Abgeschickten des Frankfurter Kalbs. 

* 7 Bei wiohtigen Weisungen haben die Mürker immer um Zulassung eines 
Redners gebeten ; ein ruhiger, verständiger, wo möglich auch angesehener Mann 
wurde dazu bewogen. Vielleicht unrichtig ist daraus der Schluss gezogen 
worden, dass dem gem. Manne der Muth zu reden damals schon gefehlt. 



353 



Item zum ersten: Wer die Mark zu bestellen habe? 
„ wer die M&rkermeister bestedigen und eidigen soll? 
„ mit dem Ußrufen von dem Schreier, was einer verloren 
hätt (der nicht erschienen wäre) und wie man den büßen? 
„ wer den Wiltpan zu bestellen habe? 
„ von Rügen als knecht (Förster) plegen zu rügen. 
„ obe ein ußraarker schaden thede. 
„ obe ein Inmärker schaden tede. 

„ Hulz und kolen uU der Mark zu füren und wan man den 
begriff etc. 

„ ob ein fol merkerding bescheident wird, waU die ußbliben, 
verloren. 

„ ob ein Inmerker uff der Strassen Hulz hiche (hiebe) etc. 
d ob eckern im Walde worden. 

„ obeVilwil zu derMarg höre, und wie el* darzu komen sy. 
„ wie ferre die Mark gehe. 

„ ob man nit alle Zerung zn Hoemburg tun soll, so es ein 
Hauptsloß in der Mark sy. 
Es folgte nun das merkwürdige, feierliche Märkerding auf Mit- 
wochen nächst nach St Margarethen, 14. Juli 1484, auf welchem 
der Edel Herr Gottfried, Herr zu Eppstein mit sämmtlichen Amt- 
leuten und Rathen erschien, dem Junker Philips von Redeinheim, 
Rudolff und Bernhardt Brendel von Homberg, Gilbrecht und Hein- 
rich Rittesel, endlich Walther Isenberg seiner Gnaden Schreiber, an 
einem Theil; andererseits aber der Herrschaften Solms, Hanau und 
Königstein auch der Stadt Frankfurt und der Ritterschaft von Reif- 
fenberg Amtleute, Räthe und Sendbotten; für Solms Philips von 
Bicken, Ritter Krafft von Deckenbach und Jeckel, Bereiter zu Re- 
delnheim; für Hanau Heintz Metzler, Keller; für die Herrschaft zu 
Königstein, Heinrich von Eppenstein, Keller zu Butzbach, Dietrich 
Geyseier, und Heinrich, Bereiter zu Königstein; für Frankfurt Jun- 
ker Jacob von Cronberg, Amtman zu Bonemese, Junker Erwin 
Dögel , Amtman zu Erlebach und Junker Walther Schwartzenburger, 
Rathsman; für Reiffenberg die Junker Philips und Marsilius, der 
Jung, von Reiffenberg. Endlich erschienen auf der Au die Märker- 
meister, mit ihnen ein gross versammelte Menge Schultheissen, Hüb- 
ner und Landtman, welche Sr. Gnaden als einem Waldbotten, sein 
Herrlichkeit und der Mark ihre Hecht und Rüge zu weisen vertagt, 
verbotten und also versammlet und verhaufft waren 48 . Die Märker 



«» Vergl. Loraner*» Chronik I. S. 465. 

23 



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- 354 - 

erboten sich die verlangte Weisung zu thun, doch nicht auf ihre 
Eide, da ihnen solch Eide zu thun gefährlich wäre, sie in vielen 
Jahren eines Waldbotten Herrlichkeit, der Mark Recht und Buge 
nicht geweist, und der Alten die das melir gesehen und gehört hät- 
ten, gar wenig mehr im Leben seien. Es ward ihnen darauf ein Eid 
gestabt des Inhalts, dass die Weisung die sie thun wollten, sie von 
den Alten nicht anders gehört hätten, und ihnen anders nicht wis- 
sentlich wäre. Sie Hessen durch Heinrich von Eppenstein eine Ver- 
zettelung behändigen, erboten sich durch Simon Bensheim, wohnhaft 
zu Ursel, von ihrer allerwegen mündlieh auf die einzelnen Puncte 
der Verzettelung zu weisen. Diese Weisung spricht aus : wem die Mark 
rechtlich eigen und wer darüber ein oberster Herr und Waldpott sei; 

wie die Mark zu bestellen, und die Markordnung einzu- 
halten sei; 

wie insbesondere es mit demWiltbann zu halten, mit dem Heg- 
wald auf den Strassen und mit der neuen Hege; 

wie das Verhältniss zu der Ausmark und den Ausmärkern sei; 
wie der Eintrieb in die Eckern zu geschehen habe; 
wie Frevel zu bestrafen seien; 

wie Märkerdinge zu halten, Märkermeister und Förster zu er- 
wählen und zu verpflichten; endlich wie Gericht zu halten und zur 
Noth gepfendet werden solle. 

Hiernach liess der Waldpott den Märkern sagen, dass auch 
Noth wäre zu weisen, wo die Mark aus- und anginge; das und an- 
deres wolle sein Gnad, nachdem es jetzt spät geworden auf diesmal 
beruhen lassen bis auf einen andern Märkerdingtag. 

Diese Weisung galt von nun an in der Hohen Mark als geschriebenes 
Recht Die Märker hielten fest daran, sie wollten keinen Buchstaben 
daran ändern lassen. Der Walpott liess ihnen die Buchstaben und 
das Papier, wandte und drehte aber den Inhalt und Geist bis sie 
nur noch ein Hohn waren auf die ursprüngliche Verfassung. Beriefen 
sich die Märker auf ein Herkommen, so erwiderte er dasB davon in 
dem Instrument nichts stehe. Die Verhältnisse, auf welchen das In- 
strument beruhte, änderten sich alle mit der Zeit, so wurde die 
Grundlage des geschriebenen Rechtes ebenso wie dies selbst mehr 
und mehr eine hohle Form. Wol wurden noch neue Verordnungen 
gemacht, aber diese betrafen, soweit sie nicht bestimmt waren die 
Macht des Waldpotten zu kräftigen , nur Nebensachen, Holztage, Be- 
strafung oder Bedrohung der Frevler, u. d. m. 

Aus diesem Weisen ersehen wir wie darin eine lebendige Quelle 
des Rechts gelegen, wie die MarkgenoBsen dabei beständig nicht nur 



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355 — 



auf die Erinnerung sondern auch auf ihr Rechtsbewusstsein zurück- 
gingen, wie in den alteren Zeiten überhaupt Herkommen und Gesetz 
mehr noch zusammenfielen 49 . Erst in den späteren Jahrhunderten 
erhielt das geschriebene vor dem im blossen Bewusstaein des Volkes 
ruhenden Rechte ein entschiedenes Uebergewicht eingeräumt. 

Gränzbestiramung. — Wie es den versammelten Märkern 
zustand das Recht, selbst die Herrlichkeit des obersten Waldpotten 
zu weisen, ebenso hatten sie auch zu bestimmen wie weit die Mark 
gehe und wer dazu gehöre. Wegen der Gränzen hatten sie sich 
theils mit den benachbarten Marken zu verständigen, theils mit den 
Inhabern der geth eilten Feldmark, mit den Ortschaften der Mark 
selbst Dies geschah auf Umgängen der Mark welche bei der klein- 
eren Seulb. Erlenbacher Mark oft unmittelbar von den Märker- 
dingen aus unternommen wurden. Auf den Märkerdingen ward auch 
Uber die Berechtigung zur Mark, Uber den Ausschluss von derselben 
und über das Verhältniss zu der Ausmark erkannt und geweiset. 
Aus dem Jahre 1484 ist angeführt dass unter den Puncten auf dem 
Zettel der Königsteinischen auch die Frage sich befunden: ob Vilwil 
zu der Marg höre, und wie es dazu kommen sei? Diese Frage war 
eine wol begründete, da die Nidda Gränze der Hohen Mark war, 
Vilbel aber auf beiden Seiten des Flusses liegt 

Auf dem Seulb. Erlenbacher Märkerding von 1539 brachte der 
Keller Diether Gewend einen handschriftlichen Befehl des obersten 
Waldpotten „uff heut dato die Mark zu umgehen". Die Märker gaben 
Diethern die Antwort: nachdem sie kein Mangel an der Gemark 
vermerkt wäre es unnötbig dieselbe zu umgehen. Der Keller drohte 
mit Ausschluss von der Mark und Hess auf zwei Seiten treten zur 
Abstimmung; es traten aber zu ihm nur die Seinen von Homburg und 



*» Dr. Kriegk, Frankfurter Bürgerzwiste, 8. 31 berichtet, wie die Zünfte 
verlangt, der Rath solle sie „bei den Gewohnheiten, welche sie von Alters her 
hätten, handhaben"; der Rath habe dies Begehren mit Recht zurückgewiesen, 
„weil in einer königlichen Stadt ohne des Königs Zustimmung Mobsc Gewohn- 
heitsrechte nicht in förmliche Gesetze „umgewandelt" werden konnten. Das 
Herkommen hatte Geltung in einem bestimmten Bereiche, sollte eine Erweite- 
rung stattfinden in der Ausdehnung seiner Wirksamkeit, sollte es bindend wer- 
den für andere Mitbürger, oder für die Obrigkeit, so mussten diese oder der 
König zustimmen. Auf S. 383. 384 ete. ist dies sehr schön dargelegt in dem 
Herkommen der Zünfte, welches in eine Gerechtsame oder Machtvollkommen- 
heit eingriff, die der Rath für sich in Anspruch nahm. 

23* 



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— 356 - 

Seulberg; der mehrer theil blieb stehen. Hierüber unwillig haben 
die Homburger Gesandten ihren Abschied genommen; die andern 
Gesandten aber bewogen nun die Märker die Marg zu umgehen, 
allein es solle kein neu Instrument aufgerichtet werden. So hat man 
sich verglichen, und es sind aus jedem der 6 Ortschaften von den 
ältesten und von den jungen Männern etliche dazu gewählt worden. 
Diese Personen verlangte Diother Gewend in einen besonderen Eid 
aufzunehmen, mit Begehr an die Gesandten sie ihrer Eide und 
Pflichten, mit denen sie ihren Oberen zugethan, ledig zu zählen. 
Dies wurde von den Gesandten abgeschlagen, aber bewilligt dass die 
Märker bei den Eiden und Pflichten mit denen sie ihren Herrn und 
Oberen verpflichtet seien, ihm Diether, anstatt und von wegen des 
obersten Waldpotten „mit handtgebend treu verpflicht sein sollen 
solliche Gemark zum treulichsten, niemand in lieb oder zu leyde, 
zu urobgehn". Dess sind die Beamten des Walpotten zufrieden ge- 
wesen. Der gemein Märker hat sich nach Hause begeben, die Ge- 
wählten aber mit den Beamten haben angefangen die Mark zu um- 
gehen. Sie gingen damals von Seulberg aus zur linken Hand am 
Wald hin, oben am hinter Damm an der Landgewer hin die von 
Dollingen 60 auf das Seulberger Feld gehet, gegen die Krebshaide 
zu, an den Wiesen hinauf, nach der deutsch Herrn von Frankiurt 
Wald und der Hohen Mark Gränze; dieser entlang die alte Hohl 
hinauf, auf das Rotlaub und zum Fahrborn, den Throner Weg hin- 
auf über den Einsydel bis an den Pfalgraben ; diesem hinab bis an 
die Throner Mühl und die Bach. Dieselbig bach „gipt und nimpt 
zwischen den zweien Wälden Seulbergs Irlenbach und Rhodemer 
Gemark" M . Die Männer zogen die Bach hinab bis auf die Köpperner 
Wiesen, dann vor dem Walde hinab bis zur Hunerrap **, und auf 
den spis, der ist den von Holzhauscn. Vom Spies ging es nach der 
Regelsbach und wieder zurück auf den hinter Damm. 



*° Das alte Dillingen lag südlich deB Waldes dessen Platz jetzt von Friedrichs 
dorf eingenommen wird, zwischen den Rohrwiesen und der. Hünburg. 

5 * Als der Umgang zur Knodeiner Gemark kam, machten die Hanauer Ge- 
sandten geltend, wie ihre Unterthanen in der Rhodemer Mark gleiche Gerech- 
tigkeit „in der bach u haben (zu fischen); dies haben .die Gesandten des Wald- 
potten" nicht zugegeben; die andern Gesandten aber haben jedem sein Theil 
vorbehalten, den Streit so verglichen. 

51 Jetzt Hahnruppen, von Hain, auch bei Gonzenheim ist ein Hahnberg. 
In der Ordnung von 1588 heisst es Art. 10. „Die Pflege der Hain Kuppen sollen 
. . auch dieses Jar . . . verpotten sein darinnen zu hauwen.«' - 



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- 357 - 

Das Verzeichnis des Umgangs hatten die Märker angegeben, 
Meister Johann Schwaben, der Notar sollte ein Instrument darüber 
aufrichten. Als der gesammte Ausschuss mit den Gesandten Abends 
7 Uhr nach Ober-Erlenbach gekommen, Hess Diether Gewend über 
dem Abend Imbis allerley Wort vernehmen, daraus zu ersehen war, 
dass sich der oberst Waldpott zuviel Gerechtigkeit der Mark unter- 
ziehen wolle. Des Dienstag zu Morgen haben sie, des obersten Wald- 
potten Gesandte nochmals mit Ernst um Aufrichtung des Instruments 
des Umgangs angehalten, viel Gegen- und Widerreden wurden ge- 
tlian. Um Mittag verglich man sich: wie die Gesandten gestern in 
den Umgang so nit von nöthen gewesen gewilligt, mit dem Oeding 
das» sie des Umgangs halben ein neu Instrument aufzurichten ohn 
Vorwissen der Oberen nit zugegeben; sie versprachen darüber zu 
schreiben. Freitag nach Medardus fand eine Zusammenkunft im 
Carmeliterkloster zu Frankfurt statt, es wurde wiederholt: das alte 
Instrument wäre genügend gewesen, Irrungen seien nicht vorhanden, 
kein sonder Span, sein F. Gn. wolle es bei dem alten Instrumente 
bewenden lassen, damit nicht Mißhelligkeit aus beiden Instrumenten 
erwachse. (Mglb. E. 29. H b . S. 174 ff.) Es findet sich noch in dem 
Fascikel Mglb. 30. No. 4 [3] ein Schreiben d. d. Petterweil, Freitag 
nach Medardi 1539 unter dem aufgedrückten Pittschaft von Engel- 
brecht Halbers, Schultheissen zu Petterweil und Justinians von 
fiolzhausen, Schöffen zu Frankfurt : auf das begehren über den 
Umgang der Mark ein neu Instrument zu errichten gaben die Ge- 
sandten und der Ausschuss zu erkennen, dass sie den Umgang zu 
thun für unnöthig angesehen, dass ihre gn. Heren und Oberen nit 
erachten dass das begehrt neu Instrument aufzurichten von Nöthen 
sein sollt, wollen also gebeten haben dass es s. f. Gn. also bei dem 
alten Instrument gnediglich bleiben wollt lassen; sie bemerken dass 
wo Irrungen fürfielen, der gemein Märker zu jeder Zeit zusammen 
kommen, davon reden, fürnehmen und handeln möge, wasdieNoth- 
durft erfordere. 

Auch bei den Umgängen erschienen die verschiedenen Bethei- 
ligten zu Wahrung der eignen oder gemeinsamen Interessen, und 
nur dann wurde das Recht als festgestellt angeschen, wenn die ver- 
schiedenen Betheiligten sich Uber die Gränze geeinigt, wenn sie dem- 
nach gemeinsam den Weg gemacht hatten. Bei dem Umgang der 
Seulb. Erlenbacher etc. Mark am 28. April 1593 welchen der schreib- 
seelige Johann Zangus, notarius publicus und bestellter Markschrei- 
ber protocollirte, erschien Georg Vestenberger der Kellner zu Hom- 
burg v. <L H. „einestheils" sodann die auch ehrnhaffte, ersame und 



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- 358 - 

vornehme Märkermeister und Markhäupter „anderntheils" auf „vorge- 
hende Vergleichung und gepflogene tractation a auf der Haiden gen 
Kirchdorff, allda solche ihre Mark mit deren zu Kirchdorff und 
Seulberg Termineyen ihre Angrenzung hatt, und haben von Alters 
her wohlangeordnetem Brauche nach dieselbige ihre Marke von allen 
aufstossenden Marken, Waiden, Sträuchen und Termineyen, im Beisein 
aller derer Besitzer, Inhaber und Einwohner . . bei Eidspflichten 
abgangen und gewisse scheide oder Mahl mit Rainen, Steinen, baum- 
lochen und andern mehr kennezeichen . . gemacht, auch die alten 
„uffworffe und roahlzeychen* wiederum von neuem renoviren lassen. 
Auf der Gränze zwischen Seulberg, Kirchdorf und der Hohen Mark 
befand sich ein alter Eichenbaum, der jederzeit für das SchiedBmabl 
der dreien Gränzen gehalten; er war durch die von Kirchdorf abge- 
hauen und ein wenig ihres Gebietes hinunter zu einem Damm und 
Aufenthalt des zeitweise den Weg hinunter fallenden gewässers ge- 
braucht worden. Die Märker haben desshalb der anwesenden gemeinen 
Nachbarschaft in Kirchdorf von wegen ihres unnachbarlichen Wesens 
den Kühe- und Vieh trieb, bo> ihnen seither gegönnet und zugelassen 
worden, ganz und gar abgekündigt und zugethan. Reuig erboten 
sich die Kirchdorfer „zu guter Nachbarschaft' 4 und wurde das Ver- 
bot gemindert, dass sie in Schriften bei dem Märkerding wieder um 
den Viehtrieb ansuchen sollten, derselbe könnte ihnen nochmals wie- 
der vergönnet werden. Darauf hat man den ersten Schiedhaufen „an 
die Mahlstatt des abgehauenen und entnommenen alten eychen baums 
aufgeworfen", und den Umgang ostwärts angetreten. An der Bren- 
del von Homburg Walde haben die Seulberger „Markgut zu ihrer 
Terminey und für ihren Eigenthumb abgangen", die Märker aber, 
da sie Mastungsgerechtigkeit darin besessen, die Mark ausser dem 
Gehölz an der Haiden endigen wollen. Der Kellner von Homburg 
ergriff Parthei für die Seulberger als homburgische Unterthanen, 
„weißt in Schriften nach daß in einem früheren Abgange solche et- 
liche Ruthen breit Walds für der Seulberger Eigenthum angezogen 
worden, sie also nichts neues sondern allein dasjenige, was ihre 
lieben Voreltern seeligen etwa in Prauch und Esse gehapt 0 , suchen. 
Er ermahnt die Märker bei ihrem Gewissen, und die zu Holzhausen 
und Ober-Erleubach haben ihm beifallen wollen, doch hat man es 
bei den alten Lochbäumen verbleiben lassen. Weiter zogen die Mär- 
ker nach dem hinteren Damm der Hohle hinauf, vom heiligen Acker 
nach der Regelsbach wo der 37 t0 Haufen an der Wiesen stand, 
dann von der Dillinger Haiden die lange Wiesen hinunter bis auf 
die köpperner Strasse, auf der Landgewehr herum bis an den Holz- 



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- 359 



h auser Spiess , die Haihnruppe herum bis auf die Holzhäuser Bach, 
folgende ist die Bach die scheide bis hinauf an Bernhard Möllers 
Wiesen, stehet in der Ecken am köpfferner Gebiete bei einem gros- 
sen gelochten Baum der Gö^ Haufen; von dannen hinauf zumWalde, 
baß am köpfferner Felde hinauf und den Wiesen, von dannen hinauf 
„bis an die Wald möllen soll die bach scheiden«, die Mühle stehet 
in der Mark, gleich ergcstalt bis hinauf an die Thröner Mühle ist die 
Bach die Scheide zwischen dieser und der Rodheimer auch köpffener 
Gemarken; weiter hinauf scheidet der „Pollgraben" diese Mark von 
dem Thrönerwalde , allda gegen der Hohe Mark den Fahrbronnen- 
Weg hinunter bis wieder an den ersten Haufen, wurde der Weg 
für den unstreitigen schiede gehalten. Zugegen waren bei diesem 
Umgang ausser dem Keller, Schultheis» und Stadtschreiber von 
Homburg, Simon Braun, Schultbeiss zu Seulberg Märkermeister, 
Wolfhardt Falkenstein , Schultheis zu Ober-Erlenbach und Märker- 
meister, der Kellner und der Schultheiss von Petterweil, Joh. Beck 
Schultheiss zu Holzhausen, Chunrad Lohre, Schultheiss zu Köpffern, 
anstatt des Schultheissen zu Nieder-Erlenbach meister Johann der 
Schmied daselbsten, samt den Burgermeistern und etlichen Eltisten 
der Gerichte auch anderer gemeinen jungen Personen, je 10 Per- 
sonen ohne die Schultheissen von jedem Flecken, auch die beiden 
Förster. (Mglb. E. 30. 4. Jahr 1593.) 

Ebenso wie in der Seulberger Erlenbacher finden wir auch in 
der Hohen Mark das» bei den Umgängen die gesammte Märker- 
schaft vertreten sein musste, ähnlich wie auf den Märkerdingen Bei bat. 
Auf dem Märkerding, Sonntag Claudi 1539 als der Keller gesehen 
das» der ganz Märker nit erschienen „hat er gezornt", aber als er 
dafür gebeten worden, hat er's bleiben lassen, gab an der Walpott 
wolle das» die Mark umgangen werde Darzu wurden aus Oberursel 
20 Mann, ebensoviel aus Homburg, aus Bonemesa 12 oder 14, sonst 
aus einem Dorf 7, aus einem Weiler 4 „jungk und alt und eynander" 
genommen. Es versammelten sich die Geschickten aus jeden Flecken, 
Dörffern und Höfen der Gemeinden und „derjenigen welchen der 
Eigenthumb gemelter Mark zustehet" oben am Vilwiller Holtzgin 
und dem Spitzenstein; sie sind gegangen bis an den Feldberg gegen 
Reiffenberg und den Pfingstbronnen „bei Volperhausen", daselbst hat 
sich zwischen den geordneten der Gemeinen des Haus Reiffenberg 
und Inwohner daselbst „an einem" und den übrigen Märkern „am 
andern Theil" ein Zwiespalt des Ganges zugetragen ; letztere wollten 
nach dem kleinen und grossen Bettstein gehen. Sie haben aber ein- 
trechtiglich Antwurt geben: es sei Niemand unter ihnen der auf sei- 



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- 360 



nen Eid Bagen könne dass er das streitig Ort je bab umgangen, aber 
doch auf Hörensagen und wie sie von ihren Eltern verstanden fur- 
schreiten und gehen wollen. Die Reiffenberger protestirten coram 
notario dass sie in ihrer beseß und beweisen wolten. Das Weiter- 
gehen unterblieb damals. (Mglb. E. II". S. 171.) 

Auf dem stürmischen Markerding des Jahres 1586 verlangten 
die Räthe des Walpotten dass der Umzug der Mark auf der gemei- 
nen Märker Kosten geschehe. Dies stand durchaus der Grundansicht 
entgegen, dass ein jeder Theil sein eignes Interesse dabei zu ver- 
treten habe. Der Ausschuss der Märker bemerkt desshalb ganz rich- 
tig, zu dem vorhabenden Umgang der Mark wolle jeder Flecken 
einen Jungen und alten Mann auf seine Kosten zuordnen, nach vori- 
gem Gebrauch ; die beiden Märkermeister aber, der Keller zu Hom- 
burg, der Schreier zu Stedten und die 4 Markförster oder knecht 
sollten ziemliche Zehrung aus der Mark haben. Nachdem der Aus- 
schuss noch aller Anwesenden Gutdünken explorirt, hat er durch 
Wendel llmstedten weiter noch antworten lassen: Zu beziehung 
der Mark wären hiebevor aus jedem Flecken 2 Personen zugeschickt 
worden, die seien von jedem Flecken insonderheit verköstigt worden; 
nach Vollendung des Umzugs hätten die Märkermeister allen „Ar- 
beitsleuten", wann ein Vorrath an Bussen vorhanden gewesen, eine 
Verehrung zum Trunk aus dem gemeinen Seckel gegeben, es solle 
nachmals auch so gehalten werden. Die hessischen Gesandten aber 
beharrten darauf dass der Umzug auf gemeiner Märker kosten solle 
vorgehen, dann wollten sie die Räthe sich dazu gebrauchen lassen 
„nicht allein gegen den anstößenden und angrenzenden Nachbauren, 
sondern auch gegen dem Inmärker so der Mark zu schaden gerai- 
det Ä ; sonsten aber deswegen nicht ein Esel, katz oder ein ander 
gering Thier satteln lassen. Die Märker wollen nun „ibrestheils dem 
Umgang der Mark auf folgenden Tag vorgehen lassen, da die an- 
stoßenden Nachbauren hierzu alle citirt seien. Aber die hessischen 
Gesandten gestunden den Märkern den Umzug „vor sich" nit zu. 
Der Märkermeister Hattstein suchte zu vermitteln: dieweil für diesmal 
Vorrath in der Markkasse sei, solle ausnahmsweise der Umzug da- 
raus bestritten werden. Dieses hat aber von gemeinem Märker nicht 
eingewilligt wollen werden, sondern sind stracks auf ihrer erst ge- 
thanen Eröffnung beharrt Der Umzug wurde vorerst eingestellet und 
abgekündigt. Er fand erst im September statt Eine sorgfältige Be- 
schreibung desselben ist uns in dem Fase. Mglb. E. 29. IIL S. 128 



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361 - 



aiiB dem Jahre 1586 »/». Sept aufbewahrt Alle Stein und die 
vornehmste Lochbäum sind daselbst beschrieben 53 . 



*' Der Umgang begann von dem ersten Stein bei den Loßbecken, Stein- 
biieher Terminei inwendig dem Sölmischen Wald, zog Uber den Königstein'schen 
Pfad der Croneburger Mark hinauf nach der Förster Kuh Rüge (Ruhe), ober 
der Förster Wiesen nach der Weydenstrut und den Hünenburg Wiesen. Von 
der Hopfreben Wiesen bis auf das Hunerbruch wurden 30 Lochbäume gezahlt. 
Von da der Hohl hinauf die beide Marken (die Hohe und die Cronberger) 
scheidet, nach den Haderhecken bis „uff das alt künn" •), den holen Weg hin- 
auf an den Masebörnerberg, bis an die Schiefersteinkauten, hinter dem Kitzel 
Veitberg hinaus, hinter dem grossen Veitberg hinab nach dem Schutterwald, 
welcher in die Mark gehöret, und Uber den Polgraben. Von dort ging der 
Zug auf der Heiden hinaus Aber die Strassen so von Reiffenberg auf Homburg 
gehet nach dem Börnchen , der Pfingstbrunnen genannt ; weiter nach den 
Steinen von Voltmerhausen „obendig dem Weg nacher Hattstein", vom Diele- 
berg obendig den Arnßhayaer Wiesen und der Kredenbach, nach den Seuffen, einer 
Wiesen Curt von Hattstein zustendig, und aus der Mark gerodt worden; weiter 
nach einem 8tein neben der Kredenbach an der Schiefersteinkauten „unter einem 
Uolzapfelbaum, so ein Lochbaum ist." Es folgen die Lochbäume am grossen 
Bettstein „der Lochbaum an dem Weg der aus der Kuetrenken gehet, ist ab- 
gehauen, den Forster zu fragen, wer es gothan". Weiter an der Kremmelges- 
wieeen stehet ein Buohenlochbaum „daran Homberger nnd Urseler Wapen"; 
dann folgen die Steine am „heyligen Waldt", ein Stein bei dum brunn obendig 
dem heimig Seuffen nach dem Weissen Berg zu, welcher auch in die Mark ge- 
höret ; zwischen dem Wald und Feld hinauf am Faulberg , den Weissenberg 
hinauf, „auff ein Holzapfelbaum welcher gelocht ist", zwischen den Anßbäcber 
Hecken und den Weinpfölen Ober die Alt-Rohe hinüber, bei der Klingenruhe 
und dem Klingenborn, dorn Ansbächer Gebiok und dem Polgraben hin, bis auf 
die Seulberger Mark und den Fahrborn. In dem Graben herunter darinnen 
etzliche Stein bis uff die Kirdorffer Heidt, uff den Lochbaum daselbst an der 
Eeken des Walds; die Landtwehr herunter durch die Weingärten bis auf das 
Kirtorffer Hölzlein Lazarius genannt, es folgen 2 Steine in der Landwehr, dann 
an der Landwehr hinaus stehen 6 Steine „bis uff die Strassen", weiter ein Stein 
an den Wiesen in der Landwehr, und gehet die Landwehr zwischen dem Hom- 
burger Feld und dem Reyßberg auf Steden zu. Es ging der Zug vor dem 
Brendelsbusch her, den Thröner Pfad herum, obendig dem Heuchelheimer Feld 
hin, über die Wiesen, den Graben hinaus nach dem alten Hof da der Steder 
Dreieckbrunnen steht. Fortan „gehet die landtwehr durch das Steder Veit bis 
an die Walt-Eck", weiter ein Stein auf dem Weg so von Steden auf Ursel 
geht ; ein Stein an der Ecken zwischen der Wiesen Ocbsenstein gen. und der 
Weidt ; dann folgen die Steine in der Lußhecken ; den Häuserfort hinaus unter 
der Schreierwiesen hin und fortan zwischen dem Häuserhain und dem Wald 
den Weg an der Landwehr hinaus, bis an die Strassen „da vor seiten ein schlag 
gestanden, der Houscrachlag genant"; Furters an das Eck „zu Endt der 
Landwehr da vor Zeiten ein Muhl gesunden, der Lußmuhlen genant"; den 



*) EU tat hier der Abbaog de* Allkönlgs ia rerstebeo, nicht der Gipfel ; die Oräncc zog »uf 



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- 362 - 

Nach dem Notariatsprotocoll Uber den Umgang **/« Aug. 1609 
ist dieser Umgang ebenso eingeleitet worden wie ein Märkerding. 
Es hat zwischen 7 und 8 Uhr bei Ursel auf der Au, da man pflegt 
das Märkerding zu halten, der hessische Rath J. Ph. Kleinschmidt 
den Tag zu dem Märkerding anfänglich eröffnet und angezeigt: es 
seien Neuerungen und Eingriffe geschehen, die Kirdorfer Ausmärker 
gemacht ; es hätte sein gn. Herr diesen Tag ausschreiben lassen, 
wollten auch hierauf die Homburger Mark umgehen, und in Steinen 
und Rainen umziehen lassen; er wollt hiermit den Tag auf seines 
gn. Herrn Befehl eröffnet haben. Darauf haben die Mainzischen 
Abgesandten protestirt, der Kirdorfer Ausschliessung wäre nit mit 
Billigung sämmtlicher Märker geschehen, sie widersprechen auch 
der Bezeichnung „Homburger Mark". Dagegen bemerkte der Keller: 
man sei desshalb nit hie, das» man viel disputiren wolle, ob es 
Homburger oder Hohe Mark genant würde; man habe hier nit mit 
den partibus Und dem toto zu thun, sondern die Kirdorffer wären 
per majora vota ordentlich ausgeschlossen. Die Mainzischen und 
Königsteinschen zogen darauf ab und hinweg, den Unter- 
thanen war geboten worden sich des Umzugs zu enthalten. 
Der Umzug wurde begonnen ohne die Mainzischen und die 
Reiffenbergischen welche mit abgezogen waren. Ist man von der 
Aue hinweg den Cronberger Weg hinab auf die Loshecken zuge- 
zogen zu dem ersten Stein auf dem Triosch. Als daselbst etliche 
Cronbergische Beamte und Unterthanen sich gefunden, hat man 
abermals durch den Waldschreier auf Seiten der hohen Märker 
Umfrag halten, und die Schultheissen rufen lassen; es sind mehren- 
theils alle andern Schultheissen, die Mainzischen, Hedernheim uud 
Reiffenburgischen allein ausgenommen erschienen und da gewesen. 
Es wurde nachgefragt wer diesen Umgang mehr mitgemacht, viele 
waren im Jahr 1586 mitgezogen, nur einer vor 30 Jahren, andere 
vor 5 Jahren. 

Es werden dann die Cronberger aufgezählt welche zu den 
Hohen Märker stiessen, aus Nerings, aus Obernhexstatt etc. Eine 



Berg hinauf bis an den Zwergweg auf der Sandte au ten ; hinüber an die Eck 
am Forst, Aber den Urseler Kuetrieb, nach einem Stein zwischen dem Uden- 
born und dem Hanpfad, nach dem Königsteiner Pfad und der Atzelhell „gehet 
furters die grenz immer an den Win?arten hinab", ein Stein am Johannsberg, 
ein grosser Stein an dem Beckerpfad, weiter von dannen ein Stein in der 
Wiesen die Keßbach genant, item ein Stein unten an der Geyerewiesen , der 
letzte Stein am Rädderveit obendig der Cronburgerstraßen „zeigt auf den 
ersten Stein uff der Loßheckeu so im Anfangk beschrieben". 



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— 363 



Ermahnung wurde an alle gerichtet so mitgingen „also die Mark 
ku umbzichen, wie es von Alters herkommen, und es ein Jeder vor 
dem Richterstuhl Gottes verantworten könne". So Bogen sie von 
dannen am Solmsischen Wald hinauf, nach der Forsterwiesen, an 
der „Hünerburgk" hin, die Hohle hinauf bis an die Haderhecken 
so zu der Cron burger Mark gehörig, als den bohleu Weg hinauf 
„neben dem Altkin hin" nach dem Moseborner Berg, die Strasse 
hinaus „nacher kühl hermansbrunnen" . . bis. an den lutzelfeldberg, 
dann den Scharterwald, so in die Hohe Mark gehörig, hinab nach 
dem Pfingstbrunnen. Beim 22 ,cn Stein welcher vom Dielenberg zur 
linken Hand hinüber nach dem grossen Bettstein zeiget, haben die 
Hattsteinische und Reiffenbergische diener mit etlichen ihrer Herrn 
und Junkherrn Unterthanen und Bauern, rechter Hand hinauf ziehen 
wollen, und trotz des Widerspruchs der Märker vollführet Diesämmt- 
lichen Märker sind aber hinabwärts auf die linke Hand stracks über 
ein Bächlein dem grossen Bettstein zugezogen ; von einem abgebrann- 
ten stumpf, so ein gelochter Apfelbaum gewesen, den Schieferberg 
hinauf, nach Griromelgens wiese, wo sie an einem Lochbaum der 
Homburger und Urseller Wappen gehauen fanden. Da es spät geworden 
sind sie von hier „nach Schmitten in's Nachtlager gereist*. Dienstag 
den 22. August ist man mit hellen Haufen in früher Tagezeit wieder 
angezogen; die ReiiFenberger hatten über Nacht die zwei Wappen 
aus dem Buchbaum ausgehauen. Dagegen protestirten die homburger 
Käthe, solches gereiche den sämmtlichen gemeinen Markern zum 
merklichen Schaden, ihrem gn. Herrn aber, als obersten Waldbotten 
zu sonderbarem Despeci Es haben die Reiffenberger ihr Unwesen 
behaupten wollen, besagter Lochbaum stehe auf ihrer Herrn und 
Junkherrn Grund und Boden; dies wurde von den Märkern wider- 
sprochen. Trotzdem hat weiterhin Carl Pfitzncr von Dresden, als 
Reufenburgischer Keller den Bauern, so er bei sich gehabt, befoh- 
len, dass sie einen zweiten Lochbaum umhauen sollten „auch darüber 
Herrn Gebott angelegt". Als die Unterthanen Hand und Axt geho- 
ben den Lochbaum zu fällen „haben des Ober Waldbott Befelhaber 
und Käthe den ReifFen bergischen und Hattsteinischen solchen Frevel 
underwegen zu lassen gebotten", aber es haben derselbig ein oder 
etliche, ein Weg als den andern ungestüm in den Baum zu hauen 
fortgefahren; desshalb Carl Pfitzner sammt zweien Bauern „welche 
in öffentlicher, frischer That in umbhawen betretten, zur Hafft ge- 
nommen und auf gethane Handtastung mit nacher Homburg gefäng- 
lichen geftlhret worden". Nach solchem als sich die übrigen Reiffen- 
burgischen und Hatsteinische abermals abgesondert und zum Theil 



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ausgerissen und die Flucht genommen, ist man weiter gezogen nach 
dem heiligen Feld, um den kleinen Bettstein und den weißen Berg, 
von dem Weyhengrund nach den Weinpfalen, der Klingenruhe und 
dem „Pfulgraben* auf einen „Faulbieren oder Stinkbaum Lochbaum". 
Bei dem Thröner schlag begann die Seulburg Erlenbacher Mark, 
und am Fahrborn wurden wieder sämmtliche Märker vermahnet und 
erinnert „weilen man nun bald an den Ort kommen, welchen die 
Kirdorffer strittig mächten, daß sie so gehen wollten, wie von Alters 
herkommen, auch sie am jüngsten Tag bei ihrer Seelen Seligkeit 
verantworten konnten*. Alda als man ein wenig gerastet, hat Paul 
Anthonius, der eine Märkermeister, um Urlaub und Erlassung des 
Märkermeister Amtes gebeten, „weilen ihm solchem vorzusein bei Ihr 
churfürstl. Gn. sehr schwer und bedenklich fiele, wegen bewußter 
entstandener Uneinigkeit". Dies wurde ihm aber nit erlassen, weil 
es die gebührende Zeit nit were. Er wtird' wissen, was er geschwo- 
ren. Darauf ist man fortangezogen „den hohlen Weg oder alte Straß, 
neben dem Orth Waldts, die Straße genandt, hinunter" bis an das 
Kirdorffer Feld, wo die Kirdorffer neulich Zeit einen Graben auf- 
geworfen, aber die Märker vor diesem wieder geschleift hatten. Die 
Märker haben einhellig bejaht, dass die eine Seit der Scheid am 
Weg der Mark zugehörig, und sind also am zweiten und am dritten 
Graben hinübergezogen. So ist man auf die Kirdorffer Heid gekom- 
men, wo ein alter Stumpf eines lochbaumes unter der Erden sich 
noch gezeiget und merken lassen. Ist ein „Gemerk mit einer Rhur- 
hawen gemacht worden, ein Markstein daselbst zu setzen". Aua Kir- 
dorf war Niemand erschienen, so „ist man die Landgewehr den 
Graben hinunter nach dem kleinen Eichwäldchen, welches die Mär- 
ker Lazarius, die alten Markbücher aber Sylvam Lotharii nennen, 
gezogen 0 . Daselbst hat Joh. Philipps Kleinschmid, im Namen Ihr. 
FürstLGn. als obersten Waldbottens „und der sämmtlichen Märkern" 
protestirt, dass dieses Wäldchen von den Kirdorffern aus der Mark 
gezogen werden wollte. So ging es weiter die Landgewehr hinaus, an 
Stedten vorüber nach dem Häuserfeld, über das Triesch nach der 
Sandkauten. Da haben die landgräffischen angezeigt, dass anno 1599 
zwischen Mainz und Hessen des Orts halber am Häusergrund ein 
Vertrag geschlossen worden, sie wollten diesen repetiren; dann zog 
man nach Ursel zur Mahlzeit. Nach dieser wurde der Umzug weiter . 
westlich verfolgt nach der Atzelhohl, dem Johannisberg und der 
Kesbach, auf die Steinbacher Weid, hinab bis an's Eck, welches der 
Steinbacher Schultheiss widersprochen, Hans Durkopf aber und 
Thinius vom Hain vermelteten: sie wären vor 23 Jahren auch so 



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— 365 — 



weit hinabgegangen wie jetzo und hätte Niemand was darwider ge- 
redt So wurde von den Märkern dahin geschlossen, dass es bei den 
zweien letzten Umgängen verbleiben solle; man zog auf den Stein 
in der Losshecken zu, woselbst die Märker nochmals feierlich ange- 
redet und dann abgedankt worden sind. 

Bereits bei früherer Gelegenheit ist auf die Landwehr im Taunus 
aufmerksam gemacht worden *\ sie habe wahrscheinlich zum Schutze 
des Feldes gedient. Wichtiger war vielleicht noch dass sie die ge- 
seilte Feldmark abzugränzen bestimmt war von der ungeteilten 
Waldmark. Im Jahre 1700 beschweren sich die Märker dass den 
Waldensern ein Platz in der Hohen Mark eingeräumt worden, sie 
bemerken, dass die Landwehr am Kaissberg „so jederzeit beide Ge- 
markungen Homburg und Hohe Mark von einander separirt und als 
Gränzstein abgeschieden, trotz Protestation eingeräumt und den 
Feldern eben und gleich gemacht, die Markgräuzen perturbiret". 
Schon in älteren Zeiten als das Boden mehr oder weniger gestattet 
war, mag das Fruchtfeld über diese Markgränzen hinüber ausgedehnt 
worden sein. In späteren Zeiten ist es auf frevelhafte Weise noch 
in grosserem Massstabe geschehen. Schon im Jahre 1710 zeigte sich 
das bei dem Cron berger Umgang mit den Hohen Märkern. Das 
Verzeichnis der Theilnehmer an demselben ist ein sehr reichhaltiges. 
Es gingen damals mit, zu Fuss und zu Pferd, von Cronberg: der 
Amtmann, Keller, Ober-Schultheiss, Stadtschreiber, Stadtwachtmeister, 
3 Gerichtsmänner und ein Mann des Raths, Bürgermeister, 3 Bürger, 
Stadtdiener, Amtsbott, 2 Förster, 1 Jäger und 8 junge Leute; von 
Eschborn der Schultheiss, ein Gericbtsman, 1 Lantman und 2 Knaben; 
von Niederheckstadt der Schultheiss und 2 Gerichtsmänner, ebenso 
war betheiligt Schwalbach, Oberheckstadt, Schönberg; Mammolshain 
mit dem Schultheissen, 3 Gerichtsmännern und einem Gemeindsmann; 
Steinbach war in seinen Vertretern zurückgewiesen worden, weil sie 
den Umgang um den strittigen Ort nicht mit vornehmen wollten; 
von Rödelheim waren erschienen 3 Mann, von Falkenstein (Nerings) 
der Schultheiss und drei Mann. Dazu kamen noch die Hohen Märker; 
das Grenze ein grosser Zug zu Pferd und zu Fuss. Montag den 
19. Mai war der Notar welcher berichtet, zwischen 7 und 8 Uhr nach 
der Haide an der Loosheck geritten, wo der Anwalt der Hohen 
Mark, die Schultheissen, der Waldschreier mit vielen Förstern zu 
Pferd, sodann eine grosse Zahl der Märker sich befand. Die Stein- 



*♦ Die Hohe Mark, im Arohi? für Pfts. Gesch. u. K. II. S. 327. 



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- 366 - 

bächer Unterthanen hielten sich parat, sie gehörten zu beiden Mar- 
ken, waren mit den Cronbergern in Streit wegen eingerodeten] 
Felde. Die Hohen Märker blieben vorerst an dem Stein in der Loa- 
hecken an dem Stierstädter Feld; die Cronberger gingen zwischen 
den Feldern bis auf den Kühtrieb, forderten die Steinbacher auf 
„den Gang mit ihnen zurttckzuthun", mit dem Zusatz: „falls sie Stein- 
bächer, als Mitmärker, diesen zur Mark gehörigen District nicht mit 
begehen würden, man von Seiten der Cronberger Mitmärker sie zur 
weiteren Fortbegehung der Mark nicht admittiren würde". Die Stein- 
bächer weigerten Bich den Gang mitzuthun „sie seien auch bereits 
in Abzug begriffen", so wurde der Gang vom Viehtrieb zur Los- 
hecke ohne sie zurückgenommen; dann die Hohen Märker zu wei- 
terem, nunmehr gemeinschaftlichen Begängnisse eingeladen. Auch 
jetzt wieder gab es Streit. Der Anwalt mit den Hohen Märkern 
wollte auf einen unten an der Haide vormals gestandenen Stein und 
Baum zu, verwies auf eine zu sehende Kaute und auf ein Stein- 
buch. Der Cronbergische Amtmann aber wandte ein, das Steinbuch 
sei privata scriptura, sei nicht von den angrenzenden Steinsetzern 
mit aufgerichtet worden. Er bestritt den Gang, wie die Hohen 
Märker ihn vornehmen wollten, meinte aber man solle sich wegen 
dieser wenigen Morgen nicht aufhalten, werde der Beweis, dass sie 
in die Hohe Mark gehörten, erbracht, wollten sie sich nicht weigern. 
Dies wurde von dem Notar der Hohmärker notirt, und der von den 
Cronbergern requirirte Notar wurde gleichfalls ermahnt die Repro- 
testation und das Erbieten dem Instrumente einzuverleiben. Der 
Umgang wurde auf das Solms'sche zu fortgesetzt Dort baten die 
Oberheck stätter „daß dieses Begängniß an ihrer Feldterminey nicht 
präjudicirlich sein möge". Es wurde erwidert: diese Erinnerung sei 
unnöthig, es sei bei allen vorigen, uralten Umgangen keine Erinner- 
ung geschehen. Weiterhin wurde bemerkt dass die Steinbächer sich 
wieder beigeschlichen und den Umgang mitmachten; man hielt an, 
wies sie nochmals ab, und Hess 10 Märker bei vier Steinbächer zu- 
rück, welche sich nicht abweisen lassen wollten, bis diese entweder 
von selbst abgehen oder der Umgang geschehen sein würde. „Ob 
nun wol der ein und andere Steinbächer sich sehr grob in Worten 
verliefe, thete man ihnen gleichwol andersten nichts als gemeld tes 
Verwehren". Inzwischen bewegte sich der Zug weiter über den Kö- 
nigsteinerweg, über den alten Graben, durch die Hopfenrebwiese, 
den alten Weg und die Hohl hinauf nach der Haderheck, wo „der 
anno 1699 in Disput gezogene Ort, an welchem die Cronberger und 
die Hohe marker von einander gangen sein". Der Anwalt verlas 



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aus alten Umgangsprotocollen die betreffende Stelle, ersuchte die 
Cronberger sie möchten, wenn sie auch einen Umgang de anno 1585 
hätten „von anfaug an was drauß lesen, zu sehen ob die Protocoll 
einander glichen". Da nun die ersten 2 pagina einander von Wort 
su Wort gleichlautend waren, insistirte er, Herr Keller, man möchte 
sich doch gefallen lassen den passum dieses in disput gezogenen Orts 
su lesen. Es fand sich dass der Homburger Anwalt „entweder ohn- 
gefähr oder mit Fleiss einiges übersehen oder ausgelassen, was er 
ganz beschämt gestehen musste", (nämlich: die Haderheck „so zur 
Cronberger Mark gehörig"). Der Homburger Anwalt und die Märker- 
meister suchten nun vergeblich nach Steinen , wussten sich mit nichts 
„als mit etwelcher Schamhaftigkeit" zu entschuldigen, und erboten 
sich den streitigen Distrikt, etwa 10 Morgen lichtes Gesträuch, zu 
theilen; auf welches die Cronberger nicht eingingen. Sie richteten 
ihren Gang gerade die Hohl hinauf nach der Beschreibung der 
Hohen Märker eignen Umgangs. Diese aber gingen doch den Weg 
linker Hand, trafen erst zu End der Haderheck wieder auf die Cron- 
berger. Von dort aus ging der Umzug gemeinschaftlich weiter, die 
Lochbäume wurden frisch gelocht, die alten Zeichen gefrischt. Diese 
Zeichen scheinen manichfaltig gewesen zu sein; ausser den Wappen 
finden sich bei diesem weiteren Umgänge der Cronberger ein Baum 
mit einem kleinen lateinischen c, sodann mitten einen Holzhieb, oben 
diesem ein Zeichen es entstand hier Zweifel ob dies ein 
Lochbaum sei. Wie das Recht der Mark bereits in Ver- 
gessenheit kam, so auch die alten Zeichen. Weiterhin fand man 
einen Baum, in welchen ein Zapfen eingeschlagen war „vermuth- 
lich von einem Hirten seinen Brodsack oder Ranzen daran zu 
hängen". Der alte Schultheiss von „Nörings oder Falckenstein* Job. 
Ad. Pfaff, hat aber bei seinem Gewissen behauptet, dass anno 1668 
dahin gangen und „der lochbaum" denen Königsteinern gezeigt 
worden sei. Allein die Cronenberger halten ihr Recht gegen die König- 
steiner aufrecht; sie fuhren den Vergleich von 1552 an. 

Unter den Lochbäumen hatten verschiedene eine besondere Be- 
nennung, beim gedachten Cronberger Umgang finden sich erwähnt: 
der Cronenbaum, die Schuhsohl, dann die verfallne Krämerbuch bei 
dem Königsteiner Zollstock, (s. Gefach E. 29 die betreffenden 
Umgänge.) 

Iudem wir die Bedeutung des Märkerdings verfolgten, sind wir 
bei Gelegenheit der Umgänge in spätere Jahrhunderte geführt wor- 
den; wir kehren zu den älteren Zeiten zurück, weiter nachzusehen 
wie auf den Märkertagen das Verhältniss zu den Auamärkern fest- 



- 368 - 

gestellt und Uber die Berechtigung zur Mark erkannt wurde. Auf 
dem Märkerding, Dienstag St. Bartholomeustag 1563, haben die 
Waldachmid von der Sorg und Hundtstall, wie ihnen auferlegt war, 
eine Abschrift ihres Instruments gebracht, unter zweien Siegeln der 
Befehlshaber zu Alten Wylnau ; darin ist die Markabgränzung gegen 
die Anspacher Mark verzeichnet. Sie beginnt mit den Worten : „Wir 
von Langen Anspach weisen* ; es wird dann die Gränze, von Philips 
Mtilln hinter dem Throne anfangend beschrieben: den Pfalgraben 
aussen, hinder dem grauen Forst, furtan den Pfalgraben aussen bis 
an den Ryflenberger Buchwalt ... in die Wynpfull,... in die kleyn 
Weilnauer Bach, uff den Zitterling,... bis uff den pastrot, do steht 
eyn nickel etc.. Nach Verlesung dieser Instruments- Abschrift ist 
ihnen gesagt, die Märker seien mit solcher Beweisung zufrieden, 
wollen hinüber kommen mit ihnen absteinen. (Mglb. E. 29, III.) 

Die Cronbergor mussten alle Jahr auf dem Märkerding wegen 
der Tränkung ihres Viehs (wahrscheinlich aus dem Dreiborn) an- 
suchen; gleichergestalt haben „die Höriger under Falckenstein sess- 
haftig« derTrenk wegen „bei dem Märker" ansuchen müssen. (Mglb. 
E. 29, V. s. Ordn. vom 22. Mai 1594.) Der Jungfern vom Thron 
wegen wurde auf dem Märkerding 1549 ausgesprochen: die Märker 
wollten nit leiden das» dieselben mit ihrem Vieh in die Mark trei- 
ben, dass den Ausmärkern einige Gerechtigkeit in der Mark ge- 
stattet werde. 

Bei dem Märkerding der Seulberg Erlenbacher etc. Mark auf 
Sontag Lätare 1498 hat man fürgeben wie dass zwei Bürger von 
Friedberg haben Wellen in der Mark geholet und seien darin er- 
wischt worden zu Köppern, auch haben die von Radeheim einen 
Placken in der Mark abgehauen über das man sich des rechtlichen 
auf Sr. Gn. den Herrn von Hanau erboten, auch Erwin Dogel, Mär- 
kermeister solches H. v. Hanau gesagt; ihm aber sei nit erwünscht 
Antwort entstanden; darum, so erklärt der Markermeister, wo man 
nit darzu thun wolle, lass er auch gescheen, gedenk der hinfuro nit 
mehr Märkermeiater zu sein. Und also sind die von Friedberg er- 
schienen, haben gesagt, ein Mann von Köppern, so zugegen, hab 
ihnen die Wellen verkauft und gesagt, die Wellen gehören ihm zu. 
Aber der Märker hat sich daran nit gekehrt, sie seien betreten wor- 
den nnd sollen sehen wem sie abkaufen, sie gedächten der ihren, 
der das gethan hätt, auch ungestraft nit zu lassen» hab derselb 



" Weil er Holz aua der Mark verkauft. 



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unbillich verkauft, mochten sie sich an demselben auch erholen ; 
darum wollten sie Bich in Gnad geben und taidingen, woll man ihnen 
diesmal Gnad beweisen. Also haben sie sich „in die taiding geben". 
Der ander Gebrechen halben der von Radeheim solle der Märker- 
meister an den gn. H. v. Hanau bringen, die Mark zu verhören und 
die Mark er die Herrlichkeit weisen zu lassen. Das sei in lange Zeit 
nit geschehen bei einem vollen Märkerding, dazu verboten damit es 
im üedächtnisB halte. Alsdann solle ein einhellig Instrument ge- 
macht werden zu ewigem Gedächtniss 56 . 

Im Jahre 1595 wurde von dem Märkermeister und 13 Ge- 
schwornen der gem. Rodheymer und Köpfiener Marcke klagweise an- 
gebracht, wie dass etliche Märker zu Köpffern nun eine ziemliche 
Zeit sich des Nachts mit Brennholz zur Ausfuhr auf Ober- Wöllstadt 
und Friedberg versehen, und wenn sie dann von den ihrigen ange- 
schrieen und zur Rede gesetzt worden, alsdann furwenden, dass sie 
solch Holz in Seulberger und Erlenbacher etc. Marke gehauen, also 
solcher gestalt ihren Betrug und Diebstahl bemänteln und sich von 
der Strafe erledigen. Damit nun glcichwol hinfüro das Uebel an's 
Licht gestellt und gestraft werde, so hat man sich mit ihnen ver- 
einiget, wenn ferner ein Märker er sei gleich von Küpffem oder 
Holzhausen mit Holz zur Ausfuhr von ihnen in ihrer Mark ereilet 
oder betreten werde, welcher fiirgebc dass er das Holz in Seulberger 
oder Erlenbacher etc. Marke gehauen, dass sie solchen durch ihre 
Fürster den unsrigen Märkermeistem nahmhaftig machen sollen, mit 
dem Gegenanerbieten dass es andererseits gleichergestalt gehalten 
werden solle. 

Die Nidda war die alte Gränze der Gesammtmark, die nord- 
wärts wohnenden waren darin betheiligt, dazu berechtigt Es war 
aber diese Abgrenzung nicht streng durchgeführt worden ; der Abts- 
hof und die Mühle bei Eschersheim hatten Begünstigung erfahren, 
und auch wegen Vilbel, das auf beiden Seiten der Nied gelegen, 
will sich der lantman auf dem Märkerding von 1401 berathen. Weit 
wichtiger ab diese Frage ist für das Recht der Hohen Mark der 
Streit welcher über die Berechtigung der Mühle zu Bonames im An- 
fange des 16. Jahrhunderts geführt wurde. 



*« Auffallenderweise ist auch hier des Instruments und Märkerdings von 
149a nicht gedacht. 



24 



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Der Kessler zu Bonames. — Wie die Reiffenberger und 
Hatstciner auf den Märkertagen als Edelleute erschienen und zugleich 
als Herrschaften, so war es ähnlich bei der Stadt Frankfurt. Auch 
diese hatte einestheils die Herrschaft über verschiedene Ortschaften 
welche zur Hohen und zur Seulburger, Erlenbacher etc. Mark ge- 
hörten, dann aber war sie auch markberechtigt ihrer Besitzungen in 
Bonames und in Nieder-Erlenbach wegen; für diese trat sie auf den 
Märkerdingen zugleich als Märker auf. Sie wurde ebenso wenig wie 
die Edelleute namentlich aufgerufen, stimmte mit diesen. So heisst 
es bei dem Märkerding auf Katharinentag 1401 „Henne Clemme von 
Hoenberg und Heynrich von Beldershevm sin hude zu tage von den 
Edelluten, den burgerroeistern von Frankfurt und von dem lantman 
zu merkermeister gekoren". 

Der Rath lässt als Markberechtigter Pfähl hauen, er wird aber 
auch gerügt als Märker. Es berichtet der Geschickte des Raths nach 
dem Märkerding von 1518: sind die Rugezettel verlesen und meine 
Herrn von Frankfurt darin auch rugbar angezogen worden der Mei- 
nung, dass sie 8 Wagen mit Holz in der alten Hege und zween 
Wagen in der neuen Hege gehauen haben. Mglb. E. 29. II 1 ', 98. — 
Es folgt darauf die Rechtfertigung des Raths, dass er die Pfähl für 
das Schloss, die Brück und das Wehr zu Bonamesa habe hauen 
lassen 8T . 

Wenige Jahre nachher, 1521, entstand eine andere Irrung zwi- 
schen dem Rath und den Märkern über das Zufuhren von Kohlen 
aus der Hohen Mark an den Kessler oder Kupferschmid in Bonames. 
Es finden sich in den betreffenden Verhandlungen manche Aufschlüsse 
Uber den Umfang der Hohen Mark, über die Machtstellung der 
Markergedinge und über das richterliche Amt des Waldpotten in 
Streitigkeiten unter den Märkern selbst. Es ist aber bei allem stets 
im Auge zu behalten, dass diese Verhandlungen in die Zeit eiuer 
gewaltigen Aufregung fallen; es ist die heftige und ungebundene 
Sprachweise, welche der Märker sich hier erlaubt, kaum zu irgend 
einer andern Zeit wieder zu finden, es sei denn in den traurigen 
Zeiten der Auflösung der Mark 68 . 



*» Aach in Vilbel hatte der Rath die Brücke zu unterhalten and verlangte 
das Holz dazu aus der Hohen Mark. 1524 beschwert er sich dass die Märker- 
meister keine Pfähle zu Besserung dieser Brücke verabfolgen lassen ; diese 
entschuldigen sich und der Amtman von Königstein schreibt, er werde ihn 
weiters unbelästigt lassen. - Mglb. E. 29. II. 70. 

* Die weitläuftigen Aktenstücke hierüber s. Mglb. E. 29. II b . S. 60 ff. E. 
29. II. S. 56 ff. 



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371 - 



Nachdem auf dem Märkergeding 1621 den 22. Tag des Monats 
May die Märker die Wahl der Förster für sich beansprucht, folgte 
die Beschwerde des Raths dass dem Kessler zu Bonames* „als Mit 
merkern" kohlen zu kaufen und zufuhren zu lassen onbillig verbotten 
worden. Der Keller zu Hoemberg sei solch s Verpott nit gestendig 
gewest: er hätte solches Gebot nit angelegt. Darauf erwiderte einer 
von Homburg, genannt Groehans: solches werd sich wol herfinden, 
wann man gen Hombergk auf den Tag bis nächst Mitwoch kommen 
werde, solle alsdann desshalb auch gehandelt werden. Groshans und 
einer genant Stynuß hab sich dabei öffentlich hören lassen : die Mühl 
liege über der Nidda, so kaufe der Kessler kohlen und führe die 
gen Frankenfurt; aber denen ist man solchs nit geständig gewest. 
Auf dem Tag zu Homburg erschienen die Frankfurter Beamten, der 
Schultheiss zu Bonamesa und Johann Marsteller, Rathschreiber, mit 
samt dem Bereiter. Weil aber der gemein lantman damals ausge- 
blieben, sind die genanten alsbald nach dem Essen aufs Rathhaus 
gegangen, sich gesezt und nach Gewohnheit handeln wollen. Es / 
wurde aber bemerkt dieweil sie nit bei einander, könnte man mit 
Antwort nit begegnen; E. E. Rath möge die Mengel auf einem 
Märkerding anregen. Auf dem nächsten Märkerding, am 8. Jan. 1522 
wurde aber nur yon Beschädigung des Waldes gehandelt. Erst am 
13. wurde dem Rath entgegengehalten: der Kessler zu Bonemesa 
were ein knecht und kein Märker, item so läge die Mule in der 
Nidda; in dem Instrument finde sich diese Mule nicht verzeichnet, 
also solle man solche Neuerung nit geschehen lassen. Zugleich er- 
griffen die Märker diese Gelegenheit sich über den BrUckenzina zu 
Bonemesa und Hausen zu beschweren. Der Rath' beantragte die 
Mule in Augenschein zu nehmen. Auf einem weiteren Märkergeding 
Mitwoch nach Apollonia, 11. Febr. 1523, wurde ein Gebot des Wal- 
potten, Landgrafen Philips zu Hessen mitgetheilt, nach welchem dem 
Kupferschmitt zu Bonemesa kohlen für Geld zuzuführen erlaubt sein 
solle; der Keller zu Homburg that dem gemäss das der kohlen halb 
von den Märkern erlassne Verbot namens seines Herrn auf. Dagegen 
ist der lautmann alsbald fast unwillig worden, und gesagt „sie woll- 
ten darin nit willigen, die Mark sei ihre; man könne das Ihre also 
nit hinweggehen." Die Märker haben Bedacht genommen und dem 
Keller mittheilen lassen „der Lantmann hätt sich dess, wie beschehen, 
zu dem Waltpotten nit versehen, sie wären ohnwissend von E. Erb. 
Rathe der Stadt Frankenfurt beklagt, sie begehrten die Klagschrift 
um darauf zu antworten, sie könnten dem Bescheid nit geleben, und 

wollten auoh itzo verboten haben, dass Niemand dem Kessler sollt 

24* 



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- 372 - 



kohlen zuführen, welcher das aber darüber thät, den wollten sie 
rügen. Dess mehr, bo wäre das Verpott hiebevor durch den Keller 
und lantraan sainmtlich angelegt, und würd' itzo ohn den lantmau 
uffgeben, das konnten sie nit gedulden." Darauf der Keller sagt : 
„er wäre gehört, dabei wollt' er's bleiben lassen, könnt' seines Herrn 
Bescheid nit ändern". Doch stellte er die Schrift des Raths den ge- 
mein Märkern zu, forderte sie auf zu antworten, sein gn&d. Herr 
würde ihnen nit unrecht thun. Er wollt' allen denen die dem Kessler 
Kohlen zuführten für allen Schaden sprechen, wollt' leiden daas man 
sie rüget, aber das pfenden nit, das habe allein sein gn. Herr zu 
thun, und sie nit. Er gestund ihnen auch keines gebots oder Ver- 
bots in der Mark, auch das habe nur sein gn. Herr zu thun. So blieb 



Auf dem weiteren gebotenen Märkergeding auf Petri und Pauli 
1523 erschien Assmus Widdersheini Keller zu Homburg, dann Ha- 
mann von Holzhausen, Conrad Weiss und Johann Marsteller Rath- 
schreiber namens des Raths, weiter verschiedne Abgeordnete der 
Herrschaften und des lantmans eine gute Meng. Der Keller zeigt 
an dass die Irrungen der Kohlen halber zwischen einem Erb. Rath 
der Stadt Frankfurt eines, und dem lantman anderntheils sich er- 
halten, desshalb sein gn. Herr von Erb. Rath durch eine Supplica- 
tion angegangen, darin „etliche recht gebott" vorgeschlagen worden, 
desshalb er damals alle angelegte gebott und verbott abgethan und 
widerrufen. Dieweil etliche Märker wären, die seines gn. Herrn ge- 
bott verbieten thäten, und was sein gn. Herr als oberster Waldpott 
aufgethan, sie dies gemeinlich zugethan, das gereiche seinem Herrn 
zu nicht geringem ohnleidlichen Abbruch. Darum hätte er von sei- 
nem gn. Herrn den Befehl vom lantman einen Abtrag (Widerruf) 
zu fordern, den begehre er jetzo von ihnen. Wollten sie ihn nicht 
bewilligen so hab' er einen andern Befehl ihnen fiirzuhaltcn, der 
ihnen wenig gefallen würde. Darauf hat der lantman einen Bedacht 
genommen und durch Hans Urber, den Schultheisseil zu Oberursel, 
reden und furtragen lassen : Das Verbot der Kohlen sei mit Willen 
des Kellers von Homburg geschehen, so aber der Rath von i rankiurt 
dem landgrafen geklagt, und sie, die Märker, noch nit gehöret wor- 
den, wäre von Nöthen dass man auch sie Hess zur Verantwortung 
kommen. Sie wollten auch eine Schrift an Se. Gnaden machen las- 
sen und darin alle ihre Mängel und Gebrechen anzeigen. Es Wäre 
bekannt, dass die Schmitt zu Bonames nit über 10 oder 11 Jahren 
gestanden, darum gestünde man ihr kein Mark recht. Darauf be- 
merkte der Keller: Er wäre gehört, er wäre nit zugegen mit ihnen 



es diesmals dabei. 




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— 373 - 

zu „taglayssen" sein gn. Herr werde wol Lout haben, die geschickter 
wären denn er ; verlangt nochmals, wie vorbegehrt, den Abtrag. Der 
Lantman aber erwiderte, sie wollten kein gebot haben, und „hatt 
ein unfreundlich Gemurmeil gehabt, also dass der Keller sich ent- 
setzt und eyn andern Weg ftirgenomen" sich bedacht und gesagt, 
er dürfte dem lantman rathen, dass sie ihr Gebot Hessen absein, und 
seines gn. Herrn Gebot Hessen fürgehen, bislang die Sach geordnet 
oder die Mule besichtigt würde, damit Niemand unrecht geschehe. 
Aber der Lantman sich nit bewegen lassen, sondern beharrte auf 
dem Fürnehmen, wie er die Verantwortung und Bericht in Schriften 
wollte verfassen lassen**. Also nach vielen Reden und Widerreden 
sagte der Keller: er gebiete allen Kölern und Märkern dass sie der 
Kupferschmid Kolen sollten zufilren bislang die Sach geordnet werde. 
Er wollt auch einem Jeden vor allen Schaden versprechen. Darwider 
soll auch Niemand reden. Da waren etliche Märker die das wider- 
sprachen, und sagten sie wollten das widersprechen. Also sagt der 
Keller zuletzt: er wollt die Sach diesmal« bei seinem Verbot und 
Gebot bewenden lassen, sein gn. Herr wttrd' sich gegen Inen wol 
zu halten wissen ; nahm Herrn Haman und Conrad Weissen zur Seite, 
sagte ihnen: dass er seines gn. Herrn Gebot nit angelegt wäre 
dies die Ursach, dann er besorgt wo er das gethan, es wären dem 
Lantman Pferd, Kühe und anderes genomen worden ; dadurch andere 
von der Ritterschaft als Grafen Herren und Edelleut zur Sach und 
ohn Willen kommen wären, dass dann vielleicht mehr zu ohnnutz 
dann zu gutem komen möcht. Darumb hätt' er das unterlassen. 
Darauf Eberhart Schenck zum Keller gesagt: Ein Edl. Rath sei nit 
gemeint Unwillen zwischen dem lantman aufzurichten, sagt also dem 
Keller Dank. Dieser verspricht er wollt selber in die Höhe reiten, 
und allen Kölern von wegen seinem gn. Herrn gebieten der Kupfer- 
schmitten Kolen zuzuftthren. Dabei blieb es. Doch hatten etliche 
vom lantman gesagt, so dass es der Marsteller, und auch des Amt- 
manB Knecht, der schmit zu Bonemesa gehört: sie wollten dieKocler 
alle erschlagen wenn sie Kolen nach Bonemesa führeten. 

Am Tage Margarethae Virginia in anno 1523 überreichten die Mär- 
ker eine Schritt an Herrn Phillipaen, Landgrafen zu Hessen, den Walt- 
potten. Sie sagen darin : Es hab ein Erb. Rath zu Frankfurt in den 
letzten 11 Jahren jenseit der Nidd und dem Flecken Bonemesa ausserhalb 



" Weiterhin wehrte er sich wieder gegen das „in die Feder 1 ' redon. 



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des Bezirks darin das Markrecht herbracht sei, ein kupferschraitten 
gebaut and ein Zeitlang ihre kolen zum theil aus der Mark doch ohn 
der Märker gemein Erlaubnis» oder wissen, um ihr Geld bestellt und 
sich des stillschweigend also zu brauchen unterstanden, bislang solches 
an sie, die Märker, auf gemeinem Märkert&g gelangt sei. Die Mär- 
ker hätten sich unterredt die weil solch Schmitten jenseit der Nidde 
gelegen und zufüren der kolen ein Neuerung were, darauf nach ge- 
meiner Mark Herkommen entschlossen, man sollt es von Sr. F. Gn. 
als obersten Waltpotten wegen verbieten. Welches s. F. Gn. Keller 
zu Homburg „wie sich auf beschluss des Merckers gebürt, auch ge- 
than". Dabei sei es ein Zeitlang also blieben, dasa wiewol der Rath 
zu Frankfurt zu mehrmalen darwider habe klagen lassen, die Märker 
doch und Sr. F. Gn. Keller mit ihnen auf gemeltem beschluss des 
Verpots bestanden. Die von Frankfurt hätten dann die sach zu ihrem 
glimpff aufgemüzet, und Sr. F. Gn. derhalben bevelh geben, die be- 
rührten Verbot abzuschaffen und es bei dem alten Herkommen bleiben 
zu lassen. Dieses letztere, dass es bei dem alten Herkommen bleiben 
solle, haben Bie gerne gehört, und die Sach auf ihrem ersten Beschluss 
bestehen lassen, ihres Vermuthens nit unbillig, nicht als ob sie den 
befehl freventlich übergangen sollten han. Das Verbot sei ihren 
Rechten und dem Instrument zuwider welches besage: was der ge- 
meyn Mercker cyntrechtiglich beschloss soll der oberst Waltpott 
hanthaben. Die von Frankfurt möchten noch mehr Schmitten 
bauen, und würd die Lenge der Mark nit genügend sein, ihnen zu 
ihrem Wesen kolen zuzulassen. Am Spossart und andern grossen 
Wäldern gehe es am Holz allenthalben ab, desgleichen in der Hoben 
Mark gestatte die Notturft kein Neuerung. Sie verlangen von ihrem 
gn. Herrn und Waltpott dass er sie schirme. 

Ks ist in dieser Schrift zu beachten, wie die Märker den feinen 
Unterschied des Römischen Rechts zwischen Besitz und Herkommen, 
wol mit einem gewissen Hohn, Ubersehen und glauben machen wollen, 
der Rath habe nur auf Letzteres sich berufen. Ebenso ist es be- 
merkenswerth wie der Waldpott seinerseits im Folgenden die Stellung 
eines Römischen Prätor einzunehmen sucht und seinem Amtmanne 
Aufträge gab, ähnlich wie der Römische judex sie erhielt. Der Land- 
graf theilte die Antwort der Märker dem Rath in einem Schreiben 
d. d. Sontag nach Jacobi ap. 1523 mit, es heisst darin: Unsem 
günstigen Gruss zuvor. Wir haben den gem. Märkern befolen die 
kupferschmitt in ihrem brauch zu lassen, wie das von Alter Her- 
kommen wäre; nachdem aber sie weiter darüber gehandelt, einen 
Abtrag von ihnen gefordert, darauf sie uns Antwort gegeben wie 



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hierin zu vernehmen. Wenn also die sach wäre wie die Merker an- 
zeigen, wiewol wir auch zu willfahren geneigt wären, müssen wir es 
, dabei lassen; wo es ein ander Gestalt hat, möcht ihr uns Bericht 
darauf geben, seint wir geneigt „soviel uns mit Icht fugen will 8 der 
G-epfire und gnädlich darin zu halten. Es beeilte sich hierauf der 
Rath zu erwidern, wie seit Jahren der Mühle kohlen zugefürt wor- 
den, es sei mit Wissen und Erlaubnis» der Märker geschehen ; als der 
Rath im Jahr 1521 auf dem Märkerding sich beschwert, etliche ver* 
hinderten daas kohlen zugefürt würden, hab der Keller gesagt, er 
wisse nichts von solchem Verpot, er hab es nicht gethan. Der Rath 
bemerkt weiter, die Muhle liege nicht jenseit der Nidda, es sei altes 
Herkommen daas man jeden Märker bei seinen Rechten belasse. Das 
Instrument gäbe dem lantman nicht das Recht Gewaltsamkeit zu 
üben, noch dem Waltpotten ungerechtes Fürnehmen einem Dritten 
zum Nachtheil zu handhaben. So der Landman in seiner eignen 
Sach rechteprechen möcht und den Mitmärker seines Rechts entsetzen, 
so möcht er heut einen und morgen den andern hinauswerfen, und 
ihnen ihr Recht nach Gelieben nehmen. Darum sei die unterthenigste 
bitt s. F. Gn. als oberster Waltpott und beschirmer solcher obbe- 
stiramten Recht und Gerechtigkeit wolle den Rath als Mitmärker bei 
seinen unleugbaren beaeß und Rechten erbieten, handhaben und dem 
Gebot Vollziehung thun. 

Der Waltpott war damals offenbar in grosser Verlegenheit; einer- 
seits das Drängen des Frankfurter Raths auf sein gutes Recht, an- 
derer Seit» die drohende Bewegung des lantmans; dazu kam seine 
Betheiligung an der Fehde mit Sickingen. Am Sonntag nach dem 
h. Dreikönigstage hatte er von Cassel aus dem Rath geschrieben, er 
wolle seinem Amtman zu Eppstein und Keller zu Homberg vor der 
Höbe thun schreiben und befehlen mit Fleiss in die Dinge zuzu- 
sehen, dass es wie vor Alters gehalten werde. Ein zweites Schreiben 
datirt am Sonntag nach Corpus Christi 1523 aus dem Feldlager bei 
Ebernburgk besagt : sobald er wieder innerhalb Landes gekommen 
wäre, wolle er verschaffen dass das besehenen Verpot aufgethan, den 
Schmitten kolen zugeführt werden. Es folgt nun ein drittes Schreiben 
d. d Cassel, Freitag nach Assumpte Mariae 1523 an seinen Amtman 
Herwigen von Lauerpach: Wir schicken dir hierbei Abschrift eines 
Berichts uns von den zu Frankfurt zugeschickt, belangend diesclbigen 
von Frankfurt von wegen einer kupferschmitten, und die Märker in 
unser Homburger Mark uf der Hohe, und dieweil die von Frankfurt 
sich anmaassen dass sie solcher Schmitten halber des Markrechts in 
gemelter Homburger Mark in bescas, und desshalb offenbar sein soll, 




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auch darauf vorige unsere bescheid und befehl gefallen, und aber die 
Märker solches dermassen nit gestendig sein wollen; — ist unser 
befehl dass du dich in solchem sommarie erkundigst und wo es noth 
thut beide theile darzu forderst, desshalb ihren Bericht und weiter 
Beibringung zu hören, und wo du befindest dass die kupferschmitt 
in Bonames in besess ist, oder je zum wenigsten das» sie in sechs, 
acht oder zehn Jahren dem nächsten, kohlen aus der Höhe gebraucht 
hat, alsdann „von Unsern wegen als obersten Herren und Waltpot- 
ten gemelter Schmitt solche kolen further bis zu rechtlichem Austrag 
der Sachen zu gebrauchen vergennest 0 , auch dasselbige bei den 
Merkern unverhindert geschehen zu lassen verschaffest, und denselben 
Merkern ansagest: wo sie darin Beschwerung hätten, dieweil dann 
solche Irrung zwischen ihnen und den von Frankfurt schwebt, der- 
halben die Märker, als Partheien, unsere Fürsehen nit urtheilen 
mechten, so wären wir geneigt als der Oberherr und Waltpott gen 
Homburg Tag zu setzen, die Gebrechen auch beider Tlieil bewei- 
sung eigentlich hören, und darin was recht ist geschehen zu lassen, 
und dass darauf ein Theil den andern bei recht und Gewalts erlassen, 
daran geschieht unsere Meinung. — Der Amtmann sollte also zufor- 
derst über die Besitzfrage Untersuchung einleiten, dann Uber das 
Recht selbst Er ordnete eine Tagfahrt nach Bonames, Dienstag nach 
Mathai den 22. Sept 1523; es fanden sich daselbst ein von Seiten 
des RatliB Dr. Niclaus Rideker, Advocat, Haman von Holzhausen, 
Schöff, und Conrad Weiss, Rathsfreund, samt Joh. Marsteller dem 
Bereiter und etlichen Söldnern, weiter etliche vom gemayn landt- 
mann; anstatt Ss. gn. Herrn zu handeln war der Ambtman vor der 
Hohe Helwig von Lauerspach zugegen „auf der Wiesen zwischen 
dem Müelgrabeu und der Nidda, nahend bei dem Weher, so dass 
Wasser auff die gnant sclimit zwingt". Daselbst baten die von Frank- 
furt den Amtman des besess halben zu handeln, und dass der Schmit- 
ten bis zu rechtlichem Austrag kolen zugeführt würden zu verschaf- 
fen. Sagt der Amtman solche Meinung steh noch bei ihm dem lant- 
man fÜrzuhalten; Er besorge die Pauern würden solchs nit thun ; 
er wollt doch Boviel möglich darin handeln. Ging also zum lantman 
mit dem des Tags Eröffnung halben zu reden. Er verlangt dass ihm 
diejenigen genant würden welche der kupferschmitt kolen aus der 
Mark zugeführt, damit er sich der Sachen erkundigen möcht Dem 
widersetzte sich der Schultheis« von Oberursel und Grosshenne von 
Homburg : der lantman könne jetzt keine Antwort darauf geben, er 
bat um ein gemein Märkerding, dass alle „die Lehenherrn und Jun- 
kern so Mark recht hetten, dahin kommen mochten, damit Inen und 



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der Mark nichts entzogen würde*. Die von Frankfurt erboten sich 
die Namen schriftlich dem Amtman zuzuschicken; sie beriefen sich 
dann wegen de» Hechtes selbst, auf den Augenschein „dass der 
Graben so uff die kupferschmitt lief, nit die Nidd hieß*. So gefragt 
würde : wie heisst das Wasser so auf die kupferschmitt lauft müsst 
gosagt werden: der Mülgraben so auf die Müle lauft; und wieder so 
gefragt wurde wie heisset das Wasser „den Straumb der Nidd mey- 
nend", müsst gesagt werden: die Nidd. Aus dem klarlich abzunehmen 
dass die Mühle nit auswendig, sondern in der Mark gelegen wäre. 
So wäre länger denn Menschengedenken eine Walkmühle an Statt 
der Kupferschmitten gelegen gewesen, die als in der Mark gehalten, 
und darwider keine Einrede gethan worden. Schliesslich wurde vom 
Amtmann ausgesprochen, dass ein jeder so vom lantnian zugegen 
gewesen seinen „Nachpauren" diese Handlung entdecken soll, damit, 
wenn sie zum nächsten Märkerding kommen, ein Jeder wissen möge, 
was er thun und lassen sollte. Und sagt ferner, er möoht wol leiden, 
dass sie „geschickt leuth dahin schicken, dann wenn sie Ochsen da- 
hin verordneten, so zugennd (zögen) sie als die Buffell und kont 
niemant mit Inen neherr komen, so stunden der ejus tails und 
sagten von mehen oder sehenn, die andern hörten nichts zu u . Solche 
Spässchen hörte man gern, doch ist es dabei geblieben, dass ein 
Märkergeding aolt vorkündet werden. Mitwoch nach Pfingsten 1524 
erschien auf der Au vor Oberursell Jacob Widdersheyn, Schultheiss 
zu Homburg samt dem neuen Keller daselbst als Anwalt des Ober- 
sten Waltpotten, Johann Brennel (Brendel) als Markermeister, dann 
Fridrich von Ryffenberg, N. Karspach, Eberhard Schenk, weiter 
Conrad Wcibs und Johann Mars toller. Als der lantnian die Wahlen 
allzusehr in die Länge zog, vertilgte sich Herr Conrad Weiss mit 
dem Rathschreiber in den Kreis, brachte die Irrung wegen der kolen 
vor, bat in Ansehung der billigen Gerechtigkeit nochmals von ihrem 
unbilligen Fümohmen abzustehen. Darauf sich der lantman bedacht 
und nach guter Weile einen Kreis gemacht und in Beisein des An- 
walts von Homberg der kolen halb geantwortet: Sie gestehen der 
kupferschmitt kein Gerechtigkeit, denn sie lieg in der Nidde, so sag 
das Instrument man soll darin kein kolen geben. 

Freitag nach Corpus Christi 1524 ist auf Ansuchen des Raths 
der durchlauchtig hochgeborn Fürst und Herr, Herr Philipps Land- 
grafen zu Hessen aammt seinem Canzler zu Bonemesa auf den Augen- 
schein, die Kupferschmitt belangend erschienen, die besichtiget, auch 
den Fluss des rechten Straumbs der Nidd gesehen und E. Erb. 
Raths Bericht empfangen. Den Gesandten des Raths wurde durch 



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den Canzler in Antwort begegnet: Auf das Widerabreiten vom 
Schiefleen zu Heidelberg sollt E. Erb. Rath ansuchen, wollt sein 
Gn. ein Märkerding machen und ehrliche Käthe zur Handlung, darin 
die Partheien *zu verhören, bei den Augenschein verordnen lassen. 

Freitag nach Bonifacius ist darauf Johann Marsteller bei s. 
günst Herrn, dem Schrauttenbach zu Cronberg gewesen. Sobald 
dieser abgesessen und sich ausziehen lassen, sei er im Schloss oben 
erschienen, habe um Tagsatzung angesucht Schrauttenbach habe 
begegnet, er wolle es seinem gn. Herrn anzeigen, habe ihn auf den 
Abend wieder beschieden, dieweil die Räth noch hernidden im 
Flecken gewest Also sei er um '6 Uhr wider hinauf gangen und 
habe sich ansagen lassen. Bald darnach seien Schrauttenbach und 
Herwig von Lauerbach, Amtman zu Eppstein und Cronberg zu ihm 
kommen, der gn. Herr lasso ihm sagen, wie er dem Amtman Helwig 
Befehl gethan das Instrument der Mark zu ersichtigen und auch 
sonst bei den Märkern in Erfarung zu bringen, ob der Tagsatzung 
halber ein benante Zeit im Instrument, oder sonst der Mark Brauch 
were ; wo dann dem also, denselbigen Weg zu halten, die Räthe und 
Gerichtschreiber zum Verhöre zu verordnen. J. Marsteller bedankt 
sich dieser Antwort mit der Zuversicht E. Erb. Rath werde s. f. Gn. 
freundlichen Dienst aüerzeit gern willig gedenken, gedienen und on ver- 
gessen sein. Er berichtet dann weiter: „demnach hat Schrauttenbach 
J. Hellwig von Lauerbach gleich bevolhen mich im Saall bei dein 
Essen zu behalten. Darauff ich mich bedankt und angesagt daß 
glych uffsitzen und den Weg geynh Frankfurt woll ftirnemen. Da 
hab ich doch zuvor mit dem Amtman in den Keller gehn und eyn 
Drunk nemen müssen. Hab also bei dem Herrn Schrauttenbach und 
Juncker Hellwig mein freundlichen Abschaid erhalten, der mir aber- 
mals zugesagt des Tags und der Benennung Indenk zu sein und 
aufs fürderlicbste zu vollnziehen. Dabei plieb es 0 . 

Auf dem Märkerding Dienstag St Lucastag wurden die Gesand- 
ten der Herrschaften vom Keller zu Homburg gefragt, ob sie mit 
E. Erb. Rath gütlich Verhöre annehmen wollten oder aber rechtlich 
für s. gn. Herrn den landgrafen rurkommen wollten. Sie haben nach 
einem Bedacht dem laut man angezeigt, und die überredt die Güte 
zu verfolgen; es ist solches durch Philipp Ryffenstayn von wegen 
der Märker öffentlich zugesagt worden. Darauf wurde Dienstag nach 
Martini als Tag zum Gttteversuch bezeichnet Es eröffnete denselben 
in Homburg der Edel und Ehrenvest Helwig von Lauerpach mit 
begehr ihm etlicho Schreiber zuzugeben, clage und Antwort aufzu- 
schreiben, dann ihm solche Fürtrag im Haupt zu behalten unmög- 




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lieb wäre. Die Edelleute samt dem Lantman erklären dass sie allein 
dem Waltpott zu Ehren, Ihren Rechten unvorgreiflich, erschienen 
seien; es wäre dem Weisthum und ihren Markrechten zuwider „in 
Bchriften etwas zu handien, sondern wollt E. Erb. Rath etwas clagen, 
das sollt mondlich geecheen, und in Lufft geredt werden ; wollten sie 
sich daruff bedenken und Antwort geben". Der Amtman sagt „were 
ihm nit müglich zu behalten, was in Luft geredt werde, darum were 
sein Bitt noch als vor". Der lantman wollte aber nit in die Feder 
reden, begehrten dass die Klage in der Güte geschehe mündlich, 
wo aber nit, begehrten sie den Tag bis zu einem Märkerding „uf- 
zuschurtzen*. Als sich beiderseits viele Rede verlaufen, sagt der 
Amtman „der tag sei gelayst, er konnte nit meh thun", dann er 
möge wol seinem gn. Herrn anzeigen, warum und wesshalb sich 
dieser Tag gestossen habe. Darauf Eines Erb. Raths Gesandten dem 
Amtman gedankt und gebeten dem Waltpoden zu entdecken dass 
sie an dem Zerstossen dieser Handlung nicht Schuld gewesen. 

So sah der Rath sich genöthigt Samstag nach Katharina 1524 
rechtliche klage zu erheben. Die Form derselben ist hier nicht un- 
wesentlich, sie beginnt: 

„An Herrn Philipsen, Landgraven zu Hessen. Durchlauchtiger, 
hochgeborner Fürst! E. F. Gn. seien unser unterthänig willig Dienst 
alles Fleiss zuvor bereit — Gnädiger Herr. — Der Irrung und 
Gebrechen halben so sich zwischen dem lantman und unsern Mit- 
merkern der Homburger Mark eyns — und uns, unser kupferschmitten 
halben zu Bonemesa anderntheils erhalten". Die Klage gedenkt im 
Eingang der Verhandlungen vor dem Märkergeding, und des Güte- 
versuchs bei welchem aber „nichts fruchtparlichs gehandelt 8 weiset 
hin auf den genommenen Augenschein und die Offenkundigkeit dass 
die kupferschmitte in der Mark liege, deshalben wie andere Schmit- 
ten darin gelegen , Markrecht habe. Viel Jahre habe sie dies Recht 
geübt, der Keller tu Homburg habe der Märker Verbot wiederum 
geöffnet. Es wäre unbillich dass dem grossen Haufen der Märker 
gestattet werden sollt den cläger von seinen offenbaren Markrechten 
ohn einig vorgehend Gericht, recht oder Erkantniss zu verunrechten, 
dieser wisse anders Niemands um gebür liehe Hilf „dann den obersten 
Waltpotten und Herrn der Homburger Mark" anzurufen. Die Bitte 
geht dahin Se. F. Gn. wolle gnädigl. verfügen, dass der Schmitten 
kolen bis zu Austrag der Sachen zugeführt werden, und den so 
kolen fuhren, für schaden sein und dass sie Arges nit zu gewarten 
haben. „Wo dann die Märker je vermeinen wollten, dass solüchB nit 
sein sollt, so wollen wir ihnen desshalb fürderlichs und schleunigs 



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I 



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rechtes vor E. F. Gn. als dorn obersten Walltpotten und Herrn der 
Markh, nit vor sein, des wollen wir uns ... zu Ew. F. Gn. als 
unserm gn. Herrn untertheniglich verdrehten und solchs alles Vleis 
umb dieselben E. F. Gn. wiederumb zu verdienen willig und bereit 
erfunden werden". Der Rath bittet zuletzt um schriftliche geneigte 
Antwort 

Diese erfolgte schon, von Cassel aus, Montag nach Andrea 
Ap. Sie war ausweichend, im Gefühle einer bescheidenen Machtstel- 
lung abgefasst Der Waltpott schreibt: er sei nit gemeint die Zufüh- 
rung der kolen zu hindern, sondern des Gemüts so viel an ihm läge 
kolen zuzuführen zu gestatten, dass er aber vor Schaden sein und 
dem gebürliche Verhütung thun solle „das will uns, als ihr selbe zu 
ermessen habt, beschwerlich sein. Wir lassen aber geschehen, dass 
ihr auch etwas besess, soviel recht ist, geprauchet, was uns dann 
unsern theils als aynem obristen Waltpotten und Herren der Marek 
dartzu zu thun gebürt, an dem soll an uns keynn Ifangeil gespürt 
werdenn". 

Zum Schlüsse dieser Verhandlungen findet sich dann in den 
Akten Mglb. E. 29. II b . S. 95 noch eine förmliche KlagBchrift des 
Raths, welche mit den Worten beginnt: Für euch, den ernvesten 
und verordneten Rathe des durchl. hochgeb. Fürsten u. H. etc. er- 
scheinen Eines E. Raths zu Frankfurt AnwäJde zu, „gegen und wi- 
der die ernvesten und ersamen landtman und Merker der Homberger 
Mark, und bringen nachfolgende Meynung in schlechter erzelung 
der Geschieht in Recht klagweiß für", und sagen, dass wiewol die 
kupfermülc zu Bonamese in der Homburger Mark und derselben 

bezirk gelegen sei, und desshalb Markrecht hab, so 

sei doch auf begehr des gem. lantmans und Merker der Hom- 
berger Mark verboten worden, dass der kupferschmitt zu Bona- 
mes a und den Inhabern derselben kolen aus der Mark zu- 

• 

geführet, oder um ihr Geld verkauft werden solle. Verhandlungen 
auf den M&rkerdingen und Gttteversuch seien vergeblich gewesen. 
Demnach sei der Anwälte „in recht bit und begehr an die verord- 
neten Ruthe .... sie wollen mit endlichem Rechtspruch sprechen, 
urtheilen und erkennen, dass vielgemelter gemainer lantman und 
M&rker der Homburger Mark solch Neuerung fllrzunohmen und Ver- 
pot legen zu lassen und zu verschaffen nit gepürt und daran Unrecht 
gethan habe, dass auch, solch vermeintlichen Verpotts onangesehen, 
der kupfermul zu Bonemesa und Inhabern derselbigen Markrecht 
gleich andern Merkern . . folgen, gedeyen, auch Holz und kolen 
zugefürt werden sollen und mögen; alles mit erstattenden kosten und 



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I 



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schaden .... mit ferner angehängter Bitt, in diesem Fall was Recht 
sei zu sprechen, und ihnen den Anwälden anstatt eines Erb. Raths 
zu Frankfurt dasselbe mitzutheilen, auch den Gegentheil uff solche 
Klag zu antworten und den krieg für allen Dingen zu befestigen 
anzuhalten 8 . Es folgt zum Schluss der gewöhnliche Vorbehalt die 
Klage zu mehren und zu mindern. 

Wie diese Sache zu Ende gegangen, darüber findet sich weiter 
nichts vor. Wahrscheinlich hat der Rath für klug angesehen, sie 
beruhen zu lsssen. Im Jahre 1561 wurde sie auf einem Märkerding 
wieder angeregt: Es hab sich in kurzer Zeit ein Messerschmit gen 
Bonames gesetzt, der verbrauch' zu seinem Hantwerk soviel kolen 
und Holtz, dass es der Mark zu grossem schaden reiche; desshalb 
auch die Hufschmid, Waffenschmid , kopferschmid, Schlosser und an- 
dere in der Mark gesessen, darüber klageten es kom' ihnen zu gros- 
ser beschwerung, dann der Messigschmid näm' die kolen so theuer, 
das» sie keine kolen können bekommen, er halte auch einen sonder- 
lichen knecht und ein Pferdt des Walds halben, der ihm Holz und 
kolen zuführe. Darauf haben sich die Märker besprochen und bedacht 
dass vor Jahren eine kopferschmitte zu Bonmes sei gewesen, die sei 
abgangen, aber anstatt derselbigen sei eine BapiermttH eingerichtet 
in dero wol soviel oder mehr Holz und kolen verbraucht werden 
als zuvor in der kopferachmitten verbraucht seien, dass aber gar 
darüber nun auch eine kopfer- oder messig-achmitten (zu verderbung 
des Walds) angerichtet sei oder wöll werden Das sei gar ein neues. 
Auch einen Glasmacher haben die Märker nit wollen leiden, ebenso 
Eschenbrenner. Henrich Riedesell hab wollen Kalk zu Obern Espach 
lassen brennen, aber die Merker habens ihm versagt So sagten sie 
auch wegen des messigschmid sie wollen ihm soviel Holz und kolen 
als er zu seiner gemeinlichen Haushaltung bedürf, gleich einem 
andern Merker gunnen und nit wehren, aber Holz und kolen zu 
seinem Hantwerk, das könnten und wollten sie nit leiden. 

Auch hier bei dem Rechtsverhältnisse der Ausmärker werden wir 
wieder hingewiesen auf den Stolz den der Märker an den Tag legte, dass 
er in der Mark auf seinem eignen Grund und Boden stehe. Würde, 
so heisst es auf dem Märkerding, Catharinentag 1401, ein Märker 
begriffen der die Mark schädigte, den sollen die Märkermeister oder 
Förster rügen und nit pfänden, der solle zu büß verloren haben 
xv tornese. Würde aber, so heisst es weiter, ein Ausman in der 
mark begriffen, der da innen gehauen hätte, der hätte „lip und gut 
verloren, und sulde man den Manne antworten dem Walpoden, der 
raitlme leben mag wie er will, anc den dot und lemede"; die Pferde 



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Bollen werden dem lantman, und von den Pferden den Märkermeistern 
viü ß heller, und Wagen und Geschirr den Förstern. Ebenso wurde 
auf dem Mfirkerding von 1438 gesagt: wäre es dasa ein Märker in 
derMarg begriffen würde, den solte man nit pfenden sondern rügen, 
der solte xxx Schilling geben, davon solt werden ein Pfund den 
Märkcrmeistern und x ß den Furstern. Wurde aber ein ußwendig 
man dar inne begriffen, da soll man den Mann antworten eym 
Walpoden mit dem mag er umbgeen wie er will, also dass er ihn 
nit töde oder lühmete. 

Die Bezeichnung als Ausmärker enthielt also keineswegs bloss 
die Erklärung dass Jemand nicht an dem Gebrauch der Mark theil- 
zunehmen berechtigt sei, sondern auch dass der Schutz der Mark 
ihm entzogen, dass er der Gewalt des Waldbotten uberlassen, dieser 
bei Waldfreveln zu überliefern sei. 

Im Jahre 1551 wurde auf dem Märkerding geklagt, dass die 
Arnßheimer und die von der Wyll, eine Hege so dem Walde zu 
gute gemacht war, verwüstet hätten ; sie sollen für solche Ueber- 
fahrung20fl. den Märkern zurBuss geben, wenn sie nit in 14 Tagen 
bezalt, sollen sie für Ausmärker „eingetrieben* werden. Weiter die- 
weil der Schultheiss zu Reiffenberg in einem verbotenen Hegewald, 
der Scharterwald genant, Holz erlaubt hat, und doch kein Holzgeber 
noch Merkermeister nit ist, soll er den Merkern 10 fl. zu Bus* ge- 
ben, in 14 Tagen vorlegen; wo nit so sollen sie vor Ausmärker ge- 
halten werden. Im folgenden Jahre ist der Häge am Pfutzenberg 
gedacht, so durch die Reiffenberger und Arnoltshainer verhauen sei. 
Dann heisst es 1554 das» die Reiffenberger noch kein Bcweisung des 
Bettsteins wegen gethan; endlich Heisst es im Jahre 1562, dass der 
Dielnberg oder BeÜnstein und der kleine Be tstein ausgelocht wer- 
den solle, auf dass keine Irrung derenhalb furfalle, doch onbegeben 
den grossen Bettstein; durch die Arnßhainer sei eine Säuheck in der 
Höhmark gemacht, und viel Holz dazu gehauen und verderbt wor- 
den, die Märker haben auch angezeigt : die Reiffenberger, Arnßhainer 
und andere jenseit der Höhe, als die Mark ausgegangen worden, 
seien sie in dem Scharterwald von dem rechten Lochwege einen 
andern Weg gegangen, haben den Dielnberg, den grossen Bettstein 
und den kleinen Bettstein alle von der Mark gegangen, so doch 
allein um den grossen Bettstein Irrung gewesen; als auch diese 
gelocht worden, so haben darnach die Reiffenberger ohn Wissen 
und Willen der gemein Merker die gehauenen Loch an dem kleinen 
Bettstein ausgehauen, und haben darüber den grossen Bettstein ihnen 
zu, und den Märkcrn abgelocht — haben die Merker sie uff diesmal 



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von der Mark ausgeschlossen, wollen sie für Ausmärker erkennen 
und halten. Im folgenden Jahr begehren darauf die zwen Stamm 
von Ryffenbergk and Hattstein Anzeig, warum die Mark er ihre Un- 
terthanen aus der Mark geschlossen. Die Marker geben an: die Un- 
terthanen haben gut Wissens dass sie in viele Wege der Märker 
Ordnungen zuwider gelebt, seien auch noch vieler alter Bussen 
schuldig; die Byffenbergsen und Arnßhainer seien ein tbeil des 
Scharterwalds und den Dielnberg, den kleinen und den grossen 
Bettstein von der Mark gegangen „darumb können die gemein Mer- 
ker sie nit für Mitmerk er erkennen". Den Förstern wird befohlen, 
wo sie die Byffenbergsen oder Arnßhainer in der Mark betreten, 
sich dero zu gebrauchen, so sollen sie dieselbigen „mit lyben und 
Hab gen Hombergk dem Waltpoten liefern zu straffen als Ausraer- 
ker". Darauf fanden sich die beiden Ortschaften erbötig sich mit 
den Merkern der ganzen Mark zu einem gütlichen Vertrage zu ver- 
gleichen; es wurde auf den 25. Oct. 1565 ein gütlicher Tag nach 
Homburg vor